Das Fass ohne Boden: Mahayana und die ursprüngliche Lehre

Moderator: void

Mir gehts nich darum was richtiger oder falscher ist, sondern dass ich es als absurd empfinde, weil sich der sprachliche Austausch mit Fremden erstma auf der konventionellen Ebene befindet und somit "logisch" ist (damit meine ich nicht den Inhalt davon, sondern nur die Form).

Also "lalala" oder "sdgsdfvsrtcw" hat nich den selben Anspruch wie "Die Katze is braun.". Mir gehts wie gesagt nich darum was richtigererer oder besser ist.
void hat geschrieben:
Doris Rasevic-Benz hat geschrieben:
"Ziel" ist ein Konstrukt. Und wir benötigen Konstrukte zum Leben.
Auch der Buddha muss mit diesen Konstrukten arbeiten. Z.B. indem er Sprache verwendet.
Und wir bedienen uns der Konstrukte, um uns über die Konstruktnatur der Konstrukte bewusst zu werden.


Die Frage sollte doch sein, ob es sinnvoll ist aus der Perpektive eines Befreiten heraus zu denken.

Die Leute leiden sie kommen zu Buddha und fragen ihn nach dem Pfad zur Überwindung des Leidens. Weist er ihn da oder sagt er sowas wie: "Dort wo der Pfad endet, braucht es keinen Pfad mehr. Da ich nicht leide, muss ich es nicht überwinden!" Was würden die Leute denn zu so einer Aussage sagen Vielleicht sowas wie "Lieber Herr Buddha, das ist uns schon klar, das der Befreite dem Leiden enthoben ist, aber inweiweit hilft uns das jetzt weiter. Wie kommen wir da hin, das auch wir dem Leiden enthoben, vom Leiden befreit sind." oder wie man halt da so sprach.

Es interessiert die Leute doch nicht so, wie es wirklich ist und ihnen zu sagen ihr Leiden ist eine Illuson hilft auch nichts. Rei das pragmatische Konstrukt, der Pfad zur Überwindung des Leidens hilft was.

Und da stellt sich doch die Frage: Warum geht man im Mahayana von der Perspektive des Befreiten aus. Was bringt das gegenüebr der herkömmlichen Herangehnsweise?


Zu Zeiten Nagarjunas hatten sich viele unterschiedliche herausgebildet, sie alle nannten sich Buddhisten. Da gab es ua. Essentialisten, die Nirvana als Verdinglichung ansahen und daran hafteten.....und es gab auch Nihilisten, die jegliche Existenz für eine Illusion im absoluten Sinne ansahen und an dieser Ansicht hafteten.
Gegen beide wendete sich die Argumentation Nagarjunas.... Den Essentialisten, in dem er darauf hinwies, dass Nirvana nur ein Konzept ist , welches zwar wahr ist, im Rahmen einer weltlichen Sicht.... Jedoch keine Wahrheit im absoluten Sinne darstellt...wo jegliche Unterscheidung/ Ansicht hinfällig ist.
Die Nihilisten widerlegte er, in dem er darlegte, dass die 4 Wahrheiten ihre Gültigkeit innerhalb der konventionellen Welt haben und somit auch der Nihilismus nicht die absolute Realität wiederspiegelt.
Er wies auf den Mittleren Weg hin...der der sich aus dem rechten Verständnis von der Leerheit der Dinge, d.h. ihr bedingtes Entstehen ergibt.
Gleichzeitig wies er aber auch daraufhin, dass es sich bei der Leerheit auch nur um ein bedingt entstandenes Konzept handelt, welches nur dem Zweck dient, jegliche Ansicht zurückzuweisen ( Essentialismus, Nihilismus oder auch eine Mischung aus beiden)... Und also keine Wahrheit im absoluten Sinn darstellt.... Wenn daran angehangen wird, ist Befreiung nicht möglich.
Mir ist schon klar, dass Du von Deinem Empfinden sprichst.

Trotzdem hinkt das etwas.
Vielleicht kennst Du das? Du lernst einen Menschen kennen, und einer sagt was scheinbar absurdes, dennoch verstehst Du genau, um was es geht. In Eurem Kopf sind ähnliche Bilder, die aufeinandertreffen.

Auch "die Katze ist braun" benötigt so eine Gemeinsamkeit. Eine gemeinsame Sprache und ein gemeinsames Weltbild, also eine semantische Übereinstimmung. Wenn jemand nicht weiß, was eine Katze ist, erschließt sich ihm diese Aussage nicht.

Wenn ich Dich gut kenne und weiß, dass Du "lalala" sagst, wenn Du Dich beruhigen musst, dann hat auch für mich "lalala" einen Sinn bekommen. Wenn Axel das Wort "Bubelenatur" verwendet, weiß ich genau, was er meint. Wir sind dann eine Sprachgemeinschaft geworden, zu der Du nicht gehörst, weil Du das nicht verstehst. "Bubelenatur" ist für Dich dann ebenso unsinnig wie "sdgsdfvsrtcw".
Und niemand außer dem Axel und ich verstehen mein Motto unten, das mit dem Schwurkel. Nur für uns macht das Sinn.
Fazit: Sprachen müssen erlernt werden. Auch Bilder. Sofern man kommunizieren möchte.

Wenn Du die Sutren liest, dann sind die nur auf der obersten Ebene konventionell. Das ist dann spätestens dann erledigt, wenn so Geschichten auftauchen wie "alles brennt". Wo? Wie? Hier brennt es doch nicht?

Es gilt, die Dinge zu beschreiben, die sich der Beschreibung entziehen. Wir müssen mit Konventionen arbeiten, wo es unkonventionell ist.
Spock hat geschrieben:
...aber es macht null Sinn zu sagen, dass es das Selbe is, also "Leiden ist Erloeschen.". Das is als ob ich sage "Regentonne und Kaesebrot is das selbe.". Das hat imho nix mit Mahayana zu tun, sondern es is unlogisch...

Eben, deswegen sagt das weder der Mahayana noch hat das hier im Thread jemand behauptet. Der Einzige, der beshauptet, jemand würde das sagen, ist accinca. Weswegen ich ihm ja auch vorwerfe, die Aussagen so komplett zu verzerren, dass er eigentlich nur noch mit sich selbst spricht. Weil es mit dem was der Mahayana sagt rein gar nichts zu tun hat, was er da von sich gibt.
Spock hat geschrieben:
es liest sich an mehreren Stellen so, z.B. hier:

kilaya hat geschrieben:
Im Mahayana - bzw. genauer im Madhyamaka - wird diese Unterscheidung als Dualität gesehen - und aufgelöst. Das ist mit der Leerheit der Welt gemeint: es gibt sie eigentlich nicht, und doch ist sie da. Deswegen ist Nirvana als "nicht Welt" dann schlüssigerweise auch auf die Welt beziehbar, da deren feste Existenz ohnehin nur eine Illusion ist. Wer das sieht, sieht die Welt sowohl als Welt als auch als Nicht-Welt und daher sowohl als Samsara als auch als Nirvana. Kann also philosophisch schlüssig sagen: auch wenn es verschiedene Erfahrungswelten sind, sind sie doch eins. Das ist natürlich etwas vereinfacht dargestellt.

Das kannst Du nicht aus dem Kontext der Erklärungen es lösen. Es ist die gleiche Welt, die erfahren wird, deswegen sind sie auf Ebene der Grundlage eins. Doris Beispiel mit dem Verliebtsein ist gut, weil es eine Erfahrung ist, die wir kennen: Du würdest sicher nicht bestreiten, dass jemand, der verliebt ist, immer noch in der gleichen Welt lebt. Aber sie erscheint dieser Person auf einmal ganz anders. Insofern sind die Welt des Verliebten und die Welt des Depressiven eins - es ist die gleiche Welt. Deswegen ist Verliebtheit aber nicht eins mit Depression. So ist das vom Prinzip her gemeint.
Spock hat geschrieben:
Mir gehts nich darum was richtiger oder falscher ist, sondern dass ich es als absurd empfinde, weil sich der sprachliche Austausch mit Fremden erstma auf der konventionellen Ebene befindet und somit "logisch" ist (damit meine ich nicht den Inhalt davon, sondern nur die Form).

Also "lalala" oder "sdgsdfvsrtcw" hat nich den selben Anspruch wie "Die Katze is braun.". Mir gehts wie gesagt nich darum was richtigererer oder besser ist.



Eine Logik ergibt sich immer erst aus den Zusammenhängen.... "sdgsdfvsrtcw" heißt auf Zuhaeli "die Katze ist braun".... und "die Katze ist braun" bedeutet in Zuhaeli "sdgsdfvsrtcw".
Ich antworte mal in einem Post.

Doris:
Das Wahrnehmung, Inhalte, Sprache, Sinnkonstrukte, usw. relativ sind, stimmt schon, aber es gibt bestimmte Konventionen nach denen die Wahrscheinlichkeit hoeher is, dass man als "Nichteingeweihter" eine sprachliche Konventionen besser oder schlechter versteht. Das heisst wie du schon sagst, dass es mehr oder weniger sinnaufgeladen ist. "Schwurkel" zb. werde ich whrsl nicht im Duden finden "Katze" schon.

Kilaya:
Ich zieh ma n Stueck raus "Du würdest sicher nicht bestreiten, dass jemand, der verliebt ist, immer noch in der gleichen Welt lebt.", doch genau das denke ich, weil es den Weltbegriff implizit inhaerent macht. Es gibt situatives empfinden und auch verliebtsein ist nichts allgemeingueltiges und findet nicht in "einer" Welt statt, auch wenn ich weiss was du mir sagen moechtest. Ich finde das philosophisch falsch, das so zu sagen.
Ihr redet grade so, als sei alles relativ und damit beliebig und das stimmt halt nicht. Sonst kann ich ja auch einen auf Stero machen und sage "Ich bringe euch alle um.". Es ist ja egal, denn es ist ja rein subjektiv und relativ wie das jeder so liest. Das is Zuhaeli und heisst, dass es mir gut geht.
Ich bin alle neuen Beiträge Stück für Stück durchgegangen, daher die Einzelposts hintereinander. Hier nochmal @Spock:

Du sagst, dass die inhaltliche Aussage des Herzsutras (als Beispiel) Dir semantisch-unlogisch erscheint. Und das ist es auch und soll es vor allen Dingen sein. Denn Sprache - Semantik - ist von ihrer Natur her dualistisch. Da gibt es entweder Form, oder Leere. Es sind mit verschiedenen Bedeutungen aufgeladene Begriffe und sie werden daher mit dem logischen Verstand als zutiefst gegensätzlich wahrgenommen.

Warum wird das dann aber so gesagt? Weil das, worum es geht, nicht dualistisch ist. Es geht um etwas, das derart ausserhalb der verstandesmäßigen Vorstellungen liegt, dass man es nur mit Paradoxien irgendwie ausdrücken kann - oder versuchen, die Erfahrung mit Poesie oder Koans etc. anders zu vermitteln.

Auf der Ebene IST Leere Form und Form IST Leere. Deswegen bleiben auf der relativen Ebene aber trotzdem ein volles Glas ein volles Glas und ein leeres Glas ein leeres Glas - und ohne Glas fliesst das Wasser auf den Boden.

Solche Aussagen - "Form ist Leere" oder "Samsara und Nirvana sind eins" dienen methodisch dazu, die verstandesmäßige Logik auszuhebeln um dem Geist die nicht dualistische Wahrnehmung nahezubringen.

Auch wenn es nur eine Analogie ist, ist es trotzdem sehr hilfreich, sich die Fundamente unserer derzeitigen Physik anzuschauen. Denn die Ebene der Quanten IST paradox, nicht logisch. Die Aussage: "Das Teilchen ist nichtlokal" macht logisch keinen Sinn. Ein "Teilchen" ist per Definition etwas, das einen abgegrenzten Platz in der Welt einnimmt. "Nichtlokal" bedeutet per Definition dass etwas keinen abgegrenzten Platz in der Welt einnimmt. Man muss hinter diese vordergründige Definition gehen, um zu verstehen, was da gesagt wird. Und da kommt z.B. Heisenberg ins Spiel. Er redet über ein und die selbe "Sache", die je nach Art der "Betrachtung" (Messung) als etwas im Raum Abgegrenztes erscheint (Teilchen) oder als etwas im Raum Ausgedehntes (Welle). Kennt und versteht man diesen Hintergrund, macht der eigentlich unlogische Satz auf einmal völlig Sinn. Die scheinbare Paradoxie wird aufgelöst. Es bleibt weiterhin semantisch so, dass ein "Teilchen" (in seiner Wortbedeutung) niemals "nichtlokal" sein KANN. Das, was wir "Teilchen" nennen IST aber aus einem anderen "Blickwinkel" nichtlokal. Sage ich nun: das Teilchen und das Nichtlokale sind eins, dann ist tatsächlich das selbe Objekt gemeint, obwohl es sprachlich und in der Erscheinungsform völlig verschieden ist.
Spock hat geschrieben:
Ich antworte mal in einem Post.

Doris:
Das Wahrnehmung, Inhalte, Sprache, Sinnkonstrukte, usw. relativ sind, stimmt schon, aber es gibt bestimmte Konventionen nach denen die Wahrscheinlichkeit hoeher is, dass man als "Nichteingeweihter" eine sprachliche Konventionen besser oder schlechter versteht. Das heisst wie du schon sagst, dass es mehr oder weniger sinnaufgeladen ist. "Schwurkel" zb. werde ich whrsl nicht im Duden finden "Katze" schon.

Kilaya:
Ich zieh ma n Stueck raus "Du würdest sicher nicht bestreiten, dass jemand, der verliebt ist, immer noch in der gleichen Welt lebt.", doch genau das denke ich, weil es den Weltbegriff implizit inhaerent macht. Es gibt situatives empfinden und auch verliebtsein ist nichts allgemeingueltiges und findet nicht in "einer" Welt statt, auch wenn ich weiss was du mir sagen moechtest. Ich finde das philosophisch falsch, das so zu sagen.


Dennoch musst Du diese Konvention lernen. Du bist nicht mit dem Wissen was eine Katze ist und was der Lautstrom "Katze" bedeutet, auf die Welt gekommen. Selbst wenn Du ein Bild einer Katze siehst, wirst Du nicht wirklich wissen, was eine Katze ist. Du musst mehr Infos bekommen. Selbst mir, die ich seit Jahrzehnten mit Katzen lebe, eröffnen sich immer neues Wissen darüber, was eine Katze alles ist. Das finde ich aber nicht im Duden.

Ebenso erlernen wir im Laufe der Beschäftigung und der gewonnenen eigenen Erfahrung Begriffe und Bilder kennen.

Ihr redet grade so, als sei alles relativ und damit beliebig und das stimmt halt nicht. Sonst kann ich ja auch einen auf Stero machen und sage "Ich bringe euch alle um.". Es ist ja egal, denn es ist ja rein subjektiv und relativ wie das jeder so liest. Das is Zuhaeli und heisst, dass es mir gut geht.


Es ist relativ.
Du und ich, wir könnten vereinbaren, dass "ich bringe euch alle um" bedeutet, dass es Dir gut geht. Die anderen verstehen das nicht, wir beide aber schon.
Schon Kinder üben sich darin, Geheimsprachen zu entwickeln. Ein großer Teil der Spionageabteilungen beschäftigen sich mit der Entschlüsselung solcher Codes. Dabei geht es nicht nur um irgendwelche Zahlenschlüssel, sondern ich kann z.B. "Heute hat Papa Geburtstag" in einer E-Mail als Signal für ein Attentat verwenden.

An Bedeutungsverschiebungen lässt sich auch zeigen, wie beliebig Sprache ist. Nehmen wir "bitch". Das ist eigentlich eine grobe Beleidigung für Frauen, eine Entwertung. Was ist geschehen? Heute wird das Wort verwendet von Frauen, die sich stark und selbstbewusst fühlen. Also das Gegenteil von vor 20 Jahren.

"Wenn du auf Buddha triffst, dann töte ihn" ist ja so ein Satz, der immer wieder Empörung auslöst und Verwirrung schafft. Wer aber den Kontext kennt und den Sinn des Satzes versteht, würde niemals auf die Idee kommen, jemanden zu töten.

Natürlich versuchen wir, um uns verständlich zu machen, auf Konventionen zurückzugreifen, die von möglichst vielen Menschen verstanden werden. Darum sagt der Buddha auch "Alles brennt" und nicht "Zwurbel zwarbel". Doch trotz dieser konventionellen sprachlichen Mittel, steht Frau Mustermann da und sieht kein Feuer und wundert sich.
@ Spock, es gibt ja diverse Kommentare zum Herzsutra, Die könnten helfen.
Doris: eine Bedeutungsverschiebung aufgrund einer sozialen Vereinbarung waere eben nich mehr beliebig.
Liebe Doris,
Doris Rasevic-Benz hat geschrieben:
An Bedeutungsverschiebungen lässt sich auch zeigen, wie beliebig Sprache ist. Nehmen wir "bitch". Das ist eigentlich eine grobe Beleidigung für Frauen, eine Entwertung. Was ist geschehen? Heute wird das Wort verwendet von Frauen, die sich stark und selbstbewusst fühlen. Also das Gegenteil von vor 20 Jahren.

Ich finde, das hat mit Beliebigkeit nichts zu tun, sondern mit dem Kontext. Von mir an Dich gerichtet wäre das immer noch eine Beleidigung.

Doris Rasevic-Benz hat geschrieben:
Darum sagt der Buddha auch "Alles brennt" und nicht "Zwurbel zwarbel". Doch trotz dieser konventionellen sprachlichen Mittel, steht Frau Mustermann da und sieht kein Feuer und wundert sich.

Das sind die poetischten Sätze, die ich in den letzten Monaten gelesen habe! :like:

Grüße, Aravind.
Spock hat geschrieben:
Doris: eine Bedeutungsverschiebung aufgrund einer sozialen Vereinbarung waere eben nich mehr beliebig.

Und in den buddhistisch-philosophischen Texten ist mit Sicherheit nicht ein Buchstabe einer Bedeutungsverschiebung beliebig, sondern immer zielführend gemeint.
Spock hat geschrieben:
Ihr redet grade so, als sei alles relativ und damit beliebig und das stimmt halt nicht. Sonst kann ich ja auch einen auf Stero machen und sage "Ich bringe euch alle um.". Es ist ja egal, denn es ist ja rein subjektiv und relativ wie das jeder so liest. Das is Zuhaeli und heisst, dass es mir gut geht.


Im MMK steht

" zwischen Nirvana und Samsara besteht nicht der geringste Unterschied"

Besteht den ein Unterschied, auch wenn gar kein Unterschied gemacht wird aus sich heraus ? Oder besteht ein Unterschied bedingt durch Wahrnehmung ?
Spock hat geschrieben:
Doris: eine Bedeutungsverschiebung aufgrund einer sozialen Vereinbarung waere eben nich mehr beliebig.

In den Augen der anderen schon.
Aber welche Begriffe ich zu was verändere, das steht frei.
Ich kann sogar eine Sprache erfinden. Wie es mir beliebt. Vielleicht gebe ich jemandem den Schlüssel dazu in die Hand, vielleicht nicht. Es bleibt dennoch eine Sprache. Mit Sinn.

Ich kann "bitch" als erste Frau nicht mehr als Schimpfwort verwenden. Das ist eine beliebige Entscheidung von mir. Sobald eine andere Person diese Verschiebung akzeptiert, und dann vielleicht sogar in demselben Sinn verwendet, ist eine Konvention entstanden.

Aber es geht Dir eigentlich um bestimmte Begriffe im Mahayana, nicht wahr?

Nun, mir erschließen sich viele immer mehr und mehr, je länger ich mich damit beschäftige. Und damit stehe ich wahrlich nicht alleine da.
Als jemand, der sich mit Mahayana-Philosophie kaum auskennt und lediglich geschult ist in "westlicher" Philosophie, möchte ich nur ein paar Eindrücke schildern:

Mir kommt der Grundgedanke der Madhyamaka-Philosophie vor wie das, was man als "ontologischen Idealismus" bezeichnet.
Das ist eine sehr anspruchsvolle ontologische Position.
Im Palikanon finde ich sie nicht.
Stattdessen betont der Buddha im Palikanon, dass metaphysisch-ontologisches Spekulieren nicht hilfreich ist für die Praxis.

Nach meiner bisherigen Lektüre erscheint mir die Position des Buddha da eher eine skeptisch-pragmatische zu sein.

Bislang sehe ich für meine eigene Praxis auch keinen Grund, von dieser skeptisch-pragmatischen Haltung gegenüber ontologisch-metaphysischen Fragen abzuweichen.

Oder gibt es Argumente, die ich da übersehen habe?
kilaya hat geschrieben:
Spock hat geschrieben:
Doris: eine Bedeutungsverschiebung aufgrund einer sozialen Vereinbarung waere eben nich mehr beliebig.

Und in den buddhistisch-philosophischen Texten ist mit Sicherheit nicht ein Buchstabe einer Bedeutungsverschiebung beliebig, sondern immer zielführend gemeint.

Mir ging es nicht um Mahayana, sondern um den Post selbst. Also so ganz normal ohne iwas implizites.

Mein letzter Post der sich auf Mahayana bezog war eine Seite davor, als ich meinte dass das Herzsutra fuer mich eine Mantrafunktion hat und das versuchte vom Sutra zu differenzieren.
Sunu hat geschrieben:
Im MMK steht

" zwischen Nirvana und Samsara besteht nicht der geringste Unterschied"

In welcher Ausgabe steht das so? Ich glaube die Übersetzung ist falsch. Da steht bei mir 涅盤與世間 im "Original" und 世間 is bei mir mit "Welt" übersetzt.

http://www.buddhism-dict.net/cgi-bin/xpr-ddb.pl?q=世間
Spock hat geschrieben:
Sunu hat geschrieben:
Im MMK steht

" zwischen Nirvana und Samsara besteht nicht der geringste Unterschied"

In welcher Ausgabe steht das so?


Brosamer/Back

25.19 Es gibt nichts, was den Samsara vom Nirvana, und das Nirvana vom Samsara unterscheidet


25.20 Die Grenze des Nirvana ist zugleich die Grenze des Samsara. Zwischen diesen beiden wird auch nicht der feinste Unterschied gefunden.


Um genau zu sein. Aber da mag ja stehen was will...

Besteht den nun ein Unterschied, auch wenn gar kein Unterschied gemacht wird aus sich heraus ? Oder besteht ein Unterschied bedingt durch Wahrnehmung ?
Sunu hat geschrieben:
Oder besteht ein Unterschied bedingt durch Wahrnehmung ?


Durch Wahrnehmung :)
Sherab Yönten hat geschrieben:
Sunu hat geschrieben:
Oder besteht ein Unterschied bedingt durch Wahrnehmung ?


Durch Wahrnehmung :)


Und wenn diese Erloschen ist ?
Kein Unterschied in dem, was wahrgenommen wird,
aber ein grosser Unterschied in der Wahrnehmung.

Wobei ein Aspekt dazu kommt:
Durch die andere Wahrnehmung kann es sein, dass andere Objekte in den Fokus rücken bzw. einem begegnen.

Blöd ausgedrückt: die gleiche Banane wird anders wahrgenommen, aber wenn man Bananen nicht mag und Äpfel liebt, ist es wahrscheinlich dass ein Depressiver überall Bananen sieht und ein Verliebter überall Äpfel. Entweder durch selektive Wahrnehmung, oder weil man die Neigung hat, Orte aufzusuchen, wo das entsprechende Obst vorrangig vorhanden ist. An einer weitere Ebene darf man zweifeln, sie aber auch für möglich halten: dass man aus der Umwelt die jeweils zur Ablehnung oder Anziehung passenden Früchte anzieht. Dass also dem Depressiven ohne sein Zutun z.B. eine Banane angeboten wird, dem Verliebten dagegen ein Apfel hingehalten.

Das Bild ist allerdings immer noch samsarisch-dualistisch. Da ein Erleuchteter Ablehnung/Anziehung oder Depression/Euphorie überwunden hat, ist es irrelevant, was ihm begegnet, da ja die Objekte nicht mehr in der gleichen Weise bewertet werden. Deswegen stellt sich ihm die gleiche Welt, die er "samsarisch" als anziehend/abstossend empfunden hat, dann "nirvanisch" als jenseits von Anziehung/Ablehnung dar.
Sunu hat geschrieben:
Sherab Yönten hat geschrieben:
Sunu hat geschrieben:
Oder besteht ein Unterschied bedingt durch Wahrnehmung ?


Durch Wahrnehmung :)


Und wenn diese Erloschen ist ?

Ist die Welt einfach nur die Welt, ohne Zuschreibung irgend einer Art. Dualismus entsteht erst durch Wahrnehmung / Unterscheidung / Zuschreibung.

Wie bei der Frage: wenn im Wald ein Ast runterfällt, und da ist keiner, der es hört - ist da ein Klang? Nein, ein Klang ist da nicht, denn der ensteht erst durch Ohr und Hirn, aber das ändert nichts an den Schwingungen in der Luft, die beim Auftreffen auf ein Ohr einen Klang erzeugen.

Samsara kann also nur existieren in der Begegnung zwischen Wahrnehmung und Objekt der Wahrnehmung.
Sunu hat geschrieben:
Sherab Yönten hat geschrieben:
Sunu hat geschrieben:
Oder besteht ein Unterschied bedingt durch Wahrnehmung ?


Durch Wahrnehmung :)


Und wenn diese Erloschen ist ?

Dann ist man tot.
Doris Rasevic-Benz hat geschrieben:
Sunu hat geschrieben:
Sherab Yönten hat geschrieben:

Durch Wahrnehmung :)


Und wenn diese Erloschen ist ?

Dann ist man tot.


Das ist natürlich auch eine Möglichkeit der Wahrnehmung.
kilaya hat geschrieben:

Nein, ein Klang ist da nicht, denn der ensteht erst durch Ohr und Hirn, aber das ändert nichts an den Schwingungen in der Luft, die beim Auftreffen auf ein Ohr einen Klang erzeugen.


Es bleibt aber eine Vermutung, dass da Schwingungen in der Luft existieren, solange sie nicht in irgendeiner Form wahrgenommen werden.
Sunu hat geschrieben:
kilaya hat geschrieben:

Nein, ein Klang ist da nicht, denn der ensteht erst durch Ohr und Hirn, aber das ändert nichts an den Schwingungen in der Luft, die beim Auftreffen auf ein Ohr einen Klang erzeugen.


Es bleibt aber eine Vermutung, dass da Schwingungen in der Luft existieren, solange sie nicht in irgendeiner Form wahrgenommen werden.

Beweisen kann man es zwar nicht direkt, aber man kann aus der früheren Messung der Schwingungen und dem Verständnis ihrer Ursachen doch recht sicher davon ausgehen, dass diese Schwingungen unter gleichen Bedingungen immer auftreten.
kilaya hat geschrieben:
Sunu hat geschrieben:
kilaya hat geschrieben:

Nein, ein Klang ist da nicht, denn der ensteht erst durch Ohr und Hirn, aber das ändert nichts an den Schwingungen in der Luft, die beim Auftreffen auf ein Ohr einen Klang erzeugen.


Es bleibt aber eine Vermutung, dass da Schwingungen in der Luft existieren, solange sie nicht in irgendeiner Form wahrgenommen werden.

Beweisen kann man es zwar nicht direkt, aber man kann aus der früheren Messung der Schwingungen und dem Verständnis ihrer Ursachen doch recht sicher davon ausgehen, dass diese Schwingungen unter gleichen Bedingungen immer auftreten.


Fallen Blätter vom Baum, wenn es niemanden gibt, der dieses beobachtet?
Das ist schon eine alte, nicht-buddhistische philosophische Frage.
Hi Buddhis,
ich habe mir die Beiträge so durchgelesen und fand, dass da über Sachen geredet, die keiner kennt.
Es gibt ein Jenseit, Diesseits, Karma, Brahma und die sieben magischen Machtgebiete und dies ist alles in einem Leben zu verwirklichen möglich!
Doch falls ihr nur herumtheoretisiert und euch nicht ausreichend praktiziert kommt ihr nirgendwo hin.
Was ist daran so schwer den Achtfachen Weg zu gehen und diese Freuden zu erringen.
Falls ihr das macht, kommt das alles von selbst!

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