Fundamentalkritik

Moderator: void

217 Beiträge
Der Unbuddhist hat geschrieben:
Zu Recht wird allerdings häufig darauf verwiesen, dass diese Verblüffung lediglich ein Zeichen ist, auf dem richtigen Weg zu sein. Die Verblüffung an sich ist es nicht, um was es geht.

das würde ich sogar noch weiter einschränken wollen. Wenn dieser "Verblüffung" aus der weltzugewandten Praxis heraus der Weg bereitet wurde, dann ist sie lediglich ein Übergang in ein neues Verständnis der weiteren Übung, die niemals enden kann - eben weil es ein Prozess ist. Also ist es nichts Einmaliges, sondern ein Hinweis, nach was man immer wieder Ausschau halten kann. Tagein tagaus - eben ohne den Wunsch, etwas Festes in Besitz zu nehmen. Das würde ich dann auch "Erwachen" nennen.

Diese "Verblüffung" kann aber auch herbei getrickst werden und dann kann der Eindruck eher entstehen, man hätte einen Besitz erworben. Da ist dann der Begriff "Erleuchtung" passender und das kann man von mir aus auch so nennen, aber trotz dieser Erleuchtung ist man in einem entscheidenden Punkt immer noch verblendet, weil man meint, sie haben zu können.
@ Unbuddhist:
Manchmal hab ich das Gefühl ihr seid alle derselbe. Also erstmal du und Ch. Harmacher. Stimmt das ?

Die Kenntnis, wie der Buddhismus den wir erfahren, entsteht, auf Grund eines Texte wie z.B. dem von McMahan, ist für mich Teil dieser Erkenntnis bzw. Erfahrung.


Her mit dem Buch, wenn das erleuchtet. :wink:
'Heureka'- Erwachensschnipsel Erweckungsschnipsel Offenbarungsschnipsel - oder nicht ?
Ich stimme immer wieder einigen Einschätzungen Matthias' zu. Das bedeutet aber nicht, dass ich seiner Philosophie des 'Un-Buddhismus' zustimme. Ich erinnere mich daran, dass er diese Theorie/Methode vor längerer Zeit hier mal zu diskutieren versuchte, während er z.Zt. in aktuelle Diskussionen eingreift, wobei man nicht vergessen sollte, dass dieses Eingreifen einer gewissen 'hidden agenda' folgt, die er nicht explizit erläutert. (In gewisser Weise tun wir das alle - deshalb ist das jetzt nicht als Vorwurf gemeint, er verfolge 'dunkle Ziele', über die er uns im Unklaren lässt.) Ich möchte nur auf die Grundlagen seiner Kritik hinweisen.

Anlass dazu sind drei Dinge, die mir aufgefallen sind:

Erstens finde ich, dass er hier etwas 'flunkert':

Der Unbuddhist hat geschrieben:
In den kürzlich hier geführten 'Diskussionen' vermuten einige in dem was ich sage und schreibe eine Fundamentalkritik des Buddhismus.

Das ist nicht ganz falsch. Allerdings ist diese "Fundamentalkritik" keine der Art, den Buddhismus in Bausch und Bogen zu verteufeln. Bei dieser Kritik geht es darum, zu zeigen, dass Buddhismus heute weltweit eine Mischung aus vielerlei Einflüssen ist. Folge dieser Kritik ist es, dass die Auffassung vieler Buddhisten im Westen, dass der Dharma eine reine, authentische, originale, von Einflüssen unberührte Lehre sei, sich als falsch erweist.


Nehme ich die Quellen, aus denen er sein Kritikverständnis schöpft (François Laruelle, Glenn Wallis) ernst, dürfte seine Kritik zum 'End of Buddhism as we know it' (in Anlehnung an einen REM-Song) führen. Vielleicht ist das notwendig, aber man sollte das - und die Alternative, die Laruelle und Wallis bieten - nicht verschweigen. Durch den Fleischwolf (oder besser: 'Geistwolf') Laruelle'schen Denkens gegangen bleibt von jeder Bewegung, der Menschen anhängen, nur noch ein 'Gehirn im Tank'. Für mich persönlich (und deshalb echauffiere ich mich da gerade so), sind Laruelle und das Denken, das sich davon ableitet, gefährlicher als alles, was irgendwelche Trottel-(X-)-Buddhisten anstellen können.

Zweitens ist der Köder, den Matthias jetzt hinwirft (McMahans Buch), in gewisser Weise eine 'Nebelkerze'. Ich empfehle die Lektüre des Buches ausdrücklich, aber in einem anderen Kontext (d.h., wenn Matthias mit Anhängern seiner (Non-)Philosophie diskutierte) würde man dort (jetzt mal überspitzt ausgedrückt) McMahan für einen 'nützlichen Idioten' halten, genauso den von mir sehr geschätzten und in dem Buch zitierten Charles Taylor.

Drittens (und für mich vermutlich am wichtigsten) ist die Erkenntnis, dass die (Non-)Philosophie von Matthias und seinen Ideengebern absolut nichts an der ökologischen Katastrophe, auf die wir zusteuern (während wir hier über 'Erleuchtung'/'Erwachen', unterschiedliche Auslegungen des Kanons usw. diskutieren) ändern wird. Da ist er mit seiner Fixierung auf Geist/Denken genauso hilfreich wie Donald Trump. Sind die Kritiker von Matthias besser? Nein. Während die Welt untergeht, diskutiert ihr über Theravada/Mahayana, 'reines Bewusstsein', welche 'buddhistischen Bücher' toll sind und welchen Lärm ihr gerne hört. Während ihr 'meditiert', stirbt eine Spezies pro Tag. Matthias irrt sich wohl, aber nennt mir enien einzigen Grund, warum ich den Rest von Euch für einen Teil der Lösung, nicht für einen Teil des Problems halten soll.

Ehe ich mir jetzt hier mehr Arbeit mache: Hat irgendwer die grundlegenden Texte, auf die sich Matthias bezieht (außer mir) gelesen? Schafft es irgendjemand, Matthias auf der Grundlage seiner Philosophie zu kritisieren?
@Matthias: Magst Du Deine Philosophie genau erkären und nicht immer so tun, als würdest Du 'Auswüchse' kritisieren. Deine Kritik (wenn ich Deine Quellen recht verstehe) ist fundamentaler, als es die meisten hier verstehen können: Hab' bitte die Eier, zu erklären, wie fundamental Deine Kritik eigentlich ist und erkläre die Non-Philosophie von Laruelle (und die Modifizierung von Wallis betreffs des Buddhismus) so, dass sie hier jeder versteht. Wenn Du das nicht kannst, halte bitte die Klappe.
Danke Axel :)
kilaya hat geschrieben:
Danke Axel :)

Danke auch Dir, kilaya.
Natürlich fühle ich mich gebauchpinselt, wenn Du mir zustimmst, aber ich hoffe, dass Du auch wahrgenommen hast, dass meiner Meinung nach der 'Buddhismus' (von einzelnen Vertretern abgesehen) nichts, aber auch wirklich gar nichts zur Lösung der wirklich wichtigen Themen heute, der drohenden ökologischen Katastrophe, beiträgt, wie Matthias auch. Der 'Mainstream-Buddhismus' ist Teil des Problems, nicht Teil der Lösung, trotz seines unerträglich arroganten Anspruchs, die 'Dinge zu sehen, wie sie wirklich sind'.

Der einzige Unterschied zwischen Butterland und Matthias ist, dass Ihr unterschiedliche Musikwünsche an die Kapelle habt, während die 'Titanic' sinkt.
Das "Problem" ist ja durchaus auch inner-buddhistisch ein Thema. Stichwort "engagierter Buddhismus"...

Ich persönlich sehe es zwar als wichtigste Bodhisattva-Aktivität an, mich auf die Erleuchtung zu fokussieren, aber ich verliere in meinem Leben auch nie die Dinge des Alltags aus dem Blick. Ich bin jetzt Mensch auf der Erde und damit habe ich auch eine Verantwortung und engagiere mich auf meine Weise.

Im Mahayana ist man ja generell nicht ganz so "aus der Welt" durch die (Bemühung um eine) Bodhisattva-Aktivität.
Axel hat geschrieben:
dass meiner Meinung nach der 'Buddhismus' (von einzelnen Vertretern abgesehen) nichts, aber auch wirklich gar nichts zur Lösung der wirklich wichtigen Themen heute, der drohenden ökologischen Katastrophe, beiträgt, wie Matthias auch. Der 'Mainstream-Buddhismus' ist Teil des Problems, nicht Teil der Lösung, trotz seines unerträglich arroganten Anspruchs, die 'Dinge zu sehen, wie sie wirklich sind'.

Die Geburtenrate der Buddhisten ist gering, die Anzahl der Buddhisten wächst nicht.

https://www.heise.de/tp/features/Der-Is ... 71191.html

Deshab wird der Anteil der Buddhisten an der Weltbevölkerung immer kleiner. Die Geburtenrate von Christen und Muslimen ist viel höher.
Auch die Geburtenrate der "richtigen" Atheisten ist sehr niedrig.

Ergo: Atheisten und Buddhisten tragen sehr wohl zu Lösung des Problems bei.

Die Überbevölkerung ist natürlich das größte Umweltproblem.

Außerdem denke ich schon, dass Buddhisten im Durchschnitt weniger konsumieren als der Durchschnittsmensch der Stadt oder des Landes, in welchem sie leben. In unserer sehr großen Sangha fährt keiner ein Auto. Was ein Problem ist, wenn jemand umziehen muss, wenn dann keiner ein Auto hat ist blöd.
"Buddhismus gegen Weihnachtsstress"= kauf einfach wenig oder nix.

Die Dinge zu sehen, wie sie wirklich sind, hilft von Wünschen los zu kommen. So auch von Wünschen, Kinder zu bekommen. Sowohl hilft es gegen die instinktiven Wünsche nach Nachkommenschaft, wie auch gegen den Wahn, die eigene Religion durch Vermehrung verbreiten zu wollen.
Radikalökologisch gesehen werde ich anfangen, den Buddhismus ernst zu nehmen, wenn es die erste Sangha als Praxis einführt..
Moderation:
Gewaltphantasie gegen grosse Personenkraftwagen entfernt. void


Premise One: Civilization is not and can never be sustainable. This is especially true for industrial civilization.

Premise Two: Traditional communities do not often voluntarily give up or sell the resources on which their communities are based until their communities have been destroyed. They also do not willingly allow their landbases to be damaged so that other resources—gold, oil, and so on—can be extracted. It follows that those who want the resources will do what they can to destroy traditional communities.

Premise Three: Our way of living—industrial civilization—is based on, requires, and would collapse very quickly without persistent and widespread violence.

Premise Four: Civilization is based on a clearly defined and widely accepted yet often unarticulated hierarchy. Violence done by those higher on the hierarchy to those lower is nearly always invisible, that is, unnoticed. When it is noticed, it is fully rationalized. Violence done by those lower on the hierarchy to those higher is unthinkable, and when it does occur is regarded with shock, horror, and the fetishization of the victims.

Premise Five: The property of those higher on the hierarchy is more valuable than the lives of those below. It is acceptable for those above to increase the amount of property they control—in everyday language, to make money—by destroying or taking the lives of those below. This is called production. If those below damage the property of those above, those above may kill or otherwise destroy the lives of those below. This is called justice.

Premise Six: Civilization is not redeemable. This culture will not undergo any sort of voluntary transformation to a sane and sustainable way of living. If we do not put a halt to it, civilization will continue to immiserate the vast majority of humans and to degrade the planet until it (civilization, and probably the planet) collapses. The effects of this degradation will continue to harm humans and nonhumans for a very long time.

Premise Seven: The longer we wait for civilization to crash—or the longer we wait before we ourselves bring it down—the messier will be the crash, and the worse things will be for those humans and nonhumans who live during it, and for those who come after.

Premise Eight: The needs of the natural world are more important than the needs of the economic system.

Another way to put premise Eight: Any economic or social system that does not benefit the natural communities on which it is based is unsustainable, immoral, and stupid. Sustainability, morality, and intelligence (as well as justice) requires the dismantling of any such economic or social system, or at the very least disallowing it from damaging your landbase.

Premise Nine: Although there will clearly some day be far fewer humans than there are at present, there are many ways this reduction in population could occur (or be achieved, depending on the passivity or activity with which we choose to approach this transformation). Some of these ways would be characterized by extreme violence and privation: nuclear armageddon, for example, would reduce both population and consumption, yet do so horrifically; the same would be true for a continuation of overshoot, followed by crash. Other ways could be characterized by less violence. Given the current levels of violence by this culture against both humans and the natural world, however, it’s not possible to speak of reductions in population and consumption that do not involve violence and privation, not because the reductions themselves would necessarily involve violence, but because violence and privation have become the default. Yet some ways of reducing population and consumption, while still violent, would consist of decreasing the current levels of violence required, and caused by, the (often forced) movement of resources from the poor to the rich, and would of course be marked by a reduction in current violence against the natural world. Personally and collectively we may be able to both reduce the amount and soften the character of violence that occurs during this ongoing and perhaps longterm shift. Or we may not. But this much is certain: if we do not approach it actively—if we do not talk about our predicament and what we are going to do about it—the violence will almost undoubtedly be far more severe, the privation more extreme.

Premise Ten: The culture as a whole and most of its members are insane. The culture is driven by a death urge, an urge to destroy life.

Premise Eleven: From the beginning, this culture—civilization—has been a culture of occupation.

Premise Twelve: There are no rich people in the world, and there are no poor people. There are just people. The rich may have lots of pieces of green paper that many pretend are worth something—or their presumed riches may be even more abstract: numbers on hard drives at banks—and the poor may not. These “rich” claim they own land, and the “poor” are often denied the right to make that same claim. A primary purpose of the police is to enforce the delusions of those with lots of pieces of green paper. Those without the green papers generally buy into these delusions almost as quickly and completely as those with. These delusions carry with them extreme consequences in the real world.

Premise Thirteen: Those in power rule by force, and the sooner we break ourselves of llusions to the contrary, the sooner we can at least begin to make reasonable decisions about whether, when, and how we are going to resist.

Premise Fourteen: From birth on—and probably from conception, but I’m not sure how I’d make the case—we are individually and collectively enculturated to hate life, hate the natural world, hate the wild, hate wild animals, hate women, hate children, hate our bodies, hate and fear our emotions, hate ourselves. If we did not hate the world, we could not allow it to be destroyed before our eyes. If we did not hate ourselves, we could not allow our homes—and our bodies—to be poisoned.

Premise Fifteen: Love does not imply pacifism.

Premise Sixteen: The material world is primary. This does not mean that the spirit does not exist, nor that the material world is all there is. It means that spirit mixes with flesh. It means also that real world actions have real world consequences. It means we cannot rely on Jesus, Santa Claus, the Great Mother, or even the Easter Bunny to get us out of this mess. It means this mess really is a mess, and not just the movement of God’s eyebrows. It means we have to face this mess ourselves. It means that for the time we are here on Earth—whether or not we end up somewhere else after we die, and whether we are condemned or privileged to live here—the Earth is the point. It is primary. It is our home. It is everything. It is silly to think or act or be as though this world is not real and primary. It is silly and pathetic to not live our lives as though our lives are real.

Premise Seventeen: It is a mistake (or more likely, denial) to base our decisions on whether actions arising from these will or won’t frighten fence-sitters, or the mass of Americans.

Premise Eighteen: Our current sense of self is no more sustainable than our current use of energy or technology.

Premise Nineteen: The culture’s problem lies above all in the belief that controlling and abusing the natural world is justifiable.

Premise Twenty: Within this culture, economics—not community well-being, not morals, not ethics, not justice, not life itself—drives social decisions.

Modification of Premise Twenty: Social decisions are determined primarily (and often exclusively) on the basis of whether these decisions will increase the monetary fortunes of the decision-makers and those they serve.

Re-modification of Premise Twenty: Social decisions are determined primarily (and often exclusively) on the basis of whether these decisions will increase the power of the decision-makers and those they serve.

Re-modification of Premise Twenty: Social decisions are founded primarily (and often exclusively) on the almost entirely unexamined belief that the decision-makers and those they serve are entitled to magnify their power and/or financial fortunes at the expense of those below.

Re-modification of Premise Twenty: If you dig to the heart of it—if there were any heart left—you would find that social decisions are determined primarily on the basis of how well these decisions serve the ends of controlling or destroying wild nature.
Derrick Jensen
Entweder die Geburtenrate aller Buddhisten weltweit ist unter 2,1 oder über 2,1. Unter 2,1 ist eine sehr große Hilfeleistung für den Planeten und außerdem Vorbildhaft.
Wenn du das nicht ernst nimmst, dann ist das eben dein Geist aber nicht sachlich. Ich finde nur die konkrete Geburtenrate nicht. Hatte mal gelesen 1.6, also ähnlich der Geburtenrate der Deutschen. Kanns halt nicht belegen. Alles unter 2,1 ist sehr gut. Reduziert die schädliche Spezies Mensch auf lange Sicht.
Axel hat geschrieben:
Ich stimme immer wieder einigen Einschätzungen Matthias' zu. Das bedeutet aber nicht, dass ich seiner Philosophie des 'Un-Buddhismus' zustimme.[…]


Hallo Axel, auch du entwirfst ein Bild von mir, vor dessen Hintergrund zu interpretieren sei, um was es hier geht: Hidden Agenda, Fleisch- bzw Geistwolf, Köder, Nebelkerze, Gehirn im Tank, gefährlicher als alles, was irgendwelche Trottel-(X)-Buddhisten anstellen können, McMahan als nützlicher Idiot, genauso hilfreich wie Donald Trump...

Ein sachliche Darstellung sähe anders aus. Das ist stattdessen wieder das ad hominem, mit dem versucht wird, vom konkreten Thema abzulenken – welches Ich gestern früh noch mal skizziert hatte.

Weiter benutzt du eine zweite rethorische Strategie der Ablenkung. “Meine” Philosophie würde nichts an der “ökologischen Katastrophe” ändern. Und da die Philosophie der anderen hier daran auch nichts ändern würde, wäre das um was es in diesem Thread geht, auch zu verwerfen. Diese Konklusion beruht jedoch auf einem Syllogismus, bei dem du erklären müsstest, warum du seine zwei Prämissen zusammenfügen kannst.

Zu “meinen” Quellen, ein paar Stichworte: Meine erste Quelle bzw. Inspiration ist Foucault und sein Begriff von der Episteme bzw. dem historischen Apriori. Das hat direkt mit dem zu tun, um was es hier geht. Mit dem gestern gebrachten Begriff der Prozesshaftigkeit verbindet sich praktischerseits z.B. der Name Gene Gendlin, genauso wie bestimmte Praktiken aus den Traditionen des Mahamudra und des Ati-Yoga.

Mit Laruelle befasse ich mich seit ca. drei Jahren nicht mehr. Das hat Gründe, die hier zu weit führen. Man kann aber sagen, lies “Was ist Philosophie?” von Deleuze/Guattari, das ist vielfach klarer, viel besser zu verstehen und schliesst an Foucault an.

Bzgl. Glenn Wallis: Das Projekt Spekulativer Non-Buddhismus (SNB) ist spätestens seit Ende 2014 tot. Ich betrachte heute seine Idee zwar z.T. als wichtigen Impulsgeber aber andererseits auch als seine persönliche Auseinandersetzung mit seiner Buddhismusbiografie. Was bei Wallis insbesondere fehlt, ist eigentlich genau die historische Betrachtungsweise, wie sie z.B. McMahan vorführt. Wallis ist ahistorisch indem er den Status Quo des Buddhist Modernism als statischen Ausgangspunkt nimmt, ohne ihn diachron oder synchron zu differenzieren, um daran seine Kritik aufzubauen. Weiter ist die Idee des Non und diejenige eines spielerischen Umgangs mit Ideen im SNB-Projekt von einem sehr autoritären Gestus überlagert und verdrängt worden, der schlussendlich zum Tod des Projektes führte.

Dass bei Dir der Eindruck des Flunkerns entsteht ist allerdings evtl. nachvollziehbar. “Das Ende des Buddhismus wie wir ihn kennen” ist aber keine Frage “meiner Ideengeber”, sondern eine Folge der Anwendung eines bestimmten Verständnisses des Mulamadhymakakakarika auf ihn selbst. Sein Ende ist gewissermaßen in ihm selber angelegt – ich denke in bestimmten Traditionen des Buddhismus wird das auch sehr deutlich.

Das allerdings ist nicht Thema dieses Threads. Ich verspüre auch kein Bedürfnis, das öffentlich weiterzuführen.

Es stimmt aber: Meine Kritik ist in dieser Hinsicht weitaus fundamentaler “als die meisten es hier verstehen können”, wie Du sagst. Es ist dennoch kein Geflunker oder gar Heuchelei, wenn man, wie in diesem Thread, ‘nur’ einen Aspekt dieser Kritik bringt – der, wenn man weiter geht, genau in das führt, um was es bei der fundamentalsten Kritik geht...

Tja, was noch... und ich werde es nicht noch einmal unternehmen, “die Non-Philosophie von Laruelle” zu erklären. Ich werde aber natürlich auch nicht die Klappe halten. Warum sollte ich das?

Eher würde ich erwarten, dass Du, in einem dazu eröffneten Thread, etwas dazu sagst, was Dein Verständnis gewisser “grundlegender Texte” ist von denen Du sprichst. Ich würde mich über eine entsprechende Auseinandersetzung freuen.

... Sunu, Holtzklotz, u.a. danke für einige Beiträge. Das an Axel reicht erstmal für heute.

morpho: Ich bin nur ich, kein weiteres Nick.
Ich kenn mich mit den angeführten Philosophen nicht aus.
Daher kann und will ich nicht inhaltlich mit Dir debattieren.
Dennoch habe ich eine Frage, die Du vielleicht beantworten möchtest:
Was versprichst Du Dir davon, wenn alle Buddhisten Deine Gedanken verstehen und teilen würden? Was würde sich ändern, Deiner Meinung nach?
kilaya hat geschrieben:
Ich persönlich sehe es zwar als wichtigste Bodhisattva-Aktivität an, mich auf die Erleuchtung zu fokussieren, aber ich verliere in meinem Leben auch nie die Dinge des Alltags aus dem Blick.

Das hieße ja praktisch, dass man Erleuchtung eher außerhalb des Alltags "finden" könnte und dem Alltag nebenbei halt auch noch zeitweise seine Berechtigung zugesteht. Geht es nicht gerade darum, im Alltag immer wieder achtsam zu schauen: "Und was bedeutet die Lehre genau jetzt?"
Nur so wird sie ja lebendige Praxis, oder?

Also mir ist schon manchmal aufgefallen, dass spirituelle Leute sich quasi in Wartestellung befinden und sich innerlich sagen "Ich werde dann schon ein guter Mensch sein wenn ich erstmal weit genug in meiner Übung fortgeschritten bin - aber jetzt bin ich noch nicht so weit". Das hat teilweise ein Geschmäckle von "Selbstsedierung" und ich denke es steht ja auch nirgends in den diversen Schriften, dass man nicht auch schon vor der Erleuchtung sinnvolle Dinge tun darf, die sich rein aus dem gesunden Menschenverstand heraus ergeben.
Axel hat geschrieben:
Natürlich fühle ich mich gebauchpinselt, wenn Du mir zustimmst, aber ich hoffe, dass Du auch wahrgenommen hast, dass meiner Meinung nach der 'Buddhismus' (von einzelnen Vertretern abgesehen) nichts, aber auch wirklich gar nichts zur Lösung der wirklich wichtigen Themen heute, der drohenden ökologischen Katastrophe, beiträgt, wie Matthias auch. Der 'Mainstream-Buddhismus' ist Teil des Problems, nicht Teil der Lösung, trotz seines unerträglich arroganten Anspruchs, die 'Dinge zu sehen, wie sie wirklich sind'.

Der einzige Unterschied zwischen Butterland und Matthias ist, dass Ihr unterschiedliche Musikwünsche an die Kapelle habt, während die 'Titanic' sinkt.



Die Erde wird nach allem was wir heute wissen untergehen.
Ich denke niemand trägt Schuld daran. Die Frage ist nur, ob wir einen qualvollen Tod haben wollen oder nicht und das ist eine Frage, deren Antwort nur von einem Selbst abhängt.
Ich finde, dass diese Kritik nicht anti buddhistisch ist, sondern sich sogar gut ergänzt.

Im Dharma geht man oft von der Wahrnehmung aus und versucht von da aus, Phänomene in ihrer Abhängigkeit als leer zu sehen. Dies kann aber ( als Nebenwirkung) dazu führen die ganze Ebene des Phänomenalen zu einer Transzendenz zu verabsolutieren.

Von daher kann es dann sinnvoll sein, eben buddhistische Ideen und Konzepte in ihrem historischen Enstehunszusammenhang zu betrachten. Was man damit erreichen könnte, wäre aber bestenfall, dass Buddhismus nicht mehr so gut als Legitimationsgrundlage für Formen von Ausbeutung und Machtausübung verwendet werden kann.

Von daher ist das durchaus ein sinnvoller Ansatz, den ich sehr unterstütze.

Andererseits ist aber wohl leider so, dass das womöglich nicht so viel ausmacht:

Erstens weil der Buddhismus so eine marginale Sache ist. Und zweitens weil ja meistens das Handeln zuerst da ist, und dann alles Mögliche und Unmögliche verwendet werden kann, um es zu legitimieren.

Womöglich hätten wir dann eben einen Döring der statt als Priester als Vertrauenspolist Kinder missbraucht? Und auch Ole Nydahl wäre ja auch wenn er nicht Buddhist wäre so eine charismatische Gestalt, die Mittel gefunden hätte, bekannt zu werden. Vielleicht wäre er ja auch als Abenteurer und Buchautor berühmt geworden. Die Robe ist nur eine Möglichkeit neben anderen, an Strahlkraft zu gewinnen. Und auch der Kapitalismus braucht keinen buddhistischen Diskurs sondern verwertet lustig alles was geht.

Klar kann man auch so sein persönliches Zeichen setzten, indem man statt einer Plastikzahnbürste eine Holzzahmbürste verwendet. Aber dann ist es so, dass man ganz leicht die marginale Wirkung des eigenen Tuns übersieht.
Axel:
Schafft es irgendjemand, Matthias auf der Grundlage seiner Philosophie zu kritisieren?

Nee, dann müsste ich mich da ja erst mal qua reinversetzen.
Dekonstruktivismus https://kulturkritik.net/begriffe/begr_txt.php?lex=dekonstruktivismus hab ich schon ewig lange 'abgehakt'.
Konstruktivismus und Dekonstruktivismus bilden ja gegenseitig von einander abhängige Pole,
insofern auch Dekonstruktion und (kritische) Neu-Konstruktion. Das ist wie bei besagter Schleife.
Doris Rasevic-Benz hat geschrieben:
Ich kenn mich mit den angeführten Philosophen nicht aus.
Daher kann und will ich nicht inhaltlich mit Dir debattieren.
Dennoch habe ich eine Frage, die Du vielleicht beantworten möchtest:

Ich hoffe es is ok, wenn ich trotzdem kurz ansetze, auch wenn ich nich Unbuddhist bin und ich mir bei meinem Wissen ueber Poststrukturalismus immer nich ganz sicher bin. :D

D&G (hihihi) haben sich mit dem Strukturalismus von Foucault beschaeftigt und durch hinzufuegen eines historischen Aspekts gen Poststrukturalismus entwickelt. Poststrukturalismus is schwerpunkttechnisch verschieden und die beiden haben sich zb. mit der Psychiatrie, Schizophrenie und Gesellschaft (und Mythen) beschaeftigt. Der nomadische Charakter des Wissens und der Identitaet hat sie interessiert, das "post-" bedeutet quasi, dass sie von einer Statik in den jeweiligen Bereichen (Strukturalismus und Psychoanalyse) wegkommen wollten. Das wichtige (imho) dabei sind nicht die beiden und nich die Bereiche, sondern ueberhaupt, dass man sein Wissen hinterfragt. Zumindest hab ich das so verstanden. Das Hinterfragen wiederum is ebenfalls wieder Vorraussetzung fuer Entscheidungen, Handlungen, usw.

Fuer mich is Poststrukturalismus schon sehr aktuell, weil man eben je nach Situation ne andere Rolle hat, usw. und in "unserer" Gesellschaft hat man sogar teilweise sehr viele verschiedene auf einmal. Im Buddhaland hat man dann den Bodhigeist, voller Mitgefuehl, Weisheit und is total anhaftungsfrei und wenn man dann los zur Arbeit faehrt, dann is man abhaengig von seinem Smartphone und isst Wuerstchen.

Fuer mich is die Frage "woher und unter welchen Umstaenden/Bedingungen weiss ich etwas" sogesehen auch ne buddhistische Frage.
Ich finde es auch wichtig und richtig, Religion und Tradition grundsätzlich zu hinterfragen.
Für mich sieht es so aus, als gäbe es da ein Grundproblem, dass fast jeder, der sich so einem "System" verschreibt zunächst mal der Meinung ist, dass es etwas Besonderes ist, und das ist für den Einstieg wahrscheinlich sogar notwendig, weil daraus ein zunächst oberflächliches Vertrauen in die Aussagen der Texte entsteht, das einem erlaubt, einen Wandlungsprozess beginnen zu lassen. In dem Stadium ist man quasi gezwungen, dass das Ego die Lehre toll oder wenigsten gut findet.

Da sich aber all diese Systeme mit Fragen des Lebens auseinader setzen tun sie eigentlich nichts anderes, als das, was jeder x-beliebige Mensch auch tut - einfach weil er/sie geboren wurde und mit der Welt klar kommen muss. In den Systemen wurden stinknormale Lebenserfahrungen aufgeschrieben und weiter gegeben, die dem Leser Zeit sparen helfen sollen, aber es geht trotzdem um das stinknormale Leben.
Deshalb heißt es wohl auch im Zen, dass man den Buddha töten soll, wenn man ihn trifft, weil das System nichts Besonderes in sich hat, das dem stinknormalen Leben auf irgendeine Art überlegen wäre.
Der Wandlungsprozess geschieht ja durch das Leben und findet vermutlich in jedem Lebewesen statt, also muss man sich vom Gefühl der Besonderheit irgendwann lösen, wenn es nicht mehr erforderlich ist. Dann kann das System auch nicht mehr als Legitimation dienen Dinge zu tun, die der gesunde Menschenverstand verneint.

Verharrt man in dem Gefühl der Besonderheit, dann passiert eigentlich das Gegenteil von dem, was das System begünstigen wollte. Man entfernt sich immer mehr vom Leben zugunsten von etwas Besonderem. Man findet darin eine Ausstiegsmöglichkeit, anstatt es als Chance für einen Neueinstieg mit konstruktionsbedingten Umwegen wahr zu nehmen. Damit verlagert man seine Verblendung also nur von weltlichen Inhalten auf spirituelle Inhalte und damit ist nichts "gewonnen".
Ich finde es auch wichtig und richtig, Religion und Tradition grundsätzlich zu hinterfragen

Ja, aber das hat hier nix mit dem klassischen Hinterfragen zu tun, sondern mit einem Implodieren, einem Zersetzen, die Struktur des äußeren Dharma soll sozusagen untergraben werden, in Zweifel gezogen, und um diesen Zweifel zu bestärken werden zum Beispiel bestimmte Begriffe oder Bilder reingeworfen die intellektuell paralysieren; er, der Zweifel, soll sich innerhalb der Struktur selber erwecken in Form einer grundsätzlichen Zweifelhaftigkeit und von da aus auch Begründen.
Ich verstehe die ganze Diskussion nicht. Buddhismus ist doch auch "nur" eine Religion wie alle anderen auch.

Grundsätzlich bin ich der Meinung, ein Individuum sollte nicht versuchen die Religion seinen individuellen Bedürfnissen anzupassen, sondern besser seine Bedürfnisse der Religion anpassen. Das ist der Sinn einer Religionszugehörigkeit.

Jedem Mensch steht es frei aufgrund seiner Individualität eine Religion, Weltanschauung, Philosophie auszusuchen oder neu zu schaffen die ihm entspricht.

Man sollte Religion nicht mit Politik verwechseln. Religion hat keine weltlichen Aufgaben, Religion kümmert sich nicht um soziale Gerechtigkeit, Umweltschutz etc.
Religion ist kein Allheilmittel.
Holzklotz hat geschrieben:
Ich finde es auch wichtig und richtig, Religion und Tradition grundsätzlich zu hinterfragen.

Was ist an Fragen so schwer, seien es jetzt Vorderfragen oder
Hinterfragen. -
Fragen gibt es hier schon immer und auch richtig viele,
ohne daraus einen Kult zu machen.
Wieso sollte ein sog. "hinter-fragen" der Politik des
in und Auslandes weniger wichtig oder weniger interessant sein.

Und was mir auch in jedem Fall sehr wichtig ist, das sind
die Kriterien der jeweiligen Ideologie oder Parteien welche für
das Hinterfragen eingesetzt werden sollen.

Wer ist es der hier Hinterfragt, zu welcher Partei fühlt
er sich zugehörig, wie verlief sein bisheriges Leben sind
Fragen die bei der inquisitorische Hinterfragungen keineswegs
unbedeutend sind.
Man will ja wissen welche Ziele dahinter stehen. Wenn und ob man
überhaupt von Zielen sprechen kann und was sie wert sind.
Wer möchte schon grundlos auf inquisitorische Hinterfragungen
vertrauen, so daß man quasi gezwungen ist die Motive der Fragen
nicht anzweifeln zu dürfen.
Ich finde da sollte schon mal einiges im Vorwege geklärt werden.
Insbesondere welche Hintergründe hat die Fragerei.
Worauf will der Frager hinaus, welche alternative bietet der
Frager an und sind diese heilsam oder heilsam.
Das zu Fragen ist immer wichtig. Da stimmen wir sicher überein.
Schelle und populistische Hinterfragungen alleine können es aber
nicht sein.
So gibt es im Leben (wie wir alle Wissen) auch Fragen die man nicht
so einfach beantworten kann. Was machen wir z.B. damit. Hinterfragen
kann man die ja nicht, denn man kann sie ja (noch) nicht beantworten.
Ich habe z.B. festgestellt das Menschen es nur sehr schlecht aushalten
auf manche Fragen keine schnelle Antwort zu bekommen. Die Antworten sind
oft nicht so einfach wie das Fertiggericht im Supermarkt zu finden.
Da heißt es wohl Geduld zu haben und selber forschen und sich um das
Heilsame zu kümmern. Aber wer kann und will das schon?
Sunu hat geschrieben:
Axel hat geschrieben:
Natürlich fühle ich mich gebauchpinselt, wenn Du mir zustimmst, aber ich hoffe, dass Du auch wahrgenommen hast, dass meiner Meinung nach der 'Buddhismus' (von einzelnen Vertretern abgesehen) nichts, aber auch wirklich gar nichts zur Lösung der wirklich wichtigen Themen heute, der drohenden ökologischen Katastrophe, beiträgt, wie Matthias auch. Der 'Mainstream-Buddhismus' ist Teil des Problems, nicht Teil der Lösung, trotz seines unerträglich arroganten Anspruchs, die 'Dinge zu sehen, wie sie wirklich sind'.

Der einzige Unterschied zwischen Butterland und Matthias ist, dass Ihr unterschiedliche Musikwünsche an die Kapelle habt, während die 'Titanic' sinkt.



Die Erde wird nach allem was wir heute wissen untergehen.
Ich denke niemand trägt Schuld daran. Die Frage ist nur, ob wir einen qualvollen Tod haben wollen oder nicht und das ist eine Frage, deren Antwort nur von einem Selbst abhängt.


Hallo ihr Lieben.

Theragāthā und Therīgāthā
Die Lieder der Mönche und Nonnen.


ADHIMUTTO (der Hingegebene)

705
Zum Zweck des Opferns, des Besitzes
zerstörten früher wir so viel, -
zurück blieb nichts als lauter Furcht,
es zittern alle, alle klagen.

706
Du bist in Dir nicht voller Furcht
schön strahlst Du wie aus tiefer Ruhe, -
warum nicht bist Du voller Klagen
bei solcher großen Furcht umher?

707
Es gibt im Inneren kein Leid
dem, der nichts wünscht, Du Hauptmann, Du, -
die Ängste all sind überwunden
dem, der die Fessel abgestreift.

...



Quelle: http://www.palikanon.de/khuddaka/thera/ ... i_sass.htm - Theragāthā und Therīgāthā - Die Lieder der Mönche und Nonnen

http://palikanon.com/khuddaka/thera/thasa16_948.html

Liebe Grüße
@accina
Ich habe das Gefühl, das Holzklotz und Du über verschiedene Bedeutungen des "Hinterfragens" schreibt.

_()_
Morpho hat geschrieben:
Nee, dann müsste ich mich da ja erst mal qua reinversetzen.
Dekonstruktivismus https://kulturkritik.net/begriffe/begr_txt.php?lex=dekonstruktivismus hab ich schon ewig lange 'abgehakt'.
Konstruktivismus und Dekonstruktivismus bilden ja gegenseitig von einander abhängige Pole,
insofern auch Dekonstruktion und (kritische) Neu-Konstruktion. Das ist wie bei besagter Schleife.

Konstruktivismus und Dekonstruktion haben (als philosophische Richtungen) absolut nichts miteinander zu tun, und die Aussage, dass sie 'ja gegenseitig von einander abhängige Pole' bilden, ist einfach hanebüchener Unsinn.
Man sollte nicht mit Begriffen um sich werfen, die man nicht versteht, und dann auch noch vollmundig behaupten, man habe sie schon ewig lange abgehakt.
@ Axel:
Das sehe ich natürlich ganz anders, sonst hätte ich es ja auch nicht so geschrieben; ausserdem stelle ich 'gedanklich' eine Verbindung zur sg. formlosen und auch zur analytischen Meditation her. Und zur Konzeptfrage. Der Versuch des Dekonstruierens von Konzepten; und nicht allein Kritiker verstehen Buddhismus als religiös-idelogisches Konzept, ist ja auch nichts neues.
Davon kannst du nichts wissen.
Du kannst aber googeln. Zu diskutieren hab ich mit dir weiter nix.
jianwang hat geschrieben:
@accina
Ich habe das Gefühl, das Holzklotz und Du über verschiedene Bedeutungen des "Hinterfragens" schreibt.

Könnte man sich denken.
Über Bedeutungen kann man bestimmt vielerlei Ansichten sein.
Z.B. über die Notwendigkeit des "hinter" bei den Fragen.
Wie z.B. Trug der Buddha wirklich eine Schlange auf dem Kopf
wie manche Darstellungen nahelegen?
Holzklotz hat geschrieben:
Ich finde es auch wichtig und richtig, Religion und Tradition grundsätzlich zu hinterfragen.
So ist es - wobei ich Religion lediglich als einen Teil der Tradition, also des Tradierten, sehe. Religion ist offensichtlich eine sehr grundlegende anthropologische Strategie, mit der Leidhaftigkeit eines ich-zentrierten Bewusstseins umzugehen. Religion ist somit ein sehr archaischer Aspekt der Tradition, deren Gesamt sich uns als die Kultur präsentiert, die uns zu 'Ichs' prägt.
Holzklotz hat geschrieben:
Für mich sieht es so aus, als gäbe es da ein Grundproblem, dass fast jeder, der sich so einem "System" verschreibt zunächst mal der Meinung ist, dass es etwas Besonderes ist, und das ist für den Einstieg wahrscheinlich sogar notwendig, weil daraus ein zunächst oberflächliches Vertrauen in die Aussagen der Texte entsteht, das einem erlaubt, einen Wandlungsprozess beginnen zu lassen. In dem Stadium ist man quasi gezwungen, dass das Ego die Lehre toll oder wenigsten gut findet.
Nun ja - jeder löffelt die Suppe, die ihm schmeckt. Anders gesagt: die Varianz der Prägungen durch Tradiertes scheint infinit zu sein. Und jede individuelle Prägung ist eine Instanz davon - und damit in der Tat etwas "Besonderes". Das Sich-Einlassen auf eine bestimmte, "besondere" Art von Prägung durch Tradiertes - das heisst die Neigung, sich bestimmten Bewusstseinsinhalten mehr auszusetzen als anderen - setzt natürlich ein Vertrauen voraus. Das Vertrauen ist gerichtet, und zwar in Richtung einer optimierten Bedürfnisbefriedigung. Wobei es hinsichtlich der Bedürfnisse ebenfalls eine infinite Varianz von sehr groben zu sehr subtilen gibt.

Der spezielle Ausdruck von Tradition, der uns hier interessiert ist einer, der geltend macht, dass Bedürfnisbefriedigung allenfalls momentan möglich ist und selbst diese momentane Bedürfnisbefriedigung wegen ihrer ephemeren Natur zwangsläufig eine Bedürftigkeit nach Dauer erzeugt und gleichzeitig frustiert, was bedeutet, dass Bedürftigkeit (deren Ausdruck Leid ist) lediglich durch Aufhebung der Bedürfnisse abzuhelfen ist. Soweit gelangt, stösst man auf den infiniten Regress, dass Aufhebung der Bedürfnisse selbst zu einem Bedürfnis geworden ist. Damit ist man am Punkt einer fundamentalen Kritik von Tradition überhaupt und natürlich insbesondere ihrer Sinn konstruierenden Aspekte - Religionen, Philosophien, Ideologien usw.. Wobei der buddhistische Denkansatz also nicht nur zu Fundamentalkritik führt, sondern notwendig zur Fundamentalkritik auch seiner selbst wird - also einer Fundamentalkritik der Fundamentalkritik.

Spätestens da wird es dann Zeit, sich einfach mal wenigstens eine halbe Stunde ruhig hinzusetzen und zur Abwechslung bloß die Wand anzustarren.
Holzklotz hat geschrieben:
Da sich aber all diese Systeme mit Fragen des Lebens auseinader setzen tun sie eigentlich nichts anderes, als das, was jeder x-beliebige Mensch auch tut - einfach weil er/sie geboren wurde und mit der Welt klar kommen muss. In den Systemen wurden stinknormale Lebenserfahrungen aufgeschrieben und weiter gegeben, die dem Leser Zeit sparen helfen sollen, aber es geht trotzdem um das stinknormale Leben.
Yup.
Holzklotz hat geschrieben:
Deshalb heißt es wohl auch im Zen, dass man den Buddha töten soll, wenn man ihn trifft, weil das System nichts Besonderes in sich hat, das dem stinknormalen Leben auf irgendeine Art überlegen wäre.
Den Buddha töten heisst das Bedürfnis nach Buddha aufzuheben. Mit diesem Bedürfnis
Holzklotz hat geschrieben:
verlagert man seine Verblendung [...] nur von weltlichen Inhalten auf spirituelle Inhalte und damit ist nichts "gewonnen".


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Ich bitte um die Löschung meines accounts.
accina hat geschrieben:
Wie z.B. Trug der Buddha wirklich eine Schlange auf dem Kopf
wie manche Darstellungen nahelegen?


Meist tibetische Darstellungen. Stellt aber einen " Haarwirbel" dar. Kommt übrigends aus griechischen Einflüssen, hab ich mal irgendwo gelesen.
Ist der gleiche kulturelle Einfluss wie Mönche mit "Wampe". Da nach alter asiatischer Ansicht das "Hirn" im Bauch sitzt *lacht*

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Axel hat geschrieben:
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