Zen-Priester unter Missbrauchsverdacht

Moderator: void

451 Beiträge
Ich finde es gut, wenn man im Bezug auf solche Fälle nicht gleich in eine Raserei verfällt, von Monstern in Menschengestalt spricht und die Toddesstrafe fordert. Es ist gut, wenn man nicht nur von der Erfahrung des Opfers ausgeht, sondern zusätzlich auch noch den Täter als Mensch sieht.

Aber wenn ich mir die Medienbericht so durchlese, dann reibe ich mir doch ein wenig die Augen:

    Er hat alles verloren: Seinen guten Ruf als Zen-Priester, seine Ehefrau, seine Freiheit. Seine leiblichen Kinder haben sich von ihm abgewandt. Außerhalb des Gefängnisses hat er nicht einmal mehr eine Meldeadresse. Seit diesem Freitag steht Genpo D., 62, vor der Jugendkammer des Landgerichts.
    ...
    Er ist ein gebrochener Mann, von einem Schlaganfall schwer gezeichnet. Er zittert stark, hat Erinnerungslücken. Den Schlaganfall sehe er als Teil seiner Sühne, sagt sein Verteidiger

    Augsburger Allegmeine

Statt von dem auzugehen, was schwerer sexueller Missbrauch, bei den Opfern auslöst, beginnt man den Artikel aus der Perspektive des Angklagten und seiner "schlimmen Verluste" und es findet auch kein Kameraschwenk auf eine Opferperspektive statt. Es kommt fast so rüber, als seien dem Zen-Priester die Missbrauchsfälle ähnlich tragisch so zugestossen wie sein Schlaganfall.
Ich wurde selbst missbraucht .
Ich kann mein Metta aber nicht nur auf die Opfer beschränken.
Ich hoffe dass Opfer und Täter Frieden finden.

Dhamma hat mir Frieden gebracht.
Leider werden die Opfer dem dhamma nicht mehr vertrauen schenken.
Das mich von sowas wie Verständnis zum Täter abhält ist das ich immer wusste wann dieser Punkt erreicht war, des möglichen Missbrauchs, Vorteilnahme, Befriedigung von Bedürfnissen die ich aus Egoismus geschaffen habe. Ich kann kein Verständnis aufbringen für Menschen die diese feine Linie überschritten haben. Aus eigenen Erfahrungen weiss ich das es, ohne sofortige Einsicht des Verbrechens gegen das Vertrauen, fast unmöglich ist diesen Bruch wieder zu heilen. Das Vertrauen bleibt gestört. Es sind Verbrechen gegen die Körper die dieses Vertrauen zerstört. Die Verletzung des Körpers durch nehmen was nicht gegeben wurde, die macht es mir nicht möglich zu verzeihen oder Verständnis zu haben. Er wird es wieder tun auch wenn er die nächsten tausend Jahr in einer Zelle ganz allein sitzt, er wird es wieder tun. Ich verstehe, doch mein ganzes Mitgefühl und meine Liebe ist ausschließlich bei den durch ihn Verletzten. Wenn ich nach seinem Entlassen aus der rechtlichen Straft noch mal was von ihm höre hat er nicht verstand, er wird es wieder tun!
Döring war in seiner Kindheit und Jugend auch ein Opfer von Missbrauch und Misshandlung.
Kann man nicht mit diesem Teil seiner Person Mitgefühl haben?

Solche Taten geschehen immer aus der grundsätzlichen Unwissenheit heraus.
Auch ein Zen-Lehrer ist dieser Unwissenheit unterworfen. Nämlich immer dann, wenn er stolpert. Stolpern tun wir alle, immer wieder. Erleuchtung, was immer das sein soll, schützt davor nicht. Nur eine gefestigte Basis, Selbsterkenntnis, Disziplin und auch die Fähigkeit zu sich zu stehen, also sich seiner dunklen Seiten gewahr zu sein. Und dann braucht jeder auch jemandem, dem er sich anvertrauen kann. Da glaube ich, spielt die Rolle des Lehrers eine große Rolle. Es ist eine Machtposition, und die macht auch einsam.
Deshalb halte ich es für so wichtig, dass man Lehrer hat. Auch der Lehrer braucht Lehrer. Im Vajrayana ist es so, dass sich alle auf andere beziehen. Selbst die "höchsten" Lehrer beziehen sich auf andere, die sie für höher halten. Auf den ersten Blick mag das wie Unterwürfigkeit aussehen, aber sieht man genauer hin, ist es ein Schutz davor, sich selbst zu überhöhen. Außerdem ist es ein realistischer Blick.

Noch mal zurück zum Stolpern. Es gibt offensichtlich keine 100-prozentige Verwirklichung. Aber ich vermute, es gibt eine durch viel Übung antrainierte Selbstdisziplin und Achtsamkeit. Wir fangen jeden Moment von vorne an. Alle. Ausnahmslos. Deshalb kann man Erleuchtung wohl in die Tonne werfen und muss keinen weiteren Gedanken mehr darauf verschwenden. Die Tore zu Hölle und Himmel schließen sich nie hinter uns.
@ Ellviral


Danke für deine Antwort.
Ich wünsche Dir Frieden !
Doris Rasevic-Benz hat geschrieben:
...Noch mal zurück zum Stolpern. Es gibt offensichtlich keine 100-prozentige Verwirklichung. Aber ich vermute, es gibt eine durch viel Übung antrainierte Selbstdisziplin und Achtsamkeit. Wir fangen jeden Moment von vorne an. Alle. Ausnahmslos. Deshalb kann man Erleuchtung wohl in die Tonne werfen und muss keinen weiteren Gedanken mehr darauf verschwenden. Die Tore zu Hölle und Himmel schließen sich nie hinter uns.

seh ich auch so, aber deshalb muss man "Erleuchtung" ja nicht in die Tonne kloppen. Man kann sich aber abschminken, sich etwas davon zu erhoffen.
Irgendwer sagte mal: Aus einem Psychotiker wird halt ein erleuchteter Psychotiker.

Ich glaube dass tief verwurzelte Süchte durch die Erfahrung der Erleuchtung nicht ihre Zähne verlieren. Vielleicht handelt es sich bei diesen Missbrauchsfällen ja auch um eine Art Sucht.
Doris:
Die Tore zu Hölle und Himmel schließen sich nie hinter uns.

Kommt drauf an wie und was du ausdenkst. Aus- - -Denken deswegen, weil das ein Akt ist, denn wir verhindern können, einfach nur durch Gewahrsein, aber auch ein Zurückdrängen schlechter Gedanken
ist oft notwendig. Und dann schließt sich das Tor zur Hölle sehr wohl, zumindest ein wenig, soweit vielleicht dass wir nicht mehr "hindurchpassen". Während das mit dem Himmel schon schwieriger ist. Das bedarf einer Transformation. Dennoch ist beides möglich. Und Gier- natürlich erzeugt Gier Wahn.
In Verbindung mit relativer 'Unklarheit' (Verblendung) um so mehr. Da hilft dann auch keine "Super"-Moral. Was haben wir heute alles getan, weil uns ein Wahn antrieb ? http://www.duden.de/rechtschreibung/Wahn
PS: Den 'Meister' hatte er erst kurz vor der Verhaftung als Namensanhang.
Holzklotz hat geschrieben:
Doris Rasevic-Benz hat geschrieben:
...Noch mal zurück zum Stolpern. Es gibt offensichtlich keine 100-prozentige Verwirklichung. Aber ich vermute, es gibt eine durch viel Übung antrainierte Selbstdisziplin und Achtsamkeit. Wir fangen jeden Moment von vorne an. Alle. Ausnahmslos. Deshalb kann man Erleuchtung wohl in die Tonne werfen und muss keinen weiteren Gedanken mehr darauf verschwenden. Die Tore zu Hölle und Himmel schließen sich nie hinter uns.

seh ich auch so, aber deshalb muss man "Erleuchtung" ja nicht in die Tonne kloppen. Man kann sich aber abschminken, sich etwas davon zu erhoffen.
Irgendwer sagte mal: Aus einem Psychotiker wird halt ein erleuchteter Psychotiker.

Ich glaube dass tief verwurzelte Süchte durch die Erfahrung der Erleuchtung nicht ihre Zähne verlieren. Vielleicht handelt es sich bei diesen Missbrauchsfällen ja auch um eine Art Sucht.


Ich meinte damit, dass man dem keinen Wert beimessen sollte. Das könnte auch ein Schutz davor sein, sich was auf seine Erfahrungen einzubilden. Auch eine Erleuchtungserfahrung ist nur eine Erfahrung und bedingt und vergänglich.

"Sucht" im Sinne von "Suchen", kann ich mir gut vorstellen. Und dann auch als "Gedankensucht". Man lässt sich auf bestimmte Gedanken ein und kultiviert sie. Das ist wie ein Sog.
Ich weiß von mir, dass ich solchen Sogen ständig erliege. Die Grundstruktur ist also da. Nur habe ich Glück im Leben gehabt, meine Bedingungen waren immer so, dass nie solche Dinge zusammenkamen, die mich dazu verführt haben wirklich üble Dinge zu tun, und ich mit so vielem Guten beschenkt worden bin. Da ich mich aber beobachte und vermute, dass ich prinzipiell nicht anders bin als andere Menschen, kann ich nicht umhin, auch in mir den Ansatz zu allerlei Unheilsamen beobachten. Vielleicht gehört das zur conditio humana … Was ich im Kleinen in mir finde, wächst dann wohl bei anderen Menschen, unter anderen Bedingungen, zu Ungetümen heran. Schmerz gebiert Schmerz. Unheil gebiert Unheil.

Allein weil ich um meine Fehlbarkeit weiß, kann ich nicht über andere urteilen, gilt mein Mitgefühl allen. Ich bin einfach nur dankbar dafür, dass ich so viel Glück haben durfte, und wünsche allen ebenso viel Glück und Heilung.
Doris Rasevic-Benz hat geschrieben:
...Da ich mich aber beobachte und vermute, dass ich prinzipiell nicht anders bin als andere Menschen, kann ich nicht umhin, auch in mir den Ansatz zu allerlei Unheilsamen beobachten. Vielleicht gehört das zur conditio humana … Was ich im Kleinen in mir finde, wächst dann wohl bei anderen Menschen, unter anderen Bedingungen, zu Ungetümen heran.

Allein weil ich um meine Fehlbarkeit weiß, kann ich nicht über andere urteilen, gilt mein Mitgefühl allen...

ja, ich glaube diese Art von Demut sollte einfach dabei sein, sonst verliert man die Bodenhaftung und fühlt sich überlegen oder gar unfehlbar. Ich bin sogar der Meinung, dass jeder Mensch so einen persönlichen Stachel im Fleich nötig hat um immer wieder daran erinnert zu werden, dass man unvollkommen ist. Man muss ihn aber aushalten und darf ihn nicht weg diskuttieren oder schön färben um ihn guten Gewissens ausleben zu können.
Mich würde wirklich brennend interessieren, wie er sich damit "arrangiert" hat, um trotzdem authentisch Vorträge zu halten und Einzelgespräche zu führen.
Mich würde wirklich brennend interessieren, wie er sich damit "arrangiert" hat, um trotzdem authentisch Vorträge zu halten und Einzelgespräche zu führen.


Ich vermute, nicht viel anders als wir, wenn wir unsere Schwachstellen übertünchen, und dann in die Sangha laufen.
War er authentisch? Und was ist das überhaupt?
Man kann auch ein authentischer Idiot sein.
Doris Rasevic-Benz hat geschrieben:
Mich würde wirklich brennend interessieren, wie er sich damit "arrangiert" hat, um trotzdem authentisch Vorträge zu halten und Einzelgespräche zu führen.


Ich vermute, nicht viel anders als wir, wenn wir unsere Schwachstellen übertünchen, und dann in die Sangha laufen.
War er authentisch? Und was ist das überhaupt?
Man kann auch ein authentischer Idiot sein.

Mit authentisch meinte ich so die Richtung, dass man sich vor lauter schlechtem Gewissen nicht in eine Ecke verkriecht, sondern weiterhin spirituelle Ratschläge verteilt. Ich finde, da ist es schon ein Unterschied, ob ich eine spiritueller Lehrer bin oder nicht. Ich gehe mal nicht davon aus, dass er innerhalb der Sangha offen mit dem Thema umgegangen ist. Also ich kann mir für mich einfach nicht vorstellen, dass ich weiter Kurse hätte geben können wenn ich außerhalb des Zendo so viel Leid in die Welt setze. Ich hätte vermutlich wenigstens die Reißleine gezogen und mich aus der Lehrerrolle verabschiedet.
@Holzklotz
Es geht rein um Triebbefriedigung. Das Leid der Opfer wird völlig ausgeblendet. Es sei denn man ist auch noch sadistisch veranlagt und braucht gerade das Leid zur Triebbefriedigung.
Eigene Bedürfnisse werden auf das Gegenüber übertragen. Das geht dann in die Richtung , "du willst es doch auch".
Für den Täter gibt es in dieser Situation kein leidendes Opfer. Also wird er durch die Tat auch nicht belastet.

Hinterher, bei einem Prozess, muss er das jedoch anders darstellen. Hier geht es für ihn jetzt darum, das Strafmaß so gering wie möglich zu halten. Da hilft natürlich viel Bedauern und eine "schwere Kindheit".

Ich habe große Zweifel an der Theraphierbarkeit eines solchen Täters. Ich habe Mitgefühl mit ihm und mit den Opfern. Das ist aber auch schon alles. Er wird immer eine Gefahr für Kinder bleiben. Das ist meine Meinung dazu.
Liebe Freunde,

mich bewegt das alles sehr. Ich weiß gar nicht, was ich dazu sagen kann/soll.

Aber ich habe mich an einen Text erinnert, den mir G.H.R.D. etwa 1991 in Papierform gegeben hat (s. Anhang). Irgendwie paßt der, glaube ich.

Dann noch ein ganz anderer Hinweis. Ein Artikel, der etwa einen Monat vor der Festnahme erschienen ist:
Über Nacht vom Zen-Meister zum Patienten

Ohne Kommentar.

Liebe Grüße,
n.n.

Dateianhänge

Holzklotz hat geschrieben:
Mit authentisch meinte ich so die Richtung, dass man sich vor lauter schlechtem Gewissen nicht in eine Ecke verkriecht, sondern weiterhin spirituelle Ratschläge verteilt. Ich finde, da ist es schon ein Unterschied, ob ich eine spiritueller Lehrer bin oder nicht. Ich gehe mal nicht davon aus, dass er innerhalb der Sangha offen mit dem Thema umgegangen ist. Also ich kann mir für mich einfach nicht vorstellen, dass ich weiter Kurse hätte geben können wenn ich außerhalb des Zendo so viel Leid in die Welt setze. Ich hätte vermutlich wenigstens die Reißleine gezogen und mich aus der Lehrerrolle verabschiedet.


Mit "authentisch" meinst du also,sowas, dass man aus einem Guß ist und nicht so total inkompatible Anteile hat?

Gerade wenn man selbst sexuell missbraucht wurde und auch den Drang dazu in sich spührt, wird man ja beständig mit diesen inneren Dämonen ringen. Und da kann man ja in Spiritualität einen Weg sehen, damit umzugehen. Eben weil man sich "unrein" fühlt, sucht man das "Reine" und Heilige. Genau weil man sich selber als von Begierde gesteuert empfindet, hat ein Weg der das Verlöschung der Begierde verspricht, ja große Anziehungskraft.

Ich kann mir vorstellen, dass man aus so einem Leidendruck heraus so verbissen praktiziert, das man sich besser und intensiver als andere damit auskennt und damit zum Vorbild für andere wirkt. Und wenn man erstmal so weit ist, ist ja die Versuchung sehr groß, anzufangen es selber zu glauben, auch wenn man es besser wüsste.

Wo ist der Punkt, an dem die Kette durchschlagen werden kann?
void hat geschrieben:
Wo ist der Punkt, an dem die Kette durchschlagen werden kann?


Der ist immer nur "hier" und "jetzt" - .
Der Buddhismus kann nicht alles leisten. Sonst würden sich nicht derart viele Problembären dort tummeln. Viele Leute sollten erst einmal eine Psychotherapie durchlaufen, um Stabilität in ihr Leben zu bekommen und wichtige Dinge über sich kennenzulernen.

Das ist gerade das Problem, dass suggeriert wird, alles würde sich in Wohlgefallen auflösen, wenn man sich mit dem Dharma beschäftigt und meditiert. Der Dharma dient dann schon mal als Argumentationshilfe, um die eigenen Unzulänglichkeiten zu pflegen. Deshalb halte ich die ganze Konzentration auf Meditation für einige Leute für gefährlich. Bevor man sich hinsetzt um irgendwelche Zustände zu erreichen, sollte man sich erst mal seinen Problemen stellen und eine solide ethische Basis erlangen. Natürlich kann Mediation dabei helfen, muss aber nicht.
void hat geschrieben:
Wo ist der Punkt, an dem die Kette durchschlagen werden kann?
Der Punkt ist wenn ich ihn spüre. Es gibt einen Warnpunkt der Wesens den spürt jeder. Du solltest mal stehlen gehen und dich genau beobachten oder dich genau erinnern wie das war, das nehmen von nicht Gegebenen. Gelingt dir das Stehlen wird es zum Nervenkitzel wirst du erwischt kannst du es aufgeben doch du kannst auch weiter machen. Das ist dann noch ein Reiz mehr. Mit dem Erfolg in relevanten Kreisen Angeben schafft Folgende und so weiter. Erinnert mich gerade daran wie Religionen entstehen. Wo ist der Punkt? Na genau das wo der Gedanke in die Tat umgesetzt werden soll an dem es eindeutig eine Hemmung gibt das zu machen. Genau da wo ich eine Schranke einreißen will. Die Verwirklichung von Alles ist Eins durch die Tat.

Es ist nur wichtig das die "stink Normalen" glauben das du ein ganz cooles Haus bist. Sowas von Toll und großartig. Das ist dann auch ein Weg für den Nerverkitzel. Das eine ist Körperlich nehmen was nicht gegeben ist, das andere das Geistige nehmen was nicht gegeben ist.

Dieses Wesen (auch Du) betrachtet Vertrauen als Gegebenes, als sich hingeben, sicher sein in den Armen dessen dem man sich vertrauensvoll hingegeben hat. Vertrauen hat nur wenig mit dem Wollen zu tun. Versuch mal zu vertrauen ohne das du das ganzes wirklich willst. Das klappt nicht. Vertrauen ist nur ganz wenig Willen. Darum ist Vertrauensbruch so katastrophal. Weit schlimmer als ein Gesetzesbruch. Wer mein Vertrauen missbraucht hat nur noch wenig oder besser garnichts mehr mit mir zu tun.

Ab hier gehört das in die Memoiren gefunden....
Das heißt nicht das der Missbraucher von seinem Missbrauch erfährt, meine ganze Familie weiss bis heute nicht warum ich so weg bin. Weg gehen, der andere Weg Verteidigen dagegen kämpfen. Meine Erfahrung: Es gibt zu viele auf der Seite des Nehmenden, zu viele die nicht verstehen aber so viel Verständnis für die Umstände haben, dann wird der Täter plötzlich zum Opfer seiner Opfer. Was soll ich da tun? Weg gehen! Meine Klage fand keinen Richter und schon lange kein Verstehen.
Ich wurde nicht Missbraucht im Sinn von sexuellem oder körperlichem Missbrauch-handeln doch den den ich erfahren habe der ist so wundervoll verborgen gerade noch erlaubt das es kein Recht auf Klage gibt. Missbrauch durch Verwendung als Objekt etwas das da ist und aus moralischen Gründen erhalten werden muss. Auch nicht schlecht, da hab ich doch noch eine Art entdeckt. :)
Doris Rasevic-Benz hat geschrieben:
Der Buddhismus kann nicht alles leisten. Sonst würden sich nicht derart viele Problembären dort tummeln. Viele Leute sollten erst einmal eine Psychotherapie durchlaufen, um Stabilität in ihr Leben zu bekommen und wichtige Dinge über sich kennenzulernen.

Das ist gerade das Problem, dass suggeriert wird, alles würde sich in Wohlgefallen auflösen, wenn man sich mit dem Dharma beschäftigt und meditiert. Der Dharma dient dann schon mal als Argumentationshilfe, um die eigenen Unzulänglichkeiten zu pflegen. Deshalb halte ich die ganze Konzentration auf Meditation für einige Leute für gefährlich. Bevor man sich hinsetzt um irgendwelche Zustände zu erreichen, sollte man sich erst mal seinen Problemen stellen und eine solide ethische Basis erlangen. Natürlich kann Mediation dabei helfen, muss aber nicht.

Früher gabs auch Zen-Meister, die Leute mit der Aufforderung heim geschickt haben, zunächst mal ihre privaten Probleme zu lösen bevor sie als Mönch aufgenommen werden. Ist ein wichtiger Punkt. Heute wird ja dieser Eindruck, man könne sich spirituell selbst therapieren eher noch befeuert, weil ja niemand für einen Kurs zahlt wenn es nicht möglichst schnell möglichst viel bringt - also muss viel versprochen werden.
Festus hat geschrieben:
@Holzklotz
Es geht rein um Triebbefriedigung. Das Leid der Opfer wird völlig ausgeblendet. Es sei denn man ist auch noch sadistisch veranlagt und braucht gerade das Leid zur Triebbefriedigung.
Eigene Bedürfnisse werden auf das Gegenüber übertragen. Das geht dann in die Richtung , "du willst es doch auch".
Für den Täter gibt es in dieser Situation kein leidendes Opfer. Also wird er durch die Tat auch nicht belastet.

Hinterher, bei einem Prozess, muss er das jedoch anders darstellen. Hier geht es für ihn jetzt darum, das Strafmaß so gering wie möglich zu halten. Da hilft natürlich viel Bedauern und eine "schwere Kindheit".

Ich habe große Zweifel an der Theraphierbarkeit eines solchen Täters. Ich habe Mitgefühl mit ihm und mit den Opfern. Das ist aber auch schon alles. Er wird immer eine Gefahr für Kinder bleiben. Das ist meine Meinung dazu.

dann müsste es doch wenigstens direkt nach der Triebbefriedigung einen Augenblick geben in dem man sieht, was man da angestellt hat. Es wird ihm doch bestimmt auch mal jemand ins Gesicht gesagt haben, dass sein Verhalten alles andere als heilsam ist. Ich kann einfach nicht glauben, dass es da zwischendurch nie einen Moment gab in dem er gesehen hat was er tut... und falls es wirklich so ist wie Du es beschreibst, dann übersteigt das einfach meine Vorstellungskraft.
Wenn es nur um Triebbefriedigung gäbe, dann würde ein bisschen Rubbeln genügen. Es geht um mehr, nur das wird verknüpft mit sexuellen Handlungen.
void hat geschrieben:
Mit "authentisch" meinst du also,sowas, dass man aus einem Guß ist und nicht so total inkompatible Anteile hat?

ich meine es eigentlich ganz alltäglich. Wie kann jemand authentisch von Mitgefühl und Achtsamkeit predigen wenn er selbst mehrfach solche Dinger reißt. Da müsste einem doch unterwegs die Stimme versagen.

void hat geschrieben:
Gerade wenn man selbst sexuell missbraucht wurde und auch den Drang dazu in sich spührt, wird man ja beständig mit diesen inneren Dämonen ringen. Und da kann man ja in Spiritualität einen Weg sehen, damit umzugehen. Eben weil man sich "unrein" fühlt, sucht man das "Reine" und Heilige. Genau weil man sich selber als von Begierde gesteuert empfindet, hat ein Weg der das Verlöschung der Begierde verspricht, ja große Anziehungskraft.

Ich kann mir vorstellen, dass man aus so einem Leidendruck heraus so verbissen praktiziert, das man sich besser und intensiver als andere damit auskennt und damit zum Vorbild für andere wirkt. Und wenn man erstmal so weit ist, ist ja die Versuchung sehr groß, anzufangen es selber zu glauben, auch wenn man es besser wüsste.

Wo ist der Punkt, an dem die Kette durchschlagen werden kann?

Es gibt hier eigentlich zwei Möglichkeiten.
1. Ihm war bewusst dass er Mist baut und nicht dagegen ankommt
=> Dann hätte er sich als Lehrer zurück ziehen müssen

2. Es ist wie Festus beschreibt, dass er sich keiner Schuld bewusst war/ist
=> Dann frage ich mich, wie er überhaupt zu einem spirituellen Lehrer ernannt werden konnte

Du beschreibst es ja so, dass er mit diesem Dämon gerungen hat (also 1.)
Wenn man selbst missbraucht wurde, dann weiß man doch am besten was dadurch verursacht wird und wird sich zumindest nicht permanent selbst hinters Licht führen können dass doch alles in Ordnung ist.

Das Beste wäre wahrscheinlich wirklich gewesen er hätte irgendwann eingesehen oder mit Nachdruck angeraten bekommen sich in eine Therapie zu begeben. Ich weiß schon, dass der Kopf sehr gut darin ist sich selbst hinters Licht zu führen, aber bei dieser krassen Art von Verfehlung kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen dass kein Funke Wahrheit durch die Barrieren sickerte.
Du beschreibst es ja so, dass er mit diesem Dämon gerungen hat (also 1.)
Wenn man selbst missbraucht wurde, dann weiß man doch am besten was dadurch verursacht wird und wird sich zumindest nicht permanent selbst hinters Licht führen können dass doch alles in Ordnung ist.


Ich denke, das kann man dann, wenn man sich seinem Schmerz gestellt hat und das geht wohl nur, wenn die Situation richtig eingeordnet hätte werden können.
Aus seiner Erzählung erschließt sich aber, dass er den eigenen Missbrauch für sich umgedeutet hat. Typisch für Kinder, wenn sie aus einem lieblosen Elternhaus kommen und einsam sind. Und typisch für den Missbrauchenden, der den Missbrauch als Zärtlichkeit verkauft und das Opfer verwirrt, um es zum einen gefügig zu machen und zum anderen die Taten vor sich selbst schönzureden. Er hat also 1:1 wiederholt, was ihm angetan wurde.

Die größte Katastrophe war also die Konfusion. Ich vermute, hätte Döring das verorten können, was ihm angetan wurde, hätte er Verbündete und Unterstützer gehabt, dann hätte er Mitgefühl mit sich selber entwickeln können, und die Wahrscheinlichkeit selber zum Täter zu werden, wäre geringer gewesen.
Vielleicht bedeutet endgültiges Erwachen auch, das Konzept des 'endgültigen Erwachens' loszulassen...
In letzter Zeit denke ich bei Erwachen immer öfter an die versprochenen Spielzeuge aus dem Lotus-Sutra.
Doris Rasevic-Benz hat geschrieben:
Du beschreibst es ja so, dass er mit diesem Dämon gerungen hat (also 1.)
Wenn man selbst missbraucht wurde, dann weiß man doch am besten was dadurch verursacht wird und wird sich zumindest nicht permanent selbst hinters Licht führen können dass doch alles in Ordnung ist.


Ich denke, das kann man dann, wenn man sich seinem Schmerz gestellt hat und das geht wohl nur, wenn die Situation richtig eingeordnet hätte werden können.
Aus seiner Erzählung erschließt sich aber, dass er den eigenen Missbrauch für sich umgedeutet hat. Typisch für Kinder, wenn sie aus einem lieblosen Elternhaus kommen und einsam sind. Und typisch für den Missbrauchenden, der den Missbrauch als Zärtlichkeit verkauft und das Opfer verwirrt, um es zum einen gefügig zu machen und zum anderen die Taten vor sich selbst schönzureden. Er hat also 1:1 wiederholt, was ihm angetan wurde.

Die größte Katastrophe war also die Konfusion. Ich vermute, hätte Döring das verorten können, was ihm angetan wurde, hätte er Verbündete und Unterstützer gehabt, dann hätte er Mitgefühl mit sich selber entwickeln können, und die Wahrscheinlichkeit selber zum Täter zu werden, wäre geringer gewesen.


verstehe... bist Du auch der Meinung er war tatsächlich in der Lage sich absolut von dem durch ihn hervorgerufenen Leid abzuschotten?
Und falls ja: meinst Du die Reue, die er jetzt vor Gericht zeigt ist zumindest teilweise "echt", oder nur die Show, die ihm sein Anwalt auferlegt hat?
Ich kann mich da nur Deinen Worten anschließen: Ich bin froh, dass bis jetzt nie so viel zusammen gekommen ist, dass ich andere Menschen derart verletze, bzw. nie so verletzt wurde, dass ich einen Teil von mir verbannen hätte müssen.
Fällt mir wirklich schwer, mich in das hier beschriebene Szenario hinein zu versetzen. Ich kann mich da höchstens oberflächlich heran tasten, aber es bleibt unnachvollziehbar.
Die Texte des Buddhismus haben mich gerettet, nicht vor diesen Greul sondern davor an mir zu verzweifeln, nicht mit gleicher Münze zurückgezahlt zu haben wie ich das bis heute sehr oft gewollt habe. Mein Wille hat nicht gesiegt! Egal was jemand als Person anstellt: Die Würde des Menschen ist und bleibt für mich unantasbar. Immer wenn ich Personen getroffen habe, nicht gerade selten, greif ich sie an oder geh einfach wenn es mir aus Überlbenswichtiger Sicht möglich ist. Mein Leben als Mensch ist mir wichtiger als das jeder Person, egal ob mein Ego oder irgendein anderes.
Warum hat er das nicht erkannt und gelebt was ich schon mit 13 genau wusste? Andererseits, bin ich tausende von Leben lang ein Idiot gewesen, ein Habenichts und Dummkopf, wer will das schon sein.
Vielleicht sollte man, statt nach den Problemen zu fragen die sich scheinbar in einer Einzelperson konzentrieren, danach fragen, welche Strukturen es ermöglichen, dass solche Dinge nicht verhindert werden und sich andauernd wiederholen. Bei der Vielzahl solcher Fälle, die wir inzwischen kennen, fallen einem doch immer häufiger die immer gleichen Verhaltensweisen der Beteiligten auf. Bei denen geht es garnicht so sehr um 'Buddhismus' sondern um ganz normale Formen der Verdrängung, der Skrupellosigkeit, der Scham, Dummheit, Selbstüberschätzung, Narzissmus usw. Täglich grüßt das Murmeltier.
Der Unbuddhist hat geschrieben:
Täglich grüßt das Murmeltier.

Lesenswerter Artikel. Danke. Allerdings auch hier (finde ich) teilweise wieder das Verwechseln von Form ('Sex-Skandal') und Inalt (ideologisch-institutionell begünstigter Machtmissbrauch) und damit ein bisschen hinter seine eigenen Erkenntnissen zurückbleibt.

P.S. Vielleicht wäre es gut, den Artikel in einen eigenen thread zu stellen und dort gesondert zu diskutieren?
Axel hat geschrieben:
Lesenswerter Artikel. Danke. Allerdings auch hier (finde ich) teilweise wieder das Verwechseln von Form ('Sex-Skandal') und Inalt (ideologisch-institutionell begünstigter Machtmissbrauch).


Hi Axel, Danke.

Betreffend Form und Inhalt. Mir geht es eher um die Unterscheidung Einzelperson gegenüber Struktur in der möglich wird, was die Einzelperson tut. Oder besser gesagt, Person als Erscheinung einer Struktur. Die Verantwortlichkeiten verteilen sich dann anders. Solange man nur von der Einzelperson ausgeht, können sich gewisse Institutionen leicht rausreden, damit nichts zu tun zu haben. Wenn man es strukturell betrachtet verändert sich das. Ich würde dabei auch Wert darauf legen, von Verantwortung zu reden und nicht von Schuld. Dieser Gedanke führt aber nicht dazu, das was Genpo D. getan hat zu relativieren. Er hat sich dafür zu verantworten. Er hat allerdings auch die Chance sich zu rehabilitieren. Dazu ist unser Rechtssystem so gebaut wie es gebaut ist.
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