hier eine nettes kambodschanische Volksmärchen, dass vielleicht etwas in diesem Thema verständlicher macht. *schmunzel*
Der Tiger, der Affe und der Hase
Es war einmal ein Tiger, der war auf Nahrungssuche, aber er hatte kein Glück. Er lief und lief, da bemerkte er einen Fischadler, der am Ufer eines Teiches auf einem Baum saß und schrie: „Ok o, ok o!“ Der Tiger dachte bei sich: „Was könnte ich tun, um den zu fangen, der so weit oben sitzt? Wenn ich hinaufklettere, wird er mich sehen und fortfliegen. Wann wäre die rechte Zeit, ihn zu erhaschen?“ Und der Tiger setzte sich und beobachtete den Fischadler. Der Vogel aber richtete seine wachsamen Augen auf das Wasser, bereit zum Fang, wenn ein Fisch sich zeigen würde. Nach kurzer Zeit stieß er herab, schnappte einen Fisch und hielt seine Mahlzeit. Als das der Tiger sah, dachte er: „Oho, der faule Adler tut weiter nichts als stumm dazusitzen, wenn ein Fisch an die Oberfläche kommt, schnappt er zu und hat ihn sofort. Er braucht sich nicht so anzustrengen wie ich. Ich muß solange laufen und suchen, bis ich nicht mehr kann, ich habe es schwer. Aber der braucht sich nicht anzuschleichen und nicht zu verstecken. Ich werde es genauso machen wie er, dann habe ich es leichter.“
Der Tiger lief weiter, um einen stillen Teich mit vielen Fischen zu suchen. Bald kam er an einen Teich, an dessen Ufer große Bäume standen, die genug Schatten gaben, so daß er sich ausruhen konnte. Aber vor dem Tiger war schon ein Mann an den Teich gekommen, der dort seine Angeln ausgelegt hatte. Weil die Angeln sehr lang waren, konnte er sie vom Land aus nicht gut beobachten. Deshalb stieg er auf einen hohen Baum und blieb dort ruhig und schweigsam sitzen.
Der Tiger machte einen Satz hiehin und einen Satz dorthin, denn er suchte einen Baum, auf den er klettern konnte, um dem Beispiel des Fischadlers zu folgen. Der Angler hörte den Lärm und bemerkte einen Tiger, der auf einen Baum kletterte, sich im Geäst der Baumkrone niederließ und dabei Laute wie ein Fischadler ausstieß. Der Angler wagte nicht sich bemerkbar zu machen. Er blieb ruhig sitzen und beobachtete den Tiger.
Nach einiger Zeit steckte ein Fisch den Kopf aus dem Wasser. Sofort sprang der Tiger in den Teich. Er kam prustend wieder hoch, und der Mann hörte sein „Khak Khak“. Darüber müßte der Mann lachen, er rief laut: „So stirb du doch, du dummes Gespenst! Was willst du nun tun, um dich umzubringen?“
Als der Tiger das hörte, blickte er sich um und gewahrte den Mann auf dem Baum. Er starb fast vor Scham, denn noch nie hatte er sich so dumm benommen wie jetzt. Er dachte: „Dieser Mann hat mich gesehen. Er ist zwar allein, aber wenn er wieder zu Hause ist, wird er es den anderen erzählen und meine Schande noch vergrößern. Ich muß mir den Mann kaufen, damit er niemanden etwas sagt.“ Da wandte sich der Tiger flehend an den Angler. „oh“, sagte er, „ich wollte es dem Fischadler gleichtun und nach seiner Methode Fisch fangen. Aber dabei wäre ich fast ertrunken. Ich schäme mich sehr, und ich bitte dich, habe Mitleid mit mir und erzähle es keinem. Ich will mich dafür auch erkenntlich zeigen.“ Der Mann fragte: „Was gibst du mir dafür?“ „Ich verspreche dir, jeden Morgen ein Tier für dich zu fangen. Du kannst es täglich hier an dieser Stelle holen.“ Der Man war zufrieden und kehrte nach Hause zurück.
Am nächsten Morgen ging er zur gleichen Stelle, um sich vom Tiger das Wild zu holen, und der Tiger brachte von da an täglich ein Tier, er blieb es ihm kein einziges Mal schuldig. An vielen Tagen hatte der Mann nun schon ein Tier nach Hause gebracht, da begann seine Frau, sich darüber zu wundern. In der Nacht fragte sie ihn: „Wie machst du es, daß du jeden Tag ein Tier nach Hause bringst? Jedemal ist es ein anderes, manchmal ein Wildschwein, manchmal ein Hirsch und manchmal ein Reh.“ „Ich lege Fallen“, antwortete der Man. „Was sind daß für Fallen, die niemals einen Fehler machen? Laß mich mitkommen, damit ich sie mir ansehen kann!“ Da vergaß der Mann sein Versprechen, das er dem Tiger gegeben hatte, denn er war sicher, daß der Tiger jedesmal wiederkommen würde. Er erzählte seiner Frau die ganze Geschichte, und die Frau glaubte ihm auch alles.
Am nächsten Morgen wollte sich der Mann wieder sein Tier vom Tiger holen. Als er zur gewohnten Stelle kam, saß der Tiger sprungbereit da und wartete auf ihn. Er sagte: „Ei, Mann, ich habe auf dich gewartet, denn nun werde ich dich fressen. Hatte ich dir nicht verboten, mit jemanden zu sprechen? Dafür habe ich dir doch jeden Tag ein Tier gebracht. Warum hast du gesprochen?“
Der Mann bekam ganz verstörte Augen, solche Angst hatte er. Er widersprach nicht, sondern bettelte: „Bruder Tiger, friß mich nur, ich sage nichts dagegen. Ich weiß ich habe gesprochen. Aber bevor ich sterbe, laß mich meine Frau benachrichtigen.“
Der Tiger willigte ein. „Nungut, so geh, aber beeile dich! Ich warte, solange mein Maul noch feucht vom Speichel ist. Wenn es trocken wird, dann folge ich dir und fresse dich und deine Frau. Denn wie sollte ich einen Mann am Leben lassen, der nicht schweigen kann!“
Der Mann ging traurig davon. Er bereute sehr, sein Wort nicht gehalten und gesprochen zu haben. Als er bei seiner Frau war, erzählte er ihr alles. Dann sagte er: „Ich kann nicht länger bleiben, denn der Tiger wartet. Wenn er lange warten muß, kommt er her und frißt uns beide!“ Die Frau begann zu weinen, und sie bedauerte sich und bereute die gemachten Fehler. Der Mann nahm Abschied von seiner Frau und lief weinend zum Tiger zurück. Unterwegs traf er den Hasen, der ihn fragte: „Wohin gehst du und warum weinst du so?“ Da erzählte der Mann dem Hasen on seinem Unglück, und er erzählte alles von Anfang an. „Oh“, sagte der Hase, „habe keine Angst! Hole mir zuerst einen Bund Bananen. Warum fürchtest du diesen dummen Tiger?“
Der Mann freute sich sehr. Er lief schnell davon, um die Bananen zu holen. Als er sie dem Richter Hase übergab, sagte er: „Nehmt, Herr und rettet mir mein Leben, denn bald wird der Tiger kommen und mich fressen!“ „Ei“, antwortete der Hase, „wir bleiben jetzt zusammen und beobachten den Tiger.“ Der Hase suchte einen Hügel, dann setzte er sich, um die Gegend weit überblicken zu können.
Der Tiger, der schon lange auf den Mann gewartet hatte, machte sich nun auf den Weg. Er hatte nichts weiter im Sinn, als den Mann und seine Frau zu fressen, denn für ihn waren nun beide schuldig.
Als er am Fuße des Hügels angelangt war, entdeckte ihn der Mann und meldete dies dem Hasen: „Er ist da Herr!“ Richter Hase sagte: „Sprich kein Wort, warte bis er nahe heran ist!“ Als der Tiger ganz nah vorbeiging, stopfte sich der Hase eine Banane in den Mund und rief mit heiserer Stimme: „Hem, hem“ Nun habe ich schon fünf Tiger gefressen und bin immer noch nicht satt. Ich habe auch eine Aubergine, dick wie mein kleiner Finger, gefressen, die brennt mir nun so im Hals, daß er fast auseinanderspringt, hem, hem!“
Als der Tiger dies hörte, sprang er in großen Sätzen davon. Richter Hase aber wiederholte seine Rede noch mehrmals. Der Tiger rannte was er konnte, er sah nicht zurück und als er schon weit weg war, traf er auf einem Affen, der auf einem Baum saß. Der Affe rief herunter: „Bruder Tiger, warum rennst du so?“ Der Tiger hielt an und antwortete: „Oh, wie groß muß der doch sein! Er frißt fünf Tiger und ist immer noch nicht satt! Ich hatte Angst und bin weggelaufen, weil ich fürchtete, er würde mich auch noch fressen.“ „Hast du ihn gesehen, Bruder?“ fragte der Affe. „Nein, ich habe nur seine Stimme gehört.“ Der Affe fragte wieder: „Wo hast du die Stimme gehört?“ „In der Nähe eines Hügels, der mit Pongro-Bäumen bewachsen ist.“ Da sagte der Affe: „Ich glaube, das war Richter Hase. Wir wollen von hier oben aus den Hügel beobachten.“ „Aber nein“, sagte der Tiger, „Daß war nicht die Stimme eines Hasen.“ „Doch, es war bestimmt der Hase. Laß uns zurückgehen und sehen wer dort ist.“ Aber der Tiger sträubte sich. „Ich habe Angst, Bruder Affe, daß du mich verläßt. Denn wenn es gefährlich wird, kannst du schnell auf einen Baum klettern, und ich muß dann allein sterben.“
Der Affe beruhigte den Tiger: „Wenn du Angst hast, daß ich dich verlassen könnte, so wollen wir unsere Schwänze aneinanderbinden. Dann kann ich nur mit dir zusammen auf einen Baum klettern.“ „Nun, so will ich gerne mitkommen“, sagte der Tiger, „also, gehen wir! Aber keiner darf den anderen verlassen!“ Der Tiger und der Affe banden darauf ihre Schwänze fest zusammen und liefen zu dem Hügel. Der Mann sah sie kommen und berichtete des Richter Hase. „Oh, Herr! Er kommt zurück. Aber diesmal bringt er einen Affen mit! Ich habe Angst Herr!“ „Beunruhige dich nicht!“, sagte der Richter Hase. „Bleib nur still und warte, bis sie ganz nahe heran sind!“ Der Hase legte sich eine Banane zurecht, die er sich zur rechten Zeit wieder in den Mund stopfen wollte.
Als die beiden ganz nahe heran waren, fragte der Affe: „ Wo war es, Bruder Tiger?“ „Hier“, sagte der Tiger. „Die Stimme kam von da.“ Jetzt stopfte sich der Richter Hase die Banane in den Mund und rief: „Hoho, der Affe mit den Krallen ist da! Schon vier, fünf Jahre hast du Schulden bei mir und bringst mir nur diesen abgemagerten Tiger. Das ist gemein von dir, Affe!“
Als der Tiger das hörte, machte er einen Sprung und wollte weglaufen. Der Affe versuchte, ihn zurückzuhalten, aber der Tiger hörte nicht. Er dachte nur: „Oh, der Affe will mit meinem Körper seine Schulden bezahlen!“ Der Affe rief: „Bruder Tiger, halt an! Bruder Tiger, halt an!“ Aber der Tiger hörte nicht, denn er glaubte, daß ihn der Affe hierhergeführt habe, um ihn auszuliefern und sich selbst zu befreien. Der Tiger lief weit, bis der Affe an einen Baum geschleudert wurde . Sein zerschlagener Körper fiel zu Boden, und er starb ganz ohne Grund.
Verschließe deinen Mund, wie du eine Flasche verkorkst.