Nichiren-Schulen

Der Nichiren-Buddhismus sieht in dem Lotossutra die Lehre des Buddhas vervollständigt und lehrt, dass die Rezitation des Titels des Lotossutras zur Buddhaschaft führt. Die zentralen Inhalte des Lotossutras sind die Anerkennung der Buddhanatur aller Lebewesen und dass die Buddhaschaft in diesem Leben erreicht werden kann.

Nichiren-Schulen

Beitragvon Ryonin am 24.11.2009, 01:19

Schön, daß diese Seite frei gegeben ist.
Wie gesagt, mein Wissen über die Nichiren-Schulen hält sich in Grenzen.
Ein paar Sachen zum Anlesen hatte ich schon empfohlen. (Ich denk es ist wirklich gut, die Quellen zu lesen, in diesem Fall Nichiren.
Des weiteren gibt es viele verschiedene Nichiren-Schulen. Wär schön, wenn Leute, die darüber mehr wissen, ein wenig die Unterschiede aufdröseln können.)

Ich hab heut nachmittag gerade einige Zahlen zu den Schulen in den USA gelesen(auf der Seite von Gerry Aitken):

Nichiren Shu 7%,
Nichiren Shoshu 8%,
Soka Gakkai International – USA 65%,
Independents 15%,
Andere Nichiren Buddhisten1%,
4% mixen Nichiren Buddhismus mit anderen Richtungen

Schön, daß die Independent Nichiren Leute recht stark sind, weil sie waren ja auch Mitinspiration für die Independent Jodo Shinshu. Und ich denke, daß das an wichtiger Ansatzpunkt für den Westen als solchen ist.

Hier ein Auszug aus ihren Hauptpunkten (Leider nur auf Englisch)

1. Everything you need to practice is right here in this web site, including a link to an online forum specifically for independent Nichiren Buddhists, and links to downloadable sound files of people chanting slowly, so you can learn to chant.
2. As an independent, you do not have to get caught up in the ugly feud between Soka Gakkai and Nichiren Shoshu.
3. As an independent, you are free. You do not have to become someone’s disciple, whether President Ikeda’s or the High Priest of Nichiren Shoshu’s. When you practice Nichiren Buddhism independently, you are your own master.
4. When you join a sectarian organization, a lot of your spare time comes to be dedicated to organizational activities, including your travel time to far-away meetings. Whereas by being independent, you can practice when you choose to, at your own convenience, at home. If you introduce a few of your neighbors or co-workers, you can attend small meetings right in your own neighborhood, instead of traveling long distances.
5. When you join a sectarian organization such as Soka Gakkai, Nichiren Shoshu, Nichiren Shu, etc. you are forced to accept a package of beliefs, some of which you may not agree with. Whereas by being independent, you can profess exactly what you believe, on every point of controversy within Nichiren Buddhism.
6. When you practice independently, your Buddhist practice is self motivated. Whereas when you belong to a sectarian organization, your practice is largely externally driven. People who belong to one of the large organizations feel lost if they have to move to an outlying neighborhood with few members. Whereas an independent Buddhist can adapt to that situation handily. Also bear in mind that at the moment of death, you cannot take all your companions with you to the other side. By being self reliant in life, death won’t seem so scary or isolating.
7. When you join a sectarian organization, you have to accept the organizational culture along with the religion. For example, if you join Soka Gakkai you have to idolize President Ikeda. Whereas by being independent, you do not have to accept any extraneous, peculiar, or cultish organizational culture, just Nichiren Buddhism itself.
8. Every one of the existing Nichiren organizations are top down and hierarchical. Whereas by practicing independently, with a small number of companions, you can establish an intimate democracy, making decisions by consensus or from the bottom up.
9. By practicing independently, you are helping to build a safeguard against religious corruption. What I mean is, if the only Nichiren Buddhists were members of large organizations, then, if the leadership of the large organizations grows self serving and corrupt, then Nichiren Buddhism will be despoiled. But by having large numbers of independent Nichiren Buddhists in society side by side with the organizations, there is a built in safeguard against corruption, because Nichiren Buddhism then belongs to the people, not to a few cliques of leaders. If you practice independently, you are helping to make this possible.
10. In the Nichiren organizations, dissenters are passed over for promotion to leadership positions, and their potential is ignored. Whereas if you are independent, you can hold a contrary opinion about something, and still exert leadership of your small neighborhood group that you created yourself.
11. When you practice independently, no one is going to pressure you to make financial contributions. You can hold on to your hard earned money. Whereas, for example, in the Soka Gakkai, members are pressured to donate money - and the organization offers no financial transparency.

http://www.nichirendaishoninsbuddhism.com/

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Re: Nichiren-Schulen

Beitragvon kongjiazhong am 24.11.2009, 12:38

Ryonin hat geschrieben:Schön, daß diese Seite frei gegeben ist.


Sehe ich auch so.

Zahlen zu den Schulen in den USA gelesen (auf der Seite von Gerry Aitken): Independents 15%, Schön, daß die Independent Nichiren Leute recht stark sind (... ) ich denke, daß das an wichtiger Ansatzpunkt für den Westen als solchen ist.


Der Wert dieser Vorstellung von "unabhängigen Praktizierenden des Nichiren-Buddhismus" liegt darin, dass sie darüber informiert, dass es "Unabhängige" gibt und welche Gründe es sind, die einen Teil jener Menschen bewegen, sich nicht traditionellen und etablierten religiösen Organisationen anzuschließen. Es ist ein Ansatzpunkt, ob es ein wichtiger ist, das sei dahingestellt.

In gewisser Weise wird durch die Formulierung von Gründen ("Hauptpunkte") und implizit von bestimmten Positionen die Unabhängigkeit aber aufgegeben, denn man formiert sich selbst zu einer Partei (dies muss keineswegs in Form einer Organisation erfolgen) und vertritt parteiische Positionen.

Die recht einseitige Zuweisung alles Negativen den Organisationen (hier z.B. der Soka Gakai) und alles Positiven den „Unabhängigen“ halte ich für übertrieben – es ist eine parteiische und die Realität verzerrende Darstellung, finde ich. Aber es ist in jedem Fall ein guter Diskussionsbeitrag und eine gute Information darüber, was manche Praktizierende denken.

Ich könnte mir vorstellen, dass die meisten Buddhisten, zumindest in jenen Ländern, in denen der Buddhismus – in welcher Form auch immer – noch nicht allzu lange eine Rolle spielt, also z.B. in den USA oder in Deutschland, unabhängig von bestimmten Organisationen als Buddhisten leben. Insofern verwundert es mich, dass es im Nichiren-Buddhismus der USA nur 15 Prozent „Unabhängige“ geben sollte.

Ich selbst bin derart unabhängig, dass ich sogar unabhängig von den Unabhängigen bin, und selbst dann wenn ich aus Gründen einer unabhängigen, also freien, Entscheidung mich entschließen würde einer nichirenistischen Organisation anzunähern oder formales Mitglied zu werden, bliebe ich unabhängig.

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Re: Nichiren-Schulen

Beitragvon Benkei am 24.11.2009, 20:17

Namaste!

Die Quoten unter den amerikanischen Nichiren-Buddhisten halte ich für realistisch, und sie sprechen irgendwie für sich.

Ich denke die Zahlen werden auch in Deutschland so oder ähnlich verteilt sein. Auffällig ist eigentlich nur der hohe Anteil der Soka Gakkai; die anderen Zahlen sind nicht weiter erstaunlich. Der Grund ist wohl der, dass die Soka Gakkai weltweit eine missionarische Organisation ist, die keinen Hehl daraus macht, universalistisch zu sein - sprich: sie haben den Anspruch, dass ihre Interpretation des (Nichiren-)Buddhismus der passende Weg für alle Menschen sein kann.

Deshalb sind auch so viele Werke des Präsidenten der SGI (Soka Gakkai International) in verschiedene Sprachen übersetzt (gibt man bei den Amazonen "Daisaku Ikeda" ein, findet man doch relativ viele Buchtitel), glücklicherweise allerdings neben denen auch die Schriften Nichirens, zusammengefasst in der "Gosho" (in Deutsch als Vierteiler veröffentlicht).

Soweit ich weiß, hat die SGI ihre "Gosho" von der Nichiren Shoshu übernommen, von welcher sie sich ja Ende des letzten Jahrhunderts abgespalten hat. Einige wenige Schriften dieser "Gosho" werden von anderen Nichiren-Schulen, beispielsweise einigen Linien der Nichiren-Shu, nicht als authentisch anerkannt.

Aber was soll's? Wer sich wirklich mit Nichiren und seinen Schriften eigenständig auseinandersetzen will, kommt um die "Gosho" nicht herum. Man sollte m. E. allerdings die eingefügten und als "Hintergrund" betitelten Kommentare kritisch betrachten, da sie neben historischen Informationen oftmals auch eine Bewertung der Schrift vornehmen und diese im Lichte der eigenen Tradition erklären.

Ich persönlich habe mich bislang allerdings nur durch Band I der "Gosho" gekämpft (hier habe ich noch die alte Fassung; die anderen drei Bände stehen noch ungelesen im Regal). Für die kritische Auseinandersetzung mit dem Nichiren-Buddhismus (und speziell mit der SGI und der Nichiren-Shoshu) empfehle ich aber immer noch vorrangig "Nichiren - der Ausübende des Lotos-Sutra" von Yukio Matsudo.

Wie bereits an anderer Stelle erwähnt, sehe ich die SGI mit ihrer Präsidentenverehrung (z. B. in diesem Video http://www.youtube.com/watch?v=0_Wf6qhP3gg) ebenso kritisch wie die Nichiren-Shoshu mit ihrem derzeitigen Hohepriester Nichinyo Hayase.

Die Hauptunterschiede zwischen der Nichiren Shoshu und den anderen Nichiren-Schulen (die teilweise in der Nichiren-Shu zusammengefasst sind), sind wohl einerseits die Bedeutung des Gohonzon, bzw. des Daigohonzon (ein spezieller Gohonzon, der von Nichiren persönlich eingeschrieben sein soll), bzw. die Person Nichirens.

Für die Nichiren Shoshu (und die SGI) ist der (Dai-)Gohonzon das universelle und einzig wahre Objekt der Verehrung, also quasi die universelle Verkörperung der Höchsten Wahrheit. In Tempeln der Nichiren-Shu hingegen, kann man noch andere Verehrungsobjekte wie verschiedene buddhistische oder shintoistische Statuen finden und verehren. Speziell für Anhänger der Shoshu scheint es auch wichtig zu sein, dass der persönliche Gohonzon vom Hohepriester persönlich eingeschrieben wurde.

Was Nichiren angeht, so gilt er für die meinsten Anhänger der Nichiren-Shu wohl als Schulengründer und Verkünder des Daimoku, also als Ausübender des Lotos-Sutra, oder auch "Bodhisattva aus der Erde". Sie nennen ihn meist "Nichiren Shonin".
Viele Anhänger der Nichiren Shoshu verehren ihn hingegen als den "Wahren Buddha", der im Zeitalter des Verfalls ("Mappo") die "Wahre Lehre für die Endzeit des Dharma" verkündet. Sie nennen ihn dann "Nichiren Daishonin".

Wenn man sich jeder einzelnen Schule widmen will, wird man wohl ellenlang schreiben können. Und es gibt ja noch andere als die SGI, die Nichiren Shoshu und die Linien der Nichiren Shu.

Für heute reicht es erstmal.

< gasshô >

Benkei

PS: Ich selbst bin übrigens kein Nichiren-Buddhist, sondern sitze in der Tradition Dogen Zenjis.
"Allmorgendlich beginne ich meinen Tag damit, den Spiegel zu poliere;
Täglich türme ich neue Staubschichten auf;
Allabendlich beende ich meinen Tag damit, weiter zu polieren;
Und scheinbar wirbelt auch ein Schlafender noch Staub auf.
"
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Re: Nichiren-Schulen

Beitragvon kongjiazhong am 24.11.2009, 21:42

Benkei hat geschrieben: Auffällig ist eigentlich nur der hohe Anteil der Soka Gakkai; Der Grund ist wohl der, dass die Soka Gakkai weltweit eine missionarische Organisation ist, die keinen Hehl daraus macht, universalistisch zu sein

Ich meine, dass dies der allgemeinen buddhistischen Auffassung entspricht. Der Buddhismus ist missionarisch und ist universalistisch (wie das Christentum und der Islam).

Wer sich wirklich mit Nichiren und seinen Schriften eigenständig auseinandersetzen will, kommt um die "Gosho" nicht herum. Man sollte m. E. allerdings die eingefügten und als "Hintergrund" betitelten Kommentare kritisch betrachten, da sie neben historischen Informationen oftmals auch eine Bewertung der Schrift vornehmen und diese im Lichte der eigenen Tradition erklären.

Ich lese die Gosho auch - wenn man sich dessen bewußt ist, dass jegliche "Hintergrundinformationen" selbst schon Interpretationen sind, dann kann man von den Erklärungen durchaus profitieren.

Für die kritische Auseinandersetzung mit dem Nichiren-Buddhismus (und speziell mit der SGI und der Nichiren-Shoshu) empfehle ich aber immer noch vorrangig "Nichiren - der Ausübende des Lotos-Sutra" von Yukio Matsudo.

Dieses 478 Seiten umfassende Werk kann ich auch empfehlen, obwohl es dort von orthographischen und grammatikalischen Fehlern wimmelt, obwohl nicht wenige Sätze nur deshalb kaum verdaulich sind, weil sie sehr ungeschickt formuliert wurden, obwohl einige Passagen – vielleicht wegen der Komplexität oder Fremdartigkeit der Materie – mir unverständlich blieben. Der Text müsste nochmals (oder erstmals) redigiert werden. Dem Autor und den Lesern wäre es zu gönnen.

Aber abgesehen davon, ist das Buch wertvoll, weil es seinen Gegenstand recht umfang- und kenntnisreich behandelt. Der Autor war wohl längere Zeit Mitglied der Soka Gakkai, der er, so weit ich es verstanden habe, gerade in ihren „liberaleren“ internationalen Ausprägungen (also außerhalb Japans) noch durchaus mit Sympathie begegnet.

Leseprobe:
http://www.amazon.de/gp/reader/38370919 ... eader-link

Ausführliche Rezension (durch die ich auf das Buch aufmerksam wurde):
http://www.nanzan-u.ac.jp/SHUBUNKEN/pub ... df/713.pdf

Wie bereits an anderer Stelle erwähnt, sehe ich die SGI mit ihrer Präsidentenverehrung (z. B. in diesem Video http://www.youtube.com/watch?v=0_Wf6qhP3gg) ebenso kritisch wie die Nichiren-Shoshu mit ihrem derzeitigen Hohepriester Nichinyo Hayase.

Die Musik in diesem Video erinnerte mich an so etwas

http://www.youtube.com/watch?v=CRAJshdb ... re=related

Jegliche Arten des Personenkultes liegen mir nicht, deshalb entstehen in mir Aversionen gegen die Kulte um den Dalai Lama oder um Thich Nhat Hanh oder um Chögyam Trugpa oder um Sogyal „Rinpoche“ und so weiter und so fort.

Für das größte politische Verdienst Ikedas halte ich übrigens seine unermüdlichen Bemühungen, eine Versöhnung zwischen der japanischen und chinesischen Bevölkerung herbeizuführen, eine Aktivität, mit der er schon früh begann und die nicht ohne Erfolg blieb. Dies ist ein bleibender Verdienst, ich freue mich darüber, aber ich würde es ruhig, ohne Exaltiertheit zum Ausdruck bringen. Weniger wäre für mich mehr.

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Beitragvon Benkei am 25.11.2009, 17:42

Namaste!
kongjiazhong hat geschrieben:
Benkei hat geschrieben: Auffällig ist eigentlich nur der hohe Anteil der Soka Gakkai; Der Grund ist wohl der, dass die Soka Gakkai weltweit eine missionarische Organisation ist, die keinen Hehl daraus macht, universalistisch zu sein

Ich meine, dass dies der allgemeinen buddhistischen Auffassung entspricht. Der Buddhismus ist missionarisch und ist universalistisch (wie das Christentum und der Islam).

Jein. Der Buddhismus selbst ist eigentlich keine missionarische Religion, da er im Grunde genommen kein Dogma verbreitet, welches andersgläubige übernehmen sollen. Um "Glauben" geht es ja eigentlich nicht. Was vereinzelte Anhänger dann daraus machen, steht auf einem anderen Blatt.

Der universelle Anspruch des Buddhismus ist wahrscheinlich auch nicht in der weise präsent, wie in anderen Religionen, die sich auf Glauben und Weltbilder verstehen. Als universell werden die Vier Edlen Wahrheiten, die Vier Hauptlehren und der Edle Achtfache Pfad angesehen, darüber hinaus gibt es kein universelles Weltbild, an das man glauben müsste. Selbst die "Sechs Daseinsbereiche" sind ja nur Konzepte und keinesfalls Dogma.

Bei der Soka Gakkai gehört "Kosen-rufu" (wörtlich übersetzt: "weithin erklären und verbreiten") zu den Grundprinzipien, und das ist in meinen Augen nichts anderes als der Aufruf zur Mission. Der Umstand, dass "Kosen-rufu" auch mit "Streben nach dem Weltfrieden" gleichgesetzt wird, lenkt in meinen Augen von der Mission ab. Vielleicht ist der Weltfrieden ein erwünschter Nebeneffekt des "weithin erklären und verbreiten", aber die SGI leugnet ja auch nicht ihren Missionswillen.

kongjiazhong hat geschrieben:Ich lese die Gosho auch - wenn man sich dessen bewußt ist, dass jegliche "Hintergrundinformationen" selbst schon Interpretationen sind, dann kann man von den Erklärungen durchaus profitieren.
Genau das meine ich!

kongjiazhong hat geschrieben:Jegliche Arten des Personenkultes liegen mir nicht, deshalb entstehen in mir Aversionen gegen die Kulte um den Dalai Lama oder um Thich Nhat Hanh oder um Chögyam Trugpa oder um Sogyal „Rinpoche“ und so weiter und so fort.

Das geht mir ähnlich.

< gasshô >

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Re: Nichiren-Schulen

Beitragvon catflap08 am 25.11.2009, 18:34

Hallo an Alle,

Nun also ein Thema zu dem auch ich etwas beisteuern kann, da ich selber Jahre lang in der SGI Mitglied war. Ich bin nach wie vor Nichiren Buddhist und bin dabei mich einer anderen Nichiren-Schule (Nicht die Nichiren-Shoshu) anzuschließen lasse mir für diesen Prozess jedoch Zeit.

Mit dem Zahlenmaterial zur Anhängerschaft wäre ich jedoch sehr sehr vorsichtig. Sowohl die Soka Gakkai als auch die Nichiren Shoshu scheinen nur „Zugänge“ und keine „Abgänge“ zu verbuchen. Gerade in den letzen Jahren haben einige die SGI oder auch Nichiren Shoshu verlassen (auffällig auch viele langjährige „Mitglieder“ in den USA). Mitgliederzahlen werden durch die Verleihung des sog. Gohonzons ermittelt, wenn sich diese Menschen jedoch von der SGI oder Nichiren Shohsu abkehren werden sie zumindest so lange als Mitglieder geführt solange sie den Gohonzon nicht zurückgeben. Unter den Unabhängigen gibt es also viele, die in der jeweiligen Organisation als Mitglieder geführt werden obschon sie es faktisch schon lange nicht mehr sind. Andererseits gibt es einige, die zwar als Mitglieder geführt werden jedoch unabhängig praktizieren, sich einer anderen Nichiren-Schule angeschlossen haben oder ganz aufgehört haben zu praktizieren. Einigen anderen Nichiren-Schulen ist es zudem nicht so wichtig mit derlei Zahlenmaterial um sich zu werfen.
(Rein juristisch sind zumindest die deutschen Mitglieder nicht Mitglieder der SGI-D e.V. sondern lediglich Anhänger - ist aber sehr spitzfindig ich weiß).

Ein Grund warum ich die SGI verließen war einerseits die unsäglich schäbige Art in der die Auseinandersetzung zwischen SGI und Nichiren Shoshu geführt wurde (Die Nichiren Shoshu hat 1991 bzw 1997 die SGI als Laienoganisation ausgeschlossen), anderseits der in meinen Augen überzogene Personenkult um Herrn Ikeda in der SGI. Ich für meinen Teil sehe da keinen großen Unterscheid zur Nichiren Shoshu, nur ist es dort ein Hohepriester. Vielleicht ist solch ein Personenkult auch symptomatisch für Nichiren-Schulen die aus der Fuji-Linie stammen – ich weiß es nicht.
Ausschlaggebend für mich war jedoch die Verehrung Nichirens als einen Buddha sowohl in der SGI als auch in der Nichiren Shoshu, für diese kann ich in den Schriften Nichirens keinerlei Beleg finden. Zudem sprechen beide von anderen buddhistischen Schulen als auch anderen Nichiren-Schulen in auffallend abfälliger Weise. Hauptgrund hierfür ist die quasi wortwörtliche ins hier und jetzt ausgeführte Anwendung der „Risssho Ankoku Ron“, einer der Hauptschriften Nichirens. Andere Nichiren-Schulen nehmen in der Interpretation dieser Schrift ins Heute eine differenziertere Position ein.

Vor einigen Monaten tauchte hier ja auch in Forum ein Leitfaden der DBU zu heilsamen und unheilsamen Strukturen auf. Obgleich nicht wertend sondern einen Fragenkatalog anbietend konnte ich nicht umhin und in vielen Punkten an die SGI denken. Die Wortwahl die die SGI und Nichiren Shoshu im gegenseitigen Umgang miteinander nutzten und nutzen kann ich für meinen Teil nur als paranoid bezeichnen. Oft war von Feinden des Lotos Sutra die Rede etc. Aus den USA weiss ich, dass man dieses Vokabular nun auch für all jene nutzt die innerhalb der SGI Kritik am Führungsstil innerhalb der SGI oder auch am Umgang mit der Nichiren Shoshu üben. Es scheint jedoch, dass die Nichiren Shoshu ihrerseits sich kaum noch zum Thema SGI äußert, was ich auch nachvollziehen kann.

Aus meiner aktiven SGI-Zeit weiß ich, dass das Buch Yukio Matsudos bei manchen in der SGI auf Kritik stieß.
Auffallend ist jedoch, dass dieses Buch selbst bei anderen Nichiren-Buddhisten wiederum positiv bewertet wird. Ich weiß, dass Herr Matsudo zumindest Mitglied der SGI war, ob er es noch ist entzieht sich meiner Kenntnis. Ich werde mir das Buch jedoch auf jeden Fall besorgen – ist eben auch nicht gerade günstig. Die Kritik am Buch durch einige in der SGI erkläre ich mir durch die sehr einseitige Lehr- und Informationspolitik in der SGI. Objektive, akademische Ansichten zu Nichiren werden in der SGI abfällig bewertet solange sie nicht die eigene Position stützen oder deren Erscheinen nicht durch die SGI gefördert wurde. Beispiel hierfür die Autoren Burton Watson oder Max Deeg . Die Lehrmeinung der SGI wird zentral gesteuert was der internationale Vergleich beweist.
Augenfällig wird dies wenn man die Gosho bzw. Goibun der SGI /Nichiren Shoshu mit denen der Nichiren Shu vergleicht - Letztere mache in ihren Ausgaben (englischsprachig – University of Hawai’i Press) sogar Hinweise wo der Originaltext sich befindet, was davon Fragmente sind etc.. Zudem pflegt die Nichiren Shu Kontakt zu anderen buddhistischen und nichtbuddhistischen Glaubensrichtungen.
Ergo man muss sich zumindest alle Vertreter der Hauptrichtungen im Nichiren-Buddhismus ansehen um sich ein Bild machen zu können und sich nicht nur von den sog. Mitgliederzahlen beeindrucken lassen. Wobei natürlich unstrittig ist, dass die SGI die finanz- und mitgliedsstärkste Gruppierung ist.

Wegen der politischen Verdienste Herrn Ikedas wäre auch Vorsicht geboten, beiteits in den 50er Jahren (!!) fanden hier die unter Premier Ishibashi Annäherungen statt. Ich würde es eher so formulieren, Herr Ikeda sprang auf einen fahrenden Zug auf und platzierte sich recht weit vorne – ins Rollen gebracht hat er ihn aber ganz sicherlich nicht.

Zum Lesen empfehlenswert sind die die Bücher bzw. Artikel von Jacqueline I. Stone, deren Artikel im „Japanese Journal of Religious Studies“ auch online nachlesbar sind. Von großen Wert war für mich auch das Buch „Fire in the Lotos“ von Montgomery, da es nicht mehr verlegt wird kann es wohl nur noch durch Bibliotheken bezogen werden. Es ist jedoch eine der wenigen Publikationen die, auf recht neutrale und leicht verständliche Weise, einen Einblick in die geschichtlichen Ereignisse und Zusammenhänge innerhalb des Nichiren-Buddhismus gewährt ohne dabei wertend zu wirken.

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Re: Nichiren-Schulen

Beitragvon catflap08 am 25.11.2009, 19:57

Ryonin hat geschrieben:Des weiteren gibt es viele verschiedene Nichiren-Schulen. Wär schön, wenn Leute, die darüber mehr wissen, ein wenig die Unterschiede aufdröseln können.


Hallo

Nur ganz kurz das Thema der Unterschiede. Im grossen und ganzen gibt es an traditionellen Nichiren-Schulen die Nichiren-Shu (Nichiren Schule) und Nichiren-Shoshu (Wahre Nichiren Schule). Die Trennung geht auf eine Auseinandersetzung unter den sechs älteren Schülern Nichirens zurück. Dies waren Niko, Nikko, Nichhiro, Nichiji, Nitcho und Nissho. Nikko warf den anderen 5 vor sich zu wenig vom Tendai Buddhismus abzugrenzen und verlies den von Nichiren selbst gegründeten Kuon-Ji Tempel. Die heutige Nichiren Shoshu wird als Fuji-Linie bezeichnet da es sich nur um die Tempel handelt, die den Taiseki-Ji Tempel als ihren Haupttemple ansehen und Nikko als Nacjfolger Nichirens ansehen.
Die Nichiren-Shu vereinigt sozusagen alle Linien die auf die restlichen 5 bzw 4 Schüler zurückgehen. Ich sage 4, da auf Nichiji kein Linie im Nichiren Buddhismus zurückzuführen ist. Es gibt aber auch einige Nikko Temple die heute Teil der Nichiren Shu sind. Somit kann man sagen, dass die Nichiren Shu sich auf alle sechs Schüler beziehn kann - je nmch Tempel.
Eine Vorrednerin sprach Dokumente an die die NAchfolge Nikkos als Nachfolger Nichirens bezuegen sollen sowie den Dai Gohonzon. Tatsächlich zweifeln ander Nichiren-Schulen diese Dokumente an, zumal sie erst im 15.Jahrhundert "entdeckt" wurden. Wissenschaftliche Untersuchungen hierzu gibt es nicht. Das war nur mal eine gaaaanz grobe Einteilung, was die traditionellen Schulen angeht.

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Re: SG(I)

Beitragvon kongjiazhong am 26.11.2009, 09:13

Benkei hat geschrieben:
Jein. Der Buddhismus selbst ist eigentlich keine missionarische Religion,


Der Buddhismus breitete sich aus, besser gesagt, er wurde fast auf dem gesamten eurasischen Kontinent ausgebreitet, inklusive der Insel Japan. Dies geschah durch Mönche, Übersetzer, Soldaten, Kaiser, Missionare, Händler, Migranten ...

Dass es dem Buddhismus nicht gelungen ist - anders als dem Christentum - auch in Amerika und Afrika Fuß zu fassen, liegt vielleicht auch, wenn sicherlich nicht ausschließlich, daran, dass die Chinesen ihre große Flotte selbst versenkten, anstatt sie auf weite Fahrt zu schicken.

Es heißt, dass es keine größere Gabe (Dana) gibt, als das Dharma - daraus müsste logischerweise folgen, dass die Buddhisten die natürliche Aufgabe haben, das Dharma zu verbreiten. Dass sie dazu kein Bedürfnis verspüren, oder dass sie aufgrund äußerer Umstände dazu nicht in der Lage sind, das steht auf einem anderen Blatt. Ich meine aber, dass die Weitergabe des Dharma an andere Menschen sich daraus ergibt, dass man selbst den Nutzen des Dharma erlebt, oder wenigstens von diesem Nutzen stark überzeugt ist.

da er im Grunde genommen kein Dogma verbreitet, welches andersgläubige übernehmen sollen.


Das Dharma (klingt in meinen Ohren besser als der Dharma) ist natürlich auch ein Set von Ansichten (Lehrmeinungen), die man anerkennen muss, um überhaupt als Buddhist gelten zu können: Anatta/Anatman ist zum Beispiel so etwas, oder die Vier edlen Wahrheiten, das Abhängige Entstehen. Ob dies im stringenten Sinne als "Dogma" zu bezeichnen ist, oder nicht, spielt m.E. hinsichtlich der Frage der Mission ohnehin keine Rolle.

Um "Glauben" geht es ja eigentlich nicht. Was vereinzelte Anhänger dann daraus machen, steht auf einem anderen Blatt.


Der Geistesfaktor "Glaube" wird in allen, oder den meisten, buddhistischen Traditionen als sehr wichtig erachtet, im Sinne der Annahme, dass die Lehren Buddhas wahr sind, d.h. dass deren Anwendung zur Erleuchtung/Befreiung führen. In gewisser Weise ist der Glaube Ausgangspunkt jeder Praxis.

Der universelle Anspruch des Buddhismus ist wahrscheinlich auch nicht in der weise präsent, wie in anderen Religionen, die sich auf Glauben und Weltbilder verstehen. Als universell werden die Vier Edlen Wahrheiten, die Vier Hauptlehren und der Edle Achtfache Pfad angesehen, darüber hinaus gibt es kein universelles Weltbild, an das man glauben müsste. Selbst die "Sechs Daseinsbereiche" sind ja nur Konzepte und keinesfalls Dogma.


Mit "universell" meinte ich, dass das Dharma überall, auf dem gesamten Planeten, Geltung hat und überall mit Erfolg angewandt werden kann - grundsätzlich unabhängig von ethnischen, räumlichen und kulturellen Differenzen, zumal der Buddhismus sehr anpassungsfähig sein kann, ohne dabei seinen (ein kleiner Spaß) „dogmatischen Kern“ aufgeben zu müssen.

Gruß

Kongjiazhong
Zuletzt geändert von kongjiazhong am 26.11.2009, 09:43, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Nichiren-Schulen

Beitragvon kongjiazhong am 26.11.2009, 09:38

catflap08 hat geschrieben:Mit dem Zahlenmaterial zur Anhängerschaft wäre ich jedoch sehr sehr vorsichtig.

Mit Zahlen sollte man immer sehr vorsichtig sein, egal ob es sich um die Zahl der durch deutsche Truppen getöteten Zivilisten in Afganistan, um die Arbeitslosenstatistik der Bundesregierung oder um die in und um die Deutsche Buddhistische Union versammelten Buddhisten handelt. Ähnlich vorsichtig bin ich auch bei den Zahlen der Soka Gakkai - sie vermitteln mir jedenfalls den Eindruck, dass es (in Relation zu anderen buddhistischen Gruppen in Deutschland) gar nicht so wenige Praktizierende gibt.

Einigen anderen Nichiren-Schulen ist es zudem nicht so wichtig mit derlei Zahlenmaterial um sich zu werfen.

Jede Organisation (Gruppe) freut sich darüber, wenn sie Anklang findet, was doch Ausdruck einer gewissen Attraktivität ist. Insofern ist es nichts Verwerfliches, diese Freude öffentlich kund zu tun.

Ein Grund warum ich die SGI verließen war einerseits die unsäglich schäbige Art in der die Auseinandersetzung zwischen SGI und Nichiren Shoshu geführt wurde

Den dabei aufeinander treffenden Feinden (Gegner wäre ein falscher Ausdruck) ging es darum, die "Verleumdung des Lotos-Sutra", die sie jeweils beim anderen festzustellen meinten, zu verhindern und die "Verleumder" zu strafen.

Zudem sprechen beide von anderen buddhistischen Schulen als auch anderen Nichiren-Schulen in auffallend abfälliger Weise.

Zur Illustration kann wohl dies herangezogen werden: "If you support and help temples of Zen and Shingon sects or recite the name of Amida Buddha, you will surely fall into hell (Takehisa Tsuji 1991). Oder täusche ich mich und lege etwas falsch aus?

Catflap - gibt es denn aus der Soka Gakkai International in Deutschland nichts Positives, Erhebendes, Attraktives zu berichten?

Gruß

Kongjiazhong
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Re: Nichiren-Schulen

Beitragvon catflap08 am 26.11.2009, 13:26

Catflap - gibt es denn aus der Soka Gakkai International in Deutschland nichts Positives, Erhebendes, Attraktives zu berichten?


Hallo Kongjiazhong,

Das ist eine gute Frage. Zur Beantwortung muss ich das ganze jedoch erst einmal auf meine persönliche Ebene herunterbrechen.

Natürlich habe ich auch schöne Erlebnisse gehabt, freundliche Menschen getroffen etc. Dennoch muss ich sagen, dass von diesen Freundschaften nicht viel übrig geblieben ist – ich stehe ja nun auf einer Seite vor der man die Mitglieder in der SGI warnt. In der Lesart der SGI bin ich nun ein Feind des Lotus-Sutra, ein Verleumder sozusagen. Im übrigen finde ich es gut dass in einem anderen Thread hier Zitate von Takehisa Tsuji aufgelistet sind. Dass sie nun so leicht nachlesbar sind sagt auch einiges über das Selbstverständnis der SGI aus, dass denjenigen die sie in der SGI veröffentlichen nicht einmal so recht bewusst ist.
Einen faden Beigeschmack bekam die SGI für mich im Zuge der Auseinandersetzungen mit der Nichiren Shoshu. Hier sollte man mich auch nicht falsch verstehen. Auseinadersetzungen, Konflikte unterschiedliche Auffassungen gibt es seit Anbeginn des Buddhismus und sind ja auch völlig normal. Erst seit meinem Weggang aus der SGI merke ich wie oft ich eigentlich angelogen wurde gerade auch was andere Richtungen des Nichiren-Buddhismus angeht, ganz zu schweigen davon dass es eben auch Nichiren-Buddhisten gibt die im Dialog mit anderen Interpretationen des Dharmas stehen – das kannte ich zuvor nicht. Somit spricht hier natürlich auch meine Enttäuschung, vielleicht auch Enttäuschung über mich selbst nicht schon viel früher auf meine eigene Stimme gehört zu haben.

Selbst der Teil der Arbeit der Soka Gakkai, der einen gesellschaftlich engagierten Eindruck vermittelt kann ich nicht mehr losgelöst betrachten. Es geht immer bei solchen Aktionen darum das Ansehen der SGI bzw Ikedas zu steigern. Als Beispiel sei hier eine Wanderausstellung genannt, welche suggestieren möchte Ikeda, Gandhi und Dr. Martin Luther King in einem Atemzug als ebenbürtig zu betrachten. Die Ankündigung dieser Ausstellung kam zu einem Zeitpunkt als ich mich innerlich schon aus der SGI zurückgezogen hatte und als ich diese Ankündigung damals hörte sagte ich mir „Stopp, also jetzt mal halblang hier“. Schlussendlich hat mich die SGI jedoch zum Buddhismus geführt ich hingegen habe mich aus diesem engen Korsett der Sichtweisen der SGI befreit. Dieser Prozess war mit sehr viel Wut, Trauer und Unsicherheit verbunden, dennoch beginne gerade auch aus diesem Prozess positives für mich zu gewinnen – und eigentlich stehe ich vieler Hinsicht wieder ganz am Anfang. Immerhin war ich über 20 Jahre in der SGI.
Das war für mich auch der Hauptantrieb gerade auch die Geschichte des Nichiren-Buddhismus zu erkunden und musste feststellen, dass die Teils negative Reputation oft in Sichtweisen von Schulen der Fuji-Linie ihren Ursprung hat.

Mein Vater sagte einmal (nachdem er erfuhr, dass ich eben nicht mehr in der SGI bin – er ist kein Buddhist) – wenn du ein Haus betrachtest so wäre es falsch es nur von Innen zu tun, du musst auch hinaus gehen und es von außen betrachten. Um bei diesem Bild zu bleiben kann man sagen, dass nun wo ich vor dem Haus stehe ich feststellen muss, dass die schöne Aussicht die ich aus dem Haus hatte in Wirklichkeit Leinwände warn die vor die Fenster platziert wurden. Das irritiert etwas und man regt sich fürchterlich drüber auf, dass man auf Leinwände gestarrt hat. So die Wut darüber hat sich nun so langsam gesetzt, aht ihren Raum und ihre Zeit gehabt und nun beginne ich eben die Aussichten zu erkunden, die mir zuvor verborgen blieben. Es sind nun viele neue Eindrücke. Ich hoffe du kannst verstehen was ich hier sagen möchte. Es ist alles noch in Bewegung.
Du kannst mir gerne antworten vielleicht auch in dem Thread „ein schmutziges infiziertes Stofftuch“. Gerade was Historisches angeht stehe ich diesem Thread „Nichiren-Schulen“ für Fragen/Diskussionen offen gegenüber.
Dem Initiator dieser Diskussion möchte ich übrigens danken, da diese Diskussuion vor allem auch eine Plattform bietet den Nichiren-Buddhismus jenseits der SGI diskutieren zu können.

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Re: Nichiren-Schulen

Beitragvon kongjiazhong am 26.11.2009, 16:15

catflap08 hat geschrieben: Dennoch muss ich sagen, dass von diesen Freundschaften nicht viel übrig geblieben ist – ich stehe ja nun auf einer Seite vor der man die Mitglieder in der SGI warnt. In der Lesart der SGI bin ich nun ein Feind des Lotus-Sutra, ein Verleumder sozusagen.

Freundschaften, die vor allem auf einer Übereinstimmung in der Lebensweise, der religiösen oder politischen Überzeugung beruhen – und worauf sollten sie sonst eigentlich gründen – enden in der Regel, wenn diese Übereinstimmung endet. Dies halte ich für relativ normal und unproblematisch.

Im übrigen finde ich es gut dass in einem anderen Thread hier Zitate von Takehisa Tsuji aufgelistet sind. Dass sie nun so leicht nachlesbar sind sagt auch einiges über das Selbstverständnis der SGI aus, dass denjenigen die sie in der SGI veröffentlichen nicht einmal so recht bewusst ist.

Schwierig wird es, wenn die ehemaligen Freunde als Feinde angesehen werden, wobei im religiösen Kontext dies auch noch eine Art metaphysischen Anstrich bekommt. Und wenn gelehrt wird, dass man in diesem Fall – als Ex-Mitglied der Soka Gakkai – automatisch zu den „Verleumdern des Lotos-Sutra“ gehört und dabei allen Beteiligten klar ist, dass in der zugrunde gelegten Doktrin dieses „Vergehen“ beim Delinquenten erhebliche Schmerzen, sei es psychischer und physischer Art (Krankheiten), hervorrufen soll.

Das Muster der Ausschließlichkeit ist auch im Christentum bekannt (dicit ei Iesus ego sum via et veritas et vita nemo venit ad Patrem nisi per me - Jesus spricht zu ihm: Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater denn durch mich, Joh 14, 6). Wenn man eine solche Sicht radikalisiert, dann muss das Ergebnis weder per se gut noch schlecht sein.

Ich frage mich, wie sich die Soka Gakkai in ihrem alltäglichen Umgang mit („verleumderischen“) buddhistischen Traditionen und Schulen verhält, zum Beispiel innerhalb der Österreichischen Buddhistischen Religionsgemeinschaft, in der sie Mitglied ist.

http://www.buddhismus-austria.at/websit ... hp?ba=1023

Auch ist es doch so, dass an der "Rissho University" in Japan über einen gewissen Zeitraum sowohl Priester der Nichiren Shu als auch der Nichiren Shoshu ausgebildet wurden - was inzwichen geändert wurde - die Männer müssen doch miteinander normale alltägliche Kontakte gepflegt haben an dieser Universität, oder liege ich falsch?

Das heißt, welche Relevanz haben denn überhaupt Äußerungen, wie diese von Takehisa Tsuji?

Schlussendlich hat mich die SGI jedoch zum Buddhismus geführt ich hingegen habe mich aus diesem engen Korsett der Sichtweisen der SGI befreit.

Ich glaube, dass es einen Unterschied in der Wahrnehmung und der Interpretation macht, ob man durch Soka Gakkai zum Buddhismus kommt (wenn dies auch ein sehr spezifischer ist), wie dies bei dir der Fall gewesen ist, oder ob man vom Buddhismus zum Nichiren-Buddhismus bzw. zur Soka Gakkai kommt.

Dem Initiator dieser Diskussion möchte ich übrigens danken, da diese Diskussuion vor allem auch eine Plattform bietet den Nichiren-Buddhismus jenseits der SGI diskutieren zu können.

Dies würde mich auch eher interessieren, als sich ausschließlich über die Soka Gakkai auszutauschen. Insofern würde ich vor allem Forumsteilnehmende ermuntern, die selbst Nichiren-Buddhisten sind, die gute Erfahrungen mit den organisierten Vertretern dieser buddhistischen Tradition gemacht haben, sich zu Wort zu melden.

Gruß

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Re: Nichiren-Schulen

Beitragvon catflap08 am 26.11.2009, 17:56

Ein guter Link die oben genannte Schrift Nichirens zu studieren ist übrigens diese kommentierte Version eines Nichiren-Shu Priesters.

http://www.nichirenscoffeehouse.net/Ryuei/RAR.html
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weitere Schulen

Beitragvon Benkei am 26.11.2009, 18:30

Namaste!

@ Kongjiazhong:
Ich sehe schon, in Punkto "Mission" und "Dogma" kommen wir nicht überein.
Ich nehme Missionierung scheinbar anders wahr als Du und für mich sind die Vier Edlen Wahrheiten, der Mittlere Achtfache Pfad und die Vier Hauptlehren ("Alles Bedingte ist unbeständig", "Alles Bedingte ist leidvoll", "Alles ist ohne eigenständiges Selbst", "Nirvana ist Frieden") keine Dogmen, die man glauben muss sondern auf Logik und Erfahrung beruhende Leitsätze, die man überprüfen kann.

Aber was soll's? Meinungen und Sichtweisen sind eben verschieden; wäre es anders, hätten wir ein ernstes Problem :wink:

Zu den Nichiren-Schulen:

Hat jemand von Euch schon Erfahrungen mit einer der folgenden Schulen gemacht oder weiß etwas über deren Aktivitäten in Deutschland/Österreich/Schweiz zu berichten:

- der Nichiren Shoshu-Shoshin-kai http://www.udumbarafoundation.org/contents.html

- der Rissho Kosei-kai http://www.rk-world.org/

- der Nipponzan-Myōhōji http://peacehq.tripod.com/ATLDOJO_website/ATLD_home.html?

[Die Links sind nur beispielhaft, damit man sich informieren kann worum es überhaupt geht, wenn einem die Namen nichts sagen.]

Mich würden auch Unterschiede oder Gemeinsamkeiten zu den bereits angesprochenen Schulen interessieren.

Die letztgenannte, die Nipponzan-Myōhōji, machte während des Tschetschenien-Krieges mal von sich reden und "schaffte" es sogar in den "Weltspiegel" der ARD. Mönche dieser Nichiren-Tradition hatten sich einem "Marsch der Mütter" angeschlossen, welche die Beendigung des Tschetschenien-Krieges zum Ziel hatten. Sie marschierten Daimoku-rezitierend und Trommel-schlagend zusammen mit den Müttern und wurden nach ein paar Tagen dann inhafkiert.
Die Infos über diese Tradition sind im Netz, zumindest auf Deutsch oder Englisch, nach meinem Kenntnisstand eher rar.

< gasshô >

Benkei

Namu Myoho Renge Kyo
"Allmorgendlich beginne ich meinen Tag damit, den Spiegel zu poliere;
Täglich türme ich neue Staubschichten auf;
Allabendlich beende ich meinen Tag damit, weiter zu polieren;
Und scheinbar wirbelt auch ein Schlafender noch Staub auf.
"
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Re: Nichiren-Schulen

Beitragvon catflap08 am 26.11.2009, 18:39

Hallo Benkei,

Die Shoshinkai ist eine Untergruppe der Nichiren Shoshu. Sie entstand um 1980. Man kann sie jedoch nicht als Schule bezeichnen, der englsiche Artikel in der Wikipedia geht noch etwas tiefer auf die Ursachen iherer Entstehung ein.
Gassho
Catflap08
[url]
http://en.wikipedia.org/wiki/Shoshinkai[/url]
Zuletzt geändert von catflap08 am 26.11.2009, 19:16, insgesamt 1-mal geändert.
catflap08
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Re: weitere Schulen

Beitragvon kongjiazhong am 26.11.2009, 19:11

Benkei hat geschrieben: @ Kongjiazhong: Ich sehe schon, in Punkto "Mission" und "Dogma" kommen wir nicht überein. Ich nehme Missionierung scheinbar anders wahr als Du

Stimmt - hinsichtlich der Mission.

und für mich sind die Vier Edlen Wahrheiten, der Mittlere Achtfache Pfad und die Vier Hauptlehren ("Alles Bedingte ist unbeständig", "Alles Bedingte ist leidvoll", "Alles ist ohne eigenständiges Selbst", "Nirvana ist Frieden") keine Dogmen, die man glauben muss sondern auf Logik und Erfahrung beruhende Leitsätze, die man überprüfen kann.

Das eine kann, muss aber nicht dem anderen widersprechen. Unter Dogma verstand ich einfach, denn ich war so freundlich :) , den von dir eingeführten Begriff zu übernehmen, ohne ihn besonders zu definieren, ich selbst hätte ihn gar nicht erst gewählt, folgendes: das Geglaubte, Gemeinte, Beurteilte, Beschlossene.

die Nipponzan-Myōhōji, machte während des Tschetschenien-Krieges mal von sich reden und "schaffte" es sogar in den "Weltspiegel" der ARD. Mönche dieser Nichiren-Tradition (...) marschierten Daimoku-rezitierend und Trommel-schlagend zusammen mit den Müttern und wurden nach ein paar Tagen dann inhaftiert. Die Infos über diese Tradition sind im Netz, zumindest auf Deutsch oder Englisch, nach meinem Kenntnisstand eher rar.

Vor ein paar Wochen (oder waren es bereits Monate) fand ich in der Neuen Zürcher Zeitung ein Foto eines Mönches dieser Schule, der in einem asiatischen Land, ich glaube es war in China, an einem Ort, an dem von der japanischen Armeee (?) viele Menschen getötet wurden, eine Art Reue- und Reinungungszeremonie durchführte (ich suchte gerade im NZZ-Archiv, konnte aber nichts finden).

Gruß

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