Namaste!
kongjiazhong hat geschrieben:Im „Nam Myoho Renge Kyo“ ist implizit das grundlegende buddham saranam gacchami, dhammam saranam gacchami, sangham saranam gacchami genauso enthalten, wie das großartige zhong sheng wu bian shi yuan du, fan nao wu jin shi yuan duan, fa men wu liang shi yuan xue, fo dao wu shang shi yuan cheng. So sehe ich das.
Ich denke diese Sichtweise kann man durchaus vertreten.
Wenn ich an den Gohonzon denke, dann verkörpert er ja auch alle Drei Kostbarkeiten sowie die Sechs Paramitas des Bodhisattva (verkörpert durch die verschiedenen Mahasattva-Bodhisattvas).
kongjiazhong hat geschrieben:Ich kenne die Liturgie der SGI nur aus deren Liturgieheft und aus ein paar Treffen mit unkomplizierten und nicht aufdringlichen Leuten aus dem Umfeld der SGI, die bei sich zu Hause diese Liturgie durchführten (ist schon über ein Jahr her). Demnach besteht sie offiziell aus den von dir erwähnten Elementen (Ausschnitte aus dem 2. und 16. Kapitel des Lotos-Sutra, meditative Rezitation, "chanten", des Daimoku = Nam Myoho Renge Kyo, "stille Gebete").
Wenn ich mir die all zu komplexen, all zu wortreichen, all zu sich in die Länge ziehenden Liturgien anderer buddhistischer Traditionen ansehe, dann wirkt diese Einfachheit auf mich durchaus wohltuend. Das "nur" stellt sich mir daher als "es ist gut so" dar.
Ich kenne auch nur das kleine blaue Heftchen der SGI.
Es stimmt schon, andere Traditionen haben wesentlich umfangreichere Liturgien für die tägliche Praxis (Gongyo).
Vor allem hier im Westen, wo ja noch Pionierarbeit geleistet wird, macht es durchaus Sinn, die Liturgie kurz zu halten und sich auf "das Wesentliche" (sei es nun beispielsweise Daimoku, Nenbutsu oder Zazen) zu konzentrieren. Ich habe am eigenen Leib erfahren, dass komplexe Liturgien (vor allem wenn sie nicht in deiner Sprache stattfinden) eine leicht abschreckende Wirkung haben können (auch, wenn der Klang durchaus etwas erhabenes hat).
kongjiazhong hat geschrieben:der (oder das?) Daimoku
Gute Frage, aber eigentlich egal.
Wenn man "Titel" als Augangspunkt nimmt, dann wohl "der".
Vielleicht auch "die", wenn man "Anrufung" oder "Lobpreisung" oder "Zufluchtnahme in..." zu Grunde legt.
Ich persönlich favorisiere "das", weil es für mich am passendsten klingt, ebenso wie "das Nenbutsu" und "das Zazen".
kongjiazhong hat geschrieben:Abgesehen davon ist es so, dass es innerhalb des Mahayana als unangebracht gilt, die Lehren des Hinayana (in diesem Kontext nicht identisch mit „Theravada“) zu folgen, ähnlich wie es für einen Theravadin ganz schwer ist, das buddhistische Tantra überhaupt als „Buddhismus“ anzuerkennen, geschweige denn, die tantrische Methode selbst zu praktizieren.
Wo zieht man denn den Trennstrich zwischen Hinayana und Mahayana?
Bei den Sutren? (Agama-Sutren/Pali-Kanon hier und spätere Sutren dort)
Bei der Praxis? (Samatha/Vipassana hier und "verschiedentliche" Praktiken da)
Oder bei der Motivation? (Sravakayana/Pratyekayana hier und Bodhisattvayana da)
Ich sehe in dieser These der Unangebrachtheit eher Propaganda.
Eine einfache Trennung ist im Grunde genommen gar nicht möglich. Es beginnt schon bei einem selbst:
- Welche Sutren ziehe ich zu Rate?
- Welche Praxis übe ich aus?
- Welcher Motivation folge ich?
Und entsprechend dem "Ichinen Sanzen" durchdringen sich die Zehn Welten ja gegenseitig, von Augenblick zu Augenblick, so dass besonders im Hinblick auf die Motivation (aber auch beispielsweise auf die Wirksamkeit von Belehrungen) je nach bestehender Situation Veränderungen eintreten können.
kongjiazhong hat geschrieben:Das Lotos-Sutra, genauso wie andere Sutren, ist auch eine ästhetische Angelegenheit. Die Komposition dieser Werke (inklusive der Übersetzung aus dem Sanskrit ins Chinesische) wurde auch vom Wunsch nach Schönheit bestimmt, denke ich. Insofern eignen sich manche Sutren weniger dafür, sie auf Deutsch oder Englisch zu rezitieren – die übersetzte Sprache und der Rhythmus passen irgendwie nicht. Man kann es aber trotzdem machen.
Hilfreich ist in jedem Fall ungefähr zu wissen, worum es beim Rezitierten überhaupt geht.
Übersetzungen sind irgendwo ja immer auch Interpretation.
Wenn ich an das "Herz Sutra" denke, das mir in verschiedensten Ausgaben vorliegt, so könnte man teilweise annehmen, dass die Übersetzer ganz unterschiedliche Dinge meinen.
Es ist wohl eine hohe Kunst
Sinn, Klang, und
Verständlichkeit so rüberzubringen, dass man ein Sutra sowohl als Lehrschrift als auch als Chanttext verwenden kann.
kongjiazhong hat geschrieben:Ich selbst mag zum Beispiel die chinesische Rezitation des Diamantsutras zu hören und entweder dabei nichts zu tun, oder mit zu rezitieren (was ungefähr eine Stunde dauert, es selbst gut zu machen fehlen mir die Kenntnisse).
Geht mir ähnlich beim japanischen Herz-Sutra (das man natürlich leicht auswendig lernen kann, da es kurz ist).
kongjiazhon hat geschrieben:Dieses Sutra wurde vor einigen Jahren an meinem Krankenbett (das sich erfreulicherweise nicht in ein Sterbebett verwandelte) mit einer schönen Stimme auf Chinesisch „gechantet“, was mich immer mit großer Freude erfüllte – obwohl ich nicht zur Sentimentalität und zur Gesundbetung neige. Es war einfach angenehm und ich führe das auf gewisse karmische Verbindungen zu dieser Art der Sutren und der Sutren-Rezitation zurück (das kann aber auch eine persönliche Marotte von mir sein, macht aber nichts).
Persönliche Frage aus Interesse: Hast Du längere Zeit in China verbracht?
kongjiazhon hat geschrieben:Kennt jemand von Euch ein schöne Rezitation des gesamten Lotos-Sutras im Internet (ich meine nicht die rasend schnelle Version)?
Leider nicht.
< gasshô >
Benkei