Nichiren-Schulen

Der Nichiren-Buddhismus sieht in dem Lotossutra die Lehre des Buddhas vervollständigt und lehrt, dass die Rezitation des Titels des Lotossutras zur Buddhaschaft führt. Die zentralen Inhalte des Lotossutras sind die Anerkennung der Buddhanatur aller Lebewesen und dass die Buddhaschaft in diesem Leben erreicht werden kann.

Re: Nichiren-Schulen

Beitragvon catflap08 am 01.12.2009, 23:21

Benkei hat geschrieben:In den japanischen Zen-Schulen (und ihren deutschen Ablegern) und teilweise auch in der Shingon Shu gibt es die Laien-Ordination mit den 10 Gelübden (Jukai, manchmal auch als 16 Gelübde betitelt). Gibt es eine entsprechende Ordination in der Nichiren Shu?


Laien können sehr wohl an dem "Lehrprogamm" teilnehmen und auch ordiniert werden natürlich. Manche machen auch nicht den letzten Schritt. Zumindet im Westen gibt es nicht wenige Priesterinnen in der Nichiren Shu. Ist halt nur dieFrage ob man es will. Im Prinzip handelt es sich ja dabei um ein Studium.
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Re: Nichiren-Schulen

Beitragvon catflap08 am 01.12.2009, 23:47

kongjiazhong hat geschrieben:Das sehe ich ähnlich wie Du. Es wird aber auch darauf ankommen, sich einerseits überhaupt von einer Bevormundung durch Ordinierte zu befreien und Ordinierten per se nicht einen höheren Status einzuräumen als Laien (von Fragen der Etikette mal abgesehen, hier hätte ich damit keine Probleme).

Andererseits aber Mönche und Nonnen zu akzeptieren, inklusive der verheirateten Priester und Priesterinnen, als eine - und vielleicht nicht die Schlechteste - Möglichkeit, das Dharma zu praktizieren und hilfreich anderen zur Seite zu stehen. Das ist wenigstens (auch heute schon) meine Ansicht.


Ich denke man muss das auch pragmatisch sehen. Ich zeihe den Hut vor jedem egal welchem Glaubens der/die den Weg einer Ordination wählt. Schlussendlich sind jene Menschen damit betraut eine Lehre von einer Generation an die nächste in iherer Gesamtheit weiterzugeben, je mehr Differenziertheit und Vielfalt unter jenen ist die das tun um so besser. Es ist ein sehr grosser Koffer den man da angeht - das ist schlussendlich auch eine Zeitfrage. Ordinierte wären jedoch ohne Laien im luftleeren Raum es würden die gegenseitigen Impulse fehlen. Das es da zu Konflikten und Reibungen kommt ist doch nichts neagtives. Für den einen stellt die Lehre ein Grundrichtung, eine Haltung füt den Alltag dar - Arbeit, Ehe, Partnerschaft, Familie für den anedern ist die Bewahrung das studieren der Lehre "Alltag" - klar daraus ergeben sich zwei Perspektiven die sich im günstigsten Fall ergänzen. Fragen von Macht, Missbrauch von Macht - menschlich oder? Ich sehe Ordieniert nicht als Übermenschen. Das hängt dann von der eigenen Erwartungshaltung gegenüber diesen Menschen ab. Im den verschieden Nichiren-Schulen dürfen Priester meist heiraten und zumindest in der Nichiren Shu sind Priesterinnen keine grosse Ausnahme. Im Daiseion-ji hier in Deutschalnd ist auch eine Priesterin tätig. Vieleicht liegt es am älter werden ich sehe weniger schwarz/weiss eher viel grauzonen und mag keine pauschlierung. Klar ich habe bis jetzt meine Kritik zur SGI sehr deutlich gemacht - aus Erfahrung, aber wem das so gefällt - wer bin ich jenem das Recht so zu entscheiden streitg zu machen. Ich halte die SGI eben nicht für die Laienorganisation als die sie sich gerne sieht, in ihr steckt sehr viel Profesionalität, die nsich nur in der Hülle also Tradition von einer Art Priestertum unterscheidet, sich also von Ritualen und Hüllen verabschiedet hat. Das Problem von Macht. Misbrauch von Macht begründet in einem Glauben hängt auch ihr an. Die SGI als Gegenkonzept mit ihrem Anspruch als reine Laienorgnaistaion - davon hat sie sich in meinen Augen disqulifiziert.
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Re: Nichiren-Schulen

Beitragvon kongjiazhong am 02.12.2009, 17:03

catflap08 hat geschrieben:Ich zeihe den Hut vor jedem egal welchem Glaubens der/die den Weg einer Ordination wählt.

Das tue ich sicherlich nicht schon deshalb, weil jemand Ordinierter ist (außer vielleicht aus konventioneller Höflichkeit), es müßte schon andere Gründe dafür geben.

Ordinierte wären jedoch ohne Laien im luftleeren Raum es würden die gegenseitigen Impulse fehlen.

Das stimmt. Der Raum wäre nicht nur materiell, sondern auch emotional luftleer (eine gewisse Größe der Anhängerschaft bestätigt einen sicherlich darin, dass die persönliche Wahl nicht ganz falsch gewesen sein dürfte). Fähige und anerkannte Ordinierte können für die Weitergabe und für die Entwicklung einer religiösen Tradition sicherlich viel leisten, aber - aus verschiedenen Gründen - nicht so viel mehr, als dies gebildete, entschlossene und in ihrer Entfaltung freie Laien ebenfalls können.

In den verschieden Nichiren-Schulen dürfen Priester meist heiraten und zumindest in der Nichiren Shu sind Priesterinnen keine grosse Ausnahme. Im Daiseion-ji hier in Deutschalnd ist auch eine Priesterin tätig.

Das war mir bislang unbekannt, denn auf allen mit bekannten Fotos und Videos konnte ich noch niemals Priesterinnen sehen, hast Du ein paar Bilder als Beispiele ? Begiessen die sich auch, etwa mit einem weißen T-Shirt bekleidet, mit kaltem Wasser? :D

Vieleicht liegt es am älter werden ich sehe weniger schwarz/weiss eher viel grauzonen

Das nennt man "Grauen Star" :D

Ich halte die SGI eben nicht für die Laienorganisation als die sie sich gerne sieht, in ihr steckt sehr viel Profesionalität, die sich nur in der Hülle also Tradition von einer Art Priestertum unterscheidet, sich also von Ritualen und Hüllen verabschiedet hat. Das Problem von Macht. Misbrauch von Macht begründet in einem Glauben hängt auch ihr an.

Vielleicht gibt es eine Art Übergangszeit, in der zunächst das Autoritäre zwar entäußert wird, aber eine zeitlang fortbestehen bleibt, bis dann, auch mit Hilfe dieser vorangegangenen Enthüllung, es der Macht und dem Autoritären selbst an den Kragen geht. Ich finde, dass die Mitglieder von "Laienorganisationen" besonders darauf hinwirken müssen, dass sie, nachdem sie sich von einer unangemessenen Bevormundung durch "Priester" befreiten, nicht gleich einer Bevormundung durch "Laien" anheim fallen.

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Re: Nichiren-Schulen

Beitragvon Benkei am 02.12.2009, 20:18

Namaste!
catflap08 hat geschrieben:Das Konzept der Zufluchtnahme lernte ich erst nach meinem Weggang aus der SGI kennen wie auch die Boddisatva Gelübde ins tägliche Gebet aufzunehmen wie auch die Anwendung kontemplativer Meditationsformen. Zu meiner Zeit musste ich jedoch allen anedern Glaubensrichtugen abschwören - kann sein das man das nicht mehr ausdrücklich muss.

Ja, die Vier Großen Gelübde sind Teil der Nichiren Shu-Liturgie, ebenso wie die Zufluchtname und die Shodaigyo-Meditation.

Gibt es das alles bei der SGI nicht?
Gut, in deren Liturgie-Büchlein steht da nix von drin, aber fehlt das alles bei denen? Speziell die Zufluchtname sehe ich als eine Essenz des Buddhismus an und die Vier Großen Gelübde als Kern des Mahayana.
Gibt es dort "nur" Hoben, Nyoraijuryohon und Daimoku?

Wie sieht das mit dem "Abschwören anderer Glaubensrichtungen" aus, das klingt für mich extrem intoleranz?

< gasshô >

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Re: Nichiren-Schulen

Beitragvon catflap08 am 02.12.2009, 21:52

Benkei hat geschrieben:Gibt es dort "nur" Hoben, Nyoraijuryohon und Daimoku?

Wie sieht das mit dem "Abschwören anderer Glaubensrichtungen" aus, das klingt für mich extrem intoleranz?


Naja Benkei wie ich sagte, wie es im Monet mit dem Abschwören ist weiss ich nicht bis vor ein paar Jahren war es so und was du im Gebetsbuch der SGI findest ist alles was es gibt. Erst vor einigen Jahren wurde das Gongyo (also die Liturgie) nocheinmal schwer gekürzt.
Somit reduziert es sich fast nur noch auf das Daimoku. In anedern Nichriren-Schulen ist es nicht unübleich auch als Laie über eine gewisse Zeit hinweg das ganze Lotos Sutra zu rezitieren - idealerweise auch die Passagen nocheinmal zu studieren. Wie ich erwähnte hat die SGI in meinen Augen einen Paradigmenwechsel vollzogen das geschah zu gleichen Zeit als der Fokus auf Ikeda verstärkt wurde. Kann nun jeder davon halten was er/sie will.
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Re: Nichiren-Schulen

Beitragvon kongjiazhong am 02.12.2009, 22:33

Benkei hat geschrieben:Gibt es das alles bei der SGI nicht? (...) Speziell die Zufluchtname sehe ich als eine Essenz des Buddhismus an und die Vier Großen Gelübde als Kern des Mahayana.

Im „Nam Myoho Renge Kyo“ ist implizit das grundlegende buddham saranam gacchami, dhammam saranam gacchami, sangham saranam gacchami genauso enthalten, wie das großartige zhong sheng wu bian shi yuan du, fan nao wu jin shi yuan duan, fa men wu liang shi yuan xue, fo dao wu shang shi yuan cheng. So sehe ich das.

http://de.wikipedia.org/wiki/Zuflucht_% ... htsformeln
http://de.wikipedia.org/wiki/Bodhisattv ... n_Mahayana

Gibt es dort "nur" Hoben, Nyoraijuryohon und Daimoku?

Ich kenne die Liturgie der SGI nur aus deren Liturgieheft und aus ein paar Treffen mit unkomplizierten und nicht aufdringlichen Leuten aus dem Umfeld der SGI, die bei sich zu Hause diese Liturgie durchführten (ist schon über ein Jahr her). Demnach besteht sie offiziell aus den von dir erwähnten Elementen (Ausschnitte aus dem 2. und 16. Kapitel des Lotos-Sutra, meditative Rezitation, "chanten", des Daimoku = Nam Myoho Renge Kyo, "stille Gebete").

Wenn ich mir die all zu komplexen, all zu wortreichen, all zu sich in die Länge ziehenden Liturgien anderer buddhistischer Traditionen ansehe, dann wirkt diese Einfachheit auf mich durchaus wohltuend. Das "nur" stellt sich mir daher als "es ist gut so" dar.

Wie sieht das mit dem "Abschwören anderer Glaubensrichtungen" aus, das klingt für mich extrem intoleranz?

Kann sein, dass Intoleranz der richtige Begriff ist. Man kann es aber auch so sehen, wenn der (oder das?) Daimoku das ist, was die Nichiren-Schulen, aber insbesondere die Soka Gakkai lehren, dass er ist, dann ist darin alles andere aufgehoben, verdichtet und erhoben. Von dieser Perspektive aus gesehen, also aus dem Blickwinkel Nichirens, ist es einfach Energieverschwendung und es ist falsch, sich mit Vorläufigem aufzuhalten, wenn einem das Endgültige zur Verfügung steht. Ich versuche mich in die Denkweise der SGI hineinzuversetzen. Diese Sichtweise entbehrt m.E. nicht einer gewissen Folgerichtigkeit.

Abgesehen davon ist es so, dass es innerhalb des Mahayana als unangebracht gilt, die Lehren des Hinayana (in diesem Kontext nicht identisch mit „Theravada“) zu folgen, ähnlich wie es für einen Theravadin ganz schwer ist, das buddhistische Tantra überhaupt als „Buddhismus“ anzuerkennen, geschweige denn, die tantrische Methode selbst zu praktizieren.

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Re: Nichiren-Schulen

Beitragvon catflap08 am 03.12.2009, 00:07

Najaaaa ich sehe schon du bemühst dich um Gleichgewicht aber warum wenn für Nichiren das Lotos-Sutra im Mittelpunkt stand verkürze ich es in der religiösen Ausübung? Die Kürzung fand nach meinem Weggang statt und es gibt Nichiren Schulen die es durchaus auch in der jeweilige Landesprache rezitieren (Teile der Nichiren Shu in den USA). Das Lesen des Sutras unterstreicht ja Nichiren selbst in seinen Schriften. Ich persönlich kann es mir nicht vorstellen es auf Deutsch zu rezitieren es nicht zu tun erweckt in mir immer das Gefühl es dann in Ruhe nocheinmal zu studieren aber etwas verwundert hat mich dieser Schritt schon muss ich sagen. Wobei ich es nicht ausschliesse es mal in Zukunft auf Deutsch zu probieren.
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Re: Nichiren-Schulen

Beitragvon kongjiazhong am 03.12.2009, 12:24

catflap08 hat geschrieben: Najaaaa ich sehe schon du bemühst dich um Gleichgewicht

Das gehört zu dem nicht gerade üppig ausgestatten Fundus meiner „heilsamen Eigenschaften“.

aber warum wenn für Nichiren das Lotos-Sutra im Mittelpunkt stand verkürze ich es in der religiösen Ausübung?

Es geht lediglich um die „Liturgie“. Es dürfte doch jedem unbenommen sein, das Lotos-Sutra in welcher Sprache auch immer zu lesen, zu rezitieren. Und das sollte auch für andere buddhistische und nichtbuddhistische Schriften gelten, könnte ich mir vorstellen. Die "Soka University" unterhält immerhin eine eigene "Buddhologische Fakultät".

Die Kürzung fand nach meinem Weggang statt und es gibt Nichiren Schulen die es durchaus auch in der jeweilige Landesprache rezitieren (Teile der Nichiren Shu in den USA). (...) Ich persönlich kann es mir nicht vorstellen es auf Deutsch zu rezitieren es nicht zu tun erweckt in mir immer das Gefühl es dann in Ruhe nocheinmal zu studieren aber etwas verwundert hat mich dieser Schritt schon muss ich sagen. Wobei ich es nicht ausschliesse es mal in Zukunft auf Deutsch zu probieren.

Das Lotos-Sutra, genauso wie andere Sutren, ist auch eine ästhetische Angelegenheit. Die Komposition dieser Werke (inklusive der Übersetzung aus dem Sanskrit ins Chinesische) wurde auch vom Wunsch nach Schönheit bestimmt, denke ich. Insofern eignen sich manche Sutren weniger dafür, sie auf Deutsch oder Englisch zu rezitieren – die übersetzte Sprache und der Rhythmus passen irgendwie nicht. Man kann es aber trotzdem machen.

Hilfreich ist in jedem Fall ungefähr zu wissen, worum es beim Rezitierten überhaupt geht. :)

Ich selbst mag zum Beispiel die chinesische Rezitation des Diamantsutras zu hören und entweder dabei nichts zu tun, oder mit zu rezitieren (was ungefähr eine Stunde dauert, es selbst gut zu machen fehlen mir die Kenntnisse).

Dieses Sutra wurde vor einigen Jahren an meinem Krankenbett (das sich erfreulicherweise nicht in ein Sterbebett verwandelte) mit einer schönen Stimme auf Chinesisch „gechantet“, was mich immer mit großer Freude erfüllte – obwohl ich nicht zur Sentimentalität und zur Gesundbetung neige. Es war einfach angenehm und ich führe das auf gewisse karmische Verbindungen zu dieser Art der Sutren und der Sutren-Rezitation zurück (das kann aber auch eine persönliche Marotte von mir sein, macht aber nichts).

Kennt jemand von Euch ein schöne Rezitation des gesamten Lotos-Sutras im Internet (ich meine nicht die rasend schnelle Version)?

Gruß

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Re: Nichiren-Schulen

Beitragvon Benkei am 03.12.2009, 18:56

Namaste!
kongjiazhong hat geschrieben:Im „Nam Myoho Renge Kyo“ ist implizit das grundlegende buddham saranam gacchami, dhammam saranam gacchami, sangham saranam gacchami genauso enthalten, wie das großartige zhong sheng wu bian shi yuan du, fan nao wu jin shi yuan duan, fa men wu liang shi yuan xue, fo dao wu shang shi yuan cheng. So sehe ich das.

Ich denke diese Sichtweise kann man durchaus vertreten.
Wenn ich an den Gohonzon denke, dann verkörpert er ja auch alle Drei Kostbarkeiten sowie die Sechs Paramitas des Bodhisattva (verkörpert durch die verschiedenen Mahasattva-Bodhisattvas).

kongjiazhong hat geschrieben:Ich kenne die Liturgie der SGI nur aus deren Liturgieheft und aus ein paar Treffen mit unkomplizierten und nicht aufdringlichen Leuten aus dem Umfeld der SGI, die bei sich zu Hause diese Liturgie durchführten (ist schon über ein Jahr her). Demnach besteht sie offiziell aus den von dir erwähnten Elementen (Ausschnitte aus dem 2. und 16. Kapitel des Lotos-Sutra, meditative Rezitation, "chanten", des Daimoku = Nam Myoho Renge Kyo, "stille Gebete").

Wenn ich mir die all zu komplexen, all zu wortreichen, all zu sich in die Länge ziehenden Liturgien anderer buddhistischer Traditionen ansehe, dann wirkt diese Einfachheit auf mich durchaus wohltuend. Das "nur" stellt sich mir daher als "es ist gut so" dar.

Ich kenne auch nur das kleine blaue Heftchen der SGI.

Es stimmt schon, andere Traditionen haben wesentlich umfangreichere Liturgien für die tägliche Praxis (Gongyo).

Vor allem hier im Westen, wo ja noch Pionierarbeit geleistet wird, macht es durchaus Sinn, die Liturgie kurz zu halten und sich auf "das Wesentliche" (sei es nun beispielsweise Daimoku, Nenbutsu oder Zazen) zu konzentrieren. Ich habe am eigenen Leib erfahren, dass komplexe Liturgien (vor allem wenn sie nicht in deiner Sprache stattfinden) eine leicht abschreckende Wirkung haben können (auch, wenn der Klang durchaus etwas erhabenes hat).

kongjiazhong hat geschrieben:der (oder das?) Daimoku

Gute Frage, aber eigentlich egal.
Wenn man "Titel" als Augangspunkt nimmt, dann wohl "der".
Vielleicht auch "die", wenn man "Anrufung" oder "Lobpreisung" oder "Zufluchtnahme in..." zu Grunde legt.
Ich persönlich favorisiere "das", weil es für mich am passendsten klingt, ebenso wie "das Nenbutsu" und "das Zazen".

kongjiazhong hat geschrieben:Abgesehen davon ist es so, dass es innerhalb des Mahayana als unangebracht gilt, die Lehren des Hinayana (in diesem Kontext nicht identisch mit „Theravada“) zu folgen, ähnlich wie es für einen Theravadin ganz schwer ist, das buddhistische Tantra überhaupt als „Buddhismus“ anzuerkennen, geschweige denn, die tantrische Methode selbst zu praktizieren.

Wo zieht man denn den Trennstrich zwischen Hinayana und Mahayana?
Bei den Sutren? (Agama-Sutren/Pali-Kanon hier und spätere Sutren dort)
Bei der Praxis? (Samatha/Vipassana hier und "verschiedentliche" Praktiken da)
Oder bei der Motivation? (Sravakayana/Pratyekayana hier und Bodhisattvayana da)

Ich sehe in dieser These der Unangebrachtheit eher Propaganda.
Eine einfache Trennung ist im Grunde genommen gar nicht möglich. Es beginnt schon bei einem selbst:
- Welche Sutren ziehe ich zu Rate?
- Welche Praxis übe ich aus?
- Welcher Motivation folge ich?
Und entsprechend dem "Ichinen Sanzen" durchdringen sich die Zehn Welten ja gegenseitig, von Augenblick zu Augenblick, so dass besonders im Hinblick auf die Motivation (aber auch beispielsweise auf die Wirksamkeit von Belehrungen) je nach bestehender Situation Veränderungen eintreten können.

kongjiazhong hat geschrieben:Das Lotos-Sutra, genauso wie andere Sutren, ist auch eine ästhetische Angelegenheit. Die Komposition dieser Werke (inklusive der Übersetzung aus dem Sanskrit ins Chinesische) wurde auch vom Wunsch nach Schönheit bestimmt, denke ich. Insofern eignen sich manche Sutren weniger dafür, sie auf Deutsch oder Englisch zu rezitieren – die übersetzte Sprache und der Rhythmus passen irgendwie nicht. Man kann es aber trotzdem machen.

Hilfreich ist in jedem Fall ungefähr zu wissen, worum es beim Rezitierten überhaupt geht.

Übersetzungen sind irgendwo ja immer auch Interpretation.
Wenn ich an das "Herz Sutra" denke, das mir in verschiedensten Ausgaben vorliegt, so könnte man teilweise annehmen, dass die Übersetzer ganz unterschiedliche Dinge meinen.

Es ist wohl eine hohe Kunst Sinn, Klang, und Verständlichkeit so rüberzubringen, dass man ein Sutra sowohl als Lehrschrift als auch als Chanttext verwenden kann.

kongjiazhong hat geschrieben:Ich selbst mag zum Beispiel die chinesische Rezitation des Diamantsutras zu hören und entweder dabei nichts zu tun, oder mit zu rezitieren (was ungefähr eine Stunde dauert, es selbst gut zu machen fehlen mir die Kenntnisse).

Geht mir ähnlich beim japanischen Herz-Sutra (das man natürlich leicht auswendig lernen kann, da es kurz ist).

kongjiazhon hat geschrieben:Dieses Sutra wurde vor einigen Jahren an meinem Krankenbett (das sich erfreulicherweise nicht in ein Sterbebett verwandelte) mit einer schönen Stimme auf Chinesisch „gechantet“, was mich immer mit großer Freude erfüllte – obwohl ich nicht zur Sentimentalität und zur Gesundbetung neige. Es war einfach angenehm und ich führe das auf gewisse karmische Verbindungen zu dieser Art der Sutren und der Sutren-Rezitation zurück (das kann aber auch eine persönliche Marotte von mir sein, macht aber nichts).

Persönliche Frage aus Interesse: Hast Du längere Zeit in China verbracht?

kongjiazhon hat geschrieben:Kennt jemand von Euch ein schöne Rezitation des gesamten Lotos-Sutras im Internet (ich meine nicht die rasend schnelle Version)?
Leider nicht.

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Re: Nichiren-Schulen

Beitragvon catflap08 am 03.12.2009, 20:06

Schätze habe da eine andere Sichtweise, selbst vor der Kürzung war das Gongyo der SGI nicht besonders lang, mir fiel eher auf dass die Kürzung zu einem Zeitpunkt kam als das Schwergewicht auf die Mentor/Schüler Beziehung zu Ikeda aufkam. In meien Augen, und ich war 20 Jahre dabei, wurde somit der Lehrende in der Person Ikeads vile stärker in den Vordergrund gerückt. Die Beziehung zu ihm zu verinnerlichen, menschliche Revolution zu machen, scheint wichtiger als alles andere zu sein. Da wr eben für mich der PUnkt erreicht an dem ich sagte "ohne mich".
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Re: Nichiren-Schulen

Beitragvon catflap08 am 03.12.2009, 20:11

kongjiazhong hat geschrieben: Die "Soka University" unterhält immerhin eine eigene "Buddhologische Fakultät".


Meine letzte Information war, dass die Soka University ein "buddologsiches Institut" hat aber keine Fakultät im Sinn eines Studienganges. Schwergewicht der Uni liegt auf Wirtschaftswissenschaften, Recht und Sprachen.
Aufgrund ihrer ablehnenden Haltung anederen budhhistsichen Schulen gegenüber bezweifle ich ob so ein buddhologisches Studium an einer Uni der SGI in der restlichen buddhistischen Welt auf Anerkennung stossen würde.
Es gibt jedoch bestimmte Studiengrade innerhalb der SGI (bis hin zum SGI-internen Professurtitel) was die eigene Lehre angeht.
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Re: Nichiren-Schulen

Beitragvon kongjiazhong am 03.12.2009, 20:41

Benkei hat geschrieben: Wenn ich an den Gohonzon denke, dann verkörpert er ja auch alle Drei Kostbarkeiten sowie die Sechs Paramitas des Bodhisattva (verkörpert durch die verschiedenen Mahasattva-Bodhisattvas).

Gibt es eigentlich eine bildliche Darstellung des Gohonzons, ich meine eine, in der alle Namen (bzw. Schriftzeichen) bildlich dargestellt werden, zum Beispiel alle Buddhas und Bodhisattvas, falls nicht, so wäre es doch eine schöne Aufgabe für einen Künstler, so etwas zu schaffen.

Wo zieht man denn den Trennstrich zwischen Hinayana und Mahayana?
Bei den Sutren? (Agama-Sutren/Pali-Kanon hier und spätere Sutren dort)
Bei der Praxis? (Samatha/Vipassana hier und "verschiedentliche" Praktiken da)
Oder bei der Motivation? (Sravakayana/Pratyekayana hier und Bodhisattvayana da)

Der Trennstrich aus Perspektive des Mahayana wird traditioneller Weise sicherlich nach diesen drei Kriterien vollzogen, wobei mir v.a. die Diferenzierung nach den Sutren und nach der Motivation geläufig ist. Hinzukommt, wenn man möchte, eine Unterscheidung der "Subtilität der Leerheit". Dies bezieht sich auf unterschiedliche Lehrmeinungen. Während also die hinayanistischen Lehren „nur“ die Leerheit des Selbst postulieren, wird im Mahayana die Leerheit des Selbst und der Phänomene angenommen.

Demnach könnte eine Person zwar die Motivation eines Bodhissattvas haben, aber Hinayana-Lehrmeinungen hinsichtlich der Leerheit vertreten. Und umgekehrt. Man muss daher immer dazu sagen, nach welchem Aspekt man die Unterscheidung vornimmt. Aus Mahayana-Sicht können aber eigentlich die Buddhaschaft nur diejenigen erfahren, die letztendlich der "subtilen" Auffassung der Leerheit folgen und sie erfahren, so habe ich gehört.

Es ist wohl eine hohe Kunst Sinn, Klang, und Verständlichkeit so rüberzubringen, dass man ein Sutra sowohl als Lehrschrift als auch als Chanttext verwenden kann.

Das stimmt. Es ist wirklich eine hohe poetische Kunst, die auch eine gewisse Freiheit und Weisheit und Musikalität benötigt. Leider fühlten sich Menschen mit diesen Talenten noch nicht angesprochen, so etwas herzustellen, jedenfalls kenne ich nichts außergewöhnlich Gutes, also den Sutren Angemessenes. Für meinen privaten Gebrauch "verbesserte und poetisierte" ich eine Übersetzung des Diamantsutras, so dass ich sie auf Deutsch flüssiger und irgendwie schöner laut (für mich selbst) vorlesen kann. Dazu bedurfte es nur ein paar kleinerer Änderungen.

Hast Du längere Zeit in China verbracht?

Eigentlich nicht. Aber ich habe eine Affinität zum chinesischen Buddhismus, in dem ich immer eine gewisse Weite zu erkennen glaube.

Gruß

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Re: Nichiren-Schulen

Beitragvon kongjiazhong am 03.12.2009, 20:58

catflap08 hat geschrieben: Die Beziehung zu ihm /Ikeda/ zu verinnerlichen, menschliche Revolution zu machen, scheint wichtiger als alles andere zu sein.

Ich verstehe noch nicht die Verbindung die Du ziehst, zwischen einer wie auch immer gearteten Beziehung zu einem buddhistischen Lehrer, im Fall der SGI, zu Ikeda und dem, was die SGI als "menschliche Revolution" bezeichnet. Vielleicht könntest Du mir das bei Gelegenheit erklären.

Ich selbst neige zu solchen engen Beziehungen zu Lehrern (bzw. Idolen) ganz und gar nicht, egal ob im Tibetischen Buddhismus (wo dies extreme Formen annimmt - davon ist die SGI noch weit erntfernt, meine ich, kann mich aber auch irren), oder im allgemeinen Mahayana oder im Theravada (man denke nur an die merkwürdigen mönchischen Amulettverkäufer in Thailand), oder wo anders. Aber die SGI-Vorstellung dessen, was sie eben als "menschliche Revolution" bezeichnet, finde ich nicht unsympathisch.

Gruß

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Re: Nichiren-Schulen

Beitragvon catflap08 am 03.12.2009, 23:07

kongjiazhong hat geschrieben:Ich verstehe noch nicht die Verbindung die Du ziehst, zwischen einer wie auch immer gearteten Beziehung zu einem buddhistischen Lehrer, im Fall der SGI, zu Ikeda und dem, was die SGI als "menschliche Revolution" bezeichnet. Vielleicht könntest Du mir das bei Gelegenheit erklären.


Ui jetzt wird es schwierig, lese am besten auch mal dazu was auf der SGI- Seite. Grundlage der Sache bzw. sie zu erklären sind die Bücher Ikedas "Die menschliche Revolution". Sie sind im Romanstil aber basieren (so sagt man auf wahren Begebenheiten) die Namen der Personen haben in der Wirlichkeit ein Pendant. Ikeda kämpft darin unermüdlich für Kosen-Rufu etc etc ... sein "Kampf" als Beispiel für die Mitglieder sozusagen ergo so agieren und leben wie er. Erst durch die menschliche Revolution am Beispiel Ikedas kommt man der Buddhanatur nah. Nun denn was du nun zu Idolen etc sagts mache die dein eigens Bild. Versteh mich nicht falsch die Meister(Mentor)/Schüler- Beziehung ist im Buddhismus meiner Meinung nach fundamental wichtig ... ABER ich wähle meinen Mnetor doch innerhalb einer Schule selber, habe eine persönliche Beziehung zu ihm/ihr und wenn es schlecht läuft kann der Mentor/Meister mich auch ablehnen. Umgekehrt kann sich der Schüler einem anderen Meister zuweden, wer sagt auch dass man im Leben nur einen Meister hat. Summa sumarum in meinen Augen eine unheilsame Struktur und wenig Basis in Bezug zum Nichiren Buddhismus ausser der religösen Praxis. Für meine Geschmack zu arg ein Personenkult.
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Re: Nichiren-Schulen

Beitragvon Benkei am 04.12.2009, 17:31

Namaste!
kongjiazhong hat geschrieben:Gibt es eigentlich eine bildliche Darstellung des Gohonzons, ich meine eine, in der alle Namen (bzw. Schriftzeichen) bildlich dargestellt werden, zum Beispiel alle Buddhas und Bodhisattvas, falls nicht, so wäre es doch eine schöne Aufgabe für einen Künstler, so etwas zu schaffen.

Eine gute Frage.
Ich bin im Netz noch nicht auf sowas gestoßen, obwohl ich schon danach gesucht habe.
Eigentlich müsste es soetwas bereits geben, da die Idee ja nicht neu sein dürfte.

kongjiazhong hat geschrieben:Für meinen privaten Gebrauch "verbesserte und poetisierte" ich eine Übersetzung des Diamantsutras, so dass ich sie auf Deutsch flüssiger und irgendwie schöner laut (für mich selbst) vorlesen kann. Dazu bedurfte es nur ein paar kleinerer Änderungen.

Ich halte es meist genauso mit den Sutren, die ich privat rezitiere.

kongjiazhong hat geschrieben:
Benkei hat geschrieben:Hast Du längere Zeit in China verbracht?

Eigentlich nicht. Aber ich habe eine Affinität zum chinesischen Buddhismus, in dem ich immer eine gewisse Weite zu erkennen glaube.

Ich muss zugeben, dass ich über den modernen chinesischen Buddhismus wohl sehr wenig weiß.
Ich habe einige Werke Hsing Yuns gelesen, aber das war es dann auch schon. In Deutschland scheint diesbezüglich hauptsächlich die FGS (Fo Guang Shan) Schule aktiv zu sein, die Chan (Zen) und Nienfo (Nenbutsu) verbindet und auch beispielsweise das Lotos-Sutra rezitiert.

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