Nichiren und das Reine Land

Der Nichiren-Buddhismus sieht in dem Lotossutra die Lehre des Buddhas vervollständigt und lehrt, dass die Rezitation des Titels des Lotossutras zur Buddhaschaft führt. Die zentralen Inhalte des Lotossutras sind die Anerkennung der Buddhanatur aller Lebewesen und dass die Buddhaschaft in diesem Leben erreicht werden kann.

Re: Nichiren und das Reine Land

Beitragvon Benkei am 07.03.2010, 13:15

Namaste!
Tatsuo hat geschrieben:Ich denke, dass das Reine Land des Adlergipfels nicht nur eine Metapher für die Verwirklichung der Buddhaschaft in diesem Leben ist und ich konnte auch bis jetzt keine Stelle in Nichirens Schriften oder wissenschaftlichen Artikeln zu dem Thema finden, die diese Interpretation nahe gelegt hätte.


Ob Nichiren das Reine Land des Geiergipfels nun als Metapher/Upaya ansah oder nun selbst an eine "sonst wie geographische" bzw. "sonst wie physische", nachtodliche Existenz in einem solchen Paradies glaubte, wird schwerlich zu belegen sein.

Ich muss vorab zugeben, dass ich von seinen hinterlassen Schriften bislang noch nicht viele gelesen habe (von meinen vier Gosho-Bänden gerade mal das erste durchgelesen, und das ist auch schon ein paar Jährchen her).

Allerdings sehe ich viele dieser Werke, insbesondere die Briefe an einzelne Gläubige, nicht als hinreichende Belege an, Nichirens eigene Glaubensvorstellungen zu repräsentieren. Gerade diese Briefe sind, wie auch viele andere religiöse Texte/Predigten, Lehren für eine bestimmte Zielgruppe, in einem bestimmten Kontext, in einer bestimmten Situation - also keineswegs universelle und repräsentative Lehren.

Die Vorstellung eines "Reinen Landes des Geiergipfels", welches anderorts/-zeits existiert als im "Hier-und-Jetzt", widerspricht aus meiner Sicht klar der Doktrie von Ichinen Sanzen, welche ich gegenüber anderen Lehren schon als universell ansehe.
Von diesen Doktrien her kann das "Reine Land des Geiergipfels" eigentlich nur als Synonym für die Zehnte Welt -also die Buddhaschaft- verstanden werden.

< gasshô >

Benkei
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Zum Begriff "Ichinen Sanzen" hier eine kurze Übersetzung von der Seite Buddhist Centre Namo-Myoho-Renge-Kyo:
"Im Buddhismus gibt es ein Konzept welches Ichinen Sanzen genannt wird. Dies ist das Prinzip, das jeder Moment des Lebens [Ichinen] alle 3000 möglichen Welten beinhaltet. 'Ichinen' beinhaltet Lebensessenz und 'sanzen', die Phenomene, welche sie manifestiert. Dieses Prinzip, welches im Lotos Sutra enthalten ist, wurde von dem chinesischen Meister T'ien Tai auf der Basis des Lotos Sutra entwickelt. In jedem Moment erfährt das Leben eine von zehn Lebensstadien, welche "Die Zehn Welten" genannt werden. Jede dieser "Welten" beinhaltet das Potenzial für alle Zehn Welten in sich selbst, was 100 mögliche Welten ergibt. Jede dieser 100 möglichen Welten beinhaltet zehn Faktoren. Die zehn Faktoren sind Prinzipien um die Wesenheit des Lebens und sein Wirken zu klären; sie beinhalten: Erscheinung, Natur, Substanz, Kraft, Funktion, Ursache, Bedingung, Auswirkung, Ergebnis und Folgerichtigkeit vom Anfang bis zum Ende.
Letztlich sind alle Wesen verschieden von allen anderen, was durch die Drei Reiche der Existenz, welche Individuum, Gesellschaft und Umwelt beinhalten, ausgedrückt wird. Das Individuum besteht aus den Fünf Aggregaten, nämlich Benennung, Vorstellung, Wille, Bewusstsein und Form. Das Wesentliche ist das Dasein. Dasein ist weder Existenz noch Nicht-Existenz und steht in direktem Kontakt mit der Wahren Wesenheit."


Ich hoffe meine schnelle Übersetzung ist nicht allzu schlecht. Nach kurzer Recherche zum Begriff 'Ichinen Sanzen' befand ich den vorgenannten Text als kurzen Umriss doch recht treffend.

Die "Zehn Welten" sind übrigens: Hölle, Hunger, Animalität, Ärger, Ruhe, Vorübergehende Freude, Lernen, Teilerleuchtung, Bodhisattvaschaft und Buddhaschaft. Die ersten sechs Welten entsprechen den Sechs Daseinbereichen in der geänderten Reihenfolge: Hölle, Pretas, Tiere, Asuras, Menschen und Devas; die letzten vier Welten entsprechen: Sravaka, Pratyekabuddha, Bodhisattva und Buddha.
"Allmorgendlich beginne ich meinen Tag damit, den Spiegel zu poliere;
Täglich türme ich neue Staubschichten auf;
Allabendlich beende ich meinen Tag damit, weiter zu polieren;
Und scheinbar wirbelt auch ein Schlafender noch Staub auf.
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Re: Nichiren und das Reine Land

Beitragvon catflap08 am 07.03.2010, 18:23

Ich denke dass Nichiren in vorderster Linie ein Priester des Tendai war und sich somit nur in dem Masse auf die Reine-Land-Schule bezog als dass diese zu seiner Zeit auch sehr populär war.
Dreh-und Angelpunkt der Lehre Nichirens war durch die Verehrung des Gohnzons und Mittels des Daimoku den Adlergipfel im Hier und Jetzt zu erschaffen und nicht als etwas weit entferntes anzusehen. Das manche Interpretationen seiner Zeit diesen Schluss haben zulassen können, sich also das Reine Land als etwas reales, körperliches anzusehen zeigt sich sogar in der Architrektu des Byodoin Temples der ein Abbild dieses Landes drastellen soll, es also symbolisiert.

Dort wo man chantet, sagt ja auch Nichiren selbst, sei das Reine Land des Adlergipfels.
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Re: Nichiren und das Reine Land

Beitragvon Tatsuo am 08.03.2010, 15:55

@ Benkei:

Ich glaube nicht, dass Nichiren seine Lehre in vorläufig und absolut einteilt, auch wenn dieses Motiv zu seiner Zeit sehr gebräuchlich war (dann aber vor allem in Abgrenzung zu anderen Schulen, indem eine Schule ihre Lehre als absolut darstellt und die Lehren der anderen Schulen als vorläufig; Nichiren selber hat diese Argumentation ja auch benutzt). Innerhalb seiner eigenen Lehre wird Nichiren allerdings m.E. nicht auf die Weise unterschieden haben, weil er immer betont hat, dass für ihn allein das Lotossutra gilt und davon der Honmon-Teil der wichtigste ist, weil es keine upaya enthält.
Das heist allerdings nicht, dass er nicht zwischen begabteren und weniger begabten Menschen unterscheidet. Die begabten Menschen können ichinen sanzen verstehen und somit die Buddhaschaft in diesem Leben verwirklichen. Andere, so Nichiren, die weniger begabt sind, verstehen nicht den Kern des Lotos Sutras, können allerdings tiefen Glauben entwicklen und somit im nächsten Leben in das Reine Land des Adlergipfels wiedergeboren werden. Die Wiedergeburt im Reinen Land des Adlergipfels ist dabei allerdings nicht gleichzusetzen mit der Buddhaschaft, sondern eher mit der Ebene eines Bodhisattvas (ähnlich wie im Reinen Land Buddhismus), da die Wiedergeburt im Reinen Land noch eine Phase als Schüler des Buddhas beinhaltet. Nichiren erklärt in dem Hokke shoshin jobutsu-sho (jp. 法華初心成仏抄; Die Verwirklichung der Buddhaschaft durch den anfänglichen Glauben), dass denjenigen, die in dem Reinen Land wiedergeboren werden dort das Lotos Sutra dargelegt wird, wodurch sie letztlich die Buddhaschaft erlangen.



@ catflap:

Dreh-und Angelpunkt der Lehre Nichirens war durch die Verehrung des Gohnzons und Mittels des Daimoku den Adlergipfel im Hier und Jetzt zu erschaffen und nicht als etwas weit entferntes anzusehen. [...] Dort wo man chantet, sagt ja auch Nichiren selbst, sei das Reine Land des Adlergipfels.

Ja, dass das Reine Land des Adlergipfels nicht weit entfernt ist, sondern genau in dieser Welt ist, ist klar. Und im Lotos Sutra wird geschrieben, dass wenn man in diesem Leben die Buddhaschaft erlangt das Reine Land des Adlergipfels vor einem auftaucht und man sieht den Buddha das Lotossutra lehren. Aber wenn Anhänger das Lotos Sutras aufgrund ihrer Unwissenheit nicht den Kern des Lotos Sutras verstehen können und nur zum Glauben an das Lotos Sutra fähig sind, dann sehen sie auch nicht das Reine Land, das eigentlich vor ihren Augen ist. Aber wegen ihrem Glauben an das Lotossutra werden sie nach dem Tod in dem Reinen Land wiedergeboren, das in so weit nicht völlig identisch ist mit dieser Welt, indem dort der Buddha ständig sichtbar ist und sie das Lotos Sutra direkt von ihm gelehrt bekommen.
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Beitragvon Benkei am 08.03.2010, 19:18

Namaste!
Tatsuo hat geschrieben:Die begabten Menschen können ichinen sanzen verstehen und somit die Buddhaschaft in diesem Leben verwirklichen. Andere, so Nichiren, die weniger begabt sind, verstehen nicht den Kern des Lotos Sutras, können allerdings tiefen Glauben entwicklen und somit im nächsten Leben in das Reine Land des Adlergipfels wiedergeboren werden. Die Wiedergeburt im Reinen Land des Adlergipfels ist dabei allerdings nicht gleichzusetzen mit der Buddhaschaft, sondern eher mit der Ebene eines Bodhisattvas (ähnlich wie im Reinen Land Buddhismus), da die Wiedergeburt im Reinen Land noch eine Phase als Schüler des Buddhas beinhaltet. Nichiren erklärt in dem Hokke shoshin jobutsu-sho (jp. 法華初心成仏抄; Die Verwirklichung der Buddhaschaft durch den anfänglichen Glauben), dass denjenigen, die in dem Reinen Land wiedergeboren werden dort das Lotos Sutra dargelegt wird, wodurch sie letztlich die Buddhaschaft erlangen.

Meinen Dank für den Link.

Ich werde mal schauen, ob ich den Text in Deutsch in meinen vier Gosho-Bänden finde. Ein Kapitel "Die Verwirklichung der Buddhaschaft durch den anfänglichen Glauben" ist darin wohl nicht enthalten; vielleicht anders übersetzt?

Anscheinend wird die deutsche Gosho momentan von der SG-D überarbeitet. Von der überarbeiteten Gosho ist bislang nur Band 1 erschienen und die alten Bände werden gar nicht mehr angeboten?!

Gibt es die Gosho eigentlich schon vollständig in Englisch übersetzt? Wenn ja, wie viele Bände sind das dann?

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Re: Nichiren und das Reine Land

Beitragvon catflap08 am 08.03.2010, 19:44

Aber wenn Anhänger das Lotos Sutras aufgrund ihrer Unwissenheit nicht den Kern des Lotos Sutras verstehen können und nur zum Glauben an das Lotos Sutra fähig sind, dann sehen sie auch nicht das Reine Land, das eigentlich vor ihren Augen ist. Aber wegen ihrem Glauben an das Lotossutra werden sie nach dem Tod in dem Reinen Land wiedergeboren, das in so weit nicht völlig identisch ist mit dieser Welt, indem dort der Buddha ständig sichtbar ist und sie das Lotos Sutra direkt von ihm gelehrt bekommen.
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Tatsuo gibt es dafür ein Zitat Nichirens?


@ Benkei: Die umfangreichste Übersetzung wirst du im Engelischen von der SGI finden. Sie besteht aus zwei Bänden und einem zusätlichen mit den sog. "Ongi Kuden" (mündlich überlieferte Lehren). Einige der Goshos und quasi die gesammten Ongi Kuden werden, mit Ausnahme der SGI und Nichiren Shoshu, nicht als authentisch also von Nichiren stammend angesehen. Wenn möglich sollte man man meherere Übesetzungen bemühen die es dann auch nur wieder im Englsichen gibt
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Re: Die Gosho

Beitragvon Tatsuo am 17.05.2010, 19:29

Benkei hat geschrieben: Ich werde mal schauen, ob ich den Text in Deutsch in meinen vier Gosho-Bänden finde. Ein Kapitel "Die Verwirklichung der Buddhaschaft durch den anfänglichen Glauben" ist darin wohl nicht enthalten; vielleicht anders übersetzt?

Ich hab die Übersetzung des Titels von Yukio Matsudos "Nichiren, der Ausübende des Lotos-Sutra". Ich kann mir vorstellen, dass die Soka Gakkai das anders übersetzt (sie hat ja auch in anderen Bereichen abweichende Übersetzungen).
Zu deiner zweiten Frage: Leider weis ich nicht, ob die Gosho vollständig übersetzt ist. Der Stand der Übersetzungen scheint jedenfalls in der Nichiren-shu noch nicht abgeschlossen zu sein (Vgl. Erhältliche Titel des Gosho in Englisch mit der Liste der Nichiren Shu Overseas Propagation and Promotion Association.
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Re: Nichiren und das Reine Land

Beitragvon Tatsuo am 17.05.2010, 19:41

catflap08 hat geschrieben:Tatsuo gibt es dafür ein Zitat Nichirens?
Für welche Aussage genau willst du ein Zitat Nichirens?
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