Arthur Schopenhauer...

Hier kann über Bücher diskutiert und Bücher empfohlen werden.

Arthur Schopenhauer...

Beitragvon Maybe Buddha am 12.08.2011, 15:28

Hallo,
würde gerne mal was von Schopenhauer lesen... Was könnt ihr mir besonders empfehlen? Gibt es ein Hauptwerk?
"Nur eines verkünde ich heute, wie immerdar: Leiden und seine Vernichtung."
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Re: Arthur Schopenhauer...

Beitragvon Onda am 12.08.2011, 15:51

Maybe Buddha hat geschrieben:Hallo,
würde gerne mal was von Schopenhauer lesen... Was könnt ihr mir besonders empfehlen? Gibt es ein Hauptwerk?


Die Welt als Wille und Vorstellung. Hauptwerk. Wundervoll!

http://www.amazon.de/Die-Welt-Wille-Vor ... 140&sr=8-3

LG
Onda
Zuletzt geändert von Onda am 12.08.2011, 16:16, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Arthur Schopenhauer...

Beitragvon Maybe Buddha am 12.08.2011, 15:53

Alles klar, Danke... Dann kann ich den Thread ja wieder schliessen
"Nur eines verkünde ich heute, wie immerdar: Leiden und seine Vernichtung."
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Re: Arthur Schopenhauer...

Beitragvon Onda am 12.08.2011, 16:11

Zum Einlesen schön:

Parerga und Paralipomena

Gruß
Onda
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Re: Arthur Schopenhauer...

Beitragvon Maybe Buddha am 12.08.2011, 18:26

Onda hat geschrieben:Zum Einlesen schön:

Parerga und Paralipomena

Gruß
Onda

Das leben ist zu kurz zum einlesen... Werde mir lieber gleich das Hauptwerk reinziehn
"Nur eines verkünde ich heute, wie immerdar: Leiden und seine Vernichtung."
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Re: Arthur Schopenhauer...

Beitragvon Nightrainmonk am 13.08.2011, 09:57

'Aphorismen zur Lebensweisheit' sollte man vielleicht vor der 'Welt als Wille' lesen (ich persönlich kenne niemanden, der das beim ersten Lesen geschafft - geschweige denn, verstanden - hat).
Ganz hübsch die Biographie von Safranski: 'Schopenhauer und die wilden Jahre der Philosophie'. Ist nicht verkehrt, einige Hintergrundinformationen zu haben, um das Gelesene einordnen zu können.
Im übrigen sind die 'Parerga' (worin auch die 'Aphorismen' enthalten sind) wärmstens zu empfehlen, schon alleine wegen der Stellen über gutes Deutsch und guten Stil (Kapitel XXIII bis XXV im 2. Band)...

'Der Stil ist die Physiognomie des Geistes. Sie ist untrüglicher als die des Leibes. Affektation im Stil ist dem Gesichterschneiden zu vergleichen.' (Soviel zu einem zwanghaften *schmunzel*...)
'Daher nun ist die erste, ja schon für sich allein beinahe ausreichende Regel des guten Stils diese, dass man etwas zu sagen habe: O, damit kommt man weit!'
Nightrainmonk
 

Re: Arthur Schopenhauer...

Beitragvon Onda am 13.08.2011, 10:23

Nightrainmonk hat geschrieben:'Daher nun ist die erste, ja schon für sich allein beinahe ausreichende Regel des guten Stils diese, dass man etwas zu sagen habe: O, damit kommt man weit!'


Eines meiner Lieblingszitate von Schopenhauer!
Onda
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Re: Arthur Schopenhauer...

Beitragvon Nightrainmonk am 13.08.2011, 10:51

Auch von mir...
Nightrainmonk
 

Re: Arthur Schopenhauer...

Beitragvon Hanzze am 13.08.2011, 12:51

*schmunzel*
Hanzze
 

Re: Arthur Schopenhauer...

Beitragvon mirco am 13.08.2011, 22:23

Na, mich interessiert ja, an welcher Stelle Schopenhauer die Achtfache, zur Auflösung des Leidens führenden Methode dargelegt hat.


Alles Gute :)
mirco
 

Re: Arthur Schopenhauer...

Beitragvon Maybe Buddha am 13.08.2011, 23:09

mirco hat geschrieben:Na, mich interessiert ja, an welcher Stelle Schopenhauer die Achtfache, zur Auflösung des Leidens führenden Methode dargelegt hat.


Alles Gute
Warscheinlich gleich nach dem er die Methode der Auflösung des Leids dargelegt hat :shock: :wink: ...
Ich berichte wenn ich durch hab... :D
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Re: Arthur Schopenhauer...

Beitragvon Onda am 14.08.2011, 06:47

Dieser Thread ist unter "buddhistische Bücher" nicht wirklich optimal aufgehoben. Man sollte Schopenhauer nicht lesen in der Erwartung, bei ihm "Buddhismus" vorzufinden. Schopenhauer war zwar ein Meilenstein der europäischen Buddhismus-Rezeption, es sind viele buddhistische Elemente in sein Werk eingeflossen (insbesondere das Konzept der grundlegenden Leidhaftigkeit des Seins) - aber er ist abendländlischer Philosoph und kein "buddhistischer" Autor. Seine "Welt als Wille und Vorstellung" ist keine Paraphrase des Buddha-Dharma.

LG
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Re: Arthur Schopenhauer...

Beitragvon mirco am 14.08.2011, 10:06

Schopenhauer, Tolle, Lasalle, Ekkehart, Jesus, die Brahmanen -

- immer wieder wird gewollt, das irgendetwas anderes irgentwie buddhistisch ist.

Es wird nach Gemeinsamkeiten, Parallelen gesucht. Warum bloß? Na, da lassen
sich bestimmt wieder viele Theorien über dieses Warum ersinnen.

Meiner bescheidenen Meinung nach führt diese Suche nach Gemeinsamkeiten
bloß weg von der heilbringenden Beschäftigung mit der Lehre des Buddha. Oder dahin?

Wie auch immer, der Buddha hat bei philosophischen Strömungen seiner Zeit darauf
hingewiesen, das all diese Netze der Ansichten nicht zu Nibbana führen.


Alles Gute...
mirco
 

Re: Arthur Schopenhauer...

Beitragvon Grund am 14.08.2011, 10:12

mirco hat geschrieben:Es wird nach Gemeinsamkeiten, Parallelen gesucht. Warum bloß? Na, da lassen
sich bestimmt wieder viele Theorien über dieses Warum ersinnen.


Warum?
wegen papanca und monkey mind

Grüße
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Re: Arthur Schopenhauer...

Beitragvon Onda am 14.08.2011, 10:31

mirco hat geschrieben:Schopenhauer, Tolle, Lasalle, Ekkehart, Jesus, die Brahmanen -
- immer wieder wird gewollt, das irgendetwas anderes irgentwie buddhistisch ist.


Im Falle von Schopenhauer ist das weniger ein Wollen der Leser als schlicht ein Faktum. Er war in seinem Denken stark von Buddhismus geprägt.
Meiner bescheidenen Meinung nach führt diese Suche nach Gemeinsamkeiten
bloß weg von der heilbringenden Beschäftigung mit der Lehre des Buddha. Oder dahin?


Viele Dinge erschließen sich erst im Vergleich.
Onda
 

Re: Arthur Schopenhauer...

Beitragvon mirco am 14.08.2011, 10:47

Onda hat geschrieben:
mirco hat geschrieben:Schopenhauer, Tolle, Lasalle, Ekkehart, Jesus, die Brahmanen -
- immer wieder wird gewollt, das irgendetwas anderes irgentwie buddhistisch ist.

Im Falle von Schopenhauer ist das weniger ein Wollen der Leser als schlicht ein Faktum. Er war in seinem Denken stark von Buddhismus geprägt.

Gähhn. Und der Rest von ihm, wie war der geprägt?


Onda hat geschrieben:
Meiner bescheidenen Meinung nach führt diese Suche nach Gemeinsamkeiten
bloß weg von der heilbringenden Beschäftigung mit der Lehre des Buddha. Oder dahin?

Viele Dinge erschließen sich erst im Vergleich.

Das verstehe ich.


Alles Gute :)
mirco
 

Re: Arthur Schopenhauer...

Beitragvon Maybe Buddha am 14.08.2011, 13:13

Für mich persönlich führt sowas zu einem besseren Verständnis der Lehre.
Zum einen weil es eher in meiner Zeit liegt, auch wenn Buddhas Worte sicherlich universell sind.
Zum anderen weil ich wenn ich die Worte des Buddha lese oft nur denke "da hat er recht","seh ich auch so" etc.
Oft erschliessen sich mir die Dinge aber besser und eingehender wenn ich etwas lese was nicht meiner Erfahrung ganz richtig ist. Dann denke ich "moment mal, da stimmt was nicht","das seh ich aber anders, das ist doch so und so","oder doch nicht?"
Ist zumindest bei mir so und darum geht es ja. Find es immer hilfreich etwas zu lesen zum "selben" Thema was meiner Ansicht wiederspricht
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Re: Arthur Schopenhauer...

Beitragvon Onda am 14.08.2011, 18:16

mirco hat geschrieben:
Onda hat geschrieben:
mirco hat geschrieben:Schopenhauer, Tolle, Lasalle, Ekkehart, Jesus, die Brahmanen -
- immer wieder wird gewollt, das irgendetwas anderes irgentwie buddhistisch ist.


Im Falle von Schopenhauer ist das weniger ein Wollen der Leser als schlicht ein Faktum. Er war in seinem Denken stark von Buddhismus geprägt.

Gähhn. Und der Rest von ihm, wie war der geprägt?


Schopenhauer war kein Buddhist, er war ein Philosoph von immenser Belesenheit. Diese erstreckte sich nicht nur auf abendländischen Denker (angefangen von den Griechen über Kant (von dem er sehr inspiriert war) bis zu den zu seiner Zeit modernen Denkern (wie Fichte und Hegel), sondern eben auch auf die Texte der indischen Tradition (Veden, Upanishaden, buddh. Texte). Er war für die Buddhismus-Rezeption im Westen ein ganz wichtiger Wegbereiter. Karl Eugen Neumann etwa war stark von ihm inspiriert und interpretierte den PK oft ganz im Geiste Schopenhauers.

Um einer geistigen Monokultur entgegenzuwirken, ist es sicherlich hilfreich, sich mit anderen Denkern neben Gautama zu beschäftigen - gerade die Differenzen - aber auch die scheinbaren oder echten Übereinstimungen - verhelfen oft zu schärferem Sehen.

Der gute Gautama hat sich auch mit anderen Lehren auseinandergesetzt. Im PK finden sich viele Debatten mit "andersfährtigen" Asketen.

LG
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Re: Arthur Schopenhauer...

Beitragvon Grund am 14.08.2011, 19:46

Onda hat geschrieben:Um einer geistigen Monokultur entgegenzuwirken, ist es sicherlich hilfreich, sich mit anderen Denkern neben Gautama zu beschäftigen - gerade die Differenzen - aber auch die scheinbaren oder echten Übereinstimungen - verhelfen oft zu schärferem Sehen.


Dann würde ich aber die indischen buddhistischen Denker empfehlen und nicht die westlichen vom Theismus denk-"verkrüppelten" Philosophen die mehr als 1000 Jahre nach den Erstgenannten nicht mal ein Quäntchen der Brillianz der Erstgenannten erreichten.


Aber ach ... auf Deutsch ist da nix :(


Auf der anderen Seite ... der Tod kann in 5 Minuten kommen ... also besser doch gleich zum Wesentlichen: Lass los ?


Grüße
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Re: Arthur Schopenhauer...

Beitragvon Onda am 14.08.2011, 20:16

Die nach Schopenhauer "wahrscheinlich ... schlimmste Seite der Religionen" in bezug auf die Moral sei abschließend angeführt: Nicht nur transportieren sie Lügen und untergraben sie das moralische Empfinden, nicht nur appellieren sie an den Egoismus des einzelnen und zerstören damit das Mitleid, sondern oftmals rufen sie ausdrücklich zu unmoralischem Verhalten auf: Die Gläubigen der einen Religion meinen berechtigt zu sein, gegen Andersgläubige "mit der äußersten Ruchlosigkeit und Grausamkeit" verfahren (S. 9) zu dürfen – etwas, das vor allem für die "Anhänger der monotheistischen Religionen" gilt.42 Den Grund für dieses Phänomen sieht Schopenhauer darin, daß ein alleiniger Gott "seiner Natur nach, ein eifersüchtiger Gott" ist, der "keinem andern das Leben gönnt".43

6. Christen vergrößern oft noch das vorhandene Leid.
Nach Schopenhauer ist die Welt ein Jammertal, und sind die Menschen einerseits die gequälten Seelen und andererseits die Teufel darin. Zu den Übeln der Welt, den physischen Übeln, kommen noch von Menschen geschaffene moralische Übel hinzu. Wieder sieht Schopenhauer Theisten mit ihrer "gezwungene[n], andressierte[n], demüthige[n], schleichende[n] Bettlergebärde44 in den Kriminalakten der Menschheitsgeschichte besonders reich vertreten. So begünstige der gelegentliche Optimismus der Theisten die Mißachtung der Wahrheit, daß die Welt ein Schauplatz des Jammers sei – etwas, das zu neuem Unglück führt. Sind wir nämlich einmal frei von Leid, so spiegeln unruhige Wünsche uns die Chimären eines unerreichbaren Glücks vor, und diese Wünsche verleiten uns, diese Chimären zu verfolgen: Dadurch "bringen wir den Schmerz, der unleugbar real ist, auf uns herab"45.

Neben dem Optimismus, der sich über die Übel der Welt hinwegzuschwindeln sucht (und dadurch neues Leid schafft), verursachen konkrete religiöse Normensysteme noch zusätzliches, konkretes Leid.
http://members.aon.at/gstremin/strem3.htm
Onda
 

Re: Arthur Schopenhauer...

Beitragvon mirco am 14.08.2011, 20:44

Onda hat geschrieben:Um einer geistigen Monokultur entgegenzuwirken, ist es sicherlich hilfreich, sich mit anderen Denkern neben Gautama zu beschäftigen - gerade die Differenzen - aber auch die scheinbaren oder echten Übereinstimungen - verhelfen oft zu schärferem Sehen.

Der gute Gautama hat sich auch mit anderen Lehren auseinandergesetzt. Im PK finden sich viele Debatten mit "andersfährtigen" Asketen.

O.k., mache ich dann auch als Arahat, wenn die an mich herantreten ;)

Mich führt eine eine Beschäftigung mit Philosophie nicht zu schärferen Sehen, habe ich schon probiert. Großherzigkeit, Tugend und Meditation hingegen schon. Da ist wohl jeder anders ;)


Alles Gute :)
mirco
 

Re: Arthur Schopenhauer...

Beitragvon Grund am 15.08.2011, 06:20

Onda hat geschrieben:6. Christen vergrößern oft noch das vorhandene Leid.
Nach Schopenhauer ist die Welt ein Jammertal, und sind die Menschen einerseits die gequälten Seelen und andererseits die Teufel darin. Zu den Übeln der Welt, den physischen Übeln, kommen noch von Menschen geschaffene moralische Übel hinzu. Wieder sieht Schopenhauer Theisten mit ihrer "gezwungene[n], andressierte[n], demüthige[n], schleichende[n] Bettlergebärde44 in den Kriminalakten der Menschheitsgeschichte besonders reich vertreten. So begünstige der gelegentliche Optimismus der Theisten die Mißachtung der Wahrheit, daß die Welt ein Schauplatz des Jammers sei – etwas, das zu neuem Unglück führt. Sind wir nämlich einmal frei von Leid, so spiegeln unruhige Wünsche uns die Chimären eines unerreichbaren Glücks vor, und diese Wünsche verleiten uns, diese Chimären zu verfolgen: Dadurch "bringen wir den Schmerz, der unleugbar real ist, auf uns herab"45.


Ja, aber wenn das seine bildliche Ausdruckweise ist, dann zeigt dies nur, dass meine Aussage zur durch Theismus "verkrüppelten" Denke begründet ist. Es sind die Bilder, die Prägung manifestieren und die selbst wiederum prägen.

Jede Sichtweise die nicht (wenigstens implizit) anatta lehrt ist falsche Sichtweise und verfestigt nur die Unwissenheit.


Ich meine - wenn mich meine Erinnerung nicht täuscht - Schopenhauer's Sichtweise hatte ja durchaus "Anklänge" ans Mahayana: Weil die Welt "ein Jammertal" ist, ist die eizige Sinnstiftung das "Mitgefühl" (nannte er vielleicht anders) mit anderen und entsprechende Taten. Aber "anatta" fehlte bei ihm komplett ... oder?



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Re: Arthur Schopenhauer...

Beitragvon Onda am 15.08.2011, 07:39

TMingyur hat geschrieben:
Jede Sichtweise die nicht (wenigstens implizit) anatta lehrt ist falsche Sichtweise und verfestigt nur die Unwissenheit.
Ich meine - wenn mich meine Erinnerung nicht täuscht - Schopenhauer's Sichtweise hatte ja durchaus "Anklänge" ans Mahayana: Weil die Welt "ein Jammertal" ist, ist die eizige Sinnstiftung das "Mitgefühl" (nannte er vielleicht anders) mit anderen und entsprechende Taten. Aber "anatta" fehlte bei ihm komplett ... oder?
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Wie gesagt: Schopenhauer war kein Buddhist, sondern ein vom Buddhismus beeinflusster westlicher Philosoph (der wiederum die Buddhismus-Rezeption im Westen stark beeinflusste -> siehe K.E.N.).
Das anatta-Konzept findet sich bei ihm nicht explizit, sondern nur indirekt in Gestalt des "Willens". Verweist "anatta" auf die Abwesenheit eines dauerhaften Ich-Kerns und auf die grundsätzliche Bedingtheit aller Phänomene, so ist der Mensch bei Schopenhauer gleichfalls ein "Bedingtes" und zwar ein vom Willen Bedingtes. Der Wille ist bei Sch. eine blinde, ziellose Urkraft, die im Individuum "Objektität" gewinnt. Dieser allen Wesen geimeinsame Willen ist das Bindeglied, das die Schopenhauersche Ethik begründet: Tat tvam asi. Der Wille ist gleichsam das Holz, aus dem wir alle geschnitzt sind (Advaita-Anklänge). Eine autonome Einzelexistenz (--> Seele) kommt uns deshalb nicht zu. So ließe sich über ein paar Umwege ein (nicht sonderlich tragfähiges) Brücklein schlagen von der anatta-Lehre zum Schopenhauerschen Konzept des Willens. Der "Wille" ist allerdings kein verkappter "Gott" (oder wenn, dann ein komplett kopfloser Gott, der das Prinzip des blinden Strebens in der Welt verkörpert).

LG
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Interessante Parallele zur Kette des bedingten Entstehens. MIt etwas gutem Willen könnte man (accinca macht das gerne) aus ihr herauslesen, dass "Begehren" die prima causa des Weltgeschehens darstellt.
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Re: Arthur Schopenhauer...

Beitragvon Grund am 15.08.2011, 10:21

Dem Willen entspräche dann das zweite Glied des abh. Enstehens, also Karma.


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Re: Arthur Schopenhauer...

Beitragvon Onda am 15.08.2011, 11:45

TMingyur hat geschrieben:Dem Willen entspräche dann das zweite Glied des abh. Enstehens, also Karma.

Grüße
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Ich denke, solche Vergleiche führen nicht sehr weit...
WILLE (bei Schopenhauer) = eine blinde, drängende, strebende, treibende, gestaltende Urkraft
Da sind (sanskara) Bildungen/Anordnungen/Gestaltungen/Formationen etwas anders...
Onda
 

Re: Arthur Schopenhauer...

Beitragvon Grund am 15.08.2011, 12:52

Onda hat geschrieben:
TMingyur hat geschrieben:Dem Willen entspräche dann das zweite Glied des abh. Enstehens, also Karma.

Grüße
TM


Ich denke, solche Vergleiche führen nicht sehr weit...
WILLE (bei Schopenhauer) = eine blinde, drängende, strebende, treibende, gestaltende Urkraft
Da sind (sanskara) Bildungen/Anordnungen/Gestaltungen/Formationen etwas anders...


Ja genau. Deswegen lehrt Schopenhauer ja eine Irrlehre, denn woher sollte denn eine "Urkraft" kommen? Sie wird als "gegeben" postuliert. Aber wer oder was hat's "gegeben"?


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Re: Arthur Schopenhauer...

Beitragvon Onda am 15.08.2011, 14:16

TMingyur hat geschrieben:Ja genau. Deswegen lehrt Schopenhauer ja eine Irrlehre, denn woher sollte denn eine "Urkraft" kommen? Sie wird als "gegeben" postuliert. Aber wer oder was hat's "gegeben"?


Auf solche "letzte Fragen" hat auch der Buddha keine Antwort gegeben. Warum dann Schopenhauer? (Der wie gesagt ein Philosoph war und kein spiritueller Lehrer und keine Konkurrenzveranstaltung zum pragmatisch orientierten Gautama aufmachen wollte). Natürlich hat die Schopenhauersche Philosophie etwas Spekulatives. Schopenhauer schließt aufgrund seiner Beobachtungen auf das Vorhandensein des Willens als Urkraft. Ein wenig so wie Physiker aufgrund ihrer Beobachtungen auf das Vorhandensein von Gravitation schließen, diese Kraft aber letztlich nur in ihren Auswirkungen nicht aber ihrem Wesen (oder gar ihrem Ursprung) nach beschreiben können.

LG
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Zuletzt geändert von Onda am 15.08.2011, 16:14, insgesamt 3-mal geändert.
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Re: Arthur Schopenhauer...

Beitragvon Grund am 15.08.2011, 14:18

Onda hat geschrieben:
TMingyur hat geschrieben:Ja genau. Deswegen lehrt Schopenhauer ja eine Irrlehre, denn woher sollte denn eine "Urkraft" kommen? Sie wird als "gegeben" postuliert. Aber wer oder was hat's "gegeben"?


Auf solche "letzte Fragen" hat auch der Buddha keine Antwort gegeben. Warum dann Schopenhauer? (Der wie gesagt ein Philosoph war und kein spiritueller Lehrer und keine Konkurrenzveranstaltung zum pragmatisch orientierten Gautama aufmachen wollte.).


Du verstehst nicht den Unterschied zwischen abhängigem Entstehen und dem Unterlassen der Frage nach einem absoluten Beginn und der Postulierung einer "Urkraft".


Grüße
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