Leid vermeiden oder Leid überwinden?

Allgemeine Diskussion über die buddhistische Lehre

Re: Leid vermeiden oder Leid überwinden?

Beitragvon GaliDa68 am 21.08.2011, 14:28

Lieber Hanzze,

danke.
Nun, aber es wäre nicht sehr hilfreich den Schmerz immer wegzudenken. Die Eiterung geht weiter. Eine Fistel kann entstehen, die Infektion kann sich durch den Knochen fressen, sie kann auf das Herz gehen – Tod durch Zahnvereiterung war und ist häufig. Kannst Du denn nicht den Zahnschmerz einfach als Signal betrachten: "Ich habe Zahnweh. Ich muss zum Zahnarzt. In Zukunft werde ich auf meine Zähne besser achten."
Genauso geht es mit anderen Schmerzen, oder auch mit psychischen Leiden im Alltag: "Wenn es mir immer schlecht geht, nachdem ich mich mit bestimmten Menschen unterhalten habe, wäre es doch besser, sie zu meiden oder mir andere Sichtweisen auf sie einfallen zu lassen."
Kurz und gut: Man könnte das Leiden auch als eine wichtige Sache betrachten, ein Warnsignal, ein Hinweis, eine Anregung.
Sollte man da nicht vielleicht das Leiden sogar ein wenig begrüßen: "Hallo, alter Freund! Was mach ich schon wieder für einen Mist? Danke, dass Du mir auf die Sprünge hilfst!"

Daraus ergibt sich bei mir die Frage, ob wir mit dem Leiden nicht auch gut Freund werden könnten?

Liebe Grüße
Knochensack
GaliDa68
 

Re: Leid vermeiden oder Leid überwinden?

Beitragvon Hanzze am 21.08.2011, 14:38

Yep, was gibt es besseres als wenn man Karma bewusst reifen sieht. Da kann man sich nur freuen. *schmunzel* Zahnarzt... 10Mio Menschen überleben das hier ohne, das Karma spare ich mir. So lernt man nur recyceln denke ich.

Obwohl die älteren Leute dann meist zu Malu (Betelblätter kauen) greifen. Drogen und Auswege gibst so viele. Ich denke bevor die Grunde nicht reichen und Weisheit fehlt, beginnt man nicht wirklich sich zu ändern. Und das ist der einzige Weg.

Da fällt mir das hier ein:

Groping for Fish

...As long as you don't see the dangers of these things enough to let them go, don't see the rewards that will come when you do, your work won't achieve any purpose. It's as if you're just playing around with these things, scratching at them with your fingernails. If we see their drawbacks clearly, see the rewards that come from letting it go clearly — Ah!

It's like when you go trapping fish with a basket. You keep at it until you sense there's something in your basket. You can hear the noise as it bangs against the side of the basket. You think it's a fish so you put your hand into your basket and grope around, but what you catch hold of isn't a fish. It's something else that lives in the water. Your eyes can't see what it is. Part of you thinks it might be an eel; part of you thinks it might be a snake. You'd regret letting it go if it actually was an eel. But if it's a snake and you keep holding on, it's going to bite you. Understand? You're in doubt because things aren't clear. Your desire is so strong that you hold onto it in case it's an eel. As you pull it up out of the water and see the pattern on the back of its neck, you immediately let go. There's nobody there to tell you, "That's a snake! Let go! Let go!" Nobody tells you. The mind tells itself — even more clearly than if someone else were to tell it. Why is that? Because you see the danger: The snake can bite. Who needs to tell this mind? If you train it until it knows in this way, it won't hold on.



Nach Fischen tasten

...solange du nicht ausreichend die Gefahren in diesen Dingen erkennst und nicht davon abläßt, du die Resultate aus deinem Handeln nicht siehst, hat deine Arbeit überhaupt keinen Zweck. Es ist als ob du mit den Dingen herum spielst, mit dem Fingernagel an ihnen kratzt. Wenn wir deren Resultate klar erkennen, werden auch die Gründe für das Loslassen davon richtig klar - Ah!
Es ist ähnlich als ob du Fische mit einer Trappe fängst. Du richtest deine Aufmerksamkeit auf diesen Korb bis du etwas wahrnimmst. Du kannst das Geräusch wenn etwas an die Seite des Korbes schlägt wahrnehmen.
Du nimmst an, ein Fisch ist in der Trappe und beginnst mit der Hand danach zu tasten, aber dein Fang ist kein Fisch. Es ist etwas anderes, das im Wasser lebt. Deine Augen sehen nicht was es ist. Ein Teil von dir sagt dir, es ist ein Aal; ein anderer Teil von dir meint es könnte eine Schlange sein. Du würdest es nicht bedauern davon Abstand zu nehmen, wenn es kein Aal sein könnte. Wenn es aber eine Schlange ist und du weiter tastest, wird sie dich beißen. Du zweifelst, weil du die Dinge nicht klar siehst. Dein Verlangen ist groß, daß du nicht abhältst, denn es könnte ein Aal sein. Wie du es dann aus dem Wasser ziehst, siehst du die Schuppen auf dem Rückgrat und ohne zuwarten läßt du los. Da ist jemand, der dir sagt: „Das ist eine Schlange! Laß los! Laßs los!“ Keiner rät dir das. Der Geist weiß es von selbst - sicherlich viel klarer, als es dir je jemand erklären könnte. Warum ist das so? Weil du die Gefahr selbst siehst: Die Schlange kann beißen. Wer bracht das dem Geist erzählen? Wenn du ihn in dieser Weise trainierst, wird er seinen Weg erkennen und dran bleiben.

In Simple Terms-108 Dhamma Similes
by
Ajahn Chah
translated from the Thai by
Thanissaro Bhikkhu

Hanzze
 

Re: Leid vermeiden oder Leid überwinden?

Beitragvon Maybe Buddha am 21.08.2011, 14:58

Mir ist letztens was passiert zum Thema ergreifen von Vorstellungen:
Ich war auf dem Weg zu einem Freund und als ich umsteigen musste um mit nem anderen Bus weiter zu fahren, sah ich das der Bus noch 15min braucht. Ich hatte noch nicht viel gegessen und wollte schnell zum Dönerladen auf der anderen Strassenseite. Da ich wusste das ich kein Geld mithabe und 50m weiter eine Bank war, war das auch kein Problem. Döner bestellt, ab zur Bank Geld holn, wieder zum Dönermann den fertigen Döner abholn und immer noch genug zeit um den Bus zu bekommen. So mein Plan, meine Vorstellung :wink: .
Ich also den Döner bestellt und ab zur Bank. 2 Automaten-schalter, einer davon kapuut, am anderen stand schon jemand und einer noch vor mir in der Schlange. Der am Automaten hatte anscheinend grade seine Tageseinnahmen dabei und wollte diese einzahln... es dauerte bestimmt 6-7minuten. Aber ich hatte ja noch 8 minuten zeit. ich also Geld abgehoben, wieder zum Dönermann, 5min auf der Uhr, kein Problem. Ich frage nach meinem Dörum und er fragt mich: welche soße wolltest du nochmal? Ich war schon leicht sauer mein Plan scheint nicht aufzugehn. Ich sage ihm das er bitte schnell machen soll weil in 3 minuten mein bus kommt und ob er das schafft. Er sagt ja, aber brauch dennoch zu lange. ich seh den Bus vorbeifahren.Ich war sauer auf ihn, auf den mann in der Bank, auf den Busfahrer weil er überpünktlich war. Ich musste 20min warten. Dann viel mir auf wie verblendet das von mir war und das der einzige der an meiner Wut schuld war ich selbst war, weil ich eine Vorstellung gemacht hatte die zwar klappen konnte aber nicht musste und ich sie ergriffen habe und nicht loslassen wollte. Der Busfahrer ist nur seine Route gefrahren, der man in der Bank wollte nur sein geld einzahln und der Dönermann wusste nicht das ichs eilig hate und wollte mir keinen kalten dörum geben wenn er ihn schonmal vormacht.
Also hab ich mich beruhigt und aller Ruhe meinen Dürum gegessen. :mrgreen:
"Nur eines verkünde ich heute, wie immerdar: Leiden und seine Vernichtung."
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Re: Leid vermeiden oder Leid überwinden?

Beitragvon sumedhâ am 21.08.2011, 15:44

Hanzze hat geschrieben:Ja aber ist das den nicht bloßes Leiden vermeiden? *schmunzel* Das kann man ja auch mit der Ignoranz der Ignoranz.

ich verstehe den satz nicht ganz ;o(
du meinst die dinge so sehen wie sie sind ist "bloßes leiden vermeiden"? oder was meinst du? bitte um nachhilfeeeeeeeeee :)

_()_
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Re: Leid vermeiden oder Leid überwinden?

Beitragvon Hanzze am 21.08.2011, 16:10

Wenn man die Dinge wirklich schon so sieht wie sie sind, ist das Leiden schon überwunden. *schmunzel* Das ist eben die Blubberblase des "Nicht-Anhaftens" die einfach nicht und nicht hält.
Leiden vermeiden heißt sich stets richtig Anzustrengen und sein Wort, Tat und Lebensweise anzupassen um die Möglichkeit zu haben die rechte Sammlung zu gewinnen. *schmunzel*

Die Blubberblase ist nur Leiden recyceln und umgehen, sicher hilft es auf dem Weg, aber es wird auch leicht eine Droge aus einer Droge.

Wenn ich da noch lange weiter mache, kenn ich mich am ende auch ein bisschen mit achtfachen Pfad aus. *schmunzel* Du lässt mir keine Chance zum entrinnen.
Hanzze
 

Re: Leid vermeiden oder Leid überwinden?

Beitragvon sumedhâ am 21.08.2011, 16:37

Hanzze hat geschrieben:Wenn man die Dinge wirklich schon so sieht wie sie sind, ist das Leiden schon überwunden. *schmunzel* Das ist eben die Blubberblase des "Nicht-Anhaftens" die einfach nicht und nicht hält.
Leiden vermeiden heißt sich stets richtig Anzustrengen und sein Wort, Tat und Lebensweise anzupassen um die Möglichkeit zu haben die rechte Sammlung zu gewinnen. *schmunzel*

Die Blubberblase ist nur Leiden recyceln und umgehen, sicher hilft es auf dem Weg, aber es wird auch leicht eine Droge aus einer Droge.

Wenn ich da noch lange weiter mache, kenn ich mich am ende auch ein bisschen mit achtfachen Pfad aus. *schmunzel* Du lässt mir keine Chance zum entrinnen.

ich bat um nachHilfe und du stürtzt mich noch tiefer in die verwirrung...... mit deiner blubberblase des "nicht - anhaftens".....
das mit der rechten anstrengung hab ich verstanden, es ist ein wichtiger "punkt" (mit lauter auswüchsen) in meinem leben....
warum aber führt nur das zur rechten sammlung?
ich hab noch nie so viele kanon zitate gelesen - sehr anstrengende sprache.....
meinst du nicht das du auch an einem "enggemauerten konzept" festhälst?
es ist mir alles zu konkret, dinge die ich nur glauben kann(wenn ich wollte).....
sumedhâ
 

Re: Leid vermeiden oder Leid überwinden?

Beitragvon Hanzze am 21.08.2011, 16:49

Leuchten dir meine Zahnschmerzen auch nicht ein? *schmunzel*

Sila (Wort, Tat, Lebensweise) - Leiden vermeiden
Samadi (Anstrebung, Konzentration, Achtsamkeit)
Panna (Ansicht, Absicht)

Das Rad aus den dreien dreht sich so lange bis man Leiden überwunden hat. Wenn man aber die Technik des "Nichtanhaften" übt, ohne sich um Sila stets zu kümmern, sprich auf dem Fünffachen Pfad unterwegs ist, macht man nichts anderes als Leiden (illusorisch) auszuweichen oder zu recyceln (anderen umhalsen, Drogen aller Art...). Wie kann das passieren, weil man sich eine spezielle Ansicht und Absicht gebastelt hat.

Na was glaubst du, wie ich immer zu meinen Pali-Lesungen komme *schmunzel*

Rechte Absicht:

Für einen selbst, für andere

Zweierlei Menschen gibt es unter denen, die, die Lehre und ihren Sinn kennend, der Lehre gemäß leben: der eine wirkt zum eigenen Heile und nicht zum Heile anderer; der andere aber wirkt sowohl zum eigenen Heile als auch zum Heile der anderen. Wer zum eigenen Heile, aber nicht zum Heile der anderen wirkt, der ist darum zu tadeln; wer aber sowohl zum eigenen Heile als auch zum Heile der anderen wirkt, der ist darum zu loben.


Was ist so eine Sangha fein *schmunzel*
Hanzze
 

Re: Leid vermeiden oder Leid überwinden?

Beitragvon sumedhâ am 21.08.2011, 17:23

Hanzze hat geschrieben:Leuchten dir meine Zahnschmerzen auch nicht ein? *schmunzel*

einleuchten vieleicht aber nicht spüren :)
Hanzze hat geschrieben:Wenn man aber die Technik des "Nichtanhaften" übt,

das ist ein wesentlicher aspekt, das üben von techniken, .........war schon in meinem berufsleben so`n thema :)
die technik liefert dir die "fertigkeit" was zu tun, sie ist aber unnütz wenn du sie nicht auf die jeweilig vorhandene situation anpasst, so lange bis es keine technik mer gibt, nur noch angemessenes tun aus einem vorher angeeignetem wissen.

ich glaube ich habe ein stückweit verstanden was du meinst, bin aber sicher du schaffst es mich weiter zu schicken, ohne landkarte, ohne navi.... :)
sumedhâ
 

Re: Leid vermeiden oder Leid überwinden?

Beitragvon Hanzze am 21.08.2011, 17:34

Ich weiß, der Traum von der verratenen geheimen Einzelerleuchtung, da entwickelt man schon auch mal das Modell der Nicht-technik-technik. *schmunzel* Will man ja was besonderes sein.

Bisserl im unmystischen stöbern nimmt einem nur das besondere weg. Ich weiß, das ist ur fad *schmunzel* ohne *plopp* und wenig Süßes dabei. Ein leeres Dharmaei.

So, jetzt geh ich meine Zahnschmerzen bemitleiden. *schmunzel* schon schief.
Hanzze
 

Re: Leid vermeiden oder Leid überwinden?

Beitragvon sumedhâ am 21.08.2011, 17:37

Hanzze hat geschrieben:Ich weiß, der Traum von der verratenen geheimen Einzelerleuchtung, da entwickelt man schon auch mal das Modell der Nicht-technik-technik. *schmunzel* Will man ja was besonderes sein.

Du weißt gar nix :mrgreen:
sumedhâ
 

Re: Leid vermeiden oder Leid überwinden?

Beitragvon Bakram am 21.08.2011, 22:00

Leiden überwinden schafft Leiden vermeiden

P.s.(edit.) was ja monika schon erkannt hat.
ein kleines Beispiel, dass ich als zukünftiges Leid vermeiden und Überwindung von Karma empfand:
"Der höchste Weg ist nicht schwer, nur ohne Wahl. Hasse nicht, liebe nicht, und es ist klar und eindeutig"
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Re: Leid vermeiden oder Leid überwinden?

Beitragvon Hanzze am 22.08.2011, 03:33

sumedhâ hat geschrieben:
Hanzze hat geschrieben:Ich weiß, der Traum von der verratenen geheimen Einzelerleuchtung, da entwickelt man schon auch mal das Modell der Nicht-technik-technik. *schmunzel* Will man ja was besonderes sein.

Du weißt gar nix :mrgreen:

Woher willst du das wissen *schmunzel*
Hanzze
 

Re: Leid vermeiden oder Leid überwinden?

Beitragvon sumedhâ am 22.08.2011, 07:19

Hanzze hat geschrieben:Woher willst du das wissen *schmunzel*

sumedhâ hat geschrieben:das ist ein wesentlicher aspekt, das üben von techniken, .........war schon in meinem berufsleben so`n thema :)
die technik liefert dir die "fertigkeit" was zu tun, sie ist aber unnütz wenn du sie nicht auf die jeweilig vorhandene situation anpasst, so lange bis es keine technik mer gibt, nur noch angemessenes tun aus einem vorher angeeignetem wissen.

hier spreche ich von mir und beziehe es auf meine berufliche erfahrung mit techniken, natürlich lässt sich diese erfahrung auch auf andere bereiche anwenden.
Hanzze hat geschrieben:Ich weiß, der Traum von der verratenen geheimen Einzelerleuchtung, da entwickelt man schon auch mal das Modell der Nicht-technik-technik. *schmunzel* Will man ja was besonderes sein.

hier sprichst du entweder von dir oder du suggerierst etwas was nicht mit dem übereinstimmt was ich geschrieben habe.
nennst du das wissen?
ich nicht :D
sumedhâ
 

Re: Leid vermeiden oder Leid überwinden?

Beitragvon Hanzze am 22.08.2011, 07:44

Vielleicht habe ich die Erfahrung schon selbst gemacht *schmunzel* So Techniken sind nett und scheinen auf gut zu funktionieren, scheinen... Doch helfen sie nur weiter zu rurcheln, mal rechter mal schlechter.
Hanzze
 

Re: Leid vermeiden oder Leid überwinden?

Beitragvon sumedhâ am 22.08.2011, 07:51

Hanzze hat geschrieben:Vielleicht habe ich die Erfahrung schon selbst gemacht *schmunzel* So Techniken sind nett und scheinen auf gut zu funktionieren, scheinen... Doch helfen sie nur weiter zu rurcheln, mal rechter mal schlechter.

sag ich doch :D
(braucht dein zahn noch mein mitgefühl?)
sumedhâ
 

Re: Leid vermeiden oder Leid überwinden?

Beitragvon Hanzze am 22.08.2011, 08:02

Wenn du Mitgefühl hast, lass mich an Weisheit ran, das ich endlich meinen Lebenswandel bessere *schmunzel* Was will man schon mitfühlen wenn die eigene Dummheit nicht sieht. Also streng dich mal richtig an, dass da unser aller Leiden vergeht. *schmunzel* Ich probierst auch, Versprochen (*fingerkreuz*)

Zuvor ist jedes Mitleid so viel wert wie ein Furz. Leiden umgehen, was für ein Taschentrick. *schiefschmunzel*
Hanzze
 

Re: Leid vermeiden oder Leid überwinden?

Beitragvon Kusala am 22.08.2011, 08:11

Hanzze hat geschrieben: das ich endlich meinen Lebenswandel bessere *schmunzel* Was will man schon mitfühlen wenn die eigene Dummheit nicht sieht.


Geh zum Zahnarzt :)
Auch der Buddha ging zum Arzt.
Kusala
 

Re: Leid vermeiden oder Leid überwinden?

Beitragvon Hanzze am 22.08.2011, 08:25

Glaub ich nicht *schmunzel* gibts da ein Sutta?
Hanzze
 

Re: Leid vermeiden oder Leid überwinden?

Beitragvon Kusala am 22.08.2011, 09:00

....gibts da ein Sutta?


Eines? Einige! Der Buddha war weise und Weise gehen zum Arzt, wenn da "Aua" ist. :)


Anguttara Nikaya "Laienjünger"

Jīvaka Komārabhacca. Sein Beiname bedeutet 'der Prinzenzögling', da er, als ein Findling, vom Prinzen Abhaya in Rājagaha aufgezogen wurde. Er war der Arzt des Königs Bimbisāra, später des Ajatāsattu (s. D.2), sowie auch des Buddha und der Mönchsgemeinde. Über seine ärztliche Tätigkeit enthält der Mahāvagga des Vinaya zahlreiche Berichte. Er erreichte den Stromeintritt und errichtete für den Buddha das 'Mangohain-Kloster' (Ambavana) bei Rājagaha. M.55; A.VI.119; A.VIII.26.


Ein Beispiel;

Mahavagga
209. Dreißig Mal abführen
336. Zu jener Zeit hatte der Erhabene eine Verdauungsstörung. Da sprach der Erhabene den ehrwürdigen Ānanda an: „Ānanda, der Vollendete hat eine Verdauungsstörung. Der Vollendete wünscht ein Abführmittel zu trinken.“ Da ging der ehrwürdige Ānanda zu Jīvaka Komārabhacca. Dort sagte er zu Jīvaka Komārabhacca: „Bruder Jīvaka, der Vollendete hat eine Verdauungsstörung. Er wünscht ein Abführmittel zu trinken.“ – „Ehrwür-diger Ānanda, dann öle den Körper des Erhabenen einige Tage ein.“ Nachdem der ehrwürdige Ānanda den Körper des Erhabenen einige Tage eingeölt hatte, ging er zu Jīvaka Komārabhacca. Dort sprach er zu Jīvaka Komārabhacca: „Bruder Jīvaka, der Körper des Vollendeten ist eingeölt. Wofür du meinst, dass dafür jetzt die richtige Zeit ist zu tun, das tu.“
Da kam Jīvaka Komārabhacca folgender Gedanke: ‛Es ist für mich unpassend, würde ich dem Erhabenen ein grobes Abführmittel geben.’ Nachdem er drei Handvoll Lotusblumen mit verschiedenen Medizinen vermischt hatte, ging er zum Erhabenen. Dort überreichte er dem Erhabenen eine Handvoll Lotus: „Ehrwürdiger, atme das ein. Erhabener, das wird zehn Mal abführen.“ Ein weiteres Mal überreichte er dem Erhabenen eine Hand-
voll Lotus: „Ehrwürdiger, atme das ein. Erhabener, das wird zehn Mal abführen.“ Ein drittes Mal überreichte er dem Erhabenen eine Hand voll Lotus: „Ehrwürdiger, atme das ein. Erhabener, das wird zehn Mal abführen. So wird der Erhabene sich dreißig Mal entleeren.“ Nachdem Jīvaka Komārabhacca dem Erhabenen dieses Mittel gegeben hatte, um dreißig Mal abzuführen, verehrte er den Erhabenen, umrundete ihn rechts und ging fort.
Als Jīvaka Komārabhacca durch das Gartentor hinaus trat, kam ihm folgender Gedanke: ‛Von mir wurde dem Erhabenen ein Mittel für dreißig Entleerungen gegeben. Der Körper des Erhabenen hat eine Verdau-ungsstörung. Der Erhabene wird sich keine dreißig Mal entleeren, neunund-zwanzig Mal wird der Erhabene sich entleeren. Nachdem sich der Erhabene entleert hat, wird er, wenn er gebadet hat, sich noch ein Mal entleeren. Dann wird sich der Erhabene dreißig Mal entleert haben.’ Nachdem der Erhabene mit seinem Geist den Gedankengang des Jīvaka Komārabhacca erkannt hatte, sprach er den ehrwürdigen Ānanda an: „Ānanda, jetzt kam dem Jīvaka Komārabhacca, als er durch das Gartentor hinaus trat der Gedanke: ‛Von mir wurde dem Erhabenen ein Mittel für dreißig Entleerungen gegeben. Der Körper des Erhabenen hat eine Verdauungsstörung. Der Erhabene wird sich nicht dreißig Mal entleeren, neunundzwanzig Mal wird sich der Erhabene entleeren. Nachdem sich der Erhabene entleert hat, wird er, wenn er gebadet hat, sich noch ein Mal entleeren. Dann wird sich der Erhabene dreißig Mal entleert haben.’ Ānanda, deshalb bereite heißes Wasser vor.“ – „So sei es, Ehrwürdiger.“ Nachdem der ehrwürdige Ānanda das dem Erhabenen geantwortet hatte, bereitete er heißes Wasser vor.
Dann kam Jīvaka Komārabhacca zum Erhabenen. Nachdem er den Erhabenen verehrt hatte, setzte er sich beiseite nieder. Beiseite sitzend sagte Jīvaka Komārabhacca dem Erhabenen folgendes: „Hat der Ehrwürdige sich entleert?“ – „Jīvaka, ich habe mich entleert.“ – „Ehrwürdiger, als ich durch das Gartentor hinaus trat, kam mir der Gedanke: ‛Von mir wurde dem Erhabenen ein Mittel für dreißig Entleerungen gegeben. Der Körper des Erhabenen hat eine Verdauungsstörung. Der Erhabene wird sich nicht drei-ßig Mal entleeren, neunundzwanzig Mal wird sich der Erhabene entleeren. Nachdem der Erhabene sich entleert hat, wird er, wenn er gebadet hat, sich noch ein Mal entleeren. Dann wird sich der Erhabene dreißig Mal entleert haben.’ Möge der ehrwürdige Erhabene baden, möge der Wohlgegangene baden.“ Dann hat der Erhabene in heißem Wasser gebadet. Nachdem der Erhabene gebadet hatte, hat er sich noch ein Mal entleert. Also hat sich der Erhabene dreißig Mal entleert. Dann sagte Jīvaka Komārabhacca dem Erhabenen folgendes: „Bis der Körper des Erhabenen wieder gesund ist, wäre es gut, nur Saft zu trinken.“ Da wurde der Körper des Erhabenen in nicht langer Zeit wieder gesund.
Kusala
 

Re: Leid vermeiden oder Leid überwinden?

Beitragvon Hanzze am 22.08.2011, 09:13

Danke für den Text, das stechen war augenblicklich weg. *schmunzel* Und Medizin hab ich gerade bekommen, die Backe war nicht zu übersehen.
Hanzze
 

Re: Leid vermeiden oder Leid überwinden?

Beitragvon accinca am 22.08.2011, 09:33

Kusala hat geschrieben:„Ehrwür-diger Ānanda, dann öle den Körper des Erhabenen einige Tage ein.“ Nachdem der ehrwürdige Ānanda den Körper des Erhabenen einige Tage eingeölt hatte, ging er zu Jīvaka Komārabhacca. Dort sprach er zu Jīvaka Komārabhacca: „Bruder Jīvaka, der Körper des Vollendeten ist eingeölt.

Das Mahavagga kann man aber auch in die Tonne treten.
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Re: Leid vermeiden oder Leid überwinden?

Beitragvon hedin am 22.08.2011, 10:00

Unter dem Begriff Karma versteht man in der Regel die gesamte karmische Gesetzmäßigkeit, nach der wir die Früchte unserer Taten unseres Denkens und unseres Sprechens ernten werden.
Vielleicht sollte man Karma, welches in Verbindung mit Leid die zentrale Stellung einnimmt in 3 Bereiche aufteilen.

1. Karma:

Karma bedeutet die Ansammlung und Verwobenheit aller in den verschiedenen Daseinszyklen gemachten Erfahrungen. Das sind im Einzelnen alle Begriffe, die unendlich mit einander verknüpft sind (Flasche mit Wasser, Wasser mit Baum, Baum mit Luft, Luft mit Reifen usw.). Die Begriffe werden von heilsamen oder unheilsamen Phänomenen begleitet und diese sind ebenfalls, entsprechend ihrer Zuordnung zu den Begriffen unendlich miteinander verwoben.
Das Karma (Begriffe/Phänomene) liegt vorerst in seiner Gesamtheit inaktiv vor, ist also noch nicht karmische Ursache.
Die Ursache eines Unfalles kann auch erst ermittelt werden, wenn der Unfall schon passiert ist.

2. Karma vipaka:

Erst durch das Eintreten von Bedingungen wie, Kontakt, Benennung eines Dinges und der Ermittlung der Situation zum Zeitpunkt des Kontaktes wird das entsprechende Karma aktiviert und dann als kusala oder akusala vipaka (Gefühl, karmische Wirkung) wahrgenommen.
Das Gefühl ist also nicht vorherbestimmt, sondern von mehreren Faktoren abhängig (Determinismus)

3. Entstehung von Karma

Wird nun das vorhandene Gefühl ergriffen und daran angehaftet, dann ist bereits wieder neues Karma entstanden, wodurch, solange das betreffende Objekt noch vorhanden ist, pausenlos neues Karma (heilsames oder unheilsames) in dieser Richtung produziert wird. Durch veränderte Bedingungen während dieser Phase kann sich allerdings die Art und Qualität der dem Objekt entsprechenden Phänomene ändern, was dann wiederum zu einer neuen Gefühlslage führen kann.
Die Stimmung (Karma vipaka/Wirkung) kann sich auf einen Schlag ändern, z.B. Himmel hoch jauchzend und zu Tode betrübt, bei ein und demselben Vorgang/Objekt.

Der Kreislauf hat sich geschlossen und beginnt mit dem Kontakt, der Benennung, der Ermittlung der aktuellen Situation und dem daraus entstehenden Gefühl und der Anhaftung an diesem Gefühl immer wieder von neuen, solange bis das Objekt weggefallen ist.

Keine blumige Umschreibung, eben eine trockene Analyse

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Re: Leid vermeiden oder Leid überwinden?

Beitragvon Hanzze am 22.08.2011, 10:05

accinca hat geschrieben:
Kusala hat geschrieben:„Ehrwür-diger Ānanda, dann öle den Körper des Erhabenen einige Tage ein.“ Nachdem der ehrwürdige Ānanda den Körper des Erhabenen einige Tage eingeölt hatte, ging er zu Jīvaka Komārabhacca. Dort sprach er zu Jīvaka Komārabhacca: „Bruder Jīvaka, der Körper des Vollendeten ist eingeölt.

Das Mahavagga kann man aber auch in die Tonne treten.

Mehr Mudita Accinca, mehr Mudita! *schmunzel* Weniger studieren, mehr praktizieren! Du wirst uns sicher deinen Unmut erklären.
Hanzze
 

Re: Leid vermeiden oder Leid überwinden?

Beitragvon Hanzze am 22.08.2011, 10:13

hedin hat geschrieben:Wird nun das vorhandene Gefühl ergriffen und daran angehaftet

Ergriffen! Nur dort kann man ansetzten. Warum ergriffen, aus Unwissenheit. Ist man schon/noch beim Anhaften, kann man nur mehr ein "Nicht-Anhaften" Modell basteln, was sicher zum ertragen des Leidens dienlich sein kann. *schmunzel* Aber auch verleitet, seine falschen Ansichten (Unwissenheit) zementieren. Das Rad holpert dann nicht einmal mehr. Es steht, bevor es beginnt sich zu drehen.

Ergreifen/Wollen (Hass und Gier) und Unwissenheit aus der die Karmaformation entsteht.
Hanzze
 

Re: Leid vermeiden oder Leid überwinden?

Beitragvon hedin am 22.08.2011, 10:28

@Hanzze

Ich verstehe gar nicht, was du gegen Anhaftung in Zusammenhang mit Entstehung von Karma hast.

Ich habe hier kein Modell der Leidbefreiung beschrieben, sondern versucht Karma zum besseren Verständnis in drei Bereiche aufzuteilen.

Mir hat diese Betrachtungsweise sehr geholfen.

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Re: Leid vermeiden oder Leid überwinden?

Beitragvon sumedhâ am 22.08.2011, 10:32

hedin hat geschrieben:Ich habe hier kein Modell der Leidbefreiung beschrieben, sondern versucht Karma zum besseren Verständnis in drei Bereiche aufzuteilen.

war aber nicht das thema....karma zu erklären :)
Mir hat diese Betrachtungsweise sehr geholfen.

hedin

mag sein, aber du bist nicht alle....
es gibt einen thread der trägt den titel karma.

LG _()_
sumedhâ
 

Re: Leid vermeiden oder Leid überwinden?

Beitragvon Kusala am 22.08.2011, 10:36

accinca hat geschrieben:Das Mahavagga kann man aber auch in die Tonne treten.


Warum???

Ich finde, mit eines der besten Bücher des PK. :)
Gibt es doch einen guten Einblick in die damalige Zeit und klärt den Blick auch destöfteren bezüglich der Lehre.
(Zum Beispiel, wenn man den Buddha "Gott-gleich" machen oder in Schwärmereien der Esoterik versinken möchte :wink: )

Nur im Gesamtkontext ist die Lehre zu verstehen. Zumindest was über den Intellekt "begreifbar" ist.

Liebe Grüße
Kusala
Kusala
 

Re: Leid vermeiden oder Leid überwinden?

Beitragvon Hanzze am 22.08.2011, 10:39

hedin hat geschrieben:@Hanzze

Ich verstehe gar nicht, was du gegen Anhaftung in Zusammenhang mit Entstehung von Karma hast.
Ich habe hier kein Modell der Leidbefreiung beschrieben, sondern versucht Karma zum besseren Verständnis in drei Bereiche aufzuteilen.
Mir hat diese Betrachtungsweise sehr geholfen.
hedin

Sollte ja auch keine Kritik sein (da war, so mein weniges Verständnis das beurteilen kann nichts wirklich falsch), sondern nur an das Thema hier anhängen. Es geht um die Überzeugungsarbeit bei der "Nichtanhaft-Praxis-Fraktion" *schmunzel* oder dem Staublosen Sandburgenbauern.

Ein leidvolles Thema ohne Überwindungsmöglichkeit, aber man kann es jederzeit vermeiden.
Hanzze
 

Re: Leid vermeiden oder Leid überwinden?

Beitragvon hedin am 22.08.2011, 10:41

sumedhâ hat geschrieben:war aber nicht das thema....karma zu erklären


stimmt..............
Karma und Leid lässt sich aber nicht so einfach voneinander trennen.

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Re: Leid vermeiden oder Leid überwinden?

Beitragvon sumedhâ am 22.08.2011, 10:50

Hanzze hat geschrieben:Es geht um die Überzeugungsarbeit bei der "Nichtanhaft-Praxis-Fraktion" *schmunzel* oder dem Staublosen Sandburgenbauern.

hab ich dir schon gesagt das ich in einem komunistischen land geboren bin und bis zum 30. lebensjahr dort gelebt habe? was meinst du was halte ich von "überzeugungsarbeit"?
andere überzeugen zu wollen ist nicht gut... sag ich dir so aus freundschaft :D
sumedhâ
 

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