von GaliDa68 am 29.08.2011, 19:09
Ich bin mir nicht sicher, ob sich durch Achtsamkeit meine Gefühle verändern.
Aber etwas ist anders. Was?
Ein Beispiel:
Es kann sein, mir erzählt jemand, wie toll er verdient, was er für einen tollen Urlaub plant und so fort. Wenn ich achtsam bin, spüre ich meinen Neid auftauchen – es ist ein bisschen so, wie wenn er aus einem tiefen See langsam aufsteigt und ich von der Wasseroberfläche aus das beobachten kann. Die Form "Neid" wird immer deutlicher sichtbar, das Wasser an der Oberfläche beginnt sich zu bewegen, ein Wasserberg türmt sich auf, ich verspüre körperliche Unruhe, mein Atem ändert sich, Gedanken entstehen, in denen ich irgendwas Abfälliges sagen möchte, Kritiksucht greift nach mir und so weiter. Bin ich achtsam, dann spüre ich dieses Auftauchen, es ist, als ob ich einen Film betrachte und ihn gleichzeitig analysiere. Ich weiß jetzt, dass der Neid-Motor gezündet ist und dass er von nun an mein Denken, meinen Körper, meine Rede bestimmt. Aber schon in diesem Moment kann ich ihn wieder ausschalten. Ich verspüre die Lust am Ausleben des Neides, und genau da habe ich dann die Möglichkeit zu verzichten. Habe ich diesen Entschluss gefasst, dann lasse ich eine Menge heilsamer Gedanken zu: "Schön, dass es dem Menschen so gut geht. Dir geht es auch so gut. Jeder, dem es gut geht, ist einer weniger, um den man sich sorgen muss. " usw. Das mag künstlich klingen, und am Anfang ist es auch ein wenig "gemacht", weil der Abschied vom Neid da noch schwer fällt und die Lust an ihm so groß ist. Aber ich weiß ja an diesem Punkt schon, dass der Verzicht mir besser tut, der Beziehung zu diesem Menschen, diesem Menschen, und überhaupt bin ich ja davon schon verstandesmäßig überzeugt. Es ist nur noch eine dumme Gewohnheit. Die Achtsamkeit gibt mir die Möglichkeit dieser dummen Gewohnheit nicht nachgeben zu müssen. Man kann das auch Dämon nennen. Ich erkenne diesen Dämon und ich fürchte mich nicht vor ihm, da ich ihn kenne und durchschaue. Er hat keine Macht mehr über mich. Er kommt mich immer wieder besuchen, dann sag ich "Hallo, Dämon Neid" und lade ihn zum Tee. Durch meine Achtsamkeit und das Ersetzen durch heilsame Gedanken wird er sogar zu einem guten Geist, denn ich entwickle anlässlich seines Besuches empathische Gefühle für diesen Mitmenschen. Auch habe ich den Keim für einen künftigen Konflikt nicht gelegt.
Das ist es, was ich als Änderung bisher erlebe. Manche unguten Emotionen und Gedanken tauchen immer weniger, immer schwächer und in einigen Situationen gar nicht mehr auf. Ob sie jemals ganz weg gehen, das weiß ich nicht. Wäre schön, aber wenn es sich so weiterentwickeln würde, dann hätte ich auch schon was erreicht. Aber bis dahin … Puh! Noch ein sehr sehr weiter Weg.
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