Durch Achtsamkeit sich ändern?

Allgemeine Diskussion über die buddhistische Lehre

Re: Durch Achtsamkeit sich ändern?

Beitragvon Grund am 29.08.2011, 16:06

gakusei hat geschrieben:Dabei ist es wichtig ohne Ziel, ohne Motivation und damit ohne Wertung zu beobachten.

Jede Identifizierung als "dies" oder "das" ist meiner Meinung nach "Wertung". Deswegen erscheint diese Aussage nicht plausibel, sofern es diese Identifizierung gibt, auch wenn nur in einer flüchtigen, nicht ergreifenden Art und Weise. Wenn man die Grundlagen der Achtsamkeit wie vom Buddha gelehrt ansieht, sieht man dass es da Wertung gibt, nicht nur als identifizierenden Benennung, sonder durchaus auch weitergehend (z.B. dhammas im Kontext der Hindernisse oder der Erleuchtungsglieder betrachten).

Und Achtsamkeit gemäß der Lehre des Buddha hat durchaus auch etwas mit Zielsetzung zu tun. Und das ist auch gut so.

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Re: Durch Achtsamkeit sich ändern?

Beitragvon monikamarie am 29.08.2011, 16:19

gakusei hat geschrieben:...
Wenn der Winter extrem hart wird und man sich wärmere Klamotten kaufen muss, dann ist dies ein äußeres Geschehen, das auf einen einwirkt. Ich denke nicht, dass die Temperatur nur eine Illusion ist.

Im Scherz gesagt: Auch Buddha hätte sich eine lange Unterhose gekauft.


Gakusei,
von dieser Art Achtsamkeit ist ja nicht die Rede, denn dazu muss ich mich nicht mit Buddhas Lehre befassen. Das lerne ich schon als Kind: "Mütze auf!" 8) Damit ändert sich ja noch nicht mein gesamtes Weltbild.
Durch Achtsamkeit sich ändern, welcher Art müsste das denn da wohl sein im Hinblick auf die lange Unterhose? :lol:

Wenn Achtsamkeit etwas bewirken kann, so ist es die Veränderung meiner Perspektive. Ich erkenne durch Beobachtung meiner Gedanken, Gefühle ... meine Motivation und später dann die Motivation der anderen. Ich erkenne vielleicht, dass das, was mich an anderen (also außen) stört, genau das ist, was ich selbst in mir/an mir habe, z. B. wenn ich immer Recht haben will und mich deshalb ständig streite oder ewig erkläre, damit ich verstanden werden will. Bei genauerem Hinsehen sehe ich, dass ich durchaus die Möglichkeit habe auszusteigen, aber nur, wenn ich mich von meinem Selbstbild verabschieden kann. Wenn ich stark genug geworden bin, nicht mehr verstanden werden zu müssen.
Allein durch dieses "Anhalten der Welt", wie es bei Castaneda ausgedrückt wird, verändert sie sich augenblicklich. Auf jeden Fall ist es aus meiner Erfahrung immer nur ein innerer Vorgang, draußen hat sich nichts verändert und trotzdem verändert sich ganz viel, sobald ich aus meinen Konditionierungen aussteigen kann. Und die erkenne ich durch achtsames wertfreies Beobachten.
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Re: Durch Achtsamkeit sich ändern?

Beitragvon gakusei am 29.08.2011, 16:35

TMingyur hat geschrieben:
gakusei hat geschrieben:Dabei ist es wichtig ohne Ziel, ohne Motivation und damit ohne Wertung zu beobachten.



TMingyur hat geschrieben:Achtsamkeit gemäß der Lehre des Buddha hat durchaus auch etwas mit Zielsetzung zu tun. Und das ist auch gut so.


Ich wüßte nicht, weshalb das nicht "gut so" sein sollte. Natürlich ist die Achtsamkeit kein isolierter Ratschlag Buddhas, sondern eingebettet in einen Kontext.

Ich teile Deine Ansicht, dass Achtsamkeit einer der ersten Schritte ist, und das der Achtsamkeit andere folgen müssen.

Insofern ist Achtsamkeit nicht Wertung ("Gier oder nicht Gier? Ethisch korrekt oder nicht korrekt?"), und auch nicht Änderung des Verhaltens ("Ich mach es das nächste mal besser"). Sondern Achtsamkeit ist Achtsamkeit.

TMingyur hat geschrieben:Jede Identifizierung als "dies" oder "das" ist meiner Meinung nach "Wertung".



Hier sprichst Du sicherlich die duale Sichtweise an, nämlich, dass ich das, was ich gerade beobachte, immer von dem abgrenze, was ich gerade nicht gerade beobachte.

Natürlich stimme ich Dir auch hier zu.

Ich persönlich denke, dass das streben nach absoluter nicht-wertung also non-dualität allerhöchstens einen Platz in der (Zen-)Meditation hat. Ich sehe nicht wie ich es in einen Alltag am Arbeitsplatz einbetten könnte, dem ich mit Achtsamkeit begegnen möchte.
gakusei
 

Re: Durch Achtsamkeit sich ändern?

Beitragvon Grund am 29.08.2011, 16:40

gakusei hat geschrieben:Hier sprichst Du sicherlich die duale Sichtweise an, nämlich, dass ich das, was ich gerade beobachte, immer von dem abgrenze, was ich gerade nicht gerade beobachte.

Nein, bitte nicht schon wieder. Ich meine einfach die Identifizierung per Benennung.


gakusei hat geschrieben:Ich teile Deine Ansicht, dass Achtsamkeit einer der ersten Schritte ist, und das der Achtsamkeit andere folgen müssen.

Das ist aber gar nicht meine Ansicht. Achtsamkeit wie vom Buddha gelehrt ist eine sehr fortgeschrittene Praxis.

gakusei hat geschrieben:Insofern ist Achtsamkeit nicht Wertung ("Gier oder nicht Gier? Ethisch korrekt oder nicht korrekt?"), und auch nicht Änderung des Verhaltens ("Ich mach es das nächste mal besser"). Sondern Achtsamkeit ist Achtsamkeit.


Wie kann es zu "Ich mach es das nächste mal besser" kommen, wenn man achtsam ist? Das geht doch gar nicht.

Ich vermute, dass die Leute die so betonen "keine Wertung" Angst vor ihren Gefühlen haben. Diese sind aber doch Gegenstand von Achtsamkeit. Wie kann ich also etwas aus dem Bereich Achtsamkeit von vornherein ausschließen wollen, weil etwas eintreten könnte bzgl. dessen ich doch achtsam sein soll? Das ist doch ein Widerspruch. Man kann durchaus bewerten ohne von seinen Gefühlen weggerissen zu werden ... Wie? Einfach nüchtern und sachlich ... per Vernunft und nicht per "Bauch".


Grüße
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Zuletzt geändert von Grund am 29.08.2011, 16:49, insgesamt 2-mal geändert.
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Re: Durch Achtsamkeit sich ändern?

Beitragvon gakusei am 29.08.2011, 16:48

monikamarie hat geschrieben:
Wenn Achtsamkeit etwas bewirken kann, so ist es die Veränderung meiner Perspektive.


Hallo Monika, ich danke Dir für diese Erklärung. Ich kann Deinen Hinweis nun nachvollziehen, dass das Außen letztendlich nur Ausdruck der inneren Einstellung ist.

Achtsamkeit ist letztendlich die Frage nach dem halb vollen oder halb leeren Bierglas, right?
Zuletzt geändert von gakusei am 29.08.2011, 17:08, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Durch Achtsamkeit sich ändern?

Beitragvon monikamarie am 29.08.2011, 16:49

sumedhâ hat geschrieben:achtsamkeit ist kein "netter" begleiter, er einem (nur) freude bereitet.
achtsamkeit ist ohne erbarmen, wühlt in der angestauten Schei...se und läst kein raum für versteckspiele.
achtsamkeit hält dir den unverschleierten spiegel vor und zwingt dich den blick nicht abzuwenden.
achtsamkeit ist das licht das dich überal auch im dunkelsten eck beleuchtet.
achtsamkeit erfordert in erster linie ehrlichkeit mit dir selber.
achtsamkeit endert nur durch ent-wickeln dessen was da ist, da wird nix neues.
achtsamkeit ist die verantwortung die man sich und seiner umwelt gegenüber hat.

so sehe (erfahre) ich achtsamkeit.

_()_


Ich war heute Nacht nicht achtsam. Ich habe auf die 2 Hunde (deutsche Dogge/Labrador-Mischung) meiner Tochter übers Wochenende aufgepasst. Da mir das gar nicht so liegt, habe ich mich zuvor geistig damit auseinandergesetzt. Letztendlich aber wohl nur halbherzig gehandelt, da mein Mann auch sehr widerwillig dabei war. In der ersten Nacht hat die Hündin an der Tür gescharrt und gejault, um 5.30 Uhr morgens hab ich beide dann kurz mal rausgelassen. Die sind gerannt wie die Wilden, um ihre Notdurft zu verrichten. Meine Tochter hatte mich darauf hingewiesen, dass die Hündin manchmal scharrt und jault, weil sie die menschliche Nähe sucht. Deshalb sollte ich nicht darauf reagieren. Als sie letzte Nacht um 3 Uhr ziemlich lange und heftig ihre Show abzog, habe ich sie ignoriert. Es war auch so schön im Bett und ich dachte nicht, dass es einen besonderen Grund geben könnte :( .
Heute morgen sah ich dann die Bescherung. Sie hat in das Büro meines Schwiegersohns geschissen. Ich war erstmal fix und fertig. Seitdem ich wieder zuhause bin, bin ich einfach nur traurig, dass ich die Hündin nicht ernst genommen habe, denn sie hat offenbar gelitten - ihr verzweifeltes Jaulen klingt mir immer noch im Ohr. Heute fühlte ich das erste Mal seit langem wieder Leid und Trauer. Ich gehe mal davon aus, dass die Hündin nicht mehr leidet, aber offenbar hat sie gelitten, bevor sie sich nicht mehr halten konnte. Und ich habe das ignoriert.

Nun reflektiere ich über meine Gefühle und meine Unzulänglichkeit. Nun sehe ich wieder, was Leiden ist. Leiden ist (auch), permanent Vergangenes hervorzuholen und erneut durchzukauen - was sicherlich dem Tier erspart bleibt. Und sich vorzustellen, wie es wohl gelitten hat, wobei dann Mit-Leid entsteht.

Wäre ich wirklich achtsam gewesen an diesem Wochenende, dann hätte ich nicht verdrängt, sondern mich wirklich mit dem beschäftigt, was vor meinen Füßen lag. So habe ich es einfach nur hinter mich bringen wollen.
_()_ Monika
monikamarie
 

Re: Durch Achtsamkeit sich ändern?

Beitragvon gakusei am 29.08.2011, 16:53

TMingyur hat geschrieben:
gakusei hat geschrieben:Hier sprichst Du sicherlich die duale Sichtweise an, nämlich, dass ich das, was ich gerade beobachte, immer von dem abgrenze, was ich gerade nicht gerade beobachte.

Nein, bitte nicht schon wieder. Ich meine einfach die Identifizierung per Benennung.

Benennung ist nichts anderes. Wenn Du Baum sagst, dann sagst Du Baum, weil Du nicht Hund meinst.

Du grenzt also etwas von dem ab, was Du gerade nicht betrachtest.

Das ist auch nicht so wichtig.

Und vielleicht stimmt meine Erklärung der Benennung und nicht-Benennung auch gar nicht.

Aber wie es auch wirklich ist, es hilft mir nicht im Alltag, dem ich mit Achtsamkeit begegnen möchte.
gakusei
 

Re: Durch Achtsamkeit sich ändern?

Beitragvon Hanzze am 29.08.2011, 17:04

Wenn man keine passende Lebensweise führt, schränkt man sich die Möglichkeit der Achtsamkeit natürlich immer ein. *schmunzel* Warum willst du die Achtsamkeitspraxis der Lebensweise anpassen und nicht umgekehrt so wie es der achtfache Pfad vorsieht?
Hanzze
 

Re: Durch Achtsamkeit sich ändern?

Beitragvon gakusei am 29.08.2011, 17:11

Hanzze hat geschrieben:Wenn man keine passende Lebensweise führt, schränkt man sich die Möglichkeit der Achtsamkeit natürlich immer ein. *schmunzel* Warum


Hallo Hanzze,
wie kommst Du darauf?
gakusei
 

Re: Durch Achtsamkeit sich ändern?

Beitragvon monikamarie am 29.08.2011, 17:12

gakusei hat geschrieben:Achtsamkeit ist letztendlich die Frage nach dem halb vollen oder halb leeren Bierglas, right?


Nein, weder noch. Einfach nur schauen, horchen, in-sich-hinein-lauschen. Halbvoll-halbleer ist eine Bewertung.

(Wobei ich noch anmerken möchte, dass für mich die Achtsamkeit noch nicht die Frage behandelt, wie es dazu kommt, dass ich das Glas als halb voll oder halb leer ansehe, und ob dies gut oder schlecht ist. Dies wäre der nächste Schritt, der nach der Achtsamkeit kommt.)


Die Frage kannst Du Dir ja stellen. Aber es sollte keine vom Verstand konstruierten Gründe bringen. Es ist eigentlich völlig unwichtig, woher das kommt, aber vielleicht wird es Dir offenbart :wink: .

(an TM) Hier sprichst Du sicherlich die duale Sichtweise an, nämlich, dass ich das, was ich gerade beobachte, immer von dem abgrenze, was ich gerade nicht gerade beobachte.


Achtsamkeit im Gegensatz zu Konzentration schließt nicht aus. Es ist offene Weite.

(an TM) Ich persönlich denke, dass das streben nach absoluter nicht-wertung also non-dualität allerhöchstens einen Platz in der (Zen-)Meditation hat. Ich sehe nicht wie ich es in einen Alltag am Arbeitsplatz einbetten könnte, dem ich mit Achtsamkeit begegnen möchte.


In der Arbeitswelt geht gar nichts nondual, Sprache, Kommunikation ist immer dual und somit auch bewertend. Ich kann eine Arbeit als gut bewerten und dennoch frei von Verstrickung bleiben. Es ist z. B. das Gefühl des Ergreifens wie Gier und Stolz, Perfektionismus oder Konkurrenzdenken, das es zu beobachten und zu lösen gilt.
Ich habe meinen Beruf wie ein Kinderspiel betrachtet oder wie ein Bühnenstück. Manchmal saß ich am Schreibtisch und erinnerte mich an mein "Postspiel" aus der Kindheit oder ich betrachtete meine Kolleginnen und Kollegen wie Schauspieler, die alle ihre Rollen spielen. Das ist eine gute Übung, die zu Abstand führt.
_()_ Monika
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Re: Durch Achtsamkeit sich ändern?

Beitragvon Bakram am 29.08.2011, 17:19

Vielleicht sollten wir zuerst einmal diskutieren was unter "Achtsamkeit" genau gemeint ist. Vielleicht auch im "Buddhistischen Sinne".

Wenn ich das wort "Achtsamkeit" google, wird mir nämlich ganz schwindelig: http://www.google.de/#q=achtsamkeit&hl=de&rlz=1R2ADFA_deCH393&prmd=ivnsb&ei=q7pbTr_lMunj4QSR5oStBQ&start=10&sa=N&bav=on.2,or.r_gc.r_pw.&fp=7cf27a6506c35dcd&biw=1280&bih=782

Gruss Bakram
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Re: Durch Achtsamkeit sich ändern?

Beitragvon Hanzze am 29.08.2011, 17:26

Angenommen du gehst und suchst etwas und du stellst deine Augen nicht in der weise Scharf, das du das Objekt nicht erkennen kannst würdest du das Objekt sehen, auch wenn du davor stehst?

In selber Weise ist es wichtig, das man die Rechte Konzentration hat und mit der rechten Anstregung das Objektiv scharf stellt. Das Achtsam sein, mag vielleicht zuerst ein Suchen nach dem Objekt sein, aber dazu ist auch die Konzentration wichtig. Alles gemeinsam führt dann dazu, das man das Objekt auch wirklich geobachten kann.

Wenn man die Linse auf unendlich stellt, bekommt man immer ein scharfes Bild, wenn die Objekte weit weg sind, aber man verliert sich am Horizont. Die Achtsamkeit dient ja letztlich dazu einen Ablauf zu erkennen und die 4 Edlen Wahrheiten zu verstehen.

Das andere mag sicher schöne Bilder als Erinnerung bieten, das man eines Tages aufbricht um sich dann vielleicht das eine oder andere auf dem Panoramabild wirklich anzusehen. *schmunzel*
Hanzze
 

Re: Durch Achtsamkeit sich ändern?

Beitragvon Hanzze am 29.08.2011, 17:31

Bakram hat geschrieben:Vielleicht sollten wir zuerst einmal diskutieren was unter "Achtsamkeit" genau gemeint ist. Vielleicht auch im "Buddhistischen Sinne".

Wenn ich das wort "Achtsamkeit" google, wird mir nämlich ganz schwindelig: http://www.google.de/#q=achtsamkeit&hl=de&rlz=1R2ADFA_deCH393&prmd=ivnsb&ei=q7pbTr_lMunj4QSR5oStBQ&start=10&sa=N&bav=on.2,or.r_gc.r_pw.&fp=7cf27a6506c35dcd&biw=1280&bih=782

Gruss Bakram

Guter Einwand! *schmunzel*

«Der gerade Weg, ihr Mönche, der zur Läuterung der Wesen, zur Überwältigung des Schmerzes und Jammers, zur Zerstörung des Leidens und der Trübsal, zur Gewinnung des Rechten, zur Verwirklichung der Erlöschung führt, das sind die vier Grundlagen der Achtsamkeit (satipatthana, diese werden als der Mittelpunkt der Lehre dargestellt).
Welche vier? Da wacht, ihr Mönche, ein Mönch

beim Körper über den Körper, unermüdlich, klaren Sinnes, einsichtig, nach Überwindung weltlichen Begehrens und Bekümmerns;
wacht bei den Gefühlen über die Gefühle, unermüdlich, klaren Sinnes, einsichtig, nach Überwindung weltlichen Begehrens und Bekümmerns;
wacht beim Gemüte [citta, Bewusstsein] über das Gemüt, unermüdlich, klaren Sinnes, einsichtig, nach Überwindung weltlichen Begehrens und Bekümmerns;
wacht bei den Erscheinungen (dhamma) über die Erscheinungen, unermüdlich, klaren Sinnes, einsichtig, nach Überwindung weltlichen Begehrens und Bekümmerns.
Mahāsatipatthāna Sutta, Die Grundlagen der Achtsamkeit


Ich denke, deshalb ist es gut sich sehr lange mit Achtsamkeit auf seine Tugend und Großzügigkeit zu beschäftigen. Das tut sich meist schon sehr viel.
Hanzze
 

Re: Durch Achtsamkeit sich ändern?

Beitragvon Kusala am 29.08.2011, 17:37

Aus Die sieben Faktoren die zur Erleuchtung führen können

Achtsamkeit (sati)

Jemand, der nach Erleuchtung strebt, achtet stets wachsam auf die Absichten, die hinter seinen Gedanken stehen, und auf alle Aktivitäten seines Körpers. Achtsamkeit ist einer der essentiellen Ausgangspunkte der Meditation. Besser ausgedrückt, jederzeit und immerzu sollte man sich die Achtsamkeit vergegenwärtigen (sati + upatthāna). Man soll sich besinnen und sich die Besinnung vergegenwärtigen. Was aber bedeutet "Achtsamkeit", bzw. "Besinnung", "sich auf etwas besinnen"? Es bedeutet, sich etwas ins Gedächtnis zurückzurufen, sich zu erinnern, im Gedächtnis zu behalten, Nicht-Vergesslichkeit, Nachsinnen. Dabei helfen die vier Pfeiler der Achtsamkeit (sati = "Fähigkeit" und patthāna = "Errichten"). Sie beinhalten folgende Betrachtungen:
1 Die Betrachtung des Körperlichen (kāyānupassanā)
2 Die Betrachtung der Gefühle (vedanānupassanā)
3 Die Betrachtung des Bewusstseins (cittānupassanā)
4 Die Betrachtung der Geistobjekte (dhammānupassanā)

Diese Meditationspraxis findet man ausführlich im Satipatthāna-Sutta beschrieben.

Außer in der Meditation kann (sollte) die Achtsamkeit bei jeder täglichen Verrichtung geübt und kultiviert werden. Wenn man spült, spült man. Wenn man putzt, putzt man. Wenn man telefoniert, telefoniert man. Man konzentriert sich auf eine Tätigkeit und macht sich bewusst, WAS man gerade in diesem Moment tut. Man konzentriert sich auf das Hier und Jetzt. Es wird keine Zerstreuung zugelassen, wie z.B. Telefonieren und Computerspielen gleichzeitig. Putzen, während das Radio läuft und man überlegt, was man zum Mittag kocht, usw. Jede Handlung ist von Achtsamkeit geprägt. Bei jeder Tätigkeit können die vier Betrachtungen geübt werden. Achtsamkeit zu konditionieren, hat noch einen weiteren Nutzen. Da man alles mit Bedacht tut, ist es leichter, sich ethisch korrekt zu verhalten, was wieder zu einer Gemütsruhe führt, die von "unguten" Geisteszuständen abhält. Ungute Geisteszustände, wie Zorn, Ärger, Groll, Neid, Eifersucht usw., die z. B. dazu führen, zu fluchen, anderen Übles zu wünschen, usw., lenken den Geist ab, sind störend, lassen die Achtsamkeit schwinden. Wird man jedoch von unguten Gedanken abgelenkt (was menschlich ist!) gilt es, inne zu halten, diese achtsam, ohne Ablenkung zu betrachten, bis sie erkannt, durchdrungen und eliminiert sind, also keine Nahrung und Ablenkung für den Geist mehr sind.

Im Saṃyutta-Nikāya 46.51 heißt es:

Was aber ist, ihr Mönche, die Nahrung, um das noch nicht erschienene Erwachungsglied Achtsamkeit erscheinen, und das erschienene sich weiter entfalten und reif werden zu lassen? Es gibt, ihr Mönche, Gedanken, die das Erwachungsglied Achtsamkeit fördern: was dabei an gründlicher Aufmerksamkeit sich ausbreitet, das ist die Nahrung, um das noch nicht erschienene Erwachungsglied Achtsamkeit erscheinen und das erschienene sich weiter entfalten und reif werden zu lassen. Was aber ist, ihr Mönche, der Nahrungsentzug für das Erscheinen des noch nicht erschienenen Erwachungsgliedes Achtsamkeit und für Entfaltung und Reifwerden des erschienenen? Es gibt, ihr Mönche, Gedanken, die das Erwachungsglied Achtsamkeit fördern: dazu keine Aufmerksamkeit ausbilden, das ist jener Nahrungsentzug für das Erwachungsglied Achtsamkeit.
Kusala
 

Re: Durch Achtsamkeit sich ändern?

Beitragvon Hanzze am 29.08.2011, 17:51

Passt vielleicht auch gut dazu und entspricht vielleicht in gewisser weise dem was Knochensack geschrieben hat:

A Stick

Meditation is like a stick. Insight lies on this end of the stick. Tranquility lies on that end of the stick. If you lift this stick up, will one end of the stick come up with it, or will both ends come up? If you lift it up, both ends will come up with it. Whatever's insight, whatever's tranquility, it's all this mind.



Ein Stab

Meditation ist wie ein Stab. Einsicht liegt an diesem Ende des Stabes. Gelassenheit liegt an diesem Ende des Stabes. Wenn du den Stab hoch hebst, kommt das eine Ende mit dem anderen Mit, oder kommen beide hoch? Wenn du ihn hoch hebst, kommen beide damit mit. Was immer Einsicht ist, was immer Gleichmut ist, es ist alles in deinem Geist.


und hier vielleicht noch ein Gleichnis:

Keeping Watch

If you're forgetful for a minute, you're crazy for a minute. If your mindfulness lapses two minutes, you're crazy for two minutes. If it lapses for half a day, you're crazy for half a day. That's how it is.
Mindfulness means keeping something in mind. When you do or say anything, you have to remember to be alert. When you're doing something, you're alert to what you're doing. Keeping this in mind is like having things for sale in your house. You keep watch over your things, over the people coming to buy your things, and over the thieves coming to steal your things. If you always keep track of these things, you'll know what each person is coming for. When you keep your weapon in your hands like this — in other words, you keep watching — then when thieves see you, they won't dare do anything to you.
It's the same with the objects of the mind. If you're mindful and alert, they won't be able to do anything to you. You know: A good object like this won't put you in a good mood forever. It's not for sure. It can disappear at any time. So why should you hold onto it? "I don't like this": It's not for sure. When this is the case, objects are simply null and void, that's all. We keep teaching ourselves this way, we keep being mindful, we keep looking after ourselves continually: by day, by night, whatever the time.



Stets beobachten

Wenn du vergeßlich für eine Minute bist, bist du für eine Minute verrückt. Wenn deine Achtsamkeit für zwei Minuten erlischt, bist du für zwei Minuten verrückt. Wenn sie einen halben Tag erlischt, bist du für einen halben Tag verrückt. So ist das.
Achtsamkeit bedeutet etwas im Geist zu behalten. Wenn du etwas machst oder sagst, erinnere dich aufmerksam zu sein. Das im Geist zu haben ist wie Ware zum Verkauf in deinem Haus zu haben. Du achtest auf deine Dinge, auf die Leute die kommen um deine Ware zu kaufen und auf Diebe die kommen um sie zu stehlen. Wenn du dabei stets daran bleibst, kennst du an an jeder Person bald den Grund warum sie kommt. Wenn du deine Waffe wie diese in der Hand hältst - sprich, du beim beobachten bleibst - sehen dich die Diebe und würden es nicht wagen dir etwas an zu tun.
Das selbe ist mit den Objekten des Geistes. Wenn du achtsam und aufmerksam bist, sind sie nicht im Stande dir etwas an zu tun. Du weißt: Ein gutes Objekt wie dieses, würde dich nicht für immer in einer guten Stimmung halten. Da ist keine Sicherheit. Es kann zu jeder Zeit verschwinden. Warum solltest du dann daran festhalten? „Ich mag das nicht.“ Das ist nicht sicher. Wenn das dann der Fall ist sind Objekte null und nichtig, das ist alles.Wir halten uns dazu an, entsprechend diesem Weg zu lernen, wir bleiben achtsam, wir achten stets auf uns; am Tag und in der Nacht, zu jeder Zeit.


In Simple Terms-108 Dhamma Similes
by
Ajahn Chah
translated from the Thai by
Thanissaro Bhikkhu


*schmunzel*
Hanzze
 

Re: Durch Achtsamkeit sich ändern?

Beitragvon Bakram am 29.08.2011, 18:26

Achtsamkeit (sati)


Im Saṃyutta-Nikāya 46.51 heißt es:

Was aber ist, ihr Mönche, die Nahrung, um das noch nicht erschienene Erwachungsglied Achtsamkeit erscheinen, und das erschienene sich weiter entfalten und reif werden zu lassen? Es gibt, ihr Mönche, Gedanken, die das Erwachungsglied Achtsamkeit fördern: was dabei an gründlicher Aufmerksamkeit sich ausbreitet, das ist die Nahrung, um das noch nicht erschienene Erwachungsglied Achtsamkeit erscheinen und das erschienene sich weiter entfalten und reif werden zu lassen. Was aber ist, ihr Mönche, der Nahrungsentzug für das Erscheinen des noch nicht erschienenen Erwachungsgliedes Achtsamkeit und für Entfaltung und Reifwerden des erschienenen? Es gibt, ihr Mönche, Gedanken, die das Erwachungsglied Achtsamkeit fördern: dazu keine Aufmerksamkeit ausbilden, das ist jener Nahrungsentzug für das Erwachungsglied Achtsamkeit.



Weiss jemand wie dies gemeint ist, rsp welche Gedanken fördern das "Erwachungsglied Aufmerksamkeit ?"
Ist damit eine bestimmte eigene (Geistes-)Haltung oder Motivation gemeint ? Oder einfach Gedanken während der Meditation, die Achtsamkeit fördern, rsp bei Nichtbeachtung Achtsamkeit verhindern können ?


Da wacht, ihr Mönche, ein Mönch beim Körper über den Körper, unermüdlich, klaren Sinnes, einsichtig, nach Überwindung weltlichen Begehrens und Bekümmerns;
wacht bei den Gefühlen über die Gefühle, unermüdlich, klaren Sinnes, einsichtig, nach Überwindung weltlichen Begehrens und Bekümmerns;
wacht beim Gemüte [citta, Bewusstsein] über das Gemüt, unermüdlich, klaren Sinnes, einsichtig, nach Überwindung weltlichen Begehrens und Bekümmerns;
wacht bei den Erscheinungen (dhamma) über die Erscheinungen, unermüdlich, klaren Sinnes, einsichtig, nach Überwindung weltlichen Begehrens und Bekümmerns.
Mahāsatipatthāna Sutta, Die Grundlagen der Achtsamkeit


Buddha spricht ja meist nur über das eigene Selbst. Also soll sich Achtsamkeit wahrscheinlich auch immer auf das eigene Selbst richten. Führt dies nun zur Veränderung des Selbst ? Mag sein, Buddha sagt ja alles sei Veränderung. Ich habe im Moment zwar noch mühe dies nachzuvollziehen. Aber es führt sicher zu einer Änderung der karmischen Wirkung, z.b wenn die Emotionen (bei mir selber und bei meinem Gegenüber) möglichst in die Mitte rücken (zwischen angenehm(z.b. Stolz) und unangenehm(z.b. Neid)) Mein Stolz löst eben ev Neid aus oder umgekehrt.

Gruss Bakram
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Re: Durch Achtsamkeit sich ändern?

Beitragvon Grund am 29.08.2011, 18:59

Bakram hat geschrieben:
Achtsamkeit (sati)


Im Saṃyutta-Nikāya 46.51 heißt es:

Was aber ist, ihr Mönche, die Nahrung, um das noch nicht erschienene Erwachungsglied Achtsamkeit erscheinen, und das erschienene sich weiter entfalten und reif werden zu lassen? Es gibt, ihr Mönche, Gedanken, die das Erwachungsglied Achtsamkeit fördern: was dabei an gründlicher Aufmerksamkeit sich ausbreitet, das ist die Nahrung, um das noch nicht erschienene Erwachungsglied Achtsamkeit erscheinen und das erschienene sich weiter entfalten und reif werden zu lassen. Was aber ist, ihr Mönche, der Nahrungsentzug für das Erscheinen des noch nicht erschienenen Erwachungsgliedes Achtsamkeit und für Entfaltung und Reifwerden des erschienenen? Es gibt, ihr Mönche, Gedanken, die das Erwachungsglied Achtsamkeit fördern: dazu keine Aufmerksamkeit ausbilden, das ist jener Nahrungsentzug für das Erwachungsglied Achtsamkeit.



Weiss jemand wie dies gemeint ist, rsp welche Gedanken fördern das "Erwachungsglied Aufmerksamkeit ?"
Ist damit eine bestimmte eigene (Geistes-)Haltung oder Motivation gemeint ?

Ja genau. Einfach tugendhafte auf Befreiung gerichtete Gedanken. Die Diskrepanz zwischen wie es sein sollte (wenn man denn Befreiung erlangen will und erkannt hat, dass es sein muss) und wie es ist, die führt notwendigerweise zur Motivation Achtsamkeit zu entfalten.

Bakram hat geschrieben:
Da wacht, ihr Mönche, ein Mönch beim Körper über den Körper, unermüdlich, klaren Sinnes, einsichtig, nach Überwindung weltlichen Begehrens und Bekümmerns;
wacht bei den Gefühlen über die Gefühle, unermüdlich, klaren Sinnes, einsichtig, nach Überwindung weltlichen Begehrens und Bekümmerns;
wacht beim Gemüte [citta, Bewusstsein] über das Gemüt, unermüdlich, klaren Sinnes, einsichtig, nach Überwindung weltlichen Begehrens und Bekümmerns;
wacht bei den Erscheinungen (dhamma) über die Erscheinungen, unermüdlich, klaren Sinnes, einsichtig, nach Überwindung weltlichen Begehrens und Bekümmerns.
Mahāsatipatthāna Sutta, Die Grundlagen der Achtsamkeit


Buddha spricht ja meist nur über das eigene Selbst.

In deinem Zitat spricht er kein einziges Mal über das "eigene Selbst". Buddha lehrt nicht falsche Ansicht.


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Re: Durch Achtsamkeit sich ändern?

Beitragvon GaliDa68 am 29.08.2011, 19:09

Ich bin mir nicht sicher, ob sich durch Achtsamkeit meine Gefühle verändern.
Aber etwas ist anders. Was?

Ein Beispiel:
Es kann sein, mir erzählt jemand, wie toll er verdient, was er für einen tollen Urlaub plant und so fort. Wenn ich achtsam bin, spüre ich meinen Neid auftauchen – es ist ein bisschen so, wie wenn er aus einem tiefen See langsam aufsteigt und ich von der Wasseroberfläche aus das beobachten kann. Die Form "Neid" wird immer deutlicher sichtbar, das Wasser an der Oberfläche beginnt sich zu bewegen, ein Wasserberg türmt sich auf, ich verspüre körperliche Unruhe, mein Atem ändert sich, Gedanken entstehen, in denen ich irgendwas Abfälliges sagen möchte, Kritiksucht greift nach mir und so weiter. Bin ich achtsam, dann spüre ich dieses Auftauchen, es ist, als ob ich einen Film betrachte und ihn gleichzeitig analysiere. Ich weiß jetzt, dass der Neid-Motor gezündet ist und dass er von nun an mein Denken, meinen Körper, meine Rede bestimmt. Aber schon in diesem Moment kann ich ihn wieder ausschalten. Ich verspüre die Lust am Ausleben des Neides, und genau da habe ich dann die Möglichkeit zu verzichten. Habe ich diesen Entschluss gefasst, dann lasse ich eine Menge heilsamer Gedanken zu: "Schön, dass es dem Menschen so gut geht. Dir geht es auch so gut. Jeder, dem es gut geht, ist einer weniger, um den man sich sorgen muss. " usw. Das mag künstlich klingen, und am Anfang ist es auch ein wenig "gemacht", weil der Abschied vom Neid da noch schwer fällt und die Lust an ihm so groß ist. Aber ich weiß ja an diesem Punkt schon, dass der Verzicht mir besser tut, der Beziehung zu diesem Menschen, diesem Menschen, und überhaupt bin ich ja davon schon verstandesmäßig überzeugt. Es ist nur noch eine dumme Gewohnheit. Die Achtsamkeit gibt mir die Möglichkeit dieser dummen Gewohnheit nicht nachgeben zu müssen. Man kann das auch Dämon nennen. Ich erkenne diesen Dämon und ich fürchte mich nicht vor ihm, da ich ihn kenne und durchschaue. Er hat keine Macht mehr über mich. Er kommt mich immer wieder besuchen, dann sag ich "Hallo, Dämon Neid" und lade ihn zum Tee. Durch meine Achtsamkeit und das Ersetzen durch heilsame Gedanken wird er sogar zu einem guten Geist, denn ich entwickle anlässlich seines Besuches empathische Gefühle für diesen Mitmenschen. Auch habe ich den Keim für einen künftigen Konflikt nicht gelegt.

Das ist es, was ich als Änderung bisher erlebe. Manche unguten Emotionen und Gedanken tauchen immer weniger, immer schwächer und in einigen Situationen gar nicht mehr auf. Ob sie jemals ganz weg gehen, das weiß ich nicht. Wäre schön, aber wenn es sich so weiterentwickeln würde, dann hätte ich auch schon was erreicht. Aber bis dahin … Puh! Noch ein sehr sehr weiter Weg.

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Re: Durch Achtsamkeit sich ändern?

Beitragvon Grund am 29.08.2011, 19:18

GaliDa68 hat geschrieben:Ich bin mir nicht sicher, ob sich durch Achtsamkeit meine Gefühle verändern.
Aber etwas ist anders. Was?

Ein Beispiel:
Es kann sein, mir erzählt jemand, wie toll er verdient, was er für einen tollen Urlaub plant und so fort. Wenn ich achtsam bin, spüre ich meinen Neid auftauchen – es ist ein bisschen so, wie wenn er aus einem tiefen See langsam aufsteigt und ich von der Wasseroberfläche aus das beobachten kann. ...

Als Alternative bietet sich an, die Sinnesobjekte "toller Urlaub" und "gut verdienen" zu verstehen. Ist dies der Fall, dann braut sich erst gar nicht "Neid" zusammen, wenn man einen stolz oder schwärmerisch davon reden hört, sondern ggf. Mitgefühl.


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Re: Durch Achtsamkeit sich ändern?

Beitragvon GaliDa68 am 29.08.2011, 19:30

Das wäre für mich keine Alternative, denn da würde sich keine Mitfreude einstellen. Ich will niemandem seine Freude vermiesen.
Außerdem habe ich festgestellt, wenn man Mitfreude von außen erfährt, dann hängt man weniger an den Dingen. Wenn einem jedoch die Sachen von außen madig gemacht werden, dann ist die Neigung an ihnen festzuhalten, noch mehr haben zu wollen, die Neigung zu verteidigen, größer. Das Eigenartige an der Mitfreude ist ja – so meine Erfahrung –, dass sie unser Gegenüber motiviert die Freude zu teilen. Mitfreude erzeugt also bei anderen den Wunsch Freude zu schenken. Wir sind wohl von Natur aus soziale Wesen.

Liebe Grüße
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Re: Durch Achtsamkeit sich ändern?

Beitragvon Grund am 29.08.2011, 19:34

GaliDa68 hat geschrieben:Das wäre für mich keine Alternative, denn da würde sich keine Mitfreude einstellen. Ich will niemandem seine Freude vermiesen.

Ich kann nicht erkennen wie Mitgefühl und/oder Gleichmut die Freude eines anderen vermiesen könnte.

GaliDa68 hat geschrieben:Außerdem habe ich festgestellt, wenn man Mitfreude von außen erfährt, dann hängt man weniger an den Dingen.

Oder die Unwissenheit wird durch die der anderen bekräftigt.

GaliDa68 hat geschrieben:Wenn einem jedoch die Sachen von außen madig gemacht werden, ...

Auch hier kann ich nicht erkennen wie Mitgefühl und/oder Gleichmut dieses "madig machen" zustande bringen könnte.


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Re: Durch Achtsamkeit sich ändern?

Beitragvon GaliDa68 am 29.08.2011, 19:50

Vielleicht habe ich Dich falsch verstanden: Ich dachte Du meintest, man könnte die Mitfreude durch Gedanken wie: "Der Arme, weiß ja nicht, dass er noch an den Dingen haftet… " usw. ersetzen.
Das will ich eben nicht. Ich will auch nicht denken: "Das letzte Hemd hat keine Taschen. Ich brauch das alles gar nicht. Alles nur Illusion." Dann würde ich es madig vor mir machen. In beiden Fällen würde ich es als Beurteilung empfinden, und das würde bei mir zu weiteren Störgefühlen führen.

Ich nenne mich "Knochensack" und die Kontemplation meiner Vergänglichkeit usw. hat für mich in meiner speziellen Situation, mit meinen speziellen Hindernissen einen gewissen Sinn gehabt, hat mir genutzt und dazu geführt, dass ich von bestimmten Vorstellungen loslassen konnte. Für einen Anderen ist eine ganz andere Herangehensweise effektiver. Und so verhält es sich bei mir mit Mitfreude.

Außerdem habe ich ein großartiges Vorbild in meiner nächsten Umgebung für reine Mitfreude: meine Mutter. Sie ist eine Meisterin darin - sie freut sich mit ohne jeglichen Hintergedanken, ohne Neid, ohne Bösartigkeit, ohne auch nur den kleinsten Keim eines Störgefühls. Sie geht einher mit einer selbstlosen Großzügigkeit, die ich bisher bei nicht vielen Menschen gesehen habe. Das ist eine wundervolle Gabe und ich verneige mich davor.

Liebe Grüße
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Re: Durch Achtsamkeit sich ändern?

Beitragvon Grund am 29.08.2011, 20:05

GaliDa68 hat geschrieben:Vielleicht habe ich Dich falsch verstanden: Ich dachte Du meintest, man könnte die Mitfreude durch Gedanken wie: "Der Arme, weiß ja nicht, dass er noch an den Dingen haftet… " usw. ersetzen.

Ich denke solche Gedanken wären weder für Gleichmut noch für Mitgefühl kennzeichnend. Vielleicht eher für ich-Dünkel bei fehlender Achtsamkeit?


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Re: Durch Achtsamkeit sich ändern?

Beitragvon GaliDa68 am 29.08.2011, 20:07

Das ist wohl so. Deshalb ist mir ja auch mulmig dabei.
Könntest Du formulieren, wie die Gedanken aussehen könnten, an die Du dachtest?

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Re: Durch Achtsamkeit sich ändern?

Beitragvon Onyx9 am 29.08.2011, 22:31

gakusei hat geschrieben:Buddha wusste, dass Menschen sich nur langsam und mit großer Anstrengung ändern können.

In diesem Zusammenhang ist der wohl wichtigste Rat Buddhas, der Rat zur „Achtsamkeit“.

Denn Achtsamkeit bedeutet zunächst einmal nur aufmerksam beobachten.

Dabei ist es wichtig ohne Ziel, ohne Motivation und damit ohne Wertung zu beobachten.

Eine neutrale Beobachtung führt dazu, dass man nicht von den Geschehnissen eingespannt wird. Man steht so zu sagen außerhalb des Geschehens.

Dabei spielt es keine Rolle, ob das Geschehen außerhalb und innerhalb von einem selber stattfindet.

Und wenn man nicht unter dem Zwang des Geschehens handeln muss, dann ist es einem möglich, mit einer wirklich wahrhaftigen Freiheit Entscheidungen zu treffen.

Achstamkeit führt zu Gelassenheit und Gelassenheit zum Glück.


Stimmt, Gakusei. Lass dich nicht von der Rolle bringen hier. :)
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Re: Durch Achtsamkeit sich ändern?

Beitragvon Onyx9 am 29.08.2011, 22:33

Man ändert sich so doll durch Achtsamkeit, daß man sich selber nicht mehr kennt. Schön,Schön ! :D
Onyx9
 

Re: Durch Achtsamkeit sich ändern?

Beitragvon Kusala am 30.08.2011, 04:31

posting.php?mode=reply&f=1&t=7079#pr127721
Hy GaliDa68,

in dem Beitrag hast Du den schrittweisen Nahrungsentzug recht gut beschrieben. Es geht halt nur nach und nach und je mehr man sich achtsam an die Sila hält, sie übt, umso weniger unheilsame Gedanken steigen auf und es geht einem einfach besser.
Die Medi wird auch "fruchtbarer" und dadurch werden die heilsamen Konditionierungen auf Dauer verbessert.

Das ist es, was die Lebensqualität in diesem Leben emens steigern kann.

Liebe Grüße
Kusala
Kusala
 

Re: Durch Achtsamkeit sich ändern?

Beitragvon Grund am 30.08.2011, 06:14

GaliDa68 hat geschrieben:Das ist wohl so. Deshalb ist mir ja auch mulmig dabei.
Könntest Du formulieren, wie die Gedanken aussehen könnten, an die Du dachtest?


Nein, weil ich nicht an begriffliche Gedanken gedacht habe. Natürlich ist das Erscheinen von Bedeutung ein Gedanke als "Hinzufügung zu dem was ist", aber es unterscheidet sich doch von begrifflichem Denken.



So ähnlich verstehe ich auch Benennung im Kontext von Achtsamkeit: Es handelt sich mehr um das Erscheinen von Bedeutung denn um eine begriffliche Benennung mittels eines begrifflichen Gedankes der Art "da ist 'dies'". Obgleich es natürlich eine Schule gibt, die genau begriffliche Benennung im kontext von Achtsamkeit lehrt. Aber ich denke, das ist mehr so eine "Einsteigerübung". Wenn nämlich Vergangenheit und Zukunft abgeschnitten sind ("Sammlung", "Konzentration"), dann ist es nicht mehr möglich derart begrifflich bestimmend zu benennen. Aber Bedeutungen, die mal gelernt wurden, die können schon noch erscheinen. Deswegen heißt es in MN10 ja auch "dhammas in Zusammenhang mit Aggregaten Sinnesgrundlagen, den vier Wahrheiten ..." Die Übung der Achtsamkeit setzt deshalb eine intensive Auseinandersetzung mit der Lehre des Buddha bereits voraus.
Bhikkhu Analayo nennt als einen Aspekt von sati eben den mnemonischen Aspekt, "Erinnerung" oder "Wieder-Erkennen".

Grüße
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Re: Durch Achtsamkeit sich ändern?

Beitragvon zenbo am 30.08.2011, 18:39

monikamarie hat geschrieben:
zenbo hat geschrieben:
und was bleibt drei monate nachdem du mit der achtsamkeit aufgehört hast?

lg zenbo


Gibt es solche Un-Achtsamen wirklich, Zenbo? Oder ist es nicht vielmehr so, dass Achtsamkeit - einmal richtig eingeübt - nicht mehr aufhören kann? Wer wird denn so dumm sein? Ich meine, ich werde zur Achtsamkeit, ohne mich weiter darum bemühen zu müssen. Ich bin dankbar, wenn jemand mich darauf aufmerksam macht, wenn ich anscheinend nicht achtsam genug bin. Du nicht?
_()_ Monika


ich glaube am anfang meditiertman bewusst, dann geht es auch ohne viel selbstkontrolle. also ich weiss eigentlich immer das meine gefühle nur eine temporäre sache sind. anderst ist es bei willentlichen änderungen des verhaltens, dort scheint das zurückfallen in alte muster schneller zu passieren.

lg zenbo
zenbo
 

Re: Durch Achtsamkeit sich ändern?

Beitragvon monikamarie am 30.08.2011, 18:46

zenbo hat geschrieben:...
ich glaube am anfang meditiertman bewusst, dann geht es auch ohne viel selbstkontrolle. also ich weiss eigentlich immer das meine gefühle nur eine temporäre sache sind. anderst ist es bei willentlichen änderungen des verhaltens, dort scheint das zurückfallen in alte muster schneller zu passieren.

lg zenbo


Ja, zenbo, wenn Du Dich zwingst, nicht an Elefanten zu denken, wirst Du sicher Schwierigkeiten haben, das auch umzusetzen. Beobachten, ohne zu bewerten, und dadurch dann immer mehr Einsicht in die Gewohnheiten zu bekommen, die man vielleicht einmal für unabwendbar hielt, kann etwas bewirken. Wenn ich erkenne, was die Zigarette ersetzen oder von was ablenken soll, dann wird es möglich, sie irgendwann einfach nicht mehr zu brauchen. Und so geht es von einer Gewohnheit zur nächsten, eine Tür geht auf, es folgen 10 neue, von denen man noch nicht einmal wusste. :wink:
_()_ Monika
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