Moderator: Ji'un Ken
darkwave hat geschrieben:vermutlich sind die auswirkungen dieser dauerselbstbetrachtung noch nie wissenschaftlich analysiert worden, es ist aber offensichtlich das diese dauerkontrolle seltsame blüten treibt:

Ji'un Ken hat geschrieben:Moin Zenbo
Hier noch was zum Lesen:http://www.palikanon.com/diverses/satipatthana/satipattana.html

darkwave hat geschrieben:dauernde achtsamkeit auf den fluss der gedanken und gefühle ist ein ganz massiver eingriff in die psyche, vergleichbar mit einer operation, man ist sich ja ständig bewusst was man tut. wer so praktiziert, muss sich selber eingestehen das er sich ganz massiv unterscheidet von nichtreligiösen menschen.

Charlie hat geschrieben:
Worin besteht deiner Meinung nach die schädigende Wirkung einer solchen Praxis? Und inwiefern ist der so Praktizierendende "neben der Spur"?
Ich finde die Frage, die du aufgeworfen hast, interessant.
Gruß
Charlie
1. Was ist Reines Beobachten?
Reines Beobachten ist das klare, unabgelenkte Beobachten dessen, was im Augenblick der jeweils gegenwärtigen Erfahrung (einer äußeren oder inneren) wirklich vor sich geht. Es ist die unmittelbare Anschauung der eigenen körperlichen und geistigen Daseinsvorgänge, soweit sie in den Spiegel unserer Aufmerksamkeit fallen. Dieses Beobachten gilt als «rein», weil sich der Beobachter dem Objekt gegenüber rein aufnehmend verhält, ohne mit dem Gefühl, dem Willen oder Denken bewertend Stellung zu nehmen und ohne durch Handeln auf das Objekt einzuwirken. Es sind die «reinen Tatsachen», die hier zu Wort kommen sollen. Wenn sich nun aber an ein anfänglich reines Registrieren dieser Tatsachen aus alter Gewohnheit doch wieder gleich Bewertungen und andere Reaktionen anschließen, so sollen dann eben diese Reaktionen selber sofort wieder zum Gegenstand Reinen Beobachtens gemacht werden. Eine so gewonnene innere Freiheit dem Objekt gegenüber wird durch Einübung allmählich zu einer vertrauten Geisteshaltung, die leicht verfügbar ist, wenn sie benötigt wird.
Es braucht wohl kaum besonders bemerkt zu werden, daß dieses Reine Beobachten nicht etwa für alle Lebenssituationen empfohlen werden soll, und gewiss nicht für solche, die Entscheidungen in Wort und Tat, sowie planendes Handeln erfordern. Hier ist der Platz für die Wissensklarheit, von der wir später sprechen werden. Doch gerade in Situationen, die einen aktiven Respons verlangen, kann das Reine Beobachten eine wichtige vorbereitende Funktion erfüllen, die den Entscheidungen eine größere Verlässlichkeit und den Handlungen eine größere Erfolgsaussicht verleiht.
Das Reine Beobachten wird hier empfohlen als eine methodische Übung in dafür bestimmten kürzeren oder längeren Perioden der Freizeit; sowie zur Anwendung in jenen, auch im geschäftigen Alltag möglichen Momenten, in denen man für eine Weile, und sei es nur für eine Minute, vom Getriebe zurücktritt, oder auch vor wichtigen Entscheidungen einige Minuten der Besinnung einfügt.
B. DIE ÜBUNG DER WISSENSKLARHEIT
Die rezeptive Haltung des Reinen Beobachtens kann und soll gewiß einen weit größeren Raum in unserem geistigen Leben einnehmen, als es gewöhnlich der Fall ist. Doch abgesehen von Zeitperioden, die dieser Übung ausdrücklich gewidmet werden, kann diese Haltung im allgemeinen nur von sehr begrenzter Dauer sein. Denn fast jede Stunde des Tages verlangt irgend eine Aktivität in Tat, Wort oder Gedanke. Zunächst sind da die mannigfachen Anforderungen körperlicher Betätigung oder Bewegung, sei es auch nur die zweckhafte Veränderung der Körperstellung. Ebenso haben wir immer wieder den Schutz und die Selbstgenügsamkeit des Schweigens zu verlassen und im Wort zu anderen Menschen in Beziehung zu treten. Und auch der Geist kann sich einer aktiven Stellungnahme zu sich selber und zur Außenwelt nicht entziehen: er muß wählen, werten, entscheiden und urteilen. Hier ist es nun die Wissensklarheit (sampajañña), der wir diese drei Funktionen anzuvertrauen haben: ein Handeln, Sprechen und Denken, das zweckbewußt ist und zweckdienlich, wirklichkeitsgemäß und im Einklang mit unserer höchsten Erkenntnis. In der «Wissensklarheit» tritt somit zur Wachheit und «Klarheit» des aufmerksamen Beobachtens das richtunggebende «Wissen». In diesem Sinne hat man den Doppelbegriff «Wissensklarheit» zu verstehen.« Wissensklarheit» ist also gleichbedeutend mit auf rechter Achtsamkeit gegründeter Erkenntnis (ñāna) und Weisheit (paññā), von der alle unsere Lebensäußerungen in Tat, Wort und Gedanken bestimmt werden sollten.
Wohl wird in der Lehrrede selber nur das wissensklare Handeln und Sprechen erwähnt und die Wissensklarheit im Abschnitt von der «Betrachtung des Körpers» behandelt, doch es versteht sich von selbst, daß auch das Denken unter die Kontrolle der Wissensklarheit gebracht werden muß.
GaliDa68 hat geschrieben:Lieber zenbo,
"gesundes Maß". Was ist das in diesem Fall?
Ich merke, dass ein Paradox geschieht: Je achtsam ich bin, desto spontaner werde ich auch. Zum einen habe ich plötzlich die Freiheit meine Entscheidungen so zu treffen, wie sie für mich heilsam sind (ich kann nicht ausschließen, dass andere das stets ebenso empfinden, selbst wenn ich sie in den Vordergrund stelle), andererseits haben sich schon viele Blockaden aufgelöst.
Liebe Grüße
Knochensack
Ji'un Ken hat geschrieben:
Ist das der Punkt, auf den du hinaus willst?
LG
Ji'un Ken
darkwave hat geschrieben:ja, man übt meinetwegen zweimal eine halbe stunde pro tag, und danach vergisst man die ganze sache und versucht einfach mensch zu sein. das finde ich gesund.
gruss zenbo
darkwave hat geschrieben:Ji'un Ken hat geschrieben:
Ist das der Punkt, auf den du hinaus willst?
LG
Ji'un Ken
ja, man übt meinetwegen zweimal eine halbe stunde pro tag, und danach vergisst man die ganze sache und versucht einfach mensch zu sein. das finde ich gesund.
gruss zenbo
GaliDa68 hat geschrieben:Mit "wertungsfrei" meine ich, dass ich mich darin übe nicht zu sagen "oh, das ist Wut. Wut ist schlecht. Ich bin eine ganz Böse. So jemand wie ich ist es nicht wert zu leben. Und überhaupt, was ist das für ein Drecksack, der mich wütend macht … " Kopfkino. Es bedeutet: "Das ist Wut. Sie kommt, ist und geht. Nichts weiter.". So, und dann kann ich mir die Freiheit nehmen in meiner Wut was zu tun, ihr komplett nachzugeben, den Nachbarn um die Ecke zu bringen, ins Gefängnis zu kommen …
Neue Werte installiert… Warum nicht? Statt: "Alles, was zählt bin ich" wäre ein neuer Wert schön. Oder?
Liebe Grüße
Knochensack
das war jetzt nicht böse gemeint, aber denk mal drüber nach.ICH WURDE SEIT MEINER SCHULZEIT NOCH NIE SO OFT BEWERTET WIE AUF DIESEM FORUM!!!
darkwave hat geschrieben:ich hege den verdacht das du mich schon MEHRMALS vergiften wolltest!!![]()
bis später..

Onyx9 hat geschrieben:Ich hatte einen Psychoknacks wegen falscher Achtsamkeit, falsch verstandener Praxis.

darkwave hat geschrieben:...die reaktion auf die umwelt ist eigentlich unmittelbar, man reflektiert eigentlich nicht ständig sondern reagiert sofort. was für eine gesellschaft entsteht wohl wenn jeder sich ständig überlegt ob er das jetzt darf oder nicht?
gruss zenbo

darkwave hat geschrieben:Ji'un Ken hat geschrieben:
Ist das der Punkt, auf den du hinaus willst?
LG
Ji'un Ken
ja, man übt meinetwegen zweimal eine halbe stunde pro tag, und danach vergisst man die ganze sache und versucht einfach mensch zu sein. das finde ich gesund.
gruss zenbo
) warum ich wie handele; genau dies gibt mir aber eine größere Freiheit. LG peema
Charlie hat geschrieben:
Bei einer weisen Benutzung der in der Buddha-Lehre gegebenen Hilfen, gibt es tatsächlich nichts, was dieser gewaltlosen, mit dem Innehalten beginnenden Satipatthāna-Methode widerstehen kann."
http://www.palikanon.com/diverses/satip ... t_08b.html
Lg
Charlie
darkwave hat geschrieben:der streitpunkt ist aber nicht ob das nicht geht, man kann sich doch so einiges abgewöhnen, die frage ist was dabei herauskommt.

darkwave hat geschrieben:zuviel achtsamkeit wird doch irgendwann selber zu einem psychoknacks, wieso sollte man das den ganzen tag üben? am anfang meditiert man bewusst, dann unbewusst.
vermutlich sind die auswirkungen dieser dauerselbstbetrachtung noch nie wissenschaftlich analysiert worden, es ist aber offensichtlich das diese dauerkontrolle seltsame blüten treibt:
darkwave hat geschrieben:verklemmtheit-biederkeit-übertriebene sensibiltät-moralismus-depressive verstimmungen-latente aggression
darkwave hat geschrieben:ich habe mir diese sache sehr lange überlegt, zb. die reaktion auf die umwelt ist eigentlich unmittelbar, man reflektiert eigentlich nicht ständig sondern reagiert sofort.was für eine gesellschaft entsteht wohl wenn jeder sich ständig überlegt ob er das jetzt darf oder nicht?

darkwave hat geschrieben:das DAUERNDE achtsamkeit zu massiven veränderungen des charakters fürhren muss, es ist ein ganz wesentlicher eingriff in die natur.



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