Was ist ein "Nihilist" ?

There are 44 replies in this Thread. The last Post () by Bambus.

  • Bin ich hier im richtigen Forum ? Egal, falls nicht - einfach in den Salon verschieben :)


    Mich würde mal interessieren, was das genau ist, so ein Nihilist - oder eine Nihilistin :)
    Oder: Was genau ist "nihilistisch" ?


    Sind Agnostiker Nihilisten ?


    Bitte keine Wikipedia Kopien somdern eigene Definitionen versuchen - ach bitte, liebe Zorita frag mich jetzt bitte nicht welche von den verschiedenen Arten von Definitionen ich meine :D


    LG
    Matthias

  • Der "Weg der Mitte" gilt als ein Weg, der die philosophischen Extreme von "Eternalismus" und "Nihilismus" meidet.


    Eternalismus = der Glaube an eine dauerhafte, "ewige" Seele
    Nihilismus bedeutet in diesem (buddhistischen) Kontext die Leugnung von Existenz, bzw. die Behauptung: Da ist garnichts!
    Wenn der Buddha darauf verwies, dass einige ihn zu Unrecht des Nihilismus bezichtigten, dann ist das damit gemeint.


    Nihilismus hat natürlich über diese buddhistsische Lesart hinaus eine Vielfalt von weiteren Bedeutungen. --> WIKIPEDIA


    Onda

    "Es gibt nichts Gutes, außer: man tut es." (Erich Kästner)
    "Dharma books and tapes are valuable, but the true dharma is revealed through our life and practice." (Thich Nhat Hanh)

    Edited once, last by Onda ().


  • Das hat mich auch interessiert, darum habe ich da mal ein ganzes Buch drüber gelesen. Dabei kam raus, dass "Nihilist" vor allem eine Fremdbezeichnung und ein Vorwurf war. Man warf dem Gegner an den Kopf "an nichts zu glauben" und deswegen auch ethisch fragwürdig zu sein. Diese Vorwurf wurde allen möglichen Leuten gemacht, also auch Atheisten, Agnostikern, Sozialisten und Humanisten. Diese wiesen den Vorwurf des Nihilismus dann von sich und betonten, dass sie sich druchaus für etwas einsetzten, also z.B für Humansimus, den Menschen und die Gerechtigkeit.


    Erst ab der Romantik, als man anfing sich mit dem Bizarren und Angsteinflösenden zu identifizieren, gefiel es so manchem Rebellen, Terroristen, Dandy und Bürgerschreck damit zu kokketieren "an nichts zu glauben." Jenseits von gut und böse zu stehen und auf alles herabzuschauen, was die normalen Menschen so wertschätzten. Ein Beispiel ist der nihilistische Terrorist Netschajew in Dostojewskis "Dämonen".


    So ist der Begriff Nihilismus eher ein Kampfbegriff als dass er sich inhaltlich festnageln liese. Er entspringt die Angst des Normalmenschen vor dem, der seine Werte negiert und Rebellen die sich mit dieser Negation der Werte identifizieren. Was da negiert wird, hängt ganz von den eigenen Werten ab.


    Für einen Frommen ist ein Agnostiker möglicherweise ein Nihilist, für einen radikalen Atheisten jemand der sich noch nicht genu vom Glauben gelöst hat. Für konservative Köpfe sind die Linken möglicherweise der Untergang des Abendlandes, für Linksradikale Verfechter des Status Quo. Während für den linksradikalen Autonomen möglicherweise alle Werte den Bach runtergehen, wenn sein Sohn den Musikantenstadl liebt. Für den buddhitischen Philosophen Keiji Nishitani waren alle diejenigen Nihilisten, die sich auf ihr nicht existiserendes Ego stüzten während andere alle Buddhisten zu Verehrern des Nichts (Shunyata) halten.


    Das zeigt wie schwammig der Begriff ist.

  • Quote from Matthias65

    Mich würde mal interessieren, was das genau ist, so ein Nihilist - oder eine Nihilistin :)


    Hi Matthias65


    ich neige selber zum Nihilismus und sehe da keinen großen Unterschied


    man kann jede konventionelle Ansicht so herumdrehen, dass sie zuträgliches, unzuträgliches oder weder-noch bewirkt


    aber es wäre imho etwas begrenzt dabei nur 'äußere' Ansichten & Wertvorstellungen zu betrachten

    der Buddha lehrte den Weg darüber hinaus, lehrte nicht einmal an der eigenen Erfahrung, Wahrnehmung & Gefühlswelt anzuhaften


    Grüße


    :)

    Trage nicht das Weltgetöse in die stille Einsamkeit
    Such den Wald, daß er Dich löse von der Krankheit unsrer Zeit.

  • Hi Void & Nibbuti,


    danke für Eure Antworten :)


    Kann es sein, dass der "Nihilist" seine Haltung ausschließlich auf die Frage beschränkt: Was kommt nach dem Tod ?
    Antwort: Nichts ! Nihilisten können sich weder ein christliches Paradies vorstellen noch ein buddhistisches Bewußtseinskontinuum.
    Sie leben "nur" dieses Leben und genießen es, wobei sie nicht abgeneigt sind sich von ethischen Konzepten anderer Religionen/Philosophien
    leiten zu lassen.


    LG
    Matthias


  • Der Nihilist verneint eher allgemein eine bestimmte Ordnung. In diesem Falle finde ich die Erklärung, die Tante Wikipedia liefert, ziemlich gut und auch verständlich.
    Genießen oder nicht ist nicht die vordringliche Frage, Egoismus auch nicht, auch, wenn das Verneinen von (fremdgegebenen) Ordnungen das so erscheinen lassen mag. All das schwingt immer wieder in der Schimpfwort-artigen Verwendung des Begriffes mit, ist ihm aber eigentlich nicht gegeben.
    Da das Wort Nichts in Nihilist steckt, wird man gerne Nihilist genannt, wenn man etwas (teilweise) fürt sich verneint. So wie in Deinem Beispiel mit der Frage nach dem Leben nach dem Tode. Das ist aber letztlich der Bedeutung des Wortes nach auch Unfug.
    Ob sich ein Nihilist etwas vorstellen kann? Ich denke, dass das Vorstellungsvermögen eines freilaufenden, durchschnittlich ausgeprägten Nihilisten nicht kleiner pder größer ist als Deins und meins. Er nimmt diese Vorstellungen nur nicht für sich als gegeben und vor allem sein Handeln bestimmend an.


    Im philosophischen Sinne ist sogar eine Distanzierung von einer Wirklichkeitswahrnehmung Nihilismus – eine große Nähe zum Buddhismus, dem wegen seiner Kritik an der Wirklichkeitswahrnehmung das Attribut nihilistisch ebenso zugeordnet wird/wurde.


    Alles in allem ein ziemlich unerfreuliches Wort. In allen Fällen, da ich es im Forum lesen durfte, war eine recht schlichte, eher polemische Absicht erkennbar, den als Nihilist bezeichneten als irgendwie abweichlerisch und ganz allgemein neben der Spur zu klassifizieren. Man sollte den Begriff meiden, wo man ihn trifft…

  • Quote from malsehen

    Alles in allem ein ziemlich unerfreuliches Wort. In allen Fällen, da ich es im Forum lesen durfte, war eine recht schlichte, eher polemische Absicht erkennbar, den als Nihilist bezeichneten als irgendwie abweichlerisch und ganz allgemein neben der Spur zu klassifizieren. Man sollte den Begriff meiden, wo man ihn trifft…


    Das Wort Nihilist bezeichnet also eher eine Haltung des dagegens-Seins und Verneinens. Also soetwas wie Rebell"oder radikaler Zweifler, der sich in Fundaméntalopposition zu herrschenden Ordnung sieht.


    Dahinter steht meist kein Glaube an "Nichts" sondern im Gegenteil eine starke ideologische Verblendung, die nicht als einen selbst und die eigene Position gelten lässt. So sind die nihilistischen Anarchisten bei Dostojewki keineswege Leute, die für alle Arten der Anschauung offen sind, weil sie an nichts festhalten. Im Gegenteil glauben sie die Wahrheit gepachtet zu haben und deswegn das Recht zu haben andere zu missachten und in die Luft zu sprengen.


    Nihilistische Aussagen wie "Nichts ist wahr und alles ist erlaubt" ziehen alles in Zweifel und setzten sich für Freheit ein. Anstatt sich auf nichts zu stützten, stützten sie sich aber implizit auf das eigne Ego und verabsolutieren dieses.

  • "Nihilistischer Anarchist" – wunderbare Doppel-Randgruppe. :mrgreen:


    Auch wie Du es beschreibst, Void, zeigt, dass das Wort ziemlich verbraucht ist. Weil es Immer und immer wieder zur befragbaren Selbstdefinition (wer ist nicht gern Rebell und radikaler Zweifler…) oder zur nicht minder befragbaren Ausgrenzung von Querköpfen hernanezogen wurde, ohne eine auch nur leidlich einheitliche Bedeutung zu haben.

  • Quote from malsehen

    eine große Nähe zum Buddhismus, dem wegen seiner Kritik an der Wirklichkeitswahrnehmung das Attribut nihilistisch ebenso zugeordnet wird/wurde.


    Hi malsehen, mir ist auch schon aufgefallen, dass manche denken, Buddhismus wäre nihilistisch, Deinen Grund kann ich allerdings nicht so recht nachvollziehen, hat doch der Buddhimus selbst den Anspruch "die Dinge, wie sie wirklich sind" zu erkennen. Welche Wirklichkeitswahrnehmung meinst Du denn ?


    Vielleicht hat es auch damit zu tun, dass manche "Leerheit" falsch verstehen und Leerheit gleichsetzen mit "Nichts" ?

  • Der Kurzschluss-Gedanke, in dem die Zuordnung Buddhismus-Nihilismus passieren kann, ist eine Quintessenz, die man vielleicht mit "Es ist nicht so, wie Du meinst" volkstümelnd übersetzen könnte. Schon in diesem nicht klingelt bei vielen die Nihilismus-Glocke. Wenn mann dann dann noch die üblichen Floskeln von "es gibt nicht dieses, nicht jenes, und schon gar kein Ich" nett drumherum arrangiert, liegt es schon sehr Nahe, Nihilismus und Buddhismus zusammenzurücken.
    Darüberhinaus wird der Nihilist auf Grund der Tatsache, dass er keine gegebenen Ordnungen (an)erkennen will ja gerne dem Egoisten zugesellt. Das dem Buddhismus in der Außenwahrnehmung zugeschriebene "sich sehr stark nur mit sich selbst beschäftigen" bekommt leicht einen ähnlich selbstreferenzierten, wenn nicht egoistisch zu nennenden Beigeschmack, was wieder zu dem diffusen Bild des Nihilisiten passen möchte.
    All das Missverständnisse, die in Sprachlichkeit eh immer inbegriffen sind. Kommt dann ein so unscharf verstandenes Wort wie Nihilist dazu, ist dem blanken Unfug Tür und Tor geöffnet.

  • Quote from Matthias65

    Hi malsehen, mir ist auch schon aufgefallen, dass manche denken, Buddhismus wäre nihilistisch, Deinen Grund kann ich allerdings nicht so recht nachvollziehen, hat doch der Buddhimus selbst den Anspruch "die Dinge, wie sie wirklich sind" zu erkennen.


    Ein Anspruch, den der Buddhismus - wie übrigens jede Lehre, Weltanschauung, aber auch die Wissenschaft - nicht einlösen kann (wobei Wissenschaftler die ersten sind, die das zugeben).

  • Quote from Matthias65

    Hallo Axel,


    die Wissenschaftler haben das Problem, dass sämtliche wissenschaftliche Studien mit dem individuellen Bewußtsein eines Wissenschaftlers durchgeführt werden.


    Nein, dieses Problem haben die Wissenschaftler nicht, weil Wissenschaft (im besten Falle) darauf beruht, dass Experimente wiederholbar sind und deshalb die individuellen Voreingenommenheiten weitgehend ('weitgehend' deshalb, weil auch ganze Kulturen kollektive Voreingenommenheiten haben können) ausschließen.


    Hier empfehle ich immer wieder gerne
    Meehan, Praxis des wissenschaftlichen Denkens
    (hinterher könnt ihr ja gerne wieder 'dhamma'-Bücher lesen...)
    und
    Pirsig, Zen und die Kunst, ein Motorrad zu warten
    ein Autor, der sich der Grenzen der Wissenschaft sehr bewusst ist, Wissenschaft aber - im Gegensatz zu den Meisten hier - versteht.

  • Ein nihilist ist jemand der keine Werte hat, keine Werte vertritt und sich auch nicht an Wertvorstellungen anderer gebunden fühlt.


    Dies macht ihn unberechenbar, in diesem Sinne asozial in der Gruppe. Gruppen definieren und identifizieren sich ja in der Regel in und mit ihren gemeinsamen Wertvorstellungen.


    Wer nichts glaubt, sich an nichts hält, keine Werte hat der scheint auch keine Achtung vor anderen Wesen zu haben. Wieso sollte er auch ?


    Allerdings existieren Nihilisten nicht wirklich. Es gibt sie nur als "Horror-Vorstellung". Niemand lebt ohne Werte. Werte kommen vom Thathagata, sie sind immer schon da, Buddhanatur :D. Nur werden sie oft mehr oder weniger von den Trieben verd(r)eckt.


    Gruss Bakram

    "Der höchste Weg ist nicht schwer, nur ohne Wahl. Hasse nicht, liebe nicht, und es ist klar und eindeutig"

  • Quote from Matthias65

    Hi malsehen, mir ist auch schon aufgefallen, dass manche denken, Buddhismus wäre nihilistisch, Deinen Grund kann ich allerdings nicht so recht nachvollziehen, hat doch der Buddhimus selbst den Anspruch "die Dinge, wie sie wirklich sind" zu erkennen. Welche Wirklichkeitswahrnehmung meinst Du denn ?
    Vielleicht hat es auch damit zu tun, dass manche "Leerheit" falsch verstehen und Leerheit gleichsetzen mit "Nichts" ?


    Das hat historisch auch mit Theologie zu tun. Um das Böse zu erklären, es aber gleichzeitig nicht als selbstständige Gott gegenüberliegende Kraft sehen zu müssen, wurde das Böse einfach als Abwesenheit des Guten gesehen. Gott wurde als Inbegriff des Seins gesehen während das Böse mit dem Nichts verbunden wurde.


    Im Buddhismus war die Entwicklung umgekehrt. Weil man um jeden Preis verhindern wollte, das Heilsame als ein Ding/eine Person/eine Kraft oder eine Gottheit aufzufassen, hat man sich bemüht es ganz als die Abwesenheit und das Verlöschen von Gier/Hass und Verblendung zu beschreiben. Das Seiende ist damit das Leidhafte, während das Nichts dessen Befreiung ist.


    Damit haben die Begrifflichkeiten in Buddhismus und Christentum diametral andere Konnotationen. Man stand sich also gegenüber wie Hund und Katze für die ja ein Schweifwedeln bekanntlichermaßen genau das Gegenteil bedeutet. Natürlich gab es Annäherungen (z.B im Christentum die sogenannte "Negative Theologie") aber unter missionierenden Christen gab es auch solche, denen es nicht darum ging, diese Missverständnisse zu klären, sondern sie verschärfen und auszunutzten.


    Die Buddhisten heisst es dann, verneinen alle Gute und Schöne und ihr Ziel ist es eine Art geistigen Selbsmord zu begehen. Selbst die Meditation wird von radikalen Gruppen als Weg gesehen um den Geist leer zu machen und so für Dämonen zu öffenen.

  • Quote from Matthias65

    Hallo Axel,


    die Wissenschaftler haben das Problem, dass sämtliche wissenschaftliche Studien mit dem individuellen Bewußtsein eines Wissenschaftlers durchgeführt werden.


    Da gibt es doch in der Physik so ein toles Beispiel, wo die Wissenschaft im Grunde versagt.
    Kenn mich mit Physik nicht so gut aus, aber es ging um ein Experiment mit besonders kleinen Teilen, deren Wirkungsweise bzw deren Verhalten schon dadurch beeinflusst wurde das es einen Beobachter gibt.
    Somit konnte beim beobachten nie der Ablauf gesehn werden, der ohne Beobachtung stattgefunden hätte. Und ohne beobachten konnte man nichts feststellen. Somit eine Sackgasse.


    Habe das aus einem intressanten Vortrag von Prof. Dr. Hans-Peter Dürr.
    Im allgemeinen sowieso sehr intressant was der Mann so erzählt, wen es intressiert. Gibt bei Youtube einige Vorträge von ihm.

    "Nur eines verkünde ich heute, wie immerdar: Leiden und seine Vernichtung."
    Buddha


  • Das ist im Großen und Ganzen das mit der Heisenbergschen Unschärfe.
    Die Sackgasse ist in sofern keine Sackgasse, als dass da schon versucht wird, das weiter "auszutüfteln". Eine Sackgasse war das für ein klassisches physikalisches Weltbild.
    Vor allem aber – und da bin ich wieder bei Axel – werden solcherart Lücken in Erklärungsmodellen von der Wissenschaft weiter untersucht aber offen auf Lücke gesetzt.
    Es wird dabei aber nichts auf eine "Überwirklichkeit", verbunden mit dem Verbot, weiter darüber nachzudenken verschoben.
    Es bleibt halt eine Erkenntnis-Lücke. "Weiß ich nicht" zu sagen, fand ich schon in der Erziehung meiner Tochter gegenüber immer souveräner, als sich irgendeine schwummrige Erklärungsblase aus dem Kreut zu leiern, nur um nicht das Gesicht zu verlieren.

  • Quote from malsehen

    Vor allem aber – und da bin ich wieder bei Axel – werden solcherart Lücken in Erklärungsmodellen von der Wissenschaft weiter untersucht aber offen auf Lücke gesetzt.


    Ich finde, dass sich da Buddhismus und Wissenschaft aber sehr ähnlich sind. Der Buddhismus ist eine Philosophie, die nicht starr ist sondern sich im Laufe der Zeit immer wieder an veränderten Bedingungen angepaßt hat, wenn auch die Kernaussage in Form der 4 edlen Wahrheiten im Wesentlichen erhalten blieb.


    Die Wissenschaft kann vom Buddhismus lernen und umgekehrt !

  • Quote from Matthias65

    Ich finde, dass sich da Buddhismus und Wissenschaft aber sehr ähnlich sind.


    Ich möchte keine unnötige Spaltung betreiben, aber ich erlebe schon, dass die Lücken im Welterklärungsmodell Buddhismus eher mit dem "Überweltlichen" gefüllt sind.
    Da scheint mir wenig übrigzubleiben, wo achselzuckend gesagt wird, "…weiß ich nicht, müssen wir mal schauen." Ich lese zumindest hier im Forum immer wieder Postings und Zitate, in denen diese Lücken im "Weltmodell" klar benannt sind und in die "Trans-Welt" des Überweltlichen verlegt werden. Das alles mit dem Auftrag verbunden, man müsse es halt erfahren. Diese Erfahrung wird ebenso im überweltlichen angesiedelt, und dort in sich begründet.
    Noch dazu gibt es offensichtlich klar formulierte Verbote, über bestimmte Bereiche auch nur nachzudenken.


    :?


    In mein Weltbild des "ich muss gar nicht alles verstehen" passt das einfach nicht ganz hinein. Mut zur Lücke! Achtung: Nicht alles verstehen müssen heißt nur, dass ich das nicht unbedingt alles verstehen muss. Jeder andere soll bitte gerne an weiterem Verständnis weiterforschen. Zumindest der Part, in dem recht autoritär ein Verbot des Nachdenkens über "X" ausgesprochen wird, wirkt das auf mich doch ein weing wie ein Vater, der sich seinem Kind gegenüber nicht eingestehen möchte, dass er es auch nicht (besser) weiß.

  • Quote from malsehen

    Da scheint mir wenig übrigzubleiben, wo achselzuckend gesagt wird, "…weiß ich nicht, müssen wir mal schauen."


    Buddha beantwortete die Frage ob es einen Gott gibt oder nicht so ähnlich: "Es ist für die Praxis nicht hilfreich ob es einen Gott gibt oder nicht".


    Quote from malsehen

    Ich lese zumindest hier im Forum immer wieder Postings und Zitate, in denen diese Lücken im "Weltmodell" klar benannt sind und in die "Trans-Welt" des Überweltlichen verlegt werden


    Ist es nicht auch "überweltlich" im Modell der Mathematik von der Unendlichkeit zu sprechen ?


    Quote from malsehen

    Noch dazu gibt es offensichtlich klar formulierte Verbote, über bestimmte Bereiche auch nur nachzudenken.


    Welche Verbote meinst Du ?? Du kannst über alles nachdenken wenn es heilsam für Dich und/oder andere ist.


    Quote from malsehen

    In mein Weltbild des "ich muss gar nicht alles verstehen"


    Das paßt schon :)
    Warum sollte man im Buddhismus alles verstehen müssen ? Wenn die Zeit reif ist, entwickelt sich nach und nach ein größeres Verständnis. Der Buddhismus begreift sich als lebenslange Übung !

  • Quote from Matthias65
    Quote from malsehen

    Ich lese zumindest hier im Forum immer wieder Postings und Zitate, in denen diese Lücken im "Weltmodell" klar benannt sind und in die "Trans-Welt" des Überweltlichen verlegt werden


    Ist es nicht auch "überweltlich" im Modell der Mathematik von der Unendlichkeit zu sprechen ?


    Warum sollte es das?
    Das ist ja der alte Pferdefuß der Religionen, die als Erklär-Bär untergehen. Das, was dem Menschen in seinem Jetzt nicht vorstellbar/erklärbar erscheint (erscheint!!), (Unendlichkeit, Endlichkeit, Higgs-Bosonen, brennende Dornbüsche, wo komm ich her/wo geh ich hin, etc. pp.) wird mit einem Verweis auf eine Überweltlichkeit erklärt. Ich halte das deswegen für so perfide, weil es die unvorstellbaren Elemente und ihre Begründung/Erklärung in das in sich geschlossene, dem "normalen" Menschen nicht zugängliche Überweltliche verlagert.
    Ich würde mich sicherlich schwer tun, das Lebenswerk des letzten Nobelpreisträgers für Physik wirklich zu würdigen, aber alles dazu nötige liegt in mir oder in der mir zugänglichen Welt. Einen gewissen Grundstock an Intelligenz mal vorausgesetzt.


    Quote from Matthias65
    Quote from malsehen

    Noch dazu gibt es offensichtlich klar formulierte Verbote, über bestimmte Bereiche auch nur nachzudenken.


    Welche Verbote meinst Du ?? Du kannst über alles nachdenken wenn es heilsam für Dich und/oder andere ist.


    Ich bin jetzt ehrlich zu faul, die Postings zu suchen. Zumal ich mir abgewöhnte habe, diese an ein ziemlich klares Verbot gemahnenden Anweisungen, über was nachzusinnen, und über was (bei Androhung von Verrücktheit) nicht nachzudenken sei, in irgendeiner Form für mich ernst zu nehmen. Sie beleben aber zumindest immer mal wieder bestimmte Diskussionen hier im Forum.


    Quote from Matthias65
    Quote from malsehen

    In mein Weltbild des "ich muss gar nicht alles verstehen"


    Das paßt schon :)
    Warum sollte man im Buddhismus alles verstehen müssen ? Wenn die Zeit reif ist, entwickelt sich nach und nach ein größeres Verständnis. Der Buddhismus begreift sich als lebenslange Übung !


    Schön, dass der Buddhismus einen entspannten Zeithorizont hat. Ist "Wenn die Zeit reif ist" nicht eine ählich überweltliche Formulierung wie "Unendlichkeit"? :wink:

  • Quote from malsehen

    Noch dazu gibt es offensichtlich klar formulierte Verbote, über bestimmte Bereiche auch nur nachzudenken.


    Auf Anhieb fällt mir nichts ein. Hast Du bitte mal ein Beispiel?


    Quote from malsehen

    Ich möchte keine unnötige Spaltung betreiben, aber ich erlebe schon, dass die Lücken im Welterklärungsmodell Buddhismus eher mit dem "Überweltlichen" gefüllt sind.


    Ja, das machen Menschen so, wenn in ihrem lieb gewonnenen Lebensmodel (vermeintliche) Lücken auftauchen - sie stopfen sie mit schnellen, einfachen und endgültigen Erklärungen :)


    Der Buddha hat Lücken ohne Ende aufgezeigt. Alle Fragen deren Beantwortung nicht direkt zum Erwachen führen hat er schlicht als unnötig nicht beantwortet. Da ist vieeeel mehr Lücke als Füllung. (je nach Blickwinkel)

    Von mehreren Theorien, die die gleichen Sachverhalte erklären, ist die einfachste allen anderen vorzuziehen.


    Die Leute von denen Du am meisten lernen kannst sind die mit denen Du nicht einer Meinung bist.

  • malsehen:
    Ich sehe ehrlich gesagt nicht wirklich viel wo der Buddha versucht Lücken mit übersinnlichem zu füllen oder "Verbote" auszusprechen.
    Das was mir an Buddha/Buddhismus besonders gut gefällt, ist eben diese von dir angesprochene Mut zur Lücke.
    Denn der Buddha sagte ja immer, er lehre nur das versiegen des Leidens.
    Wenn der Buddha sagte man "soll" über etwas nicht reden, dann bezieht sich das ja immer er darauf das diese Handlung (das nachdenken und reden über das Thema), eine Wirkung nach sich zieht.
    Und bei manchen Dingen ist die Wirkung eben Leiden.
    Und bei vielen Dingen hat der Buddha ja auch einfach geschwiegen. Entweder weil er es nicht wusste oder weil es eben kein Bezug zur Lehre hatte, oder weil die Frage halt schon unter einer falschen Annahme gestellt wurde und von daher gar keinen Sinn ergab.

    "Nur eines verkünde ich heute, wie immerdar: Leiden und seine Vernichtung."
    Buddha

  • Quote from malsehen

    Ich würde mich sicherlich schwer tun, das Lebenswerk des letzten Nobelpreisträgers für Physik wirklich zu würdigen, aber alles dazu nötige liegt in mir oder in der mir zugänglichen Welt. Einen gewissen Grundstock an Intelligenz mal vorausgesetzt.


    Na, das könnte man jetzt auch so formulieren:


    Quote

    Ich würde mich sicherlich schwer tun, das Lebenswerk des Buddhas wirklich zu würdigen, aber alles dazu nötige liegt in mir oder in der mir zugänglichen Welt. Einen gewissen Grundstock an Vertrauen in die Lehre mal vorausgesetzt.


    Der nicht wirklich greifbare Begriff der notwendigen Intelligenz etwas zu verstehen ist genau so ein Totschlagargument wie das notwendige Vertrauen in eine Philosophie/Religion/Lebenseinstellung.


    Ich denke schon zu wissen auf was Du hinaus willst, und ich stimme Dir zu. Aber einen qualitativen Unterschied zwischen Religion und Wissenschaft stellst Du nicht heraus.

    Von mehreren Theorien, die die gleichen Sachverhalte erklären, ist die einfachste allen anderen vorzuziehen.


    Die Leute von denen Du am meisten lernen kannst sind die mit denen Du nicht einer Meinung bist.