Buddhismus und Alkohol + Gesellschaft

80 Antworten. Letzter Beitrag () ist von fotost.

  • Ich betrachte mich als geschätzten Nichttrinker. Mein alkoholfreies Bier fällt nicht auf und ich bin immer fleißig dabei, andere zum Trinken zu animieren: Na komm, eines geht noch… :D Ich genieße es also genauso, flüssige Gespräche zu führen und halte genauso durch, auch ohne „Alohol“.


    Persönlich kenne ich schon auch den Rausch als Schutz vor unangenehmen Gedanken und Gefühlen, als manipulierte Versöhnung. Das habe ich zwar kaum mehr notwendig, würde ich jedoch Alkohol konsumieren, so wäre die Verlockung zu einem sanften Rausch wohl bald dennoch da. Das erspare ich mir.


    Pascals Wette kannte ich nicht. Ich lese sie modern so, dass der Glaube an Gott Belohnungsreaktionen des Gehirns ermöglicht, die grundsätzlich gut sind. Sicher ist das aber kein Argument in der Art, als würde uns Christus die Wundmale hinhalten. Der Rausch am Vorabend scheint mir jedenfalls gar nicht zuträglich.

  • goodlife89:

    Hallo,


    ich finde es sehr schwer zu unterscheiden, ob der Alkohol per se als "schlecht" angesehen wird oder der Zustand, in den man kommt, wenn man zu viel getrunken hat. Einige schrieben hier von alkoholfreien Bier oder Medikamente, wie ist es damit? Ein Malztrunk für Kinder enthält ja schon < 0.5%.


    Ein alkoholfreies Bier macht mich auf jeden Fall schon ein bisschen beschwipst. Das glaubt dir zwar allgemein kaum einer, aber jeder der mal länger nichts getrunken hat wird das bestätigen können.


    Also gilt für mich auch dabei das es mir auf meinem Weg nicht unbedingt weiterhilft.

    Wichtig ist nicht, besser zu sein als alle anderen.
    Wichtig ist, besser zu sein als du gestern warst. (Dogen)

  • goodlife89:

    Hallo,


    ich bin neu hier und habe eine Frage zum Buddhismus und dem Konsum von Alkohol.
    Ich versuche meinen Körper stehst gesund zu halten, gesunde Ernährung, Sport und trinke keinen Alkohol/Rauche nicht.
    Ich bin umgeben von vielen Leuten (Studenten), die mich als Spielverderber sehen und sagen ich sei zu streng zu mir selbst. Alkohol ist unserer Gesellschaft in fast allen Anlässen vorhanden: Geburtstage, Feiern, Grillen etc. Langfristig habe ich gemerkt führt es dazu, dass Leute einen "unnormal" finden.
    Wie geht ihr damit um und der Buddhismus? Vielen Dank


    Deine Frage scheint weniger auf das Pro oder Kontra "Alkoholgenuss" zu zielen als vielmehr darauf ob man als "Buddhist" der sich an die 5 Silas halten möchte in unserer heutigen Gesellschaft salonfähig ist.


    Als Einführung, Erinnerung und um alle diskusionsteilnehmer auf den gelcihen stand zu bringen poste ich hier noch mal die 5 Sittenregeln.


    1. kurz zusammengefasst (aus dem buddh. Wörterbuch)



    2. wer es lieber im Original liest (aus dem Palikanon)



    Aus einem buddhistisch katechistischen Blickwinkel ist die Antwort klar:


    Das vernünftigste Verhalten besteht darin andere anzuspornen Alkohol zu meiden oder wenigsten sich darin zu mässigen und sich nicht zu Trinkgelagen anspornen zu lassen. Nun ist es aber so, dass auch in Deutschland Konsum von Alkohol und erlernen damit umzugehen Teil der individuellen Sozialisation ist. Alkohol(über-)konsum ist oft normal und wird nicht selten glorifiziert: s. Oktoberfest, Fasching etc.


    http://www.youtube.com/watch?v=Gz_GL-Lz8Kg


    http://www.youtube.com/watch?v=GgKZWS4Pa6g


    http://www.youtube.com/watch?v=-dy761s6gf0


    Zitat

    Langfristig habe ich gemerkt führt es dazu, dass Leute einen "unnormal" finden.


    Hier wird besonders deutlich, weshalb Buddha Hauslosigkeit, Abwendung und Askese erfand.

    "Der höchste Weg ist nicht schwer, nur ohne Wahl. Hasse nicht, liebe nicht, und es ist klar und eindeutig"

  • goodlife89


    Wie einige schon erwähnt haben, Alkohol ist auf keine grundsätzliche Weise gut oder schlecht. Wärst du ein Mönch, würdest schon genaue Regeln befolgen müssen. Da du Laie bist, liegt es in deiner eigenen Einschätzung. Fragen wie, wie viel du zu dir nimmst, welchen Einfluss der Konsum auf dich körperlich und geistig hat, auf dein Sozial-Verhalten und deine Praxis, sind alles Dinge die du selbst beurteilen musst. Der Verzicht ist eher eine Empfehlung als ein Gebot, denke ich.


    Eine andere Frage ist auch, ab wann man zuviel getrunken hat. Der Übergang ist fließend, bei regelmäßigem Konsum steigt die Tolleranzgrenze. Auch verfällt keiner freiwillig der Sucht. Man kann sich auch fragen was der Grund für den eigenen Durst ist, möglicherweise liegt darin nicht einfach nur der "leckere Geschmack", sondern eine unbewusste Tendenz unangenehmen Empfindungen wie Unruhe oder Langeweile zu entkommen. Dieser Trunk hat nunmal ein negatives Potential und da ein menschliches Leben sehr kostbar ist, sollte man gut drauf achten was man sich zumuten kann und was nicht.

  • ich fang automatisch an mehr (oder überhaupt) berauschende substanzen zu nehmen, wenn mein samadhi schwach ist.. ist für mich ein indikator mal wieder mehr zu meditieren :mrgreen:
    ist das samadhi stark merkt man die negativen auswirkungen jedes biers sehr deutlich. wer es nicht merkt, kann in meinen augen weiter saufen - sonst ist es eben nur blinder glaube und keine handeln aus erfahrung und vernunft.. oder eben als alternative mehr meditieren.
    man könnte es auch anders herum aufziehen: wer buddhist ist und bier trinken (kann), sollte mal mehr meditieren.. :mrgreen:

  • Hallo,


    ich finde es sehr schwer zu unterscheiden, ob der Alkohol per se als "schlecht" angesehen wird oder der Zustand, in den man kommt, wenn man zu viel getrunken hat. Einige schrieben hier von alkoholfreien Bier oder Medikamente, wie ist es damit? Ein Malztrunk für Kinder enthält ja schon < 0.5%.

    Ich habe mich jetzt extra angemeldet und hole einen älteren Thread hoch, man möge mir dies bitte verzeihen. In der Netz Recherche Buddhismus und Alkohol stieß ich auf diesen Thread, den ich für sehr lesbar halte, aber auch ich stehe immer wieder vor dem Dilemma, dass Alkohol per se nicht auszuschließen ist.

    Alkoholfreies Bier besitzt eine geringe Menge Restalkohol, das war mir klar und ich mochte den Geschmack auch nie, insofern kein Thema. Ich trinke auch keinen Alkohol, bin seit Jahren völlig abstinent, ernähre mich seit vielen Jahren Vegan.

    Da ich aber ab und zu mal ein Malzbier genieße, stehe ich hier doch vor einem Dilemma. Oder, wie verhält es sich speziell in der aktuellen Grippezeit, wenn man auf Medikamente zurückgreifen muss, die Alkohol als Basis mitbringen?


    Inwieweit man selbst in einen Rauschzustand verfällt, wenn man Tee trinkt, sei es nun schwarzer Tee oder Grüner Tee, vermag ich nicht zu sagen. Ich hatte jahrelang unter Kaffee tatsächlich Probleme, dass ich unruhig und unkonzentriert war (bin Autist, da soll es einen Zusammenhang geben), seit ich die oben genannten Teesorten trinke, ist das alles weg, selbst Chai klappt wunderbar und schmeckt. Aber, fallen auch diese Sorten durch den leichten Koffeinanteil unter "Rausch"?

    Mich würde eure Meinung dazu interessieren.

  • Ich meine, die Wirkung, nicht der Stoff, ist das Relevante. Somit geht es um die eigene Geisteshaltung und die persönliche Disposition.


    Alkohol ist auch in reifen Bananen, in Kinder Pingu und wird auch bei manchem Obst und Schokolade beim Verdauungsprozess im Körper hergestellt...

    Ein Alkoholiker bekommt aber keinen Rückfall, wenn er eine Banane isst - wenn er sich bewusst, um Alkohol zu konsumieren, Mon Cerie kauft, dann schon...


    Bei Nichtalkoholikern kommt es auf diese Mikromengen Alkohol überhaupt nicht an.

    „Atmen statt Denken." (Filmzitat aus „Mängelexemplar")

  • Mein Partner trinkt seit Jahren jeden Abend drei Flaschen Bier und er nimmt täglich zwei Praxiten und ich spreche mit ihm über Sucht. Dann kann ich ihn immer damit beruhigen das ich das so sehe das er in beiden Fällen Anhängig ist von dieses Drogen. "Wenn Du süchtig wirst kriegst Du richtig Ärger mit mir." Sucht heißt für mich das jemand die Dosis steigert.

    Jedes Extrem ist Leid erzeugend, sei es nun angeblich hilfreich oder nicht hilfreich.

    Ende der Fahnenstange. Ich wusste bisher nicht das da überhaupt keine ist.

    liebe Grüße. Helmut


  • Ich würde das nicht zu dogmatisch sehen. Ich trinke keine Alkohol weil ich einfach den "besoffenen" Zustand nicht mag und er mir auch gar nicht schmeckt. Ich sehe aber kein Problem darin wenn jemand hin und wieder mal ein, zwei Gläser Wein trinkt. Das Wichtige ist doch eher dass man sich nicht "berauscht" und wegen des Alkohols dann unheilsame Dinge sagt und tut.

  • Da würd ich mir keine Gedanken machen. Du hast beschlossen, abstinent zu leben. Das ist im Sinne der Buddha-Lehre, weil eben Alkohol den "Affengeist" noch mehr verwirrt. Die Tugendregel heißt "von Rauschmitteln Abstand nehmen." Eine Rumkugel, ein Apfelsaft, zwei Bananen etc. berauschen ja nicht. Und was Medikamente angeht - die hat der Buddha ja ausdrücklich erlaubt ;)


    Es geht um den Mittleren Weg. Dogmatisch und panisch nur noch Salat essen, weil da sicher kein Alk drin ist, nun, das ist nicht im Sinne der Lehre. Einfach achtsam sein und nicht konsumieren, was den Geist benebelt, dann lebst Du die Tugend straff.

  • Da würd ich mir keine Gedanken machen. Du hast beschlossen, abstinent zu leben. Das ist im Sinne der Buddha-Lehre, weil eben Alkohol den "Affengeist" noch mehr verwirrt. Die Tugendregel heißt "von Rauschmitteln Abstand nehmen." Eine Rumkugel, ein Apfelsaft, zwei Bananen etc. berauschen ja nicht. Und was Medikamente angeht - die hat der Buddha ja ausdrücklich erlaubt ;)


    Es geht um den Mittleren Weg. Dogmatisch und panisch nur noch Salat essen, weil da sicher kein Alk drin ist, nun, das ist nicht im Sinne der Lehre. Einfach achtsam sein und nicht konsumieren, was den Geist benebelt, dann lebst Du die Tugend straff.

    Ja, in der Tat wird immer vom Mittleren Weg gesprochen.

    Der Terminus Mittlerer Weg war aber auf die Interpretation der Leerheit bezogen und nicht auf dem Lebensstil. Die extreme vermeidend zwischen Nihilismus und Eternalismus, so wie es Nagarjuna in der Madhyamaka Sichtweise dargelegt hat.

    Ich weiß nicht woher das kommt das der Mittlere Weg im Sinne vom Lebensstil interpretiert wird.

    :buddha: Es geht immer darum, sich in die Unannehmlichkeiten des Lebens hineinzulehnen und sich diese ganz genau anzuschauen. :buddha:

  • S.56.11. Vom Vollendeten Gesprochenes - Dhammacakkappavattana Sutta


    Das hab ich gehört. Zu einer Zeit weilte der Erhabene bei Benares am Sehersteine im Wildparke. Dort nun wandte sich der Erhabene an die fünf verbündeten Mönche:

    "Zwei Extreme sind, ihr Mönche, von Hauslosen nicht zu pflegen. Welche zwei?

    • Bei den Sinnendingen sich dem Anhaften am Sinnenwohl hingeben, dem niederen, gemeinen, gewöhnlichen, unedlen, heillosen; und
    • sich der Selbstqual hingeben, der schmerzlichen, unedlen, heillosen.

    Diese beiden Extreme vermeidend, ist der Vollendete zum mittleren Vorgehen erwacht, das sehend und wissend macht, das zur Beruhigung, zum Überblick, zur Erwachung, zum Nirvāna führt.

    Ende der Fahnenstange. Ich wusste bisher nicht das da überhaupt keine ist.

    liebe Grüße. Helmut


  • Mir wurde von meiner damaligen buddh. Lehrerin vor vielen Jahren gesagt, dass es im 5. Sîlam vor allem darum gehe, nicht das Bewusstsein zu trüben. Es gehe auch nicht nur um Alkohol, sondern um alle Rauschmittel. Man soll "nüchtern" sein, das ist der Sinn dieses Sîlam, und das umfasst viel mehr als Alkohol. Und die winzige Menge Alkohol in den Hustentropfen, die ich zur Zeit nehme, weil ich schwer erkältet bin, trüben mir sicherlich nicht das Bewusstsein.

  • Okay, das macht Sinn und war mir soweit klar, aber wenn ich die Tugenden tatsächlich sehr straff lebe, laufe ich doch permanent in kleine Fallen, in denen mit Alkohol fast untergeschoben wird oder ich ihn zu mir nehmen muss, wie im Falle von Medikamenten. Wie handhabt ihr das denn?

    Wozu "straff leben"? Soll das Sicherheit geben?

    Prinzipien müssen ja einen Zweck erfüllen und sind nicht Selbstzweck. Ziel ist ja ein klarer Geist, Freiheit von Sucht und die geistige Freiheit, sich auf den Dharma zu konzentrieren. Ich glaube, der ewige Druck ob hier und da ein Mü von irgendwas drin ist, lenkt nur vom Wesentlichen ab.

    Und wenn man krank ist, nimmt man natürlich die notwendigen Medikamente. Alles andere macht überhaupt keinen Sinn.

    „Atmen statt Denken." (Filmzitat aus „Mängelexemplar")

  • Wozu "straff leben"? Soll das Sicherheit geben?

    Prinzipien müssen ja einen Zweck erfüllen und sind nicht Selbstzweck. Ziel ist ja ein klarer Geist, Freiheit von Sucht und die geistige Freiheit, sich auf den Dharma zu konzentrieren. Ich glaube, der ewige Druck ob hier und da ein Mü von irgendwas drin ist, lenkt nur vom Wesentlichen ab.

    Und wenn man krank ist, nimmt man natürlich die notwendigen Medikamente. Alles andere macht überhaupt keinen Sinn.

    Wozu straff leben ist recht einfach erklärt. Ich habe mich im passenden Thread vorgestellt und meine persönliche Situation dabei erläutert. Mich macht aus, dass ich Autist bin, deswegen etwas abseits der neurotypischen Norm. Ich "brauche" gewisse Strukturen im Leben. Regeln. Feste Abläufe. Nenne es, wie du möchtest. Die Tugenden sind für mich eben genau das und mir fällt es leichter, mich daran zu orientieren, weil ich mich dadurch auch ein Stück weit besser "steuern" kann, wenn du verstehst.

    Ich besitze keinen Druck, fühle mich auch nicht abgelenkt.


    Ich hatte meine Frage bezüglich Rausch, Alkohol, etc eher als Meinung gestellt. Meinen eigenen Weg kenne ich, aber hin und wieder spreche ich mit Menschen, die mit dem Buddhismus wenig zu tun haben, und da ist die Argumentation für mich ein Stück weit einfacher, wenn ich auch andere Meinungen kenne.

    Die Tugenden sind für mich nicht schwer zu befolgen. Ich kann, als Autist, nicht lügen. Spreche meine Gedanken immer ungefiltert heraus. Bin ein sehr sehr treuer Mensch, ging nie fremd, etc. Ernähre mich seit den 1980ern vegan, trinke nie, rauche nicht. Gehe immer den rechten Weg, weil ich das anders gar nicht hinbekommen würde. Wie gesagt, ich besitze genügend Freiheit, trotz Tugenden.

  • Ah, okay - das versteh ich dann.

    Jeder hat seinen eigenen Weg und das ist gut so. Ich meine, es ist gut, wenn man selbstständig einen Weg findet, mit dem man klarkommt.


    Ich persönlich trinke keinen Alkohol und das auch ganz strikt. Mir gibt das Freiheit, weil ich keine inneren Diskussionen mehr darüber habe, ob und wieviel ich wohl trinken soll. Es ist auch ein wunderschönes Gefühl, auf Parties bei Mineralwasser zu bleiben. Das beste Getränk ist das.

    Auch meide ich strikt Cannabisdämpfe. Passiv mitrauchen kommt für mich nicht in Frage - nicht aus Prinzip, sondern weil ich davon beeinträchtigt werde.

    Andere Leute haben sowas nicht, verstehen es nicht, aber das ist mir ja egal. Ich muss auf mich selber aufpassen, wie ich kann.


    Vegan zu leben, andererseits, würde mich persönlich zum Durchdrehen bringen. Zu viele Regeln. Ich glaube, ich würde eine Essstörung entwickeln. :rose:

    „Atmen statt Denken." (Filmzitat aus „Mängelexemplar")

  • Hallo Tiefgänger,

    wie Du ja weißt, wird das Thema Alkohol im Damantweg nicht ganz so streng gehandhabt, wie beispielsweise im Theravada (mal ganz allgemein gesprochen).


    Ich muss ehrlicherweise schon sagen, dass ich es etwas seltsam fand, dass im Zentrum der ein oder andere nach der Meditation ein Bier geschlürft hat.


    Ich trinke keinen Alkohol (mehr) seit ich die fünf Silas für mich angenommen habe, weil es mir schlicht und einfach plausibel erscheint und ich in meiner Persönlichkeitsstruktur schon so etwas wie einen unheilsamen Hang habe, Dinge, die ich als angenehm empfinde oder die mir Spaß machen im Übermaß zu nutzen. War als Kind schon bei Süßigkeiten so.


    Ich denke, dass diese Entscheidung aber auch jeder für sich selber treffen muss.

  • Vegan leben ist einfacher, als es auf den ersten Blick wirkt. Ich lebte ein Jahr Vegetarisch, zeigte da allerdings allergische Reaktionen, die auf Milchprodukte und auf Käse zurückzuführen waren. Da ich mit Tieren groß geworden bin, war der Schritt auf das Vegane dann nur logisch. Man lernt das Essen wertzuschätzen, wenn man viel selbst anbaut im heimischen Garten und auch generell genauer hinsieht.

    Mittlerweile ist der Handel/Discounter schon recht gut auf Vegan eingestellt, die Palette an Produkten wird stetig mehr. In der Anfangszeit war es sicher schwer, weil man überall genau hinsehen musste. Man staunt immer wieder, in welch vermeintlich pflanzlichen Lebensmitteln dann doch Ei oder irgendein anderes tierisches Fett enthalten ist. Im Laufe der Zeit weiß man dann eben, was man sorglos kaufen kann und was eher nicht.

    Es gibt hunderte von veganen Rezepten, soll heißen, man verhungert nicht :)


    Sollte das jetzt zu OT sein, bitte sagen.

  • Mit Angst vor Verhungern hat es bei mir nichts zu tun, auch nicht Angst vor dem Verlust von Genuss. Ich möchte mich einfach nicht so viel mit Essen befassen. Eine einfache Bewusstheit über die Ernährung reicht mir - und dann ist aber auch gut.

    „Atmen statt Denken." (Filmzitat aus „Mängelexemplar")

  • Ich will jetzt niemand zu nahe treten.


    Aber Buddha hat sich in seinem goldenen Käfig eventuell das eine oder andere mal was reingepiffen.


    Das wäre eine Möglichkeit aufgrund dessen, er später so streng auf die Thematik reagierte.


    Noch wahrscheinlicher ist, dass er als Vorbild dienen musste, also auch eine Meinung vertreten.


    Man muss zusätzlich davon ausgehen, daß er schon vorher weiß, wer sich an die Regeln hält und wer nicht.


    Außerdem haben scheinbar ein Haufen Leute ihre Neurosen nicht im Griff und verwechseln das mit Spiritualität. Entweder ich will Genießen oder ich will Entbehren, die Entscheidung ist das Problem.


    Und was jetzt jedem zu hoch sein "muss" - worin liegt mehr Genuß - im Genießen oder Entbehren?


    Letztendlich leben sowieso alle im Schlarraffenland.

  • ..

    Alkoholfreies Bier besitzt eine geringe Menge Restalkohol, das war mir klar und ich mochte den Geschmack auch nie, insofern kein Thema. Ich trinke auch keinen Alkohol, bin seit Jahren völlig abstinent, ernähre mich seit vielen Jahren Vegan.

    Da ich aber ab und zu mal ein Malzbier genieße, stehe ich hier doch vor einem Dilemma. Oder, wie verhält es sich speziell in der aktuellen Grippezeit, wenn man auf Medikamente zurückgreifen muss, die Alkohol als Basis mitbringen?

    Die Meinung des Buddha dazu ist vollkommen eindeutig.


    Wenn es medizinisch erforderlich ist, hat er selbst für Mönche, die ein sehr geregeltes Leben führen, den Gebrauch von Alkohol akzeptiert.

    Die Fürsorge für andere, das Mitgefühl drückt sich in hier in einem riesigen Katalog von Ausnahmen an den ansonsten engen Regeln aus.


    Das fängt an mit der Erlaubnis, Dinge zu besitzen, die wegen einer Krankheit erforderlich sind, geht über diätische Sonderregeln, wie die Erlaubnis rohes Fleisch zu essen bis zur ausdrücklichen Erlaubnis von Alkohol unter besonderen Bedingungen


    Zitat

    ...

    Zu jener Zeit bekam der ehrwürdige Pilindavaccha das Windge­brechen (Blähun­gen). Die Ärzte sagten: Öl soll gekocht werden. "Ich erlaube, ihr Mönche, gekochtes Öl." In dieses gekochte Öl soll Alkohol getan werden. "Ich erlaube, ihr Mön­che, Alkohol in gekochtem Öl." Zu jener Zeit hat die Sechsergrupp­e Mönche das gekochte Öl mit zuviel Alkohol versehen. Jenes getrunken ha­bend, wurden sie betrunken. "Nicht, ihr Mönche, soll man mit zuviel Alkohol ver­sehenes gekochtes Öl trinken. Wer so trinkt soll nach dem Gesetz behandelt werden
    (= pācit­tiya-Vergehen). Ich erlaube, ihr Mön­che, gekochtes Öl, in dem Alkohol weder durch Farbe, noch durch Geruch, noch durch Geschmack zu erken­nen ist, derartiges, mit Alkohol ver­sehenes, gekochtes Öl, zu trinken." (1)

    MV.VI.14 http://www.palikanon.com/vinaya/mahavagga/mv06_01-15.htm

    Für denjenigen, den es ernsthaft interessiert empfehle ich die ganze Sutta zu lesen. Am besten in einer Langform, in der die ganzen Wiederholungen voll ausgeschrieben sind.

    Buddha macht hier sehr klar um was es geht - die Gesundheit von Menschen für die er verantwortlich ist. Er fragt nicht, wie der Mann im Pfeilgleichnis, sondern er handelt und entscheidet zweckmäßig. Vielleicht auch im Alltag, ohne Krankheit und für nicht-Mönche ein guter Ansatz.