Begriffe im Pāḷi: Bedeutungsklärung

59 Antworten. Letzter Beitrag () ist von Spock.

  • Moin,


    ich mach mal den Anfang.


    āhārā


    Bedeutet laut Wörterbuch im wörtlichen und figurativen Sinne: 'füttern', 'unterstützen', 'Futter', 'Nahrung'.


    Es findet Anwendung bei bei der Aufzählung von Nahrung für Körper, Sinneskontakt, Wille/Denken und Bewußtsein (z.B. in S.12.64 Atthirāga-Sutta).


    Kommt von ā + hṛ, angeblich wörtlich: 'auf sich nehmen' oder 'annehmen'.


    Macht ja total Sinn: das ist etwas, das auf- oder angenommen wird und damit als Unterstützung wirkt.


    Nun, genau das ā vorweg verstehe ich nicht.


    • hṛ
      hab ich im Pali nicht gefunden, dafür im Sanskrit: (mit-)'nehmen', (weg-)'tragen'.
      Im Pali dann auch entdeckt har bzw harati: 'tragen', 'mit sich nehmen'.
      .
    • ā
      2. (Als Vorsilbe von Verben und Substantiven)
      a) im Sinne von 'nahe', 'nahe bei', 'zu... hin', 'von allen Seiten', 'überall herum' (siehe die entsprechenden Verben)
      b) Bei Verben der Bewegung - nehmen, tragen etc., zeigt es die gegenläufige Handlung an: gehen->kommen, geben->nehmen, wegtragen->bringen[/quote]
      Im Pali habe ich lediglich a als grundsätzlich die Wortbedeutung negierende Vorsilbe ausmachen können.


    Hier stehe ich auf dem Schlauch.


    Die Bedeutung unter 2. a) macht ja Sinn, aber laut 2. b) müsste āhārā doch wörtlich 'geben' oder 'bringen' bedeuten, und nicht 'auf sich nehmen' oder 'annehmen'.


    Jemand ne Idee?


    Schöne Grüße


  • Wieso, entweder gilt hier die Bedeutung unter 2.a und die unter 2.b nicht, oder wenn beides gilt dann bedeutet es eben "nahe zu mir bringen". Oder?


    Hellmuth Hecker schreibt übrigens in "Kleines Wörterbuch zur Palisprache" zur Vorslilbe a: verneinend, nicht, un-, kein, ohne.
    Und zu ā: bejahend, verstärkend, unterstreichend

  • Hallo mukti,

    mukti:


    Wieso, entweder gilt hier die Bedeutung unter 2.a und die unter 2.b nicht,
    oder wenn beides gilt dann bedeutet es eben "nahe zu mir bringen".
    Oder?


    Wenn beides gelten sollte, warum dann die konkrete Unterscheidung in 2.b von den anderen Verben.


    Also, mal ganz vereinfacht und etwas übertrieben:


    hṛ = nehmen, tragen


    a) ā + hṛ = nahe (zu sich) nehmen, nahe (bei sich) tragen
    b) ā + hṛ = geben, ablegen


    Oder?



    mukti:

    Hellmuth Hecker schreibt übrigens in "Kleines Wörterbuch zur Palisprache" zur Vorsilbe a: verneinend, nicht, un-, kein, ohne.
    Und zu ā: bejahend, verstärkend, unterstreichend


    Zu ā fand ich auch noch 'ja' und 'sehr' im Sinne der Zustimmung, allerdings als Partikel oder Interjektion, nicht als Präfix.


    Gruß


  • Hm, weiß ich jetzt auch nicht.

  • Mirco:

    dieser Thread soll dienen der Diskussion und Hilfe zur Klärung von der Bedeutung verschiedenster Pāḷi-Begriffe.


    Muss man bei einem Begriff zu einem Abschluss kommen, bevor man zum Nächsten übergeht, oder kann das durcheinander gehen?

  • mukti:
    Mirco:

    dieser Thread soll dienen der Diskussion und Hilfe zur Klärung von der Bedeutung verschiedenster Pāḷi-Begriffe.

    Muss man bei einem Begriff zu einem Abschluss kommen, bevor man zum Nächsten übergeht, oder kann das durcheinander gehen?


    Hallo mukti,


    nein, es muß nicht erst zu einem Abschluss kommen. Damit es etwas übersichtlich bleibt, ist es erwünscht, den Begriff in den Betreff zu setzen.


    Also, nicht einfach antworten, sondern auch die Betreffszeile oben ändern.


    Schöne Grüße,
    Mirco

  • wirklich formlos : Auch wenn eine form wahrnehmbar ist bleibt das Wahrgenommene wirklich formlos. Das heißt das die Form durch Nachdenken entsteht und sei es eine Benennung, lässt sich nicht auf das Wahrgenommene zurück führen. Die daseiende form ist wirklich formlos, die Form entsteht im assoziierendem Denken. Die Form ist Gedacht, die form ist wirklich formlos bis der Mensch sie benennt, doch das ändert die wirkliche form nicht, alle Benennungen haben nichts mir ihr gemein.


    (derart) formhaft : Die form ist eben nur als Denken Formhaft. Baum bekommt das derart formhafte nur dadurch das ich das Wahrgenommene als Baum erkenne aber dieses Baum erkennen ist derart formhaft und nicht die wirklich formlose Wirklichkeit der Form die ich Wahrnehme. Baum ist die derartige formhaftigkeit die nur als Metapher dient um Dir einen Begriff zu geben von dem was ich glaube wahrzunehmen. Beide nehmen wirklich formlos wahr und nur durch die Metapher/Benennung/Bewertung ist es derart formhaft.


    Quelle: Buddhaland, Zen, Palikanon, mein formhaftes denkendes, erinnerndes (derart)Formhaftes.


  • Hat vielleicht direkt mit Form oder formlos nicht viel zu tun, dann wäre eine passende deutsche Übersetzung: dergestalt (so, auf diese Weise, dermaßen).

  • ich denke mal laut, vllt sieht man dann besser wieso ich das nicht richtig verstehe.


    jivita wird auch als verb benutzt,
    ayu glaub nicht.
    bei jivita steht individuell,
    bei ayu sind es eher allgemeine beschreibungen (zb lebenskraft),
    aber bei beidem steht das wort "leben" und "lebensspanne", also ganz allgemein.


    wenn ich jetzt n satz bilde "ich lebe im wald.", dann nehme ich vermutlich jivita (weil verb).
    wenn ich aber sage "das leben im wald ist anstrengend.", muss ich dann ayu oder jivitam nehmen?
    nach den bisherigen bedeutungen muesste es ja quasi heissen:
    ayu: die lebensspanne (an sich) im wald ist anstrengend.
    jivitam: das leben (von mir) im wald ist anstrengend.
    oder ist das jacke wie hose und es kommt auf den kontext an?


    darum frug ich, ob das eine allgemein oder "konventionell" gebraucht wird und das andere im buddhistischen kontext. ich wuerde gerne selber in den texten nachlesen, aber dafuer fehlt mir das noetige vokabular... ich hab mir tote sakralsprachen iwie leichter vorgestellt.

  • Zitat

    Jiva (Sanskrit जीव jīva , wörtl. Leben) oder Jivatman ist in der indischen Philosophie das individuelle Selbst oder die Seele. Es bezeichnet den Atman, der dem physischen und feinstofflichen Körper Leben verleiht. Der Jiva ist nicht das mentale Ich-Empfinden, das von der Natur für ihren zeitbegrenzten Zweck konstruiert wurde, sondern ist der Natur übergeordnet, erhaben über Geburt und Tod. Dieses individuelle Selbst gilt als das ewige, wahre Wesen des Individuums, das nicht geboren wird und auch keine Evolution durchläuft. Vielmehr lenkt es die individuelle Geburt und Evolution.


    (https://de.wikipedia.org/wiki/Jiva)


    Zitat

    Der Ayurveda (Sanskrit, m., आयुर्वेद āyurveda, „Wissen vom Leben“; andere Schreibweise Ayurweda) ist eine traditionelle indische Heilkunst, die bis heute viele Anwender in Indien, Nepal und Sri Lanka hat.


    (https://de.wikipedia.org/wiki/Ayurveda)


    Vielleicht betrieb der Leibarzt des Buddha auch schon Ayurveda?



    Viele Grüße
    Elliot

  • Dhamma zum Gruße,



    passambhati taucht, wie ich finde, an wichtiger Stelle in einem
    wichtigen Sutta auf, nämlich gleich am Anfang der Anweisungen zur
    Atembetrachtung im Mahāsatipaṭṭhānasuttaṃ (Grundlagen der Achtsamkeit, M10).


    Wichtige Stelle deshalb, weil ein Grundanleitung zum einem der acht
    Elemente der Methode des Buddha gegeben wird. Falsch verstanden,
    denke ich, führt sie nicht so schnell oder gar nicht zu Nibbana, wie es
    von ihm aus Mitgefühl aber wohl gewollt war.


    Zitat

    passambhayaṃ kāyasaṅkhāraṃ assasissāmī’ti sikkhati,
    passambhayaṃ kāyasaṅkhāraṃ passasissāmī’ti sikkhati.


    Übersetzt wird es gerne mit beruhigen oder zur Ruhe kommen
    (to calm down, quiet, allay), also zum Beispiel so:

    Zitat

    'die körperlichen Gestaltungen beruhigend einatmen', so übt er sich;
    'die körperlichen Gestaltungen beruhigend ausatmen', so übt er sich.


    Ich finde, es hat weit mehr zu bieten.


    Bei Interesse passambhati zu besprechen, bitte Zeichen geben.



    Alles Gute

  • Zitat

    "Das Einatmen und das Ausatmen ist körperlich, diese Zustände sind eng mit dem Körper verbunden; deshalb ist das Einatmen und das Ausatmen die Gestaltung des Körpers."


    "Assāsapassāsā kho, āvuso visākha, kāyikā ete dhammā kāyappaṭibaddhā, tasmā assāsapassāsā kāyasaṅkhāro."


    (Majjhima Nikāya 44: Die kürzere Reihe von Fragen und Antworten - Cūḷavedalla Sutta)


    Was über Beruhigen hinaus verbindest Du mit passambhati?


    Viele Grüße
    Elliot

  • Hallo,

    Elliot:
    Zitat

    "Das Einatmen und das Ausatmen ist körperlich, diese Zustände sind eng mit dem Körper verbunden; deshalb ist das Einatmen und das Ausatmen die Gestaltung des Körpers."


    "Assāsapassāsā kho, āvuso visākha, kāyikā ete dhammā kāyappaṭibaddhā, tasmā assāsapassāsā kāyasaṅkhāro."


    (Majjhima Nikāya 44: Die kürzere Reihe von Fragen und Antworten - Cūḷavedalla Sutta)


    Was über Beruhigen hinaus verbindest Du mit passambhati?


    Nachdem ich jetzt eine Weile darüber nachgesonnen habe, dass Atmen eine rein körperliche Gestaltung sein soll, bin ich mir meiner vorigen Gedanken zu passambhati nicht mehr so sicher. Vorher ging ich davon aus, dass bei passambhayaṃ kāyasaṅkhāraṃ assasissāmī mit kāyasaṅkhāra nicht nur die rein physischen Gestaltungen des Knochensacks gemeint sind, sondern dass immer auch eine untrennbare, sich gegenseitig beinflussende Verbindung zu den geistigen Gestaltungen besteht, dass beides untrennbar miteinander in Interaktion steht und das auch so gemeint ist. Beruhigter (vertrauender) kāyasaṅkhāraṃ als ganzes, als Körper-Geist-Einheit.


    Nun will ich es aber doch hierlassen.


    Gebildet wird es aus der Wurzel sambh (pi) oder śrambh (sk). Das bedeutet erst einmal Vertrauen (trust, faith).
    Auf den ersten Blick nur logisch, denn Beruhigung ist Teil von Vertrauen.


    Was mich stutzig machte, waren die weiteren Einträge 1, 2 für śrambh. Da findet sich neben vertrauen nämlich folgendes:


    entspannen, lösen, lockern
    oder
    1. nachlässig oder unaufmerksam sein (to be careless or inattentive, be negligent)
    2. sich irren, auf abwegen sein (to err)
    erst bei 3. vertrauen (to trust, confide)



    Wie schafft es nun nachlässig oder unaufmerksam sein und auf Irrwegen sein zur Beruhigung/Entspannung. Würde gerne mal die Etymologie zu śrambh wissen. Klar, wer nicht ständig den die Aufmerksamkeit auf den Weg heftet und ihn aus den Augen verliert oder wer sonst wie nachlässig sich verhält, der kommt nicht zu dem erwarteten und bekannten Ergebnis. Aber vielleicht hat es śrambh gerade deshalb in diese Übungsanweiung geschafft, denn der Weg der bisherigen, brahmanischen Meditation hatte den Bodhisatta ja nicht weiter gebracht. Nur so ein Gedanke...


    Gruß