Schlafprobleme durch Meditation

12 Antworten. Letzter Beitrag () ist von sakko.

  • Liebe Leute,


    in einem anderen Beitrag habe ich schon viele wertvolle Tipps zu einem Phänomen erhalten, welches mir beim Meditieren widerfährt.


    Hier noch eine andere Frage, die mich sehr beschäftigt, da mich das Beschriebene vom Meditieren abhält:


    Momentan merke ich eine innere Unruhe/Angst durch das Meditieren. Ich kann dann abends schlecht einschlafen weil ich diesen meditativen Zustand der Selbstbetrachtung und Konzentration irgendwie nicht abschalten kann.
    Habe deshalb aufgehört abends zu meditieren. Diese "Nebenwirkung" finde ich schade, da die Ruhe beim Sitzen mir eigentlich gut tut.


    Es ist nicht so, dass ich nicht müde wäre, obwohl eine gewisse mentale Erhohlung durch die Meditation durchaus eintritt. Es ist mehr so, als könne ich durch die Selbstbetrachtung, die dann automatisch abläuft, nicht mehr loslassen und nicht in den Schlaf fallen. Ich kann auch aus irgendeinem Grund nicht tief Gähnen, das Gähnen bricht sozusagen auf halber Strecke ab, weil es sich beobachtet fühlt :wink:


    Es wird wohl damit zusammenhängen, das ich zu viel zu kontrollieren versuche, wenn auch eher unbewusst, da ich bewusst ja eher loslassen möchte, was mir in der Meditation an sich auch gut gelingt.


    Ich habe das schon einmal vor Jahren nach einem acht Tage Schweigeseminar gehabt, danach konnte ich kaum noch schlafen.


    Ich wäre hier für hilfreiche Tipps sehr dankbar. Kennt Ihr das auch? Dies auch meine letzte Frage, da meine Meditation ansonsten für mich wunderbar ist. :roll:

  • Hi greenroom,


    Ich kenne das nur zugut. Halt dich an diese Empfehlung:


    Wenn Schlafenszeit, dann nur Schlafenszeit. Keine Meditation, kein Beobachten, kein Kontemplieren und zwar schon 2-3 Stunden vor dem Schlafengehen. So ähnlich wie beim Sport.


    Es stimmt zwar schon, dass mit dem Meditieren Enstpannung miteinhergeht, jedoch balanciert sich diese Entspannung zunehmend mit Wachsamkeit. Der Energielevel des Körpers verändert sich auf eine Weise die ungeeignet für ein leichtes Einschlafen ist. Das ist eine individuelle Frage, es gibt viele die solche Probleme nicht haben und problemlos vor dem Schlafen meditieren können. Ihre Wachheit geht eher in einen Luzidität beim Träumen ein. Ich gehöre nicht dazu. Bisschen Schauen, Überlegen, usw. und schon kommt es zu Energieschüben die einen gesunden Schlaf zunichte machen. Sowas wie autogenes Training würde es auch auslösen.


    Vermeide es auch Abends noch lange vor dem künstlichen Licht von irgendwelchen Displays zusitzen. Lese am besten einfach ein Buch, irgendeinen Roman. Etwas was nichts mit Spiritualtitä zu tun hat und dich inspirieren könnte. Das bruhigt auch und bringt einen auf andere Gedanken. Vergiss was Mediation ist wenn Abend ist. Verlagere besser jede Art von Mediation auf den Rest des Tages.

  • Hallo greenroom!


    Wenn du das mit der Selbstbeobachtung Abends machst solltest du das am Abend wirklich nicht tun, ich nehme an das es dich eher aufwühlt wenn damit Unruhe und Ängste kommen. Ganz klar, das macht wach und dein Körper ist unter Spannung.
    Entweder du hörst wirklich am Abend auf mit dem Beobachten und Selbstanalyse oder du nimmst dir Bewusst während der Medi an einem von dir gewissen Punkt vor dann langsam damit aufzuhören und Fokussierst dich dann nur noch auf deinem Atem, dabei kannst du auch deinem Atem ganz ruhig und bewusst wahrnehmen( Ein, Aus). Nehm dir wenn du bereit und nach ner gewissen gefühlten Zeit vor, die Fokussierung auf dem Atem auch zu lassen. Fühl einfach nur in einer beruhigenden Weise wie sich deine Bauchdecke hebt und senkt. Den Atem nur noch kommen und gehen zu lassen, überlass das deinem Körper. Irgendwann, Geh langsam aus der Medi raus , steh langsam auf, Gähn n paar mal :) und leg dich einfach nur noch schlafen. Da ist nichts dabei. Denk nicht mehr nach. Sinn den Dingen nicht mehr hinterher. Lass das einfach.
    Ach ja, es gibt nicht nur die eine Form von Meditation des Beobachtens :wink:


    Liebe Grüsse und Gute Nacht

    Ja, manchmal weiss ich nicht was ich über die Dinge denken soll und dann lass ich es. Und dann sind die Dinge so wie sie sind.

  • Vielen Dank für Eure hilfreichen Antworten.
    Schon mal beruhigend zu hören, das andere das auch kennen.
    Abends Pause zu machen und sich auch mal abzulenken wird sicher gut sein. Ich will auch mal Metta praktizieren.
    Die Unruhe und Angst hängt wohl auch damit zusammen, das die Meditation (Vipassana und Satipatana mache ich, also Atemberrachtung zentral) bei mir durchaus wirkungsvoll ist. Ich bemerke Veränderungen, muss mich dann erstmal wieder orientieren und sammeln weil ja nicht ganz klar ist, was da alles so ausgelöst oder bewusst gemacht wird. Nicht einschlafen zu können kann mich dann auch etwas aus dem Lot bringen aber ich denke Metta ist ein gutes Mittel mich positiv und leichter auszurichten und in eine gewisse Zufriedenheit und Harmonie zu finden.

  • Ich kenne das, als ich anfing Shamata zu üben. Das war neu und wirkungsvoll und dadurch so anregend, als ob eine Neonleuchte angeknipst worden wäre. Das war erstmal erschreckend weil unbekannt.
    Ich hab dann diese Art Meditation lieber auf morgens verlegt. Ein super Start in den Tag. :)
    Mit der Zeit habe ich mich an die Methde gewöhnt und kann sie jetzt ohne Nebenwirkungen jederzeit ausüben. Jetzt finde ich es sehr schön vor dem Schlafengehen.


    Es ist also alles immer in Bewegung und in Entwicklung. Man muss Wege für sich finden.

    „Atmen statt Denken." (Filmzitat aus „Mängelexemplar")

  • Hi,


    das kenne ichauch. Meistens kann ich gleich nach dem Meditieren aber gut einschlafen.


    Wenn es aber doch mal wieder passiert, dass ich falsch meditiere und dann wach wie nach zehn Kaffee da hocke, ist das echt unangenehm. Manchmal habe ich dann etwas im Geist, das ich nich loslasse, nicht gehen lasse. Oder ich war während der Meditation zu gespannt, zu gerichtet und jetzt ist zu viel Energie da. Es ist zum Glück nur noch die Ausnahme.



    Schöne Grüße

  • @ greenroom:

    Zitat

    Es wird wohl damit zusammenhängen, das ich zu viel zu kontrollieren versuche, wenn auch eher unbewusst, da ich bewusst ja eher loslassen möchte, was mir in der Meditation an sich auch gut gelingt.


    Ja, denke schon. Bei mir geht das manchmal auch damit einher dass ich in einer existenziell schwierigen Lebenssituation eh schon zur Kontrolle tendiere und dies dann faktisch mit rein nehme in das Zazen. Mantra "singen" oder hören, einfach mal Lauschen, einfach nur Gehen, bisschen Schreiben, Malen, Gartennarbeit kann die Anspannung lösen. Metta ist sehr gut auch vorm Einschlafen-nicht nur. Es vermittelt ein Gefühl der Geborgenheit, finde ich, ganz abgesehen vom Sanftmut. Liebevolle Güte ist ein wirkungsvolles Mittel um Angst zu beschwichtigen. Und schlichte Erdung, der ( freundliche ) Körperbezug gut um Unruhe zu mildern. Achtsamkeit und Sammlung sollte nicht drängend sein, nur so sanft, wie ein Vogel der sich auf einen Zweig setzt. Jeder Zwang versetzt einen in Unruhe und Niedergeschlagenheit, finde ich, weil man ja für und gegen was agiert. Und das stresst einfach und stemmt sich auch gegen die natürliche Entfaltung.


    Alles Gute.

  • Hi,
    die Zeit, in der man sich vertiefen soll, ist nach dem Essen, mittags.
    Bei mir geht das nicht weil ich nur morgens in bester geistiger Verfassung bin.
    Mit dieser Selbstbeobachtung sollte man nicht in diese zwanghaften Bereiche einsteigen.
    Es gibt noch die Möglicheit durch den zweiten Pfeiler, bei den vier Pfeilern der Einsicht: Die Gedanken und Gefühle beobachten wie sie kommen und gehen. Das wirkt sich auch auf die gesamte Achtsamkeit aus ist aber weniger zwanghaft.


    sakko

  • Es gibt sehr viele Arten der Meditation, bzw kann man verschiedene Dinge bei der Meditation mehr betonen als andere. Wenn ich mich an meine Meditationen erinnere, dann kommt es mir fast so vor, als ob es jedesmal anders wäre.


    Beobachten des Atems, wie beobachtet man den Atem? Beobachtet man die Nasen und bemerkt wie die Luft rein und rausströmt. Folgt man einem imaginären Punkt des Atems der von Aussen kommt durch die Nase eintritt, in den Hals kommt, in den Lungenflügeln verschwindet, dann wider duch die Luftröhre nach oben aus der Nase heraus nach Draussen geht? Nimmt man das heben und senken des Bauches wahr? Und etwa die Nase garnicht? Bemerkt man einen Geruch dabei? Fühlt man wie sich durch das Einströmen der Luft die Nase abkühlt. Ist die Luft belebend oder eher warm, stickig und einschläfernd? Atmet man gar durch das linke Nasenloch ein und durch das Rechte aus und dann durch das Rechte ein und dann durch das Linke aus ? Geht die Atmung insgesamt eher gegen Hyperventilation oder wird sie immer flacher, das wirkt sich nach meiner Beobachtung auch auf die Wachheit und Müdigkeit aus. Lädt dich die Atemluft mit Energie auf? Oder beruhigt sie eher? Kommen Ein und Ausatem genau gleichmäßig oder ist eines von Beiden mehr betont. Ich habe manchmal Sitzungen bei denen der Einatem ehr kräftig und ruckhafter ist, und dann das Ausatmen langsamer ist. Und dann wieder andere Sitzungen bei denen ich langsam eingeatmet habe und er stoßweise ausatmete so ähnlich wie bei einem Seufzer. Habe ich ein Konzept davon wie der Rhythmus des Atems sein sollte und folge ich dem jedesmal, vielleicht sogar schon automatisch, oder kann sich der Rhythmus des Atems während einer Sitzung vielleicht sogar ändern , oder ist er von Sitzung zu Sitzung manchmal unterschiedlich?
    All das könnte man mit "den Atem betrachten" umschreiben, doch sind da viele Unterschiede.
    Wie geht man mit seinen Gedanken dabei um? Also wenn ich beobachte wie sich der Atem gerade verhält, dann ist das ja auch ein Gedanke. Wenn dieser Gedanke weg ist, was denkt man dann wenn man das bemerkt? Denke ich "oh mist, jetzt hab ich gerade nicht auf den Atem geachtet", oder kehrt man weitgehend ohne solche Bewertungen zum Beobachten des Atems zurück? Wieviel innerer Dialog ist da dabei? Wie versucht man sich dabei zu konzentrieren, angestrengt, eher ruhig, mit einem Lächeln, verbissen, mit Zwang, eher gelassen etc etc. Fällt einem die Konzentration/Achtsamkeit schwer, oder eher nicht schwer, muss man sich ständig dazu anhalten, oder ist es die Ganze Zeit gleichmäßig. Ist man dabei geduldig, oder ungeduldig, sehnt man das Ende der Sitzung herbei, oder bekommt man von Zeit und Raum nichts mit? Ist die Umgebung da oder ist man so in sich dass die Umgebung "weg" ist? Nimmt man ungewohntes aus der Umgebung wahr? Oder würde man es vielleicht garnicht wahrnehmen, wenn nebenan Mord und Totschlag stattfinden? Wenn man es wahrnimmt, stört es einen dann oder stört es einen in der Meditation nicht.


    Wie ist die Haltung mit der man in die Meditation geht? Nimmt man sich etwas für die Meditation vor oder nicht?


    Nimmt man neben dem Atem noch anderes in oder von seinem Körper wahr? Schmerzen, Müdigkeit, Erschöpfung, Glückszustände, Gefühle oder Bilder, und wie geht man damit um?


    Meditation hat ja auch etwas mit üben zu tun.


    Und für mich auch mit experimentieren. Mit vielem was ich oben beschrieben habe, habe ich schon während meinen Sitzungen experiementiert. Wie geht es mir in einer Meditationssitzung, wenn ich mehr auf den einen Aspekt achte als auf andere. Oder wie geht es wenn ich auf keinen der Aspekte achte.


    Wenn mich die Meditation bei meinem Schlaf behindern würde, dann würde ich ausprobieren, ob das mit dem Einschalfen besser geht wenn ich bestimmte Aspekte von oben mehr betone.


    Ich würde ausprobieren ob sich das ganze verändert, wenn:
    ich die Meditation mit einer anderen Haltung/Vorsatz beginne: zB. Ich mache wie gewohnt die 1. Hälfte meine Meditation und dann komme ich langsam zur Ruhe, ich beruhige mich und entspanne dann mehr.
    Während der Meditation würde ich dann ab der 2. Hälfte einmal schauen ob sich mein Körper müde anfühlt und dieses Gefühl würde ich dann zulassen.
    Ich würde den Atem langsamer werden lassen und mit dem Atem eher zur Ruhe kommen als noch mehr Energie damit aufzunehmen, die wach machen könnte.
    Den Blick würde ich auf den Boden vor mir richten und nicht nach oben, egal ob ich die Augen nun geschlossen habe oder offen.


    Wenn aber das alles nichts an meinem "nicht einschlafen können nach der Meditation" nichts ändern würde, dann würde ich auch darüber nachdenken den Tag nicht mehr mit einer Meditaion zu beenden. Oder aber mit einer ganz anderen Üung.