Wofuer stehst Du morgens auf?

There are 21 replies in this Thread. The last Post () by Anandasa.



  • Bodhicita :wink:

    Liebe Grüße
    Sherab


    "Glücklich mögen alle Wesen sein und im Besitz der Ursachen des Glücks" (:_()_

  • Quote from Mirco


    Wofuer steht ihr auf? Woher kommt Dein Lebensmut? Was ist heute der Sinn in Deinem Leben?


    Ich habe eine Vielzahl von Pflichten und Aufgaben, die meine Mitmenschen betreffen. Für die stehe ich zunächst mal auf. Dann gab es auch Phasen in denen ich mehr oder weniger starke Depressionen hatte und mir sowas wie Sinn im Leben verloren zu gehen schien. Auch in diesen Phasen bin ich für die anderen aufgestanden und habe mich durch den Tag geschleppt.


    Irgendwann ist das dann alles verflogen und jetzt stehe ich auf, um ein paar Figuren im großen Schachspiel zu bewegen.


    Falls du zur Zeit damit Probleme hast - solche Phasen mit diesen Fragen muss man durchhalten. Sie sind Durststrecken, in denen sich vieles innerlich umorganisiert, zu dem man aktiv wenig beitragen kann, außer dass man das aushält.

  • Quote from Mirco

    Hallo Freunde,
    ich hab ein paar 'persoenliche' Fragen.
    Wofuer steht ihr auf? Woher kommt Dein Lebensmut? Was ist heute der Sinn in Deinem Leben?
    Ich freue freue mich ueber Antworten von Dir.
    Herzliche Gruesse


    Eine gute Frage. Grundsätzlich stehe ich auf, weil mein innerer Rhythmus mir sagt aufzustehen. Ich stelle mich dann mit einem Ritual positiv auf den Tag ein. Ich zünde eine Kerze und ein Räucherstäbchen vor dem Buddha Amitabha an. Ich bitte ihn um Führung und bemühe mich ihm nachzustreben. Dieses Ziel gibt meinem Leben Sinn. Es gibt mir jeden Tag Kraft. Dann ziehe ich eine Orakelkarte (I Ging) und erhalte einen positive Tagessatz. Dann besuche ich meine Freunde im Internet. Ich helfe im Rahmen meiner Möglichkeiten meinen Mitmenschen. Das ist derzeit eine junge Prostituierte, die versucht aus dem Sex-Geschäft auszusteigen. Der Buddhismus gibt ihr dazu die Kraft. Ich telefoniere jeden Tag zwei bis dreimal mit ihr, bespreche ihre Probleme und meditiere mit ihr.

    Mögen alle Wesen glücklich sein. Möge es eine glückliche Welt geben.

    Edited once, last by Nils ().

  • Eine meiner stärksten Eigenschaften ist Faulheit. Warum ich aufstehe? Weil der Wecker klingelt, und ich weiss, dass wenn ich liegenbleibe, ich dann ärger auf der Arbeit bekomme. Liebend gerne würde ich einfach weiter liegen bleiben und noch ne Runde schlafen und träumen. Aber der Wecker hat geklingelt und ich weiss, dass wenn ich jetzt nicht aufstehe, ich zu spät auf den Bus komme, und dann gibt es örger auf der Arbeit. Oder die Zeit reicht nicht mehr um mich im Bad für den Tag fertig zu machen. Und dann sehe ich ungefpflegt aus den ganzen Tg auf der Arbeit. Das will ich nicht. Dann fühle ich mich nicht so wohl wie wenn ich meine Morgenpflege ausführe. Ich stehe also auf weil die Nachteile dann im Endeffekt doch schwerer wiegen wie meine Faulheit. Naja und arbeiten will ich, weil mir das meinen bequemen Lebensstil ermöglicht. Ich kann so zu meinen Lamas fahren und Belehrungen bekommen. Hm ok, wo ich gerade so darüber schreibe, fällt mir auf, dass wenn ich die Arbeit nciht hätte, dann hätte ich viel mehr Zeit, und könnte ja in dieser Zeit zB zu meinen Lamas wandern und währendessen auf der Strasse leben.
    Ich kündige also.

  • Hi Mirco,


    zunächst mal stehe ich auf weil es notwendig ist, liegenbleiben führt einfach zu mehr dukkha als aufstehen. Erfahrungsgemäß kommt der Lebensmut und das nötige Maß an Lebensfreude bald von alleine zurück, wenn man sich zum Aufstehen überwunden hat und einer sinnvollen Aufgabe widmet. In Zeiten der Depression, wenn alles nur noch grau und sinnlos erscheint, tröstet mich der Gedanke dass dieser Zustand mit Sicherheit wieder zu Ende gehen wird, da übe ich mich in Geduld und tue einstweilen was ich kann. Man erlebt es ja dass etwas dhammagemäßes Training dukkha verlässlich verringert, diese Tatsache bleibt auch in dunklen Stunden in der Erinnerung und wirkt stets motivierend.

  • Für mich gibt es keine Alternative : ich muss aufstehen, egal, ob ich-wie letzte Nacht- nur knapp 3 Stunden geschlafen habe, ob ich mir lieber doch die Bettdecke noch einmal zum Schutz vor er bösen Welt über den Kopf ziehen möchte oder lieber schönen Gedanken nachhängen möchte...ich habe nunmal auch die Verantwortung hier anderen Wesen gegenüber, die auf mich angewiesen oder auch abhängig von mir sind.
    Anders als in meiner Zeit als Angestellte, in der es halt immer irgendwie eine Alternative gab, dürfen hier keine schweren Gedanken oder Krankheiten greifen, die mich lähmen. Und ich denke mir, dass ich vielleicht aus diesem Grunde mein Leben so gestaltet habe ...

    Der Horizont existiert nur im Auge des Betrachters, nicht in der Wirklichkeit

  • Quote from Mirco

    Liebe Freunde,


    vielen Dank fuer eure Antworten und dass ihr so ehrlich von euch berichtet.


    Es ist in jedem Beitrag etwas dabei, was mich in dieser Zeit der Unklarheit, Verwirrung und Ziellosigkeit troestet und mir Mut macht.


    ach Mirco...............knuddel
    :)

    Der Horizont existiert nur im Auge des Betrachters, nicht in der Wirklichkeit

  • Sinn des Lebens?
    Je älter ich werde, desto weniger Sinn kann ich erkennen.


    Was das Aufstehen betrifft, gab es Zeiten, in denen es mir extrem schwer fiel. Ich bin in dieser Zeit letztlich nur wegen äußerer Zwänge aufgestanden, musste mich manchmal minutenlang innerlich beschimpfen und anschreien, bis ich hochkam. Es war furchtbar, der schlimmste Moment des ganzen Tages. Für diesen inneren Widerstand habe ich im Außen alle möglichen Gründe gesucht und gefunden.


    Irgendwann stellte sich durch das Sitzen heraus, dass der innere Widerstand gegen das Aufstehen schlicht aus dem Körper kam und keine aktuellen äußeren Gründe hatte – ich fühlte mich einfach extrem unwohl in meinem Körper, hatte körperliche Schmerzen, schwere Ängste, und das Bett erschien mir als der einzige sichere Ort.


    Nachdem sich durch das regelmäßige lange aufmerksame Sitzen mein Körpergefühl deutlich verbessert hat und die schwersten Schmerzen und Ängste weitgehend weggefallen sind, stehe ich nun einfach auf, weil der Wecker klingelt und es Zeit zum Aufstehen ist. Das ist toll! Jeden Morgen freue ich mich darüber, dass das geht, und dass ich diese Schmerzen und diesen inneren Terror nicht mehr habe!


    Einen höheren Sinn hat das Aufstehen für mich nicht. Ich bin Teil eines Systems, in dem morgens aufgestanden wird. Das reicht mir momentan. Manchmal ist das Aufstehen leichter, manchmal schwerer. Wenn ich in Grübeleien gerate, ob ich aufstehen soll oder nicht, und wenn ja, wann genau und warum, ist´s schwerer.


    Also versuche ich frühzeitig zu bemerken, wenn ich ins Grübeln gerate, dann die inneren Diskussionen einfach rotieren zu lassen, und unabhängig davon nur die körperliche Aktion zu vollziehen. Ich kann ja auch sitzen und denken. Oder gehen und denken. Das Denken muss nicht zu einem Entscheidungs- oder Ruhepunkt kommen, bevor der Körper aktiv werden kann.


    Gut ist es, das Ganze nicht als „krisenhafte Entscheidungssituation Aufstehen“ zu begreifen, sondern sich erst mal ausgiebig zu strecken, dann aufzusetzen, und nur die Beine aus dem Bett zu nehmen. Wenn ich so eine Minute am Bettrand gesessen habe, bin ich bereit, und dann zieht es mich auch nicht mehr in die liegende Position zurück.


    Früher brauchte ich nach dem Aufstehen fast eine Stunde, um handlungs- und kommunikationsfähig zu werden. Ich war vom Liegen verkrampft, hatte Schmerzen im ganzen Körper und meine Wahrnehmung und Reaktionsfähigkeit waren stark eingeschränkt. Eigentlich war ich erst nach der heißen Dusche wach. Man nannte mich „Morgenmuffel“, und ich dachte, ich bin eben so. Stimmt aber offenbar nicht. Das ist jetzt ganz anders. Also kann es nicht Teil von Persönlichkeit sein.


    Früher habe ich es auch gehasst, wenn morgens andere anwesend waren. Jetzt ist auch das anders: wenn andere anwesend sind, stehe ich auf, weil alle aufstehen; das Nachdenken entfällt dann komplett, was sehr angenehm ist.


    Ach, gerade sehe ich, es ging dir doch um den Sinn, und nicht um das Aufstehen...
    Edit: Ich würde dir auch gerne Mut machen, aber mir fällt nichts wirklich Konstruktives ein. Vielleicht, dass wir nicht so sind, wie wir glauben zu sein. Wir sind nicht auf das Bild festgelegt, das wir von uns haben.

  • Jojo

    Quote

    Vielleicht, dass wir nicht so sind, wie wir glauben zu sein. Wir sind nicht auf das Bild festgelegt, das wir von uns haben.


    Dieser Satz sollte zum tiefen Nachdenken anregen und ich finde ihn auch meditationswürdig.

    Der Horizont existiert nur im Auge des Betrachters, nicht in der Wirklichkeit

  • Ich weiß es nicht. Ich wache auf und stehe auf, da gibt es eigentlich keinen Grund. Was ich weiß ist das wenn ich mich einfach wieder umdrehe geht es mir nicht so gut wenn ich wieder wach werde. Eine Ausnahme, wenn da Gedanken des Frust sind schlafe ich bewusst wieder ein, so will ich nicht beginnen. Es gibt ja dann auch den wunderbaren "Schlummerknopf". :) Vorstellunggetrieben will ich nicht beginnen, das neue Leben. Aufwachen, sehen wie spät, weiter schlafen oder aufstehen. _()_

    1) Alle Dinge und alle Gedanken sind in gegenseitiger Abhängigkeit bedingt Entstehend.

    2) Das ist nicht Mein, das ist nicht mein Ich, das ist nicht mein Selbst, das ist nicht mein Nibbana/Nirwana.

    Sinnsuche ist Sinngeben. Sinngeben ist Meinung. Meinung ist Leiden.

  • Quote from Thursday

    Ich habe eine Vielzahl von Pflichten und Aufgaben, die meine Mitmenschen betreffen. Für die stehe ich zunächst mal auf. Dann gab es auch Phasen in denen ich mehr oder weniger starke Depressionen hatte und mir sowas wie Sinn im Leben verloren zu gehen schien. Auch in diesen Phasen bin ich für die anderen aufgestanden und habe mich durch den Tag geschleppt.


    Irgendwann ist das dann alles verflogen und jetzt stehe ich auf, um ein paar Figuren im großen Schachspiel zu bewegen.


    Falls du zur Zeit damit Probleme hast - solche Phasen mit diesen Fragen muss man durchhalten. Sie sind Durststrecken, in denen sich vieles innerlich umorganisiert, zu dem man aktiv wenig beitragen kann, außer dass man das aushält.


    Werte Thursday, mit jedem einzelnen Wort kann ich das unterstreichen.




    Werter Mirco,
    Im Moment ist es so, das ich nur Aufstehe. Besonders die letzten drei Jahre waren ,wenn ich ne gewöhnliche Sichtweise postuliere, arg. Richtig arg.
    Zur Zeit bin ich bis zu 17std. auf den Beinen davon 20min. schlaf. Danach Pflege eines Familienmitgliedes, danach zu einem sterbenden Freund, ehrlich gesagt der einzige und beste. Termine, Hausarbeit, Körperliche Probleme.... .
    Ich schlafe wenn´s hochkommt bis zu 4std. . 2-3std. beschäftige ich mich rückhaltlos mit der Lehre und sitze in Zazen.
    Der Tag ist streng reglementiert. 6tage die Woche. Den Sonntag nutze ich ausschliesslich für Zazen, Kinhin und der Lehre wenn es denn klappt.
    Jedweiges Jammern hilft nichts, es verschlimmert nur alles.
    Irgendwann gab ich auf und machte trotzdem weiter. Es ist notwendig. Wenn du was anderes willst als das was gerade ist dann ist das Dhukka.
    Ich bin Dankbar. Es gibt die Gelegenheit zur ernsthaften Praxis. Und um die Dinge zu durchschauen.
    Und morgen? Ich werde wohl wieder aufstehen. Vielleicht.



    Ein Zitat ( ich weiss nicht mehr woher es stammt) :


    Der Raum in dem wir uns befinden ist nichts.
    Der Tisch, der Stuhl ist nichts.
    Du bist nichts.
    Ich bin nichts.
    Das Schwert das ich in der Hand halte ist nichts.
    Erst die Einstellung zu den Dingen ist bestimmend.
    .......................
    Ja, schon richtig.
    Wenn ich ein Messer in meiner Hand halte kann ich damit töten oder mein Butterbrot schmieren.
    Letztenendes liegt es bei mir welch Einstellung ich zu dem habe was vor mir ist.




    _()__()__()_


    Ach ja Mirco, noch was damit du dich erinnerst und die Gelegenheit beim Schopfe packst:
    http://www.palikanon.de/samyutta/sam35_130.html#s35_106

    Ja, manchmal weiss ich nicht was ich über die Dinge denken soll und dann lass ich es. Und dann sind die Dinge so wie sie sind.

  • Quote from Mirco


    Es ist in jedem Beitrag etwas dabei, was mich in dieser Zeit der Unklarheit, Verwirrung und Ziellosigkeit troestet und mir Mut macht.


    Hallo Mirco,
    so ging es mir in der ersten Hälfte dieses Jahres. Durch eine schwere Erkrankung meines Mannes samt OP und Folgen und einen Schlaganfall meinerseits fiel ich in ein tiefes Loch.
    Einen Sinn im Leben sehe ich schon seit vielen Jahren nicht. Aber bis vor zwei, drei Jahren ging es mir fast immer richtig gut. Ich fühlte mich glücklich, vom Leben bevorzugt. Und dann begann ich mich nicht mehr so mit der Lehre zu beschäftigen wie in all den Jahren zuvor.
    Durch den "Einbruch" in unser Leben hatte ich zwar zunächst mit Depressionen zu kämpfen, weil die Angst vor Alter und Krankheit mich nun betraf, aber ich krabbelte wieder da heraus. Ich bin mir immer gewiss gewesen, dass dies nur ein vorübergehender Zustand ist und nicht so bleiben muss. Natürlich wäre ich dann auch gerne einfach liegengeblieben, aber das Aufstehenwollenmüssen war doch stärker.


    Seit fast 10 Jahren bin ich im Ruhestand und kann aufstehen, wann ich will. Ich will aber immer als erste aufstehen, vor meinem Mann, ich freue mich immer auf den Morgen, auf die Dusche, auf den Kaffee und das Frühstück. Ich liebe die erste Stunde nach dem Aufstehen. Unter anderem schaue ich dann ins Buddhaland. Obwohl ich keinen Sinn im Leben sehe und froh bin, wenn ich irgendwann nicht mehr aufwache (aber erst, wenn ich nicht mehr kann und natürlich ohne zu leiden 8) ), freue ich mich doch jeden Morgen darüber, dass ich relativ gut schlafe, dass mir nix wehtut, dass mir das Essen schmeckt, dass es uns finanziell gut geht, auch wenn wir nicht wissen, ob wir jemals wieder in Urlaub fahren können (und was ist das schon für ein Luxusleid :lol: ), und vor allem dass mein Mann und ich eine liebevolle Beziehung zueinander haben. Ich führe mir immer wieder vor Augen, dass das alles nicht selbstverständlich ist.


    Lieber Mirco, ich wünsche Dir, dass Deine Praxis und Dein Wissen Dich schnell wieder in Deine Mitte bringen.
    _()_ Monika

    Ich bin der Wahrheit verpflichtet, nicht der Beständigkeit.
    Gandhi

  • Quote from Mirco


    1. Wofuer steht ihr auf?
    2. Woher kommt Dein Lebensmut?
    3. Was ist heute der Sinn in Deinem Leben?


    Hi, Mirco,


    1. Um meine Pflichten zu erledigen und ein bißchen Spaß zu haben :razz:
    2. Weiß nicht- muß aber stets neu aufgebaut werden durch Disziplin 8)
    3. Diesen Tag zu einem guten zu machen- für mich und andere, mit denen ich in Berührung komme bzw. kommen muß- und manchmals krachts auch... :evil:
    _()_c.d.

  • 1. Um zu leben.
    2. Weiss ich nicht, interessiert mich aber auch nicht.
    3. Keinen Sinn suchen zu müssen weil keiner vorhanden ist, Alles was nicht vorhanden ist und dadurch nicht verloren gegangen ist macht den Kopf freier für anderes und so freue ich mich über Sinnlosigkeit.


    Mir macht es Spass EIndrücke so aufzunehmen ohne über tausende Dinge nachzudenken, wie andere Menschen beim Tv schauen. Anderen Menschen zuzuhören finde ich schön, kleine Tiere zu beobachten, Pflanzen anzuschauen oder Steine umzudrehen und gucken was drunter liegt. EIn einfach gestricktes Leben ohne zuviel Kopfkirmes :)

  • Vor rund tausend Jahren hat man auch schon über's Aufstehen nachgedacht:


    Die Menschen sind schwer von Begriff - Das wahre Selbst nicht kennend, laufen sie den Dingen nach, erleiden freiwillig unermessliche Schmerzen in ihrer Gier nach ein bisschen Lust. Am Morgen, noch bevor sie die Augen öffnen und sich aus dem Bett erheben, halb wach erst, flattert ihr Geist schon umher, sich an irgendwelche beliebigen Gedanken heftend. Zu gutem oder bösem Handeln konnte es noch gar nicht kommen, und doch haben Himmel und Hölle sich schon in ihrem Herzen gebildet, bevor sie auch nur das Bett verlassen. Wenn sie an ihr Tagwerk gehen, ist die Saat von Himmel und Hölle ihrem Geist schon eingepflanzt.
    Sagte nicht der Buddha: „Alle Sinnesvermögen sind Gefäße, die euer eigener Geist manifestiert. Äußere Gegenstände sind Manifestationen der Einbildungen eures eigenen Geistes. Diese Manifestationen sind wie das Strömen eines Flusses, wie Samen, wie eine Kerzenflamme, wie der Wind – sie vergehen von Augenblick zu Augenblick. Fiebrige Betriebsamkeit, das Lechzen nach unreinen Dingen und unersättliche Gier sind die Ursachen der sinnlosen und irreführenden Gewohnheiten, die sich offenbar endlos fortsetzen wie ein unentwegt sich drehendes Wasserrad.“
    Wenn du dies wirklich erfasst, dann weißt du, was es heißt, dass die Dinge kein Selbst-Wesen haben. Du weißt, dass Himmel und Hölle nirgendwo sonst sind als im Herzen des halb Erwachten, der gerade aufstehen will; sie kommen nicht von außen.
    Während du aufwachst, solltest du also wirklich achtsam sein. Und in dieser Achtsamkeit sollst du nicht gegen irgend etwas, das in deinem Geist gerade vorgeht, anzukämpfen versuchen. Beim Kämpfen vergeudest du Kraft. So sagt auch der Dritte Patriarch: „Wenn du Bewegung anhalten möchtest, um zur Stille zurück zu kehren, wird das Ringen um Stille die Bewegung verstärken.“
    Wenn du inmitten der weltlichen Anforderungen des täglichen Lebens Kraft sparen kannst, so wächst dir eben hier Kraft zu, erlangst du eben hier Buddhaschaft, verwandelst du eben hier Hölle in Himmel.


    Dahui Zonggao (1089-1163)

    Das Tao ist nicht auf die Vereinigung mit den Menschen bedacht;
    wenn die Menschen auf nichts bedacht sind, vereinigen sie sich mit dem Tao.
    Yuanwu Keqin (1063 - 1135)

  • Quote from Mirco

    Hallo Freunde,
    ich hab ein paar 'persoenliche' Fragen.
    Wofuer steht ihr auf? Woher kommt Dein Lebensmut? Was ist heute der Sinn in Deinem Leben?
    Ich freue freue mich ueber Antworten von Dir.


    Für den Dharma. Ist für mich das Einzige, was Sinn macht. Letztendlich gesehen - nicht missionarisch. Er ist nunmal der Grund. Die Basis, die Ursache, das Tragende.
    Schöne Grüße und beste Wünsche.


  • Um mich wieder hinsetzen zu können. Ach du meintest am Morgen ... um wieder zu ermüden und mich dann wieder hinlegen zu können.


    Quote from Mirco


    Woher kommt Dein Lebensmut?


    Wat mutt dat mutt. :wink:


    Quote from Mirco


    Was ist heute der Sinn in Deinem Leben?


    Sinn erscheint durch Denken. Denken passiert aus Gewohnheit.

  • Wenn aufwachen, das aus jedem Schlaf, ist geht es um das Erkennen und Erfahren der Daseinsmerkmale. Nichtwissen zu erkennen. Glaube zu vermindern. Schaden der durch Unwissen der Mitmenschen entsteht zu richten, nicht die Mitmenschen. Nichtwissen, avija, ist das nicht erkennen oder nicht erkennen wollen der Daseinsmerkmale. Es geht immer um die Daseinsmerkmale. Keine Beständigkeit, alles hat Bedingungen, nichts von Selbst aus. Es geht um das Leben dieses Wesens, nicht um das wie, wo, warum. Alles was Dies be-trifft ist nicht beständig, nicht ohne Bedingungen, nicht von Selbst.

    1) Alle Dinge und alle Gedanken sind in gegenseitiger Abhängigkeit bedingt Entstehend.

    2) Das ist nicht Mein, das ist nicht mein Ich, das ist nicht mein Selbst, das ist nicht mein Nibbana/Nirwana.

    Sinnsuche ist Sinngeben. Sinngeben ist Meinung. Meinung ist Leiden.

  • Das ist ein sehr schöner Thread. Ich hatte auch lange lange Zeit große Mühe mit dem Aufstehen. Vor 9:30 h im Geschäft zu sein war schon eine Leistung. Seitdem ich nicht mehr alleine bin ist dies wie weggeblasen. Das ist schön. Die anderen Probleme sind alle geblieben. Ich arbeite mich hier stückweise voran mit Meditieren und Einsicht in die Natur der Dinge. Dann kriege ich Schläge vom Leben, die ich mir selbst zufüge, weil ich von Gier und Anhaftung nicht lassen kann. Aber dadurch bekomme ich emotional Einsichten, warum Buddha mit seinen Lehren recht hat.


    Quote

    Ich habe eine Vielzahl von Pflichten und Aufgaben, die meine Mitmenschen betreffen. Für die stehe ich zunächst mal auf.


    Du hast es gut. Das ist eine schöne Sache, wenn man sowas hat. Ich bin eigentlich nur für mich selbst da und für meine Frau. Mehr ist da nicht. Hätte ich, was du hast, wäre ich dann wohl nicht endlich zufrieden, sondern würde auch Pflichten sehen. Das ist die Krankheit des Geistes immer etwas anderes haben zu wollen als man gerade hat. Es ist viel heilsamer anzunehmen was ist, aber doch so schwer.


    Ich stehe auf um glücklich zu sein und um mich vorzubereiten eines Tages friedlich sterben zu können. Naja, jedenfalls ist das der Sinn, der mir durch die Beschäftigung mit den Lehren Buddhas erkennbar wird. Was bedeutet glücklich sein? Daran arbeiten ein Herz mit Mitgefühl und einen klaren Geist ohne Täuschungen zu entwickeln. Ich habe durch das Meditieren und Lesen in den Lehren Buddhas so eine Ahnung bekommen, dass dies die Richtung ist. Manchmal Momente zu haben, in denen ich das Entstehen eines klaren Geistes in ganz kleinen Schritte erahne, helfen mir immer mehr auf die Beine zu kommen und bringt mir in kleinen Schritten Lebensfreude zurück.

    Die Dinge entstehen, existieren und vergehen. Das ist normal. Ajaan Tippakorn