Das Zen des Haschisch

There are 194 replies in this Thread. The last Post () by E1NER.

  • Im amerikanischen Buddhismus entwickeln sich ganz erstaunliche Sachen. Da kommen Schwule und Lesben wie selbstverständlich in hohe Positionen in den Sanghas, die Frage ob es "den Buddha" wirklich gab, wird inzwischen offen diskutiert und schliesslich anerkennt man nun endlich, dass es auch im Buddhismus Traditionen gibt, die mit Drogen arbeiten. Hierzu die Zusammenfassung eines interessanten Interviews auf Der Unbuddhist.

  • Nu, da gehen erstaunliche Dinge auf sehr unterschiedlichen Ebenen munter durcheinander :lol:
    Wahrscheinlich reflektiert diese Einschätzung aber eher meine Haltung zu den angesprochenen Punkten.


    Quote

    Schwule und Lesben wie selbstverständlich in hohe Positionen in den Sanghas


    Ok, wer da bei sich persönlich ein Problem fühlt, sollte daran arbeiten. Institutionen, die da Probleme haben sind oft nicht LGBT feindlich sondern einfach steril.


    Historizität Buddhas. Interessante Frage, sollte man vielleicht einen eigenen Thread zu aufmachen. Mir ist die Antwort eher egal. Ob die Relativitätstheorie jetzt von A.Einstein oder Else Müller entwickelt wurde hat wenig mit ihrer erklärenden Kraft und Verifizierbarkeit zu tun. Da haben es Religionen, die ihren Gründerpersonen einmalige un-menschliche Eigenschaften zusprechen schon deutlich schwerer.


    Die Lehre und Drogen? Für mich eine weniger interessante Frage. Da ist kein 'Ich', daß ich im Rausch überwinden müßte.

  • Steter Tropfen höhlt den Stein - und so hat mich die penetrante Eigenwerbung von Herrn 'Unbuddhist' für seinen Blog tatsächlich veranlasst, mir den Blogeintrag mal anzusehen. Meine Erwartungen wurden allerdings nicht enttäuscht - das anhand einschlägiger Erfahrungen erwartete Maß an Uninformiertheit des Autors und der seinen Lesern zugedachten Desinformation wurde problemlos erfüllt.


    Da wird hauptsächlich ein Aprilscherz aufgegriffen - war das gefälschte 'Titelblatt' von Lion's Roar (das weitgehend zu einem Verlautbarungsorgan TNH'S degeneriert ist und sich damit die Aktion redlich verdient hat) noch eine halbwegs gelungene Parodie, so ist das im Blogbeitrag verlinkte Fake-Interview für einen Scherz schon ein wenig arg breit ausgewalzt - sooo lustig ist die Idee nun auch wieder nicht, als dass sie für mehr als eine Fotomontage und eine Schlagzeile taugen würde. Schon gar nicht, wenn man das Pseudo-Interview dann nochmals bemüht und weitschweifig kommentiert. Was die Frage aufwirft, wie es mit dem Humor des Unbuddhisten bestellt ist - ist der womöglich nur so rudimentär vorhanden, dass er selbst gar nicht gemerkt hat, dass er da eine Ente kolportiert? Merkwürdig jedenfalls, dass dieser etwas unbedarfte Ulk in dem Blogartikel unvermittelt neben seriöseren Themen steht.


    Was nun nicht heisst, dass diese Themen nun auch entsprechend seriös behandelt würden. Zum Thema Homosexualität beispielsweise offenbart Herr Steingass wieder einmal seine intimen Kenntnisse der DBU, die wie üblich den Buhmann geben muss: "Eine offen schwule Persönlichkeit aber in der DBU? Darauf dürfen wir sicher noch ein wenig warten." Das soll wohl einschlägige Berührungsängste suggerieren, wobei Fakten - auch dies ist man schon gewohnt - sorgfältig ausgeblendet werden. Mir jedenfalls fällt da spontan Herbert Rusche ein - von 2004 bis 2012 einer der drei Vertreter der Einzelmitglieder der DBU und von 2008 - 2011 Ratsmitglied der DBU. Er war übrigens Mitorganisator des DBU-Kongresses 2011 'Buddha, Sex und Leidenschaft', wo er auch einen Workshop zum Thema 'Coming out' gehalten hat. Herberts sexuelle Orientierung hat übrigens ansonsten im Kontext seiner ehrenamtlichen Tätigkeit für die DBU (anders als in seiner politischen Karriere) so wenig eine Rolle gespielt wie die anderer Funktionäre. Warum auch? Ich wüsste nicht, wieso das ein 'buddhistisches' Thema sein sollte.


    Was nun die Historizität Shakyamuni Buddhas angeht, so sei Herr Steingass darauf hingewiesen, dass die amerikanische Szene da vor allem von der Arbeit europäischer und nicht zuletzt deutscher Wissenschaftler zehrt. Herr Steingass sei außerdem versichert, dass sich die Ergebnisse des bereits 1988(!) in Göttingen veranstalteten Symposions, das den (im Wesentlichen immer noch aktuellen) Forschungsstand zusammenfasste und die 1991/1992 in zwei Bänden veröffentlicht wurden (The Dating of the Historical Buddha / Die Datierung des historischen Buddha, hrsgb. von Heinz Bechert - immer noch das Standardwerk zum Thema) bei denen, die sich hierzulande ernsthaft mit dem Buddhismus befassen, zumindest den Umrissen nach bekannt sind. Da braucht man nicht nachlesen, was Tricycle über ein Vierteljahrhundert danach meint, verbreiten zu müssen. Fundierter als in Tricycle - zumindest aber auf Deutsch - kann man sich auf die Schnelle z.B. hier kundig machen. Frau Dr. Hüskens Artikel ist übrigens auch schon fast 20 Jahre alt - Bernard Faure (ein durchaus schätzenswerter Wissenschaftler) hat in Tricycle trotzdem nichts wirklich neues zu vermelden.


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  • Quote from Sudhana

    Fundierter als in Tricycle - zumindest aber auf Deutsch - kann man sich auf die Schnelle z.B. hier kundig machen. Frau Dr. Hüskens Artikel ist übrigens auch schon fast 20 Jahre alt - Bernard Faure (ein durchaus schätzenswerter Wissenschaftler) hat in Tricycle trotzdem nichts wirklich neues zu vermelden.


    Auch wenn die wissenschaftliche Buddhismuskunde/Buddhologie zu neuen Ergebnissen kommt, muss das ja keine Auswirkungen auf den "prakizierten Buddhismus" haben.


    Von daher ist es schon ein Unterschied, ob Ergebnisse in der Fachwelt bekannt ist, oder ob ein buddhitisches Magazin diese Ergebnisse ihren Lesern vorstellt
    - und so zu einem refeletierten, selbstkritischen Buddhismus beiträgt.


    Gibt es denn auch in den Organen der DBU Artikel von Buddhologen oder ist das eher selten?

  • Quote from void

    Auch wenn die wissenschaftliche Buddhismuskunde/Buddhologie zu neuen Ergebnissen kommt, muss das ja keine Auswirkungen auf den "prakizierten Buddhismus" haben.


    Eben. Wenn es Auswirkungen hat - was ist dann von dieser Praxis zu halten? Die beruht dann wohl weniger auf direkter Erfahrung und Prüfung als auf Glauben. Wäre jetzt nicht meine Definition buddhistischer Praxis ... Wenn es keine Auswirkungen hat - von welchem Interesse sind dann "wissenschaftliche Ergebnisse"? Von wissenschaftlichem, zweifellos - aber von praktischem wohl doch eher nicht.


    Die 'Buddhismus aktuell' ist keine Fachzeitschrift, sondern eine Publikumszeitschrift für am Buddhismus Interessierte und für den Buddhismus Praktizierende und will auch nicht mehr sein. Was wiederum heisst, dass wissenschaftliche Themen als weniger geeignet für diese Zielgruppe angesehen werden, weil man dort kein entsprechendes Interesse verortet. Artikel wie z.B. der Bernard Faures in Tricycle können ja eigentlich auch nicht mehr tun, als ein solches Interesse ggf. zu wecken. Mehr gibt das Medium gar nicht her. Ich habe eine Zeitlang dafür geworben, zusätzlich zur BA eine populärwissenschaftliche Jahreszeitschrift herauszugeben - aus Kostengründen ohne teure bunte Bildchen auf edlem Hochglanzpapier - die einen 'trickle down'-Effekt zwischen Wissenschaftlern und buddhistischen Praktizierenden herstellen könnte. Etwa mit Artikeln wie dem von mir verlinkten von Dr. Hüskens. Vielleicht wird das mal irgendwann etwas - aber das ist nicht zuletzt eine Frage der zur Verfügung stehenden Ressourcen.


    Einen 'Anschluss' zur Fachwissenschaft stellt derzeit vor allem das Studienprogramm der DBU her. Und bei den von der DBU (bzw. in deren Auftrag) erarbeiteten Unterrichtsmaterialien für den Religions- oder Ethikunterricht ist es Aufgabe eines Fachbeirates, darauf zu achten, dass die damit vermittelten Lehrinhalte den "Ergebnissen" wissenschaftlicher Buddhismuskunde/Buddhologie nicht widersprechen. Weswegen solche in dieser Hinsicht völlig unseriösen Projekte: http://www.buddhismus-schule.de/ außerhalb des Diamantweg e.V. in der DBU weder gern gesehen sind noch von der DBU empfohlen werden. Studienprogramm und Unterrichtsmaterialien haben, was den Einsatz von Ressourcen angeht, aus zumindest für mich nachvollziehbaren Gründen Priorität. Fachliteratur - für die, die es interessiert (zu denen ich mich durchaus auch zähle) - gibt es ja durchaus genug. Und ob Herr Steingass das nun glaubt oder nicht - die wird auch in Deutschland von interessierten Laien gelesen.


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  • Quote from Sudhana

    Die 'Buddhismus aktuell' ist keine Fachzeitschrift, sondern eine Publikumszeitschrift für am Buddhismus Interessierte und für den Buddhismus Praktizierende und will auch nicht mehr sein. Was wiederum heisst, dass wissenschaftliche Themen als weniger geeignet für diese Zielgruppe angesehen werden, weil man dort kein entsprechendes Interesse verortet. Artikel wie z.B. der Bernard Faures in Tricycle können ja eigentlich auch nicht mehr tun, als ein solches Interesse ggf. zu wecken. Mehr gibt das Medium gar nicht her. Ich habe eine Zeitlang dafür geworben, zusätzlich zur BA eine populärwissenschaftliche Jahreszeitschrift herauszugeben - aus Kostengründen ohne teure bunte Bildchen auf edlem Hochglanzpapier - die einen 'trickle down'-Effekt zwischen Wissenschaftlern und buddhistischen Praktizierenden herstellen könnte. Etwa mit Artikeln wie dem von mir verlinkten von Dr. Hüskens. Vielleicht wird das mal irgendwann etwas - aber das ist nicht zuletzt eine Frage der zur Verfügung stehenden Ressourcen.


    Vielleicht wäre es schön, hier einen Thread zu haben, in dem man interessante Ergebnisse aus der Buddhismus-Forschung sammelt.


    Man kann ja fragen, was Buddhismusforschung für die Praxis bringen soll.


    Für mich ist es insofern wichtig, weil man so häufig auf buddhitische Zitate trifft, die ganz aus dne Zusammenhang gerissen, dazu einzuladen sie ganz und gar misszuverstehen.


    Von daher bin ich immer dankbar, wenn mir da jemand ein Stück dieses Kontextes erhellt und mir erklärt, in welchem Kontext das gesagt wurde und was man über die damalige Kultur wissen muss, um das einzordnen.

  • Quote from void

    Vielleicht wäre es schön, hier einen Thread zu haben,
    in dem man interessante Ergebnisse aus der Buddhismus-Forschung sammelt.
    Man kann ja fragen, was Buddhismusforschung für die Praxis bringen soll.


    Mach doch :).
    Frag mich, ob das funktioniert.



    Quote

    Für mich ist es insofern wichtig, weil man so häufig auf buddhitische Zitate trifft, die ganz aus dne Zusammenhang gerissen, dazu einzuladen sie ganz und gar misszuverstehen.


    Ja, recht gängig. Absichtlich oder unfreiwillig wird der persönlichen Beschränkteit(wertfrei) gefolgt.

  • Quote from Der Unbuddhist

    Im amerikanischen Buddhismus entwickeln sich ganz erstaunliche Sachen.


    Quote from Der Unbuddhist

    In Amerika sehen wir vielversprechende Diskussionen, die sich im dortigen Buddhismus entfalten. So ist es keineswegs mehr ungewöhnlich, dort schwule Buddhisten in hohen Positionen zu sehen.
    https://unbuddhist.com/2016/04/24/das-zen-des-haschisch/


    Ich habe neulich einen Bericht über eine offizielle Demonstration für die Straffreiheit bezüglich des Geschlechtsverkehrs unter Geschwistern gelesen. Was ist daran beeindruckend oder erstaunlich? Die Regression nimmt in allen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Bereichen zu, vor allem in den USA.


    "Das Zen des Haschisch"


    Bewusstseinsverändernde Substanzen funktionieren im Kontext der Geistesentwicklung nur in der Art einer vorübergehenden oder längerfristigen Reduktion der Bewusstseinsaktivität.


    Das Prinzip der Veränderung der Verhältnisse zwischen der peripherischen und subperipherischen Sphäre (bewusst/unbewusst) steigert das Aktivitätspotenzial nicht, sondern mindert ihn u. A. anhand der Anzahl von Nebenwirkungen, die gut bekannt sind. Z. B. Willenlosigkeit. Dieses Prinzip zu verstehen setzt aber die Kenntnisse der buddhistischen Philosophie voraus, nicht nur die des Buddh-ismus.


    Grüße, Yofi

  • Quote from Yofi

    Ich habe neulich einen Bericht über eine offizielle Demonstration für die Straffreiheit bezüglich des Geschlechtsverkehrs unter Geschwistern gelesen. Was ist daran beeindruckend oder erstaunlich? Die Regression nimmt in allen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Bereichen zu, ...-


    Der Buddha hat es angeblich voraus gesehen :). Deshalb müht euch nicht ab, "alle Wesen" retten zu wollen, sondern seht zu, hier zu verschwinden ;)


    Gruß

  • Sehr geehrter Herr Sudhana


    Ich bedanke mich vielmals dafür, dass Sie mir, obwohl sie mir umstandslos niedere Beweggründe attestieren, weiter oben so ausführlich Ihre Aufmerksamkeit widmen. Ich bin immer wieder froh, wenn man sieht, dass in diesem Forum wirklich Wissende walten und wenn Leute wie Sie, die sich immerhin auf das Altenteil eines Exsprechers der DBU zurückziehen könnten, so marginalen und humorlosen Erscheinungen wie mir, die zum Thema Buddhismus der Deutschen rein gar nichts zu sagen haben, so ausführliche Repliken widmen. Es bleibt zwar vorerst ihr Geheimnis wieso Sie so sinn- und substanzlosen Einlassungen wie der meinen zum Thema Haschisch und Buddhismus ihre sicherlich höchst wertvolle Zeit widmen, aber ich habe da, wie auch sonst, tiefstes Vertrauen in Ihre erleuchtete Sichtweise. Man muss wirklich vertrauen.


    Nun aber zu den von Ihnen so grossherzig angesprochenen Themen. Zunächst muss ich Ihnen natürlich zugestehen, dass Humor in einer Position wie der Ihren, als Hochwürden sozusagen, als allwissende Buddhismusautorität, nicht in Frage kommt. Man darf sich in einer solchen Position keine Späße erlauben. Wir, das Fussvolk, die niederen Ränge, die Unwissenden und vom heiligen Dharma noch gänzlich unberührten, würden dann ja bald nicht mehr wissen wann man Sie ernst zu nehmen habe und wann nicht. Nein nein, das darf nicht sein. Der heilige Ernst darf nicht ironisch gebrochen werden. Sie haben da eine ganz klare Sichtweise und das ist auch gut so.


    Ich muss zugeben, zum Thema Schwule und DBU hätte ich mich differenzierter äussern müssen. Herbert Rusche unter den Tisch fallen zu lassen ist ein immenser Lapsus meinerseits gewesen. Auch im Rahmen einer Groteske muss man, wie wir im Zeitalter von Böhmermann lernen müssen, stets gewissermaßen eine Disclaimer dazu schreiben, damit auch der letzte Depp, der von nix 'ne Ahnung aber zu allem 'ne Meinung hat, kapiert, dass nicht alles zum Nennwert, sprich denotativ, genommen werden kann. Lassen sie mich zur Aufklärung des Publikums der Erläuterung halber hinzufügen, dass ich Ihnen und der DBU in puncto Sexualität bereits vor längerem eine zutiefst verklemmte Sexualmoral attestierte. Und wer wie Sie Sexualität mit Fortpflanzung verwechselt bzw. gleich setzt (O-Ton DBU: "Der eigentliche Zweck der Sexualität ist Fortpflanzung"), sollte sich nicht zu weit aus dem Fenster lehnen, wenn es um Homosexualität geht. Da tritt offen zu Tage, dass man das Thema nicht sehr weit durchdacht hat und dass man geistig eher im 19. Jahrhundert bei Hochwürden um die Ecke in der Dorfkirche zu Hause ist als da wo es LGBT-mäßig wirklich zur Sache geht. Aber je nun, selbst in der katholischen Kirche werden Homosexuelle heute nicht mehr per Autodafé vom Dies- ins Jenseits befördert. In diesem Sinne ist auch die DBU höchst modern. Das gestehe ich Ihnen ohne weiteres zu und Sie dürfen sich damit ganz auf der Höhe der Zeit sehen.


    In Bezug auf die von Ihnen bei mir monierten Frage zur "Historizität Shakyamuni Buddhas" erlaube ich mir untertänigst, Sie auf einen kleinen Doppelfehler Ihrerseits hinzuweisen, der Ihrer, ansonsten sicher einhundertprozentig makellosen, Achtsamkeit entgangen zu sein scheint. Erstens schrieb ich von der Frage, ob dieser Buddha wirklich existierte, nicht aber davon, wann er zu datieren sei. Diese Frage betrifft das Problem der Autorschaft, sie betrifft Fragen der Kontextualität und wie diese Sinn und Deutung beeinflusst. Sie betrifft nicht das Ereignis selbst, welches unzweifelhaft stattgefunden hat. Zweitens beschreibt der Begriff den sie selbst verwenden – Historizität – genau dieses Problem, womit Sie sich unwissentlich selbst widersprechen. Nicht nämlich um die Datierung geht es, sondern um die Entstehung eines Ereignisses bedingt durch vielfältige Einflüsse im Prozess der Geschichte. Historizität ist keine Frage der Datierung. Letztere ist vergleichsweise einfach – weshalb ich Ihnen auch ohne weiteres zugestehe, dass Sie bei dieser Haltung bleiben, dass es nämlich nur eine Frage des Datums ist, an dem etwas existiert hat, auf das man sich in seiner Linie bezieht und aus der man Autorität schöpft. Anders würde ja diese Autorität in Frage gestellt und dann würden Hochwürden ganz schnell so altbacken aussehen wie Ihre Haltung tatsächlich ist.


    Übrigens haben Sie dieses Autoritätsproblem mit dem AfD-Buddhismus von Diplom-Lama Ole Nydahl und dem Okkult-Buddhismus von Sogyal Rinpoche gemeinsam (die beide im DBU-Rat vertreten sind). Deshalb kann man ohne weiters konstatieren, dass es hier eine strukturelle Übereinstimmung gibt. Dieser Mythos den Sie da beschwören, der nebenbei übrigens eine Essentialismus ist und von daher sowieso nichts mit indischer buddhistischer Philosophie zu tun hat, führt auch zu so autoritären Verhaltensweisen wie Sie sie im Falle von Made in Dresden an den Tag legten. Man macht also, wenn es in einem eigentlich buddhistischen Sinne um Befreiung geht und man dennoch eine unbezweifelbare Autorität wie Sie als dessen Stellvertreter und Sprecher auftreten lässt, gewissermaßen den Boeck zum Gärtner.


    Was nun das Haschisch-Sutra angeht, um das provisorisch so zu nennen (denn obwohl es anscheinend dem Lotus-Sutra zugeordnet wird, scheint es ein (soweit man das im hermeneutischen Sinn sagen kann) durchaus eigenständiger Text zu sein), so rate ich Ihnen dringend, das ursprüngliche englische Interview auf das ich mich beziehe einmal genau zu lesen. Anscheinend haben Sie das, vertrauend auf ihre Intuition, noch nicht getan. Sonst wüssten Sie, dass es sich hier keineswegs um einen Scherz handelt. Nachzulesen ist dort nämlich auch, wie sehr der so genante Antidrogenkrieg der USA und ihrer Vasallen, für die Unterdrückung derartiger buddhistischer Traditionen verantwortlich ist. Im Prinzip stehen Sie dieser Unterdrückung in nichts nach, indem Sie zwar implizit Sake saufende Zenheinis als normal erachten, sich aber über einen kiffenden Zenmeister lustig machen und Ihn als Parodie diffamieren. Auch in diesem Sinn muss der deutsche Buddhismus, den Sie grossspurig als Maß der Dinge ausgeben, noch viel lernen.


    Hochachtungsvoll und in tiefstem Vertrauen, ihr Unbuddhist

  • Quote from Der Unbuddhist

    Was nun das Haschisch-Sutra angeht, um das provisorisch so zu nennen (denn obwohl es anscheinend dem Lotus-Sutra zugeordnet wird, scheint es ein (soweit man das im hermeneutischen Sinn sagen kann) durchaus eigenständiger Text zu sein), so rate ich Ihnen dringend, das ursprüngliche englische Interview auf das ich mich beziehe einmal genau zu lesen. Anscheinend haben Sie das, vertrauend auf ihre Intuition, noch nicht getan. Sonst wüssten Sie, dass es sich hier keineswegs um einen Scherz handelt.


    Ich habe "Tutte Wachtmeister" eigentlich immer für so eine Parodie der Non-Buddhisten gehalten, aber seit Donald Trump amerikanischer Präsidentschaftkandidat ist, musste ich erkennen, dass sich etwas was wie die allerschlimmste Paradie wirkt, oftmals leider keine ist.


    Think Not Hanh: What’s Weed Got To Do With It?

  • Für die Zweifler hier: Es gibt einen weiteren Artikel auf Tricycle (sorry, Englisch schon wieder), der ebenfalls bestätigt, dass es sich hier um eine ernstzunehmende Tradition handelt => Tripping with the Buddha. Das die DBU oder einer ihrer Ex-Kader das nicht wahrhaben wollen, ist klar. Haben wir von denen jemals erlebt, dass die wichtige jüngere Entwicklungen rasch ins Deutsche transportierten, sprich: übersetzten? Seltenst. Daran liegt es übrigens auch, dass Leute wie Sudhana behaupten können, dass der Deutsche Buddhismus maßgebliche und – vor allem natürlich – führende Ergebnisse liefert in der Buddhologie. Das Problem ist aber, dass das weitaus Meiste an jüngerer Forschung (die sorgfältige Übertragung von Texten z.B.) nur auf Englisch vorliegt und das die DBU es einfach nicht interessiert, diese ins Deutsche zu übertragen. Lieber Esoterik. Es müsste aber eines der Hauptanliegen sein möglichst viele fundierten Ergebnisse der Buddhismusforschung zu übersetzen – was übrigens auch ein nicht so grosses finanzielles Problem wäre, da es für solche Projekte vielfach Möglichkeiten der Förderung gibt.


    P.S. Es geht hier nicht um den ähnlich heissenden Thich Nhat Hanh. Es geht im weitesten Sinne um die Freiheit zu denken – die der X-Buddhist verabscheut. Es geht um die Sache und nicht um Personen. Die sind ja bekanntlich lediglich eine Art Täuschung. Es geht auch um die vielen unkritischen Nachbeter des X-Buddhismus, die Buddhismus im Westen zu einer unerträglichen süssen Pampe vermatschen.


    Dem alten Mann aus Vietnam im Plum Village sei ein friedliches Ende gewünscht.

  • Quote from Der Unbuddhist

    Für die Zweifler hier: Es gibt einen weiteren Artikel auf Tricycle (sorry, Englisch schon wieder), der ebenfalls bestätigt, dass es sich hier um eine ernstzunehmende Tradition handelt => Tripping with the Buddha.


    Kann ich beim besten Willen nicht erkennen. Und selbst wenn, wäre es mir wurscht - es hat einfach nix mit meiner Tradition zu tun.

  • Quote from Der Unbuddhist

    Und wer wie Sie Sexualität mit Fortpflanzung verwechselt bzw. gleich setzt (O-Ton DBU: "Der eigentliche Zweck der Sexualität ist Fortpflanzung"), sollte sich nicht zu weit aus dem Fenster lehnen


    Zunächst einmal stammt die Aussage nicht von mir - aber das nur nebenbei. Sodann ist eine Aussage "A ist der Zweck von B" keine "Gleichsetzung" von A und B. Erst recht keine "Verwechslung" - oder sind Sie der Ansicht, dass der eigentliche Zweck der Fortpflanzung (B) die Sexualität (A) ist? Elementare Logik ... Ansonsten sollten Sie sich zu dem Thema vielleicht einmal von einem Evolutionsbiologen beraten lassen - wobei vielleicht ein kurzer populärwissenschaftlicher Abriss schon genügt. Für die, die in der Schule nicht aufgepasst haben, hier eine kurze Zusammenfassung.


    Ansonsten ist unbestritten, dass Sexualität bei Menschen u.a. auch eine soziale Funktion hat - und gerade diese soziale Funktion und ihre differenzierte Betrachtung unter verschiedenen Gesichtspunkten war Thema des Kongresses. Der sich wiederum vorrangig an Laienbuddhisten richtete - insofern ging es da auch vorrangig um heilsame Ausübung von Sexualität im Sinne der 3. śīla, nicht um Abstinenz.

    Quote from Der Unbuddhist

    Erstens schrieb ich von der Frage, ob dieser Buddha wirklich existierte, nicht aber davon, wann er zu datieren sei. Diese Frage betrifft das Problem der Autorschaft, sie betrifft Fragen der Kontextualität und wie diese Sinn und Deutung beeinflusst.


    Die Grundzüge historischen Arbeitens scheinen Ihnen nicht vertraut zu sein, sonst wäre Ihnen bewusst, dass die Frage der Datierung von der Frage der Historizität Buddhas nicht zu trennen ist. Die Vorgehensweise ist auf jeden Fall die Sichtung von biografischen Quellen (zu denen selbstverständlich auch Suttapitaka und die Agamas als vorgebliche vox ipsissima Buddhas gehören) verbunden mit einer eingehenden Quellenkritik. Quellenkritik (die im Falle des Palikanon ohnehin schon seit der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts intensiv betrieben wird) heisst unter anderem Klärung bzw. Verdeutlichung des "Problems der Autorschaft", der "Kontextualität" der Quelle und natürlich auch der Wirkungsgeschichte der Quelle. Ein Blick in die von mir verlinkte Arbeit von Frau Dr. Hüskens hätte da - bei verständigem Lesen - schon etwas Aufklärungsarbeit leisten können.


    Zu der Mythisierung, die Sie mir unterstellen, habe ich mich erst kürzlich hier im Forum geäußert. Aber Sie scheinen hier ja nur mitzulesen, wenn sie dieses Forum gerade mal wieder als Reklameplattform für Ihren Blog missbrauchen.

    Quote from Der Unbuddhist

    Dieser Mythos den Sie da beschwören, der nebenbei übrigens eine Essentialismus ist und von daher sowieso nichts mit indischer buddhistischer Philosophie zu tun hat, führt auch zu so autoritären Verhaltensweisen wie Sie sie im Falle von Made in Dresden an den Tag legten.


    Zu diesem Thema habe ich mich abschließend hier geäußert. Ich habe dem nichts hinzuzufügen und ich denke auch, dass der Versuch, Ihnen z.B. den verfassungsrechtlichen Unterschied zwischen dem Träger eines Grundrechtes und dem Adressaten eines Grundrechts zu erläutern, hoffnungslos wäre.

    Quote from Der Unbuddhist

    Was nun das Haschisch-Sutra angeht [...] Sonst wüssten Sie, dass es sich hier keineswegs um einen Scherz handelt.


    ... was nun wiederum meine schon geäußerte Vermutung bestätigt, dass Sie auf einen - für meinen Geschmack etwas zu breit ausgewalzten - Aprilscherz hereingefallen sind. Ansonsten verkneife ich mir, öffentlich Überlegungen anzustellen, ob das womöglich Folgen einer allzu intensiven Praxis des "Zen des Haschisch" sind. In diesem Sinne - guten Morgen.


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  • Quote from bel

    Kann ich beim besten Willen nicht erkennen. Und selbst wenn, wäre es mir wurscht - es hat einfach nix mit meiner Tradition zu tun.


    Das Thema Buddhismus und psychotrope Drogen taucht seit gut 50 Jahren immer wieder mal wie ein falscher Fünfziger auf, um dann wieder für eine Weile in der Versenkung zu verschwinden. Auch hier im Forum, z.B. vor 5 Jahren das. Wer sucht findet sicher noch mehr. Jedenfalls - Tricycle muss man da nicht unbedingt bemühen und auch den 'Unbuddhisten' nicht.


    Meine erste unheimliche Begegnung dieser Art war 'Psychedelische Erfahrungen. Ein Handbuch nach Weisungen des Tibetanischen Totenbuches' von Leary / Metzner / Alpert. Habe ich nicht nur gelesen (übrigens parallel zur Übersetzung von Evans-Wentz mit dem Kommentar C. G. Jungs). Das ist jetzt über 30 Jahre her ...


    Muss man nicht wiederholen - und wegweisend war das auch nicht.


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  • ub:

    Quote

    aus einer systematischen Nutzung des Haschisch zum Durchbruch in das Existiert Nicht. Letzteres ist, wie Hanh erläutert, eines der wichtigsten Mantren dieser Schule Von der Kraft des Lotus.


    Mich würde nicht wundern, wenn eine solche Tradition bestünde. Trance-Elemente zur Bewusstseinsöffnung beinhaltet jede esoterische oder esoterisch/schamanisch angehauchte (buddh.) Tradition. Ich erinnere mich auch mit Schmunzeln an die Seiten aus Burroughs, Auf der Suche nach Yage, in denen er einen "spirituellen Durchbruch" -alles in Großbuchstaben- festgehalten hat. Klar ist aber auch, dass über Drogenkonsum ein „vertraut werden mit dem eigenen Geist“, als auch „das Ursprüngliche, das Wesentliche berühren“ nicht möglich ist. Daher wundert mich dieses beschränkte Mantra nicht.

    Edited once, last by Anonymous ().