Gibt es ein Selbst?

There are 1,518 replies in this Thread. The last Post () by kesakambalo.

  • Quote from mukti

    Also Fundamentalismus und Relativismus sind Anzeichen dafür dass der Pfad nicht betreten wurde. Und eine Voraussetzung zum Betreten ist das Vertrauen, dass der Pfad zu den hier angesprochenen Erkenntnissen führt.


    Es ist keine "Voraussetzung" sondern Kennzeichen, daß der Pfad betreten wurde, wie es auch Kennzeichen des Betreten des Pfades ist, daß man zu bestimmten Erkenntnissen kommt.
    Der Pfad ist nix, was in Vertröstung auf einen fernen Sankt-Nim­mer­leins-Tag irgendwo hingeführt, sondern genau jeder Moment, der jeweils Entscheidung und Tat (als Validierung der Entscheidung) erfordert.

  • Der Erhabene sprach also:

    "Alles will ich euch zeigen, ihr Mönche, das höret wohl.
    Was ist also, ihr Mönche, alles?
    Das Auge ist es und die Formen,
    das Ohr und die Töne,
    die Nase und die Düfte,
    die Zunge und die Säfte,
    der Körper und die Gegenstände,
    der Geist und die Dinge: das heißt man, ihr Mönche, alles.


    Wer, ihr Mönche etwa behaupten wollte:
    'Ich werde solch ein <Alles> zurückweisen und ein <Alles> von anderer Art aufweisen,' und er würde über den Gegenstand seiner Behauptung befragt werden, so könnte er keinen Bescheid geben, würde vielmehr in weiteren Widerstreit geraten.
    Und aus welchem Grunde?
    Weil so etwas, ihr Mönche, nicht zu finden ist". aus S.35.23

  • Quote from bel
    Quote from mukti

    Also Fundamentalismus und Relativismus sind Anzeichen dafür dass der Pfad nicht betreten wurde. Und eine Voraussetzung zum Betreten ist das Vertrauen, dass der Pfad zu den hier angesprochenen Erkenntnissen führt.


    Es ist keine "Voraussetzung" sondern Kennzeichen, daß der Pfad betreten wurde, wie es auch Kennzeichen des Betreten des Pfades ist, daß man zu bestimmten Erkenntnissen kommt.
    Der Pfad ist nix, was in Vertröstung auf einen fernen Sankt-Nim­mer­leins-Tag irgendwo hingeführt, sondern genau jeder Moment, der jeweils Entscheidung und Tat (als Validierung der Entscheidung) erfordert.


    Ja wenn man Betreten und Begehen gleichsetzt, ohne Vertrauen kann man aber auch nicht vollständig in den Pfad eintreten. Z.B. gibt es im Pfad Elemente die angeblich durch ein "himmlisches Auge das dem menschlichen überlegen ist" eingebracht wurden, oder Nibbana, oder das hier zur Diskussion stehende Selbst bzw. anatta. Erkenntnis und Erfahrung reichen hier nur bis zu einem gewissen Punkt anhand der Verfügung stehenden Mittel, von da aus kann man sich für oder gegen das Vertrauen entscheiden.

  • Quote from mukti

    Ja wenn man Betreten und Begehen gleichsetzt ...


    Wenn man sich da mal mal konzentriert hineinvertieft, ist da kein Unterschied.


    Quote from mukti

    Z.B. gibt es im Pfad Elemente die angeblich durch ein "himmlisches Auge das dem menschlichen überlegen ist" eingebracht wurden, oder Nibbana, oder das hier zur Diskussion stehende Selbst bzw. anatta.


    Man kann das natürlich beliebig mythologisieren, aber das führt zu nix - es ist einfach nur die schon oben dargestellte Vertrauens- und Entscheidungsschwäche im gegenwärtigen Moment.

  • Quote from mukti

    Wenn diese Erkenntnis nicht da ist bleibt nur die Wahl in die Lehre zu vertrauen oder nicht. Wird solches Vertrauen mit Erkenntnis verwechselt, ergibt sich dogmatischer Fundamentalismus.


    Genau, aber nach dem Buddha kommt Vertrauen vor Erkenntnis.
    Erst hat man Vertrauen in die Lehre, dann kommt es zu Erkenntnis.
    Nach dem Buddha ist Dasein ein geistiger Prozess ähnlich einem Traum
    der als Realität erfahren wird. Diese empirische Erfahrung ist der Wahntraum.
    Hier lebt das Leben, hier geht der Bär ab, hier gibt es Geburt, Alter und Tod.
    Nun kommt der Erwachte in diesen Wahntraum. Der sagt, das ist ein Wahntraum,
    das ist Elend, das ist Leiden, laß es los, es gibt gar kein wirkliches Selbst oder Eigen,
    alles ist vergänglich, unbeständig, befreie dich von dieser angeblichen Realität, beende
    diese Spiel. Das ist Nibbana! Und es gibt einen Weg das zu schaffen. Folge den Übungen usw. usw.
    Nun gibt es zwei Möglichkeiten: entweder man entwickelt Vertrauen zum Buddha und
    seiner Lehre und kommt zur Befreiung oder man bleibt beim Wahntraum als Realität.
    Wer aber sagen würde, nicht eher folge ich dieser Lehre als ich keine Erkenntnis in allen
    diesen Dingen erlangt habe, der wird darüber auch keine Erkenntnis erlangen können, denn
    er bleibt ja auf der Ebene den Wahntraum für die Realität fest zu halten und hat Angst,
    ihm würde der Boden unter den Füßen weggezogen werden. Angst ist hier tatsächlich
    auch ein Problem und führt zur Blockade. So jedenfalls die Lehre des Buddha.


    -

  • Vergehen ist leicht misszuverstehen in diesem Zusammenhang. Nach dem Lesen der Beiträge ist es vielleicht besser wenn bei: vergehen, vergänglich, gleich auch zerfallen als Gedanken zugelasssen wird. Zerfallen trifft es meinem Verstehen nach besser, denn dann ist sogar das Proton darin enthalten, denn wenn es eine Halbwertzeit hat, sei sie auch noch so riesig, zerfällt es. Alles ist vergänglich sagt zwar das gleich aus, doch "zerfällt" macht deutlich wie es vergeht. Und das alles Zerfällt ist ja wohl unbezweifelbar. Da taucht auch nicht mehr der Gedanke auf wohin es vergeht.
    Das Selbst zerfällt um das erscheinen des NichtNachdenkenOrt zu ermöglichen und dessen vergehen ermöglicht das Erscheinen eines Selbst. Das Selbst vergeht eben nicht, es zerfällt und aus alle zerfallenen Selbst erscheint ein Selbst das nie gleich dem zerfallenen Selbst ist. Der NichtNachdenkenOrt vergeht denn er erscheint immer in der gleichen, einen Art.

    1) Alle Dinge und alle Gedanken sind in gegenseitiger Abhängigkeit bedingt Entstehend.

    2) Das ist nicht Mein, das ist nicht mein Ich, das ist nicht mein Selbst, das ist nicht mein Nibbana/Nirwana.

    Sinnsuche ist Sinngeben. Sinngeben ist Meinung. Meinung ist Leiden.

  • Quote from accinca


    Wer aber sagen würde, nicht eher folge ich dieser Lehre als ich keine Erkenntnis in allen
    diesen Dingen erlangt habe, der wird darüber auch keine Erkenntnis erlangen können, denn
    er bleibt ja auf der Ebene den Wahntraum für die Realität fest zu halten und hat Angst,
    ihm würde der Boden unter den Füßen weggezogen werden. Angst ist hier tatsächlich
    auch ein Problem und führt zur Blockade. So jedenfalls die Lehre des Buddha.


    Diese Angst entsteht aus Anhaftung, der festverwurzelten Überzeugung eines "Ich" und "mein" - ich bin Körper/Geist, es sind meine Bestandteile, und was ich zu beliebiger Verwendung habe, gehört mir, ist mein Besitz. Daher entsagen die Mönche und Nonnen zuerst allem Besitz und ziehen in die Hauslosigkeit, um ohne Ablenkung an der Auflösung aller irrigen Vorstellungen arbeiten zu können.
    Diese natürliche Existenzangst kann denn auch eine Ursache für den Glauben an ein Selbst sein, weil dann ja doch noch irgendwie was übriggbleibt von mir, gar in ewiger Glückseligkeit. Noch attraktiver als eine Lehre die Erlösung vom unbetreitbaren Leid der körperlich/geistigen Existenz bietet, ist eine Lehre die es durch eine ewige Existenz ersetzt. Daher ist die auch in verschiedenen Variationen viel weiter verbreitet als die Lehre des Buddha.

  • Quote from mukti

    Noch attraktiver als eine Lehre die Erlösung vom unbetreitbaren Leid der körperlich/geistigen Existenz bietet, ist eine Lehre die es durch eine ewige Existenz ersetzt. Daher ist die auch in verschiedenen Variationen viel weiter verbreitet als die Lehre des Buddha.


    In der Tat! Entspricht ja auch dem Begehren und man kann den
    Wahntraum weiter treiben wie bisher auch schon. Wenn es denn
    eine ewige Existenz geben würde in der es ewiges Glück gäbe.
    Einen Erwachten hätte man dann auch nicht gebraucht:


    "Gäbe es in der Welt kein Elend, so würden die Wesen nicht der Welt überdrüssig werden.
    Weil es nun aber Elend in der Welt gibt, darum eben werden die Wesen der Welt überdrüssig.
    Gäbe es in der Welt kein Entrinnen, so könnten die Wesen aus der Welt nicht entrinnen.
    Weil es nun aber in der Welt ein Entrinnen gibt, darum eben entrinnen die Wesen aus der Welt.


    Und solange die Wesen nicht hinsichtlich der Welt den Genuß als Genuß, das Elend als Elend
    und die Entrinnung als Entrinnung der Wirklichkeit gemäß erkannt haben, solange sind die
    Wesen aus der Welt mit ihren guten und bösen Geistern und ihren Brahma-Göttern, mit ihrer
    Schar von Asketen und Priestern, Göttern und Menschen, noch nicht entronnen, haben sich
    noch nicht von ihr losgelöst und befreit, und verweilen mit einem in der Welt befangenen Gemüte. " A 3. 106


    -

  • Quote from JazzOderNie

    Sudhana: Du hast die Pointe vergessen.


    Durchaus nicht.

    Quote from JazzOderNie

    Die Definition von Nibanna.


    Quote from Sudhana

    Diese Erfahrung [von nibbana] ist natürlich auch keine empirische, die sich durch ein erfahrendes Subjekt und ein erfahrenes Objekt definiert und damit inhaltlich auch nicht kommunizierbar - sie ist das, was als Erwachen, als bodhi bezeichnet wird.


    - das heisst nichts anderes, als dass nibbana auch nicht definierbar ist. Es ist nur negativ bestimmbar - und Buddha selbst ging auch über negative Bestimmungen nicht hinaus, z.B. in Ud 8.3. Wie auch?


    ()

  • Quote from Sudhana

    Diese Erfahrung [von nibbana] ist natürlich auch keine empirische, die sich durch ein erfahrendes Subjekt und ein erfahrenes Objekt definiert und damit inhaltlich auch nicht kommunizierbar - sie ist das, was als Erwachen, als bodhi bezeichnet wird.


    Du meinst, nicht empirisch, weil da im buddhi-religiösen Sprachgebrauch kein "Subjekt" oder "Objekt" mehr ist?

  • Quote from Bakram

    Woher weiss ein "Erwachter/Bodhi dann, dass er sich seine "Erfahrung Nibbana" nicht einfach nur einbildet? Ausserdem dachte ich bisher immer Nibbana werde in der Regel erst nach dem Tod des Körpers erreicht und nur ausnahmsweise würde es ganz bestimmten, speziell talentierten Asketen bereits im jetzigen Leben gelingen Samsara zu verlassen ?


    Du solltest die Lehrreden vielleicht mal selber lesen.

  • Quote from Jon

    ui .. dann zieh ich mein Statement auch mal zurück


    Die Frage wie man merkt ob man sich Erwachen/Nibbana einbildet oder nicht ist schon eine Diskussion wert, gehört aber nicht zum Thema.


    Sudhana hat das Thema Nibbana nur so nebenbei erwähnt.

    "Der höchste Weg ist nicht schwer, nur ohne Wahl. Hasse nicht, liebe nicht, und es ist klar und eindeutig"

  • Quote from bel
    Quote from Sudhana

    Diese Erfahrung [von nibbana] ist natürlich auch keine empirische, die sich durch ein erfahrendes Subjekt und ein erfahrenes Objekt definiert und damit inhaltlich auch nicht kommunizierbar - sie ist das, was als Erwachen, als bodhi bezeichnet wird.


    Du meinst, nicht empirisch, weil da im buddhi-religiösen Sprachgebrauch kein "Subjekt" oder "Objekt" mehr ist?


    Okay, das war missverständlich bzw. verkürzt formuliert. Als 'empirisch' bezeichne ich Erfahrungen, die "im buddhi-religiösen Sprachgebrauch" Funktionen der saḷāyatana (bleiben wir der Konsistenz halber mal beim Pali) sind. Also Ergebnis des Zusammenwirkens von ajjhattikāni āyatanāni ("Subjekt") und bāhirāni āyatanāni bzw. visaya ("Objekt"). 5. nidāna des paṭiccasamuppāda. Nibbana als asankhata dhamma transzendiert paṭiccasamuppāda - es ist kein visaya.


    ()

  • Quote from accinca

    Der Erhabene sprach also: "Alles will ich euch zeigen, ihr Mönche, das höret wohl. Was ist also, ihr Mönche, alles? ... Wer, ihr Mönche etwa behaupten wollte: 'Ich werde solch ein <Alles> zurückweisen und ein <Alles> von anderer Art aufweisen,' und er würde über den Gegenstand seiner Behauptung befragt werden, so könnte er keinen Bescheid geben, würde vielmehr in weiteren Widerstreit geraten. Und aus welchem Grunde? Weil so etwas, ihr Mönche, nicht zu finden ist". aus S.35.23


    Was soll uns das in diesem Zusammenhang sagen?


    Dass es nur ein vernüftiges "Alles" gibt, nämlich das, was sich in den sechs Sinnen abspielt. Wollte jemand ein anderes "Alles" definieren, wäre das sinnlos, denn es würde in dem "sechs-Sinne-Alles" in jedem Fall aufgehen.


    Und nun möchtest Du schlussfolgern, dass es außerhalb dieses "sechs-Sinne-Alles" auch gar nichts weiter geben kann?


    Viele Grüße
    Elliot

  • Quote from Selbst

    Mir scheint, wenn ihr mir diese Offenheit erlaubt, weder du noch Elliott verstehen diese Stelle so, dass der Zweifel auch derart aufgehoben werden kann, dass man zu anderen Schlüssen kommt als der Buddha (zum Beispiel in Hinblick auf die Tatsache, dass man an den Taten wie gesagt nicht erkennt, wie einer weiterwandert, da ja alle gleichermaßen sterben)


    Natürlich, das ist halt eine andere Lehre, ein anderer Weg, und auch nichts Neues:


    Quote

    "Sandaka, da vertritt irgendein Lehrer solch eine Lehrmeinung und Ansicht wie diese: 'Es gibt keine Gaben, nichts Dargebrachtes oder Geopfertes; keine Frucht oder Ergebnis guter und schlechter Taten; nicht diese Welt, nicht die andere Welt; keine Mutter, keinen Vater; keine spontan geborenen Wesen; keine guten und tugendhaften Mönche und Brahmanen auf der Welt, die diese Welt und die andere Welt durch Verwirklichung mit höherer Geisteskraft erfahren haben und erläutern [1]. Eine Person besteht aus den vier großen Elementen. Wenn sie stirbt, kehrt Erde zurück und geht zum Erdkörper zurück, Wasser kehrt zurück und geht zum Wasserkörper zurück, Feuer kehrt zurück und geht zum Feuerkörper zurück, Wind kehrt zurück und geht zum Windkörper zurück; die (Sinnes-)Fähigkeiten werden in den Raum übertragen. Vier Männer mit der Bahre als fünftem tragen die Leiche weg. Die Begräbnisrede reicht so weit wie das Leichenfeld; die Knochen bleichen; die Knochen enden in Asche. Großzügigkeit ist nur Gerede. Wenn jemand die Lehrmeinung geltend macht, es läge ein Sinn darin, so ist es leeres, falsches Geschwätz. Narren und die Weisen werden bei der Auflösung des Körpers gleichermaßen abgeschnitten und vernichtet; nach dem Tode existieren sie nicht.'"


    "Dies ist der erste Weg, der das heilige Leben verneint, der vom Erhabenen, der weiß und sieht, der verwirklicht und vollständig erleuchtet ist, verkündet worden ist, dem folgend ein Weiser das heilige Leben gewiß nicht führen würde, oder wenn er es führen würde, er den wahren Weg, das Dhamma, das heilsam ist, nicht erlangen würde."


    (Majjhima Nikāya 76: An Sandaka - Sandaka Sutta)


    Gute Reise!


    Viele Grüße
    Elliot

  • Quote from Sudhana

    Zunächst einmal wäre klarzustellen, dass die Aussage "Alles ist vergänglich" so im Buddhismus gar nicht gelehrt wird. Ein wenig genauer sollte man schon hinschauen. Die 'Formel' der tilakkhaṇa (der 'drei Merkmale') lautet: sabbe sankhara anicca - sabbe sankhara dukkha - sabbe dhamma anatta. Man beachte, dass lediglich anatta auf sabbe dhamma bezogen ist (was man mit "Alles" übersetzen könnte), anicca und dukkha jedoch auf sankhara)...


    Ja, der Einwand ist gerechtfertigt.


    Allerdings teile ich Deine weiteren Ausführungen nicht, bis auf dieses Fragment:


    Quote from Sudhana

    Ergänzend sei hier noch angemerkt, dass die Theravadin lediglich ein einziges asankhata dhamma postulieren: nibbana.


    Denn so ist es gemeint:


    sabbe sankhara anicca --> Alles (Zusammengesetzte, bedingt entstandene) ist vergänglich.
    ALSO:
    sabbe sankhara dukkha --> Ist Alles (Zusammengesetzte, bedingt entstandene) unzulänglich.
    ALSO:
    sabbe dhamma anatta --> Kann Alles (Zusammengesetzte, bedingt entstandene und auch Nibbana) nicht Atman sein.


    Denn Atman würde sich durch Unvergänglichkeit und Vollkommenheit auszeichnen:



    Viele Grüße
    Elliot

  • Quote from Elliot
    Quote from accinca

    Der Erhabene sprach also: "Alles will ich euch zeigen, ihr Mönche, das höret wohl. Was ist also, ihr Mönche, alles? ... Wer, ihr Mönche etwa behaupten wollte: 'Ich werde solch ein <Alles> zurückweisen und ein <Alles> von anderer Art aufweisen,' und er würde über den Gegenstand seiner Behauptung befragt werden, so könnte er keinen Bescheid geben, würde vielmehr in weiteren Widerstreit geraten. Und aus welchem Grunde? Weil so etwas, ihr Mönche, nicht zu finden ist". aus S.35.23


    Was soll uns das in diesem Zusammenhang sagen?


    Mir viel diese Stelle im Zusammenhang mit dieser Behauptung ein:
    "Zunächst einmal wäre klarzustellen, dass die Aussage "Alles ist vergänglich"
    so im Buddhismus gar nicht gelehrt wird."

  • Quote from Sudhana
    Quote from bel


    Du meinst, nicht empirisch, weil da im buddhi-religiösen Sprachgebrauch kein "Subjekt" oder "Objekt" mehr ist?


    Okay, das war missverständlich bzw. verkürzt formuliert. Als 'empirisch' bezeichne ich Erfahrungen, die "im buddhi-religiösen Sprachgebrauch" Funktionen der saḷāyatana (bleiben wir der Konsistenz halber mal beim Pali) sind. Also Ergebnis des Zusammenwirkens von ajjhattikāni āyatanāni ("Subjekt") und bāhirāni āyatanāni bzw. visaya ("Objekt"). 5. nidāna des paṭiccasamuppāda. Nibbana als asankhata dhamma transzendiert paṭiccasamuppāda - es ist kein visaya.


    ()



    Naja. Bis man es erfährt bleibt es jedenfalls eine Vorstellung und wenn man es erfahren sollte nimmt man es nicht mal wahr. Das erinnert mich stark an des unsichtbare rosafarbene Einhorn https://de.wikipedia.org/wiki/…ares_rosafarbenes_Einhorn


    Ich halte mich derweil an handfesteres: den 8 fachen Pfad.

    "Der höchste Weg ist nicht schwer, nur ohne Wahl. Hasse nicht, liebe nicht, und es ist klar und eindeutig"

  • Quote from Bakram

    Naja. Bis man es erfährt bleibt es jedenfalls eine Vorstellung und
    wenn man es erfahren sollte nimmt man es nicht mal wahr. Das erinnert mich stark
    an des unsichtbare rosafarbene Einhorn.


    Solche und ähnliche Gedanken kommen eindeutig durch Mangel an Erkenntnis.
    Nibbāna ist kein Gegenstand.
    Nibbana ist zwar auch eine Bezeichnung für "abhutam" (ungeworden), aber was bedeutet das?
    Kann man sich unter "ungeworden" irgend etwas vorstellen?
    Nibbāna ist eine Bezeichnung für das Ende von Anhaften bzw. Begehren
    und deren Konsequenzen - da wo weder kommen noch gehen ist, das ist das
    Ende der Zeit und daher das Todlose (amatam). Nibbana ist niemals entstanden.
    Es ist eine Bezeichnung für die Befreiung vom Anhaften am Entstandenen.
    Das nennt sich "Nibbāna". Das Entstandene ist es wovon der Geist bzw. das Begehren
    seine Finger nicht lassen kann. Das Begehren will kein Ende des Begehren will nicht Nibbāna.
    -

  • Quote from Elliot

    Denn so ist es gemeint:


    sabbe sankhara anicca --> Alles (Zusammengesetzte, bedingt entstandene) ist vergänglich.
    ALSO:
    sabbe sankhara dukkha --> Ist Alles (Zusammengesetzte, bedingt entstandene) unzulänglich.
    ALSO:
    sabbe dhamma anatta --> Kann Alles (Zusammengesetzte, bedingt entstandene und auch Nibbana) nicht Atman sein.


    Ob es so "gemeint" ist, will ich mal offen lassen - aber ich nehme zur Kenntnis, dass das Dein Verständnis der tilakkhan᷂a ist. Der ersten Schlussfolgerung stimme ich durchaus zu: aus der Unbeständigkeit alles Bedingten folgt ihre Leidhaftigkeit, d.h. die Leidhaftigkeit des Dranges, Bedingtes zu ergreifen und festzuhalten (also die Beziehung taṇhā - upādāna). Das Ergriffene ist nicht das, was es in verblendeter Wahrnehmung (aus avidya heraus) zu sein scheint - nämlich etwas, das substantiell (atta) ist. Bildlich ausgedrückt: es zerrinnt einem zwischen den Fingern. Ergreifen ist damit eine Quelle beständiger Frustration, weil nichts Ergriffenes festgehalten werden kann. Um ein Missverständnis zu vermeiden: Ergreifen (upādāna) hat in der buddhistischen 'Psychologie' einen Doppelaspekt - anders als im konventionellen Verständnis werden nicht nur Objekte 'ergiffen', sondern es wird dabei notwendig auch das Subjekt des Ergreifens gesetzt bzw. 'ergriffen'.


    Wenn man nun die Prämisse setzt, dass atman / atta frei von den Merkmalen anicca und dukkha sein muss bzw. dadurch definiert ist, dann kann man tatsächlich aus den Aussagen "alles Bedingte ist anicca" und "alles Bedingte ist dukkhata" den deduktiven Schluss ziehen "ALSO ist alles Bedingte auch anatta". Elementare Logik. Ein Schließen von Merkmalen des Bedingten (anicca, dukkha) auf ein Merkmal des nicht-bedingten nibbana - hier wiederum anatta - ist allerdings nicht möglich. Deine Schlussfolgerung

    Quote from Elliot

    ALSO:
    sabbe dhamma anatta --> Kann [...] Nibbana nicht Atman sein.


    ist logisch falsch.Sie lässt sich nicht logisch korrekt ziehen.


    Allenfalls wäre ein induktiver Schluss möglich: alles Bedingte ist anatta. Also ist Nicht-Bedingtes atta. Nun haben induktive Schlüsse allerdings den Schönheitsfehler, dass sie nicht zwingend sind. Dass dieser induktive Schluss nicht nur nicht zwingend, sondern falsch ist - dafür haben wir nur das Wort derer, die das Nicht-Bedingte erfahren haben. Das Vertrauen in dieses Wort und in die Methode, die zum Erfahren des Nicht-Bedingten empfohlen wird, kann in keiner Weise durch logische Schlussfolgerung ersetzt werden.


    Nebenbei - genau dies ist der Grund, warum mE der Buddhismus korrekt als 'Religion' zu bezeichnen ist. Wenn auch als 'Erfahrungsreligion', was heisst, dass logisch nicht begründbare Aussagen durch eine bestimmte Methode (in diesem Fall durch den achtfachen Pfad) in der Erfahrung verifiziert werden können.


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