Gibt es ein Selbst?

There are 1,540 replies in this Thread. The last Post () by kesakambalo.

  • Manches, was hier als "Grundannahme" verschleiert wird, ist akademisch längst erledigt und tatsächlich die Ableitung, die Erkenntnis, zu der man durch Recherche, Abwägung usw. gekommen ist. Die Hermeneutik geht da üblicherweise Hand in Hand mit der historisch-kritischen Methode. Es ist dann eher unerfreulich, wenn manche User auf dem Kenntnisstand von - sagen wir des Jahres 1252 über bestimmte Zenlehren diskutieren wollen. :roll:


    Quote

    Im Shrimaladevi-Sutra heißt es, die Unbeständigkeit der Phänomene sei eine negative Sicht und die Kausalkette eine positive, weil sie zur Befreiung aus dem Kreislauf der Wiedergeburten führe, zum Nirwana. Diese beiden Extreme treffen sich auf einen Streich, wenn wir sie in die Steckdose namens hishiryô stecken.

    (Kodo Sawaki)

  • Quote from Selbst

    "Erledigt" bedeutet einfach, dass hier einige User Diskussionen führen, die sich nicht auf dem aktuellen oder auch nur annhähernd aktuellen Kenntnisstand der Wissenschaft befinden, also hier der Buddhismuswissenschaft.


    Das wäre jetzt sehr beängstigend für mich *grusel* *schüttel* *weiterlauf*

  • @ selbst:
    Wenn die Rezeption dieser Wissenschaft dazu führt den Dharma mit einem Gefühl von Abneigung und Skepsis zu betrachten brauch ich die auch nicht.


    Mir scheint nur dass Bel davon ausgeht, dass (für ihn)fehlerhafte Interpretationen aus Unkenntnis UND einseitiger Neigung ( Verallgemeinerung ) zustande kommt und dass hier nun Aufklärung nützlich sein kann. Ersteres stimmt, kommt aber nun auch auf Bereitschaft und Fähigkeit des Dialogpartners an, sowie auf den Duktus, die Fachkenntnis, ja sogar die Vorannahme des Kommunikators. Der Mensch macht für gewöhnlich und zu recht "dicht" wenn er bedrängt oder in seiner SEIN slage - dazu gehören auch sg. Grundannahmen- abfällig behandelt wird. Das selbe gilt natürlich auch für den aufklärenden Monolog.


    Hier folge ich auch Heidegger, der sagt: der Anfang des hermeneutischen Zirkels liegt in einer ursprünglichen Grundevidenz der Wahrheit. Nur weil der Mensch „immer schon“ in der Wahrheit seines Seins stehe, könne er die Wahrheitsfrage über den Sinn seines Menschseins stellen und diese weiter ausbauen. Ich möchte erweitern- nur deswegen auch seine Antwort korrigieren, vergleichen und Grundannahmen und Meinungen ändern, und den Wahrheitsgehalt (oder Sinn und Unsinn ) von buddhistischen Texten oder Reden erfassen, die ja zumeist "Gebrauchsgegenstände" sind, anwendungsbezogen -per Definition nach Gadamer schlösse sich dabei ein "gewöhnlicher" Verstehensprozess, auch der mit "Hermeneutischer Zirkel" benannt sogar aus.
    Würde sagen: schließt sich nicht aus kann dann aber nicht hinreichend sein. Darüber kann man nun wieder streiten, aber ich habe anscheinend sich unterscheidende Erfahrungen als du und du, und die sagen mir das, und das ist doch okay, wenn Erkenntnisprozess auch auf Empirie zu beruhen hat- wie behauptet.


    Puh ! :D hehe

  • Das bedeutet aber das der hermeneutischen Zirkel nur dann Ergebnisse liefern kann wenn die Schlussfolgerungen auch empirisch/mit Sinnesobjetbezug belegt werden können. Ansonsten ist es nur ein Zirkel der Interpretation der Interpretation, denn die Texte werden ja nicht durch den Texterzeuger mit empirischen Erfahrungen belegt.

    Es gibt Unmengen an Metaebenen. Yang. Es gibt eine Ebene der Realität. Yin

    Dahinter gibt es nichts. Ich bin entscheidet Meta- oder Realebene.

    Bedingtes Entstehen in wechselseitiger Abhängigkeit ist Erleben.

  • Quote from Morpho

    Mir scheint nur dass Bel davon ausgeht, dass (für ihn)fehlerhafte Interpretationen aus Unkenntnis UND einseitiger Neigung ( Verallgemeinerung ) zustande kommt und dass hier nun Aufklärung nützlich sein kann. Ersteres stimmt, kommt aber nun auch auf Bereitschaft und Fähigkeit des Dialogpartners an, sowie auf den Duktus, die Fachkenntnis, ja sogar die Vorannahme des Kommunikators. Der Mensch macht für gewöhnlich und zu recht "dicht" wenn er bedrängt oder in seiner SEIN slage - dazu gehören auch sg. Grundannahmen- abfällig behandelt wird. Das selbe gilt natürlich auch für den aufklärenden Monolog.


    Wie du ja richtig bemerkt hast, liegt die Reaktion "Hörers" bzw Dialogpartners nur sehr begrenzt in der Hand des Sprechers. Zur "Bereitschaft" des Hörers gehört eben wieder auch das Unterlassen von Spekulationen über die Antriebe des Sprechers. Ich verstehe aber das vollkommen das Problem - es läßt sich in vielen Fällen nur über allmähliche Annäherung bewältigen, wie es aber in mindestens ebenso vielen Fällen überhaupt nicht auftritt.
    Ich sage hier aber nochmal: es geht mir hier zuerst um meine eigenen Fehlinterpretation und/oder meine eigenen einseitige Neigungen und Verallgemeinerungen - ob das für andere bei der Betrachtung ihrer eigenen Fehlinterpretation usw interessant oder ganz relevant ist, liegt ganz in deren Ermessen.


    Quote

    Hier folge ich auch Heidegger, der sagt: [i]der Anfang des hermeneutischen Zirkels liegt einer ursprünglichen Grundevidenz der Wahrheit. Nur weil der Mensch „immer schon“ in der Wahrheit seines Seins stehe, könne er die Wahrheitsfrage über den Sinn seines Menschseins stellen und diese weiter ausbauen.


    Ich hänge die Latte deutlich tiefer, ich hab keine Ahnung, wie sich Heidegger "ursprünglichen Grundevidenz der Wahrheit" vorstellt. Mir gehts nur um praktische, relative Wahrheit, Wahrheit bezieht sich bei mir immer nur auf definierte Rahmenbedingungen.


    Quote

    Ich möchte erweitern- nur deswegen auch seine Antwort korrigieren, vergleichen und Grundannahmen und Meinungen ändern, und den Wahrheitsgehalt (oder Sinn und Unsinn ) von buddhistischen Texten oder Reden erfassen, die ja zumeist "Gebrauchsgegenstände" sind, anwendungsbezogen -per Definition nach Gadamer schlösse sich dabei ein "gewöhnlicher" Verstehensprozess, auch der mit "Hermeneutischer Zirkel" benannt sogar aus.


    Sie sind jedenfalls keine "Wettergespräche", in den meisten Fällen, und davon zeugen ja die kontroversen Diskussionen hier, müssen die "Gebrauchsgegenstände" erst isoliert werden.

  • Quote from Ellviral

    Das bedeutet aber das der hermeneutischen Zirkel nur dann Ergebnisse liefern kann wenn die Schlussfolgerungen auch empirisch/mit Sinnesobjetbezug belegt werden können. Ansonsten ist es nur ein Zirkel der Interpretation der Interpretation, denn die Texte werden ja nicht durch den Texterzeuger mit empirischen Erfahrungen belegt.


    Genauer, wir kennen sie in dem meisten Fällen nicht exakt und selbst wenn sie "belegt" (also beschrieben werden) heißt das nicht, daß wir es so einfach nachvollziehen können.
    Nur mal so als Beispiel, das letztlich zitierte Zikaden-Haiku von Bashō - die Kommentarliteratur dazu umfaßt wohl ganze Bücherschränke.
    Es gibt davon auch mindestens 3 Versionen, es gibt einen aktuellen Anlaß, ein Erlebnis und dessen mehrmalige Verarbeitung.
    Ohne die geringste eigene Erfahrung von diesem Sinneserlebnis ist es schlicht nicht nachvollziehbar, wovon der eigentlich spricht.

  • Quote from bel
    Quote from Ellviral

    Das bedeutet aber das der hermeneutischen Zirkel nur dann Ergebnisse liefern kann wenn die Schlussfolgerungen auch empirisch/mit Sinnesobjetbezug belegt werden können. Ansonsten ist es nur ein Zirkel der Interpretation der Interpretation, denn die Texte werden ja nicht durch den Texterzeuger mit empirischen Erfahrungen belegt.


    Genauer, wir kennen sie in dem meisten Fällen nicht exakt und selbst wenn sie "belegt" (also beschrieben werden) heißt das nicht, daß wir es so einfach nachvollziehen können.
    Nur mal so als Beispiel, das letztlich zitierte Zikaden-Haiku von Bashō - die Kommentarliteratur dazu umfaßt wohl ganze Bücherschränke.
    Es gibt davon auch mindestens 3 Versionen, es gibt einen aktuellen Anlaß, ein Erlebnis und dessen mehrmalige Verarbeitung.
    Ohne die geringste eigene Erfahrung von diesem Sinneserlebnis ist es schlicht nicht nachvollziehbar, wovon der eigentlich spricht.

    Das ist für mich so richtig. Das Haiku löst sich nur durch Beschäftigung damit, es dann vergessen und irgendwann blitzt es auf nach einer gemachten Erfahrung.
    Hast du ein Glück das ich recht faul bin was es angeht wie viele dieser Blitze meine Erfahrungen durch Dich schon ausgelöst haben. Hier, wenigstens ein Danke.

    Es gibt Unmengen an Metaebenen. Yang. Es gibt eine Ebene der Realität. Yin

    Dahinter gibt es nichts. Ich bin entscheidet Meta- oder Realebene.

    Bedingtes Entstehen in wechselseitiger Abhängigkeit ist Erleben.

  • Quote from bel

    ... In keinem der Fälle gibt es eine "ucchedavādā-Variante ohne Atman" oder eine "ucchedavādā-Variante mit Atman, wobei dieses Atman aber mit den Khandhas im Ganzen identisch wäre"


    Es zeigt sich hier, daß in "sato sattassa" weder "lebendige" noch "existierende" Wesen richtig passsen.
    Dem Sinne nach geht es um die die Vernichtung der Atta-Wesen ("attano satassa"), also um die Vernichtung eines (zweier) attā (nicht identisch mit "Wesen") anläßlich des Todes der Wesen. In der verqueren Logik der Vertreter solcher Ideen bedeutet dies aber dann auch die endgültige Vernichtung "der Wesen", weil sie "Wesen" (ob nun "wirklich" oder "lebendig") stets als "khandha+atta" denken.


    Also gut, dann noch mal etwas ausführlicher:



    Es stimmt, hier werden 7 Ansichten über die Vernichtung eines lebendigen [existierenden, fühlenden, ...] Wesens ( sato sattassa ) mit dem Tod beschrieben, jede dieser Ansichten "hantiert" mit mindestens einer Form von Atman und es wird festgestellt, dass es darüber hinaus keine Ansicht gibt, die unter Ucchedavādo (im engeren Sinne) zu zählen wäre (ich meine dennoch, die "Tam-Jivam-tam-sariram"-Ansicht ist auch eine Form von Ucchedavādo, ist aber im Moment nicht relevant).


    Wenn es also keine Ucchedavādo-Variante (im engeren Sinne) ohne irgendeine Form von Atman gibt, wie ist dann diese Aussage zu verstehen:


    Quote

    Hätte ich aber, Anando, auf die Frage des Pilgers Vacchagotto, ob es kein Atman gibt, geantwortet: 'Es gibt kein Atman',
    (Ahañcānanda, vacchagottassa paribbājakassa ‘natthattā’ti puṭṭho samāno ‘natthattā’ti byākareyyaṃ,)
    dann wäre ich den Asketen und Brahmanen gefolgt, die Vernichtung ( ucchedavādā ) behaupten.
    (ye te, ānanda, samaṇabrāhmaṇā ucchedavādā tesametaṃ saddhiṃ abhavissa.)
    (Samyutta Nikaya 44.10)


    Eben in dem Sinn, dass die Ansicht, es gebe keinen Atman auf dasselbe Ergebnis wie ucchedavādā hinausläuft: Die Vernichtung eines lebendigen [existierenden, fühlenden, ...] Wesens ( sato sattassa ) mit dem Tod.


    Und das wird nun mal nicht vom Buddha gelehrt.


    Viele Grüße
    Elliot

  • Ich habe das hier an anderer Stelle schon mal gepostet, vielleicht tut es ja etwas zur Sache:




    Dreh und Angelpunkt dieses Suttas ist die Tatsache, dass sowohl Behauptung als auch Leugnung des Selbst beide von einer impliziten Grundannahme der Zulässigkeit von Behauptung oder Leugnung ausgehen. Auf den ersten Blick erschiene es zulässig, gemäß dem Diktum "sabbe dhammā anattā" (Dhp 279) zu sagen, "Es gibt kein Selbst". In der Leugnung eines Selbst ist Selbst aber implizit immer mitgedacht (‚Früher hatte ich ein Selbst, jetzt nicht mehr‘, als verwirrte Konsequenz der Leugnung), Behauptung und Leugnung haben beide ihren Ursprung in der (zumindest impliziten) Annahme eines Selbst.
    Ferner wird sowohl im Pāli als auch im Deutschen "selbst" schlichtweg als rückbezügliches Personalpronomen gebraucht. Dabei steht "selbst", als ein erstarrter Genitiv des Demonstrativpronomens "selb-" im Kasus der Herkunft und Zugehörigkeit (daher auch oft "leer von einem Selbst und was zu einem Selbst gehört). Substantiviert wird daher "das Selbst, mein Selbst" als Prinzip jeglicher Zugehörigkeit der Erfahrung immer vorreflektiv und unthematisch mitempfunden; eine Seele („der Ātman“) ist dabei die, durch Ansicht entstandene, vorgestellte dingliche Entsprechung dieses Zugehörigkeits-Prinzips.


    Was heißt also "sabbe dhammā anattā"? In Übereinstimmung mit dem Anattalakkhana-Sutta erläutert der Kommentar zum Dhammapada es folgendermaßen:


    "tattha sabbe dhammāti pañcakkhandhā eva adhippetā. anattāti “mā jīyantu mā mīyantū”ti vase vattetuṃ na sakkāti avasavattanaṭṭhena anattā attasuññā assāmikā anissarāti attho."

    "Darin sind mit "alle Phänomene" eben die Fünf Gruppen gemeint. „nicht-selbst": nicht-selbst im Sinne der Nichtkontrollierbarkeit, dass es nicht möglich ist, Kontrolle auszuüben wie "Nicht sollen sie altern! Nicht sollen sie sterben!", leer von Selbst, ohne Besitzer, ohne Herr, ist der Sinn."


    Es ist deutlich zu bemerken, dass anattā hier kein Adjektiv ist, sondern Nom. Sing. von anattan. Vergl. Schmidt, Kurt, 1951: „Pāli. Buddhas Sprache.“ Paul Christiani, Konstanz, p. 15: „anattā ist N sing des Substantivs anattan […]. Dies ist wichtig! Der Sinn ist also nicht: Alle Dinge sind wesenlos (Adjectiv pl), sondern: Alle Dinge sind nicht das Selbst, nicht das Ich (Substantiv sing).“
    Dies wird aus anderen Stellen im Kanon deutlicher, wo ersichtlich ist, dass anattā nicht mit seinem Bezugswort kongruiert, z.B. im Anattasuttam des Khandhasaṃyuttaṃ in SN, III, p. 21: […]rūpaṃ, bhikkhave, anattā, vedanā anattā, saññā anattā, saṅkhārā anattā, viññāṇaṃ anattā. […], „Form, Mönche, ist nicht Selbst, Gefühl ist nicht Selbst, Wahrnehmung ist nicht Selbst, Gestaltungen sind nicht Selbst, Bewusstsein ist nicht Selbst.“



    Liebe Grüße.

  • Bedeutet Selbst nicht einfach, dass Dinge einem als Ding gehören?
    Und Nichtselbst nicht einfach, als Ding Dingen gehören?


    Anmerkung: beherrschen <> gehören <> besitzen


    Ist gehören, als weder beherrschen noch besitzen ein letzter Stein auf dem mittlere Weg?


    Und ist Loslassen dieses Steines, einfach an ihm vorübergehen ohne an ihn zu stoßen - Ausleuchtung des mittleren Weges - Nirwana?

  • Quote from Elliot

    .....(Digha Nikāya - Brahmajāla Sutta) ---
    Es stimmt, hier werden 7 Ansichten über die Vernichtung eines lebendigen [existierenden, fühlenden, ...] Wesens ( sato sattassa ) mit dem Tod beschrieben, jede dieser Ansichten "hantiert" mit mindestens einer Form von Atman und es wird festgestellt, dass es darüber hinaus keine Ansicht gibt, die unter Ucchedavādo (im engeren Sinne) zu zählen wäre


    1.
    Hab ich noch mal mit Simo die Grammatik durchgekaut. Danach wäre m.E. "sato satassa" wirklich zweifelsfrei als "jetzt seiendes Wesen" zu übertragen (wegen Partizip Präsens, nt-Deklination). Das geht dann auch völlig mit den weiteren Erläuterungen konform, denn es geht um Wesen mit atta, die entsprechend Brahmanen-Sicht erst durch dieses Atta überhaupt als "seiend" bezeichnet werden dürfen. Dieses "atta" ist aus "rupa" (der Körpergruppe, bestehend aus den "4 Elementen") entstanden, aber nicht mit der Gefühlsgruppe, der Wahrnehmungsgruppe, der Willensgruppe und der Bewußtseinsgruppe verbunden.
    Wenn jetzt, nach deren Sicht, beim Tode die Rupa-Gruppe zerfällt, zerfällt auch atta und erst dann (zeitlich) und dadurch (ursächlich) kann und muß von "endgültiger Auslöschung" (nicht mehr "seiend") gesprochen werden.
    Also "früher" (im Leben) war ein "Ich" (atta), "danach" (mit dem Tode) keines.


    2.

    Quote

    ich meine dennoch, die "Tam-Jivam-tam-sariram"-Ansicht ist auch eine Form von Ucchedavādo.


    Ja natürlich, nur wird hier vedische Begrifflichkeit gebraucht. Ansonsten ist es völlig identisch mit der oben dargestellten Ansicht. Körper=rupa-Gruppe


    Bitte beachten, das ist nicht identisch mit der heutigen Sicht auf "Körper", auch nicht mit der antiken Sicht in China/Japan, wenn man da von "Körper" spricht, meint man eigentlich immer den Körper-Geist-Zusammenhang, also "namarupa".


    3.

    Quote

    Wenn es also keine Ucchedavādo-Variante (im engeren Sinne) ohne irgendeine Form von Atman gibt, wie ist dann diese Aussage zu verstehen:

    Quote

    Hätte ich aber, Anando, auf die Frage des Pilgers Vacchagotto, ob es kein Atman gibt, geantwortet: 'Es gibt kein Atman',
    (Ahañcānanda, vacchagottassa paribbājakassa ‘natthattā’ti puṭṭho samāno ‘natthattā’ti byākareyyaṃ,)
    dann wäre ich den Asketen und Brahmanen gefolgt, die Vernichtung ( ucchedavādā ) behaupten.
    (ye te, ānanda, samaṇabrāhmaṇā ucchedavādā tesametaṃ saddhiṃ abhavissa.)
    (Samyutta Nikaya 44.10)


    Vacchagotta kannte damals nur die "7-Ansichten" (er macht ja dann eine Entwicklung durch), er kannte noch nicht die Ansicht den Buddhas, die ja der Erläuterung bedürftigt ist, wenn gesagt wird "Es gibt kein Selbst" kann Vacchagotta es eben nur unter den "7 Ansichten" einordnen
    Deshalb der Buddha:

    Quote

    "Hätte ich aber, Anando, auf die Frage des Pilgers Vacchagotto, ob es kein Selbst gibt, geantwortet: 'Es gibt kein Selbst', so würde der verwirrte Vacchagotto noch mehr in Verwirrung geraten sein: 'Früher hatte ich ein Selbst, jetzt nicht mehr'."


    "pubbe" meint eigentlich "frühere Existenz". Damit wird die ganze Verwirrung offenbar: in einer früheren Existenz hatte er ein atta (und war dadurch "seiend"), das wurde aber mit den Zerfall der Gruppen, mit dem Tode zerstört, wenn er jetzt aber in einer "späteren Existenz" lebt, kann er ja kein atta mehr haben, weil ja dies vorher zerfallen ist. Er müßte sich dann fragen: "Wie kann ich dann jetzt überhaupt "seiend" sein"?

  • Die Frage ist, ob das Herumfeilen an Konzepten sowie eine geradezu wissenschafltich fundierte Disziplin, die um die Auslegung der frühen Texte im westlichen Buddhismus praktiziert wird, mit der Absicht konform ist, die zu der Entstehung der Texte geführt hat. Letztendlich äußert sich in jeder solchen Auslegung die eigene Ansicht und damit bleibt nach dem Verständnis der Lehre das Gefäß voll.


    Yofi

  • Quote from Yofi

    Die Frage ist, ob das Herumfeilen an Konzepten sowie eine geradezu wissenschafltich fundierte Disziplin, die um die Auslegung der frühen Texte im westlichen Buddhismus praktiziert wird, mit der Absicht konform ist, die zu der Entstehung der Texte geführt hat. Letztendlich äußert sich in jeder solchen Auslegung die eigene Ansicht und damit bleibt nach dem Verständnis der Lehre das Gefäß voll.


    Was die Auslegung der Texte betrifft, ist das in den meisten buddh. Traditionen immer schon immer wesentliche (monastische) Praxis. Schließlich gelten sie als "Wort Buddhas" eingeleitet durch "so habe ich gehört" - die Frage ist, was sollen sie bedeuten. Danach richtet sich dann auch das, was in der Praxis ausgeführt wird, oder ein Lehrer weitergibt.
    Alles Meinung oder was?

  • @ bel:


    Na ja, aber Zen geht doch auf Mahakashyapa und Bodhidharma zurück und bis heute besitzen wir ein praktisches Verständnis der Einstellung und Haltung was aus dem Kanon so nicht abzuleiten ist. Mich erinnert auch eine Bedeutungsanalyse eher an die scholastische Methode und die kommt ja auch ziemlich elitär daher.Wenn es also da heißt: eine besondere Überlieferung außerhalb der Schriften, unabhängig von Wort und Schriftzeichen: bedeutet das: in der Praxis ausgeführt und von einem Lehrer weitergegeben. Nun mag man Mittel hinzunehmen hier also um den Bedeutungshorizont zu ersch(l)ießen, aber wie das mit denen so ist, man kann sich leicht verzetteln.

  • Du selbst nimmst immer wieder Bezug auf "die Patriarchen" und unterfütterst das ggf auch mit Verweis auf schriftliche Hinterlassenschaften.
    Und so lange du und andere das tun, ist die Diskussion auch nicht beendet. So what?
    Scholastik wäre, wenn man die "Auslegung" völlig von Praxis abkoppeln würde, was man aber nicht unterstellen kann.

  • @ bel:


    Quote

    Dieses "atta" ist aus "rupa" (der Körpergruppe, bestehend aus den "4 Elementen") entstanden, aber nicht mit der Gefühlsgruppe, der Wahrnehmungsgruppe, der Willensgruppe und der Bewußtseinsgruppe verbunden.


    Und das, wo du doch Bewusstsein(ect) als untrennbar mit Nama-Rupa verstehst und weit und breit kein Atta. :wink: Seele und Sein ist identisch, nicht ?

  • Quote from Morpho

    @ bel:


    Quote

    Dieses "atta" ist aus "rupa" (der Körpergruppe, bestehend aus den "4 Elementen") entstanden, aber nicht mit der Gefühlsgruppe, der Wahrnehmungsgruppe, der Willensgruppe und der Bewußtseinsgruppe verbunden.


    Und das, wo du doch Bewusstsein(ect) als untrennbar mit Nama-Rupa verstehst und weit und breit kein Atta.


    Genau, aber die "Vernichtungs-Gläubigen" sahen das halt anders.


    Quote from Morpho

    Seele und Sein ist identisch, nicht ?


    Dafür müßte es ne "Seele" geben.

  • @ bel:



    Quote

    Und so lange du und andere das tun, ist die Diskussion auch nicht beendet.

    he he - und das bestimmst du, ja ? :wink:


    Quote

    Scholastik wäre, wenn man die "Auslegung" völlig von Praxis abkoppeln würde, was man aber nicht unterstellen kann.


    Nun ja, es ist ja nicht so, dass Monasten nicht auch praktizieren täten; aber sicher hat Scholastik da auch was zugefügt oder weggenommen von.

  • Quote from accinca

    Was ist denn ein Selbst?


    Das Selbst ist man als verblendetes Ding dem Dinge gehören.
    Das Nichtselbst ist man als Ding das verblendeten Dingen gehört.


    Gelobd sei Buddha _()_

    Hallo accinca mein Freund im Geiste,


    Eine nur Identifizierung mit der Rolle als "Ding das so dahin wandelt ohne zu gehören um zu herrrschen oder zu besitzen, ohne beherrscht zu gehören noch besitzt zu gehören", wo man ständig nach der "Person" fragt! Diese "Person" ist mehr als die Summe seiner "Rollen", das "ich bin der ich bin da".


    Das da drückt nicht gegenwärtige also zeitliche, auch nicht aufgeschlossene also räumliche, sonden gegenwärtig sein und aufgeschlosesen sein beinhaltende und übersteigende liebende Präsenz aus.


    besitzen <> gehören <> beherrschen


    Ich hab Dich so lieb, accinca so lieb, dass ich Dir sage höre nicht auf mich, sondern auf dein Herz bleibe was Du immer bist, frei und innerlich unabhängig!


    Du hast mich zu diesem Beitrag gebracht. Danke!


    Grüße