Memoiren gefunden in der Badewanne

415 Antworten. Letzter Beitrag () ist von Dawa Tschöden.

  • Heute hab ich ihn gesehen, das was Arnold sein soll, natürlich war er es vom Ansehen her doch da war kein Arnold. Da was ein Mensch irgendeineiner hätte es sein können. Beatmet, an der Dialyse weil die Nieren es nicht schaffen, an künstlicher Ernährung, an Herzüberwachung und Stärkung,, Urinbeutel , Wundbeutel, in künstlichem Koma, sehr schlechter Zustand, kritisch bis fast Hoffnungslos. Ein Mensch zweifellos doch da fehlt das Menschsein, da ist kein Name nur eine Erinnerung das da ein Name war, vielleicht wieder sein wird? Wenn es da nicht die Möglichkeit gäbe das da wieder ein Name erscheint, eine Person, dann würde ich selber die gesamte Mechanik des Leben in Gang halten abschalten. Aber das ist nicht ich der das fühlte. Ich hoffe auf einen Namen. Man hat mir seinen/unseren Ring und seine Halskette die ewig alte mitgegeben da war wieder Name. Ich habe den Ring an meinen kleinen Finger gesteckt damit ich nicht von der Trauer, auf die mein Körper umgestellt hat , mitgerissen werde. Nicht Hoffen nicht sehnen nicht irgendwelchen Gestaltungen glauben wenn sie sicher nicht Wirklichkeit sind. Ich hoffe einigermaßen bei mir bleiben zu können, aber es tut so weh dieses nicht mehr erkennen diesen verloren haben dieses Verlassenheit die keine Einsamkeit ist sonder nur noch trauer um was auch immer. die Welt wird Menschen leer wenn die Skandha anfangen zu trauern, die als Gestaltungen angelegten Erfahrungen aus allen Leben die mit dieser Situation in denen ich das Trauern angefangen habe, werden wach alle Toten sterben noch mal alle Schwerverletzten reisen wieder in den Zustand des Nicht mehr, noch nicht sein. Er wird wieder einen Namen tragen und dann werde ich ihm seinen Ring wieder geben, hiermit nehme ich dich zu meinem Mann. Egal ob als Arnold oder als Asche. Der Mittlere Weg ist genau da zwischen Tod und Leben sich entscheiden zu sein weder das eine noch das andere nichts ist festzuhalten, kein Verdienst.

  • Die Situation entspricht ja so der ungeschminkten menschliche Grundsituation, die der Buddhismus zeichnet: Man ist mit

    Vergänglichkeit von allem konfrontiert, und steht in seinem ganzen Wollen und Sehnen reichlich hilflos da. Ich wünsch dir ganz viel Kraft und ganz viel Geduld und ganz viel Frieden, bei dieser grossen Aufgabe.

  • Lieber Helmut,


    ich weiß, dass es für (fast) jeden Menschen, der normalerweise nichts damit zu tun hat, erschreckend ist, jemanden, dem sie sich verbunden fühlen, so zu sehen, wie Du nun Deinen Arnold - umgeben von und angeschlossen an diverse Maschinen,... leblos wirkend, ...


    Bitte sei stark, und bleibe, so lange es auf der Intensivstation erlaubt, und Dir möglich ist, bei ihṃ. Setze Dich zu ihm, halte seine Hand, streichele sie, rede mit ihm ... Er wird das später nicht erinnern, aber es wird ihn, (sein Unterbewusstsein), erreichen ...


    Er wird Dich spüren, ....gib ihm zu verstehen: ich bin immer für Dich da. Ich bin Dein starker (Lebens-)Baum, an den Du Dich lehnen kannst, ...


    Alles Liebe und Gute sendet Euch, mkha'

  • So, bin gerade aufgestanden nach 8 Stunden ununterbrochenem Schlaf. Und ??? Es ist weg. ich bin vom Grund her wieder ganz normal. Arnold ist der mit dem ich zusammen bin und sein will. Er ist nicht da, macht nichts ist auf Tour. Was ich NICHT zugelassen habe ist, das Technische der Operation die bei ihm gemacht wurde. Mir ist eingefallen das kein Arzt mir genau gesagt hat was da denn nun überhaupt alles ausgeräumt und geflickt werden musste. Wie funktioniert der wenn überhaupt jetzt und wie muss er leben wenn das alles so zusammen wächst wie es nun gehen soll. Was muss er neu lernen wie kann ich dabei helfen? Aber wenn ich nicht weiß wie er jetzt zusammengebaut ist kann ich das nicht.


    Was mir aber besonders aufgefallen ist, ist wie Dukkha erzeugt wird. Ganzklar es ist das Ich in jeder Form. Die Skandha sind zusätzlich zu ihrer normalen Funktion (das Leben zu erhalten, weiterzuentwickeln und Nachwuchs zu zeugen und Gemeinschaft mit Gleichen zu bilden) eine Aufgabe sich aufgebürdet die Wunsch-erfüllung-maschine des von ihm selbst ermöglichten Ich zu sein. Wobei, wenn keine real existierenden Gefahren für die vier Grundaufgaben bestehen werden die Wünsche des Ich von den Skandha erfüllt. Dabei ist es gleichgültig ob die Körperlichkeit, das Empfinden die Wahrnehmung darunter Leiden wichtig ist die Erfüllung der Gestaltungen die mit/durch das Ich IchBewusstsein erlangt haben. Das Ich bin sein bleibt als Entität ((Dasein im Unterschied zum Wesen eines Dinges)) WünschBeutel außen vor. Das Ich/Ego ist sich selber genug solang es eine Maschinerie hat die seinem Willen gehorcht. Kann sie das nicht mehr, weil zu viele Willen einfach nicht zu der richtigen Funktion der Skandha passen werden wir nach und nach immer "kranker", aber was geht das das Ich/Ego an das will und das wird gemacht und fertig.


    mkha' und allen die mir hier die Aufmerksamkeit ihrer Skandha antragen und ihre liebende Verbindung zu ihrem und dem fremden Leben:


    Genau darum geht es dem Buddha, dem erkennen das aller Ichwille hilfreich auf die Skandha gerichtet ist, das man da ist und nicht Ich da bin. Als ich Arnold sah war da kein Arnold!!!! Da war ein Mensch der einen Menschen braucht, alle Worte waren sofort verschwunden wenn kein Pflegender da war, sprachlose Liebe. Aber genau die kann das Ich/Ego nicht lange ertragen denn dann bemerkt es seine Unwichtigkeit und fängt an sich wichtig zu machen und heult oder labert rum nur um zu beweisen das Liebe, sprachlose Liebe nie genug ist.


    Warum schaltete mein Körper um auf Trauer? Na ganz einfach weil nur so das Ich/Ego wichtig wurde weil es trauern wollte und es so viel besser verhindern kann das ich sprachlos liebe. Geht natürlich auch mit glücklich werden, wütend werden, verzweifelt werden.


    Die Nacht war ein sehr wichtiges tod sein des Ich/Ego. Es ist der, genau der Zustand in dem Arnold jetzt ist, egal ob natürlich oder nicht Schlafes Bruder ist der Tod. Meine Skandha haben gewonnen, sich befreien können von dem trauern müssen und sind in ihren Normalzustand der sprachlosen Liebe, auch zu diesem Ich/Ego zurück gekehrt. Selbstverständlich ist das für Ich/Ego-Wesen kalt, herzlos, arrogant , gefühlverweigernd. Glaube Hoffnung Liebe sind die besten Ich/Ego Machenschaften, aber wenn ich nie erfahren habe was Liebe ist bleiben die Drei nur selbstgefällige Egoismus Mechaniken die das Ich/Ego in seiner Wichtigkeit bestätigen.


    Liebe Mitmenschen! Glaube Hoffnung Liebe erzeugt in euch einen Widerwillen? Genau darum solltet ihr euch klar werden das das der Widerwillen der Skandha ist gegen die Emotionale Okkupation (([militärische] Besetzung fremden Hoheitsgebiets)) des Ich/Ego gegenüber das was dieses überhaupt erst möglich macht. Die Skandha sind nicht nur DAS Leben sie sind auch DIE unpersönliche absolute Liebe.


    Ich Ich/Ego bin sehr Dankbar, schon wieder, für das Zuhören und die Zuwendung. Das ist an alle gerichtet die die Memoiren lesen und verfolgen. :):rad::hug:

    Helmut ist weiterhin besorgt doch ich bin ruhig und still.

  • lieber helmut,


    das ist alles die liebe. und wenn der schmerz, die angst, die verzweiflung, die ohnmacht allmählich verschwinden, tritt sie in der reinsten form zutage, überstrahlt alles und bleibt für immer.

    ich weiß für mich heute eines ganz sicher: nur der körper geht. alles andere ist eingebrannt und verlässt mich nie. es ist ein teil von mir.

    was immer jetzt passieren mag, ich wünsche euch, dass diese urgewalt, die in uns steckt, euch tragen wird.


    es gibt eine erzählung aus dem christlichen bereich. aber ich finde, das gilt auch, wenn man nicht an gott glaubt:

    Zitat

    Spuren im Sand

    Eines Nachts hatte ich einen Traum: Ich ging am Meer entlang mit meinem Herrn.
    Vor dem dunklen Nachthimmel erstrahlten, Streiflichtern gleich, Bilder aus meinem Leben.
    Und jedes Mal sah ich zwei Fußspuren im Sand, meine eigene und die meines Herrn.

    Als das letzte Bild an meinen Augen vorübergezogen war, blickte ich zurück.
    Ich erschrak, als ich entdeckte, daß an vielen Stellen meines Lebensweges nur eine Spur zu sehen war. Und das waren gerade die schwersten Zeiten meines Lebens.

    Besorgt fragte ich den Herrn:
    "Herr, als ich anfing, dir nachzufolgen, da hast du mir versprochen, auf allen Wegen bei mir zu sein. Aber jetzt entdecke ich, daß in den schwersten Zeiten meines Lebens nur eine Spur im Sand zu sehen ist. Warum hast du mich allein gelassen, als ich dich am meisten brauchte?"

    Da antwortete er: "Mein liebes Kind, ich liebe dich und werde dich nie allein lassen, erst recht nicht in Nöten und Schwierigkeiten. Dort, wo du nur eine Spur gesehen hast, da habe ich dich getragen."


    liebe grüße

    doris

    Der Sinn des Lebens besteht darin, Rudolph, dem Schwurkel, den Schnabel zu kraulen.

  • Hallo Doris, mein Stein (oder Knochensack?) in der Brandung.

    Ich hoffe erstmal das es Dir wieder besser geht.

    Zu deinem Schreiben gibt es nicht zu melden. :like:_()_:like:

    Das Vater Unser enthält den Satz der mir sehr lange vollkommen unverständlich war, nur ein Satz.

    "und führe uns nicht in Versuchung sondern erlöse uns von dem Bösen"

    Bitte führe mich nicht auch noch wenn ich in der Versuchung bin,

    sondern hilf mir mich von der Versuchung zu befreien.


    Und der Herr hat mich oft, sehr oft getragen ich wusste es doch nie warum er das tat. Wie eine Großmutter das Kind hebt wenn sie merkt das es Versucht wird. Buddha macht das auch.:hug:

    Ganz liebe Grüß von Helmut!!!

  • Heute hab ich es geschafft. In einer halben Stunde sollte er wieder in den Op um nachzusehen ob alles gut bestellt ist. Was soll man tun, wenn es keine Reaktion gibt? Ich stellte mich an das Bett legte eine Hand auf seine Oberarm und eine in die Nähe seiner Hand und ging so in die Art des Sitzens im stehen. Es war eine sehr tiefes Stehensitzen das wirklich 20 Minunten dauerte. Ich kam raus und sa eine Ärztin nebn mir stehen. ich hab sie nicht wahrgenommen obwohl ich halb geöffnete Augen hatte und die Gräusche wahrnahm. Ich war mit dem das Arnold bewahrt sehr tief verbunden, wir haben einige Zeit am Meer verbracht, den Wellen zugehört, und die Piepbojen und dem Schiff das nicht sichtbar war und doch immer vor sich hinbrummte. Es war echter Frieden da. Als ich mit der Ärztin gesprochen hatte bin ich nach Hause. Immer noch in Frieden. Arnold ist wieder aus dem Op auf der Intensiv. Wird wieder stabilisiert. Wir, sein Arzt und ich, sind der gleichen Meinung das er noch in Lebensgefahr schwebt wegen der schweren Sepsis. Eine Stunde später und ich hätte den Bestatter rufen können.

  • Ich bin auf Rückzug und sammel die beim Vorpreschen verlorenen Gegenstände ein um sie auf Gebrauchsfähigkeit zu prüfen. Außerdem kommt mein Körper jetzt in die Phase das ihm bewusst wird was der Mensch ihm bedeutet hat, irgendwie hab ich das Gefühl wie unsere Katze. Da fehlt was aber ich weiß nicht was. Natürlich weiß ich das Arnold fehlt, aber meinem Körper wird das jetzt deutlich. Da war was und das vermiss ich. Mir, Helmut, wird deutlich wie sehr Arnold zum Inventar meines Leben gehört. Dem Inventar das immer da zu sein hat, das immer erreichbar ist, dem ich immer zu Hilfe bin und er mir. Wissend ist da Klarheit, körperlich ist das wie ein ewiger Baum, erst ganricht bewusst dann immer deutlicher wird , das der Baum nicht mehr da ist. Da fehlt was das nicht mal als Baum erkennt wurde, da fehlt was, das Helmut ganz anders kennt, kannte. Da ist keine Trauer kein Verlust, kein Verlangen, da ist ein nicht einordnen können was jetzt nicht mehr so ist wie es mal war, auch ohne das Wissen wie es mal war. Neu Aufbau, neu erkennen dessen das ist wie es ist. Sehr merkwürdig das hingeworfen werden an des Soistes, nicht sicher sein, nur sicher das es eine Illusion war, das Glauben das es so ist, weil ich das so verdrahtet habe.

  • ich bin mir nicht sicher ob Neu-geboren der richtige Begriff ist. Es ist keine Neu. Es ist nicht Alt. Es ist nicht geboren oder gestorben. Es ist die verfrorene Erscheinung von Soistes, Soheit. Die Unumgehbare Soheit. Mein Schreiben ist ein Widerstand gegen das was sich als Soheit etabliert im Bewusstsein, sowohl des Geistes als auch des Körpers. Meditation wirkte wie ein Schleier, ein Spiegel der sich zeigte als Soheit , ich war damit zufrieden Soheit zu erkennen doch sie zu erfahren, von ihr durchdrungen werden ist etwas ganz anderes Begriff-loses, erfahrbares Nichtwissendes Wissen. Bin dabei den widerstand aufzugeben, wer gibt gern zu das sein Ich echt ein Gedankengebäude ist das nur mit Worten aufrecht erhalten wird? Die Soheit erscheint mir nicht als Quelle von Kraft, das ist Denken, die Quelle ist denken, handeln und DA sein ohne Sinn(e) und Verstand als Institutionen, DA sein einfach dasein, noch nichtmal Leben auch nur ein Begriff mögliche Assoziation.


    Das hier kann jetzt wohl nur das sein was hier ist trotz des körperlichen, geistigen.

  • Diese verdammte Leichenbetrachtung des Buddha. Eine Leiche muss nicht tot sein nur ohne Bewusstsein seiner selbst ohne selbstständig handeln zu können. Wie auch immer.

    Damals meine Mutter tot.

    Meine Großmutter fast tot, zwei tage später tot.

    Mein Bruder im ähnlichen Zustand wie Arnold, nur mit mindesten drei klinischem Tod sein. Nach 6 Wochen Intensiv wieder auf Station was will er eine Zigarette. Völlig unverständlich für mich.

    Arnold jetzt.

    Alle befreit von allem körperlich und geistigem bewussten wissendem Erkennen. Lebende Menschen fast schon Leichen, Bis auf meine Mutter.

    Ende der Fahnenstange, und nu?

    liebe Grüße. Helmut


    Einmal editiert, zuletzt von Ellviral ()

  • die Innenschau, das achtsame "Wahr-nehmen", ist etwas, das erstarken lässt, ... eine Phase des Neu-geboren-werdens, eine Metamorphose die wir durchlaufen, um Ungeahntes zu erkennen.

    Es ist keine Neu. Es ist nicht Alt. Es ist nicht geboren oder gestorben. Es ist die verfrorene Erscheinung von Soistes, Soheit. Die Unumgehbare Soheit. Mein Schreiben ist ein Widerstand gegen das was sich als Soheit etabliert im Bewusstsein, sowohl des Geistes als auch des Körpers. Meditation wirkte wie ein Schleier, ein Spiegel der sich zeigte als Soheit , ich war damit zufrieden Soheit zu erkennen doch sie zu erfahren, von ihr durchdrungen werden ist etwas ganz anderes Begriff-loses, erfahrbares Nichtwissendes Wissen.

    Dieses "Neu-geboren-werden" ist wahrlich ein schlechter Ausdruck, (daher im Anschluß "Metamorphose").


    Es ist nicht nur ein Zurücklassen der meisten "Erkenntnisse und Schlußfolgerungen", ... gebündelt verstaut in verstaubten "Hochregalen des Geistes", ...(wo sie langsam und unbemerkt zerfallen.)


    ... dann ein unvermuteter Stoß - versetzt am Rand eines Hochgebirgsplateaus - in die Tiefe schauend ... Was der Mensch im freien Fall erlebt, lässt sich ebenso schwer in Worte fassen, wie die Auswirkungen dessen, was uns jeden Halt nimmt

    Eine Leiche muss nicht tot sein nur ohne Bewusstsein seiner selbst ohne selbstständig handeln zu können. ... Lebende Menschen fast schon Leichen

    Es sind die "Hüllen des jeweiligen Geistes, den sie beherberg(t)en", ... der Geist ohne Hülle ist ungebunden und frei ...


    LG mkha'