Zen-Priester unter Missbrauchsverdacht

466 Antworten. Letzter Beitrag () ist von Morpho.

  • Naja, was soll man aus der Ferne davon schon halten? Der Vorstand distanziert sich...

    Zitat

    Auch im Förderverein des Zen-Tempels nahm man die Vorwürfe gegen den Gründer mit Entsetzen auf. Der Vorstand teilte den Mitgliedern im Sommer mit, man halte die Informationen für glaubhaft. Sie ließen „leider wenig Zweifel“. Noch in diesem Jahr soll bei einer Versammlung entschieden werden, wie es weitergeht. Der 61-Jährige soll dabei, so sieht es der Plan vor, aus der Gemeinschaft, die er selbst ins Leben gerufen hat, ausgeschlossen werden. Noch kurz vor der Verhaftung hatte er mitgeteilt, dass er aus gesundheitlichen Gründen seine Ämter abgeben werde und bei der Arbeit im Tempel kürzer trete.


    Ich kannte ihn nicht, hielt ihn aber immer für seriös.
    Es wäre schön, wenn man das Strafverfahren abwarten könnte, in dem alle Seiten sich äußern können. Spekulieren bringt keine Klarheit, und kann einen Menschen ernsthaft beschädigen (siehe Kachelmann). Die Augsburger Lokalzeitungen sind nicht Gottes Wort.

  • Zitat

    unter ausreisepflichtigen flüchtlingen sprechen sich auch diverse verhinderungsgründe rum.


    und du nimmst natürlich sofort an, dass die flüchtlinge generell so skruppellos und niederträchtig sind, einen "unschuldigen" mann mit solchen anschuldigungen anzuprangern, nur damit sie evtl. nicht abgeschoben werden?

  • Grundsätzlich ist es natürlich ein altbekanntes Muster: was soll man da glauben? Dass ein in Japan ausgebildeter und ermächtigter Zenpriester, Gründer des einzigen Tempels der Rinzaishu in Deutschland, langjähriges Ratsmitglied der DBU und zum Ehrenrat ernannt, Delegierter der DBU bei der World Fellowship of Buddhists und dort zu einem der stellvertretenden Vorsitzenden gewählt, kleine Jungs sexuell missbraucht hat? Wem glaubt man? Einer Lokalzeitung? Dem Staatsanwalt? Einem von Abschiebung der ganzen Familie bedrohten Flüchtlingskind? Hörensagen? Gerüchten?


    Man soll gar nichts glauben - und vielleicht wollte Morpho darauf hinweisen.


    Der 'Fall' wirft doch, wenn man ihn hypothetisch behandelt, was bis zur Feststellung des Sachverhaltes durch ein Gericht selbstverständlich sein sollte, eine wichtigere Frage auf: wie zuverlässig können wir eigentlich über die ethische Integrität Anderer urteilen? Wie konnten - gesetzt, die Anschuldigungen wären zutreffend - sich so viele ernsthaft im Dharma Übende in jemandem täuschen, dem sie Vertrauen schenkten? Gesetzt, die Anschuldigungen sind nicht zutreffend - es gab schon genügend Fälle, wo sie es waren. Das brächte uns also nicht aus der Schwierigkeit, eine Antwort die Frage zu finden.


    Ich will hier selbstverständlich keine Antwort (vor-)geben. Es ist nur offensichtlich, dass auch langjährige Praxis des Buddhadharma einen offenbar nicht zwangsläufig zu dem macht, was man einen 'guten Menschenkenner' nennt. Möglicherweise nicht einmal zwangsläufig zu dem, was man einen 'guten Menschen' nennt. Das könnte uns lehren, unseren Urteilen über Menschen und Dinge zu misstrauen. Es ist eine der schwierigsten unserer Übungen, Anderen unbegrenztes Wohlwollen entgegen zu bringen, ihr Leid und ihre Freude zu teilen und ihnen mit unerschöpflicher Geduld und Nachsicht zu begegnen - und sich dabei ein gesundes Misstrauen gegenüber der menschlichen Natur zu bewahren.


    Doch noch einmal zum konkreten Fall: falls sich die Anschuldigungen als zutreffend erweisen sollten und der Angeschuldigte ( Name entfernt void ) zu einer Haftstrafe verurteilt wird, dann kann er sich als Bodhisattva in der Hölle bewähren. Dann ist er kein Zenpriester in Haft, sondern ein herzkranker, ehemaliger Polizist und verurteilter Kinderschänder in einer Gesellschaft moralisch eher wenig gefestigter Männer. Bei allem Mitgefühl mit den möglichen Opfern - es schließt das mit dem möglichen Täter nicht aus.


    ()

  • @ Sudhana


    Ich finde es nicht sinnvoll, dass du den Namen nennst - und bitte dich, deinen Beitrag entsprechend zu ändern.
    Natürlich ist ein Zen-Priester auch in einem Gefängnis weiterhin ein Zen-Priester. Und dass er nun im Daseinsbereich der Hölle wiedergeboren ist, eröffnet doch für diejenigen, die mit der Wiedergeburtslehre Probleme haben, ganz neue Horizonte.

  • Tychiades:

    @ Sudhana


    Ich finde es nicht sinnvoll, dass du den Namen nennst - und bitte dich, deinen Beitrag entsprechend zu ändern.


    Danke, Du hast recht mit Deinem Hinweis. Ich habe die Moderation gebeten, den Post entsprechend zu ändern, da ich das selbst nicht mehr kann.

    Tychiades:

    Natürlich ist ein Zen-Priester auch in einem Gefängnis weiterhin ein Zen-Priester.


    Auch hier hast Du recht - aber das hatte ich nicht gemeint. Ich meinte seinen sozialen Status.

    Tychiades:

    Und dass er nun im Daseinsbereich der Hölle wiedergeboren ist, eröffnet doch für diejenigen, die mit der Wiedergeburtslehre Probleme haben, ganz neue Horizonte.


    Deswegen die Nachbemerkung.


    ()

  • Unschuldsvermutung



    https://de.wikipedia.org/wiki/Unschuldsvermutung


    Das gilt für Zen-Priester wie für katholische Geistliche und jeden anderen in unserem Rechtsstaat.


    Was auch gilt ist, daß ich als Buddhist an mich und andere Buddhisten strengere Maßstäbe anlege als an andere. Es wäre vorbildhaft, wenn der Betroffene und seine Gruppe aktiv mit der Polizei und der Staatsanwaltschaft zusammenarbeiten würden um die Vorwürfe ASAP zu klären.

  • Auf jeden Fall gibt es einen Skandal mehr und aus psychologischer Sicht kann man sagen, je höher die gesellschaftlichen Positionen und Ränge, je größer ist die Macht über viele Menschen, um so eher ist es möglich, dass ein unschuldiges Kind notwendig ist um eine sexuelle Befriedigung herbeizuführen wenn derjenige nicht unter Pädophilie leidet, eine eindeutige psychische Störung.
    Macht über andere Menschen und gleichzeitige Lust auf kleine Jungs scheint in den seelischen Empfindungen gekoppelt zu sein und da hat ein Priester welcher Anschauung auch immer wie es scheint besonders leichten Zugang. Wenn man den Skandal weglässt und nur ein Fünkchen Wahrheit übrig bleibt, so ist dieses glaubwürdig und die Tradition des Zen in Deutschland muss sich an die eigene Nase fassen.

    gruß sati-zen
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    Der Spiel - Raum der Leerheit - Buddhismus im Gespräch

  • sati-zen:

    ...


    Wenn man den Skandal weglässt und nur ein Fünkchen Wahrheit übrig bleibt, so ist dieses glaubwürdig und die Tradition des Zen in Deutschland muss sich an die eigene Nase fassen.


    Richtig.


    Wenn man den Skandal weglässt und nur ein Fünkchen Wahrheit übrig bleibt, also nach dem Abschluß eines rechtsstaatlichen Verfahrens sind die Vorwürfe als glaubwürdig zu behandeln und sollten in den entsprechenden Gemeinden ernste und dauerhafte Diskussionen und Entscheidungen bewirken.


    Nicht ganz - schon die Vorwürfe und realen Vorkommnisse in anderen Kirchen. wie etwa der katholischen sollten zu besonderer Vorsicht aufrufen. Die Strukturen Erkenntnissuchender - Erkenntnis Besitzender sind so problematisch, daß Kontrolle von außen dringend geboten ist.

  • Als ich diese Nachricht gelesen habe, habe ich bemerkt, wie ich traurig wurde. Ganz egal ob dieser Zen-Priester schuldig ist oder nicht, hier ist Leid.
    Alle, der potentielle Täter, die potentiellen Opfer und das gesamte Umfeld leiden. Und sie alle haben mein tief empfundenes Mitgefühl.


    Ob ein Täter nun Priester ist, Elektriker, Akademiker oder arbeitslos ist für die Opfer unerheblich.
    Für einen Außenstehenden, der den Begriff "Priester" mit bestimmten Konzepten füllt, ist es wohl anders. Um Macht über andere Menschen zu haben muss man kein Priester sein. Und auch wenn sexueller Missbrauch häufig Machtmissbrauch ist, bedeutet das für mich nicht, dass jeder der Macht hat, leichter der Versuchung erliegt, sexuell zu missbrauchen.


    Aber es ist für mich natürlich eine Erinnerung, auch mich in meinen Rollen immer wieder zu hinterfragen. Auch ich habe Macht. Auch ich bin Zen-Priester.
    Da ich nicht auf Kinder stehe, ist das eine Versuchung weniger. Aber es gibt genug andere.

    Auf diese und auf jene Art
    wollte ich den Eimer zusammenhalten,
    hoffend, der schwache Bambus
    werde nie reißen.
    Plötzlich fiel der Boden heraus.
    Kein Wasser mehr -
    kein Mond mehr im Waser.
    Leere in meiner Hand.
    (Mugai Nyodai)



  • wenn dem so wäre, wie willste dann U-Haft rechtfertigen, die bis zu nem halben Jahr, je nach Strafverfahren auch länger dauern kann..??In den allerwenigsten Fällen sitzen Leute da ein , die "unschuldig" sind.


    „Jede Person, die einer Straftat angeklagt ist, gilt bis zum gesetzlichen Beweis ihrer Schuld als unschuldig.“


    dieser Widerspruch in sich müsste doch mal auffallen..oder?
    man könnte drüber lachen, wens ma witzig wäre

  • Wenn Aussagen- oder Tatsachen-bedingt ein schuldig sein vorliegt wird Untersuchungshaft angeordnet, auch da gilt bis zum Richterspruch der Beschuldigte als unschuldig. Da die Tatsachenbefunde aber ein Leben in der Gemeinschaft mit Menschen nicht hinzunehmen ist, ist Untersuchungshaft anzuordnen. Es kann auch ein Schutz gegen die Meinung und Handlung derer sein die aus Glauben einen Menschen für schuldig halten. Die gewinnen sowieso selbst wenn es zu einer Nicht-Verurteilung kommt. Das sind eigentlich die Bestien die die Gemeinschaft in den Knast schicken sollte. Verschwörungstheoretiker zerstören mehr Menschen als jeder Serientäter.


  • Nein, es ist leider kein wirklicher Grund zum Lachen.


    U-Haft ist ein massiver Eingriff in die Freiheitsrechte von Menschen und nur unter besonderen Bedingungen akzeptabel. Etwa dann, wenn Fluchtgefahr oder die ernsthaft erwiesene Gefahr für weitere potentielle Opfer besteht.


    Kein Grund zum Lachen. Wirklich nicht.


    Auf der anderen Seite solltest Du vielleicht drüber nachdenken, daß für Dich selbst (hoffentlich unbescholten und völlig frei jeder Tatvermutung) jederzeit die Möglichkeit einer U-Haft ähnlichen Unterbringung besteht. Sitze in einem Flugzeug aus dem Urlaub zurück neben jemandem bei dem Ebola Verdacht besteht oder wohne in Lebensgemeinschaft mit so jemandem zusammen und Du bist schneller in einer Isolationszelle im Krankenhaus als Du in Buddhaland einen Abschiedspost schreiben kannst :kiss:


    U-Haft hat etwas zu tun mit Verantwortung gegenüber anderen mit dem Leben in einer Gemeinschaft.

  • Es lässt sich natürlich dem Bedürfnis nach Spekulation auch auf abgelegenen Gebieten frönen, wie z.B. der Frage der Untersuchungshaft.
    Was Sudhana angesprochen hat, nämlich wie wir doch immer wieder unser Vertrauen enttäuschen und unseren Träumen und Hoffnungen aufsitzen können, setzt dann ja bei uns selbst an. Ich halte diesen Fall für ein wichtiges Lehrbeispiel, wie denn Unwissenheit gepflegt werden kann, bis es dann zu offensichtlichen Taten kommt und alle sind total von der Rolle. Also - von dem? Nee - das hätte ich nie gedacht - tja. Das ist wohl ein Fehler.
    Hier die entsprechende Lehrrede
    A.X.61-62 Bedingte Entstehung - 1-2. Avijjā, Bhavataṇhā Sutta
    http://www.palikanon.com/angutt/a10_061_070.html#a_x61

  • verrückter-narr:
    Zitat

    unter ausreisepflichtigen flüchtlingen sprechen sich auch diverse verhinderungsgründe rum.


    und du nimmst natürlich sofort an, dass die flüchtlinge generell so skruppellos und niederträchtig sind, einen "unschuldigen" mann mit solchen anschuldigungen anzuprangern, nur damit sie evtl. nicht abgeschoben werden?


    Das ist ja auch ein Beispiel für einen der Gründe, warum Opfer von Missbrauchsfällen oft jahrzehntelang schweigen: Wer glaubt schon gern Anschuldigen eines Niemands gegenüber einer mehr oder minder lokalen oder darüber hinaus perkannten Persönlichkeit in herausragender Stellung?
    Nicht zuletzt muss auch das Opfer mit Anfeindungen und Verleumdungen rechnen.

  • Gründe für Schweigen sind sicherlich Tabu s; aber nicht ausnahmslos einen öffentliche Persönlichkeit "mit Rang und Namen" nicht anzukratzen; es sind sozial-gesellschaftliche Tabu s und damit ist es eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe diese aufzubrechen und jedem Menschen oder Opfer frei (unbeschadet) sprechen, sich ausdrücken zu lassen. Besagter, um den es hier geht, hatte keine besondere Machtstellung, schon gar nicht was Flüchtlinge betrifft. Er hat einen Anwalt, der bisher kein Statement abgeben hat, und man weiß wo er einsitzt. Das ist die letzte Meldung.

  • Zitat

    Was Sudhana angesprochen hat, nämlich wie wir doch immer wieder unser Vertrauen enttäuschen und unseren Träumen und Hoffnungen aufsitzen können, setzt dann ja bei uns selbst an.


    Opfer und Täter dies bei sich selbst anzunehmen ist eine Grundvoraussetzung um nicht z.Bsp. Täter zu werden (habe ich in Ausschwitz gelernt).
    Seine Täterseite verleugnen zeugt von Unwissenheit

  • Tychiades:
    "Es lässt sich natürlich dem Bedürfnis nach Spekulation auch auf abgelegenen Gebieten frönen, wie z.B. der Frage der Untersuchungshaft."



    ich für meinen Teil spreche hier von meiner gelebten Erfahrung....;)

  • Samten:

    Tychiades:
    "Es lässt sich natürlich dem Bedürfnis nach Spekulation auch auf abgelegenen Gebieten frönen, wie z.B. der Frage der Untersuchungshaft."



    ich für meinen Teil spreche hier von meiner gelebten Erfahrung....;)


    Über deine gelebte Erfahrung will ich hier auch nicht spekulieren. Und deine Andeutungen sind ja nun auch nicht weiter führend.


    Ich hatte an anderer Stelle zu dem Thema auch was juristisches hinterlassen:
    Kann da also nachgelesen werden.


    http://www.buddhaland.de/viewt…&t=15944&p=331796#p331796

  • Es geht bei der ganzen Sache jedoch weniger ums Juristisches auch wenn die Deutschen es so sehr lieben, es geht um den Vorwurf, dass ein Zen-Meister einen kleinen Jungen sexuell missbraucht haben soll. So steht der Zen-Meister auf der selben Stufe wie ein katholischer Priester und das gibt mir zu denken. Ich bin kein Christ ... (unbelegte Behauptungen entfernt. Jojo) weil ich der Überzeugung bin den richtigen Weg eingeschlagen zu haben, den Weg zur Erleuchtung und nun zeigt sich, dass man auch auf diesem Weg in die Irre geraten und mehr Leid schaffen als lindern kann. So ein Vorwurf stellt den Sinn als Zen-Meister zum lindern des Leids in Frage. Macht ist so verführerisch dass dieser Zen-Priester nicht widerstehen konnte und zunächst Amt und Würden erlangte und dann diese Macht missbrauchte. Es ist menschlich dieses Verhalten, eine Schwäche aber trotzdem zu kritisieren und vor allem ist zu schauen, auf welchem Gebiet liegt meine Schwäche, wo bin ich zu kritisieren. Dann kann man sich mit dem Juristischen beschäftigen und verurteilen wobei ich überzeugt bin, dass fast jeder Mensch die Macht über Andere missbrauchen würde wenn er sie hätte.

    gruß sati-zen
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    Der Spiel - Raum der Leerheit - Buddhismus im Gespräch

    Einmal editiert, zuletzt von Jojo () aus folgendem Grund: unbelegte Behauptung entfernt. Jojo


  • Tychiades,
    ich wollte damit eigentlich nur zum Ausdruck bringen, dass ich damit niemandem( wenn auch nur virtuell) ans Bein pissen wollte.Eben auch nicht jenem unter Verdacht stehenden..

  • Tai:

    Du weißt es also bereits besser als die zuständigen Behörden und die Journalisten vor Ort, die über den Fall berichten?


    Es geht in diesem Fall um den Umgang als Zen-Buddhist und weniger um zuständige Behörden und Journalisten.
    Bevor ich mich rausrede oder die Schuld auf andere schiebe sehe ich meinen Fehler ein.
    Nur so habe ich eine Chance jemals wieder gutes Karma zu empfangen.

    gruß sati-zen
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