Abwertung der Theravada Schule

250 Antworten. Letzter Beitrag () ist von Moosgarten.

  • pamokkha:

    Konkret, ich weiß nicht, wie du deine Aussage begründest. Und deine Begründung hätte mich halt interessiert. Aber soll ich jetzt irgendwelchen Wikipedia-Links und deren Verweisen hinterrennen, um so irgendwie deine Begründungen zu (er)finden?


    Die Wiki-Artikel machen es doch evident, daß die Theravada weder "ursprüngliche Sangha", eine "ursprüngliche Lehre" (in Form Sutta-, Vinnaja- oder Abhidhamma-Pitaka) noch eine "ursprüngliche Praxis" verkörpert. Die entsprechenden Behauptungen basieren allein auf Theravada-Quellen, die aber nicht durch andere Quellen gestützt werden - aber selbst nach denen ist das, was wir heute Theravada nennen, auf eine Abfolge von Abspaltungen mit jeweils unterschiedlichem Personal zurückzuführen. Auch von einem fixierten Kanon kann man frühesten 100 v.Chr. sprechen. Dazu muß man nicht jedem Link "hinterrennen". Und du selbst (und nicht nur du, sondern auch Analayo und Sujato und wer weiß noch) gehen davon aus, dass es so was wie einen "Urkanon" gegeben haben muß - wie soll den der davon verschiede, jetzt vorliegende, anders entstanden sein, als durch "Evolution"?

  • Moosgarten:

    ... Und du selbst (und nicht nur du, sondern auch Analayo und Sujato und wer weiß noch) gehen davon aus, dass es so was wie einen "Urkanon" gegeben haben muß


    Ja, der wurde schon beim 1. Konzil vorgetragen und den hat
    es natürlich auch schon zu Lebzeiten des Buddha gegeben.
    An diesem haben sich die Mönche ja auch orientiert.
    Die Ordensspaltung durch Devadatto war ja gescheitert.
    Die Vorstellung, das der Dhamma vom Buddha nicht klar
    und eindeutig dargelegt wurde konnte allerdings erst
    später entstehen. Insbesondere bei Mahayanis westlicher Prägung.


  • Bitte nicht an meine Adresse, sags den Theravadies die sich damit beschäftigen, ersatzweise den "Frühbuddhisten", für mich persönlich spielt das eine völlig untergeordnete Rolle.


  • Dafür das es eine untergeordnete Rolle für dich spielt, stellst du aber
    eine ganze Menge Behauptungen in den Raum. Wenn Du zu dem Thema nicht
    dazu lernen willst, dann widme dich doch besser den dir wichtigen Dingen.


  • Ich hab keine Ahnung was du willst, das sind nicht meine Behauptungen, wende dich bitte an die genannten Ansprechpartner aus dem eigenen Umfeld.
    Ich nehm den PK so wie er ist - als ein Dokument der "Alten Schulen".

  • Urkanon, Urfassung des Pali Kanons


    Ich zitiere aus dem Kapitel "Danach, Konzile und Kanon" des Indologen
    und Religionswissenschaftlers H. W. Schuman


    "Der Scheiterhaufen des Buddha war kaum verloschen ... rief Mahakassapa die
    Mönche zusammen.
    ""Laßt uns, Ehrwürdige, den Dhamma und den Vinaya gemeinsam aufsagen,
    damit nicht falsche Lehren und Regeln aufkommen und Irrlehrer auftreten
    während die Sachkenner zu schwach werden."" (Cv 11,1,1 gerafft)


    "1. Konzil ... Im Lauf der folgenden sieben Monate fragte Mahakassapa den
    Bikkhu Upali auf die Ordensregeln (vinaya) und den Bikkhu Ananda auf die
    Lehrreden (sutta) des Buddha ab (Cv 11,1,7 -8). Schwieg die Synode, galt
    die von Upali oder Ananda referierte Äußerung des Meisters als korrekt
    wiedergegeben und war damit als kanonisch anerkannt. Jeder der anwesenden
    Mönche war aufgefordert, Einwürfe oder Ergänzungen zu machen oder von ihm
    selbst erinnerte Buddhaäußerungen zu Protokoll zu geben.
    Niedergeschrieben wurde der so festgelegte Kanon nicht, er wurde dem
    Gedächtnis eingeprägt. Der Schrift bediente sich Altindien nur bei Rechts-
    vereinbarungen und Verträgen, also relativ kurzlebigen Dokumenten, die zu
    memorieren sich nicht lohnte. Der Daseinsbewältigung dienende Texte
    hingegen wurden auswendig im Kopf behalten, so daß man sie jederzeit zitier-
    bereit hatte. Sie wurden durch Vorsprechen und Wiederholen lassen an jüngere
    Mönche weitergegeben. ... Die Urfassung des Palikanon war festgelegt."

  • Antwort auf Zitat


    [u]"Ich hab keine Ahnung was du willst, das sind nicht meine Behauptungen, wende dich bitte an die genannten Ansprechpartner aus dem eigenen Umfeld.
    Ich nehm den PK so wie er ist - als Dokument der "Alten Schulen".
    [/u]


    Dein erster Teilsatz ist nach deinen vorherigen Beiträgen recht Paradox. So kann man
    sich von seinen eigenen Worten auch distanzieren. Satzende: In meinem Umfeld wird
    wenig bis gar nicht über Buddhismus geredet. Darum habe ich mich hier im Forum angemeldet.


    zu deinem 2. Satz: Das ist klar zu verstehen. Kam in deinen vorherigen Beiträgen
    nicht so rüber.


    MotGaeo


  • Das sind alles religiöse Selbstauskünfte, die sich in keiner Weise von den Selbstauskünften anderer Religionen unterscheiden.
    Und dass das die historischen Vorkommnisse korrekt widerspiegelt wird wohl heute nicht nur in weitgehender Einigkeit unter "Religionswissenschaftlern" bezweifelt, sondern eben auch von Vertretern dieser Richtung selbst.
    Was aber dem religiösen Bekenntnis des Gläubigen ja keinen Abbruch tut.


    Zitat

    "Ich hab keine Ahnung was du willst, das sind nicht meine Behauptungen, wende dich bitte an die genannten Ansprechpartner aus dem eigenen Umfeld.
    Ich nehm den PK so wie er ist - als Dokument der "Alten Schulen".

    Dein erster Teilsatz ist nach deinen vorherigen Beiträgen recht Paradox. So kann man sich von seinen eigenen Worten auch distanzieren.


    Ich distanziere mich in keiner Weise. Ich habe ja meine Quellen genannt. Und auch begründet, wieso ich das jetzt hier nicht noch einmal wiederhole. Wenn du meinst, was in der englischen Wiki steht (iG. zur deutschen Ausgabe jeweils immer mit weiteren ausführlichen Quellen belegt) grob falsch oder völlig irrelvant ist, kannste du das doch ausführen.
    Und dass ich nicht dein persönliches Umfeld gemeint haben kann, ist ja wohl auch klar.

  • Nein. Das war mir nicht klar. Jetzt wo du es explizit geschrieben hast ja.


    Deine Wiki links werde ich die Tage lesen. Ich hatte an der Authentizität
    der von mir genannten Quellen nie Zweifel. Informiere mich aber zu diesem
    Thema immer gern weiter. Wie vorgeschlagen werde ich, sollte ich das gelesene
    für grob falsch oder irrelevant halten, dann hier näher darauf eingehen.

  • Eine Zwischenfrage. Steht es im " Urkanon"( kann es sein, dass keiner so recht bestimmen kann, was an Vinaya und Sutta der "Urkern" ist und was in späterer Zeit zugefügt? ) dass "Laien" hier und da vor Mönchen zu knien haben ? Mir scheint das so ein Nachahmen zu sein, was urspr. "spontane" Ehrbezeugung dem erwachten Sangha war. Weiss ich aber nicht genau. Deswegen frag ich mal.

  • Moosgarten:

    Und dass das die historischen Vorkommnisse korrekt widerspiegelt wird wohl heute nicht nur in weitgehender Einigkeit unter "Religionswissenschaftlern" bezweifelt, sondern eben auch von Vertretern dieser Richtung selbst.


    Gut sind die Anführungszeichen bei den sog. Religionswissenschaftlern.
    Allerdings bei "weitgehender Einigkeit" fehlen diese leider.
    Ebenso fehlen sie bei "Vertreter dieser Richtung" was immer
    das auch heißen mag. Entweder man vertritt sie, man bezweifelt
    sie oder man versucht sich sonst wie in Szene zu setzen.

  • Ich halte es für müßig, mich weiter zur Ausgangsfrage zu äußern. Ich denke, wer der Diskussion aufmerksam gefolgt ist, kann problemlos ein Fazit ziehen, wie es mit der "Abwertung" hermeneutischer Ansatze, die sich vom eigenen unterscheiden, hier bei den Diskussionsteilnehmern aussieht. Auch und gerade inwiefern die "Theravada-Schule" davon eher vor- oder nachrangig betroffen ist. So oder so - ein Lehrstück, wenn auch kein schönes.


    Trotzdem noch einige sachliche Anmerkungen. @pamokkha wegen seiner Nachfrage bzgl Abhidhamma und buddhavacana: 1. 'buddhavacana' war von mir wörtlich gemeint, also im Sinn von Gautama Buddha persönlich vorgetragen und im Palikanon wörtlich zitiert. 2. Die "beinharten Theravadin" von denen ich geschrieben habe, sind westlicher Herkunft - es sind Menschen, mit denen ich mich darüber austauschen konnte. Die meisten von ihnen bestehen auf einer Authentizität des Suttapitaka im o.g. Sinn, dass es sich also durchgehend um wortgetreu überlieferte Aussagen Gautama Buddhas handelt, so weit sie ihm dort zugeschrieben werden. Das macht für mich im wesentlichen das "beinhart" aus. Dass einer von ihnen das gleiche für den Abhidhammapitaka behauptet oder auch nur bestreitet, dass dessen Texte erst nach Buddhas Parinirvana entstanden ist, ist mir allerdings noch nicht passiert.


    Dass es auch andere Interpretationen des Begriffs 'buddhavacana' gibt, ist mir selbstverständlich bekannt - nicht zuletzt beruht ja die Klassifizierung von diversen, lange nach Gautama Buddhas Parinirvana entstandenen Mahayana-Texten als 'Sutren' genau darauf. Auch ist mir bekannt, dass es sicherlich (und vor allem in Südostasien) "beinharte Theravadin" gibt, die schlicht und völlig unreflektiert schriftgläubig sind und für die der Tipitaka in seiner Gesamtheit buddhavacana im engsten Sinn ist. Was sie dann in aller Regel auch der Mühe enthebt, die Schriften ernsthaft zu studieren und daher den Diskurs mit ihnen ziemlich sinnlos macht. Es gibt zwar eine schöne und lesenswerte Anleitung dazu - aber man kann seine Zeit auch nützlicher vergeuden.


    Ich habe aus dieser Diskussion vor allem etwas grundsätzliches über die Rezeption des Buddhadharma im Westen gelernt. Zum einen hinsichtlich der Frage, ob der Buddhadharma als eine Religion im Sinne eines Glaubenssystems anzusehen ist. In den Ursprungsländern ist diese Frage wohl kaum einer Diskussion wert; ich habe mich jedoch lange der Illusion hingegeben, im Westen könne eine Erneuerung stattfinden, eine Reduktion auf das Wesentliche - nämlich eine praktische Philosophie. Insbesondere habe ich da im Rahmen der Inkulturation auf eine Verschmelzung mit der westlichen Aufklärungstradition, mit der entwickelten geisteswissenschaftlichen Methodik (nicht zuletzt dem historisch-kritischen Umgang mit überlieferten Texten) gerechnet. Offensichtlich waren meine Erwartungen in dieser Hinsicht überzogen. Nun ist diese Einsicht sicherlich nicht durch diese spezielle Diskussion hier ausgelöst, sie hat mich lediglich auf einen bislang von mir übersehenen Aspekt aufmerksam gemacht - nämlich darauf, wie sehr der westliche, durch die monotheistischen Religionen geprägte Religionsbegriff die westliche Wahrnehmung unterschiedlicher buddhistischer hermeneutischer Traditionen formt. Es scheint unvermeidlich zu sein, dass diese unter Rastern wahrgenommen werden, die durch Begriffe wie 'Sekten' oder 'Abspaltungen' geprägt sind - hinter denen nichts anderes steht als der den monotheistischen Religionen gemeinsame Begriff der 'wahren Lehre', in deren Besitz eine definierte Gemeinschaft ist, während die außerhalb dieser Gemeinschaft Stehenden als Häretiker, Spalter, Abweichler usw. wahrgenommen werden. Die Rezeption des Buddhadharma unter solchen, durch eine lange Geschichte westlicher religiöser Intoleranz geprägten religiösen Paradigmen, scheint mir die eigentliche Wunde zu sein, auf die Ansätze wie der säkulare Buddhismus den Finger legen. Ob der säkulare Buddhismus die Lösung oder nur eine Verkomplizierung des Problems ist, ist allerdings eine andere Frage.


    Hinsichtlich 'Sekten' (oder 'Schulen') bzw. der Formation des Mahayana sind die Berichte insbesondere der chinesischen Pilger des 7. Jahrhunderts Xuanzang und Yijing von Interesse, die darauf hindeuten, dass es in Zentralasien und Nordindien hinsichtlich Hinayana und Mahayana keine unabhängig voneinander existierenden Gemeinschaften gab, dass beides neben- und miteinander existierte. Das Mahayana hatte ja einen jahrhundertelangen Formationsprozess, in dem unterschiedliche Gedanken und exegetische Traditionen zusammenflossen - Prajnaparamita, Tathagathagarbha, Ekayana usw. usf. Diese Traditionen entstanden nach meinem Eindruck nicht nur auf dem Boden der alten 'Schulen', sie entstanden in ihnen, in Ordensgemeinschaften, die einen gemeinsamen Vinaya hatten und in denen es keinen verordneten Dogmatismus und keine Denkverbote, sondern eine offene Diskussionskultur gab. Bezeichnend ist hier die bei der Hinayana-Schule der Mahasanghika nachgewiesene Aufnahme von Prajnaparamita-Sutren in deren Sutrapitaka oder das Aufgreifen von Lehren der Lokottaravadin im Pseudo-Doketismus des Lotossutra. David Kalupahana vertritt (mE nachvollziehbar) die These, Nagarjunas MMK seien ganz wesentlich eine Kritik aus der Sthaviriya-Tradition an substantialistischen Tendenzen im Sarvastivada-Abhidharma - also in diesem Sinn gar kein 'mahayanisches' Werk. Noch in der Klosterlandschaft Chinas residierten Mönche der unterschiedlichsten 'Richtungen' in denselben Viharas, folgten demselben Vinaya, unterstanden demselben Abt - die Aufspaltung in organisatorisch und institutionell getrennte 'Sekten' ist hingegen erst eine typisch japanische Entwicklung - eine, die abendländischen Wahrnehmungsmustern (denen, die ich oben umrissen habe) entgegen kam.


    Als Einschub noch eine Anmerkung @pamokkha: das macht auch das Bestreben der japanischen Delegation am Weltparlament der Religionen 1893 (der übrigens außer Shaku Sōen und Suzuki Teitarō auch Repräsentanten angehörten, die nicht dem Zen zuzurechnen sind) verständlich, sich von den südostasiatischen Buddhisten, die bislang dank der Theosophen in den Augen des Westens nahezu exklusiv den Buddhismus repräsentiert hatten, abzugrenzen. Dass man da auf die Bezeichnungen 'Hinayana' und 'Mahayana' zurückgriff, hatte - wie Du zu unterstellen scheinst - nicht notwendig herabsetzende Absicht. Das findet sich so nach meiner Erinnerung auch nicht bei Analayo, von dem Du wohl Deine Information hast. Man griff damit auf Kategorien zurück, die bereits Abel Rémusat in die Religionswissenschaft eingeführt hatte - bereits etwa ein Jahrhundert vor dem 'Weltparlament'. Entsprechend sah auch z.B. F. Max Müller 1894 in der Einführung zu seinen (anders als seine Editionen für ein breites Publikum gedachten) Übersetzungen von Diamant- und Herzsutra keinerlei Notwendigkeit, die Begriffe Hinayana und Mahayana näher zu erläutern, was bei einem neu eingeführten Begriff selbstverständlich gewesen wäre.


    Was nun die Genese des Palikanon (die zweifellos in engem Zusammenhang mit der Genese der Theravada-Gruppe steht) angeht, so gibt es da zwei grundsätzlich verschiedene und anscheinend unvereinbare Positionen: die religiös-gläubige und die philologisch-religionswissenschaftliche. Eben wegen der Unvereinbarkeit ist es offensichlich auch sinnlos, da eine Diskussion zu führen. Zur Verdeutlichung letzterer (im wissenschaftlichen Bereich völlig unumstrittener) Position lediglich ein kurzes Zitat:


    Zitat

    Modern scholarship has established that the canons of the various schools developed gradually by a process of winnowing the oral traditions, and that therefore, neither the Pali canon nor any other canon should be regarded as the original canon. If there was an original canon, its outlines must be sought behind all the existing canons.“
    (George D. Bond, The Word of the Buddha: The Tipiṭaka and its Interpretation in Theravada Buddhism. Colombo, Sri Lanka : M.D. Gunasena & Co., 1982)


    Dieser Aufgabe widmet sich (neben vielen Anderen) z.B. Analayo mit seinen vergleichenden Untersuchungen der Nikayas und Agamas. Solche Untersuchungen führen nach meinem Dafürhalten punktuell zu durchaus interessanten Ergebnissen, insbesondere hinsichtlich einer relativen Stratigraphie einzelner Überlieferungsstränge. Ob solche "outlines" ("Umrisse", deren Aufsuchen noch ziemlich am Anfang steht) dann irgendwann einmal tatsächlich hinreichend sind, einen authentischen Frühbuddhismus (was immer noch kein "Originalbuddhismus" ist) zu rekonstruieren, bleibt abzuwarten. Wie weit dieser dann auch eine praktische Relevanz hat, ist noch einmal eine ganz andere Frage.


    ()

  • Zitat

    ich habe mich jedoch lange der Illusion hingegeben, im Westen könne eine Erneuerung stattfinden, eine Reduktion auf das Wesentliche - nämlich eine praktische Philosophie.


    für mich ist es eine praktische Philosophie - z.Bsp. wenn ich in der Natur bin - höre, sehe, fühle und schmecke ich nur - mehr nicht.
    Wenn ich arbeite versuche ich nur zu arbeiten - mehr nicht etc.
    Alles was aus dem Kopf kommt scheint mir Illusion zu sein.
    welche Schule besser oder schlechter ist - diese Kopffrage ist für mich nicht von Bedeutung

  • Piti:
    Zitat

    ich habe mich jedoch lange der Illusion hingegeben, im Westen könne eine Erneuerung stattfinden, eine Reduktion auf das Wesentliche - nämlich eine praktische Philosophie.


    für mich ist es eine praktische Philosophie - z.Bsp. wenn ich in der Natur bin - höre, sehe, fühle und schmecke ich nur - mehr nicht.
    Wenn ich arbeite versuche ich nur zu arbeiten - mehr nicht etc.
    Alles was aus dem Kopf kommt scheint mir Illusion zu sein.
    welche Schule besser oder schlechter ist - diese Kopffrage ist für mich nicht von Bedeutung

    Das sind Vorstellungen und wenn die Vorstellungen mit dem Wahrgenommenen in Einklang sind es Vorstellungen, die mit anderen geteilt werden können. Also keine Illusionen. Wenn sie, die Vorstellungen nicht mit anderen geteilt werden können ohne Irritationen auszulösen sind es Illusionen. Das Wasser in der Fata Morgana wird von zwei Menschen wahrgenommen wenn einer die Illusion nicht erkennt wird er seiner Sehnsucht nach Wasser folgen der andere geht weiter zur Oase. Der zur Oase gehende weiss das er nichts gegen die Wahrheit des Anderen tun kann solange der von seiner Meinung überzeugt is, die Zeit hat er auch nicht er braucht Wasser und keine Meinungen.

  • Hallo Sudhana,


    ein ausdrückliches Dankeschön für Deine hervorragenden Beiträge, vor allem für das spürbare Bemühen, auf komplexe Fragen keine einfachen Antworten zu geben. Deine Objektivität (und 'objektiv' bedeutet ja nicht automatisch 'kalt') empfinde ich als sehr wohltuend, so, als ob jemand ein Fenster aufmacht und frische Luft hereinlässt.


    Du schreibst:

    Sudhana:

    Ich habe aus dieser Diskussion vor allem etwas grundsätzliches über die Rezeption des Buddhadharma im Westen gelernt. Zum einen hinsichtlich der Frage, ob der Buddhadharma als eine Religion im Sinne eines Glaubenssystems anzusehen ist. In den Ursprungsländern ist diese Frage wohl kaum einer Diskussion wert; ich habe mich jedoch lange der Illusion hingegeben, im Westen könne eine Erneuerung stattfinden, eine Reduktion auf das Wesentliche - nämlich eine praktische Philosophie. Insbesondere habe ich da im Rahmen der Inkulturation auf eine Verschmelzung mit der westlichen Aufklärungstradition, mit der entwickelten geisteswissenschaftlichen Methodik (nicht zuletzt dem historisch-kritischen Umgang mit überlieferten Texten) gerechnet. Offensichtlich waren meine Erwartungen in dieser Hinsicht überzogen. Nun ist diese Einsicht sicherlich nicht durch diese spezielle Diskussion hier ausgelöst, sie hat mich lediglich auf einen bislang von mir übersehenen Aspekt aufmerksam gemacht - nämlich darauf, wie sehr der westliche, durch die monotheistischen Religionen geprägte Religionsbegriff die westliche Wahrnehmung unterschiedlicher buddhistischer hermeneutischer Traditionen formt. Es scheint unvermeidlich zu sein, dass diese unter Rastern wahrgenommen werden, die durch Begriffe wie 'Sekten' oder 'Abspaltungen' geprägt sind - hinter denen nichts anderes steht als der den monotheistischen Religionen gemeinsame Begriff der 'wahren Lehre', in deren Besitz eine definierte Gemeinschaft ist, während die außerhalb dieser Gemeinschaft Stehenden als Häretiker, Spalter, Abweichler usw. wahrgenommen werden. Die Rezeption des Buddhadharma unter solchen, durch eine lange Geschichte westlicher religiöser Intoleranz geprägten religiösen Paradigmen, scheint mir die eigentliche Wunde zu sein, auf die Ansätze wie der säkulare Buddhismus den Finger legen. Ob der säkulare Buddhismus die Lösung oder nur eine Verkomplizierung des Problems ist, ist allerdings eine andere Frage.()


    Ich möchte hier eine Lanze für die 'religiösen' Buddhisten brechen: Ihre Anliegen und ihre Herangehensweise muss nicht automatisch zu Enge und Dünkel führen. Schön wird das durch ein Buch illustriert, das ich (auf Anregung des Bücherthreads hier) gerade lese (bzw. höre): 'Buddhism - One Teacher, Many Traditions' vom Dalai Lama und Thubten Chödrön. (Und wer jetzt einwendet, das Buch sei von zwei Vertretern des 'Mahayana' geschrieben, sei auf das Vorwort von Bhante Gunaratana hingewiesen.)


    Ich denke, auch die 'westliche Aufklärungstradition' muss einer fundamentalen Kritik unterzogen werden. Die 'dunklen' Seiten der Aufklärung sind eben (imho) kein bloßes 'Abweichen' von der reinen, unbefleckten Lehre, sondern ihr (vielleicht) inhärent. So kann man Goyas bekanntes 'El sueño de la razon produce monstruos' durchaus zweifach verstehen: Schlaf als Abwesenheit der Vernunft oder das 'Erschaffen von Monstern' als Funktion der Vernunft in ihrem 'Schlafmodus'. Den 'säkularen' Buddhisten kann man vielleicht den Vorwurf machen, dass sie an dieser Aufgabe (bisher?) mehr oder weniger grandios gescheitert sind (wenn sie es überhaupt als Problem erkannt haben).


    Und zuletzt: Die Enge und der Dünkel von Verfechtern 'reiner Lehren' (egal welcher Seite) scheint mir jetzt nicht etwas zu sein, was nur im Westen zu finden ist. Ich erinnere da nur an den Umgang mit Buddhadasa (dem von der Orthodoxie Häresie vorgeworfen wurde) oder der engen Verschmelzung von Teilen der ceylonesischen Sangha mit 'Staatsinteressen'.

    'Die Ruhe ist die natürliche Stimmung eines wohlgeregelten, mit sich einigen Herzens.' (Wilhelm v. Humboldt)

  • nur noch zur Wissenserweiterung. Für den Wortstamm हीन "hIna" aus हीनयान "hInayAna"
    finden sich diese folgenden negativen Bedeutungen im Sanskrit:



    http://spokensanskrit.de/index…ns=Translate&direction=SE


    Franz-Johannes Litsch: Warum der Palikanon nicht nach Tibet kam...
    http://www.buddhanetz.org/aktuell/indische_Schulen.pdf


    Die erste vollständige Übersetzung des Dhammapada ins Tibetische fertigte z.B. erst der tibetische "Madman" Gendün Chöphel in den 1930/1940er Jahren an. In seiner Biographie findet sich auch eine denkwürdige Szene, als er diese Übersetzungen einem angesehenen Mönchsgelehrten zeigt und dieser die Texte als tantrische Schriften deutet, woraufhin der Gelehrte sich natürlich lächerlich machte, als Gendün Chöphel ihn und die anderen Anwesenden auf den tatsächlichen Inhalt und Ursprung der Texte hinwies.
    https://en.wikipedia.org/wiki/Gend%C3%BCn_Ch%C3%B6phel
    https://de.wikipedia.org/wiki/Gend%C3%BCn_Ch%C3%B6phel

  • Weizsäcker im Vorwort zu 4. Auflage seines Buches: "Der Gestaltkreis"
    "Sodann hat die Einführung des Subjektes nicht etwa die Bedeutung, daß die Objektivität damit
    eingeschränkt würde. Es handelt sich weder um Subjektivität allein noch um Objektivität allein,
    sondern um die Verbindung beider. Eben darum ist nun hier doch eine Veränderung des Wissenschaftsbegriffes zu bemerken. Wissenschaft gilt nämlich nicht als "objektive Erkenntnis" schlechthin, sondern Wissenschaft gilt als eine redliche Art des Umgangs von Subjekten mit Objekten. Die Begegnung, der Umgang ist also zum Kernbegriff der Wissenschaft erhoben."

  • verrückter-narr:


    Ergänzend sei hinzugefügt, dass das "小" in 小乘 (xiǎoshèng / shōjō, die seit Kumarajiva übliche Übersetzung des Begriffs Hinayana) eine deutlich weniger pejorative Bedeutung hat wenn auch nicht ganz ohne solche Konnotationen ist (konkret 'schwach' oder 'unbedeutend', aber auch 'jung'). Hauptbedeutung ist jedenfalls 'klein'.

    verrückter-narr:

    Franz-Johannes Litsch: Warum der Palikanon nicht nach Tibet kam...
    http://www.buddhanetz.org/aktuell/indische_Schulen.pdf


    Das war der erste Teil einer zweiteiligen Artikelserie, der zweite Teil findet sich hier:
    http://www.buddhanetz.org/aktuell/hinayana_theravada.pdf
    Die Artikel (vor allem der zweite) sind nicht ganz frei von (allerdings nicht gravierenden) sachlichen Ungenauigkeiten und leider auch nicht von polemischen Untertönen, weswegen die damalige BA-Redaktion die Artikel lediglich auf Insistieren des DBU-Rates veröffentlichte (man beachte die redaktionelle Distanzierung beim ersten Artikel). Der Redaktion erschienen die Artikel eher Konfliktpotenzial zu befördern als zu bereinigen während der Rat Voltaires Devise folgte ("Ich mag verdammen, was du sagst, aber ich werde mein Leben dafür einsetzen, dass du es sagen darfst" - und ja, ich weiss dass das nicht wirklich von Voltaire ist).


    ()

  • Morpho:

    'Die Weise'-
    Lehre der Lehre-, is nicht aus Schrifttum zu ziehen. Sagte ja auch Buddhadasa: "Buddhas Dhamma findet sich nicht in Büchern. Wenn du wirklich sehen willst, worüber der Buddha sprach, brauchst du dich nicht um Bücher zu kümmern..."
    Wozu also geisteswissenschaftliche Methodik Sudhana , nur noch mehr Texte, noch mehr Analysen, noch mehr Kritiken als eh schon.


    a) zu Büchern: ohne Bücher gäbe es dieses Forum hier nicht, weil die allerwenigsten Teilnehmer hier die Chance gehabt hätten, in ihrem Leben jemals dem Buddhadharma zu begegnen. Möglicherweise nicht einmal Buddhadhasa selbst. Hältst Du Dich da für eine Ausnahme?
    b) zu Analyse und Kritik: das ist Teil der Bemühung um Rechte Sicht. Prüfung, nicht blinder Glaube.
    c) "nicht aus Schrifttum zu ziehen": kyōge betsuden ist eine einseitige, dualistische Sichtweise, auch wenn es so schön bilderstürmerisch und 'zennig' daherkommt. Zen und die Schriften sind in Harmonie, kyōzen itchi.


    ()

  • Ja, das sind sie, in Harmonie.



    Aua- verursacht mir grad deine Denkweise. Auch du jetzo so verärgert auf "den Buddhismus" zu sprechen?


    Ps:
    Zitat von Buddhasa geht freilich ja noch weita.


    Ps: Schon mal von "Dharmakaya" jehört?
    "...und kann verstehen, ohne durch diskursives Denken gebunden zu werden....übersteige die Emotionen von Überlegung und Diskussion..."
    " ... Sprache kann dem nicht nahe kommen, Hören und Sehen können es nicht berühren." ( aus: Kultivieren des leeren Feldes)_()_