Wieso das Streben nach Nirvana?

There are 113 replies in this Thread. The last Post () by Bakram.

  • Hi!


    Ich frage mich als laie immer, warum im Buddhismus das Erreichen des Nirvanas so eine tolle Sache sein soll?


    Falls ich es richtig verstehe, bedeutet das Nirvana "Ausloeschung", "Aufloesung", "das Nichts", etc.
    Sprich kein Bewusstsein mehr.


    Falls dies das Endziel sein soll, da waere dies doch durch Suizid sehr "einfach" und schnell zu erreichen.
    Zumindest fuer Buddhisten, die nicht an Wiedergeburt und den besagten Kreislauf glauben.


    Aber auch falls man daran glaubt, dann uebersteigt es meine Vorstellungskraft, dass Jemand wirklich die unendliche Ausloeschung seines Bewusstseins anstrebt.
    Natuerlich behaupten gerade dies viele Menschen und es ist euch leicht gesagt, jedoch geht es entgegen dem menschlichem Selbsterhaltungs-Trieb, den jeder Mensch nun man von Geburt an in sich traegt.


    Mich wuerden wirklich Meinungen bezueglich diesem Punkt interessieren.


    Lg,
    Placebo

  • @ Placebo,


    im Mahayana Buddhismus gibt es den Bodhisattva Weg, der angestrebt wird, nicht das Nirvana.
    Oberstes "Ziel" eines Bodhisttva ist es, Erleuchtung zu erlangen mit der Motivation zum Wohle aller Wesen weiter zu wirken (Bodhicita), nicht um "Nirvana" zu erlangen, um dort für alle Ewigkeiten zu verweilen.


    Allerdings hast Du einen Denkfehler: Im Laufe seiner Leben sammelt man positives und negatives Karma an. Ein Suizid wäre eine Handlung, die sehr viel negatives Karma bedeuten würde, Du würdest, nach buddhistischer Logik" in einem "niedrigen Bereich" wiedergeboren werden, nicht jedoch ins Nirvana gelangen. Nirvana ist ein friedlicher Geisteszustand, frei von Leiden und Karma.

    Liebe Grüße
    Sherab


    "Glücklich mögen alle Wesen sein und im Besitz der Ursachen des Glücks" (:_()_

  • Quote from Sherab Yönten

    im Mahayana Buddhismus gibt es den Bodhisattva Weg, der angestrebt wird, nicht das Nirvana.
    Oberstes "Ziel" eines Bodhisttva ist es, Erleuchtung zu erlangen mit der Motivation zum Wohle aller Wesen weiter zu wirken (Bodhicita), nicht um "Nirvana" zu erlangen, um dort für alle Ewigkeiten zu verweilen.


    Ja, so habe ich das auch verstanden. Und wenn es tatsächlich so ist,
    dann ist es richtig zu sagen Mahayana hat mit dem Buddha und seiner
    Lehre von Nibbana nichts zu tun. So betrachtet sind Mahayanis keine
    Nachfolger des Buddha.

  • Hallo Placebo,
    desto länger Du praktizierst, desto klarer wird auch, dass durch das Verlöschen von Hindernissen Freiheit entsteht. Es ist also nicht Nichts, was dann "erscheint", sondern eine andere Perspektive, eine andere Weltsicht. Erfahren kann man ähnliches schon allein durch bewusstes Fasten, also das Weglassen von Nahrung auf bestimmte Zeit. Der Körper wird leichter, das Leben offenbar auch, selbst der Geist wird frisch und offen.


    Das endgültige Erlöschen aller Hindernisse zu guterletzt ist dann die Befreiung aus dem Kreislauf der Wiedergeburten. Ob jemand daran nun glaubt oder nicht. Das Leben würde ich mir jedenfalls nicht nehmen. Denn erstens ist das gar nicht so einfach und zweitens, falls ich mich irre, komme ich dann womöglich wieder und muss mindestens da wieder beginnen, wo ich aufgehört habe. Ich bin mir auch sicher, dass der Freitod eine bittere Lösung ist, die ich nur verstehe, wenn jemand durch zu große Schmerzen und Leiden das Weiterleben nicht mehr ertragen kann. Da steckt eben auch der Wunsch nach Befreiung hinter.


    Wie einfach ist es dagegen doch, dem achtfachen Pfad zu folgen und so weit zu gehen, wie man nur kann.
    _()_ Monika

    Ich bin der Wahrheit verpflichtet, nicht der Beständigkeit.
    Gandhi

  • @placebo:Wie kommst du darauf, dass es "das Nichts" ist? Dass da kein Bewusstsein mehr da ist? Es ist das restlose Verlöschen von Gier, Hass und Verblendung. Die Persönlichkeit endet - nicht das Bewusstsein.

    "Es besteht, Mönche,
    das Ungeborene, Ungewordene,
    Ungeschaffene, Unzusammengesetzte.
    Wenn dieses Ungeborene, Ungeschaffene,
    Unzusammengesetzte nicht bestünde,
    - nicht wäre dann ein Entrinnen
    aus dem Geborenen, Gewordenen,
    Geschaffenen, Zusammengesetzten
    zu erkennen.



    Weil aber dieses Ungeborene,
    Ungewordene, Ungeschaffene,
    Unzusammengesetzte besteht,[123] Mönche,
    deshalb ist ein Entrinnen für das
    Geborene, Gewordene, Geschaffene,
    Zusammengesetzte zu erkennen."
    http://www.palikanon.com/khuddaka/udana/ud_8.htm
    Wichtig ist es meines Erachtens, sich bewusst zu machen, dass es reine Spekulation ist, darüber nur nachzudenken. Reine Gedankenkonstrukte. Das führt (in meiner Erfahrung) meistens nur zu Verwirrung. Aber natürlich ist es auch gut, sich vorher einmal "offizielle" Lehrmeinungen dazu durchzulesen (Palikanon) - das klärt einiges.
    Besser geeignet wäre m. E. die Frage: "will ich Frieden? Oder Befreiung". Keine Persönlichkeit, kein Festhalten an Gedanken oder Gefühlen - kein Leiden.

  • Hi Placebo,


    nein - so ist das definitiv nicht. Meist wird zwar vom "Erreichen" Nirvanas gesprochen, Nirvana ist jedoch kein Ort, (wie z.B. das christliche "Jenseits"), sondern ein geistiger Zustand, der keineswegs erst nach dem Tod verwirklicht wird.


    Was der Sanskritbegriff nirvāṇa, (das Aus-oder Verwehen aller falschen Vorstellungen (von der Natur dessen, was ist)), bedeutet, wird klarer, wenn man ihn im Zusammenhang mit saṃsāra (dem Kreislauf des Werden und Vergehens)sieht. (zwei Seiten ein und derselben Medaille)


    Ich habe momentan nicht die Zeit, viel zu schreiben, daher nur ein Link:


    Leerheit und Entstehen in gegenseitiger Abhängigkeit von Prof. Masao Abe, Kyoto
    http://www.buddhanetz.org/texte/masao.htm


    LG mkha´


    ...


    Zum Thema Leerheit - allerdings ohne Hintergrundwissen nicht leicht verständlich:
    Die Leerheit - Flugbahn ins Unendliche von Stephen Batchelor und Hans Gruber
    http://buddha-heute.de/rubrik-06/leerheit.php


    ...


    Interessantes am Rande:
    Das Bodhisattva-Ideal im Buddhismus - Walpola Rahula Thera
    http://www.buddhanetz.org/texte/bodhisat.htm


  • Nirvana ist Auslöschung von "Ich" und "mein", von Gier, Hass und Verblendung, von allen wie auch immer gearteten Leiden, von allen Trieben inclusive Selbsterhaltungstrieb. Es ist nicht "Nichts", aber es ist unbeschreiblich, nicht erfassbar durch Denken.

  • Quote from Varadinno

    Die Persönlichkeit endet - nicht das Bewusstsein.


    Etwas das es nicht gib, kann auch nicht enden.
    In sofern es aber die Persönlichkeit gibt die der Buddha als die 5 Khandha
    bezeichnet, in sofern wird alles vergängliche überwunden, auch Bewußtsein.
    Alle diese Dinge können nur solange bestehen wie ihre Bedingungen noch
    bestehen und sind ohne sie nicht mehr, sind erloschen und keinem neu entstehen
    mehr ausgesetzt.

  • Quote

    Falls ich es richtig verstehe, bedeutet das Nirvana "Ausloeschung", "Aufloesung", "das Nichts", etc. Sprich kein Bewusstsein mehr.

    Nirvana erreichen ist die Auslöschung von Gier Hass Verblendung/Glauben wollen. Natürlich kann auch durch einen Exquisiten Selbstmord erreicht werden, gibt's auch irgendein Wörtchen für. Was willste mit Nirvana ohne Bewusstsein? Das is mir ganz einfach gesagt zu blöde.

    1) Alle Dinge und alle Gedanken sind in gegenseitiger Abhängigkeit bedingt Entstehend.

    2) Das ist nicht Mein, das ist nicht mein Ich, das ist nicht mein Selbst, das ist nicht mein Nibbana/Nirwana.

    Sinnsuche ist Sinngeben. Sinngeben ist Meinung. Meinung ist Leiden.

  • Quote from Placebo

    Hi!


    Ich frage mich als laie immer, warum im Buddhismus das Erreichen des Nirvanas so eine tolle Sache sein soll?


    In Vorstellungen kann alles mögliche schön sein. Durch Prägungen/Abhängigkeiten oder meinetwegen durch Ursache und Wirkung bist du nun eben beim Buddhismus gelandet und suchst Nirvana.Ist die Prägung nicht stark genug dann spielst du morgen Tennis ;) Das Streben nach Glück geht hier und da komische Wege :D

  • accinca: die "Persönlichkeit" auf die ich mich bezogen habe, existiert sehr wohl. Sie ist beobachtbar: eine Konvention zwar (bedingt entstanden), aber in einem weltlichen Sinne durchaus "existent": ich habe einen Namen, einen Körper, ich kommuniziere hier. Ein beharrendes, ewiges "Selbst" hingegen existiert nicht.
    Ich bin mir nicht wirklich sicher, wie der Buddha ohne Bewusstsein hätte etwas lehren können. Aber da "ich" Nibbana nicht realisiert habe (was auch unmöglich ist, die Persönlichkeit kann nicht erleuchtet werden), kann "ich" da nur spekulieren. Vielleicht noch etwas aus dieser Quelle, um das Ganze zu "betrachten":


    "Die in den Kommentaren erwähnten zwei Aspekte des Nirwahns, wörtl. 'Erlöschens', sind:


    1.die 'Völlige Erlöschung der Leidenschaften' (kilesa-nibbāna) - in den Sutten auch genannt sa-upādi-sesa-nibbāna, d.i. 'Nibbana, bei dem die Daseinsgruppen noch übrig bleiben' -: diese tritt ein bei Erreichung der Vollkommenen Heiligkeit oder Arahatschaft (siehe ariya-puggala).
    die 'Völlige Erlöschung der Daseinsgruppen' (khandha-nibbāna) - auch genannt an-upādi-sesa-nibbāna (siehe upādi), d.i. 'Nibbāna bei dem keine Daseinsgruppen übrig bleiben', m. a. W. das Zuruhekommen, oder genauer gesagt, Sich-nicht-mehr-Fortsetzen dieses geistig-körperlichen Daseinsprozesses: diese tritt ein beim Tode des Arahat. Siehe It. 44.", http://www.palikanon.com/wtb/nibbana.html.

  • Ehrlich gesagt, ich bin auch kein besonderer Nirwana Fan.
    Für mich ist eher die Zufriedenheit und die Gelassenheit im samsarischen Dasein anstrebenswert; vielleicht eine Vorstufe…..
    Dabei interessieren mich natürlich die tieferen Zusammenhänge von Leerheit und Illusion, sowie ich der Ansicht bin, dass das intuitive Bestreben nach endgültiger „Befreiung“ erst nach einem gewissen spirituellen Fortschritt nachhaltig eintritt.

  • Ich sehe das so: wenn ich mich auf den Weg mache, ist es für mich gut zu wissen, was das Ziel dieses Weges ist. Ausser ich gehe spazieren.
    Mein Lehrer Ajahn Sumedho sagte dazu: "Solange ich meditiere, um in der Zukunft etwas zu erreichen, ist die Basis meiner Praxis der Persönlichkeitsglaube (sakkaya-ditthi)" - aus meiner Erinnerung frei übersetzt.
    Erkenntnis ist unmittelbar: Hier und Jetzt.
    @hedin: was mir persönlich an deinem Beitrag gut gefallen hat, ist der Gebrauch des Wortes "Ansicht".


  • Ich finde Deine Frage sehr berechtigt.
    Sie beruht aber auf verschiedenen Missverständnissen.


    Welches nun das "richtige" Verständnis ist, darauf werden Dir Anhänger unterschiedlicher buddhistischer Richtungen auch verschiedene Antworten geben, die teilweise übereinstimmen, sich aber auch teilweise widersprechen.


    Aus meiner Sicht möchte ich folgende Punkte betonen:


    1. "Nirwana" bedeutet eben nicht "unendliche Auslöschung des Bewusstseins", sondern ein Erlöschen von Gier, Aversion und Verblendung.


    2. Das Erlöschen von Gier, Aversion und Verblendung ist für den Praktizierenden des achtfachen Pfades ein PROZESS, der bei jedem Schritt auf dem Weg heilsame Wirkungen hat. Ob Du auf dem Weg voranschreitest und eine für Dich geeignete Praxis ausübst, lässt sich (langfristig) daran erkennen, ob dukkha reduziert wird und sich stattdessen mehr innerer Frieden und ruhige Heiterkeit entwickeln.


    3. Wie bei vielen anderen Dingen im Leben, kann man zwar vieles dafür tun, um das "Ziel" zu erreichen, aber eine Mentalität des "Das-Endziel-haben-Wollens" ist dabei hinderlich. Es wird geübt im Hier und Jetzt, ohne Fixierung auf irgendwelche Ziele.


    4. Einen Geisteszustand, in dem (für eine begrenzte Zeit) Gier und Aversion vollständig aufgehoben sind, erfährst Du in der vierten meditativen Vertiefung (Jhana, samma samadhi).
    Im sutta-pitaka kannst Du nachlesen, dass der Buddha immer und immer wieder die Jhanas als zentralen Bestandteil der Praxis betont hat.
    Es gibt dafür verschiedene gute Gründe.
    (Ich möchte aber auch hinzufügen, dass diese Auffassung heutzutage eher eine Minderheitsmeinung ist, da die meisten Buddhisten andere Formen von Meditation praktizieren. Doch ganz gleich, welche "Methode" praktiziert wird, können Vertiefungen bei hinreichender Konzentration jederzeit spontan eintreten.)


    Aus meiner Sicht kann man ein entscheidendes Argument für eine Praxis der meditativen Vertiefungen so formulieren: Ohne den Geisteszustand in der vierten meditativen Vertiefung selbst erfahren zu haben, lässt sich nicht wirklich innerlich-intuitiv verstehen, was ein Geisteszustand bedeutet, der frei ist von Gier und Aversion.


    Und zwar bedeutet es:


    5. einen tiefen inneren Frieden und eine Gleichmut, die zwar jenseits von "angenehmen" und "unangenehmen" Gefühlen sind, dennoch aber als eigentliche Befreiung und als höchstes Glück wahrgenommen werden.


    Das klingt paradox und lässt sich in Worten gar nicht adäquat beschreiben. Es muss erfahren werden. Und wenn Du es erfährst, verschwinden die Missverständnisse im Hinblick auf "Nirwana". Die meditativen Vertiefungen sind also gerade auch ein Instrument für Einsicht.


    Falls Du diesen Weg gehen möchtest, um es selbst zu erfahren: Für mich waren und sind dabei die Erläuterungen in der Tradition von Ayya Khema und in der Tradition von Ajahn Chah (vermittelt durch Ajahn Brahm) sehr hilfreich. Dieser Weg erfordert aber, ebenso wie viele andere auch, viel Geduld. Und es ist wichtig, das "Ziel" und die "Mittel" zwar zu kennen, aber die Mentalität des Haben-Wollens dabei loszulassen.


    _()_

  • Frieden-und-Freude: Ajahn Chah:"Die Gefahr des Samadhi:
    Bei richtigem Samadhi ist immer Bewusstheit vorhanden,
    das heißt, es besteht volle Geistesgegenwart und klares Verständnis.
    Durch solch ein Samadhi entsteht Weisheit
    und man kann sich nicht darin verlieren."


    Samadhi ist schon eine sehr nützliche Sache, aber wenn es dem Meditierenden an Weisheit fehlt, kann es auch schädlich sein. Zusammen mit Weisheit, führt Samadhi zu Einsicht und ist deshalb sehr nützlich.
    Die Gefahr für den Meditierenden liegt in der Vertiefung, Samadhi-Jhana, dem Samadhi der vertieften anhaltenden Ruhe. Dieses Samadhi bringt den totalen Frieden, und durch Frieden entsteht Glückseligkeit. Wenn Glückseligkeit entsteht, kommt leicht das Anhaften daran zustande. Der Meditierende will nichts anderes betrachten oder untersuchen, es geht ihm nur um das angenehme Gefühl des Friedens im Samadhi. Nach langer Übung der Meditation ist man sehr erfahren, und es ist einfach, Samadhi zu erreichen. Sobald man sich auf das Meditationsobjekt konzentriert, wird der Geist ruhig, und man will die vertiefte Ruhe nicht mehr verlassen, um irgend etwas zu untersuchen. Man bleibt an der Glückseligkeit hängen, und darin besteht die Gefahr für den Meditierenden.
    Wir müssen Upacara Samadhi anwenden. Das heißt, wir treten in die Ruhe ein, und wenn der Geist sich in einem angemessenen, gefestigten Zustand der Ruhe befindet, kommen wir heraus und betrachten unsere äußerlichen Aktivitäten.[7] Mit ruhigem Geist die Außenwelt zu betrachten, lässt Weisheit entstehen. Das ist schwer zu verstehen, denn es handelt sich hierbei nicht um gewöhnliches Denken oder sich etwas vorzustellen. Wenn Denken vorhanden ist, mögen wir annehmen, dass der Geist sich nicht im Zustand der Ruhe befindet. Tatsächlich aber findet jetzt das Denken innerhalb der Ruhe statt. Die Betrachtung irgendwelcher Phänomene findet zwar statt, doch stört das die Ruhe des Geistes nicht. Das Denken selbst wird jetzt nämlich betrachtet, das bedeutet, wir greifen das Denken auf und untersuchen es. Das ist etwas anderes, als sich ziellosen Gedanken und Vermutungen hinzugeben. Dieser Vorgang spielt sich ab, wenn sich der Geist im Zustand der Ruhe befindet. Wir bezeichnen das als: "Bewusstheit in der Ruhe und Ruhe in der Bewusstheit". Wenn es sich nur um gewöhnliches Denken oder Vermutungen handelt, ist der Geist nicht in Frieden, sondern gestört und verwirrt. Aber ich rede nicht vom gewöhnlichen Geist, sondern von weiser Betrachtung, dem Phänomen der Entfaltung von Weisheit durch die Ruhe des Geistes.
    Wir unterscheiden also richtiges und falsches Samadhi. Falsches Samadhi entsteht, wenn der Geist in den Zustand der Ruhe eintritt und überhaupt kein Bewusstsein vorhanden ist. Man könnte stundenlang einfach so dasitzen, aber man weiß nicht, wo man sich befindet oder was passiert. Man weiß überhaupt nichts. Es ist Ruhe vorhanden, aber das ist alles. Wir können das mit einem gut geschliffenen Messer vergleichen, das wir nicht zum Schneiden benutzen. Es handelt sich hierbei um eine verblendete Art von Ruhe, denn es besteht nicht viel Selbstgewahrsein. Der Meditierende denkt, er habe bereits das Ultimative erreicht, und macht sich nicht mehr die Mühe, nach etwas anderem zu schauen. Diese Art von Samadhi kann zu unserem Feind werden. Wenn das Bewusstsein von richtig und Falsch fehlt, kann sich Weisheit nicht entfalten."http://www.ajahnchah.org/deutsch/die_gefahr_des_samadhi.php

  • Ein vielleicht hilfreicher Text zu diesem Thema von Ajahn Sumedho:
    "Wir verlieren uns in Dingen, die entstehen und wieder vergehen, in Dingen, die uns anregen oder deprimieren und darin, wie uns die Dinge in diesem Augenblick erscheinen. Meditation hilft uns, an den Ursprung zurückzukehren, zurück zu jenem Frieden und in die Haltung des Erkennens. Dann verstehen wir die Welt als das, was sie ist, und lassen uns nicht mehr davon täuschen. Das Verstehen von Samsára ist der Zustand von Nibbána. Wenn wir die wiederkehrenden Muster unserer Gewohnheiten erkennen und uns nicht mehr davon irreführen lassen, verwirklichen wir Nibbána. Buddha-Wissen umfaßt nur zwei Dinge: das Bedingte und das Nicht-Bedingte. Es ist die unmittelbare Erkenntnis vom Wesen aller Dinge, wie sie jetzt sind, ohne danach zu greifen oder daran zu haften." aus: "Erkenntnis geschieht jetzt" http://www.dhamma-dana.de/buec…ntnis_geschieht_jetzt.htm

  • Quote from Varadinno

    accinca: die "Persönlichkeit" auf die ich mich bezogen habe, existiert sehr wohl.


    Eine solche "Persönlichkeit" hatte ich auch nicht bestritten.


    Diese sind aber zu überwinden und bestehen danach nicht mehr lange.
    Daher heißt es:


  • @Varadinno
    Vielen Dank für die ergänzenden Bemerkungen.
    Ganz genau, der Buddha hat die Vertiefungen als ein Instrument gelehrt, um Einsicht zu gewinnen. Und nicht als eine "Droge", um sich "high" zu machen.


    Samadhi als "gut geschliffenes Messer", das man dann auch zum Schneiden benutzen sollte.


    Ein anderer wichtiger Punkt: Die Jhana-Praxis sollte durch Brahmavihara ergänzt werden.


    Und drittens: Nicht für jeden und nicht in jeder Situation sind die Vertiefungen hilfreich. Ein guter Lehrer ist dabei wichtig.

  • accinca: vielen Dank für die Erläuterung. Exakt.
    ".. bestehen danach nicht mehr lange" - das ist natürlich m. E. wiederum relativ.
    Frieden-und-Freude: ich weiß, dass du ein "Verfechter" der Jhanas bist. Das ist keine Wertung. Nur vertraue ich da eher in meine Lehrer und das, was ich beobachte und erfahre. All diese Dinge (Techniken, Texte) sind Werkzeuge, zur Reduktion von dukkha. Ich benutze eine "Säge" , du ein "Messer". Auch dies keine Wertung, welches Werkzeug "DAS Richtige" ist. Ajahn Brahm inspiriert mich nicht. Ihn oder seinen (oder deinen) Ansatz zu kritisieren liegt mir fern. Wir entscheiden uns für eine bestimmte Tradition (oder halt auch nicht...) - warum das so ist? Keine Ahnung. Vipaka-kamma im Zweifelsfall. Was für mich zählt: "funktioniert" das Werkzeug? Ja, das tut es - definitiv.

  • Es ist nicht möglich rechte Vertiefungen zu üben ohne die anderen Pfadglieder in gleicher Weise zu beachten. Vertiefung allein ist ein Instrument der Teilung, wie jedes aus dem Pfad herausgenommenes Glied.

    1) Alle Dinge und alle Gedanken sind in gegenseitiger Abhängigkeit bedingt Entstehend.

    2) Das ist nicht Mein, das ist nicht mein Ich, das ist nicht mein Selbst, das ist nicht mein Nibbana/Nirwana.

    Sinnsuche ist Sinngeben. Sinngeben ist Meinung. Meinung ist Leiden.

  • @Varadinno
    Ich hatte Dir doch zugestimmt.
    Du hast Deine Praxis und einen guten Lehrer.
    Ich übe daran keine Kritik.


    Bin auch aufgeschlossen und interessiert daran, was Ajahn Sumedho lehrt. Bislang habe ich dazu aber keinen Zugang gefunden. Es hat mich bislang nicht inspiriert.
    (Soweit ich weiß, hat Ajahn Sumedho selbst die Jhanas praktiziert, jedenfalls glaube ich mich daran zu erinnern. Hab aber vergessen, in welchem seiner Vorträge er darüber spricht.)


    Ellviral
    Das stimmt natürlich, was Du sagst. Habe nie etwas Gegenteiliges behauptet.


    Die vierte Vertiefung gibt einen Vorgeschmack auf Nirwana.
    Sie ist aber nicht die Befreiung selbst, sondern etwas Vergängliches.
    Das gilt es anschließend zu betrachten und Einsicht zu gewinnen.


    Der Buddha lehrte den achtfachen Pfad. Samma samadhi ist ein Teil davon.
    Er lehrte nicht, sich in Samadhi zu verlieren.
    Er lehrte aber auch keinen siebenfachen Pfad, ohne Samadhi.
    :)


    Ich verabschiede mich für dieses Wochenende aus der Diskussion.
    Zeit zum Loslassen. :)


    _()_

  • Frieden-und-Freude: ich habe ja auch nicht geschrieben, dass du mich oder vielmehr was ich mache - wie ich übe - kritisiert hast.
    Ich schätze deine Beiträge durchaus. Nur den Passus mit Ajahn Brahm und Ajahn Chah wollte ich so nicht stehen lassen. Wie der dann von mir zitierte Text zeigt: aus gutem Grund. Ajahn Brahm wird auch durchaus kritisch gesehen ("Bhikkhuni-Kontroverse und Sangha-Ausschluss", https://de.m.wikipedia.org/wiki/Ajahn_Brahm). Schönes Wochenende - ich bin dann auch mal "woanders"

  • Quote from Varadinno

    accinca: vielen Dank für die Erläuterung. Exakt.
    ".. bestehen danach nicht mehr lange" - das ist natürlich m. E. wiederum relativ.


    Natürlich sind alle Dinge relativ aber
    es heißt ja:
    "Es ist dieser heilige achtfältige Weg, Bruder Visákho,
    von dem der Erhabene gesagt hat, daß er zur Auflösung der
    Persönlichkeit führe, nämlich:....." M 44


    Also kann man doch sagen, das die Lehre letztlich zur
    Auflösung, auch von Bewußtsein führt und daraus die
    Frage dieses thread "Wieso das Streben nach Nirvana?" kommt.
    Und auch die Feststellung "ohne Bewußtsein geht ja garnichts mehr."




  • Ich verbringe viel Zeit in den bergen.
    Wenn ich nach 9 oder 10 Stunden nachhause komme, gehe ich duschen und wasche meine Wäsche.
    Ich esse noch eine Kleinigkeit und lege mich schlafen. Im Sommer ist es manchmal noch hell wenn ich mich hinlege.
    Man könnte noch einiges tun, ich aber lege meinen Kopf auf's kissen, und lasse los.


    Es ist genug.


    Wenn Du intensiv praktiziert hast, wird Dich nichts mehr reizen.
    Das weltliche Glück und der weltliche Friede verblassen im angesicht der vertiefungen.


    Nibbana ist die Krönung unserer Praxis.
    Wenn Du richtig satt bist, wird Dich dein Lieblingsessen nicht mehr reizen.



    Alles im Samsara ist unbeständig.
    Manchmal fühlst Du dich super, manchmal furchtbar.... alles vergeht.
    Durch Ignoranz und Unwissenheit versuchen wir ständig zu wachsen..., zu erhalten, werden.


    Wir wollen etwas. Und wenn wir unser Glück in vergänglichen Dingen suchen, wird unser Glück vergänglich sein.


    In Wirklichkeit kannst Du nicht nach Nibbana streben.
    Du kannst der lehre folgen.


    Sila,samadhi,Einsicht,metta.


    Wenn Du das befolgst, wird Nibbana früher oder später folgen.
    Nibbana ist Befreiung, aber niemand verweilt dort.


    Ich wünsche Dir frieden!