Tiefegrade Meditation

12 Antworten. Letzter Beitrag () ist von kesakambalo.

  • Hallo ihr Lieben,


    kennt jemand die verschiedenen Tiefegrade der Meditation ?
    Ich hatte einmal einen Punkt erreicht, an dem ich beinahe spielend leicht den Fokus auf den Atem halten konnte, ohne gedanklich abzuschweifen... ich hatte das Gefühl "im Fluss" zu sein und dass es nun stundenlang so dahingehen könnte.
    ... eine solche Tiefe bzw. diesen "Atemfluss" habe ich bis heute leider nicht mehr erreicht...


    Jetzt meine Fragen:


    -Bildet dieser beschriebene "Zustand" eine nächste (tiefere) Stufe der Meditation?
    -Wie lange dauert es bis man dies für gewöhnlich erreicht? (ich meditiere seit 3 Monaten, bin also Anfängerin, aber dafür täglich ca. 3 Stunden)
    -Erreicht man diesen Zustand bzw. diese Tiefe dann auch jedesmal? Wie sieht es bei den Fortgeschrittenen unter euch aus?

  • 'Bloßes Gewahrsein' ist kein Zustand. Man kann 'es' nicht erreichen, nicht erlangen; es ist immerzu da. Man könnte mit "rechter Achtsamkeit" definieren, aber "rechte Achtsamkeit/Sammlung" hat noch mal gewisse "Merkmale", eines davon ist der "Hellblick". Es ist auch nicht bei jedermann gut von rechter Achtsamkeit zu sprechen, Leute, die "was erreichen wollen" denken sofort auch an "falsche Achtsamkeit", versuchen zu verstehen, zu unterscheiden, fixieren sich gedanklich und (ver)suchen es nun erst recht. Dadurch gehen sie weg davon.

  • Hallo Kimberly,


    für die Stufen seiner Meditation benutze der Buddha ein zu seiner Zeit bereits gläufiges Wort. "Jhana" werden sie genannt. Doch Obacht, selbst unter erfahrenen Meditierenden sind Missverständnisse vom buddhistischen Jhana weit verbreitet.


    Zitat

    Der Buddha verwendete das Wort Jhana¹ durchgängig für das komplette schrittweise Meditationstraining. Den Sutten zufolge sind diese Meditationsstufen keine mystischen oder magischen Erfahrungen. Sie sind einfach Level, welche der Meditierende erkennen sollte. Diese Meditationsstufen (jhanas) tragen zur Perfektion des Weges bei, welcher tiefe Ruhe, Weisheit, Gestilltheit und Öffnung des Geistes in den Vordergrund stellt. Diese Eigenschaften liefern eine solide Grundlage für die Verwirklichung von Geistesruhe und für die Entwicklung von Weisheit. Die Jhanas (Meditationsstufen), obwohl noch weltlich, sind die Fußabdrücke des Buddha, die bei schrittweiser Übung zum Erleben von Nibbana führen.


    ¹in der Bedeutung von Meditationsstufe und nicht in der Bedeutung der fixierten Vertiefung des Geistes


    Quelle: Link


    Dieses Büchlein ist ganz hervorragend zu dem Thema. Der Autor beschreibt alles mit den Jhanas Zusammenhängende aussergewöhnlich detailliert. Eine echte Empfehlung. David C. Johnson - Path to Nibbana



    Freundliche Grüße


  • Hallo Kimberly,


    die Meditationserfahrung, die Du beschreibst, wird als "access concentration" bezeichnet: Der Geist bleibt spielend leicht auf dem Meditationsobjekt, in Deinem Fall auf dem Atem.
    Ajahn Brahm nennt das den "schönen Atem" (beautiful breath).
    Das ist noch keine meditative Vertiefung (Jhana), aber es wird als Bedingung dafür angesehen, dass eine Vertiefung eintreten kann.


    Entscheidend ist, dass Du die Mentalität des Erreichen-Wollens loslässt.
    Also sich nicht darauf fixieren, den Zustand wieder zu "bekommen", den Du erfahren hast.


    Loslassen ist der kürzeste Weg.


    Wie lange es dauert, um eine Vertiefung zu erreichen?
    Es dauert so lange wie es dauert.
    Und wer es haben will, erreicht es gar nicht. (Denn es hat wesentlich mit Loslassen zu tun.)


    Ob ein fortgeschrittener Praktizierender einen einmal erfahrenen Zustand der Vertiefung immer wieder "erreicht"?


    Das ist sehr unterschiedlich und hängt von verschiedenen Faktoren ab.
    Es gibt "Meister der Jhanas", die jederzeit in jede beliebige Vertiefung eintreten können. Aber bei den meisten fortgeschrittenen Praktizierenden ist das nicht so.
    Das ist auch gar nicht so wichtig. Viel wichtiger ist es, loszulassen und auch Deine Meditation so zu akzeptieren, wie sie gerade ist.


    Der Buddha hat die Jhanas gelehrt als wichtiges Hilfsmittel für Einsicht.
    Das heißt die Vertiefungen sind noch nicht die Befreiung selbst, eher ein Vorgeschmack darauf, insbesondere bei der vierten Vertiefung. Begehren und Aversion verschwinden vorübergehend völlig und es entsteht ein Gleichmut, der als höchstes Glück empfunden wird, obwohl weder angenehme noch unangenehme Gefühle vorhanden sind.


    Die Vertiefungen schärfen den Geist. Den so geschärften Geist kannst Du nach der Meditation für Kontemplationen nutzen.


    Mein Lehrer, Leigh Brasington, hat auf seiner Webseite viele nützliche Infos über die Jhanas. Vielleicht hilft Dir das weiter:


    http://www.leighb.com/jhanas.htm



    _()_

  • Morpho:

    'Denk nicht an einen rosa Elefanten, lass das los'. Super. Hauptsache man brilliert mit 'Wissen', soviel Metta musste sein.


    Ja, gerne schenke ich auch Dir etwas Metta, lieber Morpho. :rose:


    Du unterstellst mir nun schon wiederholt irgendwelche negativen Motive.
    Darf ich Dich bitten, das in Zukunft zu unterlassen?


    Zum inhaltlichen Aspekt Deiner Kritik:


    Ja, stimmt, da gibt es ein Problem: Einerseits werden die Vertiefungen zum Objekt des Begehrens, wenn man davon spricht. Andererseits gilt es in der Tradition, mit der ich vertraut bin, als unverzichtbar, viel darüber zu wissen.
    Also über Ziele und Mittel informiert zu sein.


    In der Praxis bedeutet das, sich immer wieder zu korrigieren und das zweckrationale Denken loszulassen. Aber ohne komplett darauf zu verzichten.


    Mag sein, dass das aus Zen-Sicht erscheint als "Denk nicht an einen rosa Elefanten".

  • Von Tiefegraden und wo sie beschrieben sind hab ich keine Ahnung. Ich weiss nur das es bei mir auch so war und das ich viele Jahre gebraucht habe bis ich gelernt habe keinerlei Gedanken zuzulassen diesen Grad wieder zu erreichen. Ich habe zwanzig Jahre ohne Meditationanleitung meditiert. Nach zehn Jahren habe ich es geschafft den Zustand in sehr kurzer Zeit zu erreichen. Nach 15 Jahren habe ich erfahren was ich da mache.
    Vergiss den Vergangenen, nimm den Jetzigen, Vergangenes ist nicht mehr Zukünftiges ist noch nicht.
    Meditiere einfach weiter, versuche alle Vorstellungen wie das zu sein hat abzuschalten, versuche alle Gedanken die Vorstellungen erzeugen abzuschalten, komme dahin Gedanken nur zu betrachten sie nicht zu verfolgen. Tiefengrade sind theoretisches Geschwätz. Meditation ist nur sitzen in Leere, weist Du ja schon wie das ist.

  • Mirco : was den Lehrer (Bhante Vimalaramsi) des Autors dieses von dir empfohlenen Buches angeht, so wird seine Form der Vermittlung durchaus kontrovers diskutiert:
    http://www.vipassanaforum.net/forum/index.php?topic=1559.25


    Ein Mönch der behauptet mit ihm gelebt zu haben, meldet sich hier zu Wort:
    https://youtu.be/AwvXI2JGfFs


    Wie immer, wenn ein Lehrer sagt, dass nur er im "Besitz" der "wahren" Technik ist - oder der Einzige ist, der weiß, was der Buddha "ursprünglich" gelehrt hat (und andere Lehrer auch herabsetzt): da ist m. E. Vorsicht geboten. Und eine gründliche Recherche schadet sicher auch nicht.

  • Hi,
    ja die Darstellung der Bewußtseinsveränderungen durch Vertiefung. Bei Neumann werden sie Freiungen genannt:
    1. Formhaft ist man und sieht Formen
    2. Formhaft ohne innere Formwahrnehmung sieht man außen Formen
    3. Schönheit nur hat man im Sinn
    4. Unbegrenztheit des Raumes
    5. Grenzenlos ist das Bewusstsein
    6. Nichts ist da
    7. Grenzscheide möglicher Wahrnehmung
    8. Auflösung der Wahrnehmbarkeit