Nivanawunsch und Bierwunsch

13 Antworten. Letzter Beitrag () ist von Holzklotz.

  • Moderation:

    Dieses Thema wurde nicht von Holzklotz gestartet. Ich habe es aus dem Thread Methodik wie im Zazen abgetrennt.void


    pamokkha:

    Wie ist der Wunsch nach Nirvana, dem Ende des Leidens, zum bösen Buben geworden, während man beim Wunsch nach einem Bier ganz entspannt ist?


    Wenn ich mir Nirvana wünsche, leugne ich das Nirvana-Potential dieses Augenblicks - Tilt.
    Ein Bierwunsch kann hingegen in die Soheit eingebettet sein und stellt sich nicht zwingend quer, obwohl vermehrt auftretende Bierwünsche natürlich Nirvana einerseits verhindern, aber andererseits auch ein Tor darstellen können.
    Im Zen nutzt man also bestenfalls früher oder später den Tor-Charakter des Bieres in dem man dazu lernt, anstatt es intellektuell zu unterdrücken. Die meisten Zen-Schüler sind ja nicht doof und wissen, dass es vorteilhaft wäre, sich nicht zu berauschen, aber im Zen will man diese Spannung aushalten und hindurch schreiten, anstatt mit dem Kopf einen zittrigen Schlusstrich zu ziehen, der nur so lange Bestand hat, wie er von der Hoffnung auf Nirvana gestützt wird.

  • Holzklotz:

    aber im Zen will man diese Spannung aushalten und hindurch schreiten, anstatt mit dem Kopf einen zittrigen Schlusstrich zu ziehen, der nur so lange Bestand hat, wie er von der Hoffnung auf Nirvana gestützt wird.


    Alle die jetzt nicht Zenisten sind werden jetzt in Tränen ausbrechen und die
    Zenisten vergnügen sich derweil die Spannung auszuhalten. :roll:

  • Holzklotz:

    OT-RE

    pamokkha:

    Wie ist der Wunsch nach Nirvana, dem Ende des Leidens, zum bösen Buben geworden, während man beim Wunsch nach einem Bier ganz entspannt ist?


    Wenn ich mir Nirvana wünsche, leugne ich das Nirvana-Potential dieses Augenblicks - Tilt.


    "Potential" bedeutet ja dass es als Möglichkeit besteht, nicht dass es bereits eingetreten ist. Vipassana oder Satipatthana hätte wenig Sinn wenn dieses Potential geleugnet würde. Um es zu entfalten übt man, bis das Boot nicht mehr gebraucht wird weil es das andere Ufer erreicht hat. Der Buddha hatte nur diesen einen großen Wunsch - Nirvana zu erreichen.

  • accinca:
    Holzklotz:

    aber im Zen will man diese Spannung aushalten und hindurch schreiten, anstatt mit dem Kopf einen zittrigen Schlusstrich zu ziehen, der nur so lange Bestand hat, wie er von der Hoffnung auf Nirvana gestützt wird.


    Alle die jetzt nicht Zenisten sind werden jetzt in Tränen ausbrechen und die
    Zenisten vergnügen sich derweil die Spannung auszuhalten. :roll:


    Warum haben die Nicht-Zenisten (falls Du in deren Namen sprechen kannst) denn so nah am Wasser gebaut?
    Im Zen sagt man so gut es einem möglich ist "Ja" zum Platzen seiner Träume. Das hat mit Vergnügen oft nicht viel zu tun und dass das manchmal seine Zeit braucht dürfte jedem Menschen einleuchten, der halbwegs eine Ahnung davon hat wie viel sie/er träumt.
    Erst wenn der letzte Traum geplatzt ist gibt es so etwas wie ein Nirvana und das schließt den Traum vom Nirvana nicht zuletzt mit ein.

  • Jedenfalls sind es nicht Regeln oder Regeldoktrin was einen zum Hauslosen oder überhaupt zum Nachfolger macht:




    Kleine Lehrrede vor Assapura (Mittlere Sammlung 40)


    Angesichts dessen, finde ich, kann man beim Wunsch nach einem Bier ganz entspannt bleiben. :)

    Einmal editiert, zuletzt von Anonymous ()

  • void
    Danke fürs Verschieben.


    Ich würde mich über eine Gegendarstellung von accinca oder pamokkha freuen. Vielleicht gibt es ja tatsächlich Argumente, die für ein "umfassendes Unterlassen aus Wort-treue" sprechen.


    Wo ich es einsehe wäre z.B. alles was mit Körperverletzung oder Misshandlung im umgangssprachlichen Sinn zu tun hat. Da wäre es töricht, einem solchen Drang zu folgen um die Auswirkungen zu erforschen. Da könnte man natürlich erwidern, dass der Genuss von Alkohol in gewissem Sinne auch eine Misshandlung des eigenen Körpers darstellt, aber ich finde da muss jeder sein Päckchen Verantwortung tragen und Grenzen ziehen. Es gibt da ja auch so etwas wie einen "inneren Meister", dessen Rat auch sehr nützlich sein kann, denn der kennt sich ja mit dem Spezialfall des betreffenden Übenden im Normalfall besser aus als irgendein Buch, Meister oder Guru. Voraussetzung wäre allerdings die Fähigkeit zur Ehrlichkeit gegenüber sich selbst.

  • Holzklotz:

    Es gibt da ja auch so etwas wie einen "inneren Meister", dessen Rat auch sehr nützlich sein kann, denn der kennt sich ja mit dem Spezialfall des betreffenden Übenden im Normalfall besser aus als irgendein Buch, Meister oder Guru. Voraussetzung wäre allerdings die Fähigkeit zur Ehrlichkeit gegenüber sich selbst.


    Im Notfall tuts vielleicht auch das rechte Ge-wissen bzw das bessere Wissen
    oder auch Emotionale Aspekte wenn vorhanden wie z.B. Scham und scheu.(hiri-ottappa) das mag verschieden sein.

  • Holzklotz:


    Im Zen nutzt man also bestenfalls früher oder später den Tor-Charakter des Bieres in dem man dazu lernt, anstatt es intellektuell zu unterdrücken. Die meisten Zen-Schüler sind ja nicht doof und wissen, dass es vorteilhaft wäre, sich nicht zu berauschen, aber im Zen will man diese Spannung aushalten und hindurch schreiten, anstatt mit dem Kopf einen zittrigen Schlusstrich zu ziehen, der nur so lange Bestand hat, wie er von der Hoffnung auf Nirvana gestützt wird.


    Also ich bin weder vom Nirvanawunsch noch vom Bierwunsch getrieben, aber diese Interpretation scheint mir doch recht waghalsig. Wenn du dem Bierwunsch nachgeben willst ist das selbstverständlich deine Sache, aber wieso versuchst du das zu einem geistigen Fortschritt zu überhöhen? In letzter Konsequenz führt das zu einem Nihilismus, mit dem man letztlich jede Ausschweifung rechtfertigen kann.

  • Arthur1788:

    Also ich bin weder vom Nirvanawunsch noch vom Bierwunsch getrieben, aber diese Interpretation scheint mir doch recht waghalsig. Wenn du dem Bierwunsch nachgeben willst ist das selbstverständlich deine Sache, aber wieso versuchst du das zu einem geistigen Fortschritt zu überhöhen? In letzter Konsequenz führt das zu einem Nihilismus, mit dem man letztlich jede Ausschweifung rechtfertigen kann.


    Mir gehts da um die Beweggründe, die dazu führen, auf etwas zu verzichten.
    Ich glaube eben, dass es besser ist das Ego auch beim Lassen raus zu lassen. Wenn ich damit ein Ziel verfolge, dann ist es für mein Empfinden kein reiner Verzicht, sondern es steckt eine Art Handel mit dem Leben dahinter. Es ist im Prinzip also berechnendes Verhalten. Der Verzicht bleibt abhängig von anderen Faktoren wie zum Beispiel ein gefühlter Fortschritt in Sachen Selbstoptimierung. Wird der Gegenpart angekratzt, dann ist auch der Verzicht schnell wieder in Frage gestellt, weil das Leben sich nicht an den Deal gehalten hat.


    Wer das dazu nutzt Blödsinn zu rechtfertigen hat wie schon erwähnt vmtl. ein Problem damit sich und/oder Anderen gegenüber zu seinen Schwächen zu stehen. Das Unterdrücken von Begierden kann aber auch dazu führen, dass sie unter dem Deckel eines selbst auferlegten Zwangs noch stärker werden als zuvor.