Wie mit Emotionen umgehen?

11 Antworten. Letzter Beitrag () ist von Max14232.

  • Hallo :)


    Ich bin ganz neu im Forum, und ich habe erst seit 7 Tagen wieder angefangen täglich zu meditieren.
    Ich habe eine Frage an euch:
    Es gibt da so eine Gegenstand den ich gerne haben möchte. Es würde mich etwas 30 min Zeit kosten diesen Gegenstand zu bekommen und Geld. Aber logisch gesehen gibt es in meinem Leben weit wichtigeres zu tuen. Ich habe viele logische Gründe warum ich den Gegenstand nicht unbedingt haben sollte, es ist eine Kleinigkeit, aber meine Emotionen Neugier, Ästhetik wollen befriedigt werden.
    Wenn ich meditiere dann merke ich wie in mir diese Emotionen hochkommen und ich mich von Ihnen lösen kann. D.h. in diesem Moment beobachte ich die Emotionen, aber sie leiten mich nicht. Ich bin mir sicher das das alles Blödsinn ist.
    Wenn ich dann allerdings im Altag bin. Dann merke ich wie ich immer wieder daran denken muss und es immer noch da ist.
    Nun meine Frage :
    Sollte ich ganz rational bleiben und mit Willenskraft gegen die Emotionen ankämpfen
    Oder sollte ich mich akzeptieren wie ich bin und meine Emotionen nicht aussperren aus meinem Leben?


    Ich weiß das hört sich evtl. banal an, aber es hängt ja viel mehr daran. Für mich ist es eine Grundsatzentscheidung:
    Wenn ich rational bleibe werde ich mich in einem Leben wiederfinden das logisch konstruiert ist und in dem ich jeden Tag willensstark sein muss und beim kleinsten Moment der Schwäche kommen alle Dinge hoch die ich machen wollte aber nicht getan habe,
    beim zweiten bin ich der Spielball meiner Gefühle und ich werde hier und da Energie, Zeit und Geld für Dinge ausgeben die eigentlich nicht zielführend waren, ich werde länger brauchen für alles, aber es war schöner :D ganz nach dem Motto der Weg ist das Ziel....


    was sagt ihr ? :)

  • Max14232:


    Ich weiß das hört sich evtl. banal an, aber es hängt ja viel mehr daran. Für mich ist es eine Grundsatzentscheidung:
    Wenn ich rational bleibe werde ich mich in einem Leben wiederfinden das logisch konstruiert ist und in dem ich jeden Tag willensstark sein muss und beim kleinsten Moment der Schwäche kommen alle Dinge hoch die ich machen wollte aber nicht getan habe,
    beim zweiten bin ich der Spielball meiner Gefühle und ich werde hier und da Energie, Zeit und Geld für Dinge ausgeben die eigentlich nicht zielführend waren


    Hallo Max,


    und herzlich willkommen im Forum.
    Nicht Askese und nicht Völlerei war Buddhas Vorschlag.
    Der "mittlere Weg".


    Also wenn "Ding" Dir gefällt und dafür nicht für 20 Jahre in die Ratenzahlung musst oder dafür die Kinder hungern: viel Spaß damit:)


    Was mich interessieren würde zum Thema "Grundsatzentscheidung": wenn Du Dich jetzt für "Ding" entscheidest, dann musst Du den Rest Deines Lebens alles andere auch kaufen, was Dir vor die Flinte springt? Und wenn Du jetzt beschließt, "Ding" ist doch irgendwie Blödsinn, kriegst Du nie wieder irgendwas schönes?


    :eek:


    Herzliche Grüße
    Andreas

  • Max14232:


    Nun meine Frage :
    Sollte ich ganz rational bleiben und mit Willenskraft gegen die Emotionen ankämpfen
    Oder sollte ich mich akzeptieren wie ich bin und meine Emotionen nicht aussperren aus meinem Leben?


    Ich würde da erst einmal zwischen Gefühl und Verlangen unterscheiden und da geht es mMn bei deiner Frage um Verlangen.
    Verlangen erzeugt natürlich auch Gefühle, ist immer mit Gefühlen verbunden, wie z.B. angenehme Vorstellungen, aber auch das Gegenteil, wenn man danach verlangt, dass etwas verschwindet.
    In deinem Fall sind mit deinem Verlangen angenehme Gefühle, Vorstellungen verbunden. Und damit kann man sich dann auch auseinandersetzen.


    Verlangen lässt sich einfach befriedigen, in dem man das tut, was man will. Kaufen oder wegwerfen. Haben oder Nicht-Haben.


    Hier liegt also eine einfache Form von Gier vor - da hat der Buddhismus jede Menge Werkzeug in seinem Kasten.
    Z.B. MN 1
    http://www.palikanon.com/majjhima/zumwinkel/m001z.html

  • Hallo Max,


    man kann schon so grundsätzlich darüber sinnieren, wie man in Zukunft mit Begierden umgehen möchte.
    Es ist mehr eine typfrage, wie man am besten voran kommt - immer drumherum oder mitten durch.


    Letztlich ist beides möglich und von jeder Seite nähert man sich der Mitte. Das findet sich und du musst nichts entscheiden....

  • Max14232:

    ...


    Ich weiß das hört sich evtl. banal an, aber es hängt ja viel mehr daran. Für mich ist es eine Grundsatzentscheidung:
    Wenn ich rational bleibe werde ich mich in einem Leben wiederfinden das logisch konstruiert ist und in dem ich jeden Tag willensstark sein muss und beim kleinsten Moment der Schwäche kommen alle Dinge hoch die ich machen wollte aber nicht getan habe,
    beim zweiten bin ich der Spielball meiner Gefühle und ich werde hier und da Energie, Zeit und Geld für Dinge ausgeben die eigentlich nicht zielführend waren, ich werde länger brauchen für alles, aber es war schöner :D ganz nach dem Motto der Weg ist das Ziel....


    was sagt ihr ? :)


    Hallo lieber Max14232.


    Wähle keinen dieser beiden Wege.


    Weder Gefühle unterdrücken, noch Spielball der Gefühle sein.


    Das ist allerdings nicht einfach, aber auch nicht schwer. Und deshalb gelingt es mir wohl auch nicht immer. Vielleicht nicht einmal oft.


    Oft pendelt es wohl, mehr oder weniger, zwischen einer der von dir beschriebenen Richtungen.


    Am Besten auf den Punkt achten, wo das Pendel sich kurzzeitig mal in keiner dieser beiden Extreme befindet. Aber diesen Punkt dann nicht krampfhaft festhalten oder wiederhaben wollen. Aber auch nicht weg haben wollen. :wink:


    Ich denke man kann das auch nicht unbedingt bewußt tun. Aber auch nicht unbewußt.


    Ist wohl eher als Koan zu verstehen.


    http://www.zenkreis.de/zen/zen_koan.htm


    https://de.wikipedia.org/wiki/K%C5%8Dan


    Könnte also eine jahrelange bis lebenslange Übung werden.


    Es geht vielleicht in die Richtung neutrales, gleichmütiges Herz und Geist. Ohne haben-wollen (ohne Gier) und ohne weg-haben-wollen (ohne Hass).


    Ansonsten haben die anderen User auch viele gute Hinweise und Denkanstöße gegeben.


    Am Besten, wenn es dir ernst ist, auch mit den Grundlagen der Buddhalehre beschäftigen und/oder einen guten Lehrer finden. Unsere paar Zeilen hier werden vermutlich nicht ausreichen.


    Alles Gute dir.


    Und alles nur (m)eine Meinung.


    Liebe Grüße

  • Also im Grunde so, wie du es vermutlich schon in der Meditation auch erfahren hast. Das aber im Alltag umzusetzen, ist wohl für fast jeden eine Herausforderung. Einfach immer weiter dranbleiben und üben. Loslassen. Innerer Frieden.


    Edit: Die Gefühle einfach betrachten, einfach mit den Gefühlen, Emotionen sein. Mit dem sein was hier ist. Ohne etwas damit machen zu müssen. Weder haben wollen, noch nicht haben wollen.


    Aber nur (m)eine Meinung.


    Liebe Grüße

  • durch ne "ordentliche Sitzpraxis" entsteht Einsicht und dann erledigen sich manche Dinge wie von selbst, die zuvor "Probleme darstellten"
    bzw.,nimmt dir Illusionen.

  • Max14232:

    Hallo :)


    Sollte ich ganz rational bleiben und mit Willenskraft gegen die Emotionen ankämpfen
    Oder sollte ich mich akzeptieren wie ich bin und meine Emotionen nicht aussperren aus meinem Leben?


    Ich weiß das hört sich evtl. banal an, aber es hängt ja viel mehr daran. Für mich ist es eine Grundsatzentscheidung:


    Hallo Max,


    erst einmal auch von mir ein herzliches Willkommen.
    Ich antworte mal grundsätzlich zu Deiner Überschrift:


    Emotionen.. Sie sind nichts anderes als die Ausschüttung biochemischer Stoffe.
    Werden wir beleidigt, auf irgend einer Weise persönlich angegriffen oder wir haben eine unangenehme Begegnung, so spült das Gehirn sie in unseren Körper und das fühlt sich mitunter ganz schön unschön an. :wink:
    So geschieht es auch bei positiven Erlebnissen, wenn wir gelobt werden, Anerkennung bekommen, jemandem begegnen den wir gern haben oder wir uns etwas schönes kaufen. und und und.


    Gleiches geschieht auch, wenn wir in akuter Gefahr sind, Körperlich. Dann zum Beispiel wird Adrenalin ausgestoßen. Dies aber, gehört zu dem Instinkt der Selbsterhaltung.
    Er ist urtief und notwendig und von obigem abzugrenzen.


    Hast du schon mal aufmerksam beobachtet und Deinen Körper bewusst erfühlt, wenn Du zum Beispiel eine unangenehme Begegnung hast? Es kommt über den Verdaungstrakt und strömt durch den ganzen Körper.
    Das hat aber nichts mit dem Schutz des eigenen Lebens zu tun.
    Es ist unsere Persönlichkeit, das Ego, welches diese biochemische Ausschüttung hervorruft. Und es will sich selbst damit schützen und das Bild das es sich selbst von sich suggeriert, was andersherum auf Konditionierung von außen geformt ist. So sind es keine Kräfte von außen die einen an irgendwas hindern, sondern das kleine Selbst. Das was sich benennen muss.. "Ich".. Weil es sich sonst selbst nicht greifen/begreifen kann.


    Aber vielleicht weißt Du das schon alles und langweilst Dich schon aufgrund meiner "Erklärung" und fragst Dich, wie Du damit umzugehen hast. Wichtig ist es erst einmal zu erkennen, dass jetzt wieder dieser Prozeß in Gang ist; Bei einer Neuanschaffung würde ich dann erwägen; inwieweit benötige ich es wirklich (Wenn es sich jetzt um die neueste Smartphoneausführung einer bestimmten Marke handelt mit neuester Technik, könnte man sich schon überlegen, ob es nicht noch ein Jahr die alte Technik tut) Das bei allen elektrischen Geräten/Kleidung/Anschaffung etc, dabei bitte auch an die Umwelt denken. . . aber ich weiß ebenso, dass es schwer ist, besonders bei Kleidung, hüstel*



    Liebe Grüße Schneelöwin

  • Max14232:


    Es gibt da so eine Gegenstand den ich gerne haben möchte. Es würde mich etwas 30 min Zeit kosten diesen Gegenstand zu bekommen und Geld. Aber logisch gesehen gibt es in meinem Leben weit wichtigeres zu tuen. Ich habe viele logische Gründe warum ich den Gegenstand nicht unbedingt haben sollte, es ist eine Kleinigkeit, aber meine Emotionen Neugier, Ästhetik wollen befriedigt werden....


    Wenn mir etwas gefällt und ich es gerne haben möchte, dann kaufe ich es mir. Wohl wissend, das es wichtigeres gibt, das es nicht allein selig machend ist.....


    Das schönste an der Versuchung ist das nachgeben. :D


    Zitat

    Für mich ist es eine Grundsatzentscheidung:


    Das mit den Grundsatzentscheidungen ist so eine Sache. Ich halte es da mit Radio Eriwan: "Grundsätzlich ja, während der Regel nein"


    Zitat

    beim zweiten bin ich der Spielball meiner Gefühle und ich werde hier und da Energie, Zeit und Geld für Dinge ausgeben die eigentlich nicht zielführend waren,


    Wo sich dann die Frage stellt: "was ist dein Ziel?"

    Auf diese und auf jene Art
    wollte ich den Eimer zusammenhalten,
    hoffend, der schwache Bambus
    werde nie reißen.
    Plötzlich fiel der Boden heraus.
    Kein Wasser mehr -
    kein Mond mehr im Waser.
    Leere in meiner Hand.
    (Mugai Nyodai)

  • Max14232:


    Nun meine Frage :
    Sollte ich ganz rational bleiben und mit Willenskraft gegen die Emotionen ankämpfen
    Oder sollte ich mich akzeptieren wie ich bin und meine Emotionen nicht aussperren aus meinem Leben?


    Ich verzichte gerne mal auf Sachen, um mir keine schlechten Gewohnheiten anzueignen, die dann Stress nach sich ziehen. Ich habe gemerkt, dass womit ich meinen Kopf permanent fütter, dass das dann auch wichtig wird, also ich dann darauf hin dementsprechend emotional reagiere. Manches davon ist total sinnlos, darum mache ich das nicht mehr. Die Umstellungen haben sich bei mir aber schrittweise ergeben (try and error). Das ist aber nichts absolutes.


    Also ich esse zB. auch mal Chips, es sollte nur nicht ständig sein. Chips sind ja nicht per se schlecht, aber wenn man sie jeden Tag isst, dann braucht man das auch irgendwann und ist voll mies drauf, wenn es mal keine gibt, das ist mit anderen Sachen auch so. Ein Chipsentzug kann dann durchaus mal ernüchternd sein, wenn man schon süchtig ist. Also es liegt eig. eher an dem eigenen Konsum (der Umgang mit Sinnlichem, incl. denken) und dass man darauf hängen bleibt. Nicht ob man (pauschal) Chips essen sollte oder nicht. Wenn ich aber versuche mich weiterhin so zu verhalten (oder sogar einer Sucht nachzugehen) und dabei lediglich die Emotionen zu unterdrücken, dann glaube ich nicht, dass das klappt. Genau genommen ist aber auch nicht Verzicht per se gut, bei trinken würde das zB. kein Sinn machen, darum ist beobachten besser als Unterdrückung.


    Also ich würde die Emotionen mal genauer anschauen, statts sie zu bekämpfen und auch mal auf die Handlungen davor/dabei gucken und auf die Vorstellungen und Assoziationen dabei achten.


    Anm.: denken zählt mit zu handeln.

    Denn von denen in der Welt, die gut schlafen, bin ich einer. AN 3.35

  • Hallo und vielen Dank an Alle :)
    Ich finde das wirklich toll, dass ich in so kurzer Zeit so viele verschiedene Antworten bekommen habe :) und danke dass ihr alle so offen seit !!


    Größten Teils habe ich "Mittelweg" verstanden :) Deshalb:
    Ich denke ich werde es einfach ausprobieren müssen, ob sich die Emotion auflöst oder ob ich letzten Endes einfach nachgeben muss :)


    Da es sich um eine Kleinigkeit handelt finde ich ist diese Situation ein guter Test :)
    Und auf diese Weise lerne ich etwas über mich :)



    Vielen Dank nochmal an Alle :)