Umgang mit Störenfrieden

40 Antworten. Letzter Beitrag () ist von Aravind.

  • Folgende Situation gestern im Zug:


    Ich sitze in einem Abteil mit einer Gruppe die sehr unangenehm auffällt. Trinkt und pöbelt, auf freundliches Bitten ihre Musik leiser zu machen nicht reagiert. Ich versuche das auszuhalten und mich auf mein Buch zu konzentrieren, aber als die sich dann auch noch Zigaretten anstecken platzt mir der Kragen und ich sage ihnen die Meinung. Die Folge ist ein verbaler Schlagabtausch, die Leute werden noch aggressiver, wäre ich nicht so groß und breit wären sie mich vielleicht sogar körperlich angegangen. Irgendwann steigen sie aus, aber für mich ist der Tag irgendwie gelaufen. Klassischer Fall von Dukkha durch Aggression.


    Allerdings weiss ich auch nicht was ich sonst hätte tun sollen. Mich umsetzen wenn es mir zu blöd wird ginge natürlich. Aber soll man solchen Leuten wirklich immer alles durchgehen lassen? Das Unangenehme verschwindet ja nicht nur weil man ihm ausweicht. Ich bitte um "buddhistische" Lösungsvorschläge. :mrgreen:

  • Arthur1788:


    Allerdings weiss ich auch nicht was ich sonst hätte tun sollen. Mich umsetzen wenn es mir zu blöd wird ginge natürlich.


    Das ist jetzt kein buddhistischer Tipp, aber was du sagst ist wiedersprüchlich. Du weisst doch was.

    Denn von denen in der Welt, die gut schlafen, bin ich einer. AN 3.35

  • Wenn man eine Störung nicht beseitigen kann, muss man sich entfernen, also hier sich umsetzen. Das ist ein Vermeidungsverhalten.


    In MN 2 heißt es:


    (Triebe, die durch Erdulden zu überwinden sind)


    18. "Welche Triebe, ihr Bhikkhus, sollten durch Erdulden überwunden werden? Weise betrachtend erträgt da ein Bhikkhu Kälte und Hitze, Hunger und Durst, und Kontakt mit Stechfliegen, Moskitos, Wind, Sonne und Kriechtieren; er erträgt böswillige, unwillkommene Worte und entstandene körperliche Gefühle, die schmerzhaft, quälend, scharf, bohrend, unangenehm, schmerzlich und lebensbedrohlich sind. Während Triebe, Ärger und Fieber in einem entstehen könnten, der solche Dinge nicht erduldet, gibt es keine Triebe, keinen Ärger oder Fieber in einem, der sie erduldet. Diese nennt man die Triebe, die durch Erdulden überwunden werden sollten."



    (Triebe, die durch Vermeiden zu überwinden sind)


    19. "Welche Triebe, ihr Bhikkhus, sollten durch Vermeiden überwunden werden? Weise betrachtend vermeidet da ein Bhikkhu einen wilden Elefanten, ein wildes Pferd, einen wilden Bullen, einen wilden Hund, eine Schlange, einen Stumpf, ein Dornengestrüpp, einen Abgrund, eine Klippe, eine Müllgrube, eine Kloake. Mit weiser Erwägung vermeidet er, auf ungeeigneten Sitzen Platz zu nehmen, zu ungeeigneten Lagerstätten zu wandern [10], und sich mit schlechten Freunden abzugeben, da ihn weise Gefährten im heiligen Leben eines üblen Verhaltens verdächtigen könnten, wenn er dies täte. Während Triebe, Ärger und Fieber in einem entstehen könnten, der diese Dinge nicht vermeidet, gibt es keine Triebe, keinen Ärger oder Fieber in einem, der sie vermeidet. Diese nennt man die Triebe, die durch Vermeiden überwunden werden sollten."



    ((Triebe, die durch Entfernen zu überwinden sind)


    20. "Welche Triebe, ihr Bhikkhus, sollten durch Entfernen überwunden werden?


    Weise betrachtend duldet da ein Bhikkhu einen entstandenen Gedanken der Sinnesbegierde nicht; er überwindet ihn, entfernt ihn, beseitigt ihn und vernichtet ihn.
    Er duldet einen entstandenen Gedanken des Übelwollens nicht; er überwindet ihn, entfernt ihn, beseitigt ihn und vernichtet ihn.
    Er duldet einen entstandenen Gedanken der Grausamkeit nicht; er überwindet ihn, entfernt ihn, beseitigt ihn und vernichtet ihn.
    Er duldet entstandene üble unheilsame Zustände nicht; er überwindet sie, entfernt sie, beseitigt sie und vernichtet sie.


    Während Triebe, Ärger und Fieber in einem entstehen könnten, der diese Dinge nicht entfernt, gibt es keine Triebe, keinen Ärger oder Fieber in einem, der sie entfernt. Diese nennt man die Triebe, die durch Entfernen überwunden werden sollten."

  • Wenn mir sowas im Zug passiert, setze ich mich woanders hin und lese in Ruhe weiter. Weil ich mich nicht kompetent sehe das zu stoppen, überhaupt bei einer Überzahl und offensichtlich fehlender Einsichtsbereitschaft. Dafür gibt es Zugpersonal das man notfalls informieren kann und das bei härteren Fällen auch entsprechende Möglichkeiten hat.

  • Manchmal ist es nicht möglich sich zu entfernen. Gerade in einem Zug. Dann können die Pöbelnden sogar den, der sich entfernt verfolgen. Meine Frau und ich waren auch schon mal in einer ähnlichen Situation. Eine Gruppe hat in der S Bahn gepöbelt, den Zugführer sogar bedroht und gegen seine Tür gehämmert. Der benachrichtigte dann die Polizei, so dass die Randalierer am nächsten Bahnhof abgeholt wurden.


    Die Zeit bis zum Bahnhof kam uns allerdings sehr lange vor, auch wenn es nur 5 Minuten waren. Meine Frau und ich haben so getan, als ob wir die Randalierer gar nicht bemerkten und taten so, als ob wir uns intensiv unterhielten. Die Taktik des Ignorierens haben wohl mehrere Fahrgäste angewandt, denn irgendwann sagte einer der Randalierer entrüstet: "Die haben ja gar keine Angst!"


    P.S. Das Zugpersonal hat sich lediglich schützend vor die Tür des Zugführers gestellt und sich nicht darum gekümmert, wie wir Passagiere mit den Randalierern umgehen mussten.

    Liebe Grüße
    S.Y.


    Rufe - soviel Du nur kannst- Liebe, Respekt und Vertrauen hervor !


    aus den "Versen über die Ansammlung der kostbaren Qualitäten der Vollkommenheit der Weisheit"

  • Man könnte das Trinken, das Pöbeln, die Musik auch tolerieren und die Gruppe so akzeptieren, wie sie ist. Vielleicht kann man auch versuchen sich in diese Gruppe hinein zu versetzen, um den Grund Ihres Verhaltens so näher zu kommen und letztlich vielleicht so etwas wie Verständnis oder gar Mitgefühl empfinden.


    Man kann sich allerdings auch weiterhin auf sein eigenes EGO und dessen Bedürfnisse konzentrieren und so dem wahren Grund des "sich gestört fühlen" nicht auf den Grund kommen.
    :om:

    Die Ära des Lichts ist die Ankunft des Menschen in seiner Mündigkeit.
    Primum non nocere

  • Solange ich mich nicht aufgerufen fühle, aus Zivilcourage jemandem beizustehen, der körperlich angegriffen wird, gehe ich dem Ganzen aus dem Weg. Ich hoffe allerdings auch, dass ich nicht in eine solche Zwangs-Lage gerate.
    In einem ähnlichen Fall wie von Dir beschrieben habe ich das Abteil der S-Bahn an der nächsten Station verlassen. Ich bin nicht der Meinung, dass ich für Ordnung und "anständiges Betragen" zu sorgen habe. Wo fängt das an und wo hört das auf?
    _()_

    Ich bin der Wahrheit verpflichtet, nicht der Beständigkeit.
    Gandhi

  • Natürlich kann man diese Situation auch als "leer" erkennen und sie annehmen so wie sie ist, sich nicht von ihr ablenken lassen und das tun was nötig ist, wenn "Gefahr in Verzug" ist.

    Liebe Grüße
    S.Y.


    Rufe - soviel Du nur kannst- Liebe, Respekt und Vertrauen hervor !


    aus den "Versen über die Ansammlung der kostbaren Qualitäten der Vollkommenheit der Weisheit"

  • Arthur1788:

    Folgende Situation gestern im Zug:


    Ich sitze in einem Abteil mit einer Gruppe die sehr unangenehm auffällt. Trinkt und pöbelt, auf freundliches Bitten ihre Musik leiser zu machen nicht reagiert. Ich versuche das auszuhalten und mich auf mein Buch zu konzentrieren, aber als die sich dann auch noch Zigaretten anstecken platzt mir der Kragen und ich sage ihnen die Meinung. nicht nur weil man ihm ausweicht. Ich bitte um "buddhistische" Lösungsvorschläge. :mrgreen:


    Zumeist hat man eine Wahl von Lösungsvorschlägen. Wie einer wählt hängt von der gesundheitlichen Verfassung seines Körpers, seines Nervensystems,seiner Einstellung und der Umgebung ab.


    Ob es sich hier jetzt lohnt "die Leere" dieser Situation zu ergründen, wenn das Gegenüber trinkt und pöbelt wage ich mal zu bezweifeln; da diese wahrscheinlich zu dem gegenwärtigen Zeitpunkt, nicht mehr alle Sinne beisammen haben. Und kommunikativ großartig einschreiten ohne - körperliche Schäden zu riskieren - halte ich auch nicht für sonderlich lohnenswert.
    Ich würde in so einem Fall das Abteil verlassen ggfs. das Zugpersonal verständigen.


    Liebe Grüße Schneelöwin

  • Sherab Yönten:

    Natürlich kann man diese Situation auch als "leer" erkennen und sie annehmen so wie sie ist, sich nicht von ihr ablenken lassen und das tun was nötig ist, wenn "Gefahr in Verzug" ist.


    Nicht ablenken lassen vom "leeren" Lärm?

    Denn von denen in der Welt, die gut schlafen, bin ich einer. AN 3.35

  • Spock:
    Sherab Yönten:

    Natürlich kann man diese Situation auch als "leer" erkennen und sie annehmen so wie sie ist, sich nicht von ihr ablenken lassen und das tun was nötig ist, wenn "Gefahr in Verzug" ist.


    Nicht ablenken lassen vom "leeren" Lärm?


    Nicht ablenken lassen von Samsara indem man auch Lärm als leer erkennt :wink:

    Liebe Grüße
    S.Y.


    Rufe - soviel Du nur kannst- Liebe, Respekt und Vertrauen hervor !


    aus den "Versen über die Ansammlung der kostbaren Qualitäten der Vollkommenheit der Weisheit"

  • Sherab Yönten:


    Nicht ablenken lassen von Samsara indem man auch Lärm als leer erkennt :wink:


    Aber nicht ablenken lassen wovon? Wenn ich zB. Lärm als Lärm wahrnehme, dann bin ich doch nicht abgelenkt, sondern achtsam.

    Denn von denen in der Welt, die gut schlafen, bin ich einer. AN 3.35

  • Sherab Yönten:

    Natürlich kann man diese Situation auch als "leer" erkennen und sie annehmen so wie sie ist, sich nicht von ihr ablenken lassen und das tun was nötig ist, wenn "Gefahr in Verzug" ist.


    Klar. Wenn du angestochen am Boden liegst, dann kannst du die Situation auch als "leer" annehmen. Leer - bedingt entstehen, bedingt vergehen - hier wird das dann zur Leerformel. Du kannst sogar noch weiter denken: da ist nichts.

  • Monikadie4.:

    Solange ich mich nicht aufgerufen fühle, aus Zivilcourage jemandem beizustehen, der körperlich angegriffen wird, gehe ich dem Ganzen aus dem Weg. Ich hoffe allerdings auch, dass ich nicht in eine solche Zwangs-Lage gerate.
    In einem ähnlichen Fall wie von Dir beschrieben habe ich das Abteil der S-Bahn an der nächsten Station verlassen. Ich bin nicht der Meinung, dass ich für Ordnung und "anständiges Betragen" zu sorgen habe. Wo fängt das an und wo hört das auf?
    _()_


    :like:

  • Tychiades:
    Sherab Yönten:

    Natürlich kann man diese Situation auch als "leer" erkennen und sie annehmen so wie sie ist, sich nicht von ihr ablenken lassen und das tun was nötig ist, wenn "Gefahr in Verzug" ist.


    Klar. Wenn du angestochen am Boden liegst, dann kannst du die Situation auch als "leer" annehmen. Leer - bedingt entstehen, bedingt vergehen - hier wird das dann zur Leerformel. Du kannst sogar noch weiter denken: da ist nichts.


    1. Du meinen Beitrag wohl nicht vollständig gelesen, sonst hättest Du den letzten Teil "Gefahr in Verzug" wohl bemerkt.


    2. Ich kann aus Deinen Zeilen nicht erkennen wie Du es meinst: Ironisch, sarkastisch oder so wie sie da stehen.


    3. Solltest Du ernsthaft das meinen was da steht, dann stimme ich Dir zu. Letztendlich üben wir doch, nicht an Samsara anzuhaften. Der Buddha hat Körperteile "geopfert". Und klar ist auch, dass Leerheit immer mit Mitgefühl einhergeht, In diesem Falle: Mitgefühl mit sich selbst.
    Und selbstverständlich gibt es immer Alternativen: Deshalb steht da das Wörtchen "auch".


    4. Klar kann man denken "Da ist nichts". "Da ist nichts" ist aber kein buddhistischer Gedanke. Das wäre Nihilismus.

    Liebe Grüße
    S.Y.


    Rufe - soviel Du nur kannst- Liebe, Respekt und Vertrauen hervor !


    aus den "Versen über die Ansammlung der kostbaren Qualitäten der Vollkommenheit der Weisheit"

  • Zitat

    Ich bin nicht der Meinung, dass ich für Ordnung und "anständiges Betragen" zu sorgen habe. Wo fängt das an und wo hört das auf?


    Auf sich selbst achtend, achtet man auf andere. Auf andere achtend, achtet man auf sich selbst.


    Im Grunde könnte man die Frage auch umdrehen und fragen: wo hört die Abwesenheit von Inhärenz auf und wo fängt sie an?

    Denn von denen in der Welt, die gut schlafen, bin ich einer. AN 3.35

  • Arthur1788:

    Folgende Situation gestern im Zug:


    Ich sitze in einem Abteil mit einer Gruppe die sehr unangenehm auffällt. Trinkt und pöbelt, auf freundliches Bitten ihre Musik leiser zu machen nicht reagiert. Ich versuche das auszuhalten und mich auf mein Buch zu konzentrieren, aber als die sich dann auch noch Zigaretten anstecken platzt mir der Kragen und ich sage ihnen die Meinung. Die Folge ist ein verbaler Schlagabtausch, die Leute werden noch aggressiver, wäre ich nicht so groß und breit wären sie mich vielleicht sogar körperlich angegangen. Irgendwann steigen sie aus, aber für mich ist der Tag irgendwie gelaufen. Klassischer Fall von Dukkha durch Aggression.


    Allerdings weiss ich auch nicht was ich sonst hätte tun sollen. Mich umsetzen wenn es mir zu blöd wird ginge natürlich. Aber soll man solchen Leuten wirklich immer alles durchgehen lassen? Das Unangenehme verschwindet ja nicht nur weil man ihm ausweicht. Ich bitte um "buddhistische" Lösungsvorschläge. :mrgreen:


    Angst haben, eins auf die Fresse zu kriegen und mit dem Gefühl, ein Halberwachter zu sein ins Nachbarabteil wechseln.

  • Hast Du Angst eins auf die Fresse zu bekommen, dann verkriechen oder angreifen oder flüchten.
    Hast Du Furcht eins auf die Fresse zu bekommen, dann verkriechen oder angreifen oder flüchten.