Freier Wille Neuigkeiten zum Dogma

152 Antworten. Letzter Beitrag () ist von Rupert Reiger.

  • Kant:

    „Ich gestehe frei: Die Erinnerung des David Hume war eben dasjenige, was mir vor vielen Jahren den dogmatischen Schlummer unterbrach, und meinen Untersuchungen im Felde der spekulativen Philosophie eine ganz andere Richtung gab“


    Schopenhauer:

    „Aus jeder Seite von David Hume ist mehr zu lernen, als aus Hegels, Herbarts und Schleiermachers sämtliche philosophischen (?) Werken zusammengenommen“


    Hume (Eine Untersuchung über den manschlichen Verstand 1748):

    - (IV.I4) Alle Tatsachen betreffenden Vernunfterwägungen (bei Schopenhauer: Verstand, worauf die Vernunft aufbaut) scheinen auf der Beziehung von Ursache und Wirkung zu beruhen. Einzig mittels dieser Beziehung können wir über die Evidenz unseres Gedächtnisses und unserer Sinne hinausgehen.

    - (IV.I4) Alles Schliessen in Bezug auf Thatsachen scheint sich auf die Beziehung von Ursache und Wirkung zu gründen. Nur durch diese Beziehung allein kann man über das Zeugniss unseres Gedächtnisses und unserer Sinne hinauskommen. ... Alle unsere Folgerungen in Bezug auf Thatsachen sind von derselben Beschaffenheit; es wird hier beständig vorausgesetzt, dass zwischen der gegenwärtigen Thatsache und der auf sie gestützten eine Verknüpfung besteht. Bände sie nichts zusammen, so wäre der Schluss ganz willkürlich. ... Untersucht man alle anderen Schlüsse dieser Art, so wird man finden, dass sie sich auf die Beziehung von Ursache und Wirkung stützen, und dass diese Beziehung bald nahe, bald entfernt, bald hinter einander, bald gleichzeitig statt hat. Hitze und Licht sind gleichzeitige Wirkungen des Feuers, und man kann von dem einen richtig auf das andere schliessen. Will man daher in Bezug auf die Natur der Gewissheit, über Thatsachen etwas Befriedigendes erreichen, so muss man untersuchen, wie man zur Kenntniss von der Ursache und Wirkung gelangt.

    - (IV.I6) Ich wage es als einen allgemeinen und ausnahmslosen Satz hinzustellen, dass die Kenntniss dieser Beziehung in keinem Falle durch ein Denken a priori erreicht wird, sondern dass sie lediglich aus der Erfahrung stammt; wenn sich ergiebt, dass einzelne Gegenstände beständig mit einander verbunden sind (Schopenhauer hat die Kette vom Objekt zum Subjekt: Objekt/Ding an sich=Wille > Sinne > Empfindung (empirisch, ausschließlich subjektiv, hier ist der Sprung) > Anschauung/Erkennen durch apriori kausalen Verstand und darauf aufbauend sitzt die Begriff bildende Vernunft, Verstand (besser als Hume: apprehension) und Vernunft (besser: rationality) ergeben die Vorstellung des Subjekts vom Objekt und der Welt).

    - (IV.I12) Kurz, jede Wirkung ist von ihrer Ursache verschieden; sie kann deshalb in dieser nicht gefunden werden, und jede Erfindung oder Vorstellung derselben a priori muss völlig willkürlich bleiben (Empfindung empirisch). Und selbst wenn die Wirkung gekannt ist, bleibt die Verbindung ihrer mit der Ursache gleich, willkürlich, weil es eine Menge anderer Wirkungen giebt, welche dem Verstande ebenso möglich und denkbar erscheinen. Es ist deshalb vergeblich, wenn man meint, ohne Hülfe der Beobachtung und Erfahrung irgend, eine Wirkung bestimmen und eine Ursache oder eine Folge ableiten zu können.

    - (IV.II1) Bis hier ist indess noch keine genügende Antwort auf die im Anfang gestellte Frage gewonnen worden. Jede Lösung erweckt neue Fragen, so schwierig wie die früheren, und treibt zu weiteren Nachforschungen. Auf die Frage: Was ist das Wesen aller Begründung in Bezug auf Thatsachen? erscheint als richtige Antwort, dass sie auf die Beziehung von Ursache und Wirkung sich stützt.



    - (V.II12) Dieser Fortschritt der Gedanken von der Ursache zur Wirkung geht nicht von der Vernunft aus, sondern beruht gänzlich auf Gewohnheit und Erfahrung (empirisch-subjekte Empfindung, mit diesem empirischen Material arbeitet aber der kausale Verstand).


    Schopenhauer:

    Apriorität des Kausalitätsgesetzes.

    Die Bedingtheit der Anschauung durch die Anwendung des Kausalitätsgesetzes (vergl. unter Anschauung: Intellektualität der Anschauung) beweist, dass Zeit, Raum und Kausalität weder durch das Gesicht, noch durch das Getast, sondern überhaupt nicht von außen in uns kommen, vielmehr einen inneren, daher nicht empirischen, sonder Intellektuellen Ursprung haben. (G. §. 21.) Wirklich liegt in der Notwendigkeit eines von der, empirisch allein gegebenen Sinnesempfindung zur Ursache derselben zu machenden Überganges, damit es zur Anschauung der Außenwelt komme, der einzige echte Beweisgrund davon, dass das Gesetz der Kausalität vor aller Erfahrung uns bewusst ist. (W. II, 42 fg.)

    Die Apriorität des Kausalitätsgesetzes wird jeden Augenblick durch die unerschütterliche Gewissheit bestätigt, mit der Jeder in allen Fällen von der Erfahrung erwartet, dass sie diesem Gesetze gemäß ausfalle, d. h. durch die Apodiktizität, die wir selbigem beilegen, die sich von jeder anderen auf Induktion gegründeten Gewissheit, z. B. der empirisch erkannter Naturgesetze, dadurch unterscheidet, dass es uns sogar zu denken unmöglich ist, dass dieses Gesetz irgendwo in der Erfahrungswelt eine Ausnahme leide. Wir können uns z. B. denken, dass das Gesetz der Gravitation ein Mal aufhörte zu wirken, nicht aber, dass dieses ohne eine Ursache geschähe. (G. 89 fg.)


    Schopenhauer führt das dann weiter (Über den Willen in der Natur):

    arthur-schopenhauer-war-ein-darwinist-vor-darwin.html

    Arthur Schopenhauer, Vorgänger Darwins? – Klaus Rohde

    - Gehen, wir nun etwas näher ein auf die oben erwähnte Angemessenheit der Organisation jedes Thiers zu seiner Lebensweise und den Mitteln sich seine Existenz zu erhalten; so entsteht zunächst die Frage, ob die Lebensweise sich nach der Organisation gerichtet habe, oder diese (durch Anpassung) nach jener. ... Wer sieht nicht, daß die Gestalt des Ameisenbären sich zu den Termiten verhält, wie ein Willensakt zu seinem Motiv?

    - ... beweist, daß die Lebensweise, die das Thier, um seinen Unterhalt zu finden, führen wollte, es war, die seinen Bau bestimmte,—nicht aber umgekehrt (keine Schöpfung im direkten Sinne)

    - De Lamarck aber konnte nimmer auf den Gedanken kommen, daß der Wille des Thiers, als Ding an sich, außer der Zeit liegen und in diesem Sinne ursprünglicher sein könne, als das Thier selbst. ... so hätte er ein Urthier annehmen müssen, welches konsequent ohne alle Gestalt und Organe hätte sein müssen, und nun, nach klimatischen und lokalen Umständen und deren Erkenntniß, sich zu den Myriaden von Thiergestalten jeder Art, von der Mücke bis zum Elephanten umgewandelt hätte (Trotzdem: so!).

    - Man versteht z. B. wohl, warum der Schädel des Menschen aus 8 Knochen zusammengefügt ist, damit nämlich diese, mittelst der Fontanellen, sich bei der Geburt zusammenschieben können: aber warum das Hühnchen, welches sein Ei durchbricht, die selbe Anzahl Schädelknochen haben müsse, sieht man nicht ein. Wir müssen daher annehmen, daß dies anatomische Element theils auf der Einheit und Identität des Willens zum Leben überhaupt beruht, theils darauf, daß die Urformen der Thiere eine aus der andern hervorgegangen sind (Parerga, Bd. 2, § 91) und daher der Grundtypus des ganzen Stammes beibehalten wurde.

    - Übermacht des Gattungslebens über das individuelle Leben.

    Obgleich der Wille nur im Individuum zum Selbstbewusstsein gelangt, also unmittelbar nur als Individuum erkennt; so tritt das in der Tiefe liegende Bewusstsein, dass eigentlich die Gattung es ist, in der sein Wesen sich objektiviert, doch darin hervor, dass dem Individuum die Angelegenheiten der Gattung als solcher, also die Geschlechtsverhältnisse, die Zeugung und Ernährung der Brut, ungleich wichtiger und angelegener sind, als alles Andere. Daher also bei den Tieren die Brunst und beim Menschen die sorgfältige und kapriziöse Auswahl des anderen Individuums zur Befriedigung des Geschlechtstriebes, welche sich bis zur leidenschaftlichen Liebe steigern kann; eben daher endlich die überschwängliche Liebe der Eltern zu ihrer Brut. (W. II, 582.) Alle Tatsachen deuten darauf hin, dass das Leben des Individuums im Grunde nur ein von der Gattung geborgtes und dass alle Lebenskraft gleichsam durch Abdämmung gehemmte Gattungskraft ist. Dieses aber ist daraus zu erklären, dass das metaphysische Substrat des Lebens sich unmittelbar in der Gattung und erst mittelst dieser im Individuum offenbart. Die Heftigkeit des Geschlechtstriebes, der rege Eifer und der tiefe Ernst, mit welchem jedes Tier, und ebenso der Mensch, die Angelegenheiten desselben betreibt, bezeugt, dass durch die ihm dienende Funktion das Tier Dem angehört, worin eigentlich und hauptsächlich sein wahres Wesen liegt, nämlich der Gattung; während alle anderen Funktionen und Organe unmittelbar nur dem Individuum dienen, dessen Dasein im Grunde nur ein sekundäres ist. In der Heftigkeit jenes Triebes, welcher die Konzentration des ganzen tierischen Wesens ist, drückt ferner sich das Bewusstsein aus, dass das Individuum nicht fortdauere und daher Alles an die Erhaltung der Gattung zu setzen habe, in welcher sein wahres Dasein liegt. (W. II, 583 fg.) Der Wille zum Leben äußert sich zwar zunächst als Streben zur Erhaltung des Individuums; jedoch ist dies nur die Stufe zum Streben nach Erhaltung der Gattung, welches letztere in dem Grade heftiger sein muss, als das Leben der Gattung an Dauer, Ausdehnung und Wert das des Individuums übertrifft. (W. II, 586. 639.)


    Das Kantsche „Ding an sich“, gleich der Schopenhauersche „Wille“, hier als Beispiel der Wille der Gattung, nur mal z. B. bei den Koniferen das Ausstreuen der Pollen, geht bei den Menschen, wenn auch noch bei der Gattung bleibend, auf das Individuum über und äußert sich so im Geschlechtstrieb wie allgemein im (nur manchmal kooperativen) Egoismus des Individuums:


    1. Der Egoismus des Individuums hat die Aufgabe es fit (im darwinistischen Sinn) für die Gattung zu machen und ist so auch der Grund für immerwährende Verarbeitung von aufgenommenen Eindrücken, dann für den immerwährenden Zufluss von Gedanken und für das, im schlimmsten Fall auf der Basis von Gier, Hass und Verblödung/Verblendung, Zerdenken von vorgestellten Situationen im wachen, sinnierenden Zustand wie auch im Traum der stresst, auf dass wenn eine Situation eintritt, das Individuum die Lösung seiner Wahl somit zu seinem Vorteil als Reaktion parat hat. Zu dieser Ruhelosigkeit hat uns die Selektion hingeführt. Das muss nicht immer schlimm sein, so treibt es auch den Fortschritt und den Wohlstand (die unsichtbare Hand von Adam Smith ist die Summe der Egoismen). Man kann es aber auch als frustrierend für einen selbst betrachten, denn es ist auch die Ursache von Leiden in der Welt, vor allem wenn es einen über-bestimmt, denn der Mensch ist mehr,

    2. der Mensch hat Mitleid,

    3. er erkennt Schönheit der Natur (Zen Bilder),

    4. er erkennt Kunst (bildende Kunst, Literatur, Musik, ...),

    5. er betreibt Mathematik, Wissenschaft,

    6. er kann gelassene Zufriedenheit erkennen.


    Und alle diese letzteren Eigenschaften (von 2. bis 6.), sind zu seinem Schutz, sind ebenfalls im Sinne des Darwinismus zu sehen. Auch das ist Teil von „nur was nicht ausstirbt bleibt über“, sonst wären wir ohne diesen Schutz (Eigenschaften von 2. bis 6.) nicht mehr hier. Alles das (jetzt von 1. bis 6.) ist DAO, das Wasser findet seinen Weg und die Natur, der Wille, das Ding an sich zieht alle Register.


    Die Leere des Zen-Buddhismus soll nun, mehr wie alles andere, zum Schutze jetzt des Individuums und daraus durch Rückkopplung auch der Gattung Mensch, diese obigen, vom Egoismus getriebenen, immerwährenden, zerstörenden Gedanken und das zerstörende Zerdenken abschneiden, somit auch im darwinistischen Sinne (nicht im Schopenhauerschen Sinne den Willen verneinen sondern) als Teil des Willens gleich des DAO, dem mittleren Weg seinen Lauf lassen, im Erkennen von: Das Ding an sich, entstanden aus nichts, ist letztlich banal, gleich wie wir es wahrnehmen und es uns vorstellen, da ist nichts. Mach dich leer und dann tritt wieder ins Leben.


    So wird der Egoismus immer mal durch das spontane Mitleid sowie das spontane Erkennen des Schönen, ob in der Natur oder in der Kunst, ja selbst durch einfache Pflichten des Lebens (wasch deinen Napf aus), schützend im Sinne das Darwinismus korrigiert. Die Leere des Zen-Buddhismus geht dem voraus.


    Aber auch das ist Teil des Darwinismus, des Willens: Da motiviert: frei ist man darin nicht.

  • Zitat

    Daß die Metaphysik bisher in einem so schwankenden

    Zustande der Ungewißheit und Widersprüche geblieben

    ist, ist lediglich der Ursache zuzuschreiben,
    daß man sich diese Aufgabe und vielleicht sogar den
    Unterschied der analytischen und synthetischen Urteile

    nicht früher in Gedanken kommen ließ. Auf der
    Auflösung dieser Aufgabe, oder einem genugtuenden
    Beweise, daß die Möglichkeit, die sie erklärt zu wissen

    verlangt, in der Tat gar nicht stattfinde, beruht
    nun das Stehen und Fallen der Metaphysik.


    David Hume, der dieser Aufgabe unter allen Philosophen
    noch am nächsten trat, sie aber sich bei weitem nicht
    bestimmt genug und in ihrer Allgemeinheit dachte,
    sondern bloß bei dem synthetischen Satze der

    Verknüpfung der Wirkung mit ihren Ursachen

    (principium causalitatis) stehen blieb, glaubte heraus zu
    bringen, daß ein solcher Satz a priori gänzlich unmöglich sei,

    und nach seinen Schlüssen würde alles,
    was wir Metaphysik nennen, auf einen bloßen Wahn
    von vermeinter Vernunfteinsicht dessen hinauslaufen,
    was in der Tat bloß aus der Erfahrung erborgt und
    durch Gewohnheit den Schein der Notwendigkeit
    überkommen hat; auf welche, alle reine Philosophie
    zerstörende, Behauptung
    er niemals gefallen wäre,
    wenn er unsere Aufgabe in ihrer Allgemeinheit vor
    Augen gehabt hätte, da er denn eingesehen haben
    würde, daß, nach seinem Argumente, es auch keine
    reine Mathematik geben könnte, weil diese gewiß
    synthetische Sätze a priori enthält, für welcher Behauptung

    ihn alsdenn sein guter Verstand wohl würde
    bewahrt haben.

    kant-kritik-der-reinen-vernunft.pdf (S. 59)


    Zitat

    David Hume erkannte, um das letztere tun zu können, sei es

    notwendig, daß diese Begriffe ihren Ursprung a priori
    haben müßten. Da er sich aber gar nicht erklären
    konnte, wie es möglich sei, daß der Verstand Begriffe,

    die an sich im Verstande nicht verbunden sind,
    doch als im Gegenstande notwendig verbunden

    denken müsse, und darauf nicht verfiel, daß vielleicht
    der Verstand durch diese Begriffe selbst Urheber der
    Erfahrung, worin seine Gegenstände angetroffen werden,

    sein könne, so leitete er sie, durch Not gedrungen, von der

    Erfahrung ab (nämlich von einer durch
    öftere Assoziation in der Erfahrung entsprungenen
    subjektiven Notwendigkeit, welche zuletzt fälschlich
    für objektiv gehalten wird, d.i. der Gewohnheit) ,
    verfuhr aber hernach sehr konsequent, darin, daß er es
    für unmöglich erklärte, mit diesen Begriffen und den
    Grundsätzen, die sie veranlassen, über die Erfahrungsgrenze

    hinauszugehen. Die empirische Ableitung aber, worauf

    beide verfielen, läßt sich mit der Wirklichkeit der wissen-

    schaftlichen Erkenntnisse a priori, die wir haben, nämlich

    der reinen Mathematik und allgemeinen Naturwissenschaft,

    nicht vereinigen, und wird also durch das Faktum widerlegt.

    Der erste dieser beiden berühmten Männer (Locke) öffnete
    der Schwärmerei Tür und Tor, weil die Vernunft, wenn sie

    einmal Befugnisse auf ihrer Seite hat, sich nicht mehr durch

    unbestimmte Anpreisungen der Mäßigung in Schranken halten

    läßt; der zweite ergab sich gänzlich dem Skeptizism, da er

    einmal eine so allgemeine für Vernunft gehaltene Täuschung

    unseres Erkenntnisvermögens glaubte entdeckt zu haben.

    kant-kritik-der-reinen-vernunft.pdf (S.172)


    Zitat

    Wenn man den kaltblütigen, zum Gleichgewichte

    des Urteils eigentlich geschaffenen David Hume fragen sollte:

    was bewog euch, durch mühsam ergrübelte
    Bedenklichkeiten, die für den Menschen so tröstliche
    und nützliche Überredung, daß ihre Vernunfteinsicht
    zur Behauptung und zum bestimmten Begriff eines
    höchsten Wesens zulange, zu untergraben? so würde
    er antworten: nichts, als die Absicht, die Vernunft in
    ihrer Selbsterkenntnis weiter zu bringen, und zugleich
    ein gewisser Unwille über den Zwang, den man der
    Vernunft antun will, indem man mit ihr groß tut, und
    sie zugleich hindert, ein freimütiges Geständnis ihrer
    Schwächen abzulegen, die ihr bei der Prüfung ihrer
    selbst offenbar werden.

    kant-kritik-der-reinen-vernunft.pdf (S. 851)


    Zitat

    Aber diese Gunst muß dem nicht minder gutgesinnten

    und seinem sittlichen Charakter nach untadelhaften Hume

    eben sowohl zu Statten kommen, der seine abgezogene

    Spekulation darum nicht verlassen kann, weil er mit Recht

    dafür hält, daß ihr Gegenstand ganz außerhalb den Grenzen

    der Naturwissenschaft im Felde reiner Ideen liege.

    kant-kritik-der-reinen-vernunft.pdf (S. 852)


    Zitat

    Der berühmte David Hume war einer dieser Geographen

    der menschlichen Vernunft, welcher jene Fragen insgesamt

    dadurch hinreichend abgefertigt zu haben vermeinte,

    daß er sie außerhalb den Horizont derselben verwies, den

    er doch nicht bestimmen konnte. Er hielt sich vornehmlich

    bei dem Grundsatze der Kausalität auf, und bemerkte von ihm

    ganz richtig, daß man seine Wahrheit (ja nicht einmal die objektive

    Gültigkeit des Begriffs einer wirkenden Ursache überhaupt)

    auf gar keine Einsicht, d.i. Erkenntnis a priori, fuße, daß daher

    auch nicht im mindesten die Notwendigkeit dieses Gesetzes,

    sondern eine bloße allgemeine Brauchbarkeit desselben in

    dem Laufe der Erfahrung und eine daher entspringende

    subjektive Notwendigkeit, die er Gewohnheit nennt, sein

    ganzes Ansehen ausmache.

    kant-kritik-der-reinen-vernunft.pdf (S. 867)



    Zitat

    Da Hume vielleicht der geistreichste unter allen
    Skeptikern,
    und ohne Widerrede der vorzüglichste in
    Ansehung des Einflusses ist, den das skeptische Verfahren

    auf die Erweckung einer gründlichen

    Vernunftprüfung haben kann, so verlohnt es sich
    wohl der Mühe, den Gang seiner Schlüsse und die
    Verirrungen eines so einsehenden und schätzbaren
    Mannes, die doch auf der Spur der Wahrheit angefangen

    haben, so weit es zu meiner Absicht schicklich
    ist, vorstellig zu machen.


    Hume hatte es vielleicht in Gedanken, wiewohl er
    es niemals völlig entwickelte
    , daß wir, in Urteilen von
    gewisser Art, über unsern Begriff vom Gegenstande
    hinausgehen.

    kant-kritik-der-reinen-vernunft.pdf (S. 872)





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