Buddhistische Wirtschaftstheorie

49 Antworten. Letzter Beitrag () ist von fluid.

  • Nach den vielen Wiedergeburtsthreads könnten wir mal was ganz anderes gebrauchen - finde ich :)


    So richtig viel gibt der PK zum Thema Wirtschafttheorie nicht her, jedenfalls nicht direkt.

    Liefern die anderen Kanone da deutlichere 'Anleitungen'?


    Oder ist 'Häuser und Straßen bauen, Brot backen, Zeitungen drucken, Kleidung schneidern' unter Niveau für Buddhisten ;) ?


    Aber mal so aus meinen Leseerinnerungen, was gibt es im PK etwa an Gedanken, wie Wirtschaft organisiert sein könnte?

    • Es gibt einige Berufe, die Buddhisten nicht ergreifen sollten. Dies wird ethisch begründet. Arbeiten/Wirtschaften erfährt also ethische Grenzen.
    • Neid, Gier wird als zentrales, Leiden erzeugendes Element dargestellt.
    • Buddha forderte wenigstens die Mönche zu einem einfachen, beinahe spartanischen Leben auf. Luxus, Übermaß wird auch bei nicht-Mönchen abgelehnt.
    • Geldgeschäfte jeder Art (damit das gesamte Bankwesen, Zinsen etc.) sind Mönchen verboten. Natürlich haben die allermeisten Menschen zur Zeit Buddhas fast nie Geldgeschäfte gemacht, trotzdem waren Zinsen (und übersteigerte Zinsen = Wucher) bekannt. Auch für nicht-Mönche werden diese fast immer negativ konnotiert.
    • Die Gesellschaft/Wirtschaft zur Zeit Buddhas war eine zu 80+% auf Subsistenz ausgerichtete kleinbäuerliche. Aus einigen Mönchsregeln kann man ökologische Gedanken herauslesen, was dann im Zusammenhang mit dieser kleinbäuerlichen Wirtschaftsweise auf Substanzerhalt, auf Wahrung, weniger auf stetiges Wachstum hinweisen könnte.


    Fallen euch noch andere Gedanken ein zu Buddhismus und Wirtschaft/Wirtschaftsweise?


    Irgendwann dann, nach der Sammlung von Gedanken - was folgt für Euch daraus? Gibt es Wirtschaftsmodelle, die dem Buddhismus besser entsprechen als andere?




    Ganz deutlich - ich möchte eine Diskussion anstoßen und keinen Aufsatz vorstellen!

    Vielleicht liege ich bei einigen Grundannahmen ganz falsch. Ich bin offen für Kritik :rainbow:.

    Ich bin auch offen für interessante Links und habe kein Problem, die in unserem Linkbereich festzuhalten.

  • Das ist natürlich ein äußerst interessantes Thema.

    Wenn man den Mönch als Paradebeispiel für den Buddhisten her nimmt, dann bleibt eigentlich für Wirtschaft gar nichts übrig. Der Vinaya ist so umfangreich, man kann im Grunde nicht in einem Wirtschaftsleben verwickelt sein und gleichzeitig getreu dem Vinaya leben.


    Ich denke, der Mahayana sieht das etwas lockerer, oder zumindest gibt es verschiedene Sichtweisen. In "Nagarjunas - Brief an einen Freund" tauscht dieser sich mit einem Herrscher aus. Da kommt der ethische Aspekt der buddhistischen Lehre zum Ausdruck, weniger restriktive Regeln.


    Ich habe den Eindruck, je tiefer in der Lehre, desto weniger Platz für Wirtschaft. Nur, wir könnten die Lehre gar nicht studieren wenn gewisse Leute nicht gewisse Erfindungen gemacht hätten oder gewisse Bemühungen auf sich genommen hätten. Wir würden uns auch nicht hier in diesem Forum unterhalten. Es ist also ein Paradox.


    Eine Möglichkeit ist, dass man einen ethischen Beruf verfolgt und innerhalb diesen sich, so weit möglich, an gewisse ethische Maßstäbe hält. Das hat generell einen positiven Effekt, für sich selbst und andere.

  • Auf der Seite von Karl-Heinz Brodbeck (https://de.wikipedia.org/wiki/Karl-Heinz_Brodbeck)

    finden sich bei den Downloads geeignete Texte zum Thema:

    http://www.khbrodbeck.homepage.t-online.de/

    Das Tao ist nicht auf die Vereinigung mit den Menschen bedacht;
    wenn die Menschen auf nichts bedacht sind, vereinigen sie sich mit dem Tao.
    Yuanwu Keqin (1063 - 1135)

  • Von Karl Heinz Brodbeck gibt es auch das Buch "Buddhitische Wirtschaftethik - eine Einführung"

    Buchbeschreibung:

    Andere Formen des Wirtschaftens zu entwickeln, die nicht auf dem Fetisch Wachstum beruhen, sondern auf soziale Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit setzen, ist mehr denn je ein Gebot der Stunde. Solange Unwissenheit, Gier und Aggression die Entscheidungen in Wirtschaft, Politik sowie auf privater Ebene dominieren, werden wir weiter unsere Lebensgrundlagen zerstören. Eine buddhistische Wirtschaftsethik bietet eine fundierte Kritik an herkömmlichen ökonomischen Sichtweisen und leistet einen wichtigen Beitrag, damit buddhistische Prinzipien wie Mitgefühl, Achtsamkeit und Genügsamkeit zu Maßstäben unseres Handelns werden.


    Hier ein Video dazu: Die Gier zügeln - Buddhistische Wirtschafts-Ethik - Dr. Karl Heinz Brodbeck

  • Wenn man den Mönch als Paradebeispiel für den Buddhisten her nimmt, dann bleibt eigentlich für Wirtschaft gar nichts übrig. Der Vinaya ist so umfangreich, man kann im Grunde nicht in einem Wirtschaftsleben verwickelt sein und gleichzeitig getreu dem Vinaya leben.

    Bitte nimm's mir nicht übel. aber - selbst die hartnäckigsten Mönche überleben keine 40-50 Tage ohne Nahrung.


    Irgendwer muß sich im Reisfeld den Buckel krumm machen oder auf die Jagd gehen..



    Und 'den Mönch' als Paradebeispiel für den Buddhisten herzunehmen funktioniert hier ganz bestimmt nicht ;)

    Selbstverständlich sind 'Mönche' Teil des Wirtschaftsleben - wenigstens als Konsumenten.

  • Vielleicht habe ich mich nicht klar ausgedrückt.

    Ich habe nicht behauptet das die Mönche ohne Nahrung überleben können und das sie nicht teil des Wirtschaftslebens sind.

    Mehr sollte dies darauf hinweisen, dass wenn wir alle wie Mönche leben würden, dann würde es keine Wirtschaft wie sie heute existiert geben. Ja sogar die Menschheit würde demnächst aussterben.

    Man muss also gewisse Dinge der Lehre des Buddha ausklammern um darüber diskutieren zu können.


    Grüße

  • Auf der Seite von Karl-Heinz Brodbeck (https://de.wikipedia.org/wiki/Karl-Heinz_Brodbeck)

    finden sich bei den Downloads geeignete Texte zum Thema:

    http://www.khbrodbeck.homepage.t-online.de/

    8) Cool


    Danke für den schönen Link.

    Schon das erste Anlesen hilft mir weiter..


    Ein würdiger Kandidat für unseren Linkbereich!

    Falls Du mehr davon hast - her damit :grinsen:.

    Bitte poste es in unserem Linkbereich oder schick mir eine PN..

  • Neid, Gier wird als zentrales, Leiden erzeugendes Element dargestellt.


    Egoismus, Neid und Gier sind der Motor, der ein kapitalistisches System antreibt. Je mehr von diesen leiderzeugenden Eigenschaften man besitzt und seine Handlungen danach ausrichtet, desto mehr wird man finanziell belohnt. Wer skrupellos andere Menschen oder die Natur ausbeutet, der gilt als klug.


    So werden z.B. die kriminellen VW Vorstände nicht etwa für ihre Verbrechen zur Rechenschaft gezogen, sondern für ihre Verbrechen auch noch mit steigenden Gehältern belohnt. Wer ehrlich ist, der ist der "Dumme", oder präziser gesagt, er ist der Arme.

    Oder Unternehmen, die Sozialleistungen abbauen und massenhaft Arbeiter entlassen, werden mit steigenden Börsenkursen belohnt.


    Kapitalismus ist der Kampf aller gegen alle.


    Generell gilt, je unethischer ein Beruf ist desto größer der Lohn, und umgekehrt.

    Ich frage mich, wieso Kindergärtner oder Kranken- oder Altenpfleger so wenig Geld bekommen, aber Banker so viel "verdienen". Anscheinend ist in einer kapitalistischen Gesellschaft das Geld von höherem Wert als Kinder oder kranke oder alte Menschen. Offenbar wird sozialem Engagement kein Wert beigemessen - dafür kriegt man höchstens mal einen feuchten Händedruck oder eine schleimige Dankesrede.


    Mein Fazit: Kapitalismus ist das Gegenteil von Buddhismus (oder generell von Ethik).

  • Je einfacher Gesellschaften sind, desto mehr hängen bei ihnen die einzelnen Bereiche ( Kultur, Familie, Politik, Freizeit, Wirtschaft, Religion, Erziehung) zusammen und je mehr Menschen zusammenleben, desto eher spaltet sich das in unabhängige Bereiche auf. Und ich schätze, es gibt das so eine Größe, bei der es noch möglich ist, alles über bürokratische Verwaltung zu regeln, aber wenn viele Menschen synchronisiert werden müssen, dann bietet sich etwas anyonymes und dezentrales wie Märkte an.


    Ich glaube erst mit dem Kapitalismus wurde es möglich, dass die Einzelnen nicht mehr so an überschaubaren Kollektiven (Sippe, Religionsgeminschaft) abhängig war sondern zu Individuuen wurden. Es liegt eine ganz große Freiheit darin, dass man potentiell irgendwo hinfahren und irgendwas kaufen kann, ohne ständig Autoritäten zu fragen. Es ist schön, dass ich mir einfach eine Pizza kaufen kann und es egal ist, was für eine Nationalität oder was für ein Geschlecht ich, der Hersteller oder der Verkäufer hat. Mir secheinen Liberalismus und Marktgläubigkeit eng verbunden zu sein - so der amerikanische Konsumtraum, der alle gleich macht:



    „In Europa haben die Könige und Aristokraten früher sehr viel besser gegessen als die Bauern — sie haben überhaupt nie das gleiche gegessen. Die einen so, die anderen so. Hase, oder Haferbrei, und jede Klasse blieb immer beim Gewohnten. Aber als Queen Elizabeth hier war und Präsident Eisenhower ihr einen Hot Dog gekauft hat, konnte er sicher sein, dass sie dem Buckingham Palace keinen besseren Hot Dog hätte anliefern lassen können als den, den er ihr für vielleicht zwanzig Cent am Baseballplatz gekauft hat. Weil es einfach keinen besseren Hot Dog als einen Hot Dog vom Baseballplatz gibt.“

    Aber genau dadurch, dass die Wirtschaft entfesselt wurde, war es ihr möglich, sich so raketengleich zu beschleunigen. Ein immer höherer Stoffwechsel und Materialumsatz wurde möglich. Immer mehr Verarbeitung, immer mehr Geschwindigkeit, immer mehr Müll, immer mehr Verwüstung der Natur.


    Je sichtbarer die Nebenwirkungen werden, desto mehr ruft man nach Regulierung, nach Kontrolle, nach Entschleuigung. Nach stabilen Rahmenbedingungen die die entfesselte Wirtschaft wieder an irgendwas anbinden. An Religion, an Nation, an den Menschen, an einen ethischen Rahmen. Aber so ein Bremsen der Wirtschaft, würde ja dann auch weniger Arbeitsplätze und weniger Freheit zu bedeuten.

  • Mein Grundgedanke zur Wirtschaftsethik wäre, dass wir eine funktionierende Wirtschaft missverstehen würden, wenn wir sie nur als Wettbewerb betrachten. In Wahrheit funktioniert Wirtschaft besonders, weil Menschen Rücksicht nehmen, weil viele steuerehrlich sind, weil wir kooperieren und gesellschaftlich zusammenhalten, weil wir einem fairen Staat vertrauen, weil ein starkes Rechtssystem den freien Markt schützt, der sich sonst selbst zerstören würde.


    Ich glaube auch nicht, dass ohne breitem Verantwortungsgefühl aller Teilnehmer die tatsächlich politisch oder wirtschaftlich Verantwortlichen dann plötzlich integer wären. Besonders scheint mir falsch, solche Eigenschaften auseinanderdividieren zu wollen: Du sollst zwar nicht korrupt sein, aber auf Hilfsbereitschaft können wir verzichten.


    Aus Sicht der Ethik des DL gibt einen Zusammenhang, eine gemeinsame Quelle der Fürsorglichkeit. Indem der Fokus auf Nächstenliebe oder Mitgefühl liegt, könnte man eventuell von einer buddhistischen oder christlichen Wirtschaftsethik sprechen, denke ich. Dadurch wäre das zentrale Anliegen jedoch, den ärmsten Ländern der Erde zu helfen, aus buddhistischer Sicht eventuell allen fühlenden Lebewesen. Konkreter kann ich nicht sagen. Sicher bin ich für einen starken sozialen Staat und für steuerliche Umverteilung des Wohlstands, aber mein Vertrauen in Staat und Politiker ist auch nicht grenzenlos. Insgeheim habe ich manche Gedanken, mit denen ich mich vielleicht nicht beliebt mache:


    Sind die kapitalistischen USA weniger solidarisch, sozial, rassistisch als Europa – man vergleiche etwa die Einkommensunterschiede von Rumänien mit Deutschland? Superreiche wie Gates leisten eine sehr effiziente Entwicklungshilfe, könnte ich mir vorstellen. Gilt das auch für nationale Aufwendungen? Die Globalisierung hat nach meiner Ansicht die Lebensqualität in Ländern wie Bangladesch erheblich verbessert, auch wenn die Arbeitsbedingungen schrecklich sind. Globalisierung und Wirtschaftswachstum sind für manche Regionen der Erde absolut notwendig, ebenso industrielle Landwirtschaft zur Versorgung der Städte. Multinationale Konzerne, Aktiengesellschaften könnten sich in den ärmsten Ländern als die treibenden Kräfte sozialer Verbesserungen erweisen, wenn die Eigentümer das wollen.

  • Hallo ihr Lieben.


    Zum Thema Wirtschaft und Palikanon fällt mir noch eine Sutta ein, die ich vor Jahren einmal las.


    Leider finde ich sie nicht mehr.


    Aber in meiner Erinnerung ging es darum, wie die 10 heilsamen/unheilsamen Dinge (Anguttara Nikāya - A.X.176 Dreifache Lauterkeit - 10. Cunda Sutta) auch die Geschicke und den Auf- und Abstieg ganzer Länder und Reiche beeinflußen.


    Je mehr sich Herrscher und Volk an die 10 heilsamen Dinge halten, umso besser geht es auch dem Land und es ist Wohlstand und Überfluß zu erwarten.


    Umgekehrt, je mehr die 10 unheilsamen Dinge praktiziert werden, von Herrscher wie von Volk, umso schlechter geht es auch dem Land und es ist Mangel und Elend zu erwarten.


    Das sind natürlich meist Entwicklungen über längere Zeiträume.


    Macht für mich aber auf jeden Fall Sinn, dass die innere Entwicklung der Menschen im Vordergrund steht. Denn nur Menschen die einigermaßen mitfühlend, einigermaßen klar bei Verstand und gute ethische Regeln haben und diese auch einhalten, können überhaupt ein Wirtschafts- und Gesellschaftssystem entwickeln und beibehalten das ich als lebenswert und gut erachten würde.


    Wenn ich über solche Themen wie Gesellschafts- und Wirtschaftssysteme im Alltag mit anderen rede, dann betone ich meist, dass das System im Grunde egal ist, es kommt auf die Menschen an, die es mit Leben füllen. Pauschal und stark vereinfachend gesagt: Wenn der Mensch unheilsam und unweise denkt, spricht und handelt, wird auch das beste System schlecht werden. Und wenn der Mensch heilsam und weise denkt, spricht und handelt, wird er auch aus dem schlechtesten System etwas Gutes machen.


    Das nur um das Prinzip etwas zu verdeutlichen. Der Mensch ist natürlich vielschichtig und kaum ein Mensch denkt, spricht und handelt nur heilsam oder nur unheilsam. Aber man kann sich ja bemühen.


    Einen Geschmack davon kann man bekommen, wenn man zum Beispiel D26 liest. Vor allem für den Abstieg.


    ...

    • So ist denn, ihr Mönche, weil man den Unbemittelten keine Mittel dargereicht hatte, die Not immer größer geworden,
    • weil die Not immer größer geworden war, hat das Nehmen des nicht Gegebenen mehr und mehr sich verbreitet,
    • weil das Nehmen des nicht Gegebenen mehr und mehr sich verbreitet hatte, hat die Waffengewalt überhand genommen,
    • weil die Waffengewalt überhand genommen hatte, ist der Totschlag weiter fortgeschritten,
    • weil der Totschlag weiter fortgeschritten war, hat die Lüge um sich gegriffen,
    • weil die Lüge um sich gegriffen hatte, hat das hinterrücks Ausrichten um sich gegriffen,
    • weil das hinterrücks Ausrichten um sich gegriffen hatte, hat die Ausschweifung um sich gegriffen,
    • weil die Ausschweifung um sich gegriffen hatte, haben zwei Dinge sich weiterentwickelt: Schimpfrede und plapperndes Plaudern,
    • weil die zwei Dinge sich weiterentwickelt hatten, haben sich Begehrlichkeit und Gehässigkeit weiterentwickelt,
    • weil Begehrlichkeit und Gehässigkeit sich weiterentwickelt hatten, ist verkehrte Ansicht weiter gediehen,
    • weil verkehrte Ansicht weiter gediehen war, haben sich drei Dinge weiter entfaltet: Lust an Unrecht, Sucht nach Ungebühr, verkehrte Satzung,
    • weil die drei Dinge sich weiter entfaltet hatten, haben sich diese Dinge weiter ausgebildet: nicht Vater und Mutter ehren, nicht Asketen und Priester ehren, vor keinem ehrwürdigen Haupte Achtung haben, und
    • weil diese Dinge sich weiter ausgebildet hatten, hat bei den Leuten dort die Lebenskraft dann abgenommen, die Rüstigkeit dann abgenommen, und weil ihre Lebenskraft abgenommen, ihre Rüstigkeit abgenommen hatte, wurden jenen dritthalbhundert Jahre dauernden Menschen hundert Jahre dauernde Nachkommen geboren.


    ...

    Es geht mir hier jetzt nicht darum, ob das alles so passiert ist was da steht, sondern darum die Prinzipien etwas zu verdeutlichen, von denen das Wohlergehen der Menschen, dieser Quelle nach, beeinflußt wird.


    Das ist aber nicht die Sutta, die ich am Anfang meinte, wo es um den Auf- und Abstieg der Reiche ging, beeinflußt von den 10 heilsamen/unheilsamen Dingen. Wenn jemand diese Sutta kennt oder ähnliche Suttas, kann er/sie sich gerne hier oder über PN bei mir melden.


    Das nur mal so was mir dazu einfällt.


    Und alles außer die Zitate nur (m)eine Meinung.


    Liebe Grüße

    3 Mal editiert, zuletzt von Raphy () aus folgendem Grund: Aus einem Satz zwei gemacht. Unpassende Wörter entfernt. Rechtschreibfehler entfernt.

  • Multinationale Konzerne, Aktiengesellschaften könnten sich in den ärmsten Ländern als die treibenden Kräfte sozialer Verbesserungen erweisen, wenn die Eigentümer das wollen.


    Ja, wenn sie das wollten... Das Problem ist halt nur, dass die Eigentümer das meistens nicht wollen, denn ihnen geht es i.d.R. ausschließlich um Profit. Tatsächlich ist eher das Gegenteil der Fall.


    Sobald sich in einem Land die sozialele Lage etwas bessert und die Menschen bessere Arbeitsbedingungen wollen, dann wandert der multinatione Konzern einfach in ein anderes Land weiter, wo er die Menschen effektiver ausbeuten kann. Wie Wanderheuschrecken. Wirklich verbessern tut sich dadurch nichts und für Konzerne sind Armut und mangelnder Arbeitsschutz quasi ein Segen.


    Soziales Engagement wird doch nur für Werbezwecke benutzt (oder vorgeheuchelt) und soll so zusätzlichen Profit bringen. In Wirklichkeit geht es nur um Quartalszahlen. Wen interessieren schon soziale Verbesserungen? Davon kann sich der Aktionär schließlich keine neue Yacht kaufen.

  • Teilweise sind diese Aktionäre, Eigentümer ja nicht nur reiche Privatpersonen sondern Pensionsversicherungen, staatliche Institutionen, andere Aktiengesellschaften mit Vorständen. Die öffentliche Reputation könnte schon bedeutsam werden.


    Und auch was private Eigentümer betrifft. Es gab mal eine randomisierte Studie, wo sich rausstellte, dass das Streben nach gesellschaftlicher Geltung selbst bei wirklich armen Menschen stärker ist als jenes nach einer (kleinen) finanziellen Vergütung. Das gilt umso mehr für Wohlhabende. Die Gierhälse werden wir vermutlich nicht los. Wie sieht es aber mit gesellschaftlicher Anerkennung aus?


    Ich träume von einer Welt, wo es einfach nicht mehr statthaft ist, wenn ein reicher Unternehmer in die Politik geht, dessen Finanzgebarung nicht vorbildlich ist. Wo gesellschaftliche Geltung darauf basiert, dass einer mit seinem Reichtum auch was Anständiges in signifikantem Umfang anfängt, statt sich eine Yacht zu leisten oder ein siebentes Haus.


    Die simple Frage an Superreiche sollte lauten: Bist du bei Giving Pledge dabei oder nicht? https://de.wikipedia.org/wiki/The_Giving_Pledge

  • Die simple Frage an Superreiche sollte lauten: Bist du bei Giving Pledge dabei oder nicht?

    Die simple Antwort:

    https://www.freitag.de/autoren/tom-strohschneider/nein-danke

    Das Tao ist nicht auf die Vereinigung mit den Menschen bedacht;
    wenn die Menschen auf nichts bedacht sind, vereinigen sie sich mit dem Tao.
    Yuanwu Keqin (1063 - 1135)

  • Die simple Frage an Superreiche sollte lauten: Bist du bei Giving Pledge dabei oder nicht?

    Die simple Antwort:

    https://www.freitag.de/autoren/tom-strohschneider/nein-danke

    Das sehe ich auch so. "Wir geben einen Teil unseres Reichtums für einen guten Zweck, aber natürlich so, wie wir wollen" ist ja eher die Gutsherrenversion von sozialer Gerechtigkeit. (muss deshalb im Einzelfall nicht schlecht sein, kann aber nicht die Lösung sein)


    Entscheidend ist doch, dass Unternehmer und Unternehmen wenigstens ihren Verpflichtungen in Bezug auf Steuern und Sozialabgaben, Recht und Gesetz, und angemessenen Löhnen nachkommen. Und es ist Aufgabe der jeweiligen Länder, diese festzusetzen und durchzusetzen. Im Idealfall durch demokratisch gewählte Parlamente und Regierungen.


    Liede Grüße, Aravind.

  • Wie sieht es aber mit gesellschaftlicher Anerkennung aus?


    Wirklich interessieren scheint es kaum jemanden. Es gibt doch Firmen, wo es bekannt ist, dass sie total assozial sind, weil sie kaum Steuern zahlen und ihre Mitarbeiter skrupellos ausbeuten (z.B. Apple oder Amazon). Trotzdem werden sie nicht gesellschaftlich geächtet und boykottiert.



    Ich träume von einer Welt, wo es einfach nicht mehr statthaft ist, wenn ein reicher Unternehmer in die Politik geht, dessen Finanzgebarung nicht vorbildlich ist. Wo gesellschaftliche Geltung darauf basiert, dass einer mit seinem Reichtum auch was Anständiges in signifikantem Umfang anfängt, statt sich eine Yacht zu leisten oder ein siebentes Haus.


    Da bin ich voll bei dir. Aber ich befürchte, dass dies nur ein Traum bleiben wird.


    Da fällt mir ein schönes Zitat von Machiavelli ein:

    Zitat

    Ein guter Minister sollte an seinem Lebensende reicher an Ruhm und guten Taten geworden sein als an Vermögen.

    Gibt es dann überhaupt in Deutschland gute Minister? Gerade unsere Berufspolitiker streben doch nur nach ihrem eigenen Vorteil.

  • Die simple Frage an Superreiche sollte lauten: Bist du bei Giving Pledge dabei oder nicht?

    Die simple Antwort:

    https://www.freitag.de/autoren/tom-strohschneider/nein-danke

    Wie geschrieben befürworte ich eine steuerliche Umverteilung von Wohlstand. Machen wir das!


    Aber was ist das für eine verquere, fast schon fahrlässige Argumentation? Diskutieren wir doch lieber bis in alle Ewigkeit über das weltweite Wirtschaften und verändern wir – nichts??


    Mich erinnert das an die Demonstrationen gegen den "Burschenschafterball" in Wien. Im Grunde sind alle glücklich und zufrieden damit. Wenige Tage später findet dann nämlich der Opernball, der Ball der Wohlhabenden und Entscheidungsträger, statt. Da ist dann zum Glück Ruhe. Danke, Burschenschafterball! So auch diese Art Sozialismus. Diskutieren wir doch lieber und trinken unser Bier...

  • Ich möchte an dieser Stelle an den Soto-Priester Uchiyama Gudo (1874-1911) erinnern.

    Er hatte aus der Erkenntnis, daß „alle fühlenden Wesen Buddha-Natur besitzen“ u. a. die Forderung nach sozialer Gerechtigkeit abgeleitet und sich als Anhänger des Sozialismus bekannt. Auch sein Plädoyer für eine Landreform leitete er nicht nur von seiner genauen Kenntnis der ländlichen Verhältnisse als Dorfpriester her, sondern auch von seinen Vorstellungen der buddhistischen sangha, deren Zusammenleben er wie das einer Kommune mit Kollektivwirtschaft auffasste.

    Er wurde 1911 wegen Hochverrats hingerichtet.

    Da war dann zum Glück Ruhe.


    Näheres dazu in Brian Victoria: Zen, Nationalismus und Krieg

    Das Tao ist nicht auf die Vereinigung mit den Menschen bedacht;
    wenn die Menschen auf nichts bedacht sind, vereinigen sie sich mit dem Tao.
    Yuanwu Keqin (1063 - 1135)

  • Es ist schön, daß dieses Thema doch langsam Interesse findet :D


    Wie findet ihr einen gesellschaftlich verankerten Ansatz, 'Glück' als Leistungsparameter einer Gesellschaft anzuerkennen ud vielleicht sogar als eine Richtlinie staatlichen Handels festzuschreiben


    Bruttonationalglück

    Zitat

    Das Bruttonationalglück (BNG), international bekannt als Gross National Happiness, ist der Versuch, den Lebensstandard in breit gestreuter, humanistischer und psychologischer Weise zu definieren und somit dem herkömmlichen Bruttonationaleinkommen, einem ausschließlich durch Geldflüsse bestimmten Maß, einen ganzheitlicheren Bezugsrahmen gegenüberzustellen. Anders als vergleichbare Indikatoren, wie der Happy Planet Index oder der World Happiness Report, bezieht sich das Bruttonationalglück nur auf das südasiatische Königreich Bhutan.



    Für mich hat das einerseits so ein wenig was von Hippie Sozialromantik, auf der anderen Seite gibt es aber sehr konkrete Ergebnisse bei der Umsetzung (Kampf gegen Entwaldung, Qualitätstourismus statt Massen..)

  • Die grundsätzliche Frage ist, will man wirklich soziale Gerechtigkeit oder reicht es aus, wenn die Superreichen ein paar Krümel vom Kuchen übrig lassen. Und wenn die paar Krümel nicht genug sind, dann sorgt man halt dafür, dass die Superreichen einen noch größeren Kuchen verschlingen können, denn dann fallen doch noch ein paar Krümel mehr ab...


    ...und wenn man das jetzt als "soziale Marktwirtschaft" bezeichnet, dann ist das doch 'ne tolle Sache!

  • Hallo Ihr Lieben!


    Zunächst mal, eine

    Wirtschafttheorie

    ist ja exakt das: eine Theorie. Eine abstrakte Vorstellung davon, wie etwas (hier: Wirtschaft, ohne das näher zu definieren) sein könnte.


    Das hier möchte ich aus der laufenden Diskussion gern hervorheben, da es mein Verständnis sehr gut widerspiegelt:

    Mein Grundgedanke zur Wirtschaftsethik wäre, dass wir eine funktionierende Wirtschaft missverstehen würden, wenn wir sie nur als Wettbewerb betrachten. In Wahrheit funktioniert Wirtschaft besonders, weil Menschen Rücksicht nehmen, weil viele steuerehrlich sind, weil wir kooperieren und gesellschaftlich zusammenhalten, weil wir einem fairen Staat vertrauen, weil ein starkes Rechtssystem den freien Markt [Anm. Andreas: und damit auch den Verbraucher] schützt, der sich sonst selbstzerstören würde.

    Vollständige Hervorhebung von mir. Das ist für mich eine gelingende Definition. So einfach ist das. Und das, ohne irgendeinen mehr oder minder religiösen "Führer" zu verheizen! Und von jedem hier in dieser Sekunde lebbar.:like:


    Zunächst ist jede Wirtschaft (im Sinne der Gesamtheit aller Firmen und Einrichtungen, die mit der Herstellung und Verteilung von Waren und der Bereitstellung von Dienstleistungen zu tun haben. Nicht im Sinne von Wirtschaft = "Im Krug zum grünen Kranze") ein Tauschgeschäft.

    Ich kann was, was Du nicht kannst, Du kannst was, was ich nicht kann. Ich mach' eins mehr als ich brauche, Du machst eins mehr als Du brauchst, dann tauschen wir.


    Ok.?


    Deal!


    Jetzt brauchst Du aber das, was ich kann, garnicht. Dumm gelaufen für mich.

    Aber was Du kannst, brauchen ganz viele. Gut gelaufen für Dich.


    Dann wird der eine mehr Deals haben, der Andere weniger.

    Das ist meiner Ansicht nach nicht zu verhindern.

    Jetzt ist doch nur die Frage: was macht der mit den vielen Deals für den mit den wenigen Deals?


    Platt gesagt: bezahlt der VW-Manager (alle!) seine Steuern, damit der Philosophiestudent eine hochwertige Vorlesung hören kann?


    So ein bisschen ist da ja immer auch eine Neid-Debatte inkludiert. "Die REichen" sollen doch bitteschöne für "die Armen" zahlen.


    Definiere "reich".

    "Reich" sind immer irgendwie die, die mehr haben als ich, oder? Egal, wie viel ich gerade "habe".


    Und wer ist dann "arm"?


    Und halten die mich möglicherweise für reich?


    Wer sich den Umstand macht, hier mal - gerade in Deutschland! - die eigene Stellung im arm - ich - reich zu definieren, kommt meiner Erfahrung nach schnell in eine massive Erklärungskrise, wenn es um die konkrete Frage geht:


    was gibst du denn?


    Was gibst Du von Deinem Reichtum?


    Nie das Finanzamt beschissen? Keinen einzigen Kilometer Arbeitsweg abgesetzt, obwohl Du garnich hingefahren bist?

    Kein Blatt Papier als Büromaterial eingekauft und dann den Kindern Ausmalbilder 'draufgedruckt?

    Nie am Bettler vorbeigangen, obwohl Dir ein Euro oder fünf nicht im miondesten weh getan hätten? Nie gedacht: "Der kauft doch eh' bloß Bier davon!".?

    Ökostrom gebucht, obwohl er teurer ist und trotzdem jeden unötigen Verbraucher abgeschaltet? Die blödsinnige Autofahrt zum Aldi, um noch ein paar Bratwürstchen vom Industrieschwein zu kaufen, um die Grillparty zu retten, nie gemacht? Oder wenigstens das Fahrrad genommen?


    Es sind immer die Anderen, die erstmal vorlegen müssten oder?

    Und "die Anderen" lässt sich bei Bedarf immer neu definieren.


    Wie viel spannender wäre doch die Frage: Was machst Du? Ganz konkret.


    Was machst Du, um diese Welt gerechter zu machen? Das geht in jeder "Wirtschaftstheorie".


    Versprochen.


    Nur:

    Diskutieren wir doch lieber und trinken unser Bier...


    _()_ Andreas

  • Wie viel spannender wäre doch die Frage: Was machst Du? Ganz konkret.


    Was machst Du, um diese Welt gerechter zu machen? Das geht in jeder "Wirtschaftstheorie".

    Jein.. :grinsen:


    Es geht für mich darum, was ich ganz konkret mache. In einem ganz nüchtern säkularen, aber auch unter einem buddhistischen Ansatz.


    Wir alle hier im Forum Aktiven können machen, was wir wollen, wir werden auch zusammen nie mal so eben eine Rakete kaufen können, damit die als Werbegag einen Tesla ins Weltall schießt.


    Da gibt es, ein Marxist würde sagen, Umschlagen der Quantität in die Qualität.