Ist Chandrakirtis Auffassung von Mitgefühl "ungewöhnlich"?


  • Zitat

    Absolutes Bodhicitta ist die Erkenntnis der Leerheit in Verbindung mit einem mitfühlendem Herz. Erkennt man, dass die Erkenntnis von Leerheit vom Mitgefühl untrennbar ist, dann ist dies die Realisation des Herzens eines Bodhisattvas.

    Aus "Der große Augenblick: das wilde Erwachen zur wahren Natur des Geistes" von Dzogchen Ponlop Rinpoche. Leerheit und Mitgefühl ist untrennbar, aber dass es dasselbe ist würde ich nicht sagen.

    Tsoknyi Rinpoche z.b. spricht in "furchtlose Einfachheit" von Belehrungen für den Kopf und Belehrungen fürs Herz und warnt davor eins davon zu vernachlässigen. Wäre es gleich würde es ja reichen nur zu versuchen Leerheit zu verwirklichen und Mitgefühl außen vor zu lassen. Die Betonung liegt aber auf beidem. :?

  • Aus "Der große Augenblick: das wilde Erwachen zur wahren Natur des Geistes" von Dzogchen Ponlop Rinpoche. Leerheit und Mitgefühl ist untrennbar, aber dass es dasselbe ist würde ich nicht sagen.

    Tsoknyi Rinpoche z.b. spricht in "furchtlose Einfachheit" von Belehrungen für den Kopf und Belehrungen fürs Herz und warnt davor eins davon zu vernachlässigen. Wäre es gleich würde es ja reichen nur zu versuchen Leerheit zu verwirklichen und Mitgefühl außen vor zu lassen. Die Betonung liegt aber auf beidem. :?

    ich würde so sagen:

    Leerheit+Mitgefühl untrennbar = absolutes Bodhichitta


    Aber in den Belehrungen ist es getrennt. Unter "Absolutes Bodhichitta" werden nur Leerheits-Erklärungen gegeben. Unter "relatives Bodhichitta" die Mitgefühls-Erklärungen (mit den praktischen Beispielen für das Leben, z.B im Lojong)


    absolutes Bodhichitta kann ja nicht bis zum letzten mit Worten erklärt werden. Also dass es als Leerheit-Mitgefühl untgetrennt verwirklicht wird, kann man nicht erklären. Die praktischen Übungen für relatives Mitgefühl sind halt nötig und das Kontemplieren der Leerheits-Belehrungen.

  • Ich kenne halt die Definition Leerheit und Mitgefühl verwirklicht, für absolutes Bodhicitta, nicht nur Leerheit. Letztendlich sind sie untrennbar. Aber wenn ich aus meiner Froschperspektive drauf schaue muss ich erst mal beides verwirklichen. Gibt ja durchaus Geschichten von Yogis die erst einmal in Shunyata stecken geblieben sind weil sie Mitgefühl vernachlässigt haben. Oder man wird zum Pratyekabuddha. Vielleicht wird deswegen beides betont. :?

    In der nondualität bin ich noch nicht zuhause. Da denke ich auch, dass das nicht mehr mit Worten erklärbar ist.

  • Ich kenne halt die Definition Leerheit und Mitgefühl verwirklicht, für absolutes Bodhicitta, nicht nur Leerheit. Letztendlich sind sie untrennbar. Aber wenn ich aus meiner Froschperspektive drauf schaue muss ich erst mal beides verwirklichen. Gibt ja durchaus Geschichten von Yogis die erst einmal in Shunyata stecken geblieben sind weil sie Mitgefühl vernachlässigt haben. Oder man wird zum Pratyekabuddha. Vielleicht wird deswegen beides betont. :?

    In der nondualität bin ich noch nicht zuhause. Da denke ich auch, dass das nicht mehr mit Worten erklärbar ist.

    Letztendlich unterscheidet man nicht mehr in absolutem bzw. relativem Bodhicita.

    Dann ist da die Untrennbarkeit, die Du meintest und alles ist Bodhicita.

    Auf dem Pfad gibt es aber noch die Unterscheidung, näheres dazu erklärt Gampopa ;)

    Liebe Grüße
    S.Y.


    Rufe - soviel Du nur kannst- Liebe, Respekt und Vertrauen hervor !


    aus den "Versen über die Ansammlung der kostbaren Qualitäten der Vollkommenheit der Weisheit"

  • Letztendlich unterscheidet man nicht mehr in absolutem bzw. relativem Bodhicita.

    Dann ist da die Untrennbarkeit, die Du meintest und alles ist Bodhicita.

    Auf dem Pfad gibt es aber noch die Unterscheidung, näheres dazu erklärt Gampopa ;)

    Du meinst absolutes Bodhicitta ist Leerheit reicht als Definition? :?

    Oder meinst du das man auf dem Pfad noch Leerheit und Mitgefühl trennt. Letztendlich beides jedoch untrennbar ist.

  • Du meinst absolutes Bodhicitta ist Leerheit reicht als Definition?

    Ich muss selbst noch mal im Gampopa nachschlagen...



    Oder meinst du das man auf dem Pfad noch Leerheit und Mitgefühl trennt. Letztendlich beides jedoch untrennbar ist.

    Im gewissen Sinne schon, denn Leerheit hat der Praktizierende erst relativ spät realisiert, während er Mitgefühl, liebende Güte u.s.w. im Grunde sofort umsetzen könnte, wenn er wirklich den Gedanken hat: "Mögen alle Wesen glücklich sein und frei sein von Leid". Das ist das wünschende Bodhicita, man spricht aber nicht von "wünschender Realisation der Leerheit"....

    Liebe Grüße
    S.Y.


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    aus den "Versen über die Ansammlung der kostbaren Qualitäten der Vollkommenheit der Weisheit"

  • Oder meinst du das man auf dem Pfad noch Leerheit und Mitgefühl trennt. Letztendlich beides jedoch untrennbar ist.

    Im gewissen Sinne schon, denn Leerheit hat der Praktizierende erst relativ spät realisiert, während er Mitgefühl, liebende Güte u.s.w. im Grunde sofort umsetzen könnte, wenn er wirklich den Gedanken hat: "Mögen alle Wesen glücklich sein und frei sein von Leid". Das ist das wünschende Bodhicita, man spricht aber nicht von "wünschender Realisation der Leerheit"....

    Ich kenne halt wie gesagt die Warnungen sich nicht zu sehr auf Leerheit und zu wenig auf Mitgefühl zu konzentrieren. Gerade auf Mahamudra und Dzogchenebene wird davor gewarnt. Man wird dann zu einem "vertrocknetem Yogi" sagt Tsoknyi Rinpoche. Jemand der zwar Shunyata ein Stück weit erkennt aber von keinem nutzen ist. Dann verläuft man sich in der Leerheit.

    Deswegen denke ich, dass die Betonung, natürlich auf relativer Ebene, für absolutes Bodhicitta auf allumfassendem Mitgefühl und Weisheit untrennbar liegt. Aber bei Definitionen darf man natürlich nicht vergessen, dass man sich dort immer noch auf der dualitätsebene bewegt. Auf absoluter Ebene ist ja nichts mehr von Leerheit getrennt da es keine dualität mehr gibt.

    Aber vielleicht findest du ja eine andere Definition von absolutem Bodhicitta. Ich kann ja auch mal bei Gampopa nachschauen. :)

  • Ich kenne halt wie gesagt die Warnungen sich nicht zu sehr auf Leerheit und zu wenig auf Mitgefühl zu konzentrieren. Gerade auf Mahamudra und Dzogchenebene wird davor gewarnt. Man wird dann zu einem "vertrocknetem Yogi" sagt Tsoknyi Rinpoche. Jemand der zwar Shunyata ein Stück weit erkennt aber von keinem nutzen ist. Dann verläuft man sich in der Leerheit.

    Ich glaub ich hab das Buch, was du erwähnt hast zwar mal durchgelesen aber ich besitze das nicht und habe es vergessen, falls da sowas stand. Ich kenne halt die Videos von Dzongsar Khyentse Rinpoche, welcher für mich wichtig ist. Und die warnen vor dem Gegenteil.


    Ich war die totale Mutter-Glucke, oft waren auch andere Kinder bei mir. Ich hab mit denen Bogenschießen gemacht und gebastelt und ein Drama hat sich abgespielt weil ein Kind wollte dass ich seine Mama werde. Seine alleinerziehende Mutter war sehr krank aber wollte ihn dann doch nicht abgeben. Ich weiß nicht wo er jetzt ist, oder ob er wollen würde, dass ich ihn kontaktiere. Wir mussten uns film-reif verabschieden, es war echt furchtbar. Genau genommen hab ich mich auch noch um seinen älteren Bruder etwas gekümmert.


    Bei so einem Leben hab ich diese Möglichkeit nicht bedacht, die du nennst. Und irgendwie kann ich es mir für mich nicht mehr vorstellen, dass das Mama-mässige weggeht. Das hab ich halt jetzt drin.

    Daher habe ich diese ganze Möglichkeit noch nicht bedacht, zumal ich solche Warnungen auch nicht kenne... wieder was neues gelernt...

  • Djkr sagt auf jeden Fall in "es geht nicht um Glück" dass die verschiedenen belehrungen und Übungen zu Bodhicitta gleich wichtig sind. Aber wie gesagt verstehe ich selbst unter Mitgefühl nicht sich permanent um andere zu kümmern, sondern der Wunsch das alle Wesen frei von Leid sein mögen. Relatives Bodhicitta geht glaube ich nicht darum einer Dame die Tasche zu tragen, sondern eher um die Geisteshaltung selbst die man dabei hat. Aber ich lese lieber nochmal nach, dass sind nur meine eigenen Gedanken dazu.

    Man darf ja auch nicht vergessen wem was gelehrt wird. Einige sind sehr verkopft, da ist dann Mitgefühl trainieren sehr wichtig. Andere sind wiederum sehr liebevoll aber es fehlt vielleicht Weisheit. So in etwa. Aber letztendlich sollte man beides verwirklichen. So verstehe ich das auf der relativen Ebene.

    Wie gesagt fände ich toll, wenn jemand noch eine Definition von absolutem Bodhicitta findet. Djkr spricht ja schon auch von allumfassendem nicht ausschließendem Mitgefühl. Nicht nur von Leerheit.

    Hab es bei Gampopa gefunden:

    Zitat

    Der wahre, letztendliche Erleuchtungsgeist ist natürlicherweise als nichtkonzeptuelle Leerheit vorhanden.

    Das wäre dann was Sherab Yönten sagt. Absolutes Bodhicitta ist die Realisation von Leerheit :grinsen:

  • Djkr sagt auf jeden Fall in "es geht nicht um Glück" dass die verschiedenen belehrungen und Übungen zu Bodhicitta gleich wichtig sind. Aber wie gesagt verstehe ich selbst unter Mitgefühl nicht sich permanent um andere zu kümmern, sondern der Wunsch das alle Wesen frei von Leid sein mögen. Relatives Bodhicitta geht glaube ich nicht darum einer Dame die Tasche zu tragen, sondern eher um die Geisteshaltung selbst die man dabei hat. Aber ich lese lieber nochmal nach, dass sind nur meine eigenen Gedanken dazu.

    Man darf ja auch nicht vergessen wem was gelehrt wird. Einige sind sehr verkopft, da ist dann Mitgefühl trainieren sehr wichtig. Andere sind wiederum sehr liebevoll aber es fehlt vielleicht Weisheit. So in etwa. Aber letztendlich sollte man beides verwirklichen. So verstehe ich das auf der relativen Ebene.

    Wie gesagt fände ich toll, wenn jemand noch eine Definition von absolutem Bodhicitta findet. Djkr spricht ja schon auch von allumfassendem nicht ausschließlichdem Mitgefühl. Nicht nur von Leerheit.

    das sehe ich auch alles so.

    Absolutes Bodhichitta hab ich in dem Büchlein: "Geistestraining" von Ringu Tulku Rinpoche. Die Erklärungen dort sind ja nicht auf aller schwerstem Level.

    Oben habe ich das je gepostet es gibt dann noch Unterpunkte im Geistestraining, die alle unter absolutes Bodhichittita erklärt werden.

  • Das muss Frau nicht üben, ... Irgendwann erreicht jede (und übrigens auch jeder) den Punkt, an dem es ohne Skalpell nicht mehr "Aufzuhübschen" gibṭ :grinsen:

    :lol: Meine Omas denken drüber nach was sie essen. Sind schlank und haben die Haare schön. Ohrringe mit Granat oder vielleicht sind das sogar Rubine. Brillianten, Gold... was weiß ich...

    Meine eine noch lebende Oma ist 94 und gerade ins Altenheim gekommen. Sie meinte, die anderen hielten sie für eingebildet, weil sie nicht viel mit ihnen spricht. Sie ließ mal ihr Alter schätzen, da meinten die anderen 80. Haben dann gestaunt, dass sie schon 94 ist. Sie hat immer gern Kuchen gegessen oder auch mal ein Eis. Aber sie betet jeden Tag, dass sie am anderen Morgen nicht mehr aufwacht.

    Im erwachten Herzen leuchtet jede Farbe. (Jack Kornfield)

  • Hi,

    im PK steht: Den Nächsten für sich selbst nehmen. Liebe, Mitleid und Erbarmen. Darin ist das Mitgefühl schon in dem Begriff Mitleid enthalten. Das steht so im PK, bei Achtfachen Weg, erster Teil: Rechtes Handeln: Den Nächsten für sich selbst nehmen Liebe, Mitleid und Erbarmen.