Wanderung durch Samsara - anders erzählt

60 Antworten. Letzter Beitrag () ist von Spock.

  • Wanderung durch Samsara - die moderne Variante (ein Geschenk oder eine Provokation aber hoffentlich keine Beleidigung :D für die ForumsSangha)



    Hinführung zum Thema:


    1) Samsara heißt "Beständiges Wandern".

    2) Zu Existieren bedeutet in dieser Bildsprache also "Beständiges Wandern".

    3) Zur Verdeutlichung dieses beständigen Wanderns wird in den Wiedergeburtsgeschichten des PK ganz offen auf die Vorstellung eines ewigen Selbsts, was fortwährend in verschiedenen DaseinsRäumen wiedergeboren wird, zurückgegriffen.


    Ich möchte möchte auf diesen besonderen Umstand erklärend eingehen:


    Die Beschreibungen Samsaras mitHilfe der Wiedergeburtsgeschichten aus dem PK setzen im Hörer stärkere ICH-Illusion voraus und greift sie genau deswegen zugespitzt dargestellt (ewiges! Selbst) als gegeben auf. Bishin zu der metaphorischen Umschreibung, dass man Samsara verlassen solle. Dabei verschwindet ja der, der einen Raum verlässt, nicht einfach. Ausser für den, der sich auch in diesem Raum befindet. Und sehen könnte, wie jemand diesen Raum verlässt.


    Und genau der sitzt in diesem Raum und versucht, dem anderen die Sachlage unter Einbindung der gegebenen Voraussetzungen (dessen Sicht auf die Sachlage: Es gibt mich auf jeden Fall!) darzustellen, damit sich eines bei ihm ersteinmal löse. Schritt für Schritt. Ersteinmal nur das eine: Daseinsraumillusion.


    --


    Und er sagt ihm:


    "Samsara - also die Wirklichkeit, das ist keine begrenzte, lediglich räumliche ausgedehnte, flache Scheibe. Oder eine begrenzte geometrische Fläche, auf der die Wesen so herumlaufen würden. Nein, Samsara, die Wirklichkeit, das ist eine ewige Raumzeit. Was soviel heißt wie ein sich ewig entwickelnder, sich verändernder Raum.


    Und fatal wäre es, wenn die Wesen darin nicht erkennen würden, dass die Wirklichkeit, also die Realität, keine Scheibe sein kann, auf der die Wesen herumspazierten und diverse Dinge tun würden.


    Es ist ja so, dass die Wirklichkeit die Wesen umfasst. Also, dass die Wesen in der Wirklichkeit drin wären. Und nicht auf ihr drauf. Fatal wäre es so etwas zu glauben, dass die Wirklichkeit eine Scheibe wäre, denn so könne man zum Beispiel auf den, sich logisch auf diesen ersten Irrtum gründenden nächsten Irrtum kommen, nämlich den, dass es möglich wäre, von hier einfach zu verschwinden. Oder in ein ewiges, paradiesisches Nichts zu gelangen.


    So wie man sich das richtigerweise vorstellen kann, wenn man glaubt, die Wirklichkeit wäre eine Scheibe. Denn vom Rand einer Scheibe könnte man ja in ein Nichts springen. Oder man könnte so betrachtet auch körperliche Überreste eines Toten über den Rand der Scheibe kehren. Auf dass sie für immer verschwunden sind. Die Überreste.


    Nein. Was in einer abgeschlossenen Sache drin ist, das kommt da ersteinmal nicht heraus. Und viel schlimmer noch. Was in einer abgeschlossenen, sich ewig verändernden, entwickelnden Wirklichkeit drin ist, das ist auch den Gestaltungen und Formungen darin ausgeliefert. Das Ding da drin wird selber verändert, bedingt durch die aus dessen Sicht: äußeren Gestaltungen und Veränderungen der sich stetig wandelnden Wirklichkeit. Und das Verrückteste ist noch dazu: allein durch die Anwesenheit dieses Dings in der Wirklichkeit, bedingt es umgekehrt ja auch die Möglichkeiten der inneren Formungen der Wirklichkeit.


    Also verrückt wäre das eine: dass das Ding in der Wirklichkeit drin, allein durch seine räumliche Präsenz dort, die räumlichen Gestaltungen der Wirklichkeit selbst mitbedingt. Aber geradezu fatal ist es, dass es ja gerade so aussieht, als würde die sich stetig wandelnde Wirklichkeit das Ding darin in einem weit, weitaus stärkeren Grad konsequent bedingen und formen als im umgekehrten Fall.


    Fatal ist es, wenn die Wesen glauben, die Wirklichkeit wäre eine Scheibe. Würde sie es nicht glauben, würden sie es erkennen. Dass nie nirgendwo draufstehen. Von dessen Rand sie einfach runterfallen könnten. Mitten im Leben.


    Fatal ist es, weil sie, es nicht so erkennend, gar nicht auf die Idee kommen können, die höchst sinnvolle ja die einzig sinnvolle Frage zu stellen, wie man einer solch unbeständigen und abgeschlossenen Wirklichkeit entrinnen könne.


    Dabei ist die Antwort, oder zumindest Teilantworten auf diese Frage nicht so schwer zu verstehen."


    -


    Dann schaute der Mann, der dem anderen Mann empfehlen wollte, die Raumzeit bald zu verlassen, in die Augen und sagte: "Das trage ich dir auf bis zur nächsten Wiedergeburtsgeschichtensitzung: Finde eine Antwort auf die Frage, wie man einen abgeschlossenen Raum verlässt."


    Der andere sagte, das wäre gar nicht schwer zu sagen, aber er will sich noch ein paar andere Optionen überlegen und legte seine Hand an den Türgriff des abgeschlossenen Raumes.


    Da fragte ihn der Wiergeburtsonkel:


    Sage mir, bevor du gehst, noch eines: Warum nun sieht es so aus, dass die Wesen bei ihrem Dahinscheiden für immer auf nirgendwo verschwinden?",


    Der im Gehen Begriffene sagte: "Es sieht so aus, wenn man denkt, die Wirklichkeit wäre eine Scheibe."


    Diese weise Antwort stimmte den Sprecher freudig.






    Ich wünsche Euch einen wunderschönen Tag :)




    :sunny::rainbow::star:

    Einmal editiert, zuletzt von pops () aus folgendem Grund: Rechtschreibung & Präzisierung

  • 3) Zur Verdeutlichung dieses beständigen Wanderns wird in den Wiedergeburtsgeschichten des PK ganz offen auf die Vorstellung eines ewigen Selbsts, was fortwährend in verschiedenen DaseinsRäumen wiedergeboren wird, zurückgegriffen.

    Auf die Vorstellung eines ewigen Selbst kann beim Lesen der Wiedergeburtsgeschichten des PK ganz offen zurückgegriffen werden, obwohl es die dort nirgends gibt.

  • mukti ,


    naja diese Geschichten gibt es schon, und das aus gutem Grund.

    Natürlich gibt es die Geschichten aber von der Vorstellung eines ewigen Selbts ist darin keine Rede, wie auch im ganzen PK nicht. Eine solche Vorstellung mag in einem Leser entstehen wie gesagt.

  • mukti ,


    naja diese Geschichten gibt es schon, und das aus gutem Grund.

    Natürlich gibt es die Geschichten aber von der Vorstellung eines ewigen Selbts ist darin keine Rede, wie auch im ganzen PK nicht. Eine solche Vorstellung mag in einem Leser entstehen wie gesagt.


    Schau dir doch die Wiedergeburtsgeschichten an. Da siehst du Wesen, die in solchen und solchen Welten auftauchen.


    Die Wesen erscheinen sehr viel beständiger als eine allgemeine Wirklichkeit. Es geht in diesen Geschichten ersteinmal darum, die Illusion permanenter Daseinsräume, in denen man lebt, oder in die man aufsteigen oder absteigen und darin ewig verweilen könnte, abzuschaffen.


    Diese Geschichten sollen ersteinmal nicht ICH-Illusion anzeigen, oder angehen. Es geht hier um eine Folge des ICH-Glaubens, nämlich den Glauben permanenter, ewiger Räume, in denen Existenz oder auch ewige Existenz möglich wäre.


    Genauso wie man einem wütenden Menschen nicht erklärt, dass das Objekt seiner seiner Wut eine Illusion ist. Denn dann wird er nur noch wütender. Man erklärt ihm anderes. Ersteinmal.


    Und irgendwann ... ist er vielleicht bereit für die nächste Vorstellung, die nächste Theorie. Die dann zu einem tieferen Verständnis führt, die für ein Fortschreiten auf dem Wege wichtig ist.


    Meiner Ansicht nach ist da in unserer Zeit ganz starker Glaube an eine allgemeine Wirklichkeit. Zuerst sollte dieser Aberglaube gelockert werden. Danach kann man sich an andere Vorstellungen machen, die alle in dem tiefsten Aberglauben/Nichtwissen wurzeln: Selbstbezug/Ich.


    Schritt für Schritt, werter mukti.


    Einen schönen Sonntag dir noch



    :sunny:

  • mukti


    Ich will da lieber keine Deutungshoheit beanspruchen. Aber mir ist klargeworden, dass es eben Schritt für Schritt erfolgt.


    Ich sehe es genauso, wie ich es geschrieben habe, und mir kommt es mit den Menschen, die ich liebe so vor, als sollte ich gewissen Aussagen vermeiden. Gewisse Aussagen, die aus meiner Sicht absolut wahr sind, die aber in den von mir geliebten Menschen nur Abneigung erzeugen und nicht verstanden werden.


    Das will ich auf keinen Fall.


    Ich sehe auch unterschiedliche Verständnisarten, unterschiedliche Verhaftungsgrade, unterschiedliche Grade ausgeprägten Nichtwissens.


    Ich glaube sogar, dass es unheilsame Folgen mit sich bringen kann, wenn ein Weltling Lehrreden des Buddha ließt, die der vor einer Gruppe von auf dem Wege schon fortgeschritteneren Mönchen hielt.


    Es sind ja immer Vorstellungen die durch das Präsentieren von Abbildungen/Vorstellungen im Höhrer erzeugt werden. Gib einem Paranoiden die Vorstellung "Ich-Illusion" ... lieber nicht? Oder doch? Oder doch nicht?


    Was sagst du zu meiner These: Im Westen glauben wir sehr sehr an eine objektive, vom Subjekt getrennte Realität?



    :earth:


  • Ich sehe auch unterschiedliche Verständnisarten, unterschiedliche Verhaftungsgrade, unterschiedliche Grade ausgeprägten Nichtwissens.

    Ja aber ich versuche mich da nicht mit anderen zu vergleichen - wenn ich vielleicht etwas verstanden habe was ein anderer nicht verstanden hat, dann mag der auf einem anderen, womöglich sogar wichtigerem Gebiet, etwas verstanden und verwirklicht haben wo ich noch lange nicht soweit bin.

    Zitat

    Ich glaube sogar, dass es unheilsame Folgen mit sich bringen kann, wenn ein Weltling Lehrreden des Buddha ließt, die der vor einer Gruppe von auf dem Wege schon fortgeschritteneren Mönchen hielt.


    Steht auch in M.22 (Gleichnis von der Schlange)


    Zitat


    Weil sie die Bedeutung jener Lehren nicht mit Weisheit ergründen, gelangen sie nicht dahin, sie reflektiv anzunehmen. Stattdessen lernen sie das Dhamma nur, um andere kritisieren zu können und um in Debatten zu gewinnen, und sie erfahren nicht das Gute um dessen willen sie das Dhamma gelernt haben. Jene Lehren, die von ihnen falsch ergriffen wurden, tragen lange zu ihrem Schaden und Leid bei. Warum ist das so? Wegen des falschen Ergreifens jener Lehren.


    Zitat

    Was sagst du zu meiner These: Im Westen glauben wir sehr sehr an eine objektive, vom Subjekt getrennte Realität?


    Da weiß ich nicht genau wie das meinst, eine objektive Realität gibt es wohl als eine von allen Subjekten gleiche Wahrnehmung unter gleichen Umständen. Z.B. alles worauf Regen fällt wird nass. Subjektiv ist das Empfinden dabei.

  • 1) Samsara heißt "Beständiges Wandern".

    2) Zu Existieren bedeutet in dieser Bildsprache also "Beständiges Wandern".

    3) Zur Verdeutlichung dieses beständigen Wanderns wird in den Wiedergeburtsgeschichten des PK ganz offen auf die Vorstellung eines ewigen Selbsts, was fortwährend in verschiedenen DaseinsRäumen wiedergeboren wird, zurückgegriffen.

    Wenn man eine Metapher hat, dann macht es doch Sinn statt auf das Bild auf die Bedeutung zu gehen.


    Und die Bedeutung von Samsara ist das Verhaftetsein in Gier, Hass und Verblendung und damit in Leid.


    Wenn man sich auf das Bild konzentriert, dann kann man von dem Bild auf weitere Bilder kommen und von der Metaphern auf weitete Metaphern. Vom Wandern von Raum zu Raum zum Wandern auf Scheiben und von Scheiben vielleicht auf wieder was anderes.

  • Da weiß ich nicht genau wie das meinst, eine objektive Realität gibt es wohl als eine von allen Subjekten gleiche Wahrnehmung unter gleichen Umständen. Z.B. alles worauf Regen fällt wird nass. Subjektiv ist das Empfinden dabei.


    Das meine ich ja eben. Es ist ja nicht so. Es perlt hier ab. Dort wird die Nässe ins Material gesogen. Dort verdampft es wieder sofort.


    Und dort ist ja vor allem nur dort, wo einer hinschaut.



    :sunny:


  • Ja das sehe ich auch so. Gute Metaphern waren ja auch ein wichtiges didaktisches Mittel des Buddha.


    Es war ein literarischer Versuch, den ich hier hineinstellen wollte. Ich sah in der Vorstellung: "Ich sein" hieße "eine Raumzeit zu sein" /"Wirklichkeit ist eine Raumzeit" eine Spannende.


    E=mc² - darin sehe ich viel mehr als nur eine Beschreibung für Physiker. So viel mehr ...


    Ausserdem dachte ich, dass man so absolut gedacht: eine Existenz innerhalb eines abgeschlossenen Systems, zeigen könne, dass ein Ding darin eher geformt wird, als dass es selbst formt.



    :sunny:

  • Da weiß ich nicht genau wie das meinst, eine objektive Realität gibt es wohl als eine von allen Subjekten gleiche Wahrnehmung unter gleichen Umständen. Z.B. alles worauf Regen fällt wird nass. Subjektiv ist das Empfinden dabei.


    Das meine ich ja eben. Es ist ja nicht so. Es perlt hier ab. Dort wird die Nässe ins Material gesogen. Dort verdampft es wieder sofort.

    Ich meine unter genau gleichen Bedingungen wird immer das Gleiche geschehen. Meinetwegen wenn tausend Leute nackt im Regen stehen bleibt kein einziger trocken. Die Gesetzmäßigkeiten werden ja von den Naturwissenschaften erforscht und gäbe es sie nicht, hätten wir kein elektrisches Licht usw. usw.

    Zitat

    Und dort ist ja vor allem nur dort, wo einer hinschaut.


    Sicher, dort gibt es nur wenn es hier gibt, ein Subjekt das ein Objekt wahrnimmt. Ob es das Objekt gibt wenn keiner es wahrnimmt wird sich nicht herausfinden lassen.


    Aber ich mache mir über sowas eigentlich nicht besonders viel Gedanken, wichtiger finde ich die Frage wie man die Kilesas loswird, und damit die Verblendung.

  • Das meine ich ja eben. Es ist ja nicht so. Es perlt hier ab. Dort wird die Nässe ins Material gesogen. Dort verdampft es wieder sofort.

    Ich meine unter genau gleichen Bedingungen wird immer das Gleiche geschehen. Meinetwegen wenn tausend Leute nackt im Regen stehen bleibt kein einziger trocken. Die Gesetzmäßigkeiten werden ja von den Naturwissenschaften erforscht und gäbe es sie nicht, hätten wir kein elektrisches Licht usw. usw.

    Ja da bin ich dabei. Unter genau gleichen Bedingungen. Aber es gibt keine genau gleichen Bedingungen erstens. Es gibt maximal ähnliche Bedingungen.


    Und der Regen ist für diese tausend Laute ja da. Aber eben nur für diese tausend Leute. Und wenn die einem dann von dem Regen erzählen. Und das auch in den Nachrichten steht, dann weiß man: soundsoviele Leute haben sich geeinigt auf das objektive Ding "Regen" was da stattgefunden hat, so als würde es so einen objektiven, "Durchschnittsregen" geben. Dabei ist der "Regen" hier so, dort so, dort wieder anders. Es ist also ein "jeweiliger Regen".


    Nee ich mach das nicht mehr mit. An einen Durchschnitt glauben. Es gibt "objektiver" erscheinenende Umstände, von mir aus. Aber objektive Gegebenheiten, das hört sich wieder so an, als würde das auch passieren, wenn keiner da wäre.



    :sunny:

  • Es gibt "objektiver" erscheinenende Umstände, von mir aus. Aber objektive Gegebenheiten, das hört sich wieder so an, als würde das auch passieren, wenn keiner da wäre.

    Wie kannst du das wissen, dass das nicht passiert, wenn keiner da ist?

  • Zitat

    Im hinterstem Gebirgstal, das nie eines Menschen Fuss betrat blühen im Frühling tausende Blumen.

    Für wen zeigen sie ihre Pracht, für wen?


    _()_


    PS wer mir jetzt nen Blumen-Insekten-Vortrag halten will hat dieses Wort eines alten Meisters nicht verstanden und wird es auch nie.

    Wenn im dürren Baum der Drache Dir singt
    siehst wahrhaft Du den WEG.
    Wenn im Totenkopf keine Sinne mehr sind
    wird erst das Auge klar.


    jianwang 健忘 = sich [selbst] vergessend

  • Ja da bin ich dabei. Unter genau gleichen Bedingungen. Aber es gibt keine genau gleichen Bedingungen erstens. Es gibt maximal ähnliche Bedingungen.


    Und der Regen ist für diese tausend Laute ja da. Aber eben nur für diese tausend Leute. Und wenn die einem dann von dem Regen erzählen. Und das auch in den Nachrichten steht, dann weiß man: soundsoviele Leute haben sich geeinigt auf das objektive Ding "Regen" was da stattgefunden hat, so als würde es so einen objektiven, "Durchschnittsregen" geben. Dabei ist der "Regen" hier so, dort so, dort wieder anders. Es ist also ein "jeweiliger Regen".


    Nee ich mach das nicht mehr mit. An einen Durchschnitt glauben. Es gibt "objektiver" erscheinenende Umstände, von mir aus. Aber objektive Gegebenheiten, das hört sich wieder so an, als würde das auch passieren, wenn keiner da wäre.

    Warum ist dir denn der Punkt so wichtig, dass es nicht Objektives geben soll?


    Es gibt im Buddhismus manchmal eine Tendenz, in der Äußeres nur als Anlass gesehen wird und betont wird, das das was man erlebt hauptsächlich etwas ist, was man selbst hervorgebracht hat. So eine Sicht dient dazu, nicht äußeren Umständen die Schuld zu geben, sondern zu betonen was man ändern kann. Insoweit, als es hilft nicht die Umstände zu beklagen, ist so eine Sicht heilsam. Von da aus kann man dann zu der Meinung gelange, dass alles was innere Ursachen betont gut ist, und das was äußere, vom eignen Denken unabhängige Ursachen betont, schlecht ist. Und dann kann man einen weiteren Schritt machen und es nicht nur für schlecht/unheilsam sondern für unzutreffend befinden.


    Damit ist aber sehr das Kind mit dem Bade ausgeschüttet. Der Aufruf, bei allem eher die eignen geistigen Ursachen statt die äußeren Umstände zu betonen, kann ja einfach eine pädagische Herangehensweise sein, und es als Aussage über die realen Verhältnisse zu sehen, ist eine ungebührliche Verallgemeinerung.

  • Es macht auch imho mehr Sinn zwischen subjektiv und relativ (konventionell gültig, incl. alltäglichem Sprachgebrauch) zu unterscheiden und beides auch gleichzeitig als gültig zu sehen und weniger zwischen "transzendent" oder "absolut" zu trennen (ich nenn das jetzt mal so).

    Ich finde da immer Buddhas "Gleichnis vom Pfeil " gut, wo er ja sagt, dass er sich ganz radikal einfach nur mit der Frage beschäftigt, was zu Erreichung der Befreiung notwendig ist. Und alles andere - so richtig und wichtig es für andere Zwecke auch sein mag - als irrelevant beiseite gelassen wird. Aber es ist nicht verwunderlich, dass diese "inteketuelle Redlichkeit" nicht durchgehalten wurde und man es wohl als beschämend emfand, nur einen kleinen Bereich abzudecken. Und man dann entweder die eigene Herangehensweise unzulässig verallgemeinerte, oder sie als was "Transzendetes" hinstellte, was andere Formen des Wissens aussticht. Naja, sowas passiert durch die Jahrhunderte. Es ist peinlich auf Frage, dauernd "Keine Ahnung, da sind wir nicht zuständig" antworten zu müssen. Ich finde das schade und statt Buddha gerecht zu werden (indem man dessen bewusste Beschränkung akzeptiert) fügt es da was hinzu, was gar nicht so nötig ist.

  • Nee ich mach das nicht mehr mit. An einen Durchschnitt glauben. Es gibt "objektiver" erscheinenende Umstände, von mir aus. Aber objektive Gegebenheiten, das hört sich wieder so an, als würde das auch passieren, wenn keiner da wäre.

    Ja, das scheint eine Phobie von Dir zu sein, lieber Pops! :wink: :)


    Meiner Meinung nach geht es doch gar nicht darum, diese objektivierende Herangehensweise zu verdammen, immerhin organisierst Du damit wie alle anderen Deinen Alltag und den größten Teil Deiner Welt. IMHO geht es darum, Begrenztheit dieser Sicht bewusst zu sehen und zu internalisieren.


    Ein zeitgenössischer indischer erleuchteter Guru soll mal gesagt haben:


    Natürlich wechsle ich die Perspektive auf die Welt ständig. Wenn alles eins ist, wie zum Teufel soll ich denn da den richtigen Bus nach Hause finden???


    (das "zum Teufel" stand da wahrscheinlich nicht...) 8)


    Liebe Grüße, Aravind.

  • Bei so Themen die eine gewisse Faszination ausüben und den Forschergeist wecken fällt mir auch immer ein was in M.26 über das Forschen oder Suchen gesagt wird: Jemand der Geburt, Alter, Krankheit und Tod unterworfen ist, sucht nach dem was ebenfalls Geburt, Alter, Krankheit und Tod unterworfen ist - das ist unedle Suche. Jemand der Geburt, Alter, Krankheit und Tod unterworfen ist sucht das todlose Nibbana, das ist edle Suche.

  • Bei so Themen die eine gewisse Faszination ausüben und den Forschergeist wecken fällt mir auch immer ein was in M.26 über das Forschen oder Suchen gesagt wird: Jemand der Geburt, Alter, Krankheit und Tod unterworfen ist, sucht nach dem was ebenfalls Geburt, Alter, Krankheit und Tod unterworfen ist - das ist unedle Suche. Jemand der Geburt, Alter, Krankheit und Tod unterworfen ist sucht das todlose Nibbana, das ist edle Suche.

    Klingt spannend! Da muss ich länger drüber nachdenken...


    Liebe Grüße, Aravind.

  • Bei so Themen die eine gewisse Faszination ausüben und den Forschergeist wecken fällt mir auch immer ein was in M.26 über das Forschen oder Suchen gesagt wird: Jemand der Geburt, Alter, Krankheit und Tod unterworfen ist, sucht nach dem was ebenfalls Geburt, Alter, Krankheit und Tod unterworfen ist - das ist unedle Suche. Jemand der Geburt, Alter, Krankheit und Tod unterworfen ist sucht das todlose Nibbana, das ist edle Suche.

    Solche Aussagen erfüllen mich immer mit Mißtrauen. Wenn ich also abends voller Staunen in den Himmel blicke und angesichts der Sterne über Unendlichkeit nachgrübele, dann ist das "unedle Suche". Tja, dann ist das halt so. Wäre ich ein Mönch, dann würde mich das interessieren. Ich bin aber jemand, der in der Welt lebt, ohne Anspruch darauf, das Staunen über das Universum oder auch den Schmetterling vor meiner Nase zu verlieren. Ich mag keine Scheuklappen tragen, gleich welcher Art.

  • Solche Aussagen erfüllen mich immer mit Mißtrauen. Wenn ich also abends voller Staunen in den Himmel blicke und angesichts der Sterne über Unendlichkeit nachgrübele, dann ist das "unedle Suche". Tja, dann ist das halt so. Wäre ich ein Mönch, dann würde mich das interessieren. Ich bin aber jemand, der in der Welt lebt, ohne Anspruch darauf, das Staunen über das Universum oder auch den Schmetterling vor meiner Nase zu verlieren. Ich mag keine Scheuklappen tragen, gleich welcher Art.

    Das Wort "edel" bezieht sich hier auf den "edlen achtfachen Pfad" und nicht auf andere Hnsichten in denen was "edel" sein kann.

  • Solche Aussagen erfüllen mich immer mit Mißtrauen. Wenn ich also abends voller Staunen in den Himmel blicke und angesichts der Sterne über Unendlichkeit nachgrübele, dann ist das "unedle Suche". Tja, dann ist das halt so. Wäre ich ein Mönch, dann würde mich das interessieren. Ich bin aber jemand, der in der Welt lebt, ohne Anspruch darauf, das Staunen über das Universum oder auch den Schmetterling vor meiner Nase zu verlieren. Ich mag keine Scheuklappen tragen, gleich welcher Art.

    Das Wort "edel" bezieht sich hier auf den "edlen achtfachen Pfad" und nicht auf andere Hnsichten in denen was "edel" sein kann.

    War mir klar, hat trotzdem etwas Einseitiges. Das ist aber nur ein Bauchgefühl.