Darf ich glücklich und traurig sein wenn ich kein Ich (Ego)mehr habe.

There are 122 replies in this Thread. The last Post () by Martin1980.

  • Hallo

    Erst einmal zu mir.

    Ich Meditiere seit Juli 2017 Jeden Tag ca. 40 min.

    Leide seit ca 30 Jahren an Depris und habe schon einiges durchprobiert Autogenes Training etc.

    Wurde 1Jahr Krankgeschrieb und habe gemerkt dass mir die Meditation sehr gut tut.

    Habe deswegen auch einige Bücher über Budhismus und Meditationstechniken gelesen.

    Je mehr ich Meditiere, desto mehr verstehe ich was in den Büchern "dargestellt" wird.

    Z.B von Yongey Mingyur Rinpoche >> Buddha und die Wissenschaft von Glück, das Buch habe ich jetzt 4 mal gelesen, und immer wieder endecke ich stellen wo ich merke" hoppla" jetz" weiss ich was damit gemeint ist, wie z.b. die Leerheit.


    Mich beschäftigt schon seit ein paar Wochen die Frage ob ich wenn ich mein Ego "ich" verliere keine Trauer und freude mehr empfinden darf und kann,es ist ja nichtsmehr da was sich an schönen dingen freuen oder traurig sein kann :?: nach meinen Verständnis nach ist es doch das Ego ich.

    Ich bin komplett verrwirrt, ich weiss nicht wie ich dass einordnen soll.

    Kann mir jemand aus meiner gedanklichen Sackgasse raus helfen.

    DANKE

  • Andreas

    Approved the thread.
  • Hallo und herzlich Willkkommen einbi (von Einbildung?),


    je mehr ich Meditiere, desto mehr verstehe ich was in den Büchern "dargestellt" wird.

    Z.B von Yongey Mingyur Rinpoche >> Buddha und die Wissenschaft von Glück, das Buch habe ich jetzt 4 mal gelesen, und immer wieder endecke ich stellen wo ich merke" hoppla" jetz" weiss ich was damit gemeint ist, wie z.b. die Leerheit.

    Ja, so kenne ich das auch. Aber wenn Du weißt, was Leerheit bedeutet, wieso verwirrt es Dich bzw. wieso hast Du Angst, Dein ICH zu verlieren?


    Mich beschäftigt schon seit ein paar Wochen die Frage ob ich wenn ich mein Ego "ich" verliere keine Trauer und freude mehr empfinden darf und kann,es ist ja nichtsmehr da was sich an schönen dingen freuen oder traurig sein kann :?: nach meinen Verständnis nach ist es doch das Ego ich.

    Ich bin komplett verrwirrt, ich weiss nicht wie ich dass einordnen soll.

    Kann mir jemand aus meiner gedanklichen Sackgasse raus helfen.

    Das Ego ist nicht das Selbst. Das Ego ist aus meiner Sicht ein Gerüstbau rund um Dich herum, dass Dir in Deinem Leben Halt und Orientierung bieten sollte, Dir eine Identität gab (umfangreicher Personalausweis ;)). Dadurch lerntest Du in der Schule und kannst Dich in der "Welt" zurechtfinden. Es hat also seinen Platz.


    Auch geht es nicht darum, sein ICH zu verlieren, sondern die Illusion, die wir damit verbinden, zu durchschauen und loszulassen.

    Wenn Du Dir die Beiträge hier im Forum mal genauer angesehen hast, sieht es da so aus, als ob wir Trauer und Freude nicht mehr empfinden? Oder der Dalai Lama, spricht er nicht sogar von Freude und sieht er nicht recht lustig aus, wenn er Witze macht?


    Zu Beginn der Lehre erscheint Vieles verwirrend, was man so liest. Deshalb verstehe ich Dich sehr gut.

    Es geht darum, sich und die Mechanismen des Lebens gründlich kennen zu lernen. Es geht um Untersuchen, herauszufinden, was stimmt mit der Lehre überein. Ist alles, was da steht, auf mich zutreffend oder für Mönche und Nonnen. Der Buddha selbst spricht von der Freude, die durch Fortschritt hochkommt und im weiteren auch motivierend wirkt.


    Die Emotionen, die es zu kontrollieren gilt, sind Emotionen, die aufgrund von Abneigung und Zuneigung und aufgrund von Konditionierung entstehen wie z.B. Trauer durch Anhaften an einem verlorenen Möbelstück oder falsch verstandenes Glück und kurzfristig fühlbare Freude über ein Schnäppchen oder einen neuen Wagen. Diese Emotionen vergehen ebenso schnell wie sie gekommen sind.


    Wahre Freude kommt aus dem Innern, genau wie wahre Trauer - z.B. über einen leidenden Weggefährten und nahe stehende Menschen. Dafür ist die Entwicklung wahren Mit-Gefühls sehr wichtig. Die Freude wiederum strahlt nach außen und wirkt sich angenehm auf andere aus.


    Auf jeden Fall ist es wichtig, dass Du Dich ganz geduldig mit Dir selbst und in Stille beobachtend von Moment zu Moment auf das einlässt oder Abstand hältst, was vor Deinen Füßen liegt.


    Dazu wünsche ich Dir viel Erfolg

    _()_

    Ich bin der Wahrheit verpflichtet, nicht der Beständigkeit.
    Gandhi

  • Das Ego ist aus meiner Sicht ein Gerüstbau rund um Dich herum, dass Dir in Deinem Leben Halt und Orientierung bieten sollte, Dir eine Identität gab (umfangreicher Personalausweis ;) ). Dadurch lerntest Du in der Schule und kannst Dich in der "Welt" zurechtfinden. Es hat also seinen Platz.

    Nennen andere aber nicht Ego sonder die (soziale) Matrix.

  • Das Ego ist aus meiner Sicht ein Gerüstbau rund um Dich herum, dass Dir in Deinem Leben Halt und Orientierung bieten sollte, Dir eine Identität gab (umfangreicher Personalausweis ;) ). Dadurch lerntest Du in der Schule und kannst Dich in der "Welt" zurechtfinden. Es hat also seinen Platz.

    Nennen andere aber nicht Ego sonder die (soziale) Matrix.

    Ich würde das "Ego" auch eher verorten unter der Einbildung, es gäbe ein irgendwie unwandelbares, wertvolles Ich in mir, so ein "ewiges Seelen-Ding".

    Das gibt es nicht, das zu erkennen, führt zu Leidbefreiung.

    Bezogen auf Freude oder Trauer: ich freue mich an der schönen Blüte einer Pfingstrose, die ich genau jetzt sehe. Aber "ich" werde nicht besser oder glücklicher, wenn ich sie pflücke oder tausend Pfingstrosenpflanzen in meinem Garten einsetze. Das bedeutet nicht, keine Freude - oder keine Trauer - zu empfinden, sondern sich nicht mit ihnen zu identifizieren.


    Ein schönes Thema und herzlich willkommen hier, einbi  :)

  • Hallo enbi,


    verlieren kann man auf dem spirituellen Weg eigentlich garnichts. Man bereichert sich im Gegenteil um eine neue Dimension, die man noch nicht kannte.

    Trauer und Freude gehören zu unserem Leben, egal ob wir meditieren oder nicht. Nur der Umgang damit ändert sich im Laufe der Zeit. Wir können lernen, diese Empfindungen nicht mehr künstlich zu verstärken oder zu unterdrücken. Sie tauchen dann einfach auf und gehen auch wieder. Wir stricken keine Geschichte mehr drum rum. Diese Empfindungen haben also die Tendenz, "echter" zu werden.


    Und nebenbei geht der innere Prozess, bei dem man sein Ego los lässt so allmählich von statten, dass man genug Zeit hat sich an die Veränderungen zu gewöhnen. Da brauchst Du also keine Angst haben. Das Ego wird einem ja nicht gegen seinen Willen weg genommen. Es findet nur ein kaum merklicher, innerer Prozess statt, der dazu führt, dass man sich nach und nach davon löst. Es geschieht bei der Meditation normalerweise nichts, für das man nicht bereit wäre. Am besten, man hat einen Lehrer an seiner Seite, den man immer wieder um Rat fragen kann.


    So kenne ich das jedenfalls aus der Zen-Tradition.


    _()_

  • Liebe Grüße einbi,


    willkommen im Forum.


    Ich wünsche Dir auf jeden Fall Freude und wenn Du Trauer als etwas annehmen kannst, an dem man wachsen darf, manchmal auch etwas Trauer :)


    Vielleicht sind Buddhisten etwas näher an der Mitte und die Ausschläge von Gefühlen gehen nicht in die Extreme. Das macht uns noch lange nicht zu Robotern ;)


    Lies mal A.X.1 Segen der Sittlichkeit und A.X.2 Gesetzmäßigkeit der geistigen Entwicklung

  • Mich beschäftigt schon seit ein paar Wochen die Frage ob ich wenn ich mein Ego "ich" verliere keine Trauer und freude mehr empfinden darf

    Wahrscheinlich wirst Du weiterhin Trauer und Freude empfinden.

    Möglicherweise wirst Du Dich aber mehr mit anderen Menschen freuen oder mit ihnen Trauer empfinden. Mitgefühl ist meiner bescheidenen Meinung nach ein Raum, der die Gefühle Anderer mitempfinden lässt.

    Ein "Ich" würde ich an dieser Stelle einfach wegdenken und mir keine Sorgen machen, ob "ich" noch trauern oder mich freuen darf.

  • Das Ego ist aus meiner Sicht ein Gerüstbau rund um Dich herum, dass Dir in Deinem Leben Halt und Orientierung bieten sollte, Dir eine Identität gab (umfangreicher Personalausweis ;) ). Dadurch lerntest Du in der Schule und kannst Dich in der "Welt" zurechtfinden. Es hat also seinen Platz.

    Nennen andere aber nicht Ego sonder die (soziale) Matrix.

    Meinst Du, Accinca, Deine Antwort ist hilfreich? Sie entspringt m.E. dem Ego. Und meine Kritik jetzt ebenso.8)

    Ich bin der Wahrheit verpflichtet, nicht der Beständigkeit.
    Gandhi

  • Aus tantrischer Sicht sind die Gefühle in ihrer Essenz Weisheit. Es gibt Gefühle mit "Ego" - dann wirken sie sich oft schädlich aus, aber es gibt die gleiche Energie auch ohne "Ego", dann ist sie Weisheit oder ein Ausdruck von Erleuchtung. Es gibt sogar eine Form von Freude, die direkt und ohne Bedingungen ist. "Höchste Freude" vs. "bedingte Freude". Bei positiven Gefühlen geht es für das Ego meist um die Frage von Gier und Anhaftung. Man will mehr davon, man leidet, wenn es da ist, weil man weiss, dass es nicht von Dauer ist, man leidet, wenn es wieder weg ist und giert schon nach dem nächsten Glücksmoment. Solche samsarischen Abläufe gibt es nach der Befreiung nicht mehr. Man braucht nichts, muss nichts festhalten, weiss um die Vergänglichkeit und kann so den Moment geniessen.

    "Respekt ist unsere Aufgabe und nicht ne falsche Maske, die ich aufhabe" (Fanta 4)
    OM BENDZA KILI KILAYA HUNG

  • Mich beschäftigt schon seit ein paar Wochen die Frage ob ich wenn ich mein Ego "ich" verliere keine Trauer und freude mehr empfinden darf und kann,es ist ja nichtsmehr da was sich an schönen dingen freuen oder traurig sein kann :?: nach meinen Verständnis nach ist es doch das Ego ich.

    Ich bin komplett verrwirrt, ich weiss nicht wie ich dass einordnen soll.

    Kann mir jemand aus meiner gedanklichen Sackgasse raus helfen.

    DANKE

    Lieber Einbi,


    herzlich willkommen! Schön, dass Meditation Dir hilft.


    Du hast da eine naheliegende und wichtige Frage.

    Nachdem Du das "Ego verloren hast", wie Du Dich ausdrückst, ist genau so viel da wie vorher, Gefühle, Empfindungen, Gedanken, ...; ein unveränderliches Ego gab es vorher ja auch nicht. Du gehst nur anders damit um.


    Das ist wie mit dem Weihnachtsmann. Wenn Du fünf bist, und Deine große Schwester sagt: "Es gibt gar keinen Weihnachtsmann", dann ist das leicht schockierend. Irgendwann wird Dir dann klar: Wenn es wirklich keinen Weihnachtsmann gibr, dann muss die letzten Jahre jemand anderes die Geschenke gebracht haben, die haben mit dem eingebildeten Weihnachtsmann gar nichts zu tun. Und wenn Du geklärt hast, dass dafür Deine Eltern zuständig sind, dann ist klar: Es gibt weiter Geschenke!


    Gefühle und Gedanken gibt es immer, ob Du an ein unveränderliches Ego glaubst oder nicht. Beide sind gar nicht auf die Egovorstellung angewiesen, sondern gehören einfach zu dem, das Du und ich Einbi nennen.


    Liebe Grüße, Aravind.

  • Meinst Du, Accinca, Deine Antwort ist hilfreich? Sie entspringt m.E. dem Ego. Und meine Kritik jetzt ebenso.

    Dem ersten Satz muß ich widersprechen, ja ich hielt es für hilfreich.

    Deinem zweiten Satz stimme ich zu.

  • Hallo eibni,

    nach meiner Erfahrung verliert man das Ego als letztes. Habe bisher noch niemanden kennengelernt, dem das gelungen ist. Gefühle wie Freude oder Trauer betrachtet man meisten irgendwann im Verlauf der Übungen als vergänglich und veränderlich. Aber sie entstehen immer wieder neu und immer wieder geht man in diesem langen Prozess anders mit ihnen um. Bei mir sind sie jetzt grade nach 8 Jahren täglicher Übung (und leider keine stramme 40 Minuten am Tag) wieder ganz klar und intensiv fühlbar. Das liegt an meinen momentanen Lebensumständen, von denen ich weiss, das sie sich auch wieder verändern. Bleib mutig dran und lass Dich verändern! Nichts bleibt wie es grade ist.

    Über die Buddhalehre dürfen wir uns nicht in Gedanken verlieren. (Kodo Sawaki)

  • Gefühle wie Freude oder Trauer betrachtet man meisten irgendwann im Verlauf der Übungen als vergänglich und veränderlich. Aber sie entstehen immer wieder neu und immer wieder geht man in diesem langen Prozess anders mit ihnen um.

    :like::like:

  • Hallo einbi ,


    ich würde dich darin bestärken wollen, nicht zu versuchen, etwas einzuordnen (dein Begriff), was du vielleicht bis jetzt nicht erfahren hast. Es sieht ein wenig so aus, als beschäftigten dich Vorstellungen darüber, wie es wohl sein würde. Die Verwirrung, von der du schreibst, resultiert also zum einen aus einer Vorstellung und weniger einer wirklich erfahrenen "Sache" (Du schreibst: Egoverlust, Verlust von Freude, Trauer)


    In diesem Fall halte ich deine Befürchtungen für gehaltlos. Meine Erfahrungen decken sich zB mit den Aussagen folgender Zitate aus Niemand 's Post, und ich bin mir recht sicher, dass von solchen Erfahrungen auch so einige andere noch berichten können.


    a) Man bereichert sich im Gegenteil


    b) Wir können lernen, diese Empfindungen nicht mehr künstlich zu verstärken oder zu unterdrücken. Sie tauchen dann einfach auf und gehen auch wieder. Wir stricken keine Geschichte mehr drum rum. Diese Empfindungen haben also die Tendenz, "echter" zu werden.


    c) Und nebenbei geht der innere Prozess, bei dem man sein Ego los lässt so allmählich von statten, dass man genug Zeit hat sich an die Veränderungen zu gewöhnen. Da brauchst Du also keine Angst haben. Das Ego wird einem ja nicht gegen seinen Willen weg genommen. Es findet nur ein kaum merklicher, innerer Prozess statt, der dazu führt, dass man sich nach und nach davon löst.


    Es ist aus meiner Sicht erfahrungsgemäß eine ganz wunderbare Sache. Wie neu die Dinge erscheinen. zB


    Die spontanen sehr positiven/ja: liebevollen Gefühle gegenüber Menschen, die man eigentlich doch so lange schon zu kennen glaubt. Meine Erfahrung auf jeden Fall!




    Einen schönen Abend wünsche ich allerseits



    :star:

  • Quote

    Mich beschäftigt schon seit ein paar Wochen die Frage ob ich wenn ich mein Ego "ich" verliere keine Trauer und freude mehr empfinden darf und kann,es ist ja nichtsmehr da was sich an schönen dingen freuen oder traurig sein kann


    Wichtig finde ich zu wissen, dass man Gefühle weder verbieten soll noch vorschreiben darf. Gefühle kommen einfach vor und man muss mit ihnen umgehen. Man kann sie studieren, umlenken, annehmen - aber verbieten geht schlecht.


    Ich glaube, wir haben viele psychische Probleme in unserer Gesellschaft, weil Kindern vorgeschrieben wird, wie sie sich zu fühlen haben.

  • Hallo

    Danke für eure sehr hilfreichen Antworten.

    Das stimmt , dass ich djetzt nur eine Vorstellung habe wie es sein könnte wenn man nicht mehr mit seinem Ego identifiziert ist.

    Ich bin noch nicht so weit, keine Ahnung wie weit ich wirklich bin.

    Mir fällt nur auf dass ich nicht mehr so schnell gereizt bin und andere nicht so schnel Beurteile und vor-verurteile.

    Komischerweise wenn ich über die Leerheit im Geist meditiere stellt sich innerlich so ein "abgekapseltes" Bild ein, auf einer Seite der reine frei Geist und auf der anderen Seite das "Ego ich". Wenn ich aber wieder im Alltag bin und eine Situation habe die mich voll einnimmt, bin ich wieder voll im Ego, erst wenn ich mir Bewust darüber werde kann ich mich schön langsam wieder davon lösen.

    Das ist irgendwie voll hinterhältig, erst bin ich im hier und jetzt und von einer auf der anderen Sekunde phne es zu merken bin ich wieder voll im "Ego ich".

    Ich weiss jetzt nicht ob ich mich klar genug ausgedrückt habe, aber ich weiss jetzt nicht wie ich es anders erklären soll.

    Bleibt dass hin und hergehüpfe so oder wird dass noch anders.


    Gruß

    einbi

  • Bleibt dass hin und hergehüpfe so oder wird dass noch anders.

    im Idealfall spürt man meiner Erfahrung nach irgendwann Beides gleichzeitig und verliert sich weder im Einen, noch im Anderen, aber das braucht Zeit. Jetzt kommt es Dir wahrscheinlich so vor, als sei die "Ego-Phase" das was komplett weg muss und der "reine, freie Geist" das, was die ganze Zeit ungetrübt da sein soll.

    Was Du da beschreibst ist völlig normal und nachvollziehbar :)

  • Quote

    Mich beschäftigt schon seit ein paar Wochen die Frage ob ich wenn ich mein Ego "ich" verliere keine Trauer und freude mehr empfinden darf und kann,es ist ja nichtsmehr da was sich an schönen dingen freuen oder traurig sein kann


    Wichtig finde ich zu wissen, dass man Gefühle weder verbieten soll noch vorschreiben darf. Gefühle kommen einfach vor und man muss mit ihnen umgehen. Man kann sie studieren, umlenken, annehmen - aber verbieten geht schlecht.


    Ich glaube, wir haben viele psychische Probleme in unserer Gesellschaft, weil Kindern vorgeschrieben wird, wie sie sich zu fühlen haben.

    Kindern und Erwachsenen . :)

    LG :sunny:

    Rühre an das Leere in Deinem Leben und dort werden Blumen blühen .

    :rose:'Volksweisheit'

  • Das ist irgendwie voll hinterhältig, erst bin ich im hier und jetzt und von einer auf der anderen Sekunde phne es zu merken bin ich wieder voll im "Ego ich".

    Ich weiss jetzt nicht ob ich mich klar genug ausgedrückt habe, aber ich weiss jetzt nicht wie ich es anders erklären soll.

    Bleibt dass hin und hergehüpfe so oder wird dass noch anders.

    Hallo einbi,


    bei mir hat sich das hin- und her hüpfen des Egos insoweit verändert, dass ich längere Konstanten habe, wo ich es selbst beobachten kann, dass ich mich gerade darin befinde.


    Es ist ein wenig so, als wäre man Zuschauer seiner eigenen Theaterinszenierung.


    Momentan greife ich aber in dieser Show noch nicht ein; sondern sehe mir erst einmal an, wie meine Abhandlungen aussehen und was es mit mir macht. Bei den hochkommenden Emotionen wie Traurigkeit, Ärger u.s.w. versuche ich dann voll in die Akzeptanz zu gehen.

    Und beim Glücklichsein, was für eine Frage, ich genieße es.:)


    Allerdings ist das auch kein einfacher Prozess und ob es dahingehend ein richtig und falsch gibt (wohl eher nicht) evtl. geht man nur das Risiko einer längeren Wegstrecke ein.


    Liebe Grüße von Schneelöwin

    Doch nichts verging je, was nur einen Augen-Blick wahr war.:sunny::rose:


  • Wenn ich aber wieder im Alltag bin und eine Situation habe die mich voll einnimmt, bin ich wieder voll im Ego, erst wenn ich mir Bewust darüber werde kann ich mich schön langsam wieder davon lösen.

    Das ist irgendwie voll hinterhältig, erst bin ich im hier und jetzt und von einer auf der anderen Sekunde phne es zu merken bin ich wieder voll im "Ego ich".

    Ich weiss jetzt nicht ob ich mich klar genug ausgedrückt habe, aber ich weiss jetzt nicht wie ich es anders erklären soll.

    Bleibt dass hin und hergehüpfe so oder wird dass noch anders.

    Da Du Dir bereits bewusst darüber bist, ist das m.E.n. schon ein guter (Fort-)Schritt. Und es ist keineswegs hinterhältig, denn es zeigt Dir ja immer wieder, wo Du stehst und woran Du arbeiten darfst/kannst/musst. Dieser Prozess dauert sehr lange.

    Zu erwarten, dass es schneller geht, führt nur dazu, dass es noch länger dauert, denn das Schneller-Gehen-Wollen ist Symptom des Egos. Wie überhaupt das Wollen zwar notwendig ist, um den Pfad zu gehen, aber hinderlich, wenn Ehrgeiz dazu antreibt. Das Wort EHR-GEIZ zeigt ja schon deutlich die Herkunft: Ego.


    "Der Schüler fragt einen Meister: Wenn ich bei Dir bleibe, wie lange dauert es, bis ich Erleuchtung finde? Antwort: 10 Jahre. Frage: Und wenn ich mich ganz besonders anstrenge? Antwort: 20 Jahre."


    Im übrigen drückst Du Dich sehr klar aus. All das, was Du erzählst, habe ich auch durchgemacht.

    Das Hin- und Hergehüpfe bleibt solange, wie Du nicht fähig bist, Stille zu halten, geduldig mit Dir selbst zu sein, loszulassen vom Wollen. Wenn Du einfach gehst, d.h. Dich weiterbildest in der Lehre des Buddha, die Lehre übst anzuwenden und tagtäglich von Moment zu Moment achtsam beobachtest, was mit Dir und um Dich herum geschieht, dann kommst Du irgendwann (bei Dir oder wo auch immer) an, selbst, wenn es in Wirklichkeit keinen Ort des Ankommens gibt. Dein Körper-Geist-System ist dann beruhigt, die Angst vor dem Leben, Ego oder Versagen ist fort, Frieden ist Dein täglicher Begleiter.

    _()_

    Ich bin der Wahrheit verpflichtet, nicht der Beständigkeit.
    Gandhi

  • Ich weiß nicht, ob meine Sichtweise jetzt für andere hilfreich ist, aber für mich ist Ego eigentlich nicht das Problem. Eigentlich gibt es "das Ego" als Größe und Entität nicht. Durch die Benennung wird ihm mehr Einfluss und Gewicht zugeschrieben, als es in Wirklichkeit hat, bzw. haben müsste.


    Es gibt unerwünschte Emotionen wie Neid, Ärger über Banales und verletzten Stolz etc pp. Ich finde es hilfreich, diese Emotionen im einzelnen zu betrachten, zu ergründen und zu entlarven. Wenn ich sie aber pauschalisiert als "mein Ego wiedermal" benenne, gebe ich ihnen eine Größe, nehme mir die Handhabe und fühle mich hilflos demgegenüber.

    Damit fördere ich auch nicht die Selbstakzeptanz und das Eigenmitgefühl. Somit wird der Weg, an sich zu arbeiten, grundlegend versperrt und man muss diese Hürde, den Schmerz über das Vorhandensein eines anscheinend mächtigen Egos, überwinden, um überhaupt mit der Arbeit anfangen zu können.


    Daher meine ich, "Ego" ist eine falsche Benennung, die einem die Arbeit nur unnötig schwer macht.


    Auch sollte Leerheitserkenntnis letztendlich nicht zu einem Gefühl des Abgeschnittenseins führen, da ja die Leerheit das ist, was alle Erscheinungen gemeinsam haben. Es gibt nicht hier die Leerheit und da die Welt mit den Egos. So wie man die Helligkeit und die Hitze eines Feuers nicht voneinander trennen kann, so ist Leerheit nicht von der Welt getrennt.

  • Du bringt es für mich wirklich genau auf den Punkt Losang Lamo.

    Als ich meinen Beitrag verfasste - hielt ich bei dem Wort Ego - inne und dachte/fühlte innen drin, diese Zusammenfassung "Ego" könnte eine Falle sein. Mir fiel jedoch die Aufschlüsselung/Differenzierung nicht ein (der Kopf machte förmlich kurz "dicht").

    Super, dankeschön! für Deinen differenzierten Beitrag - so kann man/ich weitergehen.:)


    Liebe Grüße von Schneelöwin

    Doch nichts verging je, was nur einen Augen-Blick wahr war.:sunny::rose:


  • Stimme auch Losang Lhamo voll zu. Ich habe noch eine weitere Formulierung, die vllt. hilft. Indem man das Ego als Entität wahrnimmt, ist es egal, ob man sich damit identifiziert oder sich davon distanziert. So oder so nährt man die Illusion, die es aufrecht hält. Man könnte das fast als "Überlebenstrick" des Ego bezeichnen, sich so oder so als nicht leer bemerkbar zu machen. Aber das Ego ist eben auch leer, heisst: hat keinen festen Kern, besteht aufgrund von Bedingungsgefügen. Diese Bedingungen sind v.a. Gedanken und Gefühle. Man könnte jetzt hingehen, und dieser Illusion die Kraft nehmen, indem man nicht versucht es loszuwerden, sondern man es als das was es ist erstmal akzeptiert aber sich auf seine Leerheit fokussiert.

    "Respekt ist unsere Aufgabe und nicht ne falsche Maske, die ich aufhabe" (Fanta 4)
    OM BENDZA KILI KILAYA HUNG

  • Wenn man das Ego als eine Idee von vielen sieht, die im eigenen Geist rumschwirren, kann man vielleicht den Gedanken überwinden, dass es notwendig wäre, dieses Ego ins Denken, Handeln und Entscheiden einzubeziehen.


    Eigentlich sitzt das Ego nur wie ein fetter Wombat im Höhleneingang und blockiert unseren Blick auf die Dimension unseres Denkens.


    Wir richten uns oft danach, was unser Ego sagt, Guru Ego, aber niemand kommt interessanterweise auf die Idee, den eigenen Fuß oder ein anderes Körperteil in der gleichen Weise in die Entscheidungen mit einzubeziehen.

  • Wenn man das Ego als eine Idee von vielen sieht, die im eigenen Geist rumschwirren, kann man vielleicht den Gedanken überwinden, dass es notwendig wäre, dieses Ego ins Denken, Handeln und Entscheiden einzubeziehen.

    Die Idee schwirrt da ja nicht nur chaotisch herum. Sondern aufgrund ihrer Existenz bedingt sie weitere Vorstellungen. Vielleicht rede ich da aber auch an dir vorbei gerade. Ich finde den Begriff "Ego" eigentlich nicht hilfreich. Wichtig ist es in meinen Augen aber schon zu wissen, wie sich die Vorstellungen gegenseitig bedingen. Und wie sie alle so oder so um den ICH-Glauben kreisen.




    :sunny: