Ab wann zeigt die Meditation ihre Wirkung?

17 Antworten. Letzter Beitrag () ist von holger_k.

  • Hallo Zusammen,

    kurz zu mir:

    Nach einer langen Depressionsphase + Therapie und inspierenden Gesprächen, habe ich wieder meiner spirituelle Ader gefunden. Wie schön, dass sie mehr wirkt als je zuvor.

    Mithilfe einiger Bücher, Schreiben und Meditation konnte ich schon einiges Bewirken. Daher gehe ich aus das meine positiven Fortschritte ein Zusammenspiel von allem ist.

    Allerdings bin ich was das meditieren angeht, noch recht ungeübt und unerfahren und greife daher gerne auf geführte Meditationen auf Youtube zurück.

    Mich interessieren, wie sehr greifen die Meditationen die ganz bestimmte Themen behandeln: Ängste loslassen, Liebesbeziehungen anziehen, Konzentration fördern etc. oder können Meditationen gar nicht so konkret wirken?

    Wie schnell stellen sich die Effekte der Meditation ein?


    Ich bin sehr gespannt auf die Antworten und vielen Dank im Vorraus der sich die Mühe macht, mir meine Fragen zu beantworten.

  • kilaya

    Hat das Thema freigeschaltet
  • Hallo und herzlich Willkommen Pixie,

    die Meditation zeigt vor allem Wirkung - wenn überhaupt :? -, wenn Du nichts erwartest, es einfach nur "tust", Dich dem, was da passiert oder nicht passiert, hingibst. Aber am wichtigsten scheint mir nach all meiner Erfahrung mit mir selbst und mit anderen, dass diejenigen, die sich hinsetzen, um etwas zu erreichen, jahrelang "üben" und schlimmstenfalls neidisch auf diejenigen guckend, die doch offensichtlich noch nicht so weit sind und Erfahrungen machen, die sie soooooo gerne gehabt hätten.


    Meditation ist ein Teil des Geistestrainings, so wie Muskelaufbautraining. Nicht jeder bekommt die gleichen Muskeln, aber auf jeden Fall macht es stärker. So ist es auch beim Geistestraining. Auf jeden Fall kostet es Anstrengung, Zeit, macht Arbeit.


    Dazu gehört auch das Reflektieren und Beobachten, das achtsame Gewahrsein dessen, was ist - jetzt und jetzt und jetzt - ohne das Geschehen zu bewerten. Und wenn Du hoffst, dann sei Dir eben des Hoffens gewahr und lass es - wenn möglich - immer wieder los. Sei Dir der möglichen Angst gewahr, schau sie an, ohne sie zu bewerten.

    Das Träumen von Liebesbeziehungen und deren Erfüllung ist nicht Meditation, aber sei Dir dessen gewahr. Meditation ist kein Erfüllungsgehilfe für weltliche Befriedigungen. Sie dient der Befreiung davon - zumindest sollte sie das.

    Sie kann zu besserer Konzentration führen.

    Ich wünsche Dir den Zugang dazu und viel Erfolg.

    _()_

    Ich bin der Wahrheit verpflichtet, nicht der Beständigkeit.
    Gandhi

  • Mich interessieren, wie sehr greifen die Meditationen die ganz bestimmte Themen behandeln: Ängste loslassen, Liebesbeziehungen anziehen, Konzentration fördern etc. oder können Meditationen gar nicht so konkret wirken?

    Wie schnell stellen sich die Effekte der Meditation ein?

    Guten Abend, pixie,


    meine Antwort ist gewiss nicht das, was Du erwartest, aber beschönigen nützt nichtṣ: es gibt keine Erfolge im Ruckzuck-Verfahren; Meditation bedarf disziplinierter Regelmäßigkeit, ... vorzugsweise ein Leben lang.


    Fakt ist: von Kindheit an prasseln unzählige Eindrücke und Reize auf den Menschen ein: Smartphone, Internet, Werbung aller Art, Fernsehsendungen, Radiosendungen, diverse Zeitschriften, Gespräche, Lautsprecherdurchsagen, Straßenlärm, etc. - Bewusstsein im Belagerungszustand. Gedanken reihen sich in einer Endlos-Schleife aneinander und beschäftigen den Geist zuweilen bis tief in die Nacht, stören den Schlaf und torpedieren die dringend nötige Erholung.


    Meditation, achtsam und regelmäßig ausgeführt, ist genau das, was dem wild herumhüpfenden, täglich überlasteten menschlichen Geist zuträglich isṭ ...


    Wichtig ist, zu verinnerlichen, dass Meditation kein Leistungssport ist. Mein Lehrer, ein tibetischer Mönch, erklärte mir: der tibetische Begriff für Meditation ist "gom": "Sich-gewöhnen-an" - und das bedarf vor allem der Regelmäßigkeiṭ.


    Suche Dir ein Meditationsobjekt, ... eines, das Dir zusagt, (nicht 'zig verschiedene), und gewöhne Dich daran, in dem Du Dich - ohne Erwartungen - hinsetzt und meditiersṭ ... Es kommt nicht auf die Länge der Sitzungen an, sondern, wie bereits mehrfach betont, auf die Regelmäßigkeit.


    Mit viel Geduld regelmäßig ausgeführt, (nicht nur einige Wochen oder Monate), wird der ernsthaft Meditierende langsam eine zunehmende innere Ruhe bemerken - ein "Sich-besser-konzentrieren-können", verbunden mit der Fähigkeit, den Geist während der Meditationssitzungen ein wenig besser auf das Meditationsobjekt gerichtet zu halteṇ. Das ist dann ein erster bescheidener Erfolg ...


    LG mkha'

  • Vielen Dank für deine ausführliche Antwort und die Denkanstöße, deine Antwort war sehr hilfreich.

  • Mich interessieren, wie sehr greifen die Meditationen die ganz bestimmte Themen behandeln: Ängste loslassen, Liebesbeziehungen anziehen, Konzentration fördern etc. oder können Meditationen gar nicht so konkret wirken?

    Wie schnell stellen sich die Effekte der Meditation ein?

    Es gibt 2 sehr unterschiedliche Arten von Meditation:


    Bei buddhistischen Meditationen geht es vorwiegend darum, die eigene Atmung zu beobachten. Natürlich kommen dabei immer wieder unterschiedliche Gedanken und Gefühle hoch. Man versucht sie anzunehmen, ohne sich groß in sie zu vertiefen und lenkt die eigene Aufmerksamkeit wieder zurück auf die Atmung. Natürlich hat so ein Training Auswirkungen, aber man meditiert nicht, um ein bestimmtes Ziel aus dem Alltag zu erreichen. Ähnliches gibt es in allen Weltreligionen.


    Die anderen Arten der Meditation möchte ich mal als reine Achtsamkeitstrainings bezeichnen, wobei das Niveau der Anleitungen und Versprechungen von schrott bis sehr wertvoll sein kann. Hier geht es immer um das Meditieren "um zu". Man will durch Meditation ein bestimmtes Ziel erreichen. Gute Lehrer für diese Achsamkeitstrainings findest du unter MBSR-MBCT Verband: Stress, Stressreduktion, Achtsamkeit, Meditation. Suche auch mal nach Jon Kabat-Zinn.


    Ich vermute, daß du dich mit deinen Fragen auf die 2. genannte Art beziehst. Leider habe ich damit keine Erfahrungen, weil ich selbst nur die buddhistische Meditation praktiziere. Aber vielleicht hilft dir das Buch (mit CD) "Ein Kurs in Selbstmitgefühl" von Maren Schneider weiter. Sie ist ausgebildete MBSR-Lehrerin und hat in diesem Buch ein 8-Wochen-Programm beschrieben. Auch wenn mir ihr Zeitfenster absolut utopisch vorkommt, ihre Anleitungen sind wirklich gut.

    Ich denke, wenn du ein paar ihrer Übungen machst, weißt du zumindest genauer, in welche Richtung du möchtest. Und wenn das dann doch die buddhistische Richtung sein soll, kannst du sie einfach fragen, denn sie ist auch Buddhistin. Natürlich gibt es auch viele andere gute Bücher und Lehrer, du erkennst Niveau daran, daß sie nicht mit schnellen Heilsversprechen kommen. Man muß beide Meditationsarten wirklich diszipliniert üben.

  • Hallo Bara,

    Bei buddhistischen Meditationen geht es vorwiegend darum, die eigene Atmung zu beobachten. ...

    Meines Wissens umfasst die "Buddhistische Meditation" einiges mehṛ. Die Atembeobachtung ist ein mögliches Meditationsobjekt, doch sie dient auch als eines der Hilfsmittel unter vielen, um den unruhig herumhüpfenden Geist eine zeitlang zu beschäftigen, um dann zum eigentlichen Meditationsobjekt zurückzukehren.


    Die zwei Hautrichtungen der Meditation sind, (so lerne ich es), die Konzentrative und die analytische Meditation


    Ruhiges Verweilen => Śamatha, (Sanskrit), samatha (Pali), gzhi gnas, gesprochen Shiné (Tibetisch), … das Ruhen des Geistes auf dem Meditationsobjekt ... Diese Art dient der Entwicklung der Geistesruhe, somit auch der Konzentrationsfähigkeit


    Klarblick, oder Einsichtsmeditation => Vipaśyana (Sanskrit), Vipassanā (Pali), Lhaktong (Tibetisch), ... das Erkennen der Drei Daseinsmerkmale, .... das Erkennen der Dinge, so, wie sie ihrer Natur nach sind ...


    (PS: Bin aber dankbar für jede ausführlichere Beschreibung - das ist nicht so mein Ding :roll:)


    LG mkha'

  • (PS: Bin aber dankbar für jede ausführlichere Beschreibung - das ist nicht so mein Ding :roll: )

    Ist doch gut erklärt! pixie : Zur Erläuterung den Autolinks folgen, da stehen Details.

    So ab 1000 Stunden, wenn du so fragst ;)

    Da muss ich natürlich meinen Standardspruch anbringen: 1000 Stunden. 200 Stunden, wenn Du Dich sehr anstrengst. 8)



    Liebe Grüße, Aravind.

  • Ich möchte Monika in einem kleinen Punkt widersprechen. Meditation dient nicht der Befreiung. Sie ist - meiner Meinung nach - lediglich ein Werkzeug. Wie ein Hammer. Oder besser: Eine Hantel. Wie Monika und die anderen sagen: Meditation soll Dir helfen, den Kreislauf der Gedanken wahrzunehmen.

    Meditation AN SICH bewirkt ansonsten gar nichts. Du kannst Dich sammeln. Was Du mit dieser Konzentration dann anfängst, ist Deine Sache. Die Samurai haben meditiert, um dann besser töten und sterben zu können. Es kann also auch zu zerstörerischen Zwecken verwendet werden - wie jedes Werkzeug.

    Du solltest Dich also fragen: WARUM willst Du meditieren?

    Wann es "was bringt" kann ich Dir nur aus meiner Erfahrung sagen: Es brachte "was", als ich begann, die Sammlung auch im Alltag zu verwenden. Also mehr auf meine Gefühle und Gedanken zu achten. Beim Streiten zu bemerken, dass ich wütend werde und dann bewusst nicht zurücknörgeln, sondern schweigen. Sowas in der Art.


    Zusammengefasst: Meditieren ändert nichts an Deiner Angst. Es kann Dir aber helfen, besser zu erkennen, wann sich Angst breit macht, dann innezuhalten und neue Wege auszuprobieren, mit der Angst umzugehen.

    Alles Liebe!

  • Ich möchte Monika in einem kleinen Punkt widersprechen. Meditation dient nicht der Befreiung. Sie ist - meiner Meinung nach - lediglich ein Werkzeug. Wie ein Hammer. Oder besser: Eine Hantel. Wie Monika und die anderen sagen: Meditation soll Dir helfen, den Kreislauf der Gedanken wahrzunehmen.

    Meditation AN SICH bewirkt ansonsten gar nichts. Du kannst Dich sammeln. Was Du mit dieser Konzentration dann anfängst, ist Deine Sache. Die Samurai haben meditiert, um dann besser töten und sterben zu können.

    Na, da definieren wir "Meditation" definitiv verschieden (Monika sicher auch), gibt ja auch viele Arten. Du redest "nur" von Sammlung und Konzentration. Einsichtsmeditation dagegen dient definitiv dazu, Dinge zu erkennen und dann zu verändern.


    Aber, wie Du sagst: Beide (Einsichtsmeditation und Samatha) sind Teile eines größeren Werkzeugskasten, der zur Befreiung im Sinne des Buddha führt (plus Metta, Achtfacher Pfad, Vier Edle Wahrheiten). Erst die Kombination mit dem Achtfachen Pfad schließt (nach unserer Lesart) Deinen Samurai aus.


    Liebe Grüße, Aravind.

  • Danke, Aravind. Du hast natürlich recht. Einsichtsmeditation läuft anders.

    Auch Einsichten wirken sich wohl erst aus, wenn man sie im Alltagsleben einbaut bzw. umsetzt. Wie dem auch sei, mein Beitrag war diesbezüglich unvollständig, Danke für die Korrektur.

    No worries, das Samuraibeispiel finde ich schon auch wichtig. Ich denke, man kann es hier nicht oft genug betonen, dass der Pfad des Buddhas eben Techniken und Ethik umfasst.


    Liebe Grüße, Aravind.

  • Mich interessieren, wie sehr greifen die Meditationen die ganz bestimmte Themen behandeln: Ängste loslassen, Liebesbeziehungen anziehen, Konzentration fördern etc. oder können Meditationen gar nicht so konkret wirken?

    Wie schnell stellen sich die Effekte der Meditation ein?

    Meditation ist ein ganz allgemeiner Begriff. So Videos auf YouTube wo Musik abspielt und jemand so beruhigenden Tonfall Sachen sagt, entsprechen dabei eher Autosuggestionen d.h. es handelt sich um eine Form der Selbsthypnose.


    Soweit ich gehört habe, wirkt Hynpose bei unterschiedlichen Leuten sehr verschieden. Es gibt Leute die durch Hynpose das Rauchen aufhören können und andere, bei denen es gar nichts bewirkt. Wie das der Zusmamenhang zwischen Autosuggesiton und buddhitischer Meditation ist, wäre interessant. Aber da bin ich überfragt.

  • ehrlich gesagt kommt das auf die passende meditation an. im buddhismus ist das ziel meist überweltlicher natur - für weltliche probleme gibt es eher nur im mahayana oder vajrayana dafür techniken. (bspw. liebesbeziehungen etc.)

    ansonsten würde ich mich an deiner stelle eher an andere (spirituelle) heilmethoden wenden mit den ängsten. um diese nur alleine mit buddhistischen meditationen aufzulösen, dauert es schon recht lange - vor allem ohne lehrer.

  • Vielen Dank Bara für deine Mühe. Ich werde mal recherchieren :-)

  • > Ängste loslassen

    Mingyur Rinpoche (empfiehlt aus eigener Erfahrung Shamata Meditation/Ruhiges Verweilen):

    My story - Using meditation to deal with panic attacks, stress & anxiety (bei youtube)


    > Liebesbeziehungen anziehen

    Tut mir leid, Meditation ist kein Mittel zur Wunscherfüllung