Christlicher Glaube und Buddhismus vereinbar?

There are 82 replies in this Thread. The last Post () by Anandasa.

  • Eine Religion ist ja ein Pfad. Der christliche Pfad besteht darin, die Ursache des Leides im Getrenntsein von Gott (Sünde) zu sehen, und im Vertrauen auf sein Wort ( das in der heiligen Schrift niedergelegt ist) und im Vertrauen auf das Beispiel das der Gottessohn Jesus gelegt hat, dieses Getrenntsein von Gott zu überwinden. Von daher sehe ich das Vertrauen auf die heilige Schrift da als einen zentralen Punkt an.


    Statt dem Begriff "Vertrauen" ist in dieser Religion oft der Begriff der "Liebe" zu finden. Hier könnte man Ähnlichkeiten im Sinne des ThreadErstellers untersuchen. Dazu müsste man sich evtl tiefer mit der Christlichen Mystik auseinandersetzen.


    Ich finde deine Interpration so stark, lieber void ... wirklich wahr. Es wird das aspekthafte DhammaVerständnis dieser Religion deutlich.


    Ich nehme an, einige Christen würden diese Formulierung von dir trotzdem nicht mitgehen. Obgleich es vielleicht viele andere gibt, die das verstehen und mitgehen könnten.



    :sunny:

  • Ich könnte mich auf diese Überlegung einlassen: Ich glaube an einen Schöpfer und ich glaube an eine Schöpfung und ich glaube, wenn man sich bemüht diese Schöpfung liebevoll zu gestallten kann man diesem Schöpfer nahe sein, wenn man sie destruktiv gestalltet distanziert man sich von ihm. Und das kann uns glücklich oder halt unglücklich machen.


    Aber in Wahrheit ist das doch alles nur ein herumtricksen. Das Christentum lebt auch keinen Pantheismus. Und wer die Bibel liest und ihr vertraut, wird das erkennen und auch erkennen, wie wichtig die Vorstellung eines Ichs oder Seele dort ist.

  • Aber in Wahrheit ist das doch alles nur ein herumtricksen. Das Christentum lebt auch keinen Pantheismus. Und wer die Bibel liest und ihr vertraut, wird das erkennen und auch erkennen, wie wichtig die Vorstellung eines Ichs oder Seele dort ist.

    Die Idee einer Seele wurde im Judentum erst zu Jesu Zeiten mit den Pharsiäern populär, während das traditionelle Judentum (die Sadduzäer) die Existenz einer Seele sogar explizit leugneten:

    Im Gegensatz zu den Pharisäern, deren Konstruktion einer mündlichen Tora sie strikt ablehnten, erkannten die Sadduzäer nur die schriftliche Tora als verbindlich an. Damit hing zusammen, dass sie die Hoffnung auf eine zukünftige Auferstehung der Toten und auf eine endzeitliche Vergeltung für die Gerechten nicht teilten. Vielmehr waren sie Anhänger einer innerweltlichen Vergeltungslehre, d.h. sie rechneten damit, dass der Mensch von Gott bereits im irdischen Leben Lohn und Strafe erhält. So schärften sie die Eigenverantwortlichkeit des Menschen für sein Tun ein.

    Die Idee der Seele ist etwas, was sich ert im rabbinischen (pharisäischen) Judentum herausbildete, dem ja auch der Rabbi Jesus angehörte. Davor ist es nicht nachzuweisen. ( Das Konzept der Seele in der hebräischen Bibel und in der jüdischen Tradition)


    Das Konzept einer Seele hat im Christentum nicht so sehr die Aufgabe zu demonstrieren, dass wir "inhärent existieren" sondern im Gegenteil, das alles von Gott her, aus Gott und auf Gott zu existiert. Sünde ist geradezu die Idee, man könne aus sich selber existieren und aus sich selber Sinn schöpfen.


    Auch wenn es Berührungspunkte gibt, ist die ganze Denkweise schon verschieden vom Buddhismus.

  • =)

    Und der Gut-Böse-Dualismus geht angeblich auf die Einflüsse aus dem Zoroastrismus zurück. Im AT war Gott noch ein gewöhnlich Gott, der manchmal grantig und manchmal lieb war. Erst später ist Gott zu dem Guten geworden.


    Wie auch immer man muss sich ja auch daran orientieren, was heute im Christentum gelehrt wird oder was halt im Katechismus der kath. Kirche steht.

  • Ich könnte mich auf diese Überlegung einlassen: Ich glaube an einen Schöpfer und ich glaube an eine Schöpfung und ich glaube, wenn man sich bemüht diese Schöpfung liebevoll zu gestallten kann man diesem Schöpfer nahe sein, wenn man sie destruktiv gestalltet distanziert man sich von ihm. Und das kann uns glücklich oder halt unglücklich machen.


    Aber in Wahrheit ist das doch alles nur ein herumtricksen. Das Christentum lebt auch keinen Pantheismus. Und wer die Bibel liest und ihr vertraut, wird das erkennen und auch erkennen, wie wichtig die Vorstellung eines Ichs oder Seele dort ist

    Im Buddhismus geht es ja darum, weder so zu begehren (ich möchte die schöne Welt und ich möchte die schön gestalten) noch so (ich möchte die Welt nicht und auf jeden Fall vermeiden, dass sich durch mich da etwas gestaltet) zu begehren.


    Insofern ist das in meinen Augen aus dieser Haltung heraus (LeidVerkettung ist da & LeidVernichtung ist möglich) auch alles nur ein herumtricksen. Ein sich selbst austricksen gewissermassen. Denn auch mit liebevoller Haltung zur Welt und liebevoller Gestaltung und Bemühung um die Welt wird man, die Lehre des Buddha zugrundelegend, keine LeidVernichtung verwirklichen. Allenfalls relativ. Aber darum geht es dem Buddha nicht. Um eine zeitweise, relative Milderung der leidvollen Entstehungen.




    :sunny:

  • =)

    Und der Gut-Böse-Dualismus geht angeblich auf die Einflüsse aus dem Zoroastrismus zurück. Im AT war Gott noch ein gewöhnlich Gott, der manchmal grantig und manchmal lieb war. Erst später ist Gott zu dem Guten geworden.


    Wie auch immer man muss sich ja auch daran orientieren, was heute im Christentum gelehrt wird oder was halt im Katechismus der kath. Kirche steht.

    Kathechismus ist so Qualitätskontrollzeugs - so etwas wie TÜV Normen anhand derer die Mechaniker der korrekten Exegese entscheiden, ob du glaubensmässig verkehrstüchtig bist. Also wenn es mir einfallen würde, zum Christen zu werden, dann würde ich nicht mit Kathechismus anfangen, sondern ich würde mir einen Menschen suchen, der Christentum authetisch lebt. Villeicht so einen Mönch - einen Jesuiten oder Franziskaner der sich stark mit Zen beschäftigt hat und einem dann helfen kann, so das was da ist authentisch christlich auszurichten. Wo man dann so eine private inngliche Bezihung zu Gott und Gluaben aufbaut, statt mit Glaubenartikeln zu ringen.

  • kesakambalo: Da brauchst du dich gar nicht so zu bemühen. Ich weiß, dass es viele nicht glauben aber die Lehre Gotamo Buddhos hat Christus beeinflusst. Bei G. Buddho heißt es: 1. Den Nächsten für sich selbst nehmen 2. Liebe, Mitleid und Erbarmen. Jesus ist zur Teufelsbegegnung gekommen und das ist sehr weit vorangeschritten für einen Menschen. Jesus hat sich auch zur Pflege der Einsicht in die Wüste zurückgezogen. die Einsicht ist ein wichtiger Teil der Pfeiler der Einsicht, des Achtfachen Weges. Da war dann noch was von den sieben, magischen

    Machtgebieten (Sidhis) genannt. Damit beende ich die Darstellungen der Gemeinsamkeiten.

  • Dazu gibt es m.E. keine einfache Antwort. Kein Ja und kein Nein, denn die Antwort ist abhängig von den Personen, die Du fragst. Manche Christen meinen, da der Buddhismus eine atheistische Philosophie sei, wäre der christliche Glaube nicht mit dem Buddhismus vereinbar.

    Manche christliche Mystiker sehen vor allem die Gemeinsamkeiten zwischen Christentum und Buddhismus, vor allem bei ethischen Aspekten. Der Versuch, die Feinde zu lieben ist im Buddhismus durchaus in vielen Praktiken verankert, denn welcher Praktizierende ist schon so weit, dass er seine Mitmenschen nicht mehr in "gut" (Freunde) und "schlecht ("Feinde") einteilt?

    Gerade das Thema "Leerheit" wird von manchen Christen regelrecht verteufelt, denn ihr Gottesverständnis geht davon aus, dass Leerheit und Gott nicht miteinander kompatibel ist. Wenn Gott leer von einer inhärenten Existenz wäre, wäre er vergänglich. Was wäre aber ein Gott, der vergänglich wäre?

    HI, zu der Ablehnung wegen der Leerheit, nehme ich an, dass die das nicht richtig verstanden haben, dass da

    mit ein Bewusstseinszustand gemeint ist, de am Ende der Vertiefung eintreten kann.

  • Dazu gibt es m.E. keine einfache Antwort. Kein Ja und kein Nein, denn die Antwort ist abhängig von den Personen, die Du fragst. Manche Christen meinen, da der Buddhismus eine atheistische Philosophie sei, wäre der christliche Glaube nicht mit dem Buddhismus vereinbar.

    Manche christliche Mystiker sehen vor allem die Gemeinsamkeiten zwischen Christentum und Buddhismus, vor allem bei ethischen Aspekten. Der Versuch, die Feinde zu lieben ist im Buddhismus durchaus in vielen Praktiken verankert, denn welcher Praktizierende ist schon so weit, dass er seine Mitmenschen nicht mehr in "gut" (Freunde) und "schlecht ("Feinde") einteilt?

    Gerade das Thema "Leerheit" wird von manchen Christen regelrecht verteufelt, denn ihr Gottesverständnis geht davon aus, dass Leerheit und Gott nicht miteinander kompatibel ist. Wenn Gott leer von einer inhärenten Existenz wäre, wäre er vergänglich. Was wäre aber ein Gott, der vergänglich wäre?

    HI, zu der Ablehnung wegen der Leerheit, nehme ich an, dass die das nicht richtig verstanden haben, dass da

    mit ein Bewusstseinszustand gemeint ist, de am Ende der Vertiefung eintreten kann.

    Mir scheint, du hast das nicht ganz verstanden

  • Hallo miteinander,


    wenn Sherab Yönten schreibt:


    "Gerade das Thema "Leerheit" wird von manchen Christen regelrecht verteufelt, denn ihr Gottesverständnis geht davon aus, dass Leerheit und Gott nicht miteinander kompatibel ist. Wenn Gott leer von einer inhärenten Existenz wäre, wäre er vergänglich. Was wäre aber ein Gott, der vergänglich wäre?",


    dann erinnert mich dies an ein Argumentationsmuster von Anhängern des Sravakayanas. Das besteht darin, dass sie sagen, weil die Leerheit die inhärente Existenz der Phänomene negiert, negiert sie die Existenz der Phänomene überhaupt. Sie setzen abhängige Bestehen mit inhärenter Existenz gleich.


    Die Leerheit ist kein Bewusstsein. Wäre sie Bewusstsein, dann wäre die Leerheit ein Geistesfaktor wie zum Beispiel Neid, Hass, Vertrauen, Vergegenwätrtigung usw.


    Die Leerheit ist ein philosophischer Begriff des Mahayana und ist - logisch gesehen - eine Verneinung. Sie verneint die Ansicht, dass die Phänomene ein Eigenwesen besitzen und unabhängig vom wahrnehmenden Bewusstsein existieren.


    Die Leerheit wird in den Mahayanaschulen inhaltlich allerdings unterschiedlich definiert.


    Gruß Helmut

  • Dem Christentum ist der Begriff "Leerheit" so fragwürdig weil da (außer in der negativen Theologie) von positiven Begriffen ausgegangen wird. Gott wird als der "Grund des Seines" und der Schöpfungsordnung gesehen und so sind auch die Welt und der Mensch grundsätzlich einmal gut.


    Während das "Verneinen" eher Satan zufällt. So ist klar, dass die buddhistische Verneinung leicht falsch aufgefasst werden kann.


    Man kann Missverständnisse ausräumen, wenn man betont, daß es um "Leerheit von eigenständiger Existenz" geht. Denn das versteht der Christ. Für ihn ist alles von Gott her und auf Gott zu zu verstehen, und der Versuch, eine eigenständige Position aufzubauen, wo der Mensch sich die Position als Schöpfer seiner selbst aufführt ist für ihn den Inbegriff der Sünde. So kann man ihm das erklären.


    Ein Theologe hat mal gesagt, dass der Christ Gott gegenübersteht wie ein Kind seinem Vater während der Buddhist ein tiefes Verhältnis zu Gott anstrebt in der er keine Person und kein gegenüber ist. Statt wie ein Kind dem Vater gegenübersteht ist es das Verhältnis eines Ungeborenen zur Mutter. Tief, intensiv aber nicht auf einer Personen-Ebene. Diesen Vergleich fand ich schön und er drückt viel Respekt gegenüber dem Buddhismus aus.

  • Dem Christentum ist der Begriff "Leerheit" so fragwürdig weil da (außer in der negativen Theologie) von positiven Begriffen ausgegangen wird. Gott wird als der "Grund des Seines" und der Schöpfungsordnung gesehen und so sind auch die Welt und der Mensch grundsätzlich einmal gut.


    Während das "Verneinen" eher Satan zufällt. So ist klar, dass die buddhistische Verneinung leicht falsch aufgefasst werden kann.


    Man kann Missverständnisse ausräumen, wenn man betont, daß es um "Leerheit von eigenständiger Existenz" geht. Denn das versteht der Christ. Für ihn ist alles von Gott her und auf Gott zu zu verstehen, und der Versuch, eine eigenständige Position aufzubauen, wo der Mensch sich die Position als Schöpfer seiner selbst aufführt ist für ihn den Inbegriff der Sünde. So kann man ihm das erklären.


    Die Selbstlosigkeit ist schon auch ein Ziel christlicher Ethik. Wenn ethisches Handeln auch die Folge graduellen Erkennens von anatta (worunter ich den Begriff "Leerheit" verstehe) ist, dann könnte man anhand des Begriffs Mitleid einem aufrechten (nicht nur nach Regeln & Riten sich orientierenden, sondern nach eigenen Erfahrungen) Christen womöglich etwas erklären.


    Karuna ist in Abhängigkeit von (bewussterem &/ unbewussterem) anatta-Verständnis. Und da gibt es bestimmt ein paar christliche Figuren, die so aussehen, als hätte zumindest das Herz eine richtige Richtung erkannt.


    Gewissermassen soll sich ein Christ schon als Schöpfer seiner Taten und deren Folgen begreifen (mit dieser Aussage wird man der theoretischen Behandlung des Themas WillensFreiheit innerhalb der Theologie nicht gerecht). Sünden bringen Folgen. Freigiebigkeit auch.


    Der Buddhist sieht "sich selber" vielleicht auch weniger als Schöpfer seiner selbst. Einen solchen Buddhisten, der nicht ein Ich als Ursache einer so oder so gearteten Schöpfung begreift, wird ein Christ womöglich nicht als Sünder verdammen.




    :earth:

  • Hi,

    meiner Ansicht nach, war Jesus Buddhist. Soweit ich weiß, ist er bis zu Maro Dusi gekommen.

    Da habe ich doch einmal gelesen, dass Jesus: Die Einsicht gepflegt hat. Das kam mir doch irgendwie bekannt vor.

    Was die christlichen Kirchen damit angefangen haben, steht natürlich auf einem anderen Blatt.

    Ich bin nicht nur von dem Buch über Issa, beeinflusst worden, mir sind da schon öfters, mehrere Parallelen aufgefallen.

  • Was ist eigentlich daran so wichtig, den Jesus so zu bezeichnen?


    Es gibt viele Menschen, die meinen, der Jesus hätte was begriffen gehabt. Auch ohne dass man ihn umbenennt. Wahrscheinlich ist der Jesus solange Buddhist, solange du meinst, dass Buddhisten was Gutes sind. Wenn du feststellst: nee, muss man evtl doch Unterschiede ziehen, dann sagst du das so einfach nicht mehr.


    Ich nehme an, da gibt es heute schon einige, die das öffentlich lieber nicht sagen wollen. Dass sie "Buddhisten" sind. Angesichts des Missbrauchs auch, der mit diesem Begriff "erwachen" oder "der Erwachte" betrieben wird.





    :earth:

  • Mir hat in der Bibel das Gleichnis vom barmherzigen Samariter gefallen. Ich lege das so aus, dass es darauf ankommt, konkret gut zu handeln. handelt Von denen die nicht helfen ist es dann egal, dass der eine Priester und der andere Levit ist. So lange ihr Denken nicht zum richtigen Handeln führt ist es egal, was sie für einen Status und was für ein Bekenntnis haben. Ob sie jetzt an Buddha oder Jahve oder sonstwas glauben. Das hilft alles nichts.


    Und umgekehrt ist es dann bei jemanden der richtig handelt vielleicht egal, ob er zusätzlich an eine flache Erde, Baumnymphen oder Leuchtwesen glaubt.

  • Ja! Genau diesem letzten Satz möchte ich zustimmen.


    Und sogar wenn jemand von Leuchtwesen spricht, kann es sich manchmal lohnen, da mal genauer hinzuhören. Vielleicht wird einem ja warm ums Herz und hier entsteht, relativ gesehen eine heilsamere Vorstellung über einen (angenommenen) Anfang des Seins, als die, die man jahrelang im wahrsten Sinne des Wortes: pflegte.




    :earth:

  • Da nehmen wir doch mal Schopenhauer:

    Aus „Die beiden Grundprobleme der Ethik“

    Kriterium der Handlungen von echt moralischem Wert.

    Legale Handlungen können aus egoistischen Triebfedern hervorgehen, aber nicht echt moralische. Dogmen sind zwar geeignet, Legalität zu erzeugen, aber nicht Moralität. Angenommen, dass der Glaube an Götter, deren Wille und Gebot die sittliche Handlungsweise wäre, und welche diesem Gebot durch Strafen und Belohnungen, entweder in dieser, oder in der anderen Welt, Nachdruck erteilten (siehe Neues Testament Matthäus 6.4: und dein Vater im Himmel, der sieht was du Wohltaten im geheimen tust, wird dich belohnen, Lukas 6.35: leiht ohne was zurückzuerwarten, eure Belohnung wird groß sein und ihr werdet Kinder das Höchsten sein), allgemein Wurzel fasste und die beabsichtigte Wirkung hervorbrächte; so würde dadurch zwar Legalität der Handlungen, selbst über die Grenze hinaus, bis zu welcher Justiz und Polizei reichen können, zu Wege gebracht sein; aber Jeder fühlt, dass es keineswegs Dasjenige wäre, was wir eigentlich unter Moralität der Gesinnung verstehen. Denn offenbar würden alle durch Motive solcher Art hervorgerufene Handlungen immer nur im bloßen Egoismus wurzeln. Dagegen ist das Kriterium der Handlungen von echt moralischem Wert die Ausschließung derjenigen Art von Motiven, durch welche sonst alle menschlichen Handlungen hervorgerufen werden, nämlich der eigennützigen im weitesten Sinne des Wortes. Abwesenheit aller egoistischen Motivation ist also das Kriterium einer Handlung von moralischem Wert.

    Die moralische Triebfeder.

    Die moralische Triebfeder muss schlechterdings, wie jedes den Willen bewegende Motiv, eine sich von selbst ankündigende, deshalb positiv wirkende, folglich reale sein; und da für den Menschen nur das Empirische, oder doch als möglicherweise empirisch vorhanden Vorausgesetzte Realität hat; so muss die moralische Triebfeder in der Tat eine empirische sein und als solche ungerufen sich ankündigen, an uns kommen, ohne auf unser Fragen danach zu warten, von selbst auf uns eindringen, und dies mit solcher Gewalt, dass sie die entgegenstehenden, riesenstarken, egoistischen Motive wenigstens möglicherweise überwinden kann. Dieser Forderung entspricht allein das Mitleid.

    Das heißt, es lässt nicht jenes selbst zu, das im Mitgefühl sich gefiele.

    Buddhismus: Mitleid darf nicht im geringsten Gefühl von Selbstzufriedenheit entstehen lassen, was ein egoistischer Grund ist.

    Somit: Sind christlicher Glaube und Buddhismus vereinbar?

    Nach Schopenhauer nicht.

  • Mir hat in der Bibel das Gleichnis vom barmherzigen Samariter gefallen. Ich lege das so aus, dass es darauf ankommt, konkret gut zu handeln. handelt Von denen die nicht helfen ist es dann egal, dass der eine Priester und der andere Levit ist.

    So lange ihr Denken nicht zum richtigen Handeln führt ist es egal, was sie für einen Status und was für ein Bekenntnis haben. Ob sie jetzt an Buddha oder Jahve oder sonstwas glauben. Das hilft alles nichts.

    Und umgekehrt ist es dann bei jemanden der richtig handelt vielleicht egal, ob er zusätzlich an eine flache Erde, Baumnymphen oder Leuchtwesen glaubt.

    Ich glaube zwar zu wissen was du meinst, würde ich aber so natürlich nicht sagen.

    In der Buddhalehre gibt es natürlich auch das emotional rechte Handeln aber das

    alleine ist kaum ausreichend den wahren Zweck der Lehre zu verstehen und zu realisieren.

    Der achtfache Pfad fängt eben mit der rechten Einsicht an und führt auch zum Verständnis

    der universalen Unbeständigkeit aller Dinge. Durch welche Taten diese auch immer

    entstanden sein mögen.

    Ohne da rechter Verständnis der Vergänglichkeit bzw. durch den Glauben

    an einen ewigen Schöpfergott usw. wird es kein Ende des Leidens geben können.

    Mit anderen Worten mag auch jemand barmherzig sein und das rechte tun,

    aber falsche Ansichten haben, wird es trotzdem kein Ende des Leidens geben.

  • Im Christentum bleibt man ein Leben lang ein Gläubiger.

    Im Buddhismus kann man den Glauben eines Tages hinter sich lassen.

    Ich würde zu einer intensiven buddhistischen Praxis (Schwerpunkt : meditation) raten.

    Ich bin katholisch erzogen worden.

    Ich war als Kind auch sehr gläubig.


    Aber Frieden, Glück, Freiheit, konnte ich erst im Buddhismus finden.

    Ich habe mal als Mönch ein christliches Kloster besucht. Die hatten dort eine Praxis die man durchaus als Samatha Praxis bezeichnen kann. Die haben auch gehmeditation praktiziert.

    Vielleicht wäre das was für Sie.


    Alles Gute für Sie!

  • Im Christentum bleibt man ein Leben lang ein Gläubiger.

    Im Buddhismus kann man den Glauben eines Tages hinter sich lassen.

    das gilt vielleicht für die kirchliche Tradition, aber auch im Christentum gibt es echte spirituelle Wege, die von den Mystikern und Mystikerinnen vorgezeichnet wurden. Diese Wege stehen dem Buddhismus in nichts nach. Wobei es es meiner Meinung nach im Buddhismus auch mehr Glaube gibt als man glaubt.

    Es ist nicht nur hier im Forum leider gang und gäbe beim Wort "Christentum" reflexartig von evangelisch oder katholisch auszugehen. Das ist aber längst nicht alles.

    Hi,

    meiner Ansicht nach, war Jesus Buddhist. Soweit ich weiß, ist er bis zu Maro Dusi gekommen.

    Da habe ich doch einmal gelesen, dass Jesus: Die Einsicht gepflegt hat. Das kam mir doch irgendwie bekannt vor.

    wen wundert das, wenn es um die gleichen spirituellen Tiefen geht? Dazu muss Jesus kein Buddhist sein und Buddha kein Christ. In letzter Konsequenz kann es da keinen Unterschied mehr geben. Beides sind nur Hilfskonstrukte die man qualitativ nicht gegeneinander aufrechnen sollte. Es hat nur jeder seine Vorlieben.

  • In letzter Konsequenz kann es da keinen Unterschied mehr geben.

    Beides sind nur Hilfskonstrukte die man qualitativ nicht gegeneinander

    aufrechnen sollte. Es hat nur jeder seine Vorlieben.

    Wenn es denn mal so wäre. Es sind eben nicht nur Vorlieben,

    sondern es sind grundsätzliche unterschiedliche "Vorlieben".

    Es gibt da zwei Extreme. Das eine Extrem ist: "Es gibt keine Unterschiede",

    Das andere Extrem ist: Es gibt nur Unterschiede.

  • Aus meiner Sicht gibt es unterschiedliche Hinführungsweisen zur gemeinsamen Basis. Die Essenz der Erfahrung, die die Religionsstifter gemacht haben wird eben unterschiedlich in Worte gefasst, obwohl sie sich nicht grundsätzlich unterscheidet. Gotteserfahrung oder Erwachen sind für mich das Gleiche. Wenn jemand den Weg konsequent geht, dann bleibt von den Worten eh nichts übrig, höchstens um mit Traditionsgefährten zu kommunizieren, aber nicht um sich selbst ein Bild davon zu malen, was man erfahren hat. Die Leute, die die Erfahrung machen bleiben eben in ihrer Tradition, weil es dort eingespielte Kommunikationsformen gibt, aber sie sind doch meistens sehr offen für die Worte der anderen Traditionen, weil sie erkennen, dass es um das Selbe geht.

    Was sind denn für Dich die großen Unterschiede bei den Vorlieben?


    Ich sehe es so, dass je nachdem, wie ein Mensch gestrickt ist der ein oder andere Weg besser geeignet ist, aber zeigen tun die Wege letztendlich auf den selben Punkt. Es ist nur so, dass es Unterschiede gibt, wie man leichter (oder überhaupt) dort abgeholt werden kann wo man zum Beginn der Suche steht.

  • Die Essenz der Erfahrung, die die Religionsstifter gemacht haben wird eben unterschiedlich in Worte gefasst, obwohl sie sich nicht grundsätzlich unterscheidet. Gotteserfahrung oder Erwachen sind für mich das Gleiche.


    Aber die "Essenzen" der Religionsstifter waren doch verschieden? Weswegen sie verschieden ausgesprochen wurden?


    Was war die Erfahrung von Jesus, und die Erfahrung von Mohammed, und die von Buddha? Ich würde gerne nachvollziehen, wie man zu der Auffasssung kommt, hier gäbe es eine gemeinsame Essenz dieser drei Erfahrungen.


    Die Essenz der Lehre des Buddha ist zB, dass das Dasein leidverstrickt ist. Auch das Dasein einer Gottheit.


    Was ist für dich eine "Gotteserfahrung"? Wenn da ein Gott zu jemanden spricht, ist das eine Erfahrung, die etwas mit "Erwachen" zu tun hat?




    :earth: