Wie kann ich "mehr" oder "öfter" gegenwärtig sein?


33 Antworten. Letzter Beitrag () ist von FloatingLight.

  • Hallo

    Ich las letztens das Buch von Eckhart Tolle " Jetzt! die Kraft der Gegenwart" und es gefiel mir einigermaßen gut, auch wenn ich mit einigen Stellen nicht einverstanden bin.
    Da ich gerade das Meditieren lerne, wenn man das so sagen kann, möchte ich auch im Alltag mehr Gegenwärtigkeit haben, da ich sehr oft am Tag einfach nur rum Fantasiere und mir meine Zukunft ausmale.

    Ich habe übrigens selber die Erfahrung gemacht, dass wenn man etwas plant, es zu 99% schiefgeht. Einfach aus der Logik heraus, dass ein Plan schiefgehen kann. Eine Idee dagegen, oder eine ungefähre Vorstellung dessen, was man tun möchte, hat eine viel geringere Fehlschlag Quote.


    Ich versuche momentan, wenn ich gegenwärtig sein will, mich einfach auf den Atem konzentrieren.

    Ich hoffe ihr habt Anregungen und Tipps, vielen Dank!

  • Es ist tatsächlich schlicht eine Frage der Gewohnheit und damit der Übung. Welche (buddhistische) Meditation auch immer Dir liegt, wenn Du diese regelmäßig übst, wirst Du automatisch präsenter. Denn in den meisten Meditationen übst Du ja das "in der Gegenwart sein" - egal ob Du auf eine Kerzenflamme, die Stille oder eine Buddhaform meditierst.


    Der Geist ist massiv geprägt von Gewohnheiten. Deswegen muss man viele Wiederholungen dessen, was man erreichen will, dagegen setzen. Dann verändern sich die Verschaltungen im Gehirn und das, was vorher eine Übung war, wird das Natürliche, Selbstverständliche.

    "Respekt ist unsere Aufgabe und nicht ne falsche Maske, die ich aufhabe" (Fanta 4)
    OM BENDZA KILI KILAYA HUNG

  • Zitat

    Wie kann ich "mehr" oder "öfter" gegenwärtig sein?

    Weniger Tolle lesen.



    .....möchte ich auch im Alltag mehr Gegenwärtigkeit haben, da ich sehr oft am Tag einfach nur rum Fantasiere und mir meine Zukunft ausmale.

    Wenn du merkst, dass du nur herum fantasierst, bist du doch gegenwärtig. Du merkst, dass du genau in diesem Moment das und das tust.

    Dein eigenes Herz, das inständig den WEG gehen möchte, ist Dein eigentlicher Lehrer.

    (Sen nô Rikyû)

  • Dieses Ideal solltest Du verwerfen. Du rennst (Gier) da einem Hirngespenst nach. Du wirst nicht gegenwärtiger, wenn Du alles mit einer Idealvorstellung abgleichst.. Du bist gegenwärtig/bewusst, sobald Du merkst, dass Du in Gedanken warst.

    Alles andere KANN sich mMn entwickeln, wenn Du Dich in der Praxis übst

    Den Schmetterling des Zen im Netz des Verstandes zu fangen; machen wir uns das klar, dass das nicht geht

  • Sie hat nichts mit der Lehre Buddhas zu tun, ich habe mich auch lange mit Tolle und der Advaita-Satsang-Szene auseinandergesetzt. Sie ist bis auf wenige Ausnahmen m.E. nicht zu empfehlen, da sie falsche Vorstellungen (z.B. Einen Idealzustand wie Gedankenlosigkeit als Erleuchtung darstellt) weckt, (Personen)kulte erschafft und kultiviert und eher/tendenziell (nicht bei allen Lehrern) zu einer Abhängigkeit (Lehrer-Schüler..ich denke da an so einige Protagonisten) als zu einer wirklichen Befreiung hinarbeitet, auch wenn viel Wahrheit in Satsangs geweckt wird.. mich jedenfalls hat es nicht weitergebracht und Verwirrung gestiftet

    Den Schmetterling des Zen im Netz des Verstandes zu fangen; machen wir uns das klar, dass das nicht geht

  • Meiner Ansicht nach kann und darf man alles respektvoll anerkennen, was letztlich dazu beiträgt, eine vollständige und erleuchtende Lehre zu finden. Man kann ja immer noch hingehen und sagen, z.B. bei Tolle ist dies und jenes hilfreich und zielführend, und dies und jenes sehen wir im Buddhismus anders, weil...


    Manchmal finde ich, dass man auch aus anderen Lehren etwas auf einer bestimmten Ebene gut dazu nehmen kann, da sich der Buddhismus aus welchen Grund auch immer dazu nicht äußert.... :)


    Hauptsache man vermischt die Sachen nicht und lässt die Dinge da, wo sie hingehören.

    "Respekt ist unsere Aufgabe und nicht ne falsche Maske, die ich aufhabe" (Fanta 4)
    OM BENDZA KILI KILAYA HUNG

  • möchte ich auch im Alltag mehr Gegenwärtigkeit haben, da ich sehr oft am Tag einfach nur rum Fantasiere und mir meine Zukunft ausmale

    Wenn mir das passiert, versuche ich mich auf meine Sinne zu konzentrieren, d.h. mehr hinzuhören, hinzusehen, zu riechen oder zu schmecken etc. Ich stelle mir Fragen wie "Was ist der hellste Punkt im Raum? Oder das leiseste Geräusch? Oder 5 Dinge finden, die ich gerade riechen kann. Beim Essen mich zu fragen, was ich da gerade alles schmecke, usw. Über die Konzentration auf meine Sinne kann ich mich dann ganz gut gedanklich aus der Zukunft oder Vergangenheit herausholen. Das hilft mir auch bei unangenehmen Gefühlen, wie z.B. vor einer Prüfung.


    Abgesehen davon hat sich meine Präsenz auch deutlich durch regelmäßige Meditation verbessert.

  • Weniger Tolle lesen.

    Was genau hast du denn an Tolles "Lehre" auszusetzen ? Nicht, dass ich sie gut finde, hat mir aber einen gewissen Einstieg in dieses Thema ermöglicht

    Guten Morgen Jomolca,

    lass Dich nicht irritieren, auch das Lesen von Tolle oder was auch immer in dieser Richtung kann Dir helfen, aus dem Affengeist herauszukommen.

    Ich habe - abgesehen von der formellen Meditation - jeden Moment genutzt, "die Kuh aus dem Beet zu holen". Es hilft sich bewusst zu sein, dass wann immer Du Dir des Abschweifens, Fantasierens, Grübelns usw. bewusst wirst, dass Du dann in der Gegenwart bist.

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    Ich bin der Wahrheit verpflichtet, nicht der Beständigkeit.
    Gandhi

  • Lass den Affengeist doch Affengeist sein....

    Dann hört er allmählich auf herumzutollen.

    Das kann man auch nur, wenn man genug Vertrauen hat.


    Als ich noch viel Angst vor meinen beruflichen Aufgaben hatte, weil ich überfordert war, aber eigentlich wusste, dass ich es kann, hat es mir sehr geholfen, mich ständig mit Literatur zu zentrieren. Zum Beispiel während der Bahnfahrt zu einer von mir organisierten Sitzung irgendwo in Deutschland. Ich war zu Anfang so aufgeregt, dass ich nicht mal am Vorabend etwas unternehmen konnte oder Freunde um mich haben wollte. Ich musste für mich sein, habe mich in spirituelle Literatur vertieft bis zum Einschlafen und am nächsten Tag vor der Sitzung oder auf dem Weg dorthin ebenfalls. Das hat mir sehr geholfen und mich total entspannt. Mein Geist war dann nur noch auf das gerichtet, was vor meinen Füßen lag.

    _()_

    Ich bin der Wahrheit verpflichtet, nicht der Beständigkeit.
    Gandhi

    Einmal editiert, zuletzt von Monikadie4. ()

  • Der Affengeist ist genauso Ausdruck des Seins, der Buddhanatur, wie alles andere, auch wie Gedankenstille! Es geht darum, nicht die Gedanken zum Schweigen zu bringen, noch ihnen nachzuhängen. Lass sie sein was sie sind, vorbeiziehende Wolken..

    Den Schmetterling des Zen im Netz des Verstandes zu fangen; machen wir uns das klar, dass das nicht geht

  • Dann hört er allmählich auf herumzutollen.

    Das kann man auch nur, wenn man genug Vertrauen hat.


    Als ich noch viel Angst vor meinen beruflichen Aufgaben hatte, weil ich überfordert war, aber eigentlich wusste, dass ich es kann, hat es mir sehr geholfen, mich ständig mit Literatur zu zentrieren. Zum Beispiel während der Bahnfahrt zu einer von mir organisierten Sitzung irgendwo in Deutschland. Ich war zu Anfang so aufgeregt, dass ich nicht mal am Vorabend etwas unternehmen konnte oder Freunde um mich haben wollte. Ich musste für mich sein, habe mich in spirituelle Literatur vertieft bis zum Einschlafen und am nächsten Tag vor der Sitzung oder auf dem Weg dorthin ebenfalls. Das hat mir sehr geholfen und mich total entspannt. Mein Geist war dann nur noch auf das gerichtet, was vor meinen Füßen lag.

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    Ohne Lesen und nachdenken komme ich auch nicht aus, wenn das auch zur Zeit etwas weniger geworden ist. Könnte man nur einige essentielle Wahrheiten, wie z.B. die Vergänglichkeit und Wandelbarkeit, bis auf den Grund durchschauen, wäre das besser als alles Wissen und logisches Schlussfogern scheint mir. Wenn es dazu auch oft hilfreich ist, von Menschen zu lesen die darin schon mehr Verwirklichung haben. Auch ist es wohl notwendig Konzepte zur Orientierung zu haben, die man dann durch Praxis und Meditation vertiefen kann.

  • Darf ich fragen, wie alt Du bist?


    Ich habe sehr viel Zeit mit Phantasien und Ausmalen der Zukunft bis -ich glaub -zu meinem 25. Lebensjahr.

    Wenn Du in diese Zeitspanne fallen solltest, dann finde ich es toll, wenn es Dir jetzt schon bewußt ist.

    :)

    Der Horizont existiert nur im Auge des Betrachters, nicht in der Wirklichkeit

  • Ich versuche momentan, wenn ich gegenwärtig sein will, mich einfach auf den Atem konzentrieren

    das hört sich doch gut an. Da kann man im Alltag richtig auf Entdeckungsreise gehen und schauen wieviele Gelegenheiten so ein Tag eigentlich bietet um immer mal wieder zwischendurch inne zu halten und ein paar bewusste Atemzüge zu machen. Meistens ist man dann überrascht wie viele Gelegenheiten das sein können.

    Man sollte diese Atemzüge bloß nicht mit dem Gedanken "Oh je, jetzt war ich wieder unachtsam" einleiten, sondern lieber mit "so, jetzt bin ich wieder achtsam", weil man sich sonst bloß unnötig demoralisiert. Es ist gut, achtsam zu sein und in dem Moment ist es völlig egal wo oder wie man gerade eben noch war.

  • Wer einen Plan hat wird beim Ausführen planlos.

    Sich Vorstellungen machen und daraus einen Handlungsplan machen und diesen auch, wenigstens anfangen umzusetzen und bei Zeiten aufzugeben, wenn man planlos geworden ist, Ziel erreicht- Ziel nicht erreicht, ist doch gut.

    Sich neue Pläne zu machen, neu das Erfahrene zu bedenken, ist doch gut.

    Eigentlich gibt es kein scheitern wenn ich mich nicht für meine Handlungen niedermache. Wenn ich glaube das ich gescheitert bin ist scheitern da oder wenn ich anderen glaube die mir sagen das ich gescheitert bin ist scheitern da.

    Wir wissen viel über das Entstehen und Vergehen doch sind wir unzufrieden mit dem dazwischen, dem scheinbar nicht Gegenwärtig sein weil eben kein Plan da ist, doch gerade da sind wir ganz in der Gegenwart, kein Plan, kein Entstehen, kein Vergehen, alles im Fluss der gegenwärtigen Wirklichkeit. Dann tun wir das was zu tun ist und glauben dann das wir doch einen Plan haben müssen um zu handeln. Müssen wir wirklich? Es reicht sich Ziele zu setzen und wenn diese erreicht, nicht erreichbar sind wieder eintauchen in den Fluss der gegenwärtigen Wirklichkeit im Tun was zu tun ist. Auch Tagträumen ist ausdrücklich dann erlaubt und gewollt. Wie sollen sonst Ziele erscheinen, bei Plänen weißt Du ja schon wie das geht.:)

    Ende der Fahnenstange, und nu?

    liebe Grüße. Helmut


    3 Mal editiert, zuletzt von Ellviral ()

  • Bei Thich Nhat Hanh gibt es eine Praxis der "Gathas".Er sagt, er hat das nicht erfunden, sondern dass das eine alte Praxis ist, die er als junger Thiền-Novize lernte. Die Gathas sind da so standartisierte "Anker des Innerhaltens", die man in seinen Tagesablauf einbaut z.B:

    • Aufstehen
    • Erster Schritt des tages
    • Händewaschen
    • Klo
    • Vor dem Essen
    • Nach dem Essen
    • Abwaschen
    • Putzen

    So als ertönt bei jedem dieser aölltäglichen Verrichtungen eine Glocke, die einen zur Achtsamkeit mahnt. Und zusätzlich hat er sich auch noch zeitgmäße Gathas für folgende Anlässe hinzugefügt:

    • Starten des Autos
    • Hochfahren des Computers.

    Es werden also buddhitische Anker geschickt im Alltag plaziert. Ich habe mal gehört, dass es auch im tibtischen Buddhismus Visualisisierugsthechniken eingesetzt werden, um Praxis im Alltag zu verankern. Wenn man jeden Tag S-Bahn fährt kann man sich ja an einer bestimtmen Stelle des Waggons einen Buddha vorstellen und die spezielle Praxis des "Metta für grantige Pendler" pflegen.

  • hahah ich bin 17:):):):):):grinsen::grinsen::grinsen::grinsen::lol::lol::lol::lol::lol::lol:

    Ich habe auch sehr viel Zeit verschwendet mit ausmalen meiner Zukunft

  • Ich habe auch sehr viel Zeit verschwendet mit ausmalen meiner Zukunft

    Och, solange das nicht "krankhaft" ist (also es Dich nicht ständig davon abhält, in die Gänge zu kommen), gehört das doch zum Leben dazu!


    Immerhin unterscheidet das uns nach der Meinung vieler vom Tier (naja, den meisten Tieren zumindest).


    Ich selbst bin da fein raus: Ich bin Unternehmer, mein *Job* ist es, mir unsere Zukunft auszumalen (und den Weg dorthin). :)


    Liebe Grüße,

    Aravind.

  • Ich finde, man kann auch ordentlich was dabei lernen, wenn man sich z.B. noch naiv seine Zukunft ausmalt und dann schaut, wie es tatsächlich kommt. Je nach dem, wie man diese "Daten" auswertet, oder wie man darüber kontempliert, kann man eine Menge lernen über

    Anspruch und Wirklichkeit,

    über Zeit,

    über Verläufe,

    Zufälle,

    falsche oder richtigere Einstellungen.


    Ich meine, vertane Zeit gibt es kaum, wenn man 17 ist, denn es ist ja alles Learning by doing. Oder mit anderen Worten, lass Dich von solchen Büchern nicht dazu bringen, unnötig streng mit Dir selbst zu sein.

    „Atmen statt Denken." (Filmzitat aus „Mängelexemplar")

  • Desto älter ich werde, desto weniger gibt es für mich die Empfindung von Zeitverschwendung. Es ist immer jetzt, alles, was ich erlebte und meinte richtig oder falsch entschieden zu haben, hatte seinen Grund. Wenn ich darüber nachdenke, was ich hätte anders machen können oder sollen, dann komme ich immer mehr zu dem Ergebnis, dass es weder möglich gewesen wäre aufgrund meines damaligen "geistigen Zustandes" noch sinnvoll. Alles griff logisch ineinander, eine Aneinanderkettung von Ursachen und Wirkungen. Wo wollte ich da anfangen? In der Kindheit? Es fängt schon damit an, welche Schule gewählt wurde usw. Vieles ist uns einfach nicht möglich zu erkennen. Wir werden ja nicht erleuchtet geboren. Wir müssen lernen. Auch unser Karma spielt dabei eine nicht unerhebliche Rolle. Und da ist alles hilfreich, wenn wir denn dabei sind zu erwachen. Nicht umsonst wird der Ausdruck "Erwachen" verwendet.

    _()_

    Ich bin der Wahrheit verpflichtet, nicht der Beständigkeit.
    Gandhi

  • Ich meine, vertane Zeit gibt es kaum, wenn man 17 ist, denn es ist ja alles Learning by doing. Oder mit anderen Worten, lass Dich von solchen Büchern nicht dazu bringen, unnötig streng mit Dir selbst zu sein.

    Ja also ich habe einfach krankhaft viel Zeug zusammen fantasiert:nosee:

    Aber ich habe tatsächlich so eine Gesetzmäßigkeit (bei mir!) festgestellt, dass sobald ich einen Plan habe, es schiefgeht.

    Habe ich dagegen eine Idee oder einfach ein Endziel, es sehr viel wahrscheinlicher geschieht.