A.IX. 41 Der Abgrund der Entsagung


35 Antworten. Letzter Beitrag () ist von mukti.

  • Das spricht mich an. Gibt es denn einen Texte, indem das Übel der Gedankenbildungen in eine Text konzentriert geschildert wird.

    Es gibt nicht nur einen Text, immer wieder wird ja gesagt man solle seinen Geist

    und eine Gedanken von schlechten Gedanken befreien. Z.B.: M19 und M 20

  • Man macht so etwas wie Entsagung im Leben ja schon immer wieder bewusst. Es gibt viele Menschen, die versuchen ihre Leidenschaften oder Süchte "in Maßen" auszuleben. Das ganze Leben besteht ja mitunter aus: sich zusammenreißen, einem Bedürfnis hier zu entsagen, dafür etwas zu tun, arbeiten zu gehen evtl.

    Schon, aber Entsagung bezieht sich in diesem Sutta anscheinend auf völlige Weltentsagung,. Die Einsicht dass ein weltliches Leben eigentlich nichts bringt, was im letzten Satz gipfelt: 'Unerschütterlich ist die Befreiung meines Geistes. Dies ist meine letzte Geburt. Kein neues Dasein mehr steht mir bevor.'


    Ja. Es ist ein Text, der die ganze Sache (LeidVernichtung) komplett von der Entsagung her bespricht.


    Ich wollte andeuten, dass die Menschen die Entsagung zT schon kennen. Auch die bewusstere Entsagung.


    Ich würde sagen, es wird hier weniger eine Einsicht besprochen, sondern ein Drängen (des Herzens/des Wollens), was auch mittels spezifischer Erwägungen bedingt/verstärkt werden kann.


    Es geht gar nicht so sehr um eine rationale Einschätzung, "dass ein weltliches Leben eigentlich nichts bringt", oder um eine "Weltentsagung". Es geht um Entsagung bedingt entstandener Hervorbringungen, die man als (subtile aber trotzdem mächtige) "Verunreinigungen" empfindet, weil man (oder das Herz) eine Ahnung von einer Sache hat, die mit Gedanken und Begehren und Empfindungen nichts zu tun haben. Nicht das mindeste. So fein und subtil diese Dinge auch sind.


    Die Metapher von einer still liegenden Wasseroberfläche und einem kleinen Stein, den man hierauf wirft, und wie das den Zustand der WasserOberfläche verändert, ist vielleicht eine hilfreiche Metapher in dem Zusammenhang.


    Es geht in diesem Text weniger um den Stein oder die Welt und eine Entsagung davon, sondern um die WasserOberfläche, die still bleiben soll.


    So lese ich das jedenfalls.




    :earth:

  • Ja. Es ist ein Text, der die ganze Sache (LeidVernichtung) komplett von der Entsagung her bespricht.


    Ich wollte andeuten, dass die Menschen die Entsagung zT schon kennen. Auch die bewusstere Entsagung.

    Entsagung ist kaum jemandem unbekannt, entweder weil man unfreiwillig dazu gezwungen ist oder weil man durch sie etwas bestimmtes erreichen oder erhalten will.

    Ich würde sagen, es wird hier weniger eine Einsicht besprochen, sondern ein Drängen (des Herzens/des Wollens), was auch mittels spezifischer Erwägungen bedingt/verstärkt werden kann.


    Es geht gar nicht so sehr um eine rationale Einschätzung, "dass ein weltliches Leben eigentlich nichts bringt", oder um eine "Weltentsagung". Es geht um Entsagung bedingt entstandener Hervorbringungen, die man als (subtile aber trotzdem mächtige) "Verunreinigungen" empfindet, weil man (oder das Herz) eine Ahnung von einer Sache hat, die mit Gedanken und Begehren und Empfindungen nichts zu tun haben. Nicht das mindeste. So fein und subtil diese Dinge auch sind.

    Wie ich das verstehe und teilweise selber erlebe kann der Gedanke "etwas Gutes ist die Entsagung" entstehen durch die Erkenntnis, dass Dasein untrennbar mit Dukkha verbunden ist. Muss aber nicht zwangsläufig entstehen, viele meinen es gibt viele schöne Sinnesdinge, dafür muss man das Leid halt in Kauf nehmen. "Dafür dass man lebt, muss man sich zwicken lassen" (Wilhelm Busch). Dann gibt es auch kein Motiv und keinen Willen für Entsagung im Sinne von Weltabkehr.


    Anders ist es wenn man zu dem Schluss kommt dass keine Sinnesfreude das Leid rechtfertigt und wenn man vom Leiden endgültig die Schnauze voll hat. Auch wenn man die Sache genauer betrachtet und draufkommt dass es ein ständiges unbefriedigendes Streben gibt, eine dauernde natürliche oder auch übersteigerte Bedürftigkeit als Handlungsantrieb, die nur zeitweise unterbrochen ist durch Glück und Zufriedenheit. Dann erscheint das Leben sinnlos, man bringt sich entweder um oder forscht nach einem Ausweg.


    Erkennt man schließlich den Zusammenhang zwischen Begehren und Dukkha, entsteht zwangsläufig der Gedanke "etwas Gutes ist die Entsagung". Indem aber der begehrliche Drang nach Sinnesdingen dem Drang nach Entsagung entgegensteht, muss das "Übel der Sinnesdinge", Ihre Unzulänglichkeit und Unzuverlässigkeit, vollkommen durchschaut werden, damit das Wollen alleine nach Befreiung streben kann.


    Zitat

    Und in der Folgezeit, Ananda, erkannte und erwog ich oft das Übel der Sinnendinge, und ich empfand und erwirkte den Segen der Entsagung, so daß mein Herz einen Drang fühlte zur Entsagung, dazu neigte, sich darin festigte und darin Befreiung fand, in der Erkenntnis: 'Das ist der Friede!


    Der Segen oder das Glück der Losgelöstheit wird dann erwirkt und empfunden durch die in dieser Lehrrede beschriebenen Vertiefungen, so lange und so weit ausgeübt, bis sie vollkommen und unumkehrbar ist.


  • mukti


    Ich will dem, was du schriebst nicht widersprechen. Nur ergänzen:


    Man entsagt immer jeweils. Und auch (bestimmten) Gedanken, die ich als befleckte "Regungen" des Geistes beschreiben würde.

    Das kann unmittelbar erfahren werden. Die Befleckung und damit der Grund für diese "persönliche Entscheidung", dem zu entsagen.


    Ich möchte schreiben, dass man es direkt als "unangenehm empfinden" kann, jegliches Aufsteigen eines Gedankens.


    "Unangenehm" in Unabhängigkeit zu anderen Gedanken oder Wünschen. "Nicht angemessen", diese richtigere Formulierung kenne ich noch





    :earth:

  • Zunächst mal will der Mensch das Leben genießen. Ohne ein Mindestmaß an Lebensfreude geht überhaupt nichts, wie etwa bei Depression und Apathie. Daher ist auf der unteren Ebene die Erkenntnis bedeutsam: Entsagung steigert den Genuss. Z.B. schmeckt das Essen am Besten wenn man richtig Hunger hat, weshalb man auch sagt, Hunger ist der beste Koch. Verwöhnung mit Genüssen führt zu einer Abstumpfung der Sinne, weil sie eine begrenzte Aufnahmefähigkeit haben. Wer alles jederzeit zur Verfügung hat und maßlos konsumiert, dem wird das Leben schal bis zum Überdruss. So ist unsere Wohlstandsgesellschaft nicht gerade durch unbeschwerte Fröhlichkeit gekennzeichnet, und schon belanglose Sachen lassen Gereiztheit entstehen.
    Vergleicht man die Stimmung in einer belebten Großstadt einer Industrienation mit der in einer abgeschiedenen Siedlung in der sogenannten dritten Welt, wo jeder gerade das hat was er zum Leben braucht, bestätigt sich der Spruch: "Die Zufriedenheit wohnt in den einfachen Hütten" (Schopenhauer, Aphorismen zur Lebensweisheit). Oder Epikur: "Ehrenvoll ist fröhliche Armut" (Seneca, Briefe an Lucilius).


    Obwohl das banal erscheinen mag, ist es leider was Besonderes nur das zu konsumieren, was wirklich zur Erhaltung nötig ist. Nicht weil man dazu gezwungen ist, sondern aus der Einsicht heraus, dass das frei und glücklich macht. Wieviel schwere Lasten würden von der Welt genommen, wenn die Menschheit nur diese simplen Tatsachen beherzigen könnte.

    Wer Dukkha vollständig beenden will, dem bleibt dann auch viel Zeit um sich mit höherer Philosophie zu befassen. Auf einer besseren Grundlage als inmitten von Luxus im Fauteuil am Computer über buddhistische Entsagung zu philosophieren. Aber würde es mir nicht selber an dieser Vernunft mangeln, hätte ich längst 80% meines Besitzes mitsamt dem Laptop weggegeben. So aber reicht die Einsicht nicht aus, um nur über die ersten Schritte hinauszukommen, während ich mir über den Buddhismus im Westen Gedanken mache und mich über die Verfehlungen anderer ereifere.

  • :) ... Mukti, sei nicht so streng zu Diṛ ...


    Der Mittlere Weg ist kein Pseudonym für absolutes Entsagen, für ein Leben ohne Dach über dem Kopf und der Speisung durch das Füllen-lassen der Bettelschale. Jedem Menschen - auch den sehr wohlhabenden - ist es möglich, zum Wohle aller tätig sein. Manch einer agiert bescheiden im Hintergrund, meidet die Nennung seines Namens in den Medien, und wirkt helfend wo immer es ihm möglich ist.


    LG mkha'