Buddha auf Klodeckel

41 Antworten. Letzter Beitrag () ist von pops.

  • Ich wollte mal etwas erwähnen, was ich persönlichen ziemlich doof finde. Ich habe mal in einem Baumarkt eine Klobrille mit Klodeckel gekauft. Und was sehe ich da?: Einen Klodeckel mit Buddha drauf. Gibt es auch bei Amazon. Natürlich kann es meditativ sein, den alten Ballast abzuwerfen. Und 💩 hat ja letztlich auch Buddhanatur. Ich finde es aber respektlos, Buddha auf einen Klodeckel zu drucken. Schade wenn Buddha zum Wellness- Artikel reduziert wird. Vor allem als Klodeckel. Gibt es im asiatischen Raum, auch Klodeckel mit Jesus drauf? Wahrscheinlich nicht, die haben wahrscheinlich mehr Respekt vor anderen Kulturen, auch wenn sie vielleicht einiges von unseren Traditionen missverstehen.


    Was haltet Ihr von dieser Respektlosigkeit, oder ist es vielleicht einfach nur gedankenlos?

    👣Eine Reise von 1000 Meilen beginnt mit dem 1. Schritt. Lao Tse👣

  • Ich finds eher merkwürdig, sich über solche künstlichen "Respektlosigkeiten" aufzuregen..und wenn Buddha auf dem Klopapier ist...? Die Frage ist, wo ist "Buddha" nicht? Buddha juckt es nicht ob man Witze drüber reisst oder sonstwas.. ich bin auch kein Fan von solchem Kitsch, aber drüber aufregen find ich auch schwachsinnig.. Buddha muss nicht beschützt werden, kann nicht beleidigt werden oder beschmutzt

    Den Schmetterling des Zen im Netz des Verstandes zu fangen; machen wir uns das klar, dass das nicht geht

  • Bilder und Figuren von Buddha werden ja zu allen möglichen Dekorzwecken verwendet, aber Klodeckel ist schon besonders pietätlos finde ich.

    Das liegt an der persönlichen Identifikation mit dem Label Buddhismus mMn

    Den Schmetterling des Zen im Netz des Verstandes zu fangen; machen wir uns das klar, dass das nicht geht

  • Bilder und Figuren von Buddha werden ja zu allen möglichen Dekorzwecken verwendet, aber Klodeckel ist schon besonders pietätlos finde ich.

    Das liegt an der persönlichen Identifikation mit dem Label Buddhismus mMn

    Es liegt an dem was man mit Buddhismus verbindet - oder eben nicht.

  • Wenn ich durch die Stadt gehe, sehe ich viele Buddhstatuen in Schaufenstern.


    Das kommt wohl daher weil Buddha mit Ruhe, Entspannung und Sanftmut verbunden wird, und von daher dann mit Wellness. Ein Buddha-Kloodeckel ist also ein wenig die Botschaft "Mögest du an diesem Ort so entspannt ruhen wie ein Buddha". So versuche ich das zu nehmen, aber repektlos ist es natürlich auch, weil Buddha auf diese Aspekt reduziert wird und dabei all die anderen Aspekte flöten gehen.


    Ich frage mich, was passieren würde, wenn man das Gegenteil machen würde - wenn eine Gruppe überall wo eine Buddhstaue und Darstellung ist anzufangen würde, diese religiös zu verehren. Also Blumen niederzulegen, Raucherstäbchen anzuzünden, Gesänge anzustimmen. Die Klobrille im Baummarkt hochzuklappen und davor Niederwerfungen zu machen oder Sutren zu rezitieren.


    Wie würden die Leute reagieren, wenn der Andachts-Flashmob auftaucht und ihre Buddhstatuen als Buddhstatuen behandelt statt als Dekoartikel? Würde man dann rausgeschmissen werden? Was würde passieren, wenn die Dartsellung des Erhabenen zurück-vereinnahmt würde?


    Aber wäre das im Sinne Buddhas, oder war es nicht so dass dieser weder Statuen noch Reliquienverherung noch Gesänge sehr schätzte?

  • Ich will garnicht wissen, was passieren würde, wenn man nen Jesus am Kreuz oder Mohammed auf nen Klodeckel drucken würde...

    Naja, dann hast du noch nie das Internet durchforstet. Da gibts weitaus schlimmeres.

    :buddha: Es geht immer darum, sich in die Unannehmlichkeiten des Lebens hineinzulehnen und sich diese ganz genau anzuschauen. :buddha:

  • Das liegt an der persönlichen Identifikation mit dem Label Buddhismus mMn

    Es liegt an dem was man mit Buddhismus verbindet - oder eben nicht.

    Wenn Du Dich mit etwas identifizierst und dieses etwas wird nicht nach Deinen Vorstellungen behandelt/verwendet oder gar angegriffen entsteht die Empörung in Deinem Kopf - auf grund der Identifikation damit..Du legst Dein Selbstkonzept/Ich quasi in diese Sache...

    ...es hat nichts damit zu tun was man damit einfach verbindet/assoziiert...so wäre Dir es womöglich völlig etwas wenn irgendeine andere Symbolik kontextfremd verwendet würde.. auch wenn Du es anders zuordnen würdest...

    Den Schmetterling des Zen im Netz des Verstandes zu fangen; machen wir uns das klar, dass das nicht geht

  • Es gibt Leute, die finden einen Buddha auf dem Klodeckel irgendwie gut (aus vermutlich zumindest für mich schwer nachvollziehbaren Gründen), und zwar so gut, dass sie dafür Geld ausgeben. Also gibt es auch Leute, die eine solche Nachfrage befriedigen und damit Geld verdienen.


    Ich persönlich habe dafür eigentlich nur ein Kopfschütteln übrig, aber ich kann verstehen und nachvollziehen, wenn Menschen, die sich als Buddhisten sehen, darauf verletzt reagieren. Wer bin ich denn, ihnen da zu viel Selbstanhaftung vorzuwerfen? Und ich räume ein, solche Respektlosigkeiten gegenüber Kulturen und Religionen, die man nicht wirklich kennt, für kein Ruhmesblatt unserer angeblich so aufgeklärten Kultur zu halten. Die Vermarktung religiöser Symbole ist eine Frage zum einen der Profitmaximierung und zum anderen des damit verbundenen unternehmerischen Risikos. Wobei gerade letzteres den Buddhismus zu einem bevorzugten Objekt macht. Mit Toilettenpapier, auf dem Porträts von Mohammed gedruckt wären, ließe sich zur Zeit massig Geld machen - aber das unternehmerische Risiko ... Bei Buddhisten ist die Wahrscheinlichkeit geringer, dass sie sich auf den Straßen zusammenrotten, herumschreien und Fahnen verbrennen. Die religiösen Symbole der Mehrheitskultur zu mißbrauchen hingegen ist allenfalls Privileg der Kunst, nicht der Wirtschaft, die da unweigerlich mit Umsatzeinbußen zu rechnen hätte.


    Wie geht man - falls man es überhaupt für sinnvoll hält - mit solchen Dingen um? Als vor ein paar Jahren in Baumärkten Badematten (wenn ich mich recht erinnere) auftauchten mit Buddhabildern, gelang es nach einiger Recherche, den Großhersteller in Österreich ausfindig zu machen. In dessen Programm speziell dieses Dekor eines von hunderten war. Dort entsprach man der Bitte und nahm das Dekor aus dem Programm - wobei es sicherlich hilfreich war, durchblicken zu lassen, dass man sich bewusst sei, es mit einem Weltkonzern zu tun zu haben, zu dem auch eine moderne Produktionsanlage in Japan gehört (die für den ost- und südostasiatischen Markt produziert). Da wird man schon einmal dort angerufen und nachgefragt haben, wie so ein Dekor bei der Kundschaft dort ankäme ... Klappt leider selten so gut - aber man muss einfach versuchen, deren Sprache zu sprechen.


    _()_

  • Wie würden die Leute reagieren, wenn der Andachts-Flashmob auftaucht und ihre Buddhstatuen als Buddhstatuen behandelt

    hahahaha! Das ist eine herrliche Idee :D Kennt ihr Remy Gaillard? Der macht Streiche, die ganz in dem Stil sind.



    Aber wäre das im Sinne Buddhas, oder war es nicht so dass dieser weder Statuen noch Reliquienverherung noch Gesänge sehr schätzte?

    Das ist allerdings eine gute Frage. Die Zennies neigen ja eher dazu, das Ganze sehr nüchtern zu betrachten und handzuhaben. Doug Smith hat das in einem VIdeo recht interessant erläutert, wie im Laufe der Entwicklung des Buddhismus die Tendenz zur Hagiographie des Erwachten immer größer wurde.

  • Das gibt es tatsächlich (?), sogar aus Holz und mit Absenkautomatik. :shock:


    Eine gute Freundin hat mir einmal ganz stolz eine Packung Tischservietten mit einem Buddhaporträt geschenkt. Obwohl sie sehr religiös ist (christlich-eritreisch orthodox) hat sie sich dabei wohl keine Gedanken gemacht. Ich umso mehr und ich konnte diese Dinger weder wegwerfen noch benutzen. Über mehrere Umzüge hinweg sind sie dann irgendwann zum Glück verschollen. Bei einem Klodeckel hätte sie wohl auch gezögert.


    Bei Shunryu Suzuki (Seid wie reine Seide und scharfer Stahl, Heyne 2006)) habe ich grad das Kapitel über "Toiletten Zen" gelesen. Hier geht es um Zen und darüber, dass man an nichts haften kann. er beschreibt den "Kanshiketsu" Koan aus den Mumonkan Fall 21 und übersetzt den "Scheissstock" mit Toilettenpapier. Der Vortrag endet mit den schönen Zitat: "Glücklicherweise oder unglücklicherweise, auch wenn wir es nicht mögen, müssen wir aufs Klo gehen, das stinkige Klo. Tut mir leid, aber ich denke, wir müssen aufs Klo gehen, so lange wir leben. Wenn ich jünger wäre, würde ich jetzt ein japanisches Volkslied über das Klo singen." ;) Ich kann mir trotzdem nicht vorstellen, dass er an Buddha Klodeckeln gefallen gefunden hätte.

    Obwohl ich das Lied gerne gehört hätte...

    Über die Buddhalehre dürfen wir uns nicht in Gedanken verlieren. (Kodo Sawaki)

  • Es liegt an dem was man mit Buddhismus verbindet - oder eben nicht.

    Wenn Du Dich mit etwas identifizierst und dieses etwas wird nicht nach Deinen Vorstellungen behandelt/verwendet oder gar angegriffen entsteht die Empörung in Deinem Kopf - auf grund der Identifikation damit..Du legst Dein Selbstkonzept/Ich quasi in diese Sache...

    ...es hat nichts damit zu tun was man damit einfach verbindet/assoziiert...so wäre Dir es womöglich völlig etwas wenn irgendeine andere Symbolik kontextfremd verwendet würde.. auch wenn Du es anders zuordnen würdest...

    Empört bin ich gar nicht, finde es nur besonders pietätlos wie gesagt, im Vergleich zu Buddha als Lampenständer zum Beispiel.

    Ist eine Frage der Empathie, wie man Dinge verwendet die anderen Menschen etwas bedeuten. Ich meine dir würde es dann wohl nichts ausmachen ein Bild deiner Mutter anzupinkeln oder so. Ich würde es trotzdem nicht auf einem Pissoir befestigen, das tut man nicht bei einem Mindestmaß an Kultiviertheit finde ich, nicht mal als Buddhist.;)

  • Ich habe wegen dieses Lokusdeckels mit dem Geschäftsführer unseres Baumarktes gesprochen. Ich habe ihn ganz höflich und freundlich lächelnd gefragt, ob er diese Toilettenabdeckung für mich bitte mit einem christlichen Kreuz verziert im Angebot habe ...


    Anfänglich sichtlich irritiert blickend fragte er mich, weshalb ich einen solch seltsamen Wunsch hätte. Nach einem kurzen aufklärenden Gespräch habe ich, (zumindest im Sanitärbereich diesesBaumarktes), nichts mit Buddhabildern Verziertes mehr gesehen. ... :)

  • mukti

    Ich kann es verstehen, dass sich Leute darüber aufregen, dennoch sollte man vielleicht in sich gehen und schauen woher diese Aufregung kommt.

    Du sagst es sei pietätlos, das ist Deine Meinung dazu, also scheint da ein gewisses Grad Empörung hinter zu stecken. Ich will dies nicht beurteilen, es ist mMn gerechtfertigt. Aber während Du es als pietätlos empfindest, sehen es andere als völlig belanglos oder gar witzig an. Verstehe mich nicht falsch; ich würde mir derartigen Kitsch niemals kaufen..

    Worauf ich hinaus will ist, dass es auf Identifkationen zurückzuführen ist, wie wir derartige Dinge empfinden. Während einige Witzbolde Mohammedkarikaturen kritzeln, regen sich einige Moslems darüber auf - verständlich. Aber warum regen sie sich auf? Weil sie mit ihrer Religion identifiziert sind. Ich bin btw auch der Meinung, dass solche Karikaturen schon allein deshalb nicht richtig sind, weil sie oftmals bewusste Provokationen sind, welche auf eine Beleidigung einer Gruppe von Menschen aus sind. Bei einem Buddha auf einem Klodeckel gehe bicht nicht davon aus, dass sie Buddhisten beleidigen SOLL. Das Buddha-Abbild findet dermaßen inflationär einzug..da wundert mich nichts mehr. Vielmehr habe ich nur ein müdes Lächeln dafür übrig.

    Empörung? geschmacklos? Nein, FÜR MICH einfach nur ein weiterer Marketing-Schachzug um Kitschliebhaber, Götzenanbeter, Teilzeit- und Wellnessbuddhisten zum Geldausgeben zu bewegen.

    Es ist mir sozusagen im wahresten Sinne des Wortes "scheiss"egal.


    Dennoch identifiziere auch ich mich soweit mit dem Buddhismus, als das ich mich dort verortet fühle. Es ist halt normativ, welche Einstellung wir dazu haben und diese Einstellung findet nur in unseren Köpfen statt.


    PS: Ein Bild meiner Mutter anzupinkeln mit einen Buddhaklodeckel zu bewerten sind grundsätzlich zwei verschiedene paar Schuhe, schon allein von der Intention.

    Darüber hinaus sage ich nicht, dass ich frei von Identifikationen bin und so gehören Familienmitglieder zu den prägenden Personen meines Selbstkonzepts, meiner Dankbarkeit und letztlich auch zu meiner Identifikation. Von daher fände ich es natürlich nicht besonders schön so etwas zu sehen.

    Den Schmetterling des Zen im Netz des Verstandes zu fangen; machen wir uns das klar, dass das nicht geht

    Einmal editiert, zuletzt von kal ()

  • mukti

    Ich kann es verstehen, dass sich Leute darüber aufregen, dennoch sollte man vielleicht in sich gehen und schauen woher diese Aufregung kommt.

    Du sagst es sei pietätlos, das ist Deine Meinung dazu, also scheint da ein gewisses Grad Empörung hinter zu stecken. Ich will dies nicht beurteilen, es ist mMn gerechtfertigt. Aber während Du es als pietätlos empfindest, sehen es andere als völlig belanglos oder gar witzig an.


    Empörung wäre zuviel gesagt, laut Duden bedeutet dieses Wort "von starken Emotionen begleitete Entrüstung als Reaktion auf Verstöße gegen moralische Konverntionen". Starke Emotionen steigen da nicht hoch bei mir.
    Ich bin auch nicht frei von Identifikationen und eine Buddhadarstellung spielt in meinem Leben eine andere Rolle als eine Klodeckeldekoration. Aber eigentlich fühle ich mich selbst nicht sehr verletzt, es ist mehr eine Betroffenheit über den achtlosen Umgang mit geistigen Werten, die u.a. durch eine Buddhadarstellung ausgedrückt sind.


    Zitat


    PS: Ein Bild meiner Mutter anzupinkeln mit einen Buddhaklodeckel zu bewerten sind grundsätzlich zwei verschiedene paar Schuhe, schon allein von der Intention.

    Darüber hinaus sage ich nicht, dass ich frei von Identifikationen bin und so gehören Familienmitglieder zu den prägenden Personen meines Selbstkonzepts, meiner Dankbarkeit und letztlich auch zu meiner Identifikation. Von daher fände ich es natürlich nicht besonders schön so etwas zu sehen.


    Dass wir alle nicht frei sind von Identifikationen, uns bestimmten Menschen vebunden fühlen und es nicht immer schön finden wie damit umgegangen wird, darauf wollte ich eben mit dieser etwas deftigen Bemerkung hinweisen.

  • Wie würden die Leute reagieren, wenn der Andachts-Flashmob auftaucht und ihre Buddhstatuen als Buddhstatuen behandelt statt als Dekoartikel?

    So ein Andachts-Flashmob im Baumarkt, das würd' mir schon gefallen, zumindest für meine Lachmuskeln :-)


    Ich bin mir fast sicher, daß die Erfinder derartiger Dekoartikel sich rein gar nichts dabei denken. Buddhastatuen stehen für sie für Entspannung, für nichts anderes. Die wollen keinen verletzen, da sie mit Buddhismus als Religion oder Lebensform noch nie was zu tun hatte. Es ist einfach nur Gedankenlosigkeit.