68 Antworten. Letzter Beitrag () ist von IkkyuSan.

  • Denn Begriff Gott habe ich sehr lange mit einem lächeln abgewiesen. Zu absurd erschien/erscheint es mir, das ein alter Herr mit grauem Bart die Welt erschaffen hat und nun über sie wacht. Nicht nur absurd, sondern die ganze Vorstellung eines Erschaffer oder eines Anfangs in dem schon die MÖGLICHKEIT aller Grausamkeiten und Abartigkeiten dieser Welt innewohnten. Mit der Vorstellung eines auf quantenmechanischen - Zufall basierten Urknalls, das die Möglichkeit eines Vernichtungslager in Auschwitz innewohnt, komme ich deutlich besser klar. Doch je länger ich überlege, erscheint es mir durchaus plausibel und auch rational zu sein, zumindest die Möglichkeit offen zu halten das es so etwas wie einen Gott oder wie immer man das nennen mag geben könnte. Es könnte auch theoretisch ein Videospiel sein das wir im Jahre 9918 spielen, was natürlich die Frage nach dem Anfang nur weiter verschiebt.


    Das überhaupt etwas IST und nicht NICHT IST ist ja schon ein Wunder, dann aber noch die Feinabstimmung unseres Universums das mit Tausenden horizontalen Rasierklingen - nicht umfallend, von Stephan Hawking verglichen wurde. Dazu käme dann noch einmal eine unglaubliche Reihe von Zufällen, welche sich in den 3,5 Milliarden Jahren, vor denen das Leben auf der Erde begann, zugetragen haben müssten, damit tatsächlich Leben stattfinden kann, wie wir es heute kennen samt des menschlichen Bewusstseins.


    Die Materialistische/Naturalistische Sichtweise ist natürlich eine gute und plausible, aber einige Dinge wie das Bewusstsein (was ja schon irgendwie absurd genug ist, das da Materie existiert die über sich selbst nachdenkt) können immer noch nicht ganz integriert werden. Man kann natürlich sagen und dafür gibt es auch gute Gründe, das es außer Materie und was nicht naturwissenschaftlich belegt ist auch nicht existent ist, aber das kann man NUR sagen, wenn man sicher ist, das die Naturalistische Sichtweise auf die Welt eine ABGESCHLOSSENE ist. Und das zu behaupten, wäre ja wohl nicht nur ignorant sondern würde eher Züge eines "religiösen" Fanatismus annehmen.

    Nun zu meiner eigentlichen Fragen: Wie seht ihr es als Buddhisten? Was ist mit dem Ultimativen Anfang von Samsara und seines Auslösers? Wie seht ihr es mit Gott, mit dem Ursprung von allem? Mir ist natürlich bewusst das buddhistisch die Frage nach dem Ursprung allen Seins eine spekulative ist und wohl von Buddha als "nur dukkha fördernd" betrachtet wäre und ich bin mir auch ziemlich sicher, das darauf es eigentlich keine Antwort geben kann, denn im Prinzip kann die primitive Vorstellung von Anfang und Ende, Zeit usw. eben eine primitive sein und letztendlich könnte die Wirklichkeit ganz anders aussehen, so, wie wir es uns nicht einmal zu träumen wagen.

  • Hmm...

    also mir ist die mystische Gottesvorstellung näher, und ich find das auch rational begründbar. Wer sagt denn, dass "Gott" eine Person sein muss? Wir sind Menschen, wir sind Personen. Unser Denken ist auf Personen ausgerichtet, deswegen wird von Gott gesprochen, da wir uns an eine "Schöpfer-Person" wenden können, was unserer kognitiven Struktur entgegen kommt.


    Aber wenn es da ein "Wesen" gibt, das tatsächlich so mächtig ist, dass es Universen schafft, dann ist dieses Wesen so weit weg von allem, was wir uns vorstellen können, dass die Frage, ob das ein "Wesen" oder eine "Person" ist, eigentlich müßig ist. Aber womöglich reicht es, wenn wir so gut, wie wir können, uns an diesen Urgrund wenden. Wir sollten nie so vermessen sein, zu glauben, das wirklich zu verstehen.


    Somit - wer sagt denn, dass ein Schöpfer und Zufall überhaupt Widersprüche sein müssen? Wie können wir so kleinkariert sein, das trennen zu wollen? Du merkst, ich werde immer ungewisser - ich denke, das sind alles Finger, die zum Mond zeigen, und als solche sollte man sie sehen. Wie gesagt, das ist ein recht stark von der Mystik geprägter Ansatz - aber einer, der mit gewissen buddhistischen Ansätzen nicht viele Konfliktpunkte aufweist.

  • Sorry, ich meinte es nicht so buchstäblich mit Gott, war eher zynisch gemeint mit dem alten Mann und dem Bart. Klar, wenn es so etwas wie Gott existent wäre, also der Anfang von allem, würde ich auch als letztes an etwas humanoides denken. Man könnte ja auch eine pantheistische Position einnehmen und sagen, alles ist Gott, aber von diesem Allem müsste doch zwingendermaßen auch ein Anfang liegen, oder?

  • Achso..

    hmm. Ich weiß nicht. Meine persönliche Vermutung ist, dass so kausale Gedankenketten zwar in unserem Universumle gut funktionieren, aber darüber hinaus nicht mehr sehr viel Sinn machen, sondern dass dies, genauso wie lineare Zeitauffassungen, regional begrenzte Gültigkeiten sind.

  • Zeit selber ist Vergänglichkeit, sie ist eng mit einem Prozess verbunden, der vom Geordneten zum Ungeordneten führt. Im Kleinen kann das aber auch Ordnung hervorbringen - Gegenströmungen und Wirbel im grossen Fluss. Wie aus einfache Strukturen immer Komplexere entstehen ist großartig und wunderbar, aber einen ordnenden Prozess von Oben braucht es dazu nicht. Es ergibt sich alles.


    In Universen wo das nicht so ist gibt es halt such keinen, der sich drüber wundert. Nur Universen in denen Leben existiert, macht sich jemand Gedanken. Auch das ist nicht verwunderlich.


    Von daher ergibt sich dann, das Drama das im Buddhismus behandelt wird. Ordnungen, die auf ihren eigenen Erhalt hin entstanden sind, treffen auf eine Welt deren Wesen die Vergänglichkeit ist. Die Ausnahme zerschellt an der Regel und bringt so ein Phänomen hervor, dass als Dukkha benannt ist. Mühsam müssen wir - hochkomplexe Strukturen die um ihren Erhalt zittern, feststellen, in einer Welt zu leben, die den drei Daseinsmerkmalen genügt und in der der Zerfall von Ordnung die Regel ist.

  • Zeit selber ist Vergänglichkeit...

    Interessant wo Du sofort ansetzt, Void, quasi der Anfang von allem, der Gott sein könnte, manifestiert sich selbst in der Vergänglichkeit - Da Anfang, Zeitlichkeit schlechthin ist und Zeit Vergänglichkeit...und die Buddha-Lehre lustigerweise genau da ansetzt. Beinahe fast schon poetisch. :)

  • Zeit an sich ist erstmal ein konstrukt des Denkens, daher auch die lineare Vorstellung von Zeit, von a bis b. Dogen beschreibt mit Uji die Sein-Zeit als Gegenwärtigkeit, welches sich in der Dharma-Position jeder einzelnen Erscheinung manifestiert.

    In Genjokoan erklärt er, dass Feuerholz die Dharmaposition des Feuerholz hat und Asche, die der Asche. Asche ist kein Nach-Feuerholz und Feuerholz kein Vor-Asche. Kein Vor/-Nach-Zustand sondern beides voll und ganz das was es genau jetzt ist. Somit ist auch entweder Leben oder Tod und nicht das Eine ein Zustand vor- oder nachher. Das gleiche mit dem Urknall..der Mensch tut sich mit seinem konzeptuellen Denken schwer und will alles einordnen..daher gibt es zwar lineare Zeit als Konzept und somit eine Sinnhaftigkeit von Kausalität, jedoch steht dahinter die Seinzeit. Es gibt nur diesen Moment..Jetzt...jetzt...jetzt (nikon)

    Im Zazen werden die Gedanken versiegen als Erscheinungen in diesem Jetzt... Zazen als reine Einhaltung der Dharmaposition


    Die SeinZeit ist nicht Vergänglich aber unser Denken macht Vergangenheit Gegenwart und Zukunft

    Den Schmetterling des Zen im Netz des Verstandes zu fangen; machen wir uns das klar, dass das nicht geht

  • Zeit an sich ist erstmal ein konstrukt des Denkens, daher auch die lineare Vorstellung von Zeit, von a bis b.

    Die Sortierung von Ursachen und Wirkungen in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft ist sicher ein Konstrukt des Denkens.


    Aber darunter liegt etwas Prozesshaftes - sagen wir Vergänglichkeit -

    was tatsächlich ein Daseinsmerkmal ist - vielleicht mein Dōgen ja das mit SeinZeit.


  • Nun zu meiner eigentlichen Fragen: Wie seht ihr es als Buddhisten? Was ist mit dem Ultimativen Anfang von Samsara und seines Auslösers? Wie seht ihr es mit Gott, mit dem Ursprung von allem?

    Es gibt keinen Anfang von Samsara, sagt der Buddha. Ein anfangloser Gott hat alles erschaffen, sagen die Theisten. Beides bleibt unfassbar für mich, damit finde ich mich ab.


    Erkennbar ist, dass alles vergänglich bzw. dem Wandel unterworfen ist. Demnach macht es im Grunde keinen Sinn etwas zu begehren, das führt zu Leiden. Die Verblendung etwas zu sein und zu haben hält das Samsara aufrecht. Sie zu durchschauen und damit zu beenden macht Sinn.

  • Gott ist bereits gestorben.


    Die Welt ist der Verfallsprozess und Gott findet durch das Ende der Welt wieder zu sich und kann wieder wesentlich SEIN. wogegen er jetzt gesplittet ist (Dasein). Wenn Gott wieder IST, ist nichts mehr, da Dasein wieder integriert wurde und die Illusion nimmt ihr Ende.


    Das ist ganz unbuddhistisch, aber hier wird ja frei gedacht.


    Gott als Person hat noch nie existiert, da Gott nicht selbst aus sich heraus treten kann. Darum wurde Gott auch nie erschaffen. Gestorben ist aber das göttliche SEIN. Darum erleben wir jetzt das Dasein in gesplitterten Facetten. Dies hört aber irgendwann auf, Samsara kommt zur Ruhe und die Verlöschung geschieht universell - eine allumfassendes Nirvana.

  • Wenn ich den Strahl der Zeit von jetzt in die Vergangenheit folge dann ist es immer Zeit, egal wie vergangen sie ist. Eine unfassbar lange anzahl von Quanten Zeit. Bis zum ersten Quantum das aber hinter dem Schwarzfeldradius einfach so verschwindet. Da ist Gott, das von mir niemals gewusst werden kann.

    Mein Leben war eine qualvolle Suche nach Gott, egal in welcher Form, meinetwegen auch in der Form Leere. Durch Esoterik, Wissenschaft,Religion Philosophie. Ja sogar Kunst und Architektur als Ausdruck von Gottverstehen, dem Baumeister.

    Eine Qual war es gegen mich und mein Wissen das ich schon als Kind hatte: Da ist kein Gott.

    Dieses verdammte Wesen das ich nichtmal erklären kann wusste da ist kein Gott und leitete mich immer auf der Rasierklinge des Glauben wollen das es Gott geben muss, Milliarden von Menschen können sich nicht irren, bis ja bis die Rasierklinge zu einem Atom dünnes Seil wurde und heute ist es weg. Denn wenn selbst Buddha keinen Gott finden kann, außer in Gedanken und Schriften und Kunst also Mensch geschaffenen, dann brauch ich auch das Seil nicht mehr. Es Hält! Er hält, der Abgrund ist garkein Abgrund, es ist das Universum das wie eine schillernde Perle ist das hält. Das braucht keinen Gott und interessiert sich nicht dafür was ich glauben will.

    Bedingt Entstanden, mit dem ersten erkennbarem Quantum Zeit, veränderlich und unpersönlich. Halte dich von Extremen fern damit sie wirken können wie sie wirken. Das ist nicht mein, nicht mein ich, nicht mein Selbst. Ich glaube an Gott wenn nötig, ist mir aber in Wahrheit vollkommen fremd, aber wie gesagt glaube ich an Gott egal in welcher Form wenn Du an einen glaubst, glaube ich auch, jedenfalls kann ich dir Glauben machen das ich an Gott glaube und das reicht.

  • Irgendwann verschwinden ja auch die Grenzen.


    Was Buddhisten den "Einen Geist" nennen, kann auch Gott sein, denn dieser Geist ist ja nunmal auch unser Geist in der Facette. Nur den Gott, den man klar definieren kann - den gibts nicht, bzw. ist dies ein Trugbild.


    "Denn Namen können ihn nicht nennen"

  • Mit Gott verhält es sich wie mit Hexen die auf Besen fliegen. Gibt es die wirklich? Ja die gibt es in unzähligen Geschichten, ja sogar in Dokumenten der Hexen-Prozessprotokollen überall da sind Hexen. Nur nicht in der Welt die keinen Geist als Personen kennt. Glaube ich an Hexen, die Wesen eines Tolkien, aber sicher wie sollten sie mich denn sonst faszinieren, fesseln auf ewig binden? Nur in meinen Kochtöpfen hab ich nichts davon gesehen. Doch auch in der Küche kann ich glauben an die Wesen doch hab ich festgestellt das ich mir dann oft die Finger schneide und auch verbrenne. Die Welt die keinen Geist als Person kennt verträgt sich nicht mit Geist-Personen.

  • Nur nicht in der Welt die keinen Geist als Personen kennt.


    Genau so siehts aus!



    Glaube ich an Hexen, die Wesen eines Tolkien, aber sicher wie sollten sie mich denn sonst faszinieren, fesseln auf ewig binden?


    Das ist es, ja.


    Ich könnte ja durchaus auch an einen personifizierten Gott glauben, wenn mir dabei völlig bewusst wäre, dass dieser Gott auf der selben Stufe wie Superman steht. Superman, Shiva, Jesus - alles Figuren, die wir nur vom Hörensagen kennen. Natürlich, da muss man fair sein, gehört Buddha auch dazu. Aber wir können ja alles ausprobieren, so frei sind wir.


    Kann ich durch die Luft fliegen? Nein.

    Kann ich den Ganges aus meinem Haar fließen lassen? Nein.

    Kann ich Dämonen austreiben und fleischlich vom Tod auferstehen? Nein.

    Kann ich tief in meinen Geist schauen und dort untersuchen, was denn überhaupt hier gespielt wird? Ja.

  • Das kosmologische Argument ist schlüssig.


    Problem: Das Wort "Gott" wird nicht so gefasst (vor allem von Christen/Muslimen/Juden/), wie es das kosmologische Argument näher bringen möchte.


    Man erschafft sofort einen "Schöpfer", der ja personell sein muss. Meister Eckhart bspw. hat Gott richtig aufgefasst.


    Zitat

    "Gott, ein Nichtgott, eine Nichtperson, ein Nichtbild"



    Beweise, oder eher Schlussfolgerungen dieser Art, sind korrekt. Aber was fängt man damit an? Falsch gedeutet, führen sie zu den religiösen Vorstellungen. Richtig gedeutet sieht man, dass es eine Ursache gibt. Diese Ursache hat selbst keine Ursache (Theodizee Problem). Das ist aber nicht logisch, rational, also kommt man damit mit reinen Erklärungen nicht weiter.


    Außerdem: Das Wort "Existieren" bedeutet "heraustreten". Folglich tritt die Existenz aus Etwas heraus. Dieses Etwas kann aber nicht verdinglicht werden. Egal was man diesem Etwas "andichtet" - es muss falsch sein, da wir existentielle Begriffe benutzen müssen.


    Die buddh. Lösung ist daher ein strategischer Schachzug - nicht darüber sprechen, da man es im Endeffekt nicht kann.

  • Man kann natürlich sagen und dafür gibt es auch gute Gründe, das es außer Materie und was nicht naturwissenschaftlich belegt ist auch nicht existent ist, aber das kann man NUR sagen, wenn man sicher ist, das die Naturalistische Sichtweise auf die Welt eine ABGESCHLOSSENE ist.


    Und genau das, was nicht existent ist, kann eben nicht naturwissenschaftlich belegt werden. Das ist aber im Endeffekt kein K.O. Kriterium. Denn Gott existiert ja auch tatsächlich nicht - was nicht bedeutet, dass das, was Gott SEINSMÄßIG ist, obsolet wäre - kann es auch gar nicht sein, da daraus ja auch die Naturwissenschaft entsteht und die 10.000 anderen Dinge.

  • Kann ich durch die Luft fliegen? Nein.

    Kann ich den Ganges aus meinem Haar fließen lassen? Nein.

    Kann ich Dämonen austreiben und fleischlich vom Tod auferstehen? Nein.

    Schade. Aber was nicht ist, kann ja noch werden.:grinsen:



    Kann ich tief in meinen Geist schauen und dort untersuchen, was denn überhaupt hier gespielt wird? Ja.

    Dann mach es auch. Vielleicht ändern sich dann deine Antworten zu den ersten drei Fragen.:)

    Dein eigenes Herz, das inständig den WEG gehen möchte, ist Dein eigentlicher Lehrer.

    (Sen nô Rikyû)

  • Nun zu meiner eigentlichen Fragen: Wie seht ihr es als Buddhisten? Was ist mit dem Ultimativen Anfang von Samsara und seines Auslösers? Wie seht ihr es mit Gott, mit dem Ursprung von allem? Mir ist natürlich bewusst das buddhistisch die Frage nach dem Ursprung allen Seins eine spekulative ist und wohl von Buddha als "nur dukkha fördernd" betrachtet wäre und ich bin mir auch ziemlich sicher, das darauf es eigentlich keine Antwort geben kann, denn im Prinzip kann die primitive Vorstellung von Anfang und Ende, Zeit usw. eben eine primitive sein und letztendlich könnte die Wirklichkeit ganz anders aussehen, so, wie wir es uns nicht einmal zu träumen wagen.

    Für mich ist die Frage nach Gott, die Frage nach etwas, das der menschliche Geist nicht zur Gänze erfassen kann. Deshalb versucht er, je nach Kultur mit unterschiedlichen Bildern, sich diesem Unfassbaren anzunähern.

    Und je nach Verständnismöglichkeit werden aber auch diese Bilder, selbst innerhalb einer Kultur, unterschiedlich ausfallen.

    Stimmen sie dann mit meinen Bildern überein, finde ich sie richtig, wenn nicht, dann nicht.


    Mir sind diese Fragen nicht mehr wichtig Stawrogin . Ich lebe mein Leben. Im Moment erkältet und leicht quengelig, aber was soll's.

    Dein eigenes Herz, das inständig den WEG gehen möchte, ist Dein eigentlicher Lehrer.

    (Sen nô Rikyû)

  • ...

    Man kann nicht darüber sprechen weil man es schlicht nicht weiß, das menschliche Erkenntnisvermögen reicht dazu nicht aus, so wie ein Regenwurm nicht wissen kann dass Regen aus Wasserdampf in der Troposphäre kommt.


    Vom Buddha ist überliefert dass er in die Vergangenheit der Daseinsformen sehr weit zurückblicken konnte, ohne einen Anfang zu finden. Vielleicht gibt es keinen Anfang, vielleicht liegt er noch weiter zurück? Für beide Möglichkeiten gibt es massenweise Argumente und ausgedachte Systeme, die einmal das Eine, einmal das Andere wahrscheinlicher erscheinen lassen.


    Man kann eine dieser Ansichten als Welterklärung annehmen, oder es einfach offen lassen und nicht mehr nach etwas fragen, auf das es keine Antwort gibt.

  • Unterschiedliche Vorstellungen über einen Gott waren in der Vergangenheit und Gegenwart häufig Gründe für Religionskriege. Deshalb (und aus anderen Gründen) bin ich froh, dass der Buddha die Antwort auf die Frage nach einem Gott offen gelassen hatte.

    Liebe Grüße
    S.Y.


    Rufe - soviel Du nur kannst- Liebe, Respekt und Vertrauen hervor !


    aus den "Versen über die Ansammlung der kostbaren Qualitäten der Vollkommenheit der Weisheit"

  • Unterschiedliche Vorstellungen über einen Gott waren in der Vergangenheit und Gegenwart häufig Gründe für Religionskriege. Deshalb (und aus anderen Gründen) bin ich froh, dass der Buddha die Antwort auf die Frage nach einem Gott offen gelassen hatte.

    Als was siehst du Samanthabadra oder Vajradhara an, die Urbuddhas?

    :buddha: Es geht immer darum, sich in die Unannehmlichkeiten des Lebens hineinzulehnen und sich diese ganz genau anzuschauen. :buddha:

  • Interessant wo Du sofort ansetzt, Void, quasi der Anfang von allem, der Gott sein könnte, manifestiert sich selbst in der Vergänglichkeit - Da Anfang, Zeitlichkeit schlechthin ist und Zeit Vergänglichkeit...und die Buddha-Lehre lustigerweise genau da ansetzt. Beinahe fast schon poetisch.

    Auch wenn ich Gottesvorstellungen - als religiöses Mittel - freundlich gegenüberstelle, sehe ich - wenn es um die Erklärung unserer Welt geht - Gottesvorstellungen fehl am Platz. Und das eben gerade deswegen, weil ich sehe, wie sich alles im Universum vom Einfach zum Komplexe, vom Chaos zur Ordnung entwickelt. Alles wächst von unten nach oben und bringt, dann so überraschende Sachen wie die Tierwelt, die Planzenwelt, das Gehirn und Gesellschaftordnungen hervor.


    Die theistischen Gottesvortsellung setzten aber nicht das Einfach vor das Komplexere und das Untere vor das Obere, sondern sie "fangen oben an". Bei einem Gott der eng mit dem verbunden ist was die Gesellschaft zusammenhält (Liebe, Ethik), mit lebenspendender Kraft usw. Dies ist hat alles eine große innere Schönheit - es fühlt sich wohl für unsere alten Steinzeithirne gut. Eben weil es wohl die seit uralten Zeiten gewonnene Steinzeiterfahrung bestätigt, nach der allergrößte, allerälteste Zottel - das Alphatier der Alphatiere - auf dem größten Stein hockt und von dort alles führt und über alles wacht. Ich bestreite nicht, dass der Rückgriff auf diese menschlche Prägung in der Religion sinnvoll sein - vielleicht lässt sich unser Steinzeithirn eher zum Guten erziehen, wenn es ein grauhaariges Alphatier vor Augen hat, dass das Tiefste und Wichtigste repräsentiert - Ethik, Kooperation, Lebenskraft. Aber diesen alten Sehnsüchten so weit nachzugeben, einen Gott an den Anfang oder an dessen Spitze des Universums zu setzten, passt nicht. Auch wenn es sich für unsere Steinzeitheithirne richtig anfühlt.

  • Denn Begriff Gott habe ich sehr lange mit einem lächeln abgewiesen. Zu absurd erschien/erscheint es mir, das ein alter Herr mit grauem Bart die Welt erschaffen hat und nun über sie wacht. Nicht nur absurd, sondern die ganze Vorstellung eines Erschaffer oder eines Anfangs in dem schon die MÖGLICHKEIT aller Grausamkeiten und Abartigkeiten dieser Welt innewohnten.


    Nun zu meiner eigentlichen Fragen: Wie seht ihr es als Buddhisten? Was ist mit dem Ultimativen Anfang von Samsara und seines Auslösers? Wie seht ihr es mit Gott, mit dem Ursprung von allem? Mir ist natürlich bewusst das buddhistisch die Frage nach dem Ursprung allen Seins eine spekulative ist und wohl von Buddha als "nur dukkha fördernd" betrachtet wäre und ich bin mir auch ziemlich sicher, das darauf es eigentlich keine Antwort geben kann, denn im Prinzip kann die primitive Vorstellung von Anfang und Ende, Zeit usw. eben eine primitive sein und letztendlich könnte die Wirklichkeit ganz anders aussehen, so, wie wir es uns nicht einmal zu träumen wagen.

    Für mich sind die Dinge ganz einfach. Es gibt die Erleuchtung. Das bestätigen viele Menschen. Wer erleuchtet ist, hat in sich Glück. Frieden, Liebe und Kraft. Sein Ego ist aufgelöst. Dadurch erfährt er die Außenwelt auf eine besondere Art. Er lebt im Licht, im Nirwana, in Brahman, im Tao, in Gott. Es gibt viele Begriffe dafür. Gott ist nur ein Begriff unter vielen. Die Hauptaufgabe dieses Begriffes ist es, die Mitmenschen zur Erleuchtung zu führen. Man sollte den Begriff finden, der für einen persönlich hilfreich ist. Das kann ein persönlicher Gott, ein spirituelles Vorbild, ein erleuchteter Meister, Buddha, Jesus, Shiva oder Laotse sein. Das kann ein Vorbild der Liebe oder ein Vorbild der Kraft oder des inneren Friedens sein. Das kann auch eine abstrakte Gottesvorstellung wie Kosmos, Natur, Energie, umfassendes Bewusstsein, höheres Quantenfeld sein. Es gibt viele verschiedene Namen für Gott.


    Wie die Welt entstanden ist, ist mir persönlich ziemlich egal. Ich folge da eher der wissenschaftlichen Betrachtungsweise. Wichtiger finde ich es, wohin sich die Welt entwickelt. Und was wir für eine positive Entwicklung tun können. Wollen wir eine Welt der Kriege, der Umweltkatastrophen, des Hungers, der Ausbeutung, des nationalen Egoismus, des ständigen Gegeneinanders? Oder wollen wir eine Welt der Liebe, des Friedens, der Menschenrechte, des allgemeinen Glücks und des guten Miteinanders? Wenn wir letzteres wollen, brauchen wir eine globale Philosophie der Liebe. Nur die Liebe rettet die Welt. Diese globale Philosophie sollte sich auch in den Religionen ausdrücken. Die Religionen sollten friedvoll für eine bessere Welt zusammenarbeiten. Wir brauchen einen Gott der Liebe. Wir brauchen einen Buddha der Liebe. Wir brauchen viele Bodhisattvas, Engel und Gutmenschen. Möge das Gute auf der Welt siegen.

    Mögen alle Wesen glücklich sein. Möge es eine glückliche Welt geben.

    Einmal editiert, zuletzt von Nils ()

  • Könnte auch sein, dass Gott in Form eines Rechners, der irgendwo rumsteht, existiert.:grinsen:

    Diese Form der Hoheit halte ich für nicht unmöglich.