Eine hartnäckige Gewohnheit dauerhaft ablegen, aber wie?

39 Antworten. Letzter Beitrag () ist von Axel.

  • Hallo, liebes Forum.

    Ich habe ein Problem. Ich möchte vegan leben, schaffe es aber nicht, konsequent am Ball zu bleiben. Ich habe schon längere Phasen durchgehalten, mehrere Monate, aber in letzter Zeit werden diese Phasen immer kürzer. Der Buddhismus hat mein Leben bereichert. Seitdem ich mich mit der Lehre beschäftige, bin ich achtsamer, geduldiger und auch mitfühlender geworden. Ich merke jedoch, dass ich diese Qualitäten wieder zu verlieren beginne und mein altes unbewusstes Ich nach und nach wieder die Kontrolle übernimmt. Ich verstehe nicht, warum das passiert. Seit ich die Lehre kenne, habe ich das Rauchen aufgegeben. Mit dem Rauchen ist es ganz anders. Schon der Gedanke, mir eine Zigarette anzuzünden, erscheint mir heute unlogisch. Ich habe kein Verlangen mehr danach. Beim Veganismus ist es aber nicht so. Es gibt Momente, da ergreift mich eine Gier nach Fleisch oder Tierprodukten, die fast unerträglich ist. Wenn ich dann gegessen habe, bin ich von mir selbst angewidert. Ich möchte einfach nicht mehr so ein Mensch sein, der von Gier nach Sinnesgelüsten getrieben, durchs Leben torkelt.

    Meine Freunde verstehen mich nicht, denn sie sind Nihilisten.

    Der Buddhismus ermutigt zum Mitgefühl und daran mangelt es mir anscheinend. Sonst würde ich nicht immer wieder meinem Verlangen nachgeben. Aber es stört mich auch, dass ich jedes Mal danach von mir selbst angekotzt bin.

    Ich vermute, dass es daran liegt, dass ich überhaupt nicht meditiere. Ich habe das nie gemacht. Über die Lehre zu lesen oder Vorträge zu bestimmten Aspekten der Lehre zu hören, war mir immer genug. Doch nun glaube ich, dass ich lernen muss, zu meditieren. Ich habe nur überhaupt keine Ahnung wie das geht. In manchen Vorträgen, die ich gehört habe, wurde erwähnt, dass man durch Meditation bestimmte Qualitäten wie beispielsweise Mitgefühl gezielt herausbilden kann und das sich dadurch das Gehirn verändert. Könnte es damit zu tun haben? Dass mein Gehirn immer noch auf Fleisch und Tierprodukte programmiert ist, obwohl ich das gar nicht wirklich will? Ich habe fast mein ganzes Leben Fleisch gegessen, weil es mir so vorgelebt wurde und ich es lange Zeit einfach als normal angesehen hab. Als ich dann den Buddhismus kennenlernte, konnte ich mehr Mitgefühl für Tiere entwickeln. Ich habe dann auch irgendwann ein Video auf YouTube gesehen, in dem zu sehen war, wie Tiere in Schlachthäusern brutal geschlachtet oder vergast wurden. Da hab ich regelrecht Panik bekommen, so sehr konnte ich in dem Moment mitfühlen. Aber in letzter Zeit ist dieses Mitgefühl wie betäubt, wenn mich die Gier erfüllt. Mein Partner ist wieder Fleischesser geworden, obwohl er mich eigentlich auf den Buddhismus gebracht hat. Er ist damit durch, aber ich möchte nicht wieder so werden.

    Könnt ihr mir einen Rat geben, was ich tun kann? Ich möchte nicht mehr ständig diesen Zustand des Schwankens zwischen Gier und Klarheit haben. Ich möchte endlich diesen einen wichtigen Schritt machen, wo ich dann hinterher weiß, dass ich nicht mehr zurück gehe. So wie mit dem Rauchen, wonach es mich gar nicht mehr verlangt.


    Liebe Grüße

    Blinky

  • Nuovo

    Hat das Thema freigeschaltet
  • Du willst einen Weg gehen den Du bestimmst den Du haben willst, die ganze Welt soll Dir ermöglichen das Du deinen Weg gehen kannst. Sieh hin! Die Welt geht schon immer deinen Weg nur will sie das nicht, sie hat keinen zwingenden Willen, sie macht einfach. Solange Du deinen Vorstellungen und deinen Wahrheiten folgst wirst Du auch glauben das die Welt gegen dich ist. Du bist gegen die Welt, die Welt hat keinerlei Interesse an Dich.

  • du glaubst, es wäre ein wichtiger Schritt für Dich, vegan zu leben ? Ich glaube eher, das Du ganz andere Probleme hast, da Du dich zu Dingen zwingen willst.

    Du schreibst, Du kennst die Lehre … wie lebst du das Dhamma ?


    _()_

    Wenn im dürren Baum der Drache Dir singt
    siehst wahrhaft Du den WEG.
    Wenn im Totenkopf keine Sinne mehr sind
    wird erst das Auge klar.


    jianwang 健忘 = sich [selbst] vergessend

  • Eine vegane Ernährungsweise muss in meinen Augen nicht sein. Man kann - und muss - Tierleid nicht zu 100% vermeiden. Ein "Restleiden" wird es immer geben, bei Menschen und bei Tieren, und das ist auch in Ordnung. Verzichte für den Anfang auf Fleisch und Fisch und gehe sparsam mit anderen tierischen Lebensmitteln um - das kann jeder und damit ist schon mal ein großer Schritt getan. Verzichte vielleicht auch in anderen Lebensbereichen auf tierische Produkte wenn du sie nicht unbedingt brauchst (kleiner Tipp: Geldbörsen aus Kork oder Cellulose taugen leider nichts :grinsen:). Als zusätzlichen Schritt kann man sich genauer anschauen, wo beispielsweise Milch oder Eier herkommen. Auch Fleisch von Weiderindern könnte eine Option sein. Das sind alles nur Beispiele und Vorschläge, was ich damit aber sagen will: Versuche nicht, irgendwas mit der Brechstange zu erzwingen, denn so wird es nie von Dauer und auch nicht heilsam sein. Wenn du heute noch Fleisch essen willst, tu es, und mache dich nicht verrückt deswegen. Wenn dir irgendwann - auf ganz natürliche Art und Weise und ohne dass du es dir "vornehmen" musst - die Lust darauf vergeht, lass es bleiben.


    Meditation empfinde ich persönlich als sehr hilfreich bei so ziemlich allem was du angesprochen hast.

  • Ich vermute, dass es daran liegt, dass ich überhaupt nicht meditiere. Ich habe das nie gemacht. Über die Lehre zu lesen oder Vorträge zu bestimmten Aspekten der Lehre zu hören, war mir immer genug. Doch nun glaube ich, dass ich lernen muss, zu meditieren.

    Das hast Du schon mal gut erkannt!

    Ohne Praxis nützt alle Theorie nichts.

    Fang einfach erst mal an; am besten in einer Gruppe, mit "erfahrenen" Praktizierenden, einem Lehrer.

    Und dann kommt eins zum anderen.

    Du kannst nichts erzwingen, das ist völlig kontraproduktiv.

    Hab Geduld! Ein Schritt nach dem anderen; es werden Einsichten folgen...

    Alles braucht seine Zeit.

    _()_

  • Setze dir am Anfang keine langfristigen Ziele. Schaffst du es Vegan zu leben für 24 bzw 48 Stunden? Probiere es!


    Wenn die Zeit dann abläuft, erinnere dich daran warum du vegan leben möchtest.

    Dann machst du das gleiche nochmal für die nächsten Tage.

    In Bezug auf andere Dinge, hat das bei mir immer funktioniert.


    Alles Gute!

  • Eine vegane Ernährungsweise muss in meinen Augen nicht sein. Man kann - und muss - Tierleid nicht zu 100% vermeiden. Ein "Restleiden" wird es immer geben, bei Menschen und bei Tieren, und das ist auch in Ordnung. Verzichte für den Anfang auf Fleisch und Fisch und gehe sparsam mit anderen tierischen Lebensmitteln um - das kann jeder und damit ist schon mal ein großer Schritt getan. Verzichte vielleicht auch in anderen Lebensbereichen auf tierische Produkte wenn du sie nicht unbedingt brauchst (kleiner Tipp: Geldbörsen aus Kork oder Cellulose taugen leider nichts :grinsen:). Als zusätzlichen Schritt kann man sich genauer anschauen, wo beispielsweise Milch oder Eier herkommen. Auch Fleisch von Weiderindern könnte eine Option sein. Das sind alles nur Beispiele und Vorschläge, was ich damit aber sagen will: Versuche nicht, irgendwas mit der Brechstange zu erzwingen, denn so wird es nie von Dauer und auch nicht heilsam sein. Wenn du heute noch Fleisch essen willst, tu es, und mache dich nicht verrückt deswegen. Wenn dir irgendwann - auf ganz natürliche Art und Weise und ohne dass du es dir "vornehmen" musst - die Lust darauf vergeht, lass es bleiben.


    Meditation empfinde ich persönlich als sehr hilfreich bei so ziemlich allem was du angesprochen hast.

    Okay, dann werde ich den Tipp mit der Meditation mal beherzigen.

    Ich denke, dass ich an meiner Disziplin arbeiten muss. Manchmal gelingt es mir schon, bewusst zu bleiben und mich nicht von Gier vereinahmen zu lassen. Erst neulich war ich mit ein paar Bekannten unterwegs, da wurde auch gegessen, aber ich habe nur Wasser bestellt, weil ich in dem Moment achtsamer war und zwar Hunger hatte, aber eben nicht das tierische Essen bestellen wollte. Manchmal tangiert mich das gar nicht, ich nehme die Gerüche von Fleisch oder anderen FastFood-Gerichten auf der Straße dann einfach nur wahr, ohne anzuhaften, aber manchmal überwältigt mich die Gier noch.


    Edit: Vielen Dank auch Lilli und Martin1980 für eure Tipps. :)

    Muss mich noch an die App gewöhnen, ist ein bisschen frikkelig am Smartphone.

  • Hallo, liebes Forum.

    Ich habe ein Problem. Ich möchte vegan leben, schaffe es aber nicht, konsequent am Ball zu bleiben.

    Manche Dinge brauchen halt länger. Nach 40 Jahren Vegetarismus nehme ich immer noch manchmal Milchprodukte zu mir, es ist aber viel weniger geworden und es fällt mir immer leichter darauf zu verzichten.

  • Ich sehe es so, dass man beim ausschließlichen lernen aus Texten eine Vorlage benutzt die bestimmt wo man sich hin verbiegen will. Um sich zu verbiegen braucht man Kraft und um sich dauerhaft zu verbiegen bräuchte man mehr Kraft als man hat. Ich würde das versuchen als Chance zu sehen nochmal neu anzufangen, aber diesmal die Texte und Vorträge mehr als Hinweis zu betrachten, wohin man sich entwickeln lassen kann, wenn man sich auch der Meditationspraxis hingibt. Es hat ja auch einen positiven Lerneffekt, wenn man merkt, dass der Kopf mit seinem bloßen Wollen und Selbstüberzeugung nicht in der Lage ist dauerhafte Veränderung herbeizuführen. Da steckt auch Freiheit drin, weil man aus eigener Kraft viel weniger tun muss als man versucht hat. Sicher muss man auch selbst was tun, aber noch wichtiger ist es, sich der Übung zu überlassen. Das gehört mMn zwingend zusammen. Dazu gehört ja auch anzunehmen was man selber nicht kann.

  • Blinky Vor kurzem habe ich mir bei einem indischen Lokal etwas zu Essen abgeholt. Während der Wartezeit hat mir der Koch voller Freude und Stolz Samosa mit Hühnerfleisch gebracht, später auch noch einen neuem Nachtisch der noch nicht auf der Karte steht. Ich hatte viele Monate davor kein Fleisch gegessen (und seitdem auch nicht wieder), ich wollte aber nicht unfreundlich wirken und habe beides gegessen und auch geniessen können. Keine Reue, kein schlechtes Gewissen, kein schwarz/weiß-Getue. Geschmeckt hat mir das Fleisch, dennoch geht es mir nicht ab.


    Was ich damit sagen will: In eine vegetarische/vegane Lebensweise wächst man rein, sie entwickelt sich. Disziplin ist da manchmal schon gut und wichtig, aber im Endeffekt nur ein Puzzlestück. Wenn du "fast unerträgliche Gier" nach Fleisch oder tierischen Lebensmitteln verspürst bist du einfach noch nicht so weit komplett darauf zu verzichten.

  • Markus Ich handhabe es genauso, wenn man mir etwas anbietet, dann esse ich es, egal ob mit Fleisch oder Tierprodukten. Ich hab auch gemerkt, dass es mir unangenehm ist, wenn zu Hause Fleisch gekocht wird und dann was liegen bleibt. Dann esse ich es meist trotzdem, weil ich sonst immer denke, da ist jetzt ein oder gar mehrere Lebewesen gestorben, weil die Menschen Fleisch wollten und jetzt landet es im Müll. Der Gedanke ist mir sogar noch unerträglicher, als das Fleisch zu essen. Dann lieber alles verwerten. So ehrt man das Tier wenigstens und weiß das Opfer zu schätzen. Irgendwie zumindest.

    Ansonsten versuche ich aber gar nicht erst Fleisch oder Tierprodukte nachzufragen, also konsumtechnisch gar nicht erst die Nachfrage zu erzeugen.

    Der Grund für mein Post hier hat auch damit zu tun, dass ich diesen November eigentlich eine Reisdiät machen wollte, also eine kleine Challenge für mich selbst, ob ich es schaffe, 30 Tage mal nur 125g Reis am Tag zu essen. Hab nur 3 Tage durchgehalten, am dritten Tag kam dann eine irrationale Heißhungerattacke auf Fleisch.

    Ich versuche es erneut, aber diesmal in Verbindung mit Meditation. Hab auch schon lange Phasen hinter mir in denen ich mich komplett vegan ernährt hab, nur zeitweise unterbrochen von eben diesen Rückfällen in alte Verhaltensmuster. Denn nichts anderes ist es in meinen Augen. Ich find's einfach nur seltsam, dass es mir vergleichsweise einfach gefallen ist, das Rauchen sein zu lassen und es ja auch aus buddhistischer Sicht keinen Grund gibt zu rauchen, aber mir das bei Fleisch- und Tierprodukten schwerer fällt, davon los zu kommen. Zumal mir die Vorzüge einer rein veganen Ernährung nicht unbekannt sind und man sich nicht nur im körperlichen Sinne, sondern auch geistig irgendwie "leichter" fühlt.

    Aber ich gebe nicht auf. Habe mir letzte Woche eine Meditations-CD bestellt. Bin gespannt, ob es mir hilft, das Verlangen loszulassen.

  • Heißhungerattacken können ja auch immer einen ganz praktischen körperlichen Grund haben, weil einem bestimmte Nährstoffe fehlen. Vegane Ernährung ist sehr anspruchsvoll weil man alle möglichen Sachen sehr gezielt ersetzen muss, die der Körper braucht. Achtest Du auf sowas?

    "Respekt ist unsere Aufgabe und nicht ne falsche Maske, die ich aufhabe" (Fanta 4)
    OM BENDZA KILI KILAYA HUNG

  • Falls du wegen dem Dhamma kein Fleisch essen willst muss ich Dir sagen, das Du da auf dem Holzweg bist.


    _()_

    Wenn im dürren Baum der Drache Dir singt
    siehst wahrhaft Du den WEG.
    Wenn im Totenkopf keine Sinne mehr sind
    wird erst das Auge klar.


    jianwang 健忘 = sich [selbst] vergessend

  • ...aber es gibt natürlich einen Haufen anderer guter Gründe....

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  • du glaubst, es wäre ein wichtiger Schritt für Dich, vegan zu leben ? Ich glaube eher, das Du ganz andere Probleme hast, da Du dich zu Dingen zwingen willst.

    Das ist eine Grundregel des Internets - man kann nirgendwo eine konkrete Frage stellen, die sich mit Veganismus beschäftigt, ohne dass Leute auftauchen, die einem erklären, dass Veganismus Blödsinn ist. Auch wenn das fast nie die Frage ist.


    Falls du wegen dem Dhamma kein Fleisch essen willst muss ich Dir sagen, das Du da auf dem Holzweg bist.

    Es stimmt natürlich, dass nicht Buddhismus-spezifisch das Fleischessen verboten ist. Aber es wird doch zu weiten Teilen abgelehnt bzw. skeptisch gesehen, weil es eben mit massivem Leid verbunden ist. Somit würde ich sagen, dass es natürlich selber entschieden werden muss, man aber vegan leben sicher sehr gut mit dem Dharma vereinen kann.


    Blinky hat aber gar nicht gefragt, ob wir Veganismus toll finden, oder ob man als "guter Buddhist" vegan leben muss. Er / sie fragte, wie man Gewohnheiten ändern kann, und warum dies so schwer fällt.

    Und dazu will ich ganz nüchtern psychologisch was sagen: Viele unserer Gewohnheiten sind eben nicht durch bewusste Entscheidungen vorgegeben, sondern durch unbewusste Vorgänge, die sich sehr tief eingegraben haben. Diese ganzen Mechanismen werden durch einen bewussten Entschluss nicht einfach so ausser Kraft gesetzt. Das ist wie mit der Meditation: Bloß weil ich mich hinsetze und sage, ich will jetzt das Meditationsobjekt nicht mehr vergessen, wird es trotzdem passieren. Was hilft? Eine sehr fundierte Motivation bilden, sich immer wieder fragen, wozu mache ich das? Wozu ist es gut? Was geschieht, wenn ich es nicht mache?

    Und dann... üben, üben, üben. Dieses sog. Craving geht nicht so schnell weg, und man sollte sich auch keine Vorwürfe machen deshalb. Einfach ein ums andere Mal bewusst werden, und schauen, dass man so gut wie möglich in die gewünschte Richtung geht. Wenn es nicht klappt - wahrnehmen, abhaken, beim nächsten Mal die Intention fassen, es besser zu machen.

    Wenn man diese beiden Dinge beibehält, dann wird man mittelfristig sein Gehirn umtrainieren. Mein Problem ist z.B. Zucker - da arbeite ich auch immer wieder dran. Das mit dem Fleisch ist eher rum ums Eck ^^

  • Grashuepfer wir sind in einem Forum über das Dhamma und in einem Bereich für Anfänger auf dem Weg des Buddhismus.

    Und wenn ich es richtig las, war die Frage nicht, wie gut ist veganes Leben, sondern wie kann ich es ( mit Hilfe des Dhamma ) erreichen.

    Und so habe ich auch geantwortet


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  • Seitdem ich mich mit der Lehre beschäftige, bin ich achtsamer, geduldiger und auch mitfühlender geworden. Ich merke jedoch, dass ich diese Qualitäten wieder zu verlieren beginne und mein altes unbewusstes Ich nach und nach wieder die Kontrolle übernimmt. Ich verstehe nicht, warum das passiert.

    Ich möchte einfach nicht mehr so ein Mensch sein, der von Gier nach Sinnesgelüsten getrieben, durchs Leben torkelt.


    Der Buddhismus ermutigt zum Mitgefühl und daran mangelt es mir anscheinend. Sonst würde ich nicht immer wieder meinem Verlangen nachgeben. Aber es stört mich auch, dass ich jedes Mal danach von mir selbst angekotzt bin.


    Wie oben schon gesagt - das ist ganz normal, weil Veränderung langsam und schleichend vonstatten geht. Ich würde nicht sagen, dass es bedeutet, dass du kein Mitgefühl mehr hast - die Macht der Gewohnheit ist eben noch sehr stark.

    Es ist nicht so einfach möglich, sich nicht mehr über sich zu ärgern - aber trotzdem sollte man sich möglichst stark aufs positive konzentrieren. Freu dich über jedes Mal, wo es dir gelingt, einer Versuchung zu widerstehen - so lernt dein Unbewusstes, dass da die Reise hingeht.



    Ich vermute, dass es daran liegt, dass ich überhaupt nicht meditiere. Ich habe das nie gemacht. Über die Lehre zu lesen oder Vorträge zu bestimmten Aspekten der Lehre zu hören, war mir immer genug. Doch nun glaube ich, dass ich lernen muss, zu meditieren. Ich habe nur überhaupt keine Ahnung wie das geht. In manchen Vorträgen, die ich gehört habe, wurde erwähnt, dass man durch Meditation bestimmte Qualitäten wie beispielsweise Mitgefühl gezielt herausbilden kann und das sich dadurch das Gehirn verändert. Könnte es damit zu tun haben?

    Sagen wir es andersrum - korrekt ausgeführte Meditation kann dir da sicherlich helfen, weil sie Klarheit verschafft und uns weniger anfällig für Ablenkungen macht. Wohnst du in der Nähe einer Stadt, wo es Meditationsgruppen und -lehrer gibt? Das wäre sicherlich eine gute Anlaufstelle.

    Als ich dann den Buddhismus kennenlernte, konnte ich mehr Mitgefühl für Tiere entwickeln. Ich habe dann auch irgendwann ein Video auf YouTube gesehen, in dem zu sehen war, wie Tiere in Schlachthäusern brutal geschlachtet oder vergast wurden. Da hab ich regelrecht Panik bekommen, so sehr konnte ich in dem Moment mitfühlen. Aber in letzter Zeit ist dieses Mitgefühl wie betäubt, wenn mich die Gier erfüllt.


    Da gibt es ein gutes Buch von Melanie Joy - sie ist Psychologin und Soziologin und analysiert, warum wir einerseits großes Mitleid mit Tieren haben, die wir vor uns sehen, zugleich aber meistens problemlos große Mengen an Fleisch vertilgen. Es sei gewarnt - sind zum Teil drastische Schilderungen darin. Aber sie analysiert sehr treffend die gesellschaftlichen Verdrängungsmechanismen. (Und ja - sie ist rabiate Veganerin - wer hätt's gedacht.)


    Ich möchte nicht mehr ständig diesen Zustand des Schwankens zwischen Gier und Klarheit haben. Ich möchte endlich diesen einen wichtigen Schritt machen, wo ich dann hinterher weiß, dass ich nicht mehr zurück gehe. So wie mit dem Rauchen, wonach es mich gar nicht mehr verlangt.

    Da wäre ich vorsichtig mit zu großen Erwartungen. Natürlich kann man sich in diese Richtung entwickeln, das haben zahllose Menschen vorgemacht. Aber es ist sehr wichtig, eine positive Einstellung zu entwickeln. Dazu sollte einem klar sein, dass man auch als fortgeschrittener Meditierender anfällig ist für Menscheln in allen Erscheinungsformen, auch wenn man sich viel Kontrolle erarbeiten kann. Der Schlüssel ist, sich auf die Fortschritte zu konzentrieren, und nicht zu viel zu schnell tun zu wollen. Solch tiefgreifende Veränderungen sind absolut möglich, aber sie brauchen Zeit.


    Ich würde sagen - Schritt 1: Überleg dir, wie du eine Meditationspraxis aufbauen kannst, die zu dir passt. Das sollte auf jeden Fall sehr hilfreich sein.

  • Mein Tip bei sowas ist immer: erst mal redurzieren.

    Wenig Alkohol ist gesünder wie viel Alkohol und wenig Fleisch ist sicherlich gesünder wie viel Fleisch.


    Ganz konsequent mit einer Gewohnheit zu brechen ist dann ein Schritt , der schon eine Menge Energie erfordert, und da stellt sich für mich dann immer die Frage lohnt sich dieser Aufwand wirklich, oder füttere ich damit nur mein Ego.


    Aus buddhistischer Sicht ist es jedenfalls nicht notwenig völlig auf Fleisch zu verzichten,und aus ökologischen Gründen finde ich gibt es erstmal eine Menge andere Baustellen, wo man seine Konsumgewohnheiten optimieren kann.


    Und aus gesundheitlichen Gründen hat mir mein tibetischr Arzt explizit davon abgeraten auf Fleisch zu verzichten.

    Qualitätiv gutes Fleisch sollte man sich aber natürlich schon leisten.

    Bei Fleischeratzprodukten sollte man aber auch auf Qualität achten. Was ich da oft im Kühlregal sehe, ist da leider häufig ziemlich fragwürdig.

    Jede Menge Füllstoffe und Eiweiß meistens aus Soja. Gesund ist das so jedenfalls ziemlich häufig nicht.

  • Heißhungerattacken können ja auch immer einen ganz praktischen körperlichen Grund haben, weil einem bestimmte Nährstoffe fehlen. Vegane Ernährung ist sehr anspruchsvoll weil man alle möglichen Sachen sehr gezielt ersetzen muss, die der Körper braucht. Achtest Du auf sowas?

    Ja. Ich passe auf, dass ich nötige Vitamine usw. aufnehme.


    du glaubst, es wäre ein wichtiger Schritt für Dich, vegan zu leben ? Ich glaube eher, das Du ganz andere Probleme hast, da Du dich zu Dingen zwingen willst.

    Dabei ist es gerade die Lehre, die mich dazu gebracht hat, über eine Veränderung meiner Ernährung nachzudenken und aktiv daran zu arbeiten. Und sich zu etwas zu zwingen, muss nicht negativ sein. Das kann auch Disziplin sein, wenn man sich bewusst etwas eine Weile vorenthält, um dann vielleicht zu merken, dass man es gar nicht braucht. Dass es kein generelles Fleischverbot im Buddhismus gibt, weiß ich und selbst wenn, dann wäre es lediglich ein Dogma und von Dogmen halte ich nichts.

    Ich unterscheide zwischen dem, was ich als Buddhas Lehre ansehe und dem Buddhismus als Religion mit den zahlreichen Strömungen. Von Religion möchte ich mich fernhalten, denn sie ist ein Irrweg. Wo immer in der Geschichte eine bedeutende spirituelle Lehre ist, da haben sich die Anhänger nach dem Tod des Lehrers zerstritten. Heute bemühen sich zwar einige Menschen, die Religionen zu einen und auf Gemeinsamkeiten hinzuweisen, doch das Wesen einer jeden Religion beinhaltet auch immer die Abgrenzung zu etwas. Daher haben diejenigen Menschen, die es nach weltlicher Macht dürstet, sich immer auch der Religionen bedient, um die Menschen untereinander zu spalten und Zwietracht unter ihnen zu sehen. Teile und herrsche.

    Ich suche auch nicht die Nähe von Menschen, die sich mit Titeln wie Meister oder Guru schmücken. Ich denke dann immer, da ist noch Anhaftung bei diesen Menschen an Status, Ego usw.

    Ich weiß, dass ich nur mein eigener Schüler sein kann.

    Für mich ist der Verzicht auf Fleisch- und Tierprodukte eine logische Folge von wachsendem Mitgefühl. Wenn man denn die Option hat, auf diese Dinge zu verzichten. Nicht alle haben den Luxus, in einer Region zu leben, wo das möglich ist.

    Tiere wollen ja auch leben und glücklich sein, wie wir Menschen. Warum sollte ich für sie also eine Quelle des Leids sein? Aufgrund eines nur kurz andauernden sinnlichen Genusses ein Leben auszulöschen, oft unter Qualen, scheint mir ein ziemlich schwacher Grund zu sein, wenn es auch andere Möglichkeiten gibt, dem Körper die nötigen Nährstoffe zu geben.

    Und deswegen ist es mir ziemlich einerlei ob das Dhamma ist oder nicht. Ich habe das für mich so entschieden und wenn ich klar bin, lebe ich danach und wenn ich manchmal in die Unbewusstheit zurückfalle, dann vergesse ich das. Ich bin nicht perfekt. Aber ich kann daran arbeiten, damit ich seltener unbewusst werde.

  • Phoenix Weißt du zufällig noch, weshalb er dir das empfohlen hat?


    Mit "Fleischersatzprodukten" meinst du sowas wie vegane Wurst oder Bratlinge? Logisch dass Lebensmittel, welche kaum noch als solche erkennbar sind, nicht gesund sind, egal ob vegan oder mit Fleisch. Aber Wurst oder Fleisch muss ja auch nicht ersetzt werden. :erleichtert:

  • Als ich früher (Lacto-)Vegetarierin geworden bin, hatte ich Gründe, die mir einfach wichtiger waren als die Essensgewohnheiten... Besonders das Mitleid mit den Tieren und der Ärger über das Töten nur für Genuss, waren meine Motivation.


    Motivation ist manchmal alles.

    Ich brauchte etwa drei Wochen, um meine Ernährung so umzustellen, dass ich das Gefühl hatte, mir fehle nichts. Zum einen musste ich vernünftige, sättigende vegetarische Gerichte kennenlernen und selber kochen lernen, zum anderen musste ich mich gewohnheitsmäßig umstellen. Für ersteres brauchte ich etwas Zuversicht, für zweiteres meine Anti-Motivation. Beim Anblick von Fleisch auf dem Teller musste ich unwillkürlich an das Tier denken, das hier nun tot lag, aber noch vor kurzem gelebt hat. Das war ja keine Phantasie, sondern Tatsache - und mir verging sofort jeglicher Appetit auf sowas.

    Zum Ende der Umgewöhnungsphase regte sich der Drang Fleisch zu essen nochmal mächtig, das war wie so ein Aufbäumen, aber nur kurz und vergänglich. Danach gab es kein Problem mehr. Fleischessen war für mich absurd.


    (Mit veganer Ernährung kenne ich mich aber nicht aus. Ich glaube, das muss noch mehr erforscht werden, wie das gut geht - diese Ernährungsweise ist ja ganz neu und es gibt da komische Produkte zu kaufen, finde ich.)


    Später habe ich als Gärtnerin in einem biologischen Gemüsebaubetrieb mit Tierhaltung (Schafe, Enten und Kaninchen) gearbeitet. Im Laufe der Zeit sah ich in Bezug zur Tierhaltung ganz andere Aspekte: Ohne Schafsmist hätte es einige Gemüsesorten gar nicht gegeben, ohne Tierhaltung hätte es die ganze Herde nicht gegeben. Ohne Enten hätten die Gemüsesetzlinge, Kohlrabi und so, nicht überlebt, weil Schneckenplage war. Die Enten haben sich über die Schnecken als Zusatzkost sehr gefreut.


    Nach fünf Jahren in dem Betrieb hatte ich diese Zusammenhänge zwischen Tier, Mensch und Gemüse verinnerlicht. Ich konnte es nicht mehr so sehen, dass für pflanzliche Nahrung kein Tier getötet würde. Damit war dann die Motivation für fleischlose Ernährung pfutsch. Nach 13 Jahren hörte ich mit dem Vegetarismus auf.


    Heute esse ich nicht viel Fleisch oder Eier. Manchmal. Gemüse ist immernoch das Wichtigste auf meinem Speisezettel.

    „Atmen statt Denken." (Filmzitat aus „Mängelexemplar")

  • Zum Ende der Umgewöhnungsphase regte sich der Drang Fleisch zu essen nochmal mächtig, das war wie so ein Aufbäumen, aber nur kurz und vergänglich. Danach gab es kein Problem mehr. Fleischessen war für mich absurd.

    Interessant, genauso ist es bei mir auch gerade. Als würde die alte Gewohnheit nochmals mit aller Macht hervorkommen. Auf jeden Fall gut zu wissen, dass andere ähnliche Erfahrungen gemacht haben. Das gibt mir Zuversicht, dass auch ich es schaffen kann.

    Später habe ich als Gärtnerin in einem biologischen Gemüsebaubetrieb mit Tierhaltung (Schafe, Enten und Kaninchen) gearbeitet. Im Laufe der Zeit sah ich in Bezug zur Tierhaltung ganz andere Aspekte: Ohne Schafsmist hätte es einige Gemüsesorten gar nicht gegeben, ohne Tierhaltung hätte es die ganze Herde nicht gegeben. Ohne Enten hätten die Gemüsesetzlinge, Kohlrabi und so, nicht überlebt, weil Schneckenplage war. Die Enten haben sich über die Schnecken als Zusatzkost sehr gefreut.


    Nach fünf Jahren in dem Betrieb hatte ich diese Zusammenhänge zwischen Tier, Mensch und Gemüse verinnerlicht. Ich konnte es nicht mehr so sehen, dass für pflanzliche Nahrung kein Tier getötet würde. Damit war dann die Motivation für fleischlose Ernährung pfutsch. Nach 13 Jahren hörte ich mit dem Vegetarismus auf.

    Man kann nicht auf der Erde wandeln, ohne auch nur einen einzigen Grashalm umzuknicken.

    Tierleid wird es wohl solange geben, wie es Tiere gibt. Das ist nicht zu ändern. Aber der Verzicht auf Tierprodukte macht schon eine Menge aus. Allein die Tatsache, dass man rein flächenmäßig 12 Milliarden Menschen ernähren könnte, würde man die Ackerflächen nicht zur Tiermast nutzen. Aber die westliche Welt will 3x am Tag Fleisch auf dem Teller. Am liebsten jeden Tag.

  • Phoenix Weißt du zufällig noch, weshalb er dir das empfohlen hat?


    Mit "Fleischersatzprodukten" meinst du sowas wie vegane Wurst oder Bratlinge? Logisch dass Lebensmittel, welche kaum noch als solche erkennbar sind, nicht gesund sind, egal ob vegan oder mit Fleisch. Aber Wurst oder Fleisch muss ja auch nicht ersetzt werden. :erleichtert:

    Er hat mir Milchprodukte ganz streng verboten, und dann noch festgestellt ,das ich zu wenig Verdauungsfeuer habe.Rohkost soll ich also auch vermeiden.

    Und hat er mich deutlich darauf hingewiesen,das man leicht Mangelerscheinugen bekommt,wenn man das Fleisch dann auch noch wegläßt.

    Ich merke auch zumindest im Winter, das ich Fleisch für eine ausgewogene Ernährung brauche.

    (Selbstgekochte Hühnersuppe ist das Vorbeuge und Heilmittel bei Erkältungskrankheiten.)


    Mit Fleischersatzprodukten meine sowas wie Vegane Burger,aber auch veganen Brotaufstrich. In ganz vielen Produkten ist da z.b. Guakernmehl drinn, und ich vertrag das nicht. Früher wurde das auch zur Klebstoffherstellung benutzt, so ganz verwundert es mich also nicht, wenn es mir nicht bekommt.;)


    _()_

  • Ja, es ist der Massenkonsum, der fein säuberlich abgepackte Fleischkonsum, der auf Massentierhaltung basiert, der problematisch ist. Das Übermaß. Was mit einer Verschwendung von Wasser einher geht, zu abgeholzten Flächen für Futteranbau führt, die Tier"abgase" sind ein zusätzlicher Klimafaktor.


    Würden die Menschen ihre Tiere noch selbst aufziehen und schlachten müssen, sähe das mit dem Konsum wohl ganz anders aus.

    "Respekt ist unsere Aufgabe und nicht ne falsche Maske, die ich aufhabe" (Fanta 4)
    OM BENDZA KILI KILAYA HUNG