Das „nicht“-Paradoxon in den Koan des Chan/Zen Buddhismus oder es ist nicht ein Ding

There are 80 replies in this Thread. The last Post () by holger_k.

  • Zitat

    Ich würde nicht sagen, dass die, die heutzutage den Weg studieren, sich keine Mühe geben - aber oft lernen sie einfach Zen-Geschichten auswendig und versuchen, über alte und moderne Zenmeister Urteile zu fällen, wählerisch in Worten und Sätzen herumstochernd und dabei komplizierte Begründungen schaffend und abgestandene Slogans lernend. Wann kommen sie je damit zu Ende? Wenn du Zen auf diese Art und Weise studierst, dann wird alles, was du davon hast, eine Sammlung abgenutzter Antiquitäten und Kuriositäten sein.


    Wenn du es auf diese Weise unternimmst "die Quelle zu suchen und das Fundamentale zu studieren", dann kletterst du letzlich nur den Fahnenmast deines Intellekts und deiner Fantasie hoch. Wenn du keinem Eingeweihten begegnest, wenn du nicht selbst einen unbezwingbaren Willen hast, wenn du niemals in dich selbst zurückgetreten bist und an deinem Geist gearbeitet hast, wenn du nicht all dein früheres und späteres Wissen und deine Ansichten von unübertrefflichen Wundern abgeschüttelt hast, wenn du dich nicht direkt von all dem befreit und die ursächlichen Bedingungen der fundamentalen großen Angelegenheit verstanden hast - dann ist genau das der Grund dafür, dass du immer noch nur halb angekommen bist, zurückfällst und nicht unterscheiden oder verstehen kannst. Wenn du einfach so weiter machst, dann wirst du, selbst wenn du dich dein ganzes Leben lang eifrig bemühst, trotzdem die fundamentale Quelle nicht einmal im Traum erblicken.


    Darum sagte der Mann in den alten Zeiten: "Erwachen ist getrennt von Erklärungen mit Worten - nie gab es je einen Erlanger." Deshan sagte: "Unsere Schule hat keine Ausdrücke in Worten und nicht ein Ding oder eine Lehre, sie den Leuten zu geben."


    Yuanwu Keqin (圜悟克勤)

  • Schopenhauer:

    Das nach Verneinung der Welt übrig bleibende Nichts.

    Auch nach Negation des allgemein als positiv Angenommenen, welches wir das Seiende nennen, bleibt kein absolutes Nichts übrig, sondern nur ein relatives. Ein Wechsel des Standpunkts würde die Zeichen vertauschen lassen und das für uns Seiende (die Welt der Vorstellung, d. i. die Objektität des Willens) als das Nichts und das Nichts derselben als das Seiende zeigen.


    Einschub:

    Dualitat: Subjekt < Objekt:

    Ding an sich/Wille --> Sinne > Einwirkung daraus Empfindung, nicht objektiv sondern subjektiv > Verstand führt zu Anschauung, Erkenntnis von Objekten und der Kausalität > Vernunft führt zu Begriffen | |

    Verstand & Vernunft = Vorstellung.

    Man muss von allen Göttern verlassen sein, um zu wähnen, die objektive Welt sei ohne unser Zutun vorhanden, gelange dann aber durch die bloße Sinnesempfindung in unseren Kopf, woselbst sie nun, wie da draußen, noch einmal dastände. Denn was für ein ärmliches Ding ist doch die bloße Sinnesempfindung. Sie ist und bleibt subjektiv. Etwas Objektives liegt in keiner Empfindung. (W. II, 30.)


    1) Was nach gänzlicher Aufhebung des Willens übrig bleibt, ist für alle Die, welche noch des Willens voll sind, allerdings „Nichts“.


    2) Aber auch umgekehrt ist Denen, in welchen der Wille sich gewendet und verneint hat, diese unsere so sehr reale Welt mit allen ihrer Sonnen und Milchstraßen — „Nichts“ (Schopenhauer rechnet sich hier zu).


    3) Aber (!!!): So lange wir der Wille zum Leben sind, kann freilich das nach Verneinung der Welt Übrigbleibende von uns nur negativ erkannt und bezeichnet werden. (W. I, 485—487.)


    Ergänzung Chan: Das Ding an sich, da ist nichts. Das hindert uns nicht daran, in der Vorstellung, somit in deren Voraussetzung der Empfindung ... auch mit der Kausalität des Verstandes als Teil der Vorstellung (Karma), zu leben.

  • Ich weiß es auch nicht. Zu viele Assoziationen schaffen Verwirrung. Vielleicht ist es das?

    Nach drei mal durchlesen krieg ich das immer noch nicht zusammen, also lass ich das einfach mal so wie es ist. Eine gesäte ungemähte Wiese.

  • Auf Grund von Nachfragen:

    Das allerletztliche Problem ist hier fassbar beschrieben:

    Gödels Unvollständigkeits-Theorem über Unentscheidbarkeit

    godels-unvollstandigkeits-theorem.pdf


    Allerdings mit der kleinen Fehlleitung zu Beginn:

    “Epimenides, der Kreter, sagte alle Kreter wären Lügner und alle sonst von den Kretern aufgestellten Behauptungen wären gewiß Lügen. War das eine Lüge?”

    Das ist allerdings entscheidbar:


    Denn dieses ist nicht aussagenlogisch sondern prädikatenlogisch, durch den Quantifizierer „alle“:

    „Epimenides der Kreter sagte: Alle Kreter sind Lügner (im Sinne von „lügen immer“).“

    Dadurch ist das „Paradoxon“ des Epimenides kein Paradoxon, da ist kein Widerspruch, sondern es führt zu einer konsistenten Lösung:


    (1) Epimenides lügt mit seiner Behauptung „Alle Kreter lügen immer“, somit

    (2) Negierung seiner Aussage, „nicht“ vorne hin: „Nicht“ alle (!!!!!) Kreter lügen immer, somit

    (3) es gibt Kreter (also die zwei Haufen):

    a] die „nicht“ immer lügen (Nebenbemerkung: das impliziert auch diejenigen, die nie lügen, denn auch die lügen nicht immer),

    b] obwohl es auch Kreter geben kann (!) die immer lügen (das dürfen nach (2) blos nicht alle sein: a] darf nicht Leer sein),

    egal wo Epimenides dazugehört (im Falle, dass a] nur nie-Lügner enthält nur zu b] gehörig : b] darf nicht Leer sein), dann folgt letztlich aus (1) die konsistente Lösung: Und (1) sagt: Epimenides lügt.