Das „nicht“-Paradoxon in den Koan des Chan/Zen Buddhismus oder es ist nicht ein Ding

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  • Zitat

    Ich würde nicht sagen, dass die, die heutzutage den Weg studieren, sich keine Mühe geben - aber oft lernen sie einfach Zen-Geschichten auswendig und versuchen, über alte und moderne Zenmeister Urteile zu fällen, wählerisch in Worten und Sätzen herumstochernd und dabei komplizierte Begründungen schaffend und abgestandene Slogans lernend. Wann kommen sie je damit zu Ende? Wenn du Zen auf diese Art und Weise studierst, dann wird alles, was du davon hast, eine Sammlung abgenutzter Antiquitäten und Kuriositäten sein.


    Wenn du es auf diese Weise unternimmst "die Quelle zu suchen und das Fundamentale zu studieren", dann kletterst du letzlich nur den Fahnenmast deines Intellekts und deiner Fantasie hoch. Wenn du keinem Eingeweihten begegnest, wenn du nicht selbst einen unbezwingbaren Willen hast, wenn du niemals in dich selbst zurückgetreten bist und an deinem Geist gearbeitet hast, wenn du nicht all dein früheres und späteres Wissen und deine Ansichten von unübertrefflichen Wundern abgeschüttelt hast, wenn du dich nicht direkt von all dem befreit und die ursächlichen Bedingungen der fundamentalen großen Angelegenheit verstanden hast - dann ist genau das der Grund dafür, dass du immer noch nur halb angekommen bist, zurückfällst und nicht unterscheiden oder verstehen kannst. Wenn du einfach so weiter machst, dann wirst du, selbst wenn du dich dein ganzes Leben lang eifrig bemühst, trotzdem die fundamentale Quelle nicht einmal im Traum erblicken.


    Darum sagte der Mann in den alten Zeiten: "Erwachen ist getrennt von Erklärungen mit Worten - nie gab es je einen Erlanger." Deshan sagte: "Unsere Schule hat keine Ausdrücke in Worten und nicht ein Ding oder eine Lehre, sie den Leuten zu geben."


    Yuanwu Keqin (圜悟克勤)

  • Schopenhauer:

    Das nach Verneinung der Welt übrig bleibende Nichts.

    Auch nach Negation des allgemein als positiv Angenommenen, welches wir das Seiende nennen, bleibt kein absolutes Nichts übrig, sondern nur ein relatives. Ein Wechsel des Standpunkts würde die Zeichen vertauschen lassen und das für uns Seiende (die Welt der Vorstellung, d. i. die Objektität des Willens) als das Nichts und das Nichts derselben als das Seiende zeigen.


    Einschub:

    Dualitat: Subjekt < Objekt:

    Ding an sich/Wille --> Sinne > Einwirkung daraus Empfindung, nicht objektiv sondern subjektiv > Verstand führt zu Anschauung, Erkenntnis von Objekten und der Kausalität > Vernunft führt zu Begriffen | |

    Verstand & Vernunft = Vorstellung.

    Man muss von allen Göttern verlassen sein, um zu wähnen, die objektive Welt sei ohne unser Zutun vorhanden, gelange dann aber durch die bloße Sinnesempfindung in unseren Kopf, woselbst sie nun, wie da draußen, noch einmal dastände. Denn was für ein ärmliches Ding ist doch die bloße Sinnesempfindung. Sie ist und bleibt subjektiv. Etwas Objektives liegt in keiner Empfindung. (W. II, 30.)


    1) Was nach gänzlicher Aufhebung des Willens übrig bleibt, ist für alle Die, welche noch des Willens voll sind, allerdings „Nichts“.


    2) Aber auch umgekehrt ist Denen, in welchen der Wille sich gewendet und verneint hat, diese unsere so sehr reale Welt mit allen ihrer Sonnen und Milchstraßen — „Nichts“ (Schopenhauer rechnet sich hier zu).


    3) Aber (!!!): So lange wir der Wille zum Leben sind, kann freilich das nach Verneinung der Welt Übrigbleibende von uns nur negativ erkannt und bezeichnet werden. (W. I, 485—487.)


    Ergänzung Chan: Das Ding an sich, da ist nichts. Das hindert uns nicht daran, in der Vorstellung, somit in deren Voraussetzung der Empfindung ... auch mit der Kausalität des Verstandes als Teil der Vorstellung (Karma), zu leben.

  • Ich weiß es auch nicht. Zu viele Assoziationen schaffen Verwirrung. Vielleicht ist es das?

    Nach drei mal durchlesen krieg ich das immer noch nicht zusammen, also lass ich das einfach mal so wie es ist. Eine gesäte ungemähte Wiese.

    Es gibt Unmengen an Metaebenen. Yang. Es gibt eine Ebene der Realität. Yin

    Dahinter gibt es nichts das diese erschaffen könnte, nur ich bin davor.

    Bedingtes Entstehen in wechselseitiger Abhängigkeit ist Erleben.

  • Auf Grund von Nachfragen:

    Das allerletztliche Problem ist hier fassbar beschrieben:

    Gödels Unvollständigkeits-Theorem über Unentscheidbarkeit

    godels-unvollstandigkeits-theorem.pdf


    Allerdings mit der kleinen Fehlleitung zu Beginn:

    “Epimenides, der Kreter, sagte alle Kreter wären Lügner und alle sonst von den Kretern aufgestellten Behauptungen wären gewiß Lügen. War das eine Lüge?”

    Das ist allerdings entscheidbar:


    Denn dieses ist nicht aussagenlogisch sondern prädikatenlogisch, durch den Quantifizierer „alle“:

    „Epimenides der Kreter sagte: Alle Kreter sind Lügner (im Sinne von „lügen immer“).“

    Dadurch ist das „Paradoxon“ des Epimenides kein Paradoxon, da ist kein Widerspruch, sondern es führt zu einer konsistenten Lösung:


    (1) Epimenides lügt mit seiner Behauptung „Alle Kreter lügen immer“, somit

    (2) Negierung seiner Aussage, „nicht“ vorne hin: „Nicht“ alle (!!!!!) Kreter lügen immer, somit

    (3) es gibt Kreter (also die zwei Haufen):

    a] die „nicht“ immer lügen (Nebenbemerkung: das impliziert auch diejenigen, die nie lügen, denn auch die lügen nicht immer),

    b] obwohl es auch Kreter geben kann (!) die immer lügen (das dürfen nach (2) blos nicht alle sein: a] darf nicht Leer sein),

    egal wo Epimenides dazugehört (im Falle, dass a] nur nie-Lügner enthält nur zu b] gehörig : b] darf nicht Leer sein), dann folgt letztlich aus (1) die konsistente Lösung: Und (1) sagt: Epimenides lügt.

  • Zitat

    Zen vom Kopf auf die Füße gestellt: Huang-bo und das Mumonkan: Amazon.de: Dietrich Roloff: Amazon.de


    Lieber Bosal Rupert Reiger!

    Für meinen Geschmack sollte man Produktempfehlungen als solche ausweisen. Auch ein paar persönliche Worte zu dem Werk ließen ein Herz erkennen, das in Deiner Brust schlägt. Aber wir sind im Netz und da ist Anarchie die alles ordnende Hand.

    Gestern unterhielt ich mich mit dem Leiter eines Platzes über die Äußerung eines Freundes, daß die Nichiren eine Sekte wären. Er sagte, daß die Ausschließlichkeit, mit der sie ihr "nam myoho renge kyo" als Heilmittel hinstellen, den Charakter einer Sekte erfüllt. Bei meinem Besuch der Berliner Gemeinde fand ich die Leutchen nur beim kategorischen Ablehnens des Fotografierens der (wundscherschönen) Kalligrafie anstrengend. Beim Rezitieren ging dafür bei manchen Anwesenden die Post ab, so daß ich damals die Frage stellte, ob sie keine Meditation auf dem Fußboden kennen. Damals war die Frage ehrlich, aus heutiger Sicht naiv.

    Wie gesagt, jedem nach seiner Fasson. Vielleicht kommt die große offene Weite bei diesem Produkt. Ich weiß nicht, ich kaufe es mir jedenfalls nicht.

    Auf bald.

    Dae Kyong

  • Ich glaube, Lao-zi / Dao-De-Jing und die Koansammlungen der Chinesen der Tang und Song Zeit sagen zum Menschen, der Welt und letztlich zu allem am direktesten was dazu zu sagen ist. Ferner bin ich der Meinung, das Buch oben beschreibt in seinen Erläuterungen sehr gut den Einfluss des Dao auf die Koan, also "auch" wie sie entstanden. Es spricht zwar nicht direkt das Thema der Diskussion hier an, viele Beispiele führen aber hin.

  • Ich kann mich erinnern, über das Thema Paradoxon und 'nicht'-Paradoxon haben wir schon damals in der Schule im Philosophie-Kurs angefangen zu diskutieren. Wir kamen darauf, wenn man sich darüber in der westlichen Welt den Kopf zerbrechen möchte, läuft man Gefahr einen Nervenzusammenbruch zu bekommen denn nichts in der westlichen Kultur unterstützt dieses Denken. Deshalb besteht die Lösung solcher paradoxen Tatsachen weniger im Denken als viel mehr im Empfinden. Man kann die Wahrheit in der individuellen Situation spüren aber man kann sie kaum in Worte fassen, jedoch man kann sie anderweitig kreativ zum Ausdruck bringen.


    Als ich vor vielen Jahren von Berlin ins Allgäu kam, meinte ich im kulturellen 'Nichts' gelandet zu sein. Es quälte mich sehr. Heute, geraume Zeit später, weiß ich dieses 'Nichts' zu schätzen.

  • Spricht man vom Lügenparadoxon in den Koans, so fragt man sich, ist das Wort Paradoxon auch mal direkt angesprochen? Hat man nur deutsche Übersetzungen, kann man falsch liegen. Es drängen sich aber Synonyme zu Paradoxon auf, als da wären: Ranken, Rankengewächs, Rankengewirr, Steppengestrüpp, Rankendickicht, Nebel und Qualm, Drehpunkt, Sternchen am Waagbalken, ...


    Beispiele (nicht vollständig) hierzu aus Bi Yan Lu von von Xue-dou, meist aber im Kommentar von Yuan-wu (kursiv) zu finden, in der Übersetzung Wilhelm Gundert:


    2. Koan:


    Die Grundlage des Chan der Song-Zeit ist die totale Freiheit von Metaphysik, wie im Westen später bei Nietzsche, s.u.. Was niemals nachweisbar sein wird, wird als „wu“ als „da ist nichts“ angenommen, also kein Gott und auch kein Kantsches Ding an sich (= Wille = Geist = ursprünglicher Geist = ursprüngliches Gesicht = wahres Wesen = allererster Satz = das was der Stimme vorausgeht = ursprünglicher Körper = ursprünglicher Buddha = Buddha-Wesen = Buddha-Natur = Buddhaleib = wahre Wirklichkeit = letzter Grund = das schlechthin Leere = DAO) hinter den objektiven Erscheinungen (Objekt für das erkennende Subjekt = Vorstellung), egal ob die Sensibilität der Erscheinungen durch menschliche Sinne oder deren Erweiterung, das heißt durch physikalische Geräte und Messung, oder durch theoretische Berechnungen der theoretischen Physik erfolgt; es ist kein Sprung in dieser Kette (!!!), der plötzlich die Erkenntnis über „das fundamentale Wesen“eines Ding an sich ermöglichen würde. Das letztere ist so, da die Physik unvollständige Induktion von den Messungen in die Theorie ist. Mathematik ist Deduktion,das gilt. Physik dagegen ist unvollständige Induktion, basierend auf Messungen. Das einzige, was die Physik macht, sind Modelle, die in ihren Bereichen nützen. Misst man genauer in neue Bereiche, kann eine neue Theorie notwendig sein. Das heißt, gibt es neue, widersprüchliche Messungen, muss die Theorie wieder angepasst werden (Gravitation: Newton -> Einstein -> dunkle Energie/Materie -> ?). Man kann „auf der Basis unvollständiger Induktion“ nicht beweisen, dass das mal aufhören muss und: Man kann „auf der Basis unvollständiger Induktion“ nicht nicht zeigen, was das Ding an sich ist. Interessant ist, dass Modelle auch disjunkt sein können, wie das quantenmechanische Wellenmodell und das Quanten-/ Teilchenmodell. Mit dem einen kann man das eine ausrechnen, mit dem anderen das andere: Das „Ding an sich“ ist das nicht und wird es auch niemals sein.


    (Einschub: Es mag jemand bemerken, es gibt in der Mathematik zumindest vollständige Induktion. Dazu ist zu bemerken, dass vollständige Induktion zu unendlich vielen Axiomen führt (Peano), was aber, in einem Ausdruck hinzuschreiben ist. Es bleibt dabei: Mathematik ist Deduktion.)


    So verbleibt es dabei: Hat ein Hund das Buddha-Wesen = das Ding an sich? Da ist nichts!

    Für die alten Chinesen mit ihrem Verstand wie ein Rasiermesser ergibt sich nun das Problem: Spricht man „da ist nichts“, dann macht man eine Aussage, die etwas ist, also ist das Gegenteil des Gesprochen richtig, also „ist da doch was“ und das besagt: „Da ist nichts“, .... ... .. . zyklisch bis unendlich. Das „Da ist nichts“ Paradoxon ist 1zu1 das Lügenparadoxon.

    Wie schaut das im 2. Beispiel aus:

    Dschau-dschou:

    Der höchste Weg ist gar nicht schwer,

    Nur abhold wählerischer Wahl.

    Dort wo man weder haßt noch liebt,

    Ist Klarheit, offen, wolkenlos.

    (Einschub: „Dort wo man weder haßt noch liebt“ siehe unten: Nietzsche „Jenseits von Gut und Böse“)

    Dschau-dschou weiter:

    Redet man davon auch nur ein klein bisschen, so heißt es schon: hier „wählerische Wahl“, hier „wolkenlose Klarheit (= da ist nichts)“. Der alte Mönch steht nicht in der „wolkenlosen Klarheit (= beim hier ist nichts, weil er durch sein Reden ja Metaphysik generiert, ersagt aber „da ist nichts“, zyklisch bis unendlich)“.

    Der Mönch sagt: Wenn ihr schon nicht in der wolkenlosen Klarheit steht, was soll man dann hüten und hochhalten?

    Dschau-dschou erwiderte: Ich weis auch nicht (Das Paradoxon ist durchbrochen)!


    Zwischenbemerkung von Yuan-wu zum Beispiel (Ironie und höchstes Lob):

    Was macht der alte Chinese da? Bleib er doch weg mit seinem „Rankengewirr“!

    ...

    „Redet man davon nur ein klein bisschen, so heißt es schon: hier wählerische Wahl, hier wolkenlose Klarheit. ... Schwimmt der Fisch (redet man), trübt sich das Wasser (= „da ist nichts“ ist zerstört), fliegt der Vogel (redet man), so fallen Federn (= „da ist nichts“ ist zerstört).

    ...

    „Wenn man schon nicht in der wolkenlosen Klarheit steht (durch reden), was soll man dann hochhalten?“ Yuan-wu: Hier wäre eine Tracht Prügel angebracht.

    Dschau-dschou: Ich weiß auch nicht ... Yuan-wu: nun hat es diesen alten Chinesen aber zu Boden geschlagen! Niederlage!

    ...

    Dschau-dschou:Mach deine Verbeugung und tritt zurück! Yuan-wu: Wie gut, dass er noch diesen letzten Zug hat, der alte Gauner.


    5. Koan:


    Hinweis von Yuan-wu zum Beispiel:

    ... Denn wollte er das Rankenwerk kurzerhand abhauen, so wäre es den Anfängern (die gerade mit der Shunyata begonnen haben, aber da nicht verdorren sollen) unter den Schülern schwer, ihr Schifflein in den Hafen (ins Leben) zu steuern. ...

    Xue-dou im Gesang:

    ... Auf Hui-neng’s Spiegel des Giesbachs bleibt nicht ein Stäubchen mehr ...

    Das zitiert: Auch ist da kein klarer Spiegel samt Gestell, ursprünglich existiert kein einzig Ding, wo wollte sich da Staub absetzen? Das ist das „Da ist nichts“ Paradoxon = Rankenwerk.


    6. Koan:


    Hinweis von Yuan-wu zum Beispiel:

    ... Wer es aber durchschaut, der wird merken, wie diese Alten es meinen. Seht, wie Xue-dou um die Worte Yun-men’s seine eigenen Ranken windet.

    Xue-dou im Gesang:

    ... Trunken zeichnet der Blick die Spur des fliegenden Vogels (redet man, da ist das „Nichts“ zerstört),

    Wirres Steppengestrüpp! Dicht in Nebel und Qualm!

    Auf Subhuti’s Felsensitz wirbelt es Blumen herab.

    Tut uns leid. Wir schnalzen dich weg, Schunyata, Leerheitsgeist (wenn du das „Nichts“ erkannt hast, dann nimm gelassen das Leben, da du sonst nichts hast). „Steht fest und unverrückt!“...

    Hinweis von Yuan-wu zum Gesang:

    ... „Trunken zeichnet der Blick die Spur des fliegenden Vogels (redet man, da ist das „Nichts“ zerstört)“. In den Augen drin ist davon aber nichts bekannt geworden! ...

    Er steckt noch immer in dem Rankendickicht drin! ...

    Wirres Steppengestrüpp! ... „Dicht in Nebel und Qualm!“ Er kommt noch immer nicht aus seinem Loch in Nebel und Qualm heraus.

    „Auf Subhuti’s Felsensitz wirbelt es Blumen herab.“ Durchschaut!

    „Tut uns leid. Wir schnalzen dich weg, Schunyata, Leerheitsgeist!“ ...

    Bringt doch ein ordentliches Wort daher und greift damit dem Leerheitsgeist da in die Nüstern! Redet! Wo bleibt er dann? „Steht fest und unverrückt!“ (na endlich) Wo bleibt denn, was er vorher gesagt hat?

    ...

    (Aber an dieser Stelle) sorgt sich nun Xue-dou in seiner Güte, die Menschen möchten in diesem Element des Losseins von den Dingen sitzen bleiben, und sagt deshalb: „Wildes Steppengestrüpp, dicht in Nebel und Qualm (Sie drehen sich im Paradoxen).“ Er setzt also dem Deckel auf, dreht das ganze und hat um sich „wirres Steppengestrüpp, dicht in Neben und Qualm“. Sagt mir einmal: Was sind das für Menschen, denen das ihre Welt ist? Das hat doch hoffentlich nichts miteinander zu tun! !!! Aber gleich haben wir es heraus: Mit dem „feierlichen Schreiten auf dem Rauschen strömender Wasser“ ist es also nichts; und nichts mit dem „Trunkenen Blick, der die Spur des fliegenen Vogels zeichnet“. Es ist auch nichts mit dem „wirren Steppengestrüpp“ und wieder nichts mit „Nebel und Qualm“.

    Aber so gewiss es mit alledem nichts ist, so geschieht nun richtig, was er sagt: „Auf Subhuti’s Felsensitz wirbelt es Blumen herab.“ Man muss eben auch den Rückweg aus jener Gegend (der absoluten Leerheit, womit man erkannt hat, dass da nichts ist und sich nicht darin im Kreise des Paradoxen drehen!) gegangen sein, dann erst hat man gewonnen.


    10. Koan:


    Hinweis von Yuan-wu zum Beispiel:

    Ja so ist es, Nein so ist es nicht. Macht man daraus einen Redestreit, so steht ein jeder auf seinem Drehpunkt (dreht sich im Kreis des Paradoxons).


    12. Koan:

    Hinweis von Yuan-wu zum Beispiel:

    ... Gilt es (auf dem Weg in die Shunyata) zu töten, so wird dabei nicht ein Härchen gekrümmt. Gilt es lebendig zu machen, so muß doch Leib und Leben (aus der Erkenntnis aus der Shunyata heraus, dass da „Nichts“ ist, besser „nichts ist“) dabei zugrunde gehen.

    Darum sagt einer: Den einen Pfad, der überwärts hinaufführt, kann aller tausend Heiligen Überlieferung dir nicht weisen (da paradox). Gelehrte mühen sich, ihm eine Form zu geben (das geht halt prinzipiell nicht mit einem „Da ist nichts“ Paradoxon). Sie sind den Affen gleich, die nach dem Spiegelbild (manchmal auch Spiegelbild des Mondes) im Wasser greifen (ein „Da ist nichts“ Paradoxon ist nicht greifbar).

    Nun sagt einmal: Wenn man es schon nicht greifen kann (ja wie denn?), was sollen dann die vielen Koans mit ihrem Rankengewirr?


    13. Koan:

    Zwischenbemerkungen von Yuan-wu zum Beispiel:

    „Ein Mönch fragte Yun-men: Was ist es mit der Lehre des Buddha in den verschiedenen Perioden seines Lebens?“ Bis heute ist der Mann mit dieser Frage noch nicht fertig (wie auch, er dreht sich im Kreis). Die Herrn Magister begreifen es nun einmal nicht (das geht prinzipiell nicht). Er sitzt in seinem Gewirr von Schlingpflanzenranken wie in einem Loch. ...


    17. Koan:

    Zwischenbemerkungen von Yuan-wu zum Beispiel:

    „Ein mönch fragte Hsiang-lin: Was ist der Sinn davon, dass fern vom Westen der Patriarch gekommen?“ Das gibt den Leuten mächtig zu fragen. Geht die Geschichte denn noch immer um?

    „Hsiang-lin erwiderte: Vom langen Sitzen müde.“ Schwimmt der Fisch (redet man), trübt sich das Wasser (= „da ist nichts“ ist zerstört), fliegt der Vogel (redet man), so fallen Federn (= „da ist nichts“ ist zerstört).Halte er doch den Mund !! Könnerauge! Er sägt vom Waagbalken das Laufgewicht ab (er bleibt der Stern = die Achse der Waage, der sich im Kreise dreht)!


    21. Koan:

    Hinweis von Yuan-wu zum Gesang:

    Aber hütet euch, dass ihr nicht anstatt des Gewichtssteins (auf = Shunyata,ab = dann mitten im Leben, weil wir sonst nicht haben, Metaphysik gibts hier nicht) aus Versehen auf das Sternchen am Waagbalken (die Achse, die sich im Kreise dreht wie ein Paradoxon) achtet! Heutzutage können die Menschen an den Worten solcher Meister nur immer herumkauen und kommen dabei nie zu einem Ende (ja wie auch).


    Uns so gehts weiter im Bi Yan Lu ...


    Vielleicht noch ein Beispiel aus dem Wu Men Guan = „Da ist nichts Sperre das Tores“, Übersetzung Dietrich Roloff:


    Erst mal gefällt Roloffs Übersetzung „Da ist nichts Sperre das Tores“, was beschreibt, dass für diejenigen, die ewig leben wollen, die Tatsache, dass da keine (theologische) Metaphysik ist sondern „da nichts ist“, eine Sperre ist.


    30. Koan:

    Weil Da-mei fragte: „Was ist mit Buddha?“, sagte Ma-zu: Also der Geist (Ding an sich) ist Budda!“

    Kommentar Wu-men:

    Wie viele Menschen verführt Da-mei, dass sie einen Schleifstein (der auf und ab geht) irrtümlich als den Stern (der sich im Kreise dreht wie ein Paradoxon) einer Waage anerkennen?

    Denn, wie sollen sie wissen, dass den Namen Buddhas auszusprechen bedeutet, sich drei Tage lang den Mund auszuspühlen? Wenn ein solcher Chinese gesagt bekommt: „Also der Geist ist Buddha!“, dann hält er sich die Ohren zu und geht auf der Stelle davon!

    33. Koan:

    Weil ein Mönch ihn fragte: „Was ist mit Buddha?“, sagte Ma-zu: „Er ist nicht Geist, nicht Buddha.(Buddha = nicht Budda: „Da ist nichts“ Paradoxon)“

    Kommentar Wu-men:

    Wenn du es schaffst, hier den Durchblick zu erlangen, dann ist die Angelegenheit deines Bemühens um Versenkung zu ihrem Ende gekommen.

    Die Lösung im Gesang:

    Triffst du auf einen Schwertreisenden (das das Paradoxon abschneiden kann), musst du ihm deines überreichen ...

    27. Koan:

    Weil ein Mönch ihn fragte: „Gibt es auch noch eine Lehre, die den Menschen nicht dargelegt worden ist?“, sagte Nan-quan: „Ja, die gibt es.“ Der Mönch sagte: „Was hat es auf sich mit dieser Lehre, die den Menschen nicht dargelegt worden ist?“ Nan-quan sagte: „Es ist nicht Geist, es ist nicht Buddha, es ist nicht sonst was! (Lehre = nicht sonst was = nicht Lehre: Die Lehre besagt es gibt keine Lehre, somit auch nicht die Lehre die besagt es gibt keine Lehre, somit ist wieder eine Lehre möglich z.B. diejenige die besagt es gibt keine Lehre, ... = Da ist nichts“ Paradoxon)“

    Kommentar Wu-men:

    Nan-quam wurde nur dieses eine gefragt, und sofort tastet er gierig nach seinem gesamten Familienbesitz, legt ihm Eisenketten an, nicht wenige (dadurch, dass er lehrt, dass es keine Lehre gibt)!

    Es dringlich ans Herz zu legen schmälert, mein Herr, Ihre Verdienste!

    Überhaupt nicht zu reden, das erst hat wahrhaft Verdienst!


    Ende der Beispiele, die natürlich in keinster Weise vollständig sind.


    Es verbleibt nochmals ein Eingehen auf:

    „Da ist nichts“, sprich: Chan ist frei von jeglicher Metaphysik, auch der theologischen, wie es schon im Namen Wu Men Guan (= Da ist nichts Sperre das Tores) steht. Diese Sperre ist durch die Akzeptanz, dass da nichts ist, zu überwinden.

    Dass da ein Widerstreben ist, erklärt sich mit Darwin, wo zwar die Erhaltung nicht des Individuums sondern der Gattung als oberstes Prinzip steht. Sonst gäbe es die Gattung eben nicht mehr, sie hätte im darwinistischen Sinne verloren. Auf des Individuum wird dabei mehr oder weniger Rücksicht genommen. Ist es einerseits bei niederen Lebewesen so, dass die Fortpflanzung durch eine hohe Reproduktionsrate und nicht durch die bestmögliche Erhaltung des Individuums zur Erhaltung der Gattung dient und so die Erhaltung des Individuums sekundär ist, so ist es bei höheren Lebewesen und dem Menschen andererseits so, dass der Erhaltungstrieb der Gattung auf einen Erhaltungstrieb des Individuums übertragen ist, jedoch einzig zum Zwecke der Unterstützung der Erhaltung der Gattung.

    Und dieser Erhaltungstrieb des Individuums führt beim Individuum zum Wunsch des ewigen Lebens. Das ist mit Darwin erklärbar aber prinzipiell nicht beweisbar. So baut der Mensch dazu eine (theologische) Metaphysik auf, und genau das spricht der Chan Buddhismus der Tang Zeit an und der Chan Buddhismus der Song Zeit negiert diese Metaphysik absolut und total. Was nicht beweisbar ist, ist deshalb nur wahnsinnige Spekulation, die somit das Chan, als frei von jeglicher nicht beweisbarer Metaphysik, ja die man auch nicht braucht, logischerweise zum „da ist nichts“ macht.


    Eine Konseuqenz daraus ist, nochmals Bi Yan Lu, 2. Beispiel:

    Dschau-dschou:

    Der höchste Weg ist gar nicht schwer,

    Nur abhold wählerischer Wahl.

    Dort wo man weder hasst noch liebt,

    Ist Klarheit, offen, wolkenlos.


    „Nur abhold wählerischer Wahl“ ist die Kausalität der Welt, es gibt keinen freien Willen: Freier Wille Neuigkeiten zum Dogma


    „Dort wo man weder haßt noch liebt“ ist die Folge, dass es keinen freien Willen gibt und somit auch kein „Bejahen und Verneinen“, man ist im Sinne Nietzsches „Jenseits von Gut und Böse“.


    „Ist Klarheit, offen, wolkenlos“, dazu auch Wu Men Guan, Koan 19:

    Zhao-zhou fragt Nan-quan: „Was ist das DAO?“,

    Nan-quan antwortet: „Alltäglicher Geist ist DAO“,

    Zhao-zhou fragt: „Soll ich mich darauf ausrichten oder nicht?“,

    Nan-quan sagt: „Wenn du versuchst, dich ihm (bewusst) zuzuwenden, wendest du dich von ihm wieder ab (du drehst dich im Kreis des paradoxen)“,

    Zhao-zhou fragt: „Wenn ich nicht versuche, mich ihm zuzuwenden, wie kann ich wissen, was das DAO ist?“,

    Nan-quan antwortet: „DAO ist nicht Wissen oder Nicht-Wissen (nicht beweisbar), das ist Illusion. Wenn du das DAO erreicht hast, wirst du es erfahren als grenzenlos und leer (offen, wolkenlos von oben). Wie kann man darüber sprechen auf einer Ebene von richtig (gut) oder falsch (böse)?“


    Das heißt:

    Dahinter also, „da ist nichts“, vorne bei den Erscheinungen sprich Vorstellungen, da ist apriori die totale Kausalität; es gibt somit keine Basis für einen Dualismus „gut und böse“!


    Dazu anschaun: „Kampf der Kriegeraffen“:

    YouTube

    Nach dem Film schaun wir auf die Affen und fragen uns: Ist das gut oder böse? Oder ist es einfach die Natur sprich die Welt, wie kann man da von gut oder böse sprechen?

    Und jetzt stellen wir uns mal vor, die Affen schaun sich einen entsprechenden Film über die Menschen an: Die schaun damit auf uns und fragen sich: Ist das gut oder böse? Oder ist es einfach die Natur sprich die Welt, wie kann man da von gut oder böse sprechen?


    Dazu der 6. Patriarch: „Wenn du nicht an gut oder böse denkst, wo ist in diesem Augenblick dein ursprüngliches Gesicht (Ursprung = Ding an sich)?“


    Es rentiert sich noch auf einen alten Chinesen zu schauen, der noch viel älter ist,

    Lao-zi (6. Jahrhundert v. Chr.) und Dao-De-Jing (Übersetzung Günther Debon):


    KAPITEL 1, Übersetzung Günther Debon:


    Könnten wir weisen den Weg,

    Es wäre kein ewiger Weg.

    Könnten wir nennen den Namen,

    Es wäre kein ewiger Name.


    Was ohne Namen,

    Ist Anfang von Himmel und Erde;

    Was Namen hat,

    Ist Mutter den zehntausend Wesen.


    KAPITEL 1, Übersetzung L. Geldsetzer:


    Kann das Dao Dao sein,

    wenn es nicht das immerwährende Dao ist?

    Können Namen bezeichnen,

    wenn sie nicht die immerwährend-richtigen Namen sind?

    "Nichts" ist der Name

    für den Anfang von Himmel und Erde.

    "Sein" ist der Name

    für die Mutter aller Dinge.


    KAPITEL 40, Übersetzung Günther Debon:


    Im Gegensinn verläuft des Weges Bewegung;

    In seiner Schwäche liegt des Weges Brauchbarkeit.

    Aus dem Sein sind die zehntausend Wesen geboren;

    Das Sein (wiederum) ist aus dem Nichtsein geboren.


    KAPITEL 40, Übersetzung L. Geldsetzer:


    Die Dao-Bewegung ist ein "Gegen",

    und Zartes nutzt das Dao deswegen.

    Das Sein ist Ursprung allen Dingen,

    doch lässt das „Nichts“ das Sein (Erscheinungen / Vorstellungen / Kausalität) entspringen.


    KAPITEL 2, Übersetzung Günther Debon:


    Erst seit auf Erden

    Ein jeder weiß von der Schönheit des Schönen,

    Gibt es die Hässlichkeit

    Erst seit ein jeder weiß von der Güte des Guten,

    Gibt es das Ungute (Böse)

    (Das ist somit alles vollständig abzulehnen).


    KAPITEL 2, Übersetzung L. Geldsetzer:


    Wenn in der Welt das

    was alle als schön kennen, zur Schönheit wird,

    dann verselbständigt sich das Hässliche.

    Wenn das, was alle als gut kennen, zum Guten wird,

    dann verselbständigt sich das Ungute (Böse).


    Ja so kommts dann:


    KAPITEL 37:


    „Der Weg ist (für die Herrschenden) ewig ohne Tun,

    Aber nichts, das ungetan bliebe (hohe Entropie: Jeder Weg wird mal gegangen).

    Könnten die Fürsten und Könige dieses bewahren,

    Würden die zehntausend Wesen (alle) von selbst sich entfalten.“



    Wie gesagt: Die Naturwissenschaften sind Modellwissenschaften. Sie sind empirische Modelle (unvollständige Induktion) der vorgestellten Welt.Sie können grobe Fehler der Philosophie korrigieren, z.B. die Erde ist nicht flach sondern rund. Sie können mal falsches ausschließen aber das richtige nicht benennen. Sie sind nicht die Welt selbst. Sie führen nicht zum Kantschen „Ding an sich“ als Grundlage der Welt; sie zeigen nicht einmal, dass es existiert. Darüberhinaus braucht man keine Metaphysik, da diese nur auf Darwinismus basierte, Wunschdenken basierte Spekulation ist. Wenn man Metaphysik nicht braucht, ist es einfacher ohne sie.


    Ist nun Chan ist frei von Metaphysik, dann erinnert man sich, da gibt es doch noch einen:

    Auch Nietzsches Philosophie ist frei von Metaphysik.

    Hat Nietzsche Chan Wörter geschrieben? Ja, z.B. in „Jenseits von Gut und Böse [sic!], 1886“ oder in „Menschliches, Allzumenschliches, 1878“.

  • Zum Thema "Ding an sich", "da ist nichts", "Paradoxon", "erst aufwärts, dann gelassen zurück ins Leben":

    Ist nun Chan ist frei von Metaphysik, dann erinnert man sich, da gibt es doch noch einen:

    Auch Nietzsches Philosophie ist frei von Metaphysik.

    Hat Nietzsche Chan Wörter geschrieben? Ja, z.B. in „Jenseits von Gut und Böse [sic!], 1886“ oder in „Menschliches, Allzumenschliches, 1878“.


    Somit nur mal ein paar Zitate zum Thema hier aus „Menschliches, Allzumenschliches“:


    10.

    Harmlosigkeit der Metaphysik in der Zukunft. - Sobald die Religion, Kunst und Moral in

    ihrer Entstehung so beschrieben sind, dass man sie vollständig sich erklären kann, ohne

    zur Annahme metaphysischer Eingriffe am Beginn und im Verlaufe der Bahn seine

    Zuflucht zu nehmen, hört das stärkste Interesse an dem rein theoretischen Problem vom

    “Ding an sich” und der “Erscheinung” auf. Denn wie es hier auch stehe: mit Religion,

    Kunst und Moral rühren wir nicht an das “Wesen der Welt an sich”; wir sind im Bereiche

    der Vorstellung, keine “Ahnung” kann uns weitertragen.


    16.

    Erscheinung und Ding an sich. - ...

    Das, was wir jetzt die Welt nennen, ist das Resultat einer Menge von Irrthümern und

    Phantasien, welche in der gesammten Entwickelung der organischen Wesen allmählich

    entstanden, in einander verwachsen [sind] und uns jetzt als aufgesammelter Schatz der

    ganzen Vergangenheit vererbt werden, - als Schatz: denn der Werth unseres

    Menschenthums ruht darauf. Von dieser Welt der Vorstellung vermag uns die strenge

    Wissenschaft thatsächlich nur in geringem Maasse zu lösen - wie es auch gar nicht zu

    wünschen ist -, insofern sie die Gewalt uralter Gewohnheiten der Empfindung nicht

    wesentlich zu brechen vermag: aber sie kann die Geschichte der Entstehung jener Welt als

    Vorstellung ganz allmählich und schrittweise aufhellen - und uns wenigstens für

    Augenblicke über den ganzen Vorgang hinausheben. Vielleicht erkennen wir dann, dass

    das Ding an sich eines homerischen Gelächters werth ist: dass es so viel, ja Alles schien

    und eigentlich leer, nämlich bedeutungsleer ist.


    18.

    Grundfragen der Metaphysik. - ...

    - Am fernsten liegt für jene Urstufe des Logischen der Gedanke an Causalität: ja jetzt

    noch meinen wir im Grunde, alle Empfindungen und Handlungen seien Acte des freien Willens;

    wenn das fühlende Individuum sich selbst betrachtet, so hält es jede Empfindung, jede Veränderung

    für etwas Isolirtes, das heisst Unbedingtes, Zusammenhangloses: es taucht aus uns auf,

    ohne Verbindung mit Früherem oder Späterem. Wir haben Hunger, aber meinen

    ursprünglich nicht, dass der Organismus erhalten werden will, sondern jenes Gefühl

    scheint sich ohne Grund und Zweck geltend zu machen, es isolirt sich und hält sich für

    willkürlich. Also: der Glaube an die Freiheit des Willens ist ein ursprünglicher Irrthum

    alles Organischen, so alt, als die Regungen des Logischen in ihm existiren; der Glaube an

    unbedingte Substanzen (Ding an sich) und an gleiche Dinge ist ebenfalls ein ursprünglicher,

    ebenso alter Irrthum alles Organischen. Insofern aber alle Metaphysik sich vornehmlich mit Substanz

    und Freiheit des Willens abgegeben hat, so darf man sie als die Wissenschaft bezeichnen,

    welche von den Grundirrthümern des Menschen handelt, doch so, als wären es

    Grundwahrheiten.

    (für das Chan der Tang Zeit ok, für des Chan der Song Zeit ist bedeutungsleer zu schwach,

    denn wenn bedeutungsleer, warum nicht gleich "leer = da ist nichts", weil das einfachere Modell.

    Denn über bedeutungsleer könnte man noch reden, über leer aus Gründen der Gefahr des Paradoxen nicht mehr.

    Dann spart man sich das reden ... aber wie lehrt man dann? --> Koan)


    28.

    Verrufene Worte. - Weg mit den bis zum Ueberdruss verbrauchten Wörtern Optimismus

    und Pessimismus! Denn der Anlass, sie zu gebrauchen, fehlt von Tag zu Tage mehr: nur

    die Schwätzer haben sie jetzt noch so unumgänglich nöthig. Denn wesshalb in aller Welt

    sollte jemand Optimist sein wollen, wenn er nicht einen Gott zu vertheidigen hat, welcher

    die beste der Welten geschaffen haben muss, falls er selber das Gute und Vollkommene ist,

    - welcher Denkende hat aber die Hypothese eines Gottes noch nöthig? - Es fehlt aber auch

    jeder Anlass zu einem pessimistischen Glaubensbekenntniss, wenn man nicht ein Interesse

    daran hat, den Advocaten Gottes, den Theologen oder den theologisirenden Philosophen

    ärgerlich zu werden und die Gegenbehauptung kräftig aufzustellen: dass das Böse regiere,

    dass die Unlust grösser sei, als die Lust, dass die Welt ein Machwerk, die Erscheinung

    eines bösen Willens zum Leben sei. Wer aber kümmert sich jetzt noch um die Theologen -

    ausser den Theologen? - Abgesehen von aller Theologie und ihrer Bekämpfung liegt es

    auf der Hand, dass die Welt nicht gut und nicht böse, geschweige denn die beste oder die

    schlechteste ist, und dass diese Begriffe “gut” und “böse” nur in Bezug auf Menschen

    Sinn haben, ja vielleicht selbst hier, in der Weise, wie sie gewöhnlich gebraucht werden,

    nicht berechtigt sind (!!!): der schimpfenden und verherrlichenden Weltbetrachtung müssen wir

    uns in jedem Falle entschlagen.


    106.

    Am Wasserfall. - Beim Anblick eines Wasserfalles meinen wir in den zahllosen

    Biegungen, Schlängelungen, Brechungen der Wellen Freiheit des Willens und Belieben zu

    sehen; aber Alles ist nothwendig, jede Bewegung mathematisch auszurechnen. So ist es

    auch bei den menschlichen Handlungen; man müsste jede einzelne Handlung vorher

    ausrechnen können, wenn man allwissend wäre, ebenso jeden Fortschritt der Erkenntniss,

    jeden Irrthum, jede Bosheit. Der Handelnde selbst steckt freilich in der Illusion der

    Willkür; wenn in einem Augenblick das Rad der Welt still stände und ein allwissender,

    rechnender Verstand da wäre, um diese Pausen zu benützen, so könnte er bis in die

    fernsten Zeiten die Zukunft jedes Wesens weitererzählen und jede Spur bezeichnen, auf

    der jenes Rad noch rollen wird. Die Täuschung des Handelnden über sich, die (falsche) Annahme

    des freien Willens, gehört mit hinein in diesen auszurechnenden Mechanismus.


    34.

    Zur Beruhigung.- Aber wird so unsere Philosophie nicht zur Tragödie? Wird die Wahrheit

    nicht dem Leben, dem Besseren feindlich? Eine Frage scheint uns die Zunge zu

    beschweren und doch nicht laut werden zu wollen: ob man bewusst in der Unwahrheit

    bleiben könne? oder, wenn man diess müsse, ob da nicht der Tod vorzuziehen sei? Denn

    ein Sollen giebt es nicht mehr; die Moral, insofern sie ein Sollen war, ist ja durch unsere

    Betrachtungsart ebenso vernichtet wie die Religion. Die Erkenntniss kann als Motive nur

    Lust und Unlust, Nutzen und Schaden bestehen lassen: wie aber werden diese Motive sich

    mit dem Sinne für Wahrheit auseinandersetzen? Auch sie berühren sich ja mit Irrthümern

    (insofern, wie gesagt, Neigung und Abneigung und ihre sehr ungerechten Messungen

    unsere Lust und Unlust wesentlich bestimmen). Das ganze menschliche Leben ist tief in

    die Unwahrheit eingesenkt; der Einzelne kann es nicht aus diesem Brunnen herausziehen,

    ohne dabei seiner Vergangenheit aus tiefstem Grunde gram zu werden, ohne seine

    gegenwärtigen Motive, wie die der Ehre, ungereimt zu finden und den Leidenschaften,

    welche zur Zukunft und zu einem Glück in derselben hindrängen, Hohn und Verachtung

    entgegenzustellen. Ist es wahr, bliebe einzig noch eine Denkweise übrig, welche als

    persönliches Ergebniss die Verzweifelung (Gefahr der Shunyata = Aufwärtsbewegung), als theoretisches eine Philosophie der Zerstörung nach sich zöge? - Ich glaube, die Entscheidung über die Nachwirkung der Erkenntniss wird durch das Temperament eines Menschen gegeben: ich könnte mir eben so gut, wie jene geschilderte und bei einzelnen Naturen mögliche Nachwirkung, eine

    andere denken, vermöge deren ein viel einfacheres, von Affecten reineres Leben

    entstünde, als das jetzige ist (gelassen ins Leben = Abwärtsbewegung): so dass zuerst zwar die alten Motive des heftigeren Begehrens noch Kraft hätten, aus alter vererbter Gewöhnung her, allmählich aber unter dem Einflusse der reinigenden Erkenntniss schwächer würden. Man lebte zuletzt unter den Menschen und mit sich wie in der Natur, ohne Lob, Vorwürfe, Ereiferung, an Vielem sich wie an einem Schauspiel weidend, vor dem man sich bisher nur zu fürchten hatte. Man

    wäre die Emphasis los und würde die Anstachelung des Gedankens, dass man nicht nur

    Natur oder mehr als Natur sei, nicht weiter empfinden. Freilich gehörte hierzu, wie gesagt,

    ein gutes Temperament, eine gefestete, milde und im Grunde frohsinnige Seele, eine

    Stimmung, welche nicht vor Tücken und plötzlichen Ausbrüchen auf der Hut zu sein

    brauchte und in ihren Aeusserungen Nichts von dem knurrenden Tone und der

    Verbissenheit an sich trüge, - jenen bekannten lästigen Eigenschaften alter Hunde und

    Menschen, die lange an der Kette gelegen haben. Vielmehr muss ein Mensch, von dem in

    solchem Maasse die gewöhnlichen Fesseln des Lebens abgefallen sind, dass er nur deshalb

    weiter lebt, um immer besser zu erkennen, auf Vieles, ja fast auf Alles, was bei den

    anderen Menschen Werth hat, ohne Neid und Verdruss verzichten können, ihm muss als

    der wünschenswertheste Zustand jenes freie, furchtlose Schweben über Menschen, Sitten,

    Gesetzen und den herkömmlichen Schätzungen der Dinge genügen. Die Freude an diesem

    Zustande theilt er gerne mit und er hat vielleicht nichts Anderes mitzutheilen, - worin

    freilich eine Entbehrung, eine Entsagung mehr liegt. Will man aber trotzdem mehr von

    ihm, so wird er mit wohlwollendem Kopfschütteln auf seinen Bruder hinweisen, den

    freien Menschen der That, und vielleicht ein Wenig Spott nicht verhehlen: denn mit dessen

    “Freiheit” hat es eine eigene Bewandtniss.

  • "Philosophie der Erlösung" Mailländer

    "Zen von Kopf auf die Füße gestellt" Roloff

    "Realität" Fritz Schäfer

    "Warum es die Welt nicht gibt" Markus Gabriel

    Es gibt Unmengen an Metaebenen. Yang. Es gibt eine Ebene der Realität. Yin

    Dahinter gibt es nichts das diese erschaffen könnte, nur ich bin davor.

    Bedingtes Entstehen in wechselseitiger Abhängigkeit ist Erleben.

  • Wichtig zu sehen ist: Nietzsche war „kein Nihilist“, wie man am folgenden Text klar erkennen kann:

    „Menschliches, Allzumenschliches, 1878“.

    34.

    ...

    Ich könnte mir eben so gut, wie jene geschilderte und bei einzelnen Naturen mögliche Nachwirkung,

    eine andere denken, vermöge deren ein viel einfacheres, von Affecten reineres Leben

    entstünde, als das jetzige ist: so dass zuerst zwar die alten Motive des heftigeren Begehrens noch Kraft hätten,

    aus alter vererbter Gewöhnung her, allmählich aber unter dem Einflusse der reinigenden Erkenntniss (der Shunyata =

    die Chan Aufwärtsbewegung, die, wenn man dabei bleibt, der dürre Baum des Nihilismus ist) schwächer würden.

    Man lebte zuletzt unter den Menschen und mit sich wie in der Natur, ohne Lob, Vorwürfe, Ereiferung,

    an Vielem sich wie an einem Schauspiel weidend, vor dem man sich bisher nur zu fürchten hatte (gelassen

    ins Leben = die Chan Abwärtsbewegung, jetzt ist er da). Man wäre die Emphasis los und würde die Anstachelung

    des Gedankens, dass man nicht nur Natur oder mehr als Natur sei, nicht weiter empfinden. Freilich gehörte hierzu,

    wie gesagt, ein gutes Temperament, eine gefestete, milde und im Grunde frohsinnige Seele, eine

    Stimmung, welche nicht vor Tücken und plötzlichen Ausbrüchen auf der Hut zu sein

    brauchte und in ihren Aeusserungen Nichts von dem knurrenden Tone und der

    Verbissenheit an sich trüge, - jenen bekannten lästigen Eigenschaften alter Hunde und

    Menschen, die lange an der Kette gelegen haben. Vielmehr muss ein Mensch, von dem in

    solchem Maasse die gewöhnlichen Fesseln des Lebens abgefallen sind, dass er nur deshalb

    weiter lebt, um immer besser zu erkennen, auf Vieles, ja fast auf Alles, was bei den

    anderen Menschen Werth hat, ohne Neid und Verdruss verzichten können, ihm muss als

    der wünschenswertheste Zustand jenes freie, furchtlose Schweben über Menschen, Sitten,

    Gesetzen und den herkömmlichen Schätzungen der Dinge genügen. Die Freude an diesem

    Zustande theilt er gerne mit und er hat vielleicht nichts Anderes mitzutheilen, - worin

    freilich eine Entbehrung, eine Entsagung mehr liegt. Will man aber trotzdem mehr von

    ihm, so wird er mit wohlwollendem Kopfschütteln auf seinen Bruder hinweisen, den

    freien Menschen der That, und vielleicht ein Wenig Spott nicht verhehlen: denn mit dessen

    “Freiheit” hat es eine eigene Bewandtniss.

    Das ist nun, ob bewusst oder unbewusst, ein schöner Chan Text.

  • Lao-zi (6. Jahrhundert v. Chr.) im Dao-De-Jing:


    KAPITEL 1, Übersetzung Günther Debon:


    Könnten wir weisen den Weg,

    Es wäre kein ewiger Weg.

    Könnten wir nennen den Namen,

    Es wäre kein ewiger Name.


    Was ohne Namen (da „Nichts“),

    Ist Anfang von Himmel und Erde („Sein“);

    Was Namen hat („Sein“),

    Ist Mutter den zehntausend Wesen (alles um uns herum).


    Das Dao-De-Jing hat also 3 Stufen, was für die 2 Stufen des Chan ergibt:

    1] „Das Nichts“ = Ding an sich = wahres Wesen = ... = vor oder gleich null-dimensionale Singularität des Urknalls?; „Das Nichts“ à

    2a] Himmel und Erde = „Sein“ = frühestes All = Fluktuationen und dann „Sein“ à

    2b] „zehntausend Wesen“ = unsere Welt, 2a und 2b sind nur zugänglich: Über unsere Sensibilität > Erscheinungen > Verstand mit Kausalität > Vorstellungen durch Vernunft > Modellen.

    1] „Das Nichts“ ist nicht zugänglich, schon gleich nicht über Modelle (!!!) zu 2a] und 2b],

    somit kann man die Physik auch weglassen, ist eh sehr gespreizt das Ganze, ja man muss sie weglassen, weil man sich schon beim über das „Nichts“ reden im Kreis des Paradoxen dreht. Das ist „eine“ Essenz der Koan, z.B. Nan-quan im Wu Men Guan Koan 34: Wissen ist nicht DAO! Weil das prinzipiell im Paradoxen rotiert.