Broken Buddha

57 Antworten. Letzter Beitrag () ist von Dhammika.

  • Broken Buddha:


    (hier der link zum online-Buch: http://www.satinanda.de/thema-…zerbrochen-buddha%20v.htm)


    Kritische Reflexionen über den Theravâda und Plädoyer für einen Neuen Buddhismus


    Vorwort:


    In den südwestlichen Vororten von Mandalay befindet sich ein Tempel, in dem eine der berühmtesten
    und am meist verehrtesten Buddha-Statuen der Welt steht, das Mahamuni-Bild. Nach der
    Legende, stellt diese Statue ein Porträt des echten Buddha dar. Seine wahre Herkunft ist unklar
    und im Laufe der Zeit in Vergessenheit geraten. Über Jahrhunderte hinweg stand sie in Arakhan bis
    der burmesische König Bodawpaya das Land überfiel, nur um sich diese Statue anzueignen. Nachdem
    er die Arakhanesen besiegt und ihr Land verwüstet hatte, ließ der König die große Statue mit
    großem Aufwand und unter vielen Verlusten von Menschenleben über die Berge schaffen, um sie
    in dem Tempel aufzustellen, in dem sie auch heute noch steht. 1973 hatte ich während meines
    ersten Besuches in Mandalay die Gelegenheit, diese berühmte Statue zu sehen. Ich bat zwei Burmesen,
    die ich unterwegs kennen gelernt hatte, mir die Statue zu zeigen, und sie waren überaus stolz
    und glücklich darüber, ihrem neuen, „weißen, buddhistischen“ Freund die bekannteste Statue des
    Landes zu zeigen.


    Sie führten mich durch die Halle, die mit gläubigen Anhängern gefüllt war und
    wir betraten schließlich das Allerheiligste. Mein erster Eindruck war enttäuschend: Statt des erwarteten
    anmutigen Bildes, ragte etwas Drohendes und Plumpes vor mir auf. Das Gesicht der Statue
    war angenehm und freundlich, der Rest des Körpers jedoch geschwulstartig missgestaltet. Ich
    brauchte einige Minuten, um die Ursache dafür zu erkennen. Die Menschen hatten sich an der der
    Statue ausgetobt, indem sie dünne feine Blattgoldplättchen anbrachten, die ihnen die „Gläubigen“
    brachten. Über die Jahrhunderte hinweg hat nun das stetige Anbringen von Blattgold dazu geführt,
    dass eine dicke, unebene Kruste die ursprüngliche Form der Statue unkenntlich gemacht hat. Das
    Mahamuni-Bild könnte eine Metapher dafür sein, was mit dem Buddhismus selbst passiert ist.



    Im Jahr 2001 bin ich seit 25 Jahren Mönch der Theravâda-Tradition und mit dem 50. Geburtstag
    habe ich in diesem Jahr auch die konventionelle Halbzeit meines Lebens erreicht. Das war
    ein passender Anlass, mein Leben und meine Praxis zu bewerten und darüber nachzudenken, wie
    beides in der Zukunft sein würde. Selbst bevor ich Mönch wurde, hatte ich schon einige Vorbehalte
    in Bezug auf Dinge, die ich bei Aufenthalten in thailändischen und laotischen Klöstern sah. Diese
    haben mich aber nicht von der Ordination abgehalten. Ich dachte, dass Korruption und Missverständnisse
    in allen Religionen vorkommen und ich dachte, dass es nicht zu schwierig sein würde,
    die zu finden, die den wahren Theravâda praktizierten.


    Es war jedoch schwierig, solche Menschen
    zu finden. Wenn ich dann doch einmal engagierte und aufrichtige Theravâdins kennen lernte, war
    es für mich noch enttäuschender, dass sie viel zu oft einen übertriebenen Wert auf das legten, was
    für mich kaum mehr als nur Rituale und Formalitäten waren. Ich erinnere mich an einen Besuch
    einer Tee-Plantage an einem Nachmittag mit dem ehrwürdigen Sivali aus Kambodscha, einem
    pflichtbewussten Mönch und geschickten Meditationslehrer. Der Manager der Tee-Plantage machte
    sich die Mühe, eine viertel Meile den steilen Berg herunter zu klettern, um uns zu begrüßen und
    uns eine Tasse Tee anzubieten. Wir nahmen sein Angebot an und er ging zurück auf dem Berg zu
    seinem Bungalow, um den Tee zuzubereiten um dann anschließend den Tee wieder zu uns nach
    unten zu bringen. Als ich nun an meinen Tee nippte, bemerkte ich, dass Sivali seinen Tee nicht
    anrührte und bedrückt dreinschaute. Ich sah, dass der Tee Milch enthielt und verstand nun Sivalis
    Reaktion. Einige Minuten später bemerkte auch der Manager, dass Sivali seinen Tee nicht trank
    und kam zu uns herüber, um zu fragen was das Problem sei. Sivali erläuterte es ihm freundlich und
    der Manager nahm Sivalis Tasse, schüttete den Inhalt aus und rannte - besorgt und verlegen - erneut
    den Berg hinauf zu seinem Bungalow, um dann mit einer neuen Tasse Tee ohne Milch zurück
    zu kommen.


    Wenn eine ganz normale Person sich über so etwas aufregen würde, dass er keine
    Milch im Tee hat, würden wir es als ein wenig exzentrisch abtun. Aber warum sollte ein anständiger
    und intelligenter Mensch, der sich der Praxis des Loslassens widmet, mit dem Gegenwärtigem
    zufrieden sein will und sich um die Entwicklung eines liebevollen Herzens bemüht, wegen einer so
    unbedeutenden Sache anderen Verlegenheit und Unannehmlichkeiten bereiten? Um diese Frage zu
    beantworten, muss man das Wesen des Theravâda verstehen, aber dies wurde mir erst nach und
    nach klar. Als dies passierte, beschloss ich, meine eigene Praxis zu verfolgen und den Kontakt zum
    institutionellen Theravâda so gering wie möglich zu halten. Nun, dies ist aber in einem Theravâda-
    Land leichter gesagt, als getan. Verständlicherweise erwarten die asiatischen Theravâdins, dass du
    ihre Traditionen befolgst und diese nicht hinterfragst. Man kann darauf aufmerksam machen, dass
    gewisse Praktiken oder Ideen nicht Bestandteil des Pâli-Kanons sind oder diesem sogar widersprechen
    – das macht aber keinen Unterschied. Richtig oder falsch, albern oder von praktischem Wert,
    so wurde es schon immer gemacht und darum musst du das auch tun.



    1996 reiste ich das erste Mal durch Europa, um mir einen Einblick darüber zu verschaffen,
    wie der Theravâda dort verstanden und praktiziert wird. Der Theravâda in Asien ist sehr konservativ
    und versteinert, dachte ich, aber wenigstens sind die Westler in der Lage, die Frucht von ihrer
    Schale zu trennen, das Geschenk von seiner Verpackung, den Buddha von der „dicken und unförmigen
    Kruste“, die ihn umgibt. Zu meiner Verwunderung und Verzweiflung stellte ich fest, dass
    dem nicht so war. Die meisten Gruppen, Zentren und Klöster, die ich besucht habe, halten an
    diesen Praktiken mit einer fast größeren Zähigkeit als die in Asien fest. Letztlich musste ich
    zugeben, dass das der Theravâda ist, und sehr ungern, ja mit Traurigkeit, beschloss ich, dass ich
    nicht mehr länger ein Teil davon sein konnte. Ich begann jeden, den es interessierte, zu erzählen,
    dass ich mich nicht mehr als Theravâda-Mönch betrachtete und auch von anderen so nicht mehr
    gesehen werden wollte. Tatsächlich war ich wahrscheinlich niemals einer, wenigstens kein guter.



    Als ich das gegenüber einem Freund erwähnte, fragte er mich „Was für eine Sorte Mönch bist Du
    dann?“ Ich war auf eine solche Frage nicht vorbereitet, nachdem ich aber einen Moment darüber
    nachgedacht hatte, beschloss ich darauf, dass ich mich nicht unbedingt irgendeiner Schule angehörig
    fühlen muss. Seit dem Zeitpunkt folge ich Buddhas Lehren nach meinem besten Verständnis
    und nach meinen Fähigkeiten. Was nun folgt, sind Gedanken und Beobachtungen über die Theravâda-
    Tradition, die ich in den letzten 25 Jahren gemacht habe, einige Erfahrungen, die dazu
    geführt haben, einige Vorschläge in Hinblick auf die mögliche Zukunft des Dhamma im Westen.



    Mag sein, dass einige die folgenden Reflexionen als wütende Abrechnung betrachten. Das
    sind sie aber nicht, obwohl es stimmt, dass ihr Niederschreiben eine Art Katharsis für mich war.
    Ich bin davon überzeugt, dass Buddhas Lehren wirklich „am Anfang, in der Mitte und am Ende
    gut“ sind und dass sie eine glaubhafte Antwort auf die spirituellen Krise des Westens bieten kann.
    Ich glaube jedoch auch, dass die übermäßige Idealisierung des Theravâda in Asien durch die Westler
    eines der größten Hindernisse für das Wachstum des Dhamma außerhalb seiner traditionellen
    Heimat ist. Das bedeutet viel zu oft, dass der Dhamma oft mit all seinen überalterten Praktiken
    und Missverständnissen, welche sich um ihn gebildet haben, einfach unhinterfragt übernommen
    wird. Wenn diese Entwicklung andauert, wird der Dhamma im Westen keine Wurzeln schlagen.
    Ja, schlimmer noch: Die Probleme, welche den Theravâda in Asien plagen, werden von den Westlern
    möglicherweise nur fortgesetzt. Daher wollen diese Überlegungen auch zu zeigen versuchen,
    was der Theravâda wirklich ist, wie er das wurde, was er im Augenblick ist. Sie wollen auch mögliche
    Wege aufzeigen, wie er wieder seinen ursprünglichen Geist angenähert werden kann, so dass er
    auch außerhalb seines traditionellen Umfeldes Relevanz bekommen kann.



    Wenige meiner Beobachtungen über den Theravâda habe ich selbst gemacht. Häufiger gehören
    sie zu der Sorte von Dingen, die man von ehemaligen Theravâdins, Mahâyâna-AnhängerInnen
    oder anderen erfährt. Es handelt sich auch nicht nur um besonders aktuelle Beobachtungen. Im
    berühmten Vimalakirtinidesa Sutta zum Beispiel, einem Mahâyâna-Werk, das aus den frühen Jahrhunderten
    u. Z. stammt, täuscht der Nichtordinierte Vimalkirti vor, schwer krank zu sein. Der
    Buddha bittet nun seine Mönche, einen nach dem anderen, Vimalkirti zu besuchen. Jeder seiner
    Mönche weigert sich aber seiner Bitte nachzukommen, weil sie wissen, dass Vimalkirti weiser ist als
    sie. Für das Selbstbewusstsein der Mönche war die Idee unerträglich, dass sie von einem Laien
    lernen könnten. Weil der Buddha aber darauf besteht, beschließen die Mönche, gemeinsam zu
    Vimalkirti zu gehen. Viele Freunde sind auch gekommen, um Vimalkirti zu sehen und so beschließt
    Vimalkirti die Gelegenheit zu nutzen, um den Dhamma zu lehren. Aber als er gerade beginnen will,
    gibt es eine Störung im Publikum. Sariputta, einer der anwesenden Mönche, der in dieser Geschichte
    den typischen Hinayâna-Mönch repräsentiert, verlangt seinem Status gemäß, einen erhöhten
    Sitz, um nicht mit den im Publikum sitzenden Laiennachfolgern auf gleicher Höhe sitzen zu
    müssen. Mithilfe seiner magischen Kräfte erzeugt Vimalkirti „erlaubtes“ Mobiliar und beginnt
    endlich mit seinem Vortrag. Auf halber Strecke wird der Dhamma-Vortrag erneut durch Sariputta
    unterbrochen. Vimalkirti fragt, was dieses Mal los ist, und Sariputta antwortete ihm, dass ja gleich
    Mittag sei und alle Mönche vor 12 Uhr essen müssen. Wieder erzeugt Vimalkirti mit seinen magischen
    Kräften Essen für die Mönche und während die Mönche ihr Essen mampfen, fährt er mit
    seiner Dhamma-Rede fort. Als Vimalkirti mit seiner Rede fertig ist, öffnete sich der Himmel und
    viele himmlische Blüten regneten auf die ganze Versammlung herab. Sariputta und die anderen
    Mönche aber wischen sich empört die Blüten von ihren Roben ab und sagen dabei: „Uns Mönchen
    ist es nicht erlaubt, sich zu schmücken.“ Dieses Verhalten könnte man, obwohl nicht unter Mitwirkung
    himmlischer Gefilde, in einem Theravâda-Kloster beobachten – sogar heute und sogar im
    Westen beobachten.



    Diese Überlegungen befassen sich nicht mit den Missbräuchen und der Korruption, die den
    Theravâda befallen haben und ich werde diese nur im Vorübergehen andeuten. Meine Hauptsorge
    gilt nicht der Frage, dass man den Theravâda nicht richtig praktiziert, sondern wie man ihn praktiziert.
    Einige meiner Beobachtungen lassen sich auch auf dem Mahâyâna, und besonders im tibetischen
    Buddhismus anwenden. Es gibt jedoch nachdenkliche westliche Mahâyâna-Buddhisten, die
    damit begonnen haben, bestimmte Aspekte ihrer Tradition zu hinterfragen, und sie können dies
    besser kommentieren als ich. Die Probleme des Theravâda im Zusammenhang mit der Meditation
    werde ich hier auch nur anschneiden. Das Thema Meditation ist zu bedeutend und sollte meiner
    Meinung nach separat und in aller Tiefe erforscht werden. Ich hoffe, dies einmal in der Zukunft
    tun zu können. Häufig zitiere ich aus verschiedenen Büchern, u. a. aus The Buddhist Monastic Code
    von Thanissaro Bhikkhu und aus The Buddhist Monk’s Discipline – A Layman´s Guide von Ariyeseko.
    Beide vertreten nach meinem Dafürhalten den orthodoxen Standpunkt des Theravâda.



    Ich stimme mit den meisten Aussagen der beiden ehrwürdigen Autoren nicht überein, möchte dies aber
    nicht als Respektlosigkeit ihnen persönlich gegenüber verstanden wissen. Buddhas Lehren sind
    reich und erlauben deshalb eine breitere Interpretation. Ich glaube, dass eine alternative Position
    zum Theravâda seit langem überfällig ist. Des Weiteren zitiere ich aus Buddhism and Society von
    Milford Spiro, einer anthropologischen Studie des Theravâda in Burma. Spiro’s Beobachtungen
    sind wertvoll, nicht nur deswegen, weil sie oft mit meinen übereinstimmen, sondern weil sie von
    einem unabhängigen und objektiven Beobachter stammen, der kein Hühnchen mit jemandem zu
    rupfen hat.


    Zu guter Letzt bleibt mir noch zu erwähnen, dass meine Kommentare über die Laien,
    die die Mönche täglich verhätscheln, nicht als Undankbarkeit meinerseits verstanden werden sollen.
    In den Jahren, die ich in Sri Lanka verbrachte, haben mich eine Vielzahl von Menschen, ob
    nun Städter in Colombo oder die einfachen und frommen Dorfbewohner auf dem Lande, immer
    großzügig und mit der größten Freundlichkeit behandelt, und dafür werde ich immer dankbar. Es
    ist jedoch Zeit, diese Beziehung zu beenden – ich muss einen anderen Weg gehen.

    Meines Erachtens ist die Betrachtung des Theravada heutzutage und eine Diskussion ÜBER das Theravada notwendiger denn je. Buddhas Lehre hat sich stets auf das Wohl der Wesen ausgerichtet.


    So wie es in diesem Buch beschrieben wird erlebe ich es auch anderswo und auch hier im Forum: Eine Verknöcherung der Lehren Buddhas auf stetiges Wiederholen der Belehrungen ohne Bezug auf den Alltag der Menschen und ihres zwischenmenschlichen Austausches. Dabei könnte der Theravada mehr würde er sich einer Reform, einer offenen Diskussion über Lehrinhalte und aktuelle und praktische Relevanz öffnen.


    Darüber hinaus könnte ein Ausgleich von den Theravadins geschaffen werden - eine Balace zwischen meditativer Praxis, die nicht mehr ein Hauptbestandteil dieser Tradition zu sein scheint, und dem Studium der Lehren. Als Buddhist einer tibetischen Schule erkenne ich aus meiner Perspektive (Außenperspektive) bis dato keine Reformbereitschaft der Praktizierenden und Lehrenden Das mag täuschen. Inwieweit lebensnahe und umsetzbare Interpretationen der Vianaya-Belehrungen vorhanden sind verbleibt im Moment noch außerhalb meines Wissensraumes. Vielleicht hilft eine offene Diskussion zu diesem Thema hier im Forum um mehr Klarheit zu diesem Thema zu bringen.


    Liebe Grüße,


    Leonidas 8)

  • Das ist so nicht richtig verehrter Leonidas.


    Der Theravada ist kein Ur-Saurier sondern ein sehr lebendig gelebter Buddhismus, der aus einem ausgewogegem Verhältnis von Lernen (eigenes nachdenken) und Meditation besteht.


    Ich gehe sogar soweit zu sagen, dass es gerade in der Meditations-Methodik viel mehr individuell angepasste Möglichkeiten gibt, als in anderen Traditionen und das dadurch ein meditativer "Fortschritt" gerade in der Theravada Tradition für den einzelnen einfacher wird.


    Siehe ein Beispiel: http://www.satinanda.de/meditation.htm


    Schau Dir auch mal die Tagesabläufe und Veranstaltungen der einzelnen Theravada Klöster und Zentren an. Da beginnt der Tag spätestens um 4:00 mit mindestens 2 Stunden Meditation und ebenso endet der Tag. Dazwischen ist Studium und wiederum Meditation angesagt.


    Wie überall gibt es solche und solche Menschen.
    Es wäre sehr unfair alle und alles über einen Kamm zu scheren.


    Ich kenne viiieeele Ordinierte sowie Laien, die sehr ernsthaft den Dhamma/Vinaya praktizieren. Es sind aber zugegebenermaßen meist "Westler".

  • Dhammika:

    Ich gehe sogar soweit zu sagen, dass es gerade in der Meditations-Methodik viel mehr individuell angepasste Möglichkeiten gibt, als in anderen Traditionen und das dadurch ein meditativer "Fortschritt" gerade in der Theravada Tradition für den einzelnen einfacher wird.


    Jetzt könnte jeder die originellen und dem Individuum angepassten Lehren seiner Schule raussuchen, und wir würden zum Schluss kommen, dass man, wie Du richtig sagtest, nichts über einen Kamm scheren kann.

  • Lieber Leonidas, so lieb du es mit den Theravadies auch meinst.
    Hast du wirklich den Eindruck, dass es in Deutschland mehr Ngöndro- oder Shine-Kurse gibt als Vipassana-Kurse? Ich finde, die meditative Seite ist hier sehr stark ausgeprägt. Wenn ich mir so die 10-Tages-Kurse anseh, dann wär die Analyse eher, dass da der Schwerpunkt auf Meditation und nicht auf Studium liegt. Falls diese Trennung einen Sinn macht. Weil Meditation ist doch auch Studium, du studierst dich.
    Es ist eigentlich kein Problem der Tradition, was du hier ansprichst, sondern der verkrusteten Strukturen. Und die sollten wir nicht übernehmen. In keiner Tradition.
    Und Theravada ist auch kein einheitlicher Block. Es gibt da viele Landestraditionen. Ihr habt doch selbst aus Tibet stammend viele Traditionen, allein 3 große Kagyü-, die in ihrer Ausformung doch auch nicht identisch sind. Eigentlich sind die Unterschiede im Theravada noch stärker zu erwarten, wenn die Unterschiede in einem, dazu noch sehr abgeschotteten Land, schon gross sind.


    Und ihre Vinaya-Entwicklungen in Deutschland sind auch nicht schlechter als die im Diamantweg. ;-)


    _()_
    Ryonin


    Namu Amida Butsu

  • Hallo lieber Ryonin,


    das Thema des threads heißt "Broken Buddha". Das Buch beschäftigt sich mit der Veroberflächlichung innerhalb der Theravada-Tradition aus der Sicht eines Theravada-Mönches bzw. ehemaligen Theravada-Mönches - nun Theravada-Praktizierender. Die Frage war nicht nach der Vergleichbarkeit von verschiedenen buddhistischen Schulen. Das es Unterschiede gibt zwischen den buddhistischen Schulen dürfte klar sein.


    Und nein - ich muss dir widersprechen: Ein 10-Tage-Kurs war nicht Thema dieses Threads. Vielleicht machst du dazu einen eigenen Thread auf. Es würde mich interessieren. M.E. gibt es schon Unterschiede zwischen Studium und Praxis. Es gibt formelle Praxis (Hinsetzen zur Meditation) und formelles Studium buddhistischer Lehren (Hinsetzen und buddhistische Belehrungen lesen/studieren/ analysieren).


    UND es gibt imformelle Praxis: das Anwenden der buddhistischen Lehren im Alltag. Gerade im Text "Broken Buddha" werden das formelle Studium der buddhistischen Texte und die formelle Praxis der Theravadins NICHT angezweifelt - SONDERN die informelle Praxis - die im Theravada laut Autor VEN. S. DHAMMIKA nicht mehr gelebt würde.


    Die Frage die ich mir anhand des Textes stelle ist: Wie konnte es zu so einem Bruch in der Theravada-Tradition kommen?
    Gegenbeispiele , die es sicherlich gibt, ausgenommen.


    Vielleicht äußerst du dich mal zu den "Strukturen" im Theravada die es nicht gilt zu übernehmen aus Sicht deiner "Landestradition". Übrigens die Vinaya-Belehrungen waren hauptsächlich für den monastischen Zweig von Buddhas Schülern gedacht, oder? Im Vajrayana geht man letztendlich von der Reinheit die in allen Dingen liegt aus - nur als Anmerkung. Thema des Threads bleibt der Text: Broken Buddha.


    Darüber hinaus kannst du dich auch an dem Text :


    http://74.125.77.132/search?q=…nk&gl=de&client=firefox-a


    ... orientieren. (Quelle: http://www.dhammapala.ch/texte-haupt.htm -->Dhamma Artikel und Dhamma Vorträge)







    Viele liebe Grüße,


    Leonidas 8)





    Ryonin:

    Lieber Leonidas, so lieb du es mit den Theravadies auch meinst.
    Hast du wirklich den Eindruck, dass es in Deutschland mehr Ngöndro- oder Shine-Kurse gibt als Vipassana-Kurse? Ich finde, die meditative Seite ist hier sehr stark ausgeprägt. Wenn ich mir so die 10-Tages-Kurse anseh, dann wär die Analyse eher, dass da der Schwerpunkt auf Meditation und nicht auf Studium liegt. Falls diese Trennung einen Sinn macht. Weil Meditation ist doch auch Studium, du studierst dich.
    Es ist eigentlich kein Problem der Tradition, was du hier ansprichst, sondern der verkrusteten Strukturen. Und die sollten wir nicht übernehmen. In keiner Tradition.
    Und Theravada ist auch kein einheitlicher Block. Es gibt da viele Landestraditionen. Ihr habt doch selbst aus Tibet stammend viele Traditionen, allein 3 große Kagyü-, die in ihrer Ausformung doch auch nicht identisch sind. Eigentlich sind die Unterschiede im Theravada noch stärker zu erwarten, wenn die Unterschiede in einem, dazu noch sehr abgeschotteten Land, schon gross sind.


    Und ihre Vinaya-Entwicklungen in Deutschland sind auch nicht schlechter als die im Diamantweg. ;-)


    _()_
    Ryonin


    Namu Amida Butsu

    Einmal editiert, zuletzt von Anonymous ()

  • Lies mal das Buch "Broken Buddha".


    Danach können wir uns sachlich darüber austauschen, gelle.


    Viele liebe Grüße,


    Leonidas


    P.S.: Spaßig, dass du einen link angeführt hast, der offenbart was du mittels der vom Admin gelöschten Bilder assoziieren wolltest: 1. Name-calling.
    Vielleicht bist ja doch so mutig das oben erwähnte Buch "Broken Buddha" zu lesen.





    thecap:
    Leonidas:

    Reines Studium - ist das noch die Ausrichtung zum Wohl aller fühlender Wesen ?


    Und ihre Vinaya-Entwicklungen in Deutschland sind auch nicht schlechter als die im Diamantweg. ;-)


    http://www.doshdosh.com/the-ar…-seven-common-techniques/

    Einmal editiert, zuletzt von Anonymous ()

  • Werter Leonidas,
    Fehlentwickklungen in Asien (Südostasien/Tibet/China/Japan) mögen ja ein guter Hinweis darauf sein, in welche Fallen wir europäischen Buddhisten nicht tappen sollten. Aber es hat ja keine Aussagekraft über die Tradition als solche. Und wie das Beispiel Theravada gut zeigt, werden diese Fehler hier ja nicht übernommen. Hoffen wir, dass die anderen Traditionen diesem guten Beispiel folgen.
    Ich finde es aber spannender, Bücher von Meistern dieser Tradition (und auch jenseits aller Tradition) zu lesen. Das ist vielleicht der kreativere Ansatz, um etwas über die Tradition, und nicht nur über ihre Pathologien zu erfahren. (Na ja auf http://www.dhamma-dana.de/buecher.htm und http://www.wat-lao.com/index-2.html findest du genug Theravada-Bücher, und die Meditationsarten im Theravada, die hier in Europa praktiziert werden sind nicht weniger vielfältig und mitfühlend als im Vajrayana, aber dass hast du ja inzwischen sicher verstanden.) Gerade von Buddhadasa Bhikkhu und Mettiko Bhikkhu hab ich viel gelernt über die Weite des Theravada.



    _()_
    Ryonin


    Namu Amida Butsu

  • Ryonin:


    Fehlentwickklungen in Asien (Südostasien/Tibet/China/Japan) mögen ja ein guter Hinweis darauf sein, in welche Fallen wir europäischen Buddhisten nicht tappen sollten.


    Oh weh oh weh ...


    Europa ist bereits von turbulenten Fehlentwicklungen ergriffen ...


    Dieses Forum ist wie ein Vergrößerungsglas ...


    Aber Schwamm drüber ... ohne Fehlentwicklung, keine richtige Entwicklung :lol:

  • Ich finde schon, dass es im Forum Tendenzen gibt. Man möchte schon keinen Bodhisattva auf der Strasse begegnen. Auch wenn jemand mit hocherhobenen Palikanon auf mich zukommt, würde ich vorsichtshalber die Strasse wechseln. (Für mich gilt nach wie vor: Wenn du nicht sicher bist, für welchen buddhistischen Pfad du dich entscheiden willst, schau wie ihre Anhänger in buddh. Foren schreiben. Dann weisst du zumindest, welche Richtungen du ausschliessen kannst.)


    _()_
    Ryonin


    Namu Amida Butsu

  • Ryonin:

    Man möchte schon keinen Bodhisattva auf der Strasse begegnen.


     :D Also, was mich angeht, schon.

    Ryonin:

    (Für mich gilt nach wie vor: Wenn du nicht sicher bist, für welchen buddhistischen Pfad du dich entscheiden willst, schau wie ihre Anhänger in buddh. Foren schreiben. Dann weisst du zumindest, welche Richtungen du ausschliessen kannst.)


    Das würde ich auf gar keinen Fall so machen! Was einige westliche Anhänger jahrhunderte- und jahrtausendealter asiatischer Traditionen in Internetforen von sich geben, sollte kein Maßstab für diese Traditionen sein.

  • Ryonin:

    (Für mich gilt nach wie vor: Wenn du nicht sicher bist, für welchen buddhistischen Pfad du dich entscheiden willst, schau wie ihre Anhänger in buddh. Foren schreiben. Dann weisst du zumindest, welche Richtungen du ausschliessen kannst.)


    Eine virtuelle "Forums-Welt" sollte man nicht ganz so ernst nehmen.
    Ich denke, im Grunde verbergen sich ganz "nette" Menschen hinter den Nicks.
    Aber halt keine Arahants...denke ich mir (Spekulation)


    Selbst ein Sotāpanna - Stromeingetretener, hat erst die ersten drei samyojana - Fesseln überwunden, nämlich:


    1. sakkāya-ditthi - Falscher Glaube an ein Ich
    2. vicikicchā - Zweifel bezüglich Buddha, Dhamma, Sangha
    3. sīla-bbata-parāmasa - Hängen an Sittlichkeit und religiösen Gelübden



    Also auch noch kilesas ohne Ende


    Es sind halt alles Menschen auf dem Übungsweg.


    Desweiteren ist das "Wort" die Quelle für Missverständnisse.


    Also, immer schön locker bleiben :lol:

  • Ich glaube Laotse hat irgendwo mal gesagt, dass da wo die Leute laut Moral und Gesetz verkünden, es nicht weit her ist mit Moral und Gesetz. So den Eindruck hab ich auch, wenn die Wahrer des wahren Bodhisattvatums und des wahren Palikanontums hier auftreten.
    Wenn ich mich recht erinnere war es Berzin, der mal gesagt hat, wenn wir die Laus und die Kakerlake noch nicht als uns gleich ansehen, sollten wir auch nicht davon sprechen, dass wir zum Wohl aller Wesen praktizieren. Ganz zu schweige, dass wir das von anderen erwarten.


    _()_
    Ryonin


    Namu Amida Butsu

  • Zitat

    ="Ryonin"]Ich glaube Laotse hat irgendwo mal gesagt, dass da wo die Leute laut Moral und Gesetz verkünden, es nicht weit her ist mit Moral und Gesetz. So den Eindruck hab ich auch, wenn die Wahrer des wahren Bodhisattvatums und des wahren Palikanontums hier auftreten.
    Wenn ich mich recht erinnere war es Berzin, der mal gesagt hat, wenn wir die Laus und die Kakerlake noch nicht als uns gleich ansehen, sollten wir auch nicht davon sprechen, dass wir zum Wohl aller Wesen praktizieren. Ganz zu schweige, dass wir das von anderen erwarten.



    Schön, da sind wir nämlich genau da, was im Theravada praktiziert wird.
    Erst mal sich selbst "verbessern", an sich arbeiten und dann nur das "lehren", was man dann auch selbst verstanden, bzw. verinnerlicht hat. Zum Wohle aller.
    "Dhamma-Weitergabe" als Dana für die anderen. Machen muss es dann jeder selbst :D

  • "Selbstverbesserung ist Masturbation" -> Zitat aus dem Film Fight Club
    ("Self-Improvement is masturbation, Self-destruction is the answer...")


    http://www.youtube.com/watch?v=parfr_d5wdY


    Der Erzähler hat sein Leben, welches daraus bestand, zu arbeiten, zu schlafen und Dinge zu kaufen, als absolut sinnlos erkannt.


    "Zuerst musst du wissen, nicht fürchten, sondern wissen, dass du einmal sterben wirst."
    ("First you need to know- not fear- that someday you're going to die." )


    "Erst nachdem wir alles verloren haben, haben wir die Freiheit, alles zu tun."
    ("It's only after we've lost everything, that we're free to do anything!")

    Einmal editiert, zuletzt von Anonymous ()

  • Leonidas:

    "Selbstverbesserung ist Masturbation" -> Zitat aus dem Film Fight Club
    ("Self-Improvement is masturbation, Self-destruction is the answer...")


    Welche "Dharma-Quelle" ist fuer Deine Bodhisattva-Praxis glaubwuerdiger - Fight Club oder Geshe Tashi? :lol:



    THE BODHISATTVA VOWS


    The Eighteen Root Downfalls


    12. discouraging others from seeking full enlightenment


    13. causing others to break the vows of Individual Liberation


    14. belittling those who follow the path of Individual Liberation



    http://www.bodhicitta.net/BODHISATTVAVOWS.htm


  • Vielleicht war Geshe Tashi ja auch bereits im 108 Club in London?!


    http://www.youtube.com/watch?v=-oU4bWc4-Q4


    Dann hätte er als wirklicher Bodhisattva gewirkt, gelle.


    Fight Club ist nicht dein Ding als braver Buddhist. Kann ich mir vorstellen.


    Interessanter für dich ist sicherlich das hier:


    http://www.youtube.com/watch?v=uU68iWnCXQw


    Liebe Grüße und mögen alle Wesen glücklich sein,


    Leonidas 8)

    Bilder

    • capito.gif

    Einmal editiert, zuletzt von Anonymous ()

  • Leonidas:

    Vielleicht war Geshe Tashi ja auch bereits im 108 Club in London?!


    http://www.youtube.com/watch?v=-oU4bWc4-Q4


    Dann hätte er als wirklicher Bodhisattva gewirkt, gelle.


     :badgrin:


    Zitat

    Fight Club ist nicht dein Ding als braver Buddhist. Kann ich mir vorstellen.


    Doch, netter Film. Ist aber mehr vom Tao gepraegt als von Buddha's Lehre. Ist dir das nicht aufgefallen? :oops:


    Zitat

    Interessanter für dich ist sicherlich das hier:


    http://www.youtube.com/watch?v=uU68iWnCXQw


    Moegen die Diamantweg-Zentren durch die Werbung in diesem und anderen Diskussionsthreads viel Erfolg, viele neue Mitglieder und zahlreiche Einnahmen haben, und moegen sie dabei Buddha's Lehre nicht vergessen! :o


    Freundliche traditionsuebergreifende Gruesse,
    thecap 8)

  • Hallo Leonidas,


    wieviele Filme gibt es denn noch von O.N.
    Ich hatte die Hoffnung, dass es an der Begrenztheit von Videos irgendwann mal von alleine aufhört.
    Aber da ist ja gar kein Ende in Sicht.
    In jedem thread den man öffnet muss man sich diese Gesicht anschauen.
    Bekommst Du das bezahlt. So als "Werbeunterbrechung" bei Diskussionen?


    So alle Viertel Stunden Werbung wie bei einem Spielfilm?