98 Antworten. Letzter Beitrag () ist von SGM.

  • Ja, das ist ein spannendes Thema! Wieviel "natürliche" Autorität hat man in der jeweiligen Situation, und wo "muss" man mit Aggression arbeiten. Manchmal durchblicken zu lassen, dass man zumindest das Potential zur Aggression (oder vielleicht lieber: die Bereitschaft, sich ein- und durchzusetzen) hat, finde ich gar nicht so schlecht.


    Ein Freund hat mich neulich gefragt, warum ich so selten wütend werde (Dritten gegenüber; das heißt nicht, dass ich nicht häufiger wütend werde), er versteht das gar nicht. Und wir kamen darauf, dass ich mich einfach gut durchsetzen kann, ohne aggressiv zu sein. Das hat mit natürlicher Autorität zu tun, aber auch mit Alter, Körpergröße, Stellung, Erfahrung, Position, Titel, ...


    Das Letztere finde ich eigentlich ziemlich furchtbar. Bei Ärzten bekomme ich immer eine Sonderbehandlung und schnell einen Termin, nur, weil ich einen Doktortitel habe. Ich bin zwar kein Dr. med., aber das weiß die Helferin ja nicht; könnte ja sein, dass ich ein Kollege bin...


    Liebe Grüße,

    Aravind.

  • Bei Ärzten bekomme ich immer eine Sonderbehandlung und schnell einen Termin, nur, weil ich einen Doktortitel habe. Ich bin zwar kein Dr. med., aber das weiß die Helferin ja nicht; könnte ja sein, dass ich ein Kollege bin...

    Hätte ich das geahnt, hätte ich auch noch eine Dissertation nach meinem Studium gemacht :lol:

    Liebe Grüße
    Sherab


    "Wenn der Bodhisattva erkennt, dass die 5 Skhandas wie eine Illusion sind,

    aber Illusion nicht zu einer Sache macht und die Skhandas zu einer anderen,

    .....dann ist dies eine Übung der Weisheit, die höchste Vollkommenheit."


    aus den "Versen über die Ansammlung der kostbaren Qualitäten der Vollkommenheit der Weisheit"

  • Richtig. Ich habe sogar im Gegenteil in meinem ersten Posting in diesem Thread darauf hingewiesen, dass es nicht darum geht, Wut zu verurteilen etc pp - ganz am Anfang des Stranges hier.

    Ich bin immer wieder überrascht, wie sich mein Bild verändert, wenn ich Posts oder ganze Fäden noch mal lese... :shock:


    Solange ich mir einrede, meine Wut sei hilfreich gewesen, sei gar berechtigt gewesen und überhaupt hätte sowieso auf jeden Fall der/die andere Schuld - solange komme ich nicht weiter. Und kann die Situation nicht verstehen... und kann nächstes Mal nicht besser reagieren.

    Klingt für mich so, als würdest Du and er Anhaftung an der Wut, und an den Ursachen arbeiten.


    Eine Wikingerin, die ihre Aggression kanalisieren kann, stelle ich mir ziemlich mächtig und wirkungsvoll vor!


    Liebe Grüße,

    Aravind.

  • Ich bin immer wieder überrascht, wie sich mein Bild verändert, wenn ich Posts oder ganze Fäden noch mal lese... :shock:

    :like:Das ist seit Jahren eine gute Übung für mich, um falsche Vorstellungen und Vorurteile auszumerzen oder gar nicht erst aufkommen zu lassen.

    _()_

    Ich bin der Wahrheit verpflichtet, nicht der Beständigkeit.
    Gandhi

  • Außerdem kann ich dadurch klar sehen, wie oft ich mich irre. Wenn ich mich also schon irre, wenn ich es schwarz auf weiß habe, wie oft irre ich mich dann, wenn ich mich im Recht fühle und nicht nachprüfen kann.

    _()_

    Ich bin der Wahrheit verpflichtet, nicht der Beständigkeit.
    Gandhi

  • Sehr nett von Dir, aber das ist leider nur (oder glücklicherweise?) nur ein Konzept. Der echte Mensch entzieht sich solch klaren Benennungen und ist leider oft das Gegenteil seiner selbst, nicht? :grinsen:

    „Atmen statt Denken." (Filmzitat aus „Mängelexemplar")

  • Sehr nett von Dir, aber das ist leider nur (oder glücklicherweise?) nur ein Konzept. Der echte Mensch entzieht sich solch klaren Benennungen und ist leider oft das Gegenteil seiner selbst, nicht? :grinsen:

    Na, da bleibt ja noch der alte Buddhatrick: Du bist Du, Du bist nicht Du, und Du bist weder Du noch nicht Du!

    (Ich sehe das auch nicht als Konzept, sondern als meine Phantasie, die Deinen Post ausgeschmückt hat :wink: ).

  • Gibt es eventuell Ausnahmen wo, zumindest eine gespielte (vorgetäuschte) Wut, auch von Nutzen sein kann?


    Eventuell wenn man seine Rechte durchsetzen will und mit

    lieben Worten bei "sturen Servicekräften" nicht weiterkommt?


    Man muss ja nicht gleich rumbrüllen, aber Durchsetzungsvermögen erfordert manchmal ein gewisses "Maß an Aggressivität".

    Wirkliche Wut untergräbt das rationale Denken und wirkt in meiner Erfahrung zerstörerisch weil sie nicht an das Ergebnis denkt und nicht an ihre Folgen. Danach steht man vor den Trümmern und bedauert seinen Wutanfall. Ich bin seit Jahren mit einem Choleriker verheiratet und er hat meistens mehr über seine Anfälle gelitten und nachgedacht als ich. :) Ich schätze fast Dein Bruder hat in dem Fall eher seine Entschlossenheit, viel Mut und Konzentration gebraucht, um seine Familie nach Hause zu bringen. So wie wenn man ein wildes Tier einfangen will, man braucht dafür den klaren Verstand, auch wirkliche Entschlossenheit und sehr viel Adrenalin.

    Liebe Grüße! minestrone

    Über die Buddhalehre dürfen wir uns nicht in Gedanken verlieren. (Kodo Sawaki)

  • Es ist inzwischen so viel geschrieben worden, dass ich nicht alles lesen konnte und daher nicht weiß, ob das schon gesagt wurde. Wut kann auch ein Herausfallen aus einer Art "ich-losen karmisch heilvollen Geisteshaltung" sein. Klingt hochtrabend, wird auch nur sehr selten erreicht und dann nur für kurze Zeit.


    Ich glaube, dass ich schon solche kurzen Momente hatte (ähm, für so 10 Sekunden ...). Dann habe ich wieder mein Ego ergriffen und wurde irgendwann damit auch leichte beute für die Wut. Wenn man es merkt, ist man dann schon so tief aus dieser "heilvollen Geisteshaltung" rausgefallen, dass man nur noch kämpfen kann, indem man versucht die Wut zu beobachten und sie nicht weiterlaufen zu lassen.


    Natürlich ist das dann der Regelfall, aber ich würde sagen, dass es einen Geistzustand der Ich-Losigkeit gibt, der einen erst nicht in Wut geraten lässt. Dieser Zustand stellt sich nach meiner Beobachtung auch nur dann ein, wenn man auch versucht ein mitfühlendes Herz zu entwickeln. Sonst gibt es auch kein Freischaufeln vom Ego. Das geht nur mit bewusstem Verzicht darauf.

    Die Dinge entstehen, existieren und vergehen. Das ist normal. Ajaan Tippakorn

    Einmal editiert, zuletzt von Anandasa ()

  • Wut ist natürlich, es gehört zum Menschen dazu.


    Ich würde Wut nicht ablehnen oder verdrängen. Wut sollte mich aber auch nicht kontrollieren, sonder ich kontrolliere die Wut.


    Das ist ganz entscheidend... .

    Nur blöd, wenn es dieses "Ich" eigentlich gar nicht gibt ;) , denn der Buddhismus geht ja von einem Nicht-Selbst aus,

    Wer oder was kontrolliert dann die Wut?

    Liebe Grüße
    Sherab


    "Wenn der Bodhisattva erkennt, dass die 5 Skhandas wie eine Illusion sind,

    aber Illusion nicht zu einer Sache macht und die Skhandas zu einer anderen,

    .....dann ist dies eine Übung der Weisheit, die höchste Vollkommenheit."


    aus den "Versen über die Ansammlung der kostbaren Qualitäten der Vollkommenheit der Weisheit"

  • Sherab bitte kein Linsenzählen.

    Der Geist erzeugt das Gefühl der Wut. Doch in der deutschen Umgangssprache sagt man halt "Ich", weil die meisten dies so realisieren.

    Wenn im dürren Baum der Drache Dir singt
    siehst wahrhaft Du den WEG.
    Wenn im Totenkopf keine Sinne mehr sind
    wird erst das Auge klar.


    jianwang 健忘 = sich [selbst] vergessend

  • bitte kein Linsenzählen.

    .....och, da gibt es nun so viele Threads über das Nicht-Selbst im Buddhaland und Du sagst dazu "Linsenzählen"? :?

    Wir sind hier bei "buddhistischer Praxis", nicht im Anfängerbereich.

    Gerade im Umgang mit den Geistesgiften ist es doch hilfreich zu erkennen (oder zumindest zu hinterfragen),

    wer denn da auf was wütend ist. 8)

    Liebe Grüße
    Sherab


    "Wenn der Bodhisattva erkennt, dass die 5 Skhandas wie eine Illusion sind,

    aber Illusion nicht zu einer Sache macht und die Skhandas zu einer anderen,

    .....dann ist dies eine Übung der Weisheit, die höchste Vollkommenheit."


    aus den "Versen über die Ansammlung der kostbaren Qualitäten der Vollkommenheit der Weisheit"

  • Wer oder was kontrolliert dann die Wut?

    Ich finde das auch eine berechtigte Frage. Und gleichzeitig eines der faszinierensten Phänomene, dass sich der Geist, dass sich Gedanken selbst beobachten und beeinflussen können.


    Oft behilft man sich ja in der Psychologie erfolgreich damit, dass man den Geist in verschiedene Instanzen aufteilt. Erfolgreich im Sinne von: "Auf Basis dieser Modelle kann ich mich und andere besser verstehen und Veränderungsprozesse anstoßen". Aber es bleiben Modelle; am Ende sind es immer nur Gedanken oder Wahrnehmungen.


    Liebe Grüße,

    Aravind.

  • Und wieder beginnt wie schon in anderen Thread das atta und anatta - Gestreite und Philosophieren.

    Wenn im dürren Baum der Drache Dir singt
    siehst wahrhaft Du den WEG.
    Wenn im Totenkopf keine Sinne mehr sind
    wird erst das Auge klar.


    jianwang 健忘 = sich [selbst] vergessend

  • Und wieder beginnt wie schon in anderen Thread das atta und anatta - Gestreite und Philosophieren.


    Warum? :?

    Liebe Grüße
    Sherab


    "Wenn der Bodhisattva erkennt, dass die 5 Skhandas wie eine Illusion sind,

    aber Illusion nicht zu einer Sache macht und die Skhandas zu einer anderen,

    .....dann ist dies eine Übung der Weisheit, die höchste Vollkommenheit."


    aus den "Versen über die Ansammlung der kostbaren Qualitäten der Vollkommenheit der Weisheit"

  • Und wieder beginnt wie schon in anderen Thread das atta und anatta - Gestreite und Philosophieren.

    Ich finde es ganz erfrischend, das an einem Beispiel zu diskutieren, statt "ontologisch".


    Die Gefahr kann ich aber natürlich schon erkennen. Vielleicht hast Du Lust, mit darauf zu achten, dass die Diskussion sich um die Frage dreht, und nicht ums Prinzip.


    Liebe Grüße,

    Aravind.

  • atta und anatta … das verschiedene und doch das Eine … ist schon für viele eine recht interessante frage zur Diskussion.

    Ich selbst habe die Worte (fast ) beiseite gelassen und in vielen Jahren zuerst das trennende und dann das gemeinsame erkannt …


    Doch wie jede Sache, die man erkennen und nicht (geistig) verstehen muss ist es kaum machbar, das jemand Anderem durch Worte zu erklären.


    Wäre ich ein Lehrer so würde ich sagen : Sitze und erkenne, denn wissen ist vorhanden.


    _()_

    Wenn im dürren Baum der Drache Dir singt
    siehst wahrhaft Du den WEG.
    Wenn im Totenkopf keine Sinne mehr sind
    wird erst das Auge klar.


    jianwang 健忘 = sich [selbst] vergessend

  • Ich mag euch alle wirklich sehr!

    Sehr gerne lese ich mich durch die Themen :)


    Nur finde ich, dass wir uns schnell in etwas verlieren. Viel zu viel denken... die Dinge sind so einfach.


    Deswegen ist das "Ich", was leer ist und aus abhängigkeit aller Phänomene existiert. (haha, darüber lässt sich auch diskutieren).

    ...

    Gerade nicht wichtig. Zumindest sehe ich das so. Nicht so viel denken, mehr üben :)


    P.s jianwang ich könnte dich knutschen <3 Ich zitiere dich mal:

    "Sitze und erkenne, denn das Wissen ist vorhanden".

  • Nur blöd, wenn es dieses "Ich" eigentlich gar nicht gibt ;) , denn der Buddhismus geht ja von einem Nicht-Selbst aus,

    Wer oder was kontrolliert dann die Wut?

    Lieber Sherab,

    das ist immer wieder das Missverständnis. Der Buddha hat keineswegs die Existenz eines persönlichen Ichs in Frage gestellt. Ganz im Gegenteil, all seine Empfehlungen bedürfen der Kontrolle über dieses Ich. Wäre dem so, dann wäre der achtfache Pfad nicht begehbar.


    Die Nicht-Existenz eines Selbst oder ICHS ist ein ganz anderes Thema und hat mit der Überwindung der Hindernisse im üblichen Sinne nichts zu tun.

    _()_

    Ich bin der Wahrheit verpflichtet, nicht der Beständigkeit.
    Gandhi

  • Verwechselt nicht immer das deutsche Wort "Ich" (Person) mit atta.

    Das es eine Person gibt, welche man als "Ich" bezeichnet ist wohl unbestritten.

    Das atta geht aber weit darüber hinaus.


    _()_

    Wenn im dürren Baum der Drache Dir singt
    siehst wahrhaft Du den WEG.
    Wenn im Totenkopf keine Sinne mehr sind
    wird erst das Auge klar.


    jianwang 健忘 = sich [selbst] vergessend

  • Sherab bitte kein Linsenzählen.

    Der Geist erzeugt das Gefühl der Wut. Doch in der deutschen Umgangssprache sagt man halt "Ich", weil die meisten dies so realisieren.

    Eins der größten "deutschen Probleme"..:rofl:

    Vorangehen....Spielen ist doch toll...Ab jetzt jeden Beitrag hier ohne SELBST;)