Buddhismus: Handbuch und kritische Einführung

12 Antworten. Letzter Beitrag () ist von Schneelöwin.

  • Oliver Freiberger, Christoph Kleine

    Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht 2011

    ISBN 978-3-525-50004-0


    Anmerkung: auch als E-Book verfügbar


    Inhaltsverzeichnis und Vorschau: buddhismus.html?id=nyqbbwaaqbaj&printsec=frontcover&source=kp_read_button&redir_esc=y#v=onepage&q&f=false

  • Auszug aus Kapitel 3


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    Auszug aus: Majjhima Nikāya 35:


    Zitat

    "Aggivessana, welche Art von Form auch immer, ob vergangen, künftig oder gegenwärtig, innerlich oder äußerlich, grob oder subtil, niedrig oder hoch, fern oder nah - ein Schüler von mir betrachtet jegliche Form mit vortrefflicher Weisheit der Wirklichkeit entsprechend so: 'Dies ist nicht mein, dies bin ich nicht , dies ist nicht mein Selbst.'


    Welche Art von Gefühl auch immer, ob vergangen, künftig oder gegenwärtig, innerlich oder äußerlich, grob oder subtil, niedrig oder hoch, fern oder nah - ein Schüler von mir betrachtet jegliches Gefühl mit vortrefflicher Weisheit der Wirklichkeit entsprechend so: 'Dies ist nicht mein, dies bin ich nicht, dies ist nicht mein Selbst.'


    Welche Art von Wahrnehmung auch immer, ob vergangen, künftig oder gegenwärtig, innerlich oder äußerlich, grob oder subtil, niedrig oder hoch, fern oder nah - ein Schüler von mir betrachtet jegliche Wahrnehmung mit vortrefflicher Weisheit der Wirklichkeit entsprechend so: 'Dies ist nicht mein, dies bin ich nicht, dies ist nicht mein Selbst.'


    Welche Art von Gestaltungen auch immer, ob vergangen, künftig oder gegenwärtig, innerlich oder äußerlich, grob oder subtil, niedrig oder hoch, fern oder nah - ein Schüler von mir betrachtet jegliche Gestaltung mit vortrefflicher Weisheit der Wirklichkeit entsprechend so: 'Dies ist nicht mein, dies bin ich nicht, dies ist nicht mein Selbst.'


    Welche Art von Bewußtsein auch immer, ob vergangen, künftig oder gegenwärtig, innerlich oder äußerlich, grob oder subtil, niedrig oder hoch, fern oder nah - ein Schüler von mir betrachtet jegliches Bewußtsein mit vortrefflicher Weisheit der Wirklichkeit entsprechend so: 'Dies ist nicht mein, dies bin ich nicht, dies ist nicht mein Selbst.'


    Auf diese Weise ist ein Schüler von mir einer, der meine Anweisungen ausführt, der meinem Rat folgt, der den Zweifel hinter sich gelassen hat, der von Verwirrung frei geworden ist, der Selbstvertrauen erlangt hat und in der Lehre des Lehrers von anderen unabhängig geworden ist."


    Ich habe Kapitel 3 - "Buddhistische Weltbilder", sowie Kapitel 4 - "Ethik & Moral im Buddhismus" (nur auszugsweise) gelesen. Es wird der Begriff und das Motiv, dass das Dasein letztlich in Leid besteht nichteinmal genannt. Eine angemessen kritische Einführung ist hier nicht. Eher eine Menge Unverständnis, was das Thema insgesamt angeht. Nicht nur über die Lehre des Buddha.





    :earth:

  • Es wird der Begriff und das Motiv, dass das Dasein letztlich in Leid besteht

    Das stimmt so nicht. Auf Seite 200 werden die drei Daseinsmerkmale erklärt, auf Seite 201 dann werden die vier edlen Wahrheiten genannt. Dieses Motiv wird also explizit genant. Bereits am Anfang des Kapitels wird erläutert, dass Samsara bereits in anderen indischen Religionen als letztendlich leidvoll angesehen wurde und dieses Motiv durch den Buddhismus übernommen wurde.


    Ich bin auch noch nicht ganz durch finde das Buch aber sehr gut. Wo man den beiden Wissenschaftlern Unkenntnis unterstellen kann, wüsste ich nicht.

  • Ich halte dieses Buch für eine sauber recherchierte, nach Themen geordnete Zusammenstellung aktueller wissenschaftlicher Erkenntnisse über den Buddhismus.

    (Ich lese hier gerade die 2. Ausgabe von 2015)


    Bei wissenschaftlichen Büchern erwarte ich oft komplizierte, mit Fremdwörtern gespickte Kilometersätze ... :-) Aber nicht hier, dies Buch ist erstaunlich gut lesbar und für jeden geeignet, der sich schon einige Grundlagen über den Buddhismus erworben hat. (Für absolute Neulinge, die noch keinen Überblick haben, ist es einfach viel zu viel an Informationen.)

    Es eignet es sich besonders dafür, sich ganz bestimmte Aspekte des Buddhismus vorzunehmen und diese genauestens nachzulesen. Z.B. das immer wiederkehrende Thema, ob der Palikanon für alle buddhistischen Richtungen als verbindlich zu sehen sei, weil er doch (ausschließlich) Buddhas Wort sei...


    Daß dir, pops , der Stand der aktuellen buddhistischen Forschung nicht gefällt, war mir sofort klar. Denn sie schreiben zum Pali-Kanon:

    "Man geht heute davon aus, dass sich die Zahl der Texte im jahrhundertelangen Prozess mündlicher und schriftlicher Überlieferung ständig vergrößerte und dass sie von zahlreichen Redaktoren bearbeitet, verändert und erweitert wurden ... Die Mainstream-Schulen, die sich aufgrund ordensrechtlicher und/oder dogmatischer Auseinandersetzungen gebildet hatten, überlieferten ihre jeweils eigenen Versionen dieser großen Textsammlungen" (2.Auflage, S. 181)

    Aber daß du den beiden Wissenschaftlern eine Menge Unverständnis vorwirfst, obwohl du nach deinen eigenen Angaben nur 2 von 12 Kapiteln und die auch nur auszugsweise gelesen hast, ist doch etwas unverfroren!


    Beide Autoren greifen auch interessante Themen auf, die jenseits von Meditationspraxis, den 4 edlen Wahrheiten und der buddhistischen Geschichte liegen, z.B. buddistische "Kunst und Architektur", "Interaktionen mit anderen Religionen", "populäre Irrtümer über den Buddhismus", "Ethik und Moral" usw. Und auch Hinweise zu Umschrift und Aussprache fehlen nicht. Ganz besonders möchte ich auch auf die nach Themen geordneten Hinweise zur weiterführenden Lektüre im Anhang hinweisen.


    Das Buch ist besonders für diejenigen geeignet, die eine ganz bestimmte Sache mal ganz genau wissen wollen.

    Alles in allem für mich ein sehr gelungenes Buch, auf das ich lange gewartet habe.

    :like:Danke mkha' , daß du es hier eingestellt hast!

  • Das Kapitel 3 auf Seite 197 befasst sich mit den "Grundlehren des frühen Buddhismus". Es wird dort nichteinmal erwähnt, was das Ziel der Lehre des Buddha ist. Es geht ja in dem Kapitel auch um "Buddhistische Weltbilder". Da ist zB die "Auffassung des Buddha" ganz klar ausgesprochen: Dasein ist leidhaft. Und eben weil das so ist, lehrt er die Lehre.


    Am Anfang des Kapitels (3) wird ein Wiedergeborenwerden (eines Wesen an sich?) als leidvoll gekennzeichnet. Nicht das Dasein absolut. Seite 201 konnte ich nicht einsehen.


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    Das hier auf steht auf Seite 203.


    Die Lehre vom Bedingten Entstehen soll erklären, wie bedingt Bewusstsein und Begehren und schlussendlich, eine Masse Leid zustandekommt. Nicht dass alle Dinge bedingt wären. Das kann sein dass das so ist, und unter einer entsprechenden Perspektive auch keine schlechte Sache ist, dass so zu berachten. Aber Bewusstseinsentstehung in Abhängigkeit hat ersteinmal weniger mit allen Dingen des Kosmos etwas zu tun.


    Ne ich finds nicht gut hier. Das geht achtsamer. Kritischer. Also: analysierender. Steht ja sogar drauf auf dem Buch. Dass es das sein will: kritisch.





    :earth:

  • Am Anfang des Kapitels (3) wird ein Wiedergeborenwerden (eines Wesen an sich?) als leidvoll gekennzeichnet. Nicht das Dasein absolut. Seite 201 konnte ich nicht einsehen.

    Dem kann ich so nicht folgen. Ich wüsste nicht, dass buddhistische Sutren lehren das Dasein ist absolut leidvoll und fertig. Dasein ist letztendlich dukkha ( über die Übersetzung ins Deutsche mit "Leid" streiten Indologen), weil Jede Wiedergeburt Tod, Krankheit und Alter mit sich bringt. Eben diese Idee ist nicht originiär sondern gab es schon vorher und heute auch noch bei so gut wie allen indischen Religionen (mit anderen Begrifflichkeiten). Genau so wird das in dem Buch auch beschrieben.

  • Siehst du. Deswegen findest du auch, dass das Buch ok ist. Dabei ist hier keine kritische /genau unterscheidende Einführung in den Buddhismus. Es sind nämlich verschiedene Lehren im Buddhismus. Das sollte man anerkennen und auch so nennen.


    Zitat

    »Ob, ihr Mönche, Vollendete in der Welt erstehen oder ob sie nicht erstehen: eine Tatsache bleibt es, ein feste und notwendige Bedingung des Daseins, daß alle Gebilde 'vergänglich' sind . . . daß alle Gebild 'dem Leiden unterworfen' sind . . . daß alle Dinge 'unpersönlich' sind . . .« (A.III.137).


    »Was meint ihr wohl, o Mönche: Ist die Körperlichkeit (rūpa) vergänglich oder unvergänglich? Vergänglich, o Ehrwürdiger. Sind Gefühl (vedanā), Wahrnehmung (saññā), Geistesformationen (sankhāra) und Bewußtsein (viññāna) vergänglich oder unvergänglich? Vergänglich, o Ehrwürdiger.

    Was aber vergänglich ist, ist das leidvoll oder freudvoll? Leidvoll, o Ehrwürdiger.

    Von dem aber, was vergänglich, leidvoll und dem Wechsel unterworfen ist, kann man wohl da mit Recht sagen: 'Das gehört mir, das bin ich, das ist meine Persönlichkeit?' Nein, o Ehrwürdiger.

    Was es daher, ihr Mönche, an Körperlichkeit gibt, an Gefühl, Wahrnehmung, Geistesformationen und Bewußtsein, da hat man der Wahrheit gemäß in rechter Einsicht zu verstehen: 'Das gehört mir nicht, das bin ich nicht, das ist nicht meine Persönlichkeit'.« (M. 22 u. a.)

    tilakkhana


    Über die Entstehungen wird allgemein und absolut gesagt: sie sind leidvoll/dem Leid unterworfen.


    Zb ist es auch nicht so, dass der Buddha davon gesprochen hätte, dass Personen sich wandeln würden. Oder dass es Elemente gäbe, die eine Person ausmachen würden. Das sind Sprechweisen, die in dem Buch hier oft anzutreffen sind. Als gäbe es das: eine Seele, eine individuelle Persönlichkeit.


    Diese Art von Sprechweisen werden in der BuddhaLehre kategorisch und wohlbegründet abgelehnt. Anatta heisst in der BuddhaLehre nämlich, dass kein Ich aufzufinden ist. Was eine ganz andere Aussage ist, als dass sich eine Person wandeln würde.


    Man siehts ja auch schon an dem Cover, worum es hier in den Buch gehen könnte. Auf dem Cover ist eine frierende Frau. Die betrachtet eine Kette. Ein Mann ist da auch. Er hat seine Hände zum Gebet gefaltet und schaut die Frau an, die auf eine Kette starrt. Für mich ist dieses Bild allein nicht einmal eine annähernd passende Metapher oder ein annähernd passendes Symbol für das was in dem Buch besprochen werden soll. Ausser man meint mit den zum Gebet zusammengefalteten Händen den Glauben daran, dass hier eine kritische, wirklich genau und achtsam verfasste Unterscheidung und Klärung der verschiedenen buddhistischen Lehren vorgenommen werden soll oder will.





    :earth:

  • Am Anfang des Kapitels (3) wird ein Wiedergeborenwerden (eines Wesen an sich?) als leidvoll gekennzeichnet. Nicht das Dasein absolut. Seite 201 konnte ich nicht einsehen.

    Dem kann ich so nicht folgen. Ich wüsste nicht, dass buddhistische Sutren lehren das Dasein ist absolut leidvoll und fertig. Dasein ist letztendlich dukkha ( über die Übersetzung ins Deutsche mit "Leid" streiten Indologen), weil Jede Wiedergeburt Tod, Krankheit und Alter mit sich bringt. Eben diese Idee ist nicht originiär sondern gab es schon vorher und heute auch noch bei so gut wie allen indischen Religionen (mit anderen Begrifflichkeiten). Genau so wird das in dem Buch auch beschrieben.


    Diese "Idee" war nicht schon vor Buddha. Dass das Dasein und auch ein angenommener atman als dem Leid unterworfen aufzufassen wäre.





    :earth:

  • Aber der Buddha erklärte, dass auch so ein atman der Vergänglichkeit unterworfen ist, also ebenso dem Leid unterworfen ist.

    Dass es keine absolute, unvergängliche Form des Dasein geben würde.


    Da war neu.





    :earth:

  • Oh, dieses Buch hatte ich gestern zufällig im Visier.

    Ehrlich gesagt störte mich ein wenig das Wörtchen "kritisch"; konnte es nicht so richtig einordnen und hatte etwas die Befürchtung, dass die "Kritik" mich anstrengt:x


    Aber wenn mkha' und Bara eine Empfehlung aussprechen, dann kann ich mich doch noch anfreunden.


    Vielen Dank Euch Beiden.


    Liebe Grüße von Schneelöwin

  • Aber wenn mkha' und Bara eine Empfehlung aussprechen, dann kann ich mich doch noch anfreunden.

    Liebe @Schneelöwin 


    Empfehlung hin oder her, auf der sicheren Seite bist Du, wenn Du, (falls Du das nicht so wie so schon getan hast), dem Link zum Inhaltsverzeichnis und einer Vorschau im Eröffnungsbeitrag folgst. Schau Dir an, welche Themen das Buch behandelt, und überlege, ob Dich das alles, (oder wenigstens ein Großteil), interessiert.


    Viele liebe Grüße mkha'

  • Das mache ich (fast) immer so liebe mkha`


    ich werde mir das Buch im nächsten Jahr aus der Zentralbibliothek holen, ich kann also nicht viel falsch machen und wenn mir dann ein Buch gefällt und ich damit weiter arbeiten möchte, dann kaufe ich es ; ansonsten hätte ich selbst schon eine Bücherhalle:tee::tee:;)