Tendai/Tiantai zong

5 Antworten. Letzter Beitrag () ist von Sungi.

  • Man findet zu dieser buddhistischen Richtung verglichen mit anderen nicht viele Informationen im Internet. Liege ich recht in der Annahme, dass das eine der ursprünglichsten Formen des Mahayana ist, die schon lange vor dem Chan/Zen und den Schulen des reinen Landes entstanden ist? Warum ist diese Ausprägung hierzulande so wenig populär, obwohl sie ja bemüht ist verschiedene Traditionen zu vereinen, sogar Theravada-Elemente aufgreift? Habt ihr näheres darüber, ich finde es sehr interessant.


    :rad:

  • Es gibt auf der Seite der Tendai shu auch einen englischen Teil.


    Die Grundlage der Tendai Lehre ist das Lotussutra. Allerdings war es so, dass das Sich als er die Tendai-Lehre nach Japan brachte auch Chan Belehrungen und solche aus dem esoterischen Buddhismus nach Japan brachte. Und letztere fanden beim Staat mehr Anklang, da dieser an mächtigen Ritualen zum Schutz des Staates interessiert war. Von daher war ein Problem wohl, dass man zwar umfangreiches Wissen hatte, dieses aber nicht so recht auf den Punkt bringen konnte.


    Von daher gingen ja gerade aus der Tendai Schule Reformer hervor, die es jeweils auf einen anderen Punkt brachte. Also eben gerade Nichiren, der seine Schule zu der Lotus-Sekte machte. Und auch Hōnen und Shinran waren ja Tendai Mönche, die sich dann eben auf die sie Amida-Verehrung, die auch vorher schon eine Rolle innerhalb des Tendai gespielt hatte, fokussierte.

  • Danke.

    Mich wundert ja, dass diese Richtung so stark an Bedeutung verloren hat. Sie hat so etwas allgemein gültiges, ganzheitliches, da andere Strömungen im Mahayana so "spezialisiert" auf bestimmte Themen sind. Innerhalb der Lehre macht es Sinn zu meditieren, sich mit Buddha Shakyamuni und verschiedensten Bodhisattvas zu befassen, zu rezitieren, Sutras zu lesen und alles andere was man mit Buddhistischer Praxis in Verbindung bringt, was im Chan oder Amidismus teilweise nicht dazu gehört.

    Spirituell kann sich also jeder damit üben. Warum wurde das unpopulär? Die großen Höhlentempel in Leshan mit ihrem Reichtum an Darstellungen vom historischen Buddha, transzendenten Buddhas und Bodhisattvas etc. entstanden bestimmt in ähnlichen Strukturen.

  • Die Gründe sind weltlich:


    In der Tat war Tendai so populär, dass viele Adelige ins Tendai-Kloster gingen und die Klöster viel Reichtum ansammelten. Von da aus wurden sie zu einer grossen politischen Kraft die eng mit dee Oberschicht u und dadurch mit deren Machtkämpfen verbunden war.


    Sowohl das Tendai Zentrum Hiei als auch seine Abspaltung Miidera hatten eine grosse Menge an Mönchskriegern ( Sōhei ) Zunächst wohl um sich zu schützen, später waren sie dann wichtige Machtblöcke, die in alle Schlachten rund um Kyoto eine Rolle spielten.. Und sehr häufig bekämpften sich die beiden grossen Tendai Fraktionen gegenseitig (obwohl sie inhaltlich keinerlei Unterschiede hatten)


    Auch die wirtschaftlichen Verflechtungen waren immens. Teilweise kontrollierte man grosse Teile der Sakebrauereien und die mit ihnen verbundenen Pfandhäuser und Wucherer. Diejenige bei denen alle verschuldet waren und die alle hassten. Des weiteren kontrollierte man einige wichtige Zolltore sowie den Handel entlang des Biwa-Sees nach Norden


    Natürlich gab es immer auch sehr religiöse Mönche, denen das ein Dorn im Auge war und die dagegen ankämpften aber oft hatte Tendai im Mittelalter den Ruf des korrupten Establishment von dem sich die anderen abzugrenzten suchten. Auch um der Macht der mit dem Adel und Kaiserhaus verbundenen Tendai etwas entgegenzusetzten protegierten die Shogune Zen.


    Es war dann die Belagerung und Zerstörung der grossen Tempelanlagen am Hiei durch den Feldherr  Oda Nobunaga der Tendai zur Bedeutungslosigkeit herabsinken ließ.


    Ganz wenig am Aufstieg und Fall der Tendai hat mit Buddhismus zu tun.