Ātman heute

There are 57 replies in this Thread. The last Post () by Vedana.

  • Der Titel klingt ein bisschen wie eine Zeitschrift...


    Ich eröffne mal einen Extrathread, weil das vllt etwas viel werden könnte. Von hier: Ziel der Buddhalehre


    zu

    Zitat

    Der Vernichtungsglaube in M22 ist so gesehen ein anderer als der Vernichtungsglaube heutzutage, und ebenso der EwigkeitsGlaube. Das liegt auch daran, dass man es nicht so sah und dachte: Materie verursacht die Wahrnehmung der Materie.


    Und die Jainas? Die gabs schon und müssten unter "Nihilisten" (M60) laufen.


    02_mylius.pdf

    Lokāyata - Metzler Lexikon Philosophie

  • Und die Jainas? Die gabs schon und müssten unter "Nihilisten" (M60) laufen.


    Ja, sehe ich auch so.


    Lokāyata - Metzler Lexikon Philosophie


    Das hört sich evtl ein wenig wie Nihilismus heute an. Wobei ich es grundsätzlich unsinnig finde, eine verstehbare und wahre Aussage darüber treffen zu wollen, dass am Ende nichts verstehbar und so gesehen auch nichts wahr wäre. Ein Wust ist das (Nihilismus in der allgemeinen Definition in der Wikipedia). Da schauderts mich.


    Evtl gibts da entsprechende Passagen im PK, wo solches Denken gekennzeichnet wird. Ich denke mir, dass das einfach unter Verblendung läuft, ohne eine entsprechende, genauere Bezeichnung.





    :earth:

  • Ich habe oben eine falsche pdf reingesetzt gehabt und korrigiert. Schau nochmal.


    Da steht ein Verweis in der pdf zu peta vatthu IV 3. Ich habs gelesen... Wald, Kekse, Spitzeschön (What the hell is Spitzeschön?) und unten eine Anmerkung über Materialisten... also irgendwie...

  • Also ich hab das hier: 02_mylius.pdf mal bis S. 40 gelesen. Das wollte ich wenigstens noch sagen. Es geht auch sehr gut rein. Text ist sehr tief, man könnte ewig diskutieren. Ab der Stelle mit Leibnitz hab ich kaum mehr weitergelesen, weil ich den Satz selber davor schon gedacht hatte. Was ist mit den Jainisten?





    :earth:

  • Es ging dir um Materialisten

    Zitat

    Der Vernichtungsglaube in M22 ist so gesehen ein anderer als der Vernichtungsglaube heutzutage, und ebenso der EwigkeitsGlaube. Das liegt auch daran, dass man es nicht so sah und dachte: Materie verursacht die Wahrnehmung der Materie.

    und in der pdf sind welche (früher und heute und der PK).

  • Mir gings eig nicht um Materialisten. Und ich weiß auch nicht, ob ich diesen Begriff und dazu auch die Konstruktion Materialismus <> Idealismus mitmachen würde. Es ist ein kluger Aufsatz und ich hab dann auch noch weiter gelesen als bis zur S. 39, aber es sind nicht meine Begriffe und ich stimme auch auch mehren Formulierungen dort nicht nicht zu.




    :earth:

  • Mir gings eig nicht um Materialisten. Und ich weiß auch nicht, ob ich diesen Begriff und dazu auch die Konstruktion Materialismus <> Idealismus mitmachen würde.

    Die Unterscheidung ist ihmo gängig, wenn versucht wird "alte" philosophische Systeme aus einer bestimmten Perspektive zu unterscheiden. Ich denke, dass es da eher um Schwerpunkte geht. Das führt aber glaube ich zu weit vom eigentlichen Thema weg, bzw. man kann damit ganze Regale füllen...

    Zitat

    Es ist ein kluger Aufsatz und ich hab dann auch noch weiter gelesen als bis zur S. 39, aber es sind nicht meine Begriffe und ich stimme auch auch mehren Formulierungen dort nicht nicht zu.

    Ich dachte es könnte als Info, Orientierung und Abgrenzung dienen.


    Wie würdest du es formulieren und wo zustimmen und wo nicht?

  • Die Unterscheidung ist gängig, ich weiß das. Viele Begriffe und Unterscheidungen sind gängig ;). Es gibt geeignetere Unterscheidungen und weniger geeignete Unterscheidungen.


    Der Text diente mir gut als Info und auch zur Abgrenzung. Ich schaue nocheinmal rein und versuche einen kurzen, aussagekräftigen Post. Einstweilen einen angenehmen Weihnachtsabend.





    :earth:

  • Zitat

    Der Standpunkt des philosophischen Materialismus kann nicht deutlicher
    definiert werden, als durch die drei folgenden, aus dem philosophischen
    Hauptwerk W. I. Lenins17 stammenden Zitate:
    „Der grundlegende Unterschied zwischen dem Materialisten und dem
    Anhänger der idealistischen Philosophie besteht darin, daß der Materialist die
    Empfindung, Wahrnehmung, Vorstellung und überhaupt das Bewußtsein der
    Menschen für das Abbild der objektiven Realität annimmt. Die Welt ist die
    Bewegung dieser objektiven Realität, die von unserem Bewußtsein widergespiegelt wird ... Der Begriff der Materie drückt nichts anderes aus als die objektive Realität, die uns in der Empfindung gegeben ist. Daher ist die

    Trennung der Bewegung von der Materie gleichbedeutend mit der Trennung
    des Denkens von der objektiven Realität, der Trennung meiner Empfindungen von der Außenwelt, d.h. gleichbedeutend mit dem Übertreten auf die Seite des Idealismus.“18
    „Die Anerkennung der objektiven Gesetzmäßigkeit der Natur und der annähernd richtigen Widerspiegelung dieser Gesetzmäßigkeit im Kopf des
    Menschen ist Materialismus.“
    „Da der Materialismus die Existenz einer objektiven Realität, d.h. einer
    sich bewegenden Materie, die unabhängig von unserem Bewußtsein existiert,
    anerkennt, so muß er unvermeidlich auch die objektive Realität von Raum
    und Zeit anerkennen, zum Unterschied vor allem vom Kantianismus, der in
    dieser Frage auf dem idealistischen Standpunkt steht und Raum und Zeit nicht
    für eine objektive Realität, sondern für Formen menschlicher Anschauung
    hält.“


    Ab da bin ich eigtl schon raus. Kant steht auch nicht auf diesem Standpunkt. Vielleicht irgendeiner, der sich zu einer Richtung zurechnet, die er Kantianismus nennt. Aber mit Kant hat das ja weniger zu tun. Also dann ist das so eine Definition des Materialismus (von Lenin), aber so eine Definition kann dann auch nur er abgeben, um damit einen "Idealismus" abzugrenzen.


    Kant widerspricht auch dem hier:

    Zitat

    Trotz ihrer Abstraktheit ist daher die Philosophie nicht mit der Mathematik vergleichbar.

    Ich auch. Auch ohne Kant.


    Zitat

    Es ist eine zwar von altersher bekannte, nichtsdestotrotz häufig aber geflissentlich ignorierte Tatsache, dass geistes- und gesellschaftswissenschaftliche
    Sachverhalte in der Mehrzahl der Fälle parteilich untersucht werden können
    und müssen. In besonderem Maße gilt dies für die Philosophie. Ein über den
    gesellschaftlichen Interessen stehendes philosophisches System gibt es nicht
    und kann es nicht geben, da das gesellschaftliche Sein und damit die Interessen

    einer bestimmten Interessengruppe (Klasse, Schicht) vom Denken reflektiert werden.7 Mit Recht schrieb W.I. Lenin:

    „Die neueste Philosophie ist genau so parteilich wie die vor zweitausend
    Jahren.“8


    Und das ist eine Aussage die abhängig vom Verständnis des Dings "Gesellschaft" und damit auch des Dings "Persönlichkeit" ist. Überparteilich ist jede Aussage, deren Motiv der Nutzen aller ist, oder der lediglich eigene Nutzen.


    Man kann nicht für sich selbst Partei ergreifen.


    Ich wil damit nur zeigen, dass hier ein Verständnis ist. Vor dem wird versucht, Jainismus zu verstehen. Wenn es dich wirklich interessiert arbeite ich dir im Detail ein paar Punkte heraus, die die Zusammenfassung von "dialektischer Materialismus" und "Jainismus" unter dem Begriff "Materialismus" nicht gerechtfertigt erscheinen lässt.


    Ich wollte sicher nur von Leuten sprechen, die daran glauben, dass das was sie empirisch wahrnehmen (zB die "Eigenschaft Materie") der Grund dafür ist, dass sie überhaupt wahrnehmen. Und das ist ein verschiedenartiger Glaube je nach dem wie bedingt wahrgenommen wird. Für den, für den Festigkeit etwas Absolutes ist, wird die Festigkeit das absolute Ding, etwas hervorbringt. Für den, für den die Lautstärke etwas Absolutes ist, wird die Lautstärke das absolute Ding, was etwas hervorbringt. Und für den, für den ein Erfahrungsding aus einer höheren Vertiefungsstufe etwas Absolutes ist ....


    Gehst du diese Unterscheidung so mit: Materialismus <> Idealismus?





    :earth:

  • Gehst du diese Unterscheidung so mit: Materialismus <> Idealismus?

    Ich habe zu viele Definitionen und Vertreter gelesen um das einfach so beantworten zu können, darum wollte ich wie die "alten" Inder rangehen und es in "Ansichten" einteilen, dh. ich hätte jetzt typische Begriffe genommen, in dem Fall die die dort stehen, weil sich dialektischer Materialismus für "heute" eignet und Jainismus für "damals" (den es schon zu PK-Zeiten gab), quasi als konventionelle Referenzen um nicht begriffstechnisch ausm Bauch raus zu schwurbeln a la "Es gibt auch Leute..." und dann denkt man sich 1Mio "ja, abers" aus und um nicht allzu weit vom PK abzudriften, also eben einen Vergleich zu haben. Ansonsten könnte das vllt. bei dem Thema etwas ausufern... Die beiden Ansichten sind oder waren unter den "Materialisten" vermutlich verhältnismässig oft vertreten (ich rate).

  • Ich habe zu viele Definitionen und Vertreter gelesen um das einfach so beantworten zu können, darum wollte ich wie die "alten" Inder rangehen und es in "Ansichten" einteilen


    Ich hab da vieles erst gelesen, nachdem ich mit BuddhaLehre in Berührung gekommen bin. Und da war ich sehr ignorant und/oder auch zu faul oder manchmal auch weise :D, und hab x Sachen nach 3 Sätzen schon beiseite gelegt. Also ich kenne x Begriffe aus neuerer Philosophie nicht.


    Der Aufsatz ist auf jeden Fall ein Hinweis für mich, dass man es auch mit Verallgemeinerungen über "die alten Inder" übertreiben kann. Ich habe da im Post in dem anderen Thread auch so neigend geschrieben. Insofern finde ich es ebenso nützlich, Ansichten und Lehren einzuteilen. Da ist es evtl gut, wenn verschiedene Leute einteilen und dann friedlich und offen über die Sinnhaftigkeit und Konsequenz ihrer Einteilungen debattieren. Vom Typ her neige ich zur vereinheitlichenden Differenzierung.


    Die Formulierung: "der Kantianismus hält Raum und Zeit nicht für eine objektive Realität, sondern für Formen der Anschauung", versucht vielleicht schon dem Kant gerecht zu werden. Aber meinem Verständnis dieser Lehre nach ist das nicht richtig gesagt und impliziert "Konservendosenvorstellungen". Und damit etwas, was man mit Idealismus bezeichnen kann, aber dem, was Kant da versucht hat zu sagen, nicht gerecht wird.


    Wenn jetzt einer sagt, Kantsches Denken wäre idealistisches Denken, dann ist das meiner Einteilung nach ein Einteilungsproblem.


    Das meine ich nicht ironisch oder sarkastisch.





    :earth:

  • Wenn man jetzt sagt: Materialisten sind solche, die behaupten, es gäbe eine Festigkeit ohne etwas, für das diese Festigkeit ist/ohne etwas woran oder worin sich die Festigkeit zeigt, sind dann die Jainisten Materialisten?




    :earth:

  • Es kommen noch weitere Probleme dazu. Wenn ich die Stelle und die Anmerkung aus dem Petavatthu 4.3 lese, dann glaube ich, dass der Begriff auch dort schon gemischt war und "wir" tendenziell von einer Philosophiedefinition (Materialismus vs. Idealismus) ausgehen, die es eben dort so nicht gab und auch nicht geben dürfte (weil Kastenhierarchie) und das Ganze aus religiös polemischer Sicht dargestellt ist. Ich meine damit, dass die "Materialisten" (die glaube ich eher "Atomisten" aus heutiger Sicht waren) im PK wie eine Lebenseinstellung dargestellt werden und nicht wie eine Lehre, sondern halt als wirres Zeug und Chaos.

    Zitat

    Materialismus


    Lebenseinstellung

    Dieser Begriff ist von dem lateinischen Wort "materia" abgeleitet, was auf Deutsch "Stoff" und "Material" heißt. Oft bezeichnet man mit "Materialismus" eine Lebenseinstellung, in der Geld, Wertgegenstände, hohes Einkommen, Statussymbole wie Autos und teure Kleidung wichtiger sind als alles andere. Materialistisch eingestellte Menschen unternehmen fast alles, um ihren Besitz zu vermehren.


    Philosophische Lehre

    Die philosophische Lehre des Materialismus geht davon aus, dass alles, was wir sehen und anfassen können, Materie ist oder mit Materie zu tun hat. Danach können auch Gedanken und Dinge auf Materie zurückgeführt werden. Dinge, die nichts mit Materie zu tun haben - wie zum Beispiel Gott - gibt es nach dieser Lehre nicht.

    Materialismus | bpb


    Das nächste Problem ist: selbst heute ist das zwar nicht "geächtet", aber uneinheitlich. Ich bin dafür zwei Vertreter (Referenzen) einfach festzulegen.

  • Wenn man jetzt sagt: Materialisten sind solche, die behaupten, es gäbe eine Festigkeit ohne etwas, für das diese Festigkeit ist/ohne etwas woran oder worin sich die Festigkeit zeigt, sind dann die Jainisten Materialisten?




    :earth:


    Im Text steht, dass für die die "kleinsten Teilchen" (es ist absurd so zu schreiben, denn das Atrribut "klein" für eine Länge, kann man nicht auf etwas Ausdehnungsloses verwenden, und da ist laut Text bei den Jainisten so ein Verständnis) "Dinge" sind, die in sich Geruch oder Geschmack oder Festigkeit tragen. Die heutigen Materialisten haben einen anderen MaterieBegriff.





    :earth:

  • Naja, also das mit den kleinsten (absurden) Teilchen ist glaube so:

    Zitat

    Der Jainismus geht davon aus, dass sich in der Welt zwei Prinzipien gegenüberstehen: Geistiges und Ungeistiges. Das Geistige beruht auf einer unendlichen Anzahl individueller Seelen (Jiva). Das Ungeistige umfasst die fünf Kategorien: Bewegung, Ruhe, Raum, Stoff und Zeit. Alles Stoffliche ist beseelt, nicht nur Menschen und Tiere, sondern auch Pflanzen oder Wasser.


    Die ursprüngliche Reinheit und Allwissenheit der Seele (Jiva) wird jedoch durch feinstoffliche Substanzen, die als Folge von Karma eindringen, getrübt. Der Jiva lässt sich nach dem jeweiligen Reinheitsgrad durch farbliche, olfaktorische, haptische sowie geschmackliche Abstufungen kategorisieren, wobei z. B. das mögliche Farbspektrum des Jiva von Schwarz, Dunkelblau über Taubengrau, Feuerrot, Gelb bis Weiß reicht. So attestiert eine gelbe Geistesmonade dem Träger ausgeglichene Wesenszüge. Jedwede karmische Tat, ob intentionell oder nicht, zwingt zum Verbleib im Kreislauf der Wiedergeburten (Samsara), bis alles Karma getilgt ist.


    Jainismus – Wikipedia


    Es ist halt nicht "Materialismus" aus unserer Sicht, aber im gewissen Sinne "progressiv", das passt dann wieder. :D

  • Zitat

    Für den Jinismus besteht die Materie aus unendlich vielen, nicht mehr zerlegbaren kleinsten, gestaltlosen Teilen (paramāu). Jedes Atom besitzt Fühlbarkeit, Geruch, Geschmack und Farbe und kann sich mit einem oder
    mehreren anderen zu Aggregaten verbinden.

    02_mylius.pdf (S. 40)


    da hab ich das mit meinen kleinsten, an sich riechenden oder schmeckenden Teilchen her. Aber das was du da postest kommt im Text auch iwo vor. Also zumindest hatte ich bei dem MonadenLeibnitzDing den Eindruck, hier wird eigentlich schon gemeint und gedacht, dass da wo etwas wahrgenommen wird, eine Wahrnehmung ist. Also zwingend 2.


    Ich beziehe mich auf den von dir geposteten Wiki-Eintrag. Wenn mit dem Begriff "Seele" im weitesten Sinne "Wahrnehmung" gemeint ist, dann ist in dieser Auffassung ja das integriert, was ich Biologisten oder Physikalisten als fehlende Durchschauung vorhalten würde. Sie begreifen sozusagen die Dinge als unbeseelt (also ohne Wahrnehmung derselben).


    Das nächste Problem ist: selbst heute ist das zwar nicht "geächtet", aber uneinheitlich. Ich bin dafür zwei Vertreter (Referenzen) einfach festzulegen.


    Mach mal bitte.





    :earth:

  • Hmm. Aber wenn Jainismus eigentlich kein Materialismus in dem Sinne ist, wie der Materialismus in dieser pdf vorgestellt wird. Dann stimmt doch die Aussage aus der pdf nicht mehr.


    Zitat

    Es verwundert nicht, dass die in der altindischen Philosophie dominierenden
    Idealisten alles taten, um ihre materialistischen Widersacher totzuschweigen


    Und dann ist auch deine Aussage: aus in der pdf genannten Gründen gibt es diesen Materialismus nicht mehr (sinngemäß?), nicht richtig. Vielleicht wurde der Jainismus unterdrückt, weil man in ihm eine Irrlehre sah. Aber diese Irrlehre ist ja sehr verschieden von einer Lehre, die man hiermit kennzeichnet (und wegen dieser Auffassung evtl unterdrücken möchte):


    Zitat

    „Der grundlegende Unterschied zwischen dem Materialisten und dem
    Anhänger der idealistischen Philosophie besteht darin, daß der Materialist die
    Empfindung, Wahrnehmung, Vorstellung und überhaupt das Bewußtsein der
    Menschen für das Abbild der objektiven Realität annimmt. Die Welt ist die

    Bewegung dieser objektiven Realität, die von unserem Bewußtsein widergespiegelt wird ... Der Begriff der Materie drückt nichts anderes aus als die objektive Realität, die uns in der Empfindung gegeben ist. Daher ist die

    Trennung der Bewegung von der Materie gleichbedeutend mit der Trennung
    des Denkens von der objektiven Realität, der Trennung meiner Empfindungen von der Außenwelt, d.h. gleichbedeutend mit dem Übertreten auf die Seite des Idealismus.“18

    „Die Anerkennung der objektiven Gesetzmäßigkeit der Natur und der annähernd richtigen Widerspiegelung dieser Gesetzmäßigkeit im Kopf des
    Menschen ist Materialismus.“
    „Da der Materialismus die Existenz einer objektiven Realität, d.h. einer
    sich bewegenden Materie, die unabhängig von unserem Bewußtsein existiert,
    anerkennt, so muß er unvermeidlich auch die objektive Realität von Raum
    und Zeit anerkennen, zum Unterschied vor allem vom Kantianismus, der in
    dieser Frage auf dem idealistischen Standpunkt steht und Raum und Zeit nicht
    für eine objektive Realität, sondern für Formen menschlicher Anschauung
    hält.“


    Das von mir unterstrichene hat ja erstmal nichts mit einer Sache "Idealismus" zu tun. Es wird nur folgendes erkannt, was ich am Beispiel Festigkeit/Materie kurz zeigen möchte:


    Die Festigkeit wird zweifach begriffen:


    a) als Materie des Kosmos, die sich zusammenballen "will". Hier findet man ein Gesetz der Schwerkraft.


    b) als Sinneseindruck.



    a) ist aber nur durch b) und weitere b)s möglich. Es ist ja nur richtig erkannt, dass man man einen Willen zur Zusammenballung/ein Naturgesetz Gravitation empirisch nicht in der Materie finden kann. Dass man solches "nur" beobachtend interpretiert, und Beschreibungen finden kann, die diese Art der (interpretierten) Beobachtung konsequent und verallgemeinernd (auf das wesentlichste Eigenschaftsspektrum reduziert) abbilden.


    So beschrieben behauptet man ja nicht zwingend eine Trennung von Materie und einem Gesetz (auch wenn das dann manche machen, die zB Kant falsch verstanden haben). Man sagt einerseits: hier ist eine Beschreibung, die mit dem wie es beobachtet wird, übereinstimmt. Weswegen es sinnvoll erscheint, Materie und materielles Gesetz Schwerkraft/materieller Wille "Zusammenballung" gleichzusetzen.


    Andererseits wird aber festgestellt, dass man diese Beobachtung und die Bestätigung dieser Beobachtung durch eine einheitliche Theorie nicht vor dem Hintergrund vergessen darf, vor dem solches beobachtet wurde: dem Sinneseindruck. Und dass der Sinneseindruck selbst aus diesem so postulieren "Zusammenballungswillen" nicht herleitbar ist.


    Aber es ist ebenso nicht möglich, widerspruchsfrei herzuleiten, dass es nicht so wäre.


    Ebenso könnte man evtl den "Willen der Töne", lauter werden zu wollen, verstehen: Die Gleichungen, die man hat, um summierte Lautstärken durch Kenntnis einzelner Lautstärken zu bestimmen, stimmen mit der Beobachtung überein. Man kann sinnvoll/gesetzhaft von der Lautstärke und damit auch von den Schallwellen sprechen, durch deren so beobachtete eigene Natur Summierungen zu anderen Lautstärken möglich sind. Aber der Sinneseindruck Lautstärke ist nicht herleitbar aus der Beobachtung einer Lautstärke und damit auch nicht aus der Schallwelle.


    Aber es ist auch nicht herleitbar, dass es nicht so ist.


    Ich vermute, dass einige Materialisten aufgrund ihrer eigenen unzulässig verabsolutierenden Sicht, denselben VerständnisFehler in der Auffassung über von ihnen so bezeichnete Idealisten fortführen. Sie meinen, dass eine Auffassung, die sich darüber klar ist, dass man nur widersprüchlichere und weniger widersprüchliche Auffassungen spricht, behaupten würde, es gäbe eine Auffasung ohne Welt. So wie sie denken, dass es eine Welt ohne Auffassung geben könnte.





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  • Ich habe glaube ich einen anderen Begriffe, bzw. andere Begriffe (pl.) vom Materialismus als du. Erstmal ist es fuer mich kontext- und zeitabhaengig und dann auch nicht von einer eventuellen Objektivitaet. Idealisten koennen genauso an eine unabhaengige Objektivitaet glauben, zB. Gott. Das sagt vllt hoechstens was ueber die Geschlossenheit eines Systems aus, wenn man eine absolute Praemisse mitdenkt (nehme ich an), aber das koennten alle moeglichen philosophischen Systeme sein.


    Idealismus, Materialismus, Agnostizismus, Dualismus etc. Philolex


    Ich wuerde das wie in dem Link eher als Schwerpunkt sehen, also fuer mich sind die Materialisten historisch betrachtet sowas wie Empiristen oder Atomisten, weil sie meistens in einem gottesglaeubigen Umfeld waren und der hat das Schicksal ihres individuellen Lebens gelenkt. Die Atomisten, Empiristen, Materialisten, usw. haben dann das in irgendeiner Weise in Frage gestellt und in der Regel entwickeln sich philosophische Schulen und Ansichten dann noch weiter.


    Den Jainismus wuerde ich deswegen (historisch gesehen) dazuzaehlen, quasi eine Vorsstufe, weil sie sagen, dass nicht Gott (Brahman) die Gesetze macht, sondern Miniseelen (jivas und ajivas), die ja quasiempirisch und diesseitig sind, wenn ich das richtig verstehe.

  • Also ich würde diese Begriffe überhaupt nicht mitgehen. Materialismus <> Idealismus. Ausser in der Bedeutung, die die Codierung sinnvollerweise nur anzeigen kann:


    der eine glaubt an eine absolute Materie. Und daran, dass alles aus dieser Materie hervorgeht. Auch die Ideen. Der Idealist glaubt eher an die Idee, die Verallgemeinerung, den Begriff. Und dass man die Welt eher vom Allgemeinen denkend her verstehen wird. Und dass ein Begehren erstmal weniger mit einer wirklichen Eigenschaft eines Dings (an die der Materialist glaubt) zu tun hat.


    Zitat

    Unbestreitbar ist die Überlegenheit des Jinismus über den ursprünglichen
    Buddhismus in philosophischer Hinsicht. Gautama Buddha hatte im Majjhimanikāya 63, dem Cūa-Mālukyā-Sutta, alle Gespräche über Themen abgelehnt, die nicht unmittelbar der Erlösung dienen.6 Im Jinismus dagegen wird
    schon früh philosophischen Überlegungen nicht ausgewichen und es herrschen dezidierte Vorstellungen zur Ontologie und Erkenntnistheorie.


    Unbestreitbar ist das Erkennen die Praxis (des Lebens). Und eine Theorie zum Erkennen kann eigentlich nur darin bestehen, zu erklären, wie Erkennen zustandekommt, wie man Erkennen verbessert.


    Im Gegenteil wurde hier Überlegungen nicht ausgewichen, sondern eher unsinnigen Ideen, oder nur missinterpretationsanfälligen Formulierungen ausgewichen.


    Es ist allein in der Idee, eine zuverlässige Erkenntnistheorie liefern zu wollen schon eine Absurdität, wenn diese Theorie nicht gleichzeitig aus sich heraus begründen und zeigen kann, was Erkennen nun eigentlich ist, und wie Erkennen nun verbessert werden kann.





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