Buddhismus und Monotheismus zu Egoismus und Moral


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  • Egoismus <-> Moral: Monotheismus <-> Buddhismus:


    -> 1) Schopenhauer:

    Aus „Die beiden Grundprobleme der Ethik“

    Kriterium der Handlungen von echt moralischem Wert.

    Legale Handlungen können aus egoistischen Triebfedern hervorgehen, aber nicht echt moralische. Dogmen sind zwar geeignet, Legalität zu erzeugen, aber nicht Moralität. Angenommen, dass der Glaube an Götter, deren Wille und Gebot die sittliche Handlungsweise wäre, und welche diesem Gebot durch Strafen und Belohnungen, entweder in dieser, oder in der anderen Welt, Nachdruck erteilten (siehe Neues Testament Matthäus 6.4: Wenn du aber Almosen gibst, so soll deine linke Hand nicht wissen, was deine rechte tut, damit dein Almosen im Verborgenen sei. (gut: aber:) Und dein Vater, der ins Verborgene sieht, wird es dir vergelten öffentlich, Lukas 6.35: ... leihet, ohne etwas dafür zu erhoffen; so wird euer Lohn groß sein, und ihr werdet Kinder des Höchsten sein; denn er ist gütig gegen die Undankbaren und Bösen. Darum seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist. Und richtet nicht, so werdet ihr nicht gerichtet; verurteilet nicht, so werdet ihr nicht verurteilt; sprechet los, so werdet ihr losgesprochen werden! Gebet, so wird euch gegeben werden; ein gutes, vollgedrücktes, gerütteltes und überfließendes Maß wird man euch in den Schoß geben. Denn mit eben dem Maße, mit welchem ihr messet, wird euch wieder gemessen werden), allgemein Wurzel fasste und die beabsichtigte Wirkung hervorbrächte; so würde dadurch zwar Legalität der Handlungen, selbst über die Grenze hinaus, bis zu welcher Justiz und Polizei reichen können, zu Wege gebracht sein; aber Jeder fühlt, dass es keineswegs Dasjenige wäre, was wir eigentlich unter Moralität der Gesinnung verstehen. Denn offenbar würden alle durch Motive solcher Art hervorgerufene Handlungen immer nur im bloßen Egoismus wurzeln. Dagegen ist das Kriterium der Handlungen von echt moralischem Wert die Ausschließung derjenigen Art von Motiven, durch welche sonst alle menschlichen Handlungen hervorgerufen werden, nämlich der eigennützigen im weitesten Sinne des Wortes. Abwesenheit aller egoistischen Motivation ist also das Kriterium einer Handlung von moralischem Wert.

    Die moralische Triebfeder.

    Die moralische Triebfeder muss schlechterdings, wie jedes den Willen bewegende Motiv, eine sich von selbst ankündigende, deshalb positiv wirkende, folglich reale sein; und da für den Menschen nur das Empirische, oder doch als möglicherweise empirisch vorhanden Vorausgesetzte Realität hat; so muss die moralische Triebfeder in der Tat eine empirische sein und als solche ungerufen sich ankündigen, an uns kommen, ohne auf unser Fragen danach zu warten, von selbst auf uns eindringen, und dies mit solcher Gewalt, dass sie die entgegenstehenden, riesenstarken, egoistischen Motive wenigstens möglicherweise überwinden kann. Dieser Forderung entspricht allein das Mitleid

    (Das heißt, es lässt nicht jenes selbst zu, das im Mitgefühl sich gefiele).


    -> 2) Zen Buddhismus:

    Dazu Buddhismus, z. B. Byung-Chul Han: Philosophie des Zen-Buddhismus: Mitleid darf nicht im geringsten Gefühl von Selbstzufriedenheit entstehen lassen (was ein egoistischer Grund ist = die Ablehnung des „Gutmenschen“).

    Viele Religionen gehen noch über die im Buddhismus nicht gewünschte „nur“ Entstehung von Selbstzufriedenheit hinaus und versprechen ewiges Leben in bester Gesellschaft, was seinen Ursprung hat im Lebenswillen der Gattung (Schopenhauer, Darwin), übergegangen auf das Individuum und seinem (gar ewigen) Überlebenswillen. Nachdem der Körper stirbt, verlangt das nach der Konstruktion von/dem Glauben an etwas zweitem, das nicht stirbt.


    Die Ursache dazu:


    -> 3) Schopenhauer:

    Übermacht des Gattungslebens über das individuelle Leben.

    Obgleich der Wille nur im Individuum zum Selbstbewusstsein gelangt, also unmittelbar nur als Individuum erkennt; so tritt das in der Tiefe liegende Bewusstsein, dass eigentlich die Gattung es ist, in der sein Wesen sich objektiviert, doch darin hervor, dass dem Individuum die Angelegenheiten der Gattung als solcher, also die Geschlechtsverhältnisse, die Zeugung und Ernährung der Brut, ungleich wichtiger und angelegener sind, als alles Andere. Daher also bei den Tieren die Brunst und beim Menschen die sorgfältige und kapriziöse Auswahl des anderen Individuums zur Befriedigung des Geschlechtstriebes, welche sich bis zur leidenschaftlichen Liebe steigern kann; eben daher endlich die überschwängliche Liebe der Eltern zu ihrer Brut. (W. II, 582.) Alle Tatsachen deuten darauf hin, dass das Leben des Individuums im Grunde nur ein von der Gattung geborgtes und dass alle Lebenskraft gleichsam durch Abdämmung gehemmte Gattungskraft ist. Dieses aber ist daraus zu erklären, dass das metaphysische Substrat des Lebens sich unmittelbar in der Gattung und erst mittelst dieser im Individuum offenbart. Die Heftigkeit des Geschlechtstriebes, der rege Eifer und der tiefe Ernst, mit welchem jedes Tier, und ebenso der Mensch, die Angelegenheiten desselben betreibt, bezeugt, dass durch die ihm dienende Funktion das Tier Dem angehört, worin eigentlich und hauptsächlich sein wahres Wesen liegt, nämlich der Gattung; während alle anderen Funktionen und Organe unmittelbar nur dem Individuum dienen, dessen Dasein im Grunde nur ein sekundäres ist. In der Heftigkeit jenes Triebes, welcher die Konzentration des ganzen tierischen Wesens ist, drückt ferner sich das Bewusstsein aus, dass das Individuum nicht fortdauere und daher Alles an die Erhaltung der Gattung zu setzen habe, in welcher sein wahres Dasein liegt. (W. II, 583 fg.) Der Wille zum Leben äußert sich zwar zunächst als Streben zur Erhaltung des Individuums; jedoch ist dies nur die Stufe zum Streben nach Erhaltung der Gattung, welches letztere in dem Grade heftiger sein muss, als das Leben der Gattung an Dauer, Ausdehnung und Wert das des Individuums übertrifft. (W. II, 586. 639.)





    -> 4) Zusammenfassend:

    Neues Testament:

    Matthäus 6.4: Wenn du aber Almosen gibst, so soll deine linke Hand nicht wissen, was deine rechte tut, damit dein Almosen im Verborgenen sei. (gut: aber dann:) Und dein Vater, der ins Verborgene sieht, wird es dir vergelten öffentlich,

    Lukas 6.35: ... leihet, ohne etwas dafür zu erhoffen; so wird euer Lohn groß sein, und ihr werdet Kinder des Höchsten sein; denn er ist gütig gegen die Undankbaren und Bösen. Darum seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist. Und richtet nicht, so werdet ihr nicht gerichtet; verurteilet nicht, so werdet ihr nicht verurteilt; sprechet los, so werdet ihr losgesprochen werden! Gebet, so wird euch gegeben werden; ein gutes, vollgedrücktes, gerütteltes und überfließendes Maß wird man euch in den Schoß geben. Denn mit eben dem Maße, mit welchem ihr messet, wird euch wieder gemessen werden.


    = Kant: Kategorischer Imperativ als egoistisches Motiv,

    was auch klar wird aus:

    Matthäus 7.12 Alles nun, was ihr wollt, daß die Leute euch tun sollen, das tut auch ihr ihnen ebenso; denn dies ist das Gesetz und die Propheten.

    Lukas 6.29 Dem, der dich auf den Backen schlägt, biete auch den andern dar, und dem, der dir den Mantel nimmt, verweigere auch den Rock nicht.

    Gib jedem, der dich bittet, und von dem, der dir das Deine nimmt, fordere es nicht zurück. (so!, aber dann wieder:)

    Lukas 6.31 Und wie ihr wollt, daß euch die Leute tun sollen, tut auch ihr ihnen gleicherweise.


    dazu Schopenhauer von oben:

    so würde dadurch zwar Legalität der Handlungen, ..., bis zu welcher Justiz und Polizei reichen können ...

    das heisst, so entsteht daraus durchaus Sinn, wenn auch nicht als moralisches Handeln begründbar:

    Kant Kritik der praktischen Vernunft: „Handle nach der Maxime, die sich selbst zugleich zum allgemeinen Gesetze machen kann.“ Was sich als praktischer-egoistischer Grund ergibt, z. B. als dass ich deshalb einem anderen nichts wegnehme, weil ich nicht will, dass wiederum ein anderer mir was wegnimmt.

    Dagegen Schopenhauer: Abwesenheit aller egoistischen Motivation ist das Kriterium einer Handlung von moralischem Wert.


    So lassen wir mal „Wenn du aber Almosen gibst, so soll deine linke Hand nicht wissen, was deine rechte tut, damit dein Almosen im Verborgenen sei“ so stehen und vergessen den Rest, vielleicht ist es auch so gemeint.

  • Es findet sich hier eine längere Diskussion zu dem Thema: Byung-Chul Han: Philosophie des Zen-Buddhismus: Mitleid darf nicht im geringsten Gefühl von Selbstzufriedenheit entstehen lassen (da es sonst egoistisch ist und kein Mitleid mehr ist, dann werden die Mitleidenden zu Darstellern ihrer selbst und genießen sich selbst).

    Es ist so: Das haben Schopenhauer und vor allem schon weit früher der Buddhismus kristallklar so gesehen.


    Es ist wohl eine der elementarsten Lehren des Buddhismus als auch des Laozi und des Dao.


    In unserer verlogenen Zeit ist es wohl wichtig, gerade die Fundamente des Chan/Zen Buddhismus zu verstehen:

    Kobayashi Issa:

    Der Diener, ein bißchen dumm:

    Er schippt auch den Schnee

    des Nachbarn.

  • Wenn du aber Almosen gibst, so soll deine linke Hand nicht wissen, was deine rechte tut, damit dein Almosen im Verborgenen sei. (gut: aber:) Und dein Vater, der ins Verborgene sieht, wird es dir vergelten öffentlich"

    Dazu: "Und dein Vater, der ins Verborgene sieht, wird es dir vergelten" ist ein egoistischer Grund und widerspricht somit der Definition Schopenhauers von

    „Kriterium der Handlungen von echt moralischem Wert"

    aus „Die beiden Grundprobleme der Ethik“,

    die frei von Egoismen sein müssen.

    Sorry, was da steht, steht da.