Entwickeln wir uns kollektiv weiter, indem sich genug Einzelne entwickeln?

36 Antworten. Letzter Beitrag () ist von kilaya.

  • Das liest sich für mich wie so eine Gehaltstabelle ...Lohngruppe xy muss das und jenes können und zu soundso viel % selbstständige arbeiten ausführen..nur die Euros dahinter fehlen. Wobei meinen Chef sehe ich da allerhöchstens bei E3.....passt also auch nicht....sollte es aber...

    Genau das kann man eben nicht so übertragen. Gerade wer meint, "Chef" sein zu müssen, kann sehr egobezogen sein, während die Reinigungskraft vielleicht mit einer ganzheitlichen Einstellung unterwegs ist. usw.

    Aber so sollte es ja am besten nicht sein.


    Zitat

    Sollte unsere Gesellschaft ihren Schwerpunkt irgendwann wirklich auf Stufe E7 verlagern, dann sollten führende Politiker und obere Führungskräfte sich am besten schon auf Stufe E8 befinden. Der Theorie zufolge wären das Menschen, die in der Lage sind, in hochkomplexen und auch widersprüchlichen Welten zu agieren. Menschen, die multiperspektivisch denken, sich selbst in hohem Maße hinterfragen und die Sichtweisen und Bedürfnisse unterschiedlichster Gruppen berücksichtigen." [Geschätzt 5% der Menschen]


    Das Problem ist ja auch bzw. das was dem entgegensteht ist schon sytembedingt. In diesem System gelten nicht nur Menschen als Personen, sondern es gibt auch andere Körperschaften, die juristisch wie Personen behandelt werden. Z.b. Kapitalgesellschafften...die müssen sich zwar in einer zunehmend komplexeren Umgebung zurechtfinden, doch letztendlich geht es einzig und allein immer darum Geld zu erwirtschaften...da denkt man nicht an die Anderen, bzw. nur dann, wenn es zweckdienlich ist. Für diese "Personen" gilt auch, wer sich nicht behaupten kann, der stirbt...und das sehr unmittelbar.... Was mich eher an eine steinzeitliche Entwicklungsstufe erinnert....

    Diese Personen haben auch wiederum einen starken Einfluss auf die Politik, der umso größer ist, desto mehr Kapital sie besitzen, so dass sich der Sozialstaat immer mehr zurückzieht. Auch gibt es einen zunehmend starken Einfluss über Medien...auf Wissenschaft usw....in dem diese Bereiche geschluckt und einverleibt werden. Es gilt Privat vor Staat...daran wäre ja erstmal nichts auszusetzen....hört sich auch irgendwie beruhigend an...aber mit Privat sind in diesem zusammenhang weniger Menschen gemeint, mit bestimmten Entwicklungsstufen und echten Kompetenzen im sozialen Bereich...sondern völlig gewissenlose Syteme...und auch die Menschen die für diese Systeme arbeiten, haben sich dem Grundrinzip dieser Syteme unterzuordnen...Kapital erwirtschaften, wachsen wachsen wachsen und sich in einer feindlichen Umgebung behaupten.

  • Da wird eine ideale Situation im Konjunktiv skizziert: "sollte die Gesellschaft wirklich ihren Schwerpunkt verlagert haben, dann wäre es am besten wenn...". Auch jetzt wäre es gut, aus dem Blickwinkel so einer Theorie, wenn die Politiker und Führungskräfte (ich glaube da sind auch nicht irgendwelche Chefs gemeint) auf einer höheren Stufe wären, als die Mehrheit der Gesellschaft. Weil sie dann den besseren Überblick hätte. Man kann ja wirklich nicht behaupten, dass das der Fall wäre, denn das derzeitige System fördert, dass ein Politiker als Egomane fast am meisten Chancen hat.

    Ich will nur kurz einwerfen, dass ich kein besonderer Fan genau dieser Theorie und Stufenvorstellung bin. Ich kannte die bis zu dem Artikel gar nicht. Eher schon Spiral Dynamics, was ich schon länger kenne. Ich habe es v.a. deswegen als Aufhänger für die Diskussion genommen, weil dort gesagt wird: sind die derzeitigen Prozesse vielleicht ein Zeichen einer Entwicklung? Inklusive der scheinbaren Rückschritte?

    "Respekt ist unsere Aufgabe und nicht ne falsche Maske, die ich aufhabe" (Fanta 4)
    OM BENDZA KILI KILAYA HUNG

  • Hier ein kritischer Meinungs-Beitrag in Reaktion auf den obigen Artikel, ebenfalls aus dem Spiegel. (Im übrigen ein Grund, warum ich viel in SPON herumlese, weil es dort keine zwingende Ideologie gibt und gegensätzliche Meinungen und auch Kritik an dem eigenen Medium besonders in den Kolummen ausdrücklich erwünscht sind....)

    Ich stimme nicht mit Fleischhauer überein, ich finde er macht den gleichen Fehler in der Interpretation, den ich hier auch kritisiert habe. Allerdings hat der erste Artikel ihm auch eine Steilvorlage geliefert, indem der die Grünen ausdrücklich in diese Entwicklungsskala einsortiert hat. Für mich war an dem ersten Artikel weniger diese spezielle Skala von Loevinger noch die politische Einordnung der Grund, es positiv betrachtet zu posten, sondern vielmehr, dass ich für mich den Bezug zu der mir bekannten Spiral Dynamics-Spirale hergestellt habe und ich die Grundidee von der konkreten Ausführung abstrahiert habe.


    Sind die Grünen die besseren Menschen? - Kolumne - SPIEGEL ONLINE

    "Respekt ist unsere Aufgabe und nicht ne falsche Maske, die ich aufhabe" (Fanta 4)
    OM BENDZA KILI KILAYA HUNG

  • Das Denken in Entwicklungsstufen kann leicht dazu tendieren, die Komplementarität zu übersehen.


    Um mal ein reichlich überspitztes und ziemlich bizarres Beispiel heranzuführen: In dem Science-Fiction-Roman "die Zeitmaschine" extrapolierte H.G Wells die zunehmende Spaltung zwischen Arbeiterklasse und Oberschicht seiner Zeit.. In der fernen Zukunft - so wells - haben sich die beiden extremen Gesellschaftsklassen des viktorianischen England zu zwei Menschenrassen weiterentwickelt haben: den oberirdisch lebenden Eloi und den unterirdischen Morlocks:


    Die kindlichen Eloi leben scheinbar sorgenfrei und glücklich, aber völlig unreflektiert und verweichlicht in einer paradiesischen Umgebung, sehen ähnlich aus wie heutige Menschen und scheinen alle relativ jung zu sein. Es ist dem Zeitreisenden anfangs unverständlich, wer sie ernährt und kleidet, da sie offensichtlich nie zu arbeiten brauchen. Andererseits scheint eine namenlose Furcht vor der Dunkelheit, besonders den mondlosen Nächten, ihrer Idylle entgegenzustehen.

    Das besondere an den Eloi ist, dass sie ganz der Mühsal der Arbeit enthoben sind, und so so sensibel und unbeschwer wie Kinder bleiben können. Weil sie von dem Ernst dem Lebens abgeschnitten sind, können sie sich ganz dem Spiel, dem Vergnügen und der Sinnesfreude widmen. Wahrschienlich hätte man sie später als Blumenkinder bezeichnet.


    Die ganze Sorge um das Dasein bleibt an den Morlocks hängen- der unterirdisch lebenden, hässlichen Arbeiterklasse, die als Kellerkinder an den riesigen Maschinen werkeln:

    Die Morlocks, nach Empfinden des Zeitreisenden hässliche, affenartige, lichtscheue Wesen, hausen in unterirdischen Höhlen. Bei seinen Nachforschungen stellt er fest, dass sie dort riesige Maschinen betreiben und auf diese Weise das Leben der oberirdischen Eloi ermöglichen und erhalten. Anfangs scheint es ihm, als seien die Morlocks die Sklaven der Eloi, so wie in der Vergangenheit die Arbeiterklasse ausgebeutet wurde, um den Wohlstand der oberen Klassen zu sichern. Allmählich aber erkennt er, dass sich das Verhältnis inzwischen umgekehrt hat: Die Morlocks halten sich die Eloi wie Bauern das Vieh, sie sorgen für ihr leibliches Wohl, weil die Menschenfresser sie als Nahrung brauchen. In den dunklen Nächten holen sie sich oben ihre Mahlzeiten.

    Hier ist kein Gedanke einer Entwicklung (also, dass sich Mortlocks in Eloi verwendeln) sondern der Komplementarität. Die vegetarischen Eloi können deswegen ein Leben als sorgenfreie Biohühner führen, weil die Drecksarbeit bei den fleischfressenden Unterirdischen bleibt, denen sie als Nahrung dienen.


    Ich denke die Elois würden fast alle die Grünen wählen. Weil diese auch für das Unbeschwerte, Naturbelassene, Sanftmütige stehen. Für eine Blumenwiese, wo jeder ein wenig anders ist aber alle sich gerne haben und man sich respektiert.


    Während die Gedanken der Morlocks wohl um die Maschinen kreisen. Sie würden eine Partei wählen, die die Wirtschaftmaschinerie in Gang hält, wo Arbeitsplätze sicher sind, und auch der Durchnschnitts-Morlock des Sonntags einen Eloi leisten kann.


    Wir müssen sehr aufpassen, dass wir nicht wo eine Entwicklung zum Besseren sehen, die dann nur die eine Seite einer breiter werdenden gesellschaftlichen Schere ist, wie sie Wells hier so bizarr vor Augen führt.

  • Das Bild scheint auf die derzeitige Situation perfekt zugeschnitten. Allerdings ist es am Ende dann doch komplexer. Während so mancher Grünen-Wähler heute nicht mehr aus einer linksintellektuellen Bourgeoisie stammt, sondern sich schlicht massive Sorgen um die Zukunft des Planeten macht, ist so mancher AfD-Wähler der sog. "Arbeiterklasse" in Sorge um die Abbezahlung seines Häuschens. Und da passt das Bild dann nicht mehr und man kommt mehr auf den Aspekt, wie viel Weitblick jemand jeweils zeigt über die komplexen Zusammenhänge. Auf der einen Seite: "Das Überleben von Kindern am anderen Ende der Welt ist wichtiger, als meine ungebremsten Konsuminteressen" - auf der anderen Seite: "Aber ich stehe doch im Mittelpunkt meines Universums - nach mir die Sintflut". (Natürlich überspitze ich das als bewussten Kontrast)

    "Respekt ist unsere Aufgabe und nicht ne falsche Maske, die ich aufhabe" (Fanta 4)
    OM BENDZA KILI KILAYA HUNG

  • Kann man, wie der Artikel ja auch darstellt, so oder so sehen. Ich finde den Wechsel an sich nicht bemerkenswert, aber ich finde schon, dass man - besonders als Politiker - nicht Wasser predigen und Wein trinken sollte. Also gegen einen umweltfreundlicheren Dienstwagen wäre nichts einzuwenden, Hybrid hat ja auch kein Reichweitenproblem.

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  • Kann man, wie der Artikel ja auch darstellt, so oder so sehen. Ich finde den Wechsel an sich nicht bemerkenswert, aber ich finde schon, dass man - besonders als Politiker - nicht Wasser predigen und Wein trinken sollte. Also gegen einen umweltfreundlicheren Dienstwagen wäre nichts einzuwenden, Hybrid hat ja auch kein Reichweitenproblem.

    Ich sehe das jetzt auch nicht so dramatisch... Es war wahrscheinlich nur eine Gedankenlosigkeit.. Dienstwagen hat man halt.. Ich weiß auch nicht ob der überhaupt so direkt ausgesucht wurde... Aber die Wirkung kann trotzdem übel ausfallen.. Vlt. auch gerade weil immer so perfekt getan wird.. Da verliert man den Kontakt zur Normalbevölkerung und dann verzeihen die auch so schnell nix.. Man muss die Leute ja auch noch mal abholen.. Im Artikel wurde ja so eine Langeweile angesprochen.. Ich kann das schon nachvollziehen. Immer mehr geht es um Sicherheit und Vernunft... Aber wo bleibt der Spaß und die Freiheit? Statt über Fahrradhelmpflicht und Sicherheitsleuchtewesten sollte man zb. vlt. über sowas wie Elekto Leichtkrafträder die man bis 100kmh auch mit dem Autoführerschein steuerbegünstigt fahren darf diskutieren... usw...

  • sollte man zb. vlt. über sowas wie Elekto Leichtkrafträder die man bis 100kmh auch mit dem Autoführerschein steuerbegünstigt fahren darf diskutieren.

    :like: Ich bestelle schon mal einen vor, auch wenn es sie noch nicht gibt ;)

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  • Ich hätte einen Elektroroller, wenn nicht das Aufladeproblem wäre. Mehrfamilienhaus halt. Nur ein Modell, wo ich den Akku zum Laden leicht rausnehmen und ihn in der Wohnung laden kann, würde in Frage kommen. Und die sind sehr teuer. Also habe ich einen normalen 4-Takt-Roller. Wobei ich bei max. 5€ tanken im Monat da wohl nicht so ins Gewicht falle. Mit dem, was mir der Roller an Bewegungsfreiheit ermöglicht, fühle ich mich schon sehr frei.


    Was Autos angeht, da sollten wir vom Einzeleigentum zum allgemeinen Sharing nach Bedarf übergehen. Eine intelligente vernetzte Flotte von allen benötigten Modellen - und man muss sich nicht um Diebstahl usw. Gedanken machen. Da ist doch erheblich viel mehr Freiheit drin, als im persönlichen Besitz: ich kann jederzeit neu entscheiden, was für ein Modell ich gerade brauche oder Lust habe,zu fahren... :)

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  • Infrastruktur muss man natürlich auch schaffen, dafür muss aber auch erstmal breites Interesse vorhanden sein.... Könnte man mit dem Spassfaktor wahrscheinlich schneller erreichen, als mit dem reinen Vernunftsfaktor. Und mal ehrlich... Ich persönlich fühle mich auch noch sicherer, wenn ich in der Lage bin im Verkehr mitzuschwimmen, anstatt mich mit 2cm Seitenabstand überholen zu lassen:grinsen:...


    Shareing finde ich bisher schwierig.. Weil irgendwo muss man sich die Karre ja abholen gehen.. .. Aber bald kommt sie einen vlt. schon abholen... Das wäre schon spaßig...

  • Bei einer intelligenten Flotten wäre das mit den festen Abholplätzen vermutlich bald nicht die einzige Option. App starten und schauen was in der Umgebung ist für spontane Situationen wäre sicher auch drin. Und natürlich solllte es kombiniert werden mit einem intelligenten ÖPNV.

    Meinst Du mit den 2cm Seitenabstand das Fahren mit einem 50er Roller? Ich finde eine der bescheuertsten Entscheidungen der EU war, die Roller einheitlich auf 45 kmh zu drosseln. Das macht den Strassenverkehr insgesamt wesentlich unsicherer, als wenn man z.B. 55 als Obergrenze nehmen würde, wo man mitschwimmen kann, etwas Luft nach oben hat und das reduziert auch die Überholidioten. (Als BonBon wurde das ausgerechnet von Italien durchgeboxt, wo ein Verkäufer "gefährlich lebt", sollte er einen nicht entdrosselten Roller verkaufen wollen)

    Ich fahre grundsätzlich in der Mitte der Spur, so dass Überholmanöver nicht so attraktiv sind. Die, die dann doch noch überholen, tun das auch bei einem Auto. Man ist nur weniger geschützt, daher fällt einem das noch stärker auf. Am Donnerstag war wieder sowas: ich fuhr einen Tick langsamer, weil ich offensichtlich nach der richtigen Einfahrt suchte, die auf der linken Seite der Strasse war. Rechts keine Möglichkeit, anzuhalten. Da war aber sogar eine Linksabbieger-Spur für meine Einfahrt. Ich fuhr vielleicht 40 und setze gerade den Blinker, um auf die Linksabbieger-Spur zu fahren, als ein Auto mich über eben diese Spur ruckhaft mit 60 überholt. Es ist jetzt nicht so, dass der lange hinter mir aufgehalten worden wäre, der war schon mit der Geschwindigkeit angekommen und hatte einfach die gesamte Situation nicht im Blick und mich als Verkehrsteilnehmer offenbar nicht ernst genommen. Wobei der Roller nach einer grossen Maschine aussieht, was normalerweise die Einschätzung auch in meine Richtung verbessert, Im Vergleich dazu wenn man auf so kleinen Donut-Rädern dahintuckelt.

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