Negative Gefühle und Gedanken, sowas wie Wut und Hass

There are 26 replies in this Thread. The last Post () by Niemand.

  • Hey Leute,


    Es ist ein Thema was mich schon seit langem beschäftigt. In der Menschlichen Spezies sind Wut, Hass, Neid und diverse andere negative Gefühle tief verankert. Nun gibt es aber verschiede Arten damit umzugehen. Mein Vater und meine spirituell veranlagte Freundin sind zum Beispiel der Meinung das man sich von dieser Art von Gefühlen frei machen sollte um mit sich selbst im Reinen zu sein, auch wenn es manchmal schwer fällt.

    Ich hingegen denke eher das man auch seine negativen Seiten als ein Teil seiner selbst akzeptieren sollte. Wir alle empfinden irgendwann einmal diese Art von Gefühlen, das ist eine Tatsache und ich bin eher der Meinung das man sie akzeptieren muss, denn es ist nahezu unmöglich sie vollends loszuwerden. Diese einfache Tatsache das ich ein Mensch bin, und damit so etwas wie Wut empfinde, hilft mir eher mit mir selbst im Reinen zu sein als das ich sie versuche komplett auszuschalten........das heißt jetzt aber nicht das ich auf alles und jeden losgehe auf den ich wütend bin, ich bin eine relativ friedliche Persönlichkeit :-D


    Nun zu meiner Frage: Wie ist das eigentlich beim Buddhismus, und auch bei euch selbst?



    Viele Grüße

    C-Jay

  • Frei machen ist nicht so einfach.

    Erkennen, akzeptieren, und loslassen ist einfacher, wenn die Achtsamkeit kultiviert wurde.

    Im Alltag wechseln sich diese Dinge immer ab, positiv, neutral, negativ.

    Es ist ein ständiges erkennen und loslassen, das alte ablegen und nichts neues mehr ergreifen.


    Das geht aber nicht von heute auf morgen.

    Alles Gute!

  • Dazu habe ich in einem anderen Thread etwas geschrieben:


    Zitat

    Was aber nun, wenn da Wut oder Ärger in dir ist?

    Thich Nhat Hanh empfiehlt dann stets, erst einmal an sich zu arbeiten, bis der Ärger weg ist, also Gehmeditation etc. und erst danach wieder mit dem betreffenden Menschen zu sprechen.


    In vielen Fällen ist das sicherlich nützlich, das so zu praktizieren.

    In manchen Fällen aber auch nicht.

    Ärger und Wut sind ja grundsätzlich natürliche Reaktionen, wenn die Bedürfnisse eines Menschen verletzt werden.

    Außerdem hat die Äußerung solcher Gefühle oft eine sozial wichtige kommunikative Funktion: Sie zeigt dem anderen, was sein Verhalten auslöst und gibt deutliche Rückmeldung.

    Bei engen Freunden oder Partnern ist es sogar sehr wichtig, nicht immer alle "aversiven" Gefühle im Vorfeld wegzumeditieren, sondern sie (zumindest moderat) einigermaßen spontan zum Ausdruck bringen zu können.


    Ständige gleichmütige Freundlichkeit kann in manchen Kontexten regelrecht falsch sein.

    Rat von Thich Nhat Hanh verstehen (aus Video, Englisch)

  • Das ist ein laaaanger Prozeß, der Weg des Loslassens, der in die Leere führt. Das frei sein von jeglicher Art von (extremen) Gefühlen. Es stellt sich ein wenn man an sich arbeitet, sich seines Selbst bewusst ist und jeder muss dafür seinen Weg finden. Hat man ihn gefunden geht es wie von selbst und zuweilen in rasendem Tempo, man merkt irgendwann "Hey, ich empfinde dieses Gefühl von Angst nicht mehr, wie ist das passiert?" Man kann sich daran erinnern, dass man einmal Angst spürte, aber es ist unmöglich dieses Gefühl noch einmal zu empfinden. Und so geht man weiter und weiter, alles geschieht zu seiner Zeit.


    Versucht man aber etwas zu unterdrücken, zu bekämpfen ist es um so stärker da und bleibt, weil wir uns um so intensiver damit beschäftigen.


    Es ist schwer das zu erklären, es sind Erfahrungen, die man nicht wirklich in Worte fassen kann. Man weiß es erst, wenn man es tatsächlich erfahren hat ........ und dann braucht man keine Erklärungen mehr ;).

  • Auf der psychologischen Ebene finde ich es wichtig, sich diese Emotionen zu vergeben. Man will ja normalerweise nicht wütend sein, aber es passiert.


    Da gibt es in dem Moment im Grunde drei Optionen:

    1. ja, ich bin jetzt wütend und das ist mein gutes Recht. Ich bin frei und darf wütend sein wann immer ich will.

    2. warum bin ich jetzt wütend, das darf doch nicht sein. Ich bin schlecht und muss mich bessern.

    3. Da ist Wut. Ich gebe ihr weder Recht, noch lehne ich sie ab.


    nur die dritte Option verhindert die Verstrickung in die Wut und egal, ob man ansonsten eher zu 1. oder 2. neigt kann man üben, sich in Richtung 3. bewegen zu lassen. Gegen Wut völlig gewappnet zu sein ist mMn kein erreichbares Ziel, aber man kann sich stetig weiter öffnen, damit sie sein darf, ohne unheilsame Reaktionen zu provozieren. Dann ist es kein Problem, wenn Wut auftaucht, sondern Übungsfeld.

  • Gegen Wut völlig gewappnet zu sein ist mMn kein erreichbares Ziel,

    Ich behaupte "doch, ist ein erreichbares Ziel", lieber Niemand. Ich konnte als junge Frau nicht wirklich wütend werden, habe das sogar beim Theaterspielen für eine Rolle ganz dolle üben müssen. Nach meiner ersten Scheidung war ich jähzornig, dann hatte ich einen berechtigten Ausbruch in meiner zweiten Ehe, der mich total befreite von meiner Angst gegenüber Gewalt. Auch diesen Mann verabschiedete ich. Das ist jetzt 43 Jahre her.


    Danach habe ich jegliche Wut abgelehnt, weil ich mich auf den spirituellen Weg gemacht hatte und Gewalt ablehnte. Das hat aber nicht geklappt. Meine "Scheinheiligkeit" brachte irgendwann wieder die aufgestauten Gefühle hervor.

    An diese Wut, die mir ein Gefühl der Stärke gab, hatte ich mich so gewöhnt, dass ich mich endlich fragte, woher kommt sie und warum? Sie machte mir Spaß, ich fühlte Macht.


    Dann erkannte ich meine Ohn-Macht und übte mich in Geduld und Gelassenheit. Ich kenne das Auftauchen der Wut sehr gut und habe erst in den letzten Jahren, besonders hier durchs Buddhaland, den Frieden erreicht, den ich mir immer gewünscht habe.

    Das Auftauchen der Wut ist so minimal geworden, dass ich davon überzeugt bin, dass sie - solange meine Gehirn mitmacht - auch ganz verschwinden kann.

    _()_

    Ich bin der Wahrheit verpflichtet, nicht der Beständigkeit.
    Gandhi

  • Wut, Hass, Neid und diverse andere negative Gefühle tief verankert.

    Akzeptiere Deine Neigungen und arbeite ein Leben daran.

    Irgendwann wird es heißen: sie war stets bemüht ... :grinsen: ;)


    Ein Bericht von der anderen Seite:


    Da ich bereits in sehr jungen Jahren gezwungen war, stark zu sein, oder aber unterzugehen, wuchs ich zu einem sehr selbstbewussten Menschen heran, dem Emotionen fremd waren, und daher eher kühl und gelassen agierte. Doch auch so etwas hat "Nebenwirkungen".


    Ich empfand cholerische, neidische und auch ansonsten (überbordend) emotionale Menschen als (geistig) undiszipliniert. Um mich "zu schützen" baute ich meditativ so etwas wie einen "Schutzschild aus schalldichtem Panzerglas", um mich herum, der mir gestattete, selbst direkt an mich gerichtete emotionale Ergüsse "auszublenden".


    Der sich proportional zur Zu- bzw. Abnahme der Emotionen ständig wandelnde Ausdruck im stark geröteten Gesicht meines Gegenübers, die geschwollenen Halsvenen, die geballten Fäuste, ... all dies zu sehen blieb mir allerdings nicht erspart ... Das sah grotesk aus, doch mir war der Anblick eher peinlich, da so etwas, nach meiner Auffassung, mit einem Gesichtsverlust einherging.


    Um mich an irgendeinem Punkt des für mich Erträglichen auch davor zu schützen, trat ich aus meinem Schutzschild heraus, verlieh meiner Stimme einen Eiszapfenklang, und sagte so etwas wie: wenn sie wieder fähig sind, die Contenance zu wahren, können wir die Unterhaltung fortsetzen, ... Bis dahin bitte ich, mich zu entschuldigeṇ. ...


    Dass man mich als arrogant und überheblich einstufte, dürfte niemanden wundern, ... mich damals schon, ....


    .... und somit gehörte dies zu den ersten Rätseln meines Lebens, die ich eingangs mit meinem Lehrer, der zu all dem zunächst einmal gütig lächelnd nickte, besprach. Die erste Unterweisung bezog sich auf die Praxis des Tonglen, Tib. gtong len, die ich erstaunt zur Kenntnis nahm, (stürzte sie doch mein Weltbild), mühevoll verinnerlichte und - step by step - umzusetzen versuchte, ...


    Es hat Jahrzehnte gedauert, Tonglen aus tiefstem Herzen zu praktizieren - und ich bin immer noch weit davon entfernt zu behaupten, dass es mir stets gelingt.


    LG mkha'

  • Dann erkannte ich meine Ohn-Macht und übte mich in Geduld und Gelassenheit. Ich kenne das Auftauchen der Wut sehr gut und habe erst in den letzten Jahren, besonders hier durchs Buddhaland, den Frieden erreicht, den ich mir immer gewünscht habe.

    Das Auftauchen der Wut ist so minimal geworden, dass ich davon überzeugt bin, dass sie - solange meine Gehirn mitmacht - auch ganz verschwinden kann.

    Ich denke es gibt für jeden Menschen Situationen, die ihn aus der Reserve locken, egal wie geübt man ist, selbst wenn sie seltener vorkommen mögen. Das ist vielleicht auch garnicht so schlecht, wenn das ab und zu vorkommt, damit man am Boden bleibt. Eigentlich spielt es ja auch keine Rolle, ob da manchmal Wut aufkommt oder nicht also warum sich dann Gedanken drüber machen, ob man sie 'los wird'. Wann man sie los geworden ist wird man ohnehin erst beim Sterben beurteilen können. Vorher ist alles noch möglich.

    Mein Lehrer sagte mal so schön: "Wenn die Zahnschmerzen groß genug sind unterscheidet sich ein Erleuchteter nicht von einem Unerleuchteten" und das hat er glaub selber irgendwoher zitiert.

  • Da gebe ich Dir Recht: "warum sich Gedanken darüber machen". Wichtig erscheint mir hierbei, dass man nicht mutlos wird und denkt, "oh, ich lern das nie ...". Deshalb bin ich eher "positiv gewiss". Und gemessen am Beginn meines Erwachsenenlebens ist das eine 180 Grad Drehung.


    Mein Lehrer sagte mal so schön: "Wenn die Zahnschmerzen groß genug sind unterscheidet sich ein Erleuchteter nicht von einem Unerleuchteten" und das hat er glaub selber irgendwoher zitiert.

    Das glaube ich nicht. Gerade darin wird "er" sich unterscheiden. Sonst ist die ganze Lehre in Frage zu stellen.

    _()_

    Ich bin der Wahrheit verpflichtet, nicht der Beständigkeit.
    Gandhi

  • Mein Lehrer sagte mal so schön: "Wenn die Zahnschmerzen groß genug sind unterscheidet sich ein Erleuchteter nicht von einem Unerleuchteten" und das hat er glaub selber irgendwoher zitiert.

    Das erinnert mich immer an den Spruch von TNH, sinngemäß: Wenn Du denkst, es gibt nichts positives in Deinem Leben: Jeder Tag ohne Zahnschmerzen ist schon mal ein Tag, um glücklich zu sein.



    Liebe Grüße,

    Aravind.

  • Monikadie4. ich bin auch "positiv gewiss", aber eher in Richtung "egal was das Leben bringt, man kann durch alles durch und muss an nichts vorbei". Ich möchte mich da halt nicht festlegen, wie es für mich wunschgemäß sein sollte oder könnte. Das möchte ich offen lassen und fahre ganz gut damit. Es ist möglich zu lernen, immer öfter präsent zu sein und das finde ich viel wichtiger, als was für Inalte in dieser Präsenz wahr genommen werden und welche nicht. Es geht mMn eben weniger darum so zu werden wie man sein möchte, sondern zu lernen einfach zu sein und dieses "einfach sein" darf auch Wut beinhalten - heißt ja nicht dass man die von außen wahr nimmt.

  • Wenn Wut im eigenen Geist sein darf, aber sie nicht nach außen richtet wird, so schädigt sie nicht andere Menschen, aber im eigenen Geist richtet sie schon Schaden an, weil sie negative, unheilsame Prägungen im eigenen Geist hinterlässt, die sich später auswirken werden im Form der Erfahrung von Leid und Schwierigkeiten.


    Gruß Helmut

  • Wenn Wut im eigenen Geist sein darf, aber sie nicht nach außen richtet wird, so schädigt sie nicht andere Menschen, aber im eigenen Geist richtet sie schon Schaden an, weil sie negative, unheilsame Prägungen im eigenen Geist hinterlässt, die sich später auswirken werden im Form der Erfahrung von Leid und Schwierigkeiten.


    Gruß Helmut

    eher wenn sie nicht sein darf, weil man sie dann unterdrückt. Sie wahr zu nehmen und wieder vergehen zu lassen ohne sie ausgelebt zu haben hinterlässt nichts. Sie kam und ging.

    Wenn ich bestimmen will, was im Geist erscheinen darf und was nicht enge ich mich ein, anstatt mich zu öffnen.

  • Bei mir ist nach Jahren der Praxis die Wut auf Menschen verschwunden, von denen ich mich selbst ungerecht behandelt fühlte. Heute gelingt es mir fast sofort dahinter zu schauen und mich nicht davon treffen zu lassen. Wenn ich aber Zeuge werde wie sich Menschen gegenüber Schwächeren rücksichtslos verhalten, z.B.: ihre Kinder auf der Strasse schlagen, Omas keinen Platz machen oder mit dicken Autos bei Rot über die Fussgängerampel heizen, regt sich Zorn oder Ärger. Die muss dann auch raus. :eek: Wie geht ein gleichmütiger Buddhist mit sowas um? Das würde ich sehr gerne wissen. _()_

    Über die Buddhalehre dürfen wir uns nicht in Gedanken verlieren. (Kodo Sawaki)

  • Das hier habe ich zunächst nicht korrekt verstanden:

    Es geht mMn eben weniger darum so zu werden wie man sein möchte, sondern zu lernen einfach zu sein und dieses "einfach sein" darf auch Wut beinhalten - heißt ja nicht dass man die von außen wahr nimmt.

    Doch dann konnte ich zustimmen ...

    Sie wahr zu nehmen und wieder vergehen zu lassen ohne sie ausgelebt zu haben hinterlässt nichts. Sie kam und ging.

    Es ist für mich oft gar nicht so einfach, dass, was ich aussagen möchte, korrekt in Worte zu fassen (und dann auch noch aufzuschreiben).

  • ihre Kinder auf der Strasse schlagen, Omas keinen Platz machen oder mit dicken Autos bei Rot über die Fussgängerampel heizen, regt sich Zorn oder Ärger. Die muss dann auch raus. :eek: Wie geht ein gleichmütiger Buddhist mit sowas um? Das würde ich sehr gerne wissen.

    Das wüsste ich auch gern. Auf jedenfall fällt die persönliche Wut als Einflussfaktor weg. Also sie greift ein, bzw handelt in dem was hilfreich wäre für die Situation ohne von Gefühlen und Impulsen geleitet zu werden, würde ich vermuten. Ich schätze solche Personen haben das bedingte Entstehen schon einigermaßen erkannt und somit auch das Unpersönliche. Wäre jetzt so meine Idee dazu.

  • Für mich besteht da auch noch ein Unterschied, ob ich "nur ungehalten" bin oder "wütend". Warum muss ich wütend werden über die obigen Beispiele? Aber ich werde womöglich ungehalten und misch mich ein. Das bedeutet nicht, dass ich mit starken Emotionen darauf re-agiere - und Wut ist für mich eine starke Emotion. Wenn ich ungehalten re-agiere, dann bitte ich darum, die alte Dame vorzulassen oder verständige mich mit ihr.

    Ein dickes Auto bei Rot über die Fußgänger-Ampel empfinde ich als kriminell, fühle mich machtlos und ja, da kann Zorn aufkommen!!!

    Kinder, die auf der Straße geschlagen werden (von wem?) - kommt drauf an. Von Eltern habe ich das schon wer weiß wie lange nicht mehr erlebt. Aber das sind alles Erlebnisse, die ich nicht zu meinem normalen Alltagsleben zähle.


    Wenn von Wut die Rede ist, denke ich eher an meine Beziehungen und Familie, an frühere Erlebnisse im Berufsleben ...

    Und das ist, was ich meine, was geübt werden kann, um gleichmütig zu bleiben. Denn da sehe ich in der Vergangenheit viele Fehler, die durch Wut entstanden oder verschlimmert wurden, die ich nicht wiederholen will, nur weil mir etwas im Moment gegen den Strich geht oder ich gerade nicht den Gesamtzusammenhang bzw. mein eigenes Dazutun erkenne. Auch war mir wichtig, die Konditionierungen aufzulösen, soweit mir das bis jetzt möglich ist. Desto weniger Knöpfe es gibt, die gedrückt werden können, desto einfacher ist es, hinter die Kulissen zu gucken und Abstand zu halten.

    Was kann ein anderer dafür, wenn jemand auf das Wort Rot reagiert, als ob man ihn/sie gestochen hätte?


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    Ich bin der Wahrheit verpflichtet, nicht der Beständigkeit.
    Gandhi

  • Danke Euch. Ich lebe in einer Grossstadt, in der zB. die rücksichtslosen Autofahrer immer häufiger werden. Da nützt es auch nichts wenn man hinterherschimpft, noch nicht mal, sich die Autonummer zu merken. Wenn alte Leute angerempelt werden bitte ich diejenigen auch laut um mehr Rücksicht, manchmal gibt es da ein Einsehen, weil die meisten Menschen völlig verpeilt unterwegs sind und schlichtweg nicht darauf achten und eigentlich zum Glück hier bei uns noch natürliche Rücksicht für alte Menschen empfinden. Wenn jemand seine Kinder auf der Strasse schlägt oder seine Frau anschreit, bleibe ich dabei ruhig stehen und sage solange gar nichts bis derjenige aufhört oder für seinen Wutanfall einen anderen Kanal findet, also mich. Dann hau ich ab! Zum Glück passiert das nicht so oft. Das sind meine Wutmomente im Alltag, ich glaube man kann dem gar nicht wirklich entgehen. Mir ist nur auch wichtig, wie damit umzugehen, ohne das was hängen bleibt. Meistens klappt es aber komplett entspannt unterwegs mit viel Rücksicht. :)

    Über die Buddhalehre dürfen wir uns nicht in Gedanken verlieren. (Kodo Sawaki)

  • Wenn ich aber Zeuge werde wie sich Menschen gegenüber Schwächeren rücksichtslos verhalten, z.B.: ihre Kinder auf der Strasse schlagen, Omas keinen Platz machen oder mit dicken Autos bei Rot über die Fussgängerampel heizen, regt sich Zorn oder Ärger. Die muss dann auch raus. :eek: Wie geht ein gleichmütiger Buddhist mit sowas um? Das würde ich sehr gerne wissen. _()_

    Bei solchen und ähnlichen Beispielen hilft es mir nur mir vorzustellen, dass diejenigen, die sich "falsch" verhalten, Gründe dafür haben. Der rast vielleicht über die rote Fußgängerampel weil er es nicht schafft seine Termin so zu planen dass er zu allen rechtzeitig erscheinen kann. Vielleicht leidet er unter diesem Umstand selbst am meisten, vielleicht ist es ihm auch nicht so wichtig und nimmt das zusätzliche Risiko leichtfertig in Kauf. Vielleicht braucht er auch die Adrenalinausschüttung, zu der es kommt, wenn man sich wissentlich in solche Situationen begibt. Natürlich sind das alles keine guten Gründe um bei rot über eine Fußgängerampel zu rasen, umso schlimmer wenn ihm das nicht bewusst ist oder er sich selbst nicht eingestehen will. In allen Fällen haben wir es jedenfalls mit einer Person zu tun, die einen etwas leid tun kann.


    Eine Zeit lang habe ich es geschafft mir in solchen Situationen einfach "Der wird schon einen Grund haben..." zu denken und Mitgefühl zu empfinden. Das muss nicht viel sein, aber sobald eine negative Wertung oder Beschuldigungen dabei sind ("Dieser Idiot wird schon irgendeinen dummen Grund haben!") kann kein Mitgefühl mehr aufkommen und die Wut hat freie Bahn. Mein Alltag war so jedenfalls deutlich angenehmer und Wut war kaum noch notwendig, so eine Haltung einzunehmen und beizubehalten benötigt allerdings viel Arbeit (in Ermangelung eines besseren Wortes nenne ich es jetzt so) und ist nicht einfach.

    Worauf ich hinaus will: Für mich persönlich funktioniert Mitgefühl als Impfmittel gegen Wut am besten. Ich hoffe, ich konnte mich halbwegs verständlich ausdrücken. :grinsen:

  • Bei solchen und ähnlichen Beispielen hilft es mir nur mir vorzustellen, dass diejenigen, die sich "falsch" verhalten, Gründe dafür haben. Der rast vielleicht über die rote Fußgängerampel weil er es nicht schafft seine Termin so zu planen dass er zu allen rechtzeitig erscheinen kann.

    Das klingt für mich nach einer bösen Falle: Ich spreche dem anderen die Verantwortung für sein Tun ab (was eine massive Abwertung meines Gegenübers ist, und alles andere als wertschätzend) , um selbst nicht wütend werden zu müssen? Das klingt für mich nicht heilsam.


    Aber ich lasse mich auch vom Gegenteil überzeugen. :wink:


    Liebe Grüße,

    Aravind.

  • Aravind Mitgefühl und Verständnis aufzubringen bedeutet für mich nicht, jemanden die Verantwortung abzusprechen, deswegen nicht mehr zu handeln wenn es möglich und sinnvoll ist, oder so ein Verhalten auch nur gut zu finden. Ich sehe auch nicht dass hier eine Abwertung stattfindet, das steht weiter unten im Text extra nochmal.

  • Danke Euch. Ich lebe in einer Grossstadt, in der zB. die rücksichtslosen Autofahrer immer häufiger werden.

    Liebe Minestrone,

    ja das kenne ich auch, denn ich bin Hamburgerin und wohne seit 16 Jahren lediglich 20 km von Hamburg entfernt. Auch hier auf dem Dorf gibt es - vor allem Motorradfahrer - jene, die kurz vor "unserer" Kurve aufdrehen und um die Ecke krachen. Da ich hierbei immer wieder sofort den Gedanken hatte "erschießen", war das ein gutes Übungsfeld, mich zu mäßigen. Das Geräusch ist schrecklich, aber vor allem, was die Raserei für Folgen haben kann. Das Geräusch ist kurz - also Augen zu und durch(atmen). Was die Folgen betrifft, mache ich mir immer wieder klar, dass ich weder die Ursachen noch das Leiden beseitigen kann. Es gibt so unendlich viel Leid auf der Welt, da würde mein eigener Zorn mir nur selbst noch großes Leid zufügen und nichts ändern. Dies ist eine wirklich gute Übung, sich in Gleichmut zu üben. Wir können es nicht ändern. Wir können nur uns selbst befreien.

    _()_

    Ich bin der Wahrheit verpflichtet, nicht der Beständigkeit.
    Gandhi

  • minestrone das was Du über den Umgang mit solchen Situationen geschrieben hast find ich irgendwie stimmig. Es ist ja auch wieder das "tun was zu tun ist" das Du letztens erwähnt hattest. Also nicht "will ich mich einmischen oder will ich es ignorieren", sondern "bin ich hier gefragt und falls ja in welcher Weise". Da kann man natürlich nicht lang rum denken, aber wenn man gerade halbwegs klar ist ergibt sich ja oft eine spontane, nicht vom Ego getriebene Reaktion kurz nachdem der erste Impuls vorbei ist. Problematisch finde ich, wenn man mit vorgefertigten Schubladen unterwegs ist und "grundsätzlich eingreift um die Welt zu retten" oder "grundsätzlich nichts tut oder es sich schön redet". Jede Situation ist anders und man darf auch mal Fehler machen. Durch den offenen Umgang mit diesen Situationen lernt man aber am ehesten dazu. Es gibt kein Rezept, also muss man vertrauen und Lernbereitschaft zeigen.

    Auf jeden Fall finde ich, dass die Wahrscheinlichkeit, dass man der Situation gerecht wird umso höher ist, je weniger man mit sich selbst beschäftigt ist.


    Da fällt mir grad der Abendspruch aus dem Zen ein:

    Seid stets wach, niemals achtlos, niemals nachlässig