Dogens shikan taza nach Foulk

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  • Dies ist ein erster Versuch einer Zusammenfassung zweier Beiträge von Theodore Griffith Folk in denen er den Begriff ‚shikan taza‘ bei Dōgen untersucht. Die beiden Beiträge sind:


    i. Foulk, Theodore Griffith (2012): "Just Sitting"? Dōgen's Take on Zazen, Sutra Reading, and other Conventional Buddhist Practices, in: Steven Heine (Hg.): Dōgen. Textual and Historical Studies. New York: Oxford University Press, S. 75–106
    ii. Foulk, Theodore Griffith (2015): Dōgen's Use of Rujing's "Just Sit" (shikan taza) and other Koans, in: Steven Heine (Hg.): Dōgen and Sōtō Zēn. New York: Oxford University Press, S. 23–45.


    Kritik, Verbesserungsvorschläge sind willkommen. Im Hinblick darauf, ob ich Foulk richtig/falsch verstanden habe. Aber auch falls ihr der Meinung seid, Foulk hat Dogen und/oder die Soto-Tradition falsch verstanden.

    Heutzutage suchen viele Menschen die Zweige, lehnen aber die Wurzel ab, vergessen das Wahre und fallen in das Falsche, sie haben den Buddhadharma geschädigt - Yunan Kewen


    Pamokkhas Aufsatzsammlung // Zen & China

  • Just Sitting


    Foulk beginnt mit der Vorstellung, dass Dōgen eine Form von reiner Zen-Übung gelehrt hat und andere konventionelle Praktiken, wie Zeremonien und Rituale, genau so wie synkretistische Elemente aus anderen buddhistischen Schulen gemieden hat. Diese Vorstellung – Dōgen als Purist – erklärt er dann als falsch. Nach ihm ist der „Hauptbeweis“ für diese falsche Vorstellung folgendes Zitat aus Dōgens Bendōwa:


    Zitat

    „From the start (hajime yori) of your consultation (sanken) with a wise teacher (chishiki), have no recourse (mochiizu) whatsoever (sarani) to burning incense (shōkō), prostrations (raihai), buddha-mindfulness (nenbutsu), repentances (shusan), or sutra reading (kankin). Just (tadashi) sit (taza) and attain the sloughing off of mind and body (shinjin datsuraku suru koto wo eyo)”.


    Im Verlauf seines Aufsatzes beleuchtet Foulk dieses Zitat auf zwei Weisen: zuerst betrachtet er, wie Dōgen sich in seinen anderen Schriften zu den genannten buddhistischen Praktiken äußert und betrachtet dann die anderen Erwähnungen des Zitats in Dōgens Schriften.


    Dōgen und andere Praktiken


    Die Praktiken Räucherstäbchen verbrennen (shōkō), Verbeugungen (raihai), Buddha-Andacht (nenbutsu), Bußfertigkeit (shusan) und Sutra-Lesung (kankin) werden von Dōgen in seinen anderen Schriften und in Übereinstimmung mit dem Chanyuan qinggui – aber in scheinbaren Widerspruch zum obigen Bendōwa-Zitat – gutgeheißen. Diese Praktiken bei Dōgen bespricht Foulk ausführlich (S. 78-88), werden aber von mir hier übersprungen. Für Foulk ist es bemerkenswert, wie „akademische Apologeten des Zen“ im modernen Japan trotz aller gegenteiligen Beweise, Dōgens Zen als ‚reines Zen‘ (junsui zen) missverstehen können. Er hält dies für Wunschdenken, was schwerlich aufrechtzuerhalten ist.


    Rujings Diktum


    Das Bendōwa-Zitat findet sich weitere siebenmal in Dōgens Schriften. In sechs dieser Belegstellen ist es markiert als ein Zitat in Chinesisch von Dōgens Lehrer Tiantong Rujing. Daraus erschließt sich, dass das Bendōwa-Zitat in Japanisch Dōgens Übersetzung von Rujings Gesagtem ist. Nach Foulk hat Dōgen dieses Diktum nicht als einfache Anweisung verwendet, sondern als kōan bzw. alten Fall (kosoku). Damit wurde es hochgehalten (kyo) als ein Thema, welches kommentiert gehört. Bevor Foulk die Belegstellen im Detail (S. 88-103) bespricht, gibt er auf Seite 77 vorab eine Schlussfolgerung: Dōgen hatte Schwierigkeiten Rujings Diktum zu verstehen, hat seine Ansicht im Laufe der Zeit verändert und möglicherweise war sein Verständnis anders als Rujings.


    Hōkyōki


    Nach Besprechung dieses Textes besteht nach Foulk die Möglichkeit, dass für Dōgen „nur sitzen“ keine bestimmte Praxis war, sondern Ausdruck eines idealen Geisteszustandes, mit dem man Praxis aufnehmen sollte.


    Bendowa


    Foulk erweitert hier die Unterscheidung in eine Praxis mit verblendetem Geist, der kalkuliert und nach Verdienst giert, und einer Praxis, die frei ist von solchem Denken und Kalkulieren. Dies ist das Verstehen, dass Praxis und Verwirklichung (shushō) eins (ittō) sind.
    Woanders im Bendōwa argumentiert Dōgen, dass zazen anders ist als Konzentrationsübungen, wie sie sich in den drei Trainings (sangaku) und den sechs Vollkommenheiten (rokudo) finden. Zazen in diesem Sinne ist nicht Praxis, sondern der erwachte Buddhageist selbst. Daraus folgt, dass zazen als Ausdruck von Erleuchtung gar nicht mit einem verblendeten Geist angegangen werden kann.


    Eihei kōroku


    Hier möchte ich eine Belegstelle zitieren:


    Zitat

    "Those who understand the buddha-dharma and attain spiritual powers (jinzū) are the ancient buddhas and ancestors (busso). To become a buddha and make oneself into an ancestor (jōbutsu sakuso) is not attained easily. However, those who attain spiritual powers are called experienced and venerable (rōrō), and those who understand the buddha-dharma are called accomplished and great (daidai). The only basis for understanding greatness and attaining venerability is investigation of the principle (kyūri) in pursuit of the way (bendō). Zhaozhou said, "Brethren, just investigate the principle, sit and see (kyūri zakan). If, in 30 or 20 years, you do not understand the way, then take this old monk's head and use it as a ladle for excrement and urine." That old buddha explained things in this way, and at present people practice in this way. Why would one ever neglect it? It is only due to the cognition of sounds and sights and ceaseless mental calculation that one is not yet able to gain liberation. How pitiable! What such a person gets as a result is only suffering as they come and go in the defiled world of sights and sounds. But now you have come to a time when you have an opportunity [to practice]. Dispense with (hōkyaku) burning incense (shōkō), prostrations (raihai), buddha-mindfulness (nenbutsu), repentances (shusan), and sutra reading (kankin), and just (shikan) sit (taza) (Eihei kōroku, Volume 1.33).“


    Dōgen macht hier deutlich, dass Wahrnehmen von Tönen und Formen und das ständige Denken (mental calculation) einen von der Befreiung abhalten. Da Räucherstäbchen opfern, Sutras lesen usw. an „Töne, Formen und Denken“ gebunden sind, sind diese Praktiken weniger dazu geeignet, sich davon lösen zu können. Die Praxis des zazen ist ungebunden und bietet so einen direkten Pfad zum „Fallenlassen von Körper und Geist“. Ist dies erlangt, besteht bei der Hinwendung zu anderen Praktiken keine Gefahr mehr, dies mit einem verblendeten Geist zu tun.
    Hier und in anderen Abschnitten wird deutlich, dass zazen für Dōgen eben auch eine Methode (hō) ist und nicht nur Ausdruck eines ursprünglichen Erwachens. Dōgen sagt: „In zazen die wichtigste Sache ist es, nicht einzuschlafen“.


    Shōbōgenzō


    In Zanmai ō zanmai spricht Dōgen vom Sitzen des Körpers (mi no taza), Sitzen des Geistes (kokoro no taza) und dem Sitzen mit abgefallenem Körper und Geist (shinjin datsuraku no taza). Sitzen (taza) ist also nicht einfach nur sitzen, sondern hat unterschiedliche Bedeutungen. Foulk versteht ‚Sitzen des Körpers‘ als die körperliche Form beim Sitzen, ‚Sitzen des Geistes‘ dagegen ist ein mentaler Zustand der Konzentration und ist unabhängig von der Körperhaltung. Sind „Körper und Geist abgefallen“ hängt der Praktizierende nicht weiter an körperlichen und geistigen Dingen und dieser erwachte Zustand wird metaphorisch als „Sitzen“ bezeichnet. Dieses „Sitzen mit abgefallenem Körper und Geist“ ist jedoch anders als das „Sitzen mit abgefallenem Körper und Geist“ [sic!], da bei Letzterem alle Bezeichnungen als letztendlich falsch fallengelassen wurden.


    Dōgen scheint hier Rujings Diktum „nur sitzen“ nicht als wortwörtliche Anweisung einer ausschließlichen Sitzpraxis zu verstehen, sondern versteht es als Rat „nur Erwachen zu erlangen“.


    Schlussfolgerung


    Was hat Dōgen jetzt unter „nur sitzen“ (shikan taza) verstanden? Gelehrte der Zen-Tradition haben den Begriff u.a. als „mit ganzen Herzen, single-mindedly“ (hitasura ni) widergegeben. Dies macht für Folk jedoch keinen Sinn. So übersetzt Dōgen im Bendōwa den chinesischen Ausdruck mit tadashi ins Japanische mit der Bedeutung von „nur, allein“. Ebenso führt er eine Belegstelle an, wo Rujing sich in der Meditationshalle an seine Mönche wendet, sie sollen hier nicht nur schlafen (shikan tasui). Dies kann unmöglich als „mit ganzen Herzen schlafen“ verstanden werden. In Kürze, Rujings „nur sitzen“ bedeutet demnach: praktiziere zazen und nichts anderes. Foulk erlaubt, basierend auf dem Studium der Belegstellen, bei Dōgen zwei Interpretationen. Erstens, um die Wichtigkeit von zazen im Vergleich zu anderen Praktiken zu betonen. Zweitens, „nur sitzen“ ist metaphorisch zu verstehen als eine Einsicht in die Leerheit aller Dinge, um so einen angemessenen Bezugsrahmen für den Umgang mit jeglicher buddhistischer Praxis zu bilden. Im Gegensatz zu buddhistischer Praxis mit verblendetem Geist. Letztendlich schließen sich diese beiden Erklärungen nicht aus. Auf konventioneller Ebene ist zazen die bevorzugte Praxis unter vielen von Dōgen eingeübten. Gleichzeitig war sich Dōgen im Klaren, dass vom Standpunkt der höheren Ebene so etwas wie „Praxis“ und „Ziel“ nicht gibt. Dass dies von Dōgen ebenfalls als „nur sitzen“, zazen und „abwerfen von Körper und Geist“ bezeichnet, ist sein eigenes geschicktes Mittel.

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  • Rujing’s „Just Sit“


    Foulk greift anfänglich einige Themen aus dem oben besprochenen Beitrag auf, u.a. dass das Diktum „nur sitzen“ von seinem Lehrer Tiantong Rujing stammt und von Dōgen in der Regel im chinesischen Original verwendet wird. Als Dōgen den chinesischen Ausdruck ‚qiguan dazuo‘ im Bendōwa übersetzte, tat er dies mit ‚tadashi taza shite‘. Er hat also qiguan als Adverb, welches das Verb ‚sitzen‘ modifiziert, verstanden und es entsprechend mit dem japanischen Adverb tadashi wiedergegeben. Der Punkt hier ist: qiguan dazuo / shikantaza ist für Dōgen kein Substantiv, kein Namenwort, das eine bestimmte Meditationsmethode benennt.


    In Dōgens Handbüchern zur Zen-Meditation - also Fukanzazengi, Zazenhō, Zazengi und Zazenshin - wird der Begriff shikantaza nicht einmal verwendet. Wenn shikantaza jedoch eine bestimmte Praxis bezeichnen sollte, dann wäre zu erwarten, dass der Begriff in diesen Handbüchern verwendet wird. Ein Diktum, welches in den Handbüchern verwendet wird, ist: „Plane/Kalkuliere nicht, einen Buddha zu machen“ (sabutsu wo zu suru koto nakare). Dies wird von modernen Gelehrten verstanden als ein Hinweis darauf, dass man nicht versuchen sollte durch zazen, ein Buddha zu werden (sabutsu). Zazen ohne zu planen (zu su), ein Buddha zu werden, ist genau die Bedeutung von „nur sitzen“.


    Foulk gesteht dieser Interpretation durchaus Verdienst zu. Da Dōgen Rujings „nur sitzen“ auch als Beschreibung eines Zustandes in dem Körper und Geist abgefallen sind benutzt. Es ist nach Foulk jedoch etwas ganz anderes zu behaupten, „nur sitzen“ in zazen hat „ohne Vorsatz/Zweck/Ziel“ (mui) zu sein und wodurch nichts erlang wird.


    Das „Abfallen von Körper und Geist“ dagegen wird von Dōgen eben auch als ein bestimmter Zustand, den es durch zazen zu erreichen gilt, verstanden. Ein Praktizierender sollte in der Meditation sitzen mit der Absicht, Erwachen – shinjin datsuraku ist für ihn synonym für Erwachen – zu erlangen. Dōgens Identität von Praxis und Verwirklichung (shushō kore ittō) bedeutet nicht, dass er eine Kausalitätsbeziehung zwischen Praxis und Verwirklichung geleugnet hat. Solange die „Netze und Käfige nicht aufgerissen“ (rarō taha) sind, ist der Zazen-Übende eben noch kein sitzender Buddha (zabutsu).


    Schlussfolgerung


    Ein zentraler Punkt für Foulk ist, dass Dōgen keine Praxis namens „nur sitzen“ gelehrt hat, wie sie von modernen Gelehrten verstanden und ihm zugeschrieben wird. Dōgen hat Rujings Diktum „nur sitzen“ als kōan verwendet und nicht als praktischen Rat, der wortwörtlich zu nehmen ist. „Nur sitzen“ entspricht auch nicht der Erfahrung des Alltagslebens im Kloster. Dieser Widerspruch zwischen Erfahrung und Aussage ist das kōan und gilt, kommentiert zu werden. Zum Abschluss spekuliert Foulk wann dieses, für ihn, Missverständnis von shikan taza im Sōtō aufgekommen ist: vielleicht erst im 19. und 20. Jahrhundert.

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  • Lieber Leuchtende Birke


    wie Du schon in mehreren Quellen angegeben hast, gibt es von Meister Dogen mehrere Anweisungen, wie "sein" Zazen ausgeführt werden soll. Neben ZazenGi und FukanZazenGi gibt es GakuDoYoJinShu in denen nähere Instruktionen und Empfehlungen dargestellt werden. In Zazenshin wird klar, dass es keine Übung ist, einen spezifischen Geisteszustand zu erreichen, weder den Geist zu beruhigen noch andersweitig seine Erfahrung zu manipulieren. Grundsätzlich sollte wie ein Berg gesessen werden, jenseits des Denkens (hishiryo).

    In ZazenGi schreibt er:

    Zitat

    […]Let go of all relations, and set all affairs at rest. Do not think of good, donot think of evil. Zazen has nothing to do with the function of intellect, volition, or consciousness, nor with memory, imagination, or contemplation. Do not seek to become a buddha.[…]

    Sit stably in samadhi. Think of not-thinking. How do you think of not-thinking? Beyond-thinking. This is the way of doing zazen in accord with the dharma. Zazen is not learning meditation. Rather zazen itself is the dharma-gate of great peace and joy. It is undefiled practice-realization.[…]


    FukanzazenGi:

    Zitat

    The Way is originally perfect and all-pervading. What need is there for practice and realization? The Dharma vehicle is rolling freely. Why should we exhaust our effort? There is no speck of dust in the whole universe. How could we ever try to brush it clean? Everything is manifest at this very place. Where are we supposed to direct the feet of our practice? Now, if you make the slightest discrimination, you will create a gap like that between heaven and earth. If you follow one thing while you resist the other, your mind will be shattered and lost. […] Therefore, put aside the intellectual practice of investigating words and chasing phrases, and learn to take the backward step that turns the light and shines it inward. Your body and mind will drop away of themselves, and your original face will manifest. If you want to get into touch with things as they are, you – right here and now – have to start being yourself, as you are.[…]

    Put aside all involvements and suspend all affairs. Don’t think about “good” or “bad”. Don’t judge true or false. Your mind, intellect, and consciousness are spinning around – let them have rest. Give up measuring with thoughts, ideas, and views. Have no designs on becoming a Buddha. […]

    Once you have adjusted your posture, take a breath and exhale fully, rock your body right and left, and settle into steady, immovable sitting. Think of not thinking. Not thinking: What kind of thinking is that? Letting thoughts go (Nonthinking). This is the essential art of zazen.[…]

    Zazen is not a meditation technique. It is simply the Dharma gate of joyful ease, it is practicing the realization of the boundless Dharma way. Here, the open mystery manifests, and there are no more traps and snares for you to get caught in.

    If you grasp the point, you are like a dragon gaining the water, like a tiger taking to the mountains. For you must know that the true Dharma appears of itself, so that from the start dullness and distraction are struck aside.


    Zazen-Yojiki:

    Zitat

    Zazen means to clarify the mind-ground and dwell comfortably in your actual nature. This is called revealing yourself and manifesting the original-ground.[…]

    In zazen both body and mind drop off. Zazen is far beyond the form of sitting or lying down. Free from considerations of good and evil, zazen transcends distinctions between ordinary people and sages, it goes far beyond judgements of deluded or enlightened. Zazen includes no boundary between sentient beings and buddha. Therefore put aside all affairs, and let go of all associations. Do nothing at all. The six senses produce nothing.

    […] The mind is like the ocean waters, the body like the waves. There are no waves without water and no water without waves; water and waves are not separate, motion and stillness are not different. […]

    Now, zazen is entering directly into the ocean of buddha-nature and manifesting the body of the Buddha. The pure and clear mind is actualized in the present moment; the original light shines everywhere. The water in the ocean neither increases nor decreases, and the waves never cease. […]

    Vow to cut off all delusions and realize enlightenment. Just sit without doing anything. This is the essence of the practice of zazen.


    und in Zazenshin:

    Zitat

    […]

    Experiencing the state in which the words of the great master are like this, we should learn in practice “mountain-still sitting,” and we should receive the authentic transmission of “mountain-still sitting”: this is the investigation of “mountain-still sitting” that has been transmitted in Buddhism. “Thinking in the still-still state” is not of only one kind, but Yakusan’s words are one example of it. Those words are “Thinking the concrete state of not thinking.” They include “thinking” as skin, flesh, bones, and marrow, and “not thinking” as skin, flesh, bones, and marrow.

    […] Having been authentically transmitted like this, “thinking the concrete state of not thinking” is present already. In recent years, however, stupid unreliable people have said, “In the effort of zazen, to attain peace of mind is everything. Just this is the state of tranquility.” This opinion is beneath even scholars of the Small Vehicle.

    Die Diskussion ob er "Shikantaza" (Ja, diesen Begriff habe ich von Dogen selbst soweit ich mich erinnere nicht selber gehört, vermutlich ist er in Abgrenzung zu anderen Zazen-Methoden später entstanden) als Koan gemeint hat macht mMn keinen Unterschied für die Praxis und ist irrelevant. Letztlich sind Koan ebenso Sprungbretter in unsere wahre Natur jenseits des Denkens, welche losgelassen werden müssen. Shikantaza-Zazen ist die Manifestation dieser Buddha-Natur jenseits des Denkens und jeglicher Zustände. Es geht um "practice-enlightenment" Buddha-Natur kann nur diesen gegenwärtigen Moment erfahren werden, jeder Moment ist daher Praxis, dies zu manifestieren. Und klassischerweise wird dies in Zazen praktiziert, jedoch dies auch in den Alltag und seine Aktivitäten mit hineingetragen (Keine Unterscheidung zwischen Praxis und nicht-Praxis... das ganze Leben ist ausnahmslos Praxis).

    Dies hat er während seines Aufenthaltes in China unter seinem Lehrer erfahren, welcher ihm "Silent Illumination" gelehrt hat.


    Nochmal zu dem Purismus und der scheinbaren Ablehnung gegenüber Ritualen und anderen "überflüssigen" Dingen: Ich denke Dogen war gegen jede Glaubenssätze und betonte stets die Praxis als Weg und das Zazen der Weg ist, Erwachen zu erfahren. Daher sind Räucherstäbchen, Rezitationen etc. für ihn sekundär gewesen, so habe ich jedenfalls in Shobogenzo-zuimonki verstanden. Er hat diese Dinge nicht abgelehnt aber er wollte z.B. dass in der Zazen-Halle rein Zazen praktiziert wird und diese Dinge nichts zu suchen haben. Dennoch hat er über viele Jahre selber z.b. Koan etc praktiziert, als informelle Praxis.

    Den Schmetterling des Zen im Netz des Verstandes zu fangen; machen wir uns das klar, dass das nicht geht

  • Danke für deinen Kommentar, ich schreibe morgen etwas dazu.

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  • Ergänzend zu den von Horin angeführten Quellen (Shōbōgenzō) Zazen Gi, Fukan Zazen Gi (Tenpuku und Kōroku-Fassung), (Shōbōgenzō) Zazenshin, Gakudō Yōjin Shū sowie Keizan Jōkins Zazen Yōjin Ki* wären noch insbesondere das Bendō Hō (speziell der Zazen-Hō-Abschnitt) sowie Koun Ejōs Kōmyōzō Zanmai* neben dem von Foulk hauptsächlich herangezogenen Bendōwa für eine Analyse von Dōgens Zazen zu untersuchen. Was Foulk ja auch tut, wenn auch nach meinem Empfinden mit der Herangehensweise eines Mannes, der einen Hammer hat und nun überall nur noch Nägel sieht.


    *Keizan ist als Zeuge für die von Dōgen am Eiheiji eingeführte Zazen-Praxis zumindest sehr zeitnah - ausgebildet am Eiheiji, ordiniert von Dōgens direktem Nachfolger Koun Ejō, Dharmaübertragung von dessen Nachfolger Tettsū Gikai. In noch stärkerem Maße gilt dies natürlich für Koun Ejō. In dessen Kōmyōzō Zanmai das 'shikantaza' übrigens mehrfach auftaucht, obwohl Foulk behauptet "Dōgen, he did not teach a method of meditation that he or his disciples called "just sitting"". Das ist immer noch 13. Jahrhundert, nicht "erst im 19. und 20. Jahrhundert".

    Ansonsten halte ich Foulks These weitgehend für Spiegelfechterei. Natürlich ist shikantaza keine "Meditationsmethode" (method of meditation) und sollte auch nicht als solche missverstanden werden. Die Frage ist, ob tatsächlich alle, die Foulk in dieser Hinsicht verdächtigt, das auch tatsächlich so missverstehen.


    Dōgen hat Rujings Diktum „nur sitzen“ als kōan verwendet und nicht als praktischen Rat, der wortwörtlich zu nehmen ist.

    [die eigenartige Zitatzuschreibung bitte der Forumssoftware anlasten, nicht mir ...]

    Wobei Dōgen allerdings Kōan auf eine sehr spezielle Weise verwendet - Steven Heine hat dazu eine aufschlussreiche Arbeit geschrieben (Dōgen and the Kōan Tradition: A Tale of Two Shōbōgenzō Texts). Diese Weise könnte man mE durchaus als "praktischen Rat" bezeichnen, wenn auch nicht immer (bei shikantaza freilich schon) als einen "wortwörtlich" zu nehmenden. Jedenfalls aber keine, die man mit kanna zen verwechseln sollte.


    Worin dann auch eine Quelle tatsächlicher Missverständnisse liegt. Da sollte man vor allem Foulks Einleitung seines Beitrags in 'Dōgen and Sōtō Zen' gründlich überdenken - erzählt er da doch sehr freimütig, dass seine These gerade in der Fachwelt (d.h. bei Leuten, die sich sowohl theoretisch als auch praktisch mit kanna zen oder shikantaza beschäftigen) auf Unverständnis bzw. direkte Ablehnung stößt. Was natürlich daran liegt, dass die alle keine Ahnung von Dōgen haben ... Mich erinnert das ein wenig an den Witz vom Geisterfahrer.


    Durchsage im Verkehrsfunk: "Achtung! Auf der A61 zwischen Ludwigshafen und Frankenthal kommt ihnen ein Geisterfahrer entgegen ..."

    Der Fahrer: "Einer??? HUNDERTE!!!!!"


    Offen gesagt und bei allem Respekt für Foulk und seine Arbeit - diese bei manchen zeitgenössischen westlichen Zen-Philologen neuerdings so modische Attitude des Enthüllungsjournalisten geht mir manchmal etwas auf den Senkel ...


    _()_


    P.S. - Herzlichen Dank für das PDF!

    _()_

  • Koun Ejōs Kōmyōzō Zanmai


    Hast du da eine Leseempfehlung für mich?


    Bezüglich der "Fachwelt", ich denke, dies kann man auch anders lesen. Im Sinne von, dass man sich gegen etwas/jemanden sträubt, was ein als "Außenstehender" jetzt über "meine Religion, Praxis, Leben" erzählt.


    In Zazenshin wird klar, dass es keine Übung ist, einen spezifischen Geisteszustand zu erreichen, weder den Geist zu beruhigen noch andersweitig seine Erfahrung zu manipulieren.


    Wie liest du folgende Textstellen: "Just sit; only then will you get it" (Eihei koroku); ""Must we not pursue the way in seated meditation (zazen bendou), as urgently as if rescueing our own heads from fire?" (Eihei koroku); "people who have not yet realized and understood buddha-dharma may pusue the way in seated meditation (zazen bendo) and be able thereby to attain realization (shou)" (Bendowa).


    Vielen Dank nochmal für die guten Anregungen. Die nehme ich gerne mit in meine Auszeit. _()_


    Ich habe meinen Eingangstext ein wenig aufgehübscht, mit Schriftzeichen versehen und hier in ein PDF gepackt: Foulks Analyse des Begriffs ‚shikan taza‘ bei Dogen

    Heutzutage suchen viele Menschen die Zweige, lehnen aber die Wurzel ab, vergessen das Wahre und fallen in das Falsche, sie haben den Buddhadharma geschädigt - Yunan Kewen


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  • In Zazenshin wird klar, dass es keine Übung ist, einen spezifischen Geisteszustand zu erreichen, weder den Geist zu beruhigen noch andersweitig seine Erfahrung zu manipulieren.


    Wie liest du folgende Textstellen: "Just sit; only then will you get it" (Eihei koroku); ""Must we not pursue the way in seated meditation (zazen bendou), as urgently as if rescueing our own heads from fire?" (Eihei koroku); "people who have not yet realized and understood buddha-dharma may pusue the way in seated meditation (zazen bendo) and be able thereby to attain realization (shou)" (Bendowa).

    Lieber Leuchtende Birke,

    die von Dir zitierten Textstellen beziehen sich auf die Entschlossenheit; nur wer voll und ganz sich der Praxis ergibt als ob sein Haar in Flammen stehen würde, manifestiert den Weg. Wenn dein Kopf brennt, gibt es keine Halbherzigkeit, keine Prokrastination. Dieses Sitzen nennt Dogen das Dharma-Tor des Friedens und der Freude...

    In Zazen Yojinki wird die Einstellung klar:

    Zitat

    [...]you should cease to discriminate between good and evil. Give up all affairs with which you are involved; do not occupy your mind with any concerns nor become physically engaged in any activity. This is the primary point to bear in mind. When delusive objects disappear, delusive mind falls away.

    When delusive mind falls away, the unchanging reality manifests itself and we are always clearly aware. It is not extinction; it is not activity.

    Das Dharma-Tor ist bereits da, wir müssen es nur erkennen, dazu sitzen wir ohne Ablenkung und transzendieren die Illusionen. Wir arbeiten nicht darauf hin, in der Zukunft zu erwachen, wir sehnen uns nicht nach Satori, sondern sitzen mit unserem ganzen Wesen, ohne uns in den Dingen zu verstricken.

    Den Schmetterling des Zen im Netz des Verstandes zu fangen; machen wir uns das klar, dass das nicht geht

  • Hast du da eine Leseempfehlung für mich?

    Eine englische Online-Übersetzung findet sich hier. Als deutscher Text liegt mir eine Übersetzung von Thomas Cleary's 'Minding Mind. A Course in Basic Meditation' (Shambhala 1995) vor, übersetzt von Konrad Dietzfelbinger und 1998 bei Ullstein unter dem Titel 'Das Auge des Geistes. Vom Einstieg in die Basis-Meditation' erschienen. In der Reihe "Esoterik", allen Ernstes m). Enthält außerdem das Fukan Zazen Gi sowie Texte von Hongren, Cijiao (Englisch online hier), Foxin Benjai, Chinul und Man-an (ein Sōtō-Meister des 17. Jahrhunderts). Keine akademischen Übersetzungen, aber ein sehr schöner Reader. In Deutsch gibt es auch eine Übersetzung von Evelyn de Smedt ('Komyozo Zanmai - Das Licht des Satori' Kristkeitz 2001), die ich nicht näher kenne. Laut Verlag "auf der Grundlage der mündlichen Kommentare von Zen-Meister Taisen Deshimaru-Rōshi übersetzt" - was ich etwas abschreckend finde. Wenn das hier die Grundlage der Übersetzung sein sollte, dann erkenne ich da Koun Ejōs Text nicht wieder ...

    Bezüglich der "Fachwelt", ich denke, dies kann man auch anders lesen. Im Sinne von, dass man sich gegen etwas/jemanden sträubt, was ein als "Außenstehender" jetzt über "meine Religion, Praxis, Leben" erzählt.

    Nun, Foulk hat seine persönliche Interpretation von 'shikan taza' und die sei ihm gegönnt. Jedenfalls steht er damit so ziemlich alleine auf weiter Flur - nicht nur in der philologischen Fachwelt, sondern auch bei Praktikern. Ich vermag ihm ja in seiner Argumentation, 'shikan taza' sei ein Kōan, durchaus zu folgen (für diese - meine - Interpretation bedarf ich allerdings nicht Foulks Argumente). Aber wenn er dann weiterspinnt, als Kōan sei 'shikan taza' "something to be commented on" - sorry, da kann ich kaum glauben, dass der Mann jemals ernsthaft Zazen praktiziert hat (was er nach eigener Aussage getan hat). Das, was Foulk tut, ist "to comment on shikan taza" - und das hat weder etwas mit Zazen noch mit Kōan zu tun. Und nebenbei bemerkt - seine Unterstellung, shikan taza würde von der von ihm kritisierten "Fachwelt" so verstanden, als sei Sitzen die einzige Übung des Weges, die Dōgen gelten lässt, ist schlicht albern - nicht zuletzt, weil es durch Dōgens hinterlassene Schriften so einfach zu widerlegen ist - dazu braucht man nicht einmal Japanologe zu sein. Beim shikan taza geht es darum, wie man sitzt, wenn man sitzt. Das ist das Kōan, dass man mit ungeteiltem Geist-Und-Körper studiert - shinjin gakudo, um hier einen Nachbarthread aufzugreifen. Und dabei geht es wahrlich nicht darum, dass man sein Sitzen hinterher "kommentiert".


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  • Vielen Dank für die Leseempfehlungen. Die online verfügbaren Texte habe ich gelesen. Noch einmal Dank dir und kal für eure Einschätzung und Einordnung.

    Heutzutage suchen viele Menschen die Zweige, lehnen aber die Wurzel ab, vergessen das Wahre und fallen in das Falsche, sie haben den Buddhadharma geschädigt - Yunan Kewen


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  • Vielen Dank für die Leseempfehlungen. Die online verfügbaren Texte habe ich gelesen. Noch einmal Dank dir und kal für eure Einschätzung und Einordnung.

    Falls Du es nicht schon selbst entdeckt hast... eine Leseempfehlung:

    DER ASSO-BLOG: Foulks Thesen zum shikantaza und wie Zennies häufig reagieren


    (Falls der Link entfernt werden sollte, dann bitte nach Zen, Asso und Blog suchen ;) )


    Auch von mir ein Dankeschön für die Beiträge.

    _()_